ALLE THESEN

 

1. Gotteserfahrung und Gottesbeziehung

Es ist eine Illusion, wenn der Mensch meint, er müsse Gott und seine Alltagswelt erst kunstvoll in Beziehung setzen. Denn Gott und Welt sind längst in Beziehung. Und der Mensch hat es im Grunde nie mit einem anderen zu tun als mit Gott. Wir sind immer in Beziehung mit ihm, und die Frage ist bloß, wie sich diese Be-ziehung gestaltet. Ob sie nämlich eine unbewusste und ungeklärte, eine unwillige und darum unheilvolle Beziehung bleibt, oder ob der Glaube daraus eine be-wusste und geklärte, eine willig bejahte und darum heilvolle Gottesbeziehung werden lässt.

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2. Sehnsucht und Erfüllung

Alle Menschen hoffen und erstreben etwas, das sie erjagen wollen, um darin Glück und Frieden zu finden. Doch – ob sie’s wissen oder nicht: Eigentlich ist es immer Gott, den sie suchen. Denn was könnte in der Welt an Gutem enthalten sein, wenn nicht das, was der Schöpfer von seiner eigenen Herrlichkeit hinein-gelegt hat? Wenn ein Mensch also sucht, was ihm Erfüllung schenkt, sucht er eigentlich Gott – und schade ist es, wenn er sich mit dem irdischen Abglanz und Widerschein göttlicher Herrlichkeit zufrieden gibt, ohne ihren Ursprung zu suchen!

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3. Verstand, Wille, Gefühl, Reflex

Obwohl die verschiedensten Anteile unserer Person am Glauben beteiligt sind (Wille, Gefühl, Erfahrung, Vernunft, etc.), lässt sich der Glaube weder auf eine, noch auf die Gesamtheit dieser Funktionen zurückführen. Glaube ist vielmehr eine facettenreiche Reflektion göttlichen Lichtes: Wie ein Spiegel Licht nicht erzeugen, sondern nur reflektieren kann, so kann unsere Seele das Licht des Evangeliums nicht erzeugen, sondern nur reflektieren – und eben diese Re-flektion nennen wir „Glaube“.

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4. Gottesbeziehung und Biographie

Die Beziehungsmuster, die den Glauben ausmachen, werden schon in der Kindheit erlernt. Doch der Heranwachsende, der sich von den Eltern ablöst, findet nicht so leicht ein Gegenüber, das an ihre Stelle treten könnte. Er bindet sich an Werte, Autoritäten und Glücksverheißungen dieser Welt, bis er begreift, dass zwischen seiner Sehnsucht und dem Angebot der Welt ein prinzipielles Missverhältnis besteht. Erst dann steht er an der Schwelle des Glaubens, der zu den relativen Dingen nur ein relatives Verhältnis hat und zu den absoluten ein absolutes.

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5. Psychologie und Bekehrung

Oft wird der Eindruck erweckt, psychologische und theologische Erklärungs-muster stünden sich als Alternativen gegenüber. Man unterstellt, dass dort, wo „Natur“ wirkt, nicht „Gott“ wirken könne – und umgekehrt. Doch für den Glau-benden ist es selbstverständlich, dass Gott natürliche Prozesse in seinen Dienst nimmt. Wie Brot ein Produkt des Bäckers und ein Geschenk Gottes sein kann, kann Glaube ein psychischer Prozess und eine Wirkung des Heiligen Geistes sein, ohne dass diese beiden Dimensionen derselben Sache einander stören müssten.

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     Ist Glaube irrational?

Eine Gewissheit, die auf Erfahrung beruht, wird nicht dadurch zweifelhaft, dass diese Erfahrung anderen Menschen fehlt. Denn es stimmt nicht, dass nur wirklich sei, was jedem Menschen jederzeit als wirklich demonstriert werden kann. Manches erfährt man nur zu bestimmten Zeiten, nur an bestimmten Orten oder nur mit besonders scharfen Augen! Auch der Glaube resultiert aus einer Er-fahrung, die nicht jeder macht. Er verdankt sich nicht der Vernunft, ist aber auch nicht gegen die Vernunft, sondern bloß über der Vernunft – und daher keines-wegs unvernünftig.

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6. Des Menschen Vernunft und Gottes Geist

Glaube ist nichts, wofür wir uns souverän „entscheiden“ oder was wir „tun“ könnten. Er ist aber auch nichts, was mit uns oder an uns „getan wird“ wie an unbeteiligten Objekten. Sondern wie die Sonne mich schwitzen oder die Kälte mich frieren lässt, so lässt Gott mich glauben: Der Mensch ist dabei ganz beteiligt und bewegt. Aber wo die äußere Einwirkung fehlt, kann er nicht (schwitzen, frieren) glauben - und wo sie ist, kann er es nicht lassen.

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7. Gründe des Glaubens, Glaube als Grund

Unter dem Einfluss des Heiligen Geistes sind nicht erst die Ergebnisse unseres Denkens neu, sondern schon die Voraussetzungen. Der Wandel selbst aber wird nicht etwa begründet, sondern liefert seinerseits die Begründung für vieles – wie ja auch der, der von einem mächtigen Gegner überrannt wurde, keine beson-deren Gründe braucht, um am Boden zu liegen. Nicht der Christ hat eine Er-kenntnis, sondern sie hat ihn. Er hat nicht sichergestellt, sondern wurde sicher-gestellt. Und so ist Glaube tatsächlich „Gewissheit ohne Beweis“ (Amiel).

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8. Die unvermeidliche Deutung des Daseins

Der menschliche Erkenntnisdrang steht der Welt gegenüber wie einem lücken-haften, deutungsbedürftigen Text. Denn der Bereich des „gesicherten Wissens“ ist nicht so groß, wie wir ihn gerne hätten. Da das Leben trotzdem Entscheidung-en von uns verlangt, ist der Mensch gezwungen, sein Dasein zu „interpretieren“ und zu „deuten“. Wer dabei Gott außen vor lässt, handelt nicht „rationaler“ als der, der mit Gott rechnet. Denn Unglaube und Glaube müssen gleichermaßen „gewagt“ werden. Wohin der jeweilige Weg führt, erfährt nur der, der ihn geht.

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9. Polytheismus und erstes Gebot

Gott fordert die ungeteilte Hingabe der Gläubigen, denen er nicht erlaubt, neben ihm noch andere Götter zu verehren. Dahinter steht aber nicht Eifersucht, sondern die Einsicht, dass man Vertrauen nicht teilen kann. Der Mensch kann nur eine oberste Priorität haben – nicht viele. Denn wenn er seine Hingabe auf mehrere Mächte aufteilt, wird er allen ein bisschen, und keinem ganz vertrauen. Es ist Misstrauen, das uns treibt, mehrgleisig zu fahren. Dass diese Strategie aber in der Religion genauso schlecht funktioniert wie in der Ehe – das ist die Botschaft des 1. Gebotes.    

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10. Weisheit und Torheit

Kluge Menschen haben Gott gegenüber keinen Vorteil. Denn Gott wollte nicht, dass der Glaube ein Rätsel sei, das nur die Schlauen lösen, während die Dummen mal wieder „dumm“ dastehen. Deshalb hat Gott die Wahrheit des Glaubens nicht dem Menschengeist anvertraut, sondern seinem Heiligen Geist, der sie zugänglich machen oder verweigern kann. Gott liebt die Gescheiten nicht mehr als die Trottel, und teilt sich darum der Welt mit in einem Evangelium, dem menschliche Dummheit nichts abbrechen, und dem menschliche Weisheit nichts hinzuzufügen vermag.

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11. Einseitigkeit und Vielfalt

Es gibt nur einen christlichen Glauben. Doch ist dieser Glaube in mehr als einer Weise auf Gott bezogen. Je nachdem, welche der sieben „Beziehungsmuster“ dominieren, entwickelt der Mensch seinen speziellen „Typ“ des Christ-Seins. Diese Vielfalt des Glaubens ist zu begrüßen, weil jeder „Typ“ seine besonderen Stärken hat. Doch liegt auch eine Gefahr darin: Wird eine Beziehungsform ganz aus dem Zusammenhang der anderen gelöst und einseitig überbetont, kommt es zu Fehlformen des Glaubens.

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12. Echtheit des Glaubens

Das Kennzeichen „echten“ Glaubens ist es, dass seine Gottesbeziehung nicht „Mittel zum Zweck“, sondern „Selbstzweck“ ist. Denn wer wirklich Gott sucht, der sucht ihn um seiner selbst willen. Wo man dagegen die Beziehung zu Gott „nutzen“ will, um das eigene Lebensgefühl zu steigern oder die Welt besser zu genießen, da wird alles falsch: Denn Gott ist das Ziel. Das irdische Leben ist nur der Weg. Und diese beiden Dinge nicht zu verwechseln, das ist das Kennzeichen „echten“ Glaubens.

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     Gott statt Religion

Christlicher Glaube ist von Religion zu unterscheiden, denn Religion ist oft nur ein eigenmächtiger Versuch des Menschen, seine Beziehung zu Gott auf vorteil-hafte Weise in den Griff zu bekommen. Man will Gott durch Wohlverhalten, Riten, Beschwörungen und Opfer lenken, besänftigen und bändigen. Christlicher Glaube aber erkennt, dass so etwas Gott gegenüber nicht funktioniert. Nicht der Mensch bemächtigt sich Gottes, sondern Gott des Menschen. Der religiöse Mensch möchte Kontrolle gewinnen, doch der Gläubige überlässt sie dem, an den er glaubt.

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   Gottesbeweise

Gottesbeweise sind interessant, aber ihr Nutzen ist begrenzt, weil gläubige Men-schen sie nicht brauchen, und ungläubige durch Logik allein nicht zum Glauben finden. Gott offenbart sich in dieser Welt zwar deutlich genug, um jeden denken-den Menschen zu einer Stellungnahme zu zwingen. Aber er offenbart sich nicht so deutlich, dass er damit unsere Stellungnahme vorwegnähme. Und das ist Ab-sicht. Der Glaube soll strittig bleiben. Denn wäre Gott beweisbar, würden um der Beweise willen alle Menschen glauben – und es käme nicht ans Licht, wer Gott um Gottes willen sucht.

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Wahrheit wissen und Wahrheit sein 

„Wahr“ sind Aussagen, die das Wirkliche korrekt abbilden, indem sie auf der Ebene der Beschreibung dem beschriebenen Sachverhalt entsprechen. Doch Wahrheit nur zu kennen, heißt noch nicht „in der Wahrheit zu sein“. Dann erst ist ein Mensch „in der Wahrheit“, wenn er der Wirklichkeit Gottes nicht bloß mit Worten und Gedanken, sondern mit seiner Person ganz und gar entspricht, so dass sein Leben insgesamt eine einzige große Entsprechung zu Gott ist. Nur dieses „Leben in der Wahrheit“ ist das „wahre Leben“ – wie wir es an Christus sehen.

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13. Transzendenz und Offenbarung Gottes

Weil Gott den menschlichen Horizont überschreitet, wissen wir von ihm nur, was er uns hat wissen lassen in seiner Offenbarung. Sie geschah, als Gott in den menschlichen Gesichtskreis trat und Mensch wurde. Darum ist Jesus Christus Grund und Grenze aller christlichen Rede von Gott: Wir dürfen nicht mehr von Gott sagen, als wir am Leben, Sterben und Auferstehen seines Sohnes ablesen können – aber auch nicht weniger.

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14. Gottes Verborgenheit und Wegweisung

Gott ist wie eine verschlossene Burg, die sich nur an einer Stelle für den Men-schen öffnet. Durch Taufe, Abendmahl, Bibel, Gebet und Gottesdienst will Gott sich finden lassen. Hier hat er die Zugbrücke heruntergelassen. Macht es da Sinn, über die Mauer zu klettern? Nein. Darum ist der Glaube ein fröhlicher Gehorsam, der von der Bahn, die Gott ihm beschrieben hat, weder links noch rechts abweicht. Er steigt nicht zum Fenster ein, sondern er nimmt die Tür. Denn Glauben heißt, Gott dort zu suchen, wo er gefunden werden will – und nirgends sonst.

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15. Wort Gottes und Schriftprinzip

Die Bibel ist das einzige Medium, das uns zuverlässig mit Gottes geschichtlicher Offenbarung in Jesus Christus verbindet. Sie ist darum der verbindliche „Original-ton“, an dem sich alle späteren Interpretationen des Evangeliums und alle Ge-stalten kirchlichen Lebens messen lassen müssen. Dass Menschenhände das eine Wort Gottes niedergelegt haben, ändert daran nichts: Gott bleibt der „Autor“ hinter den biblischen Autoren, denn sie waren Instrumente seines Geistes.

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16. Die Autorität der Bibel

Die Bibel leiht sich ihre Autorität weder von der Vernunft noch von der Wissen-schaft, sondern ist selbst in der Lage, ihre Botschaft Geltung zu verschaffen, indem sie den Leser berührt, ihn wandelt und zum Glauben überführt, nieder-schmettert und tröstet. Wer diese Erfahrung aber macht – wie könnte der noch zweifeln, dass diese Worte Gottes eigene Worte sind? Keiner glaubt der Bibel, weil man ihm vorher ihre göttliche Herkunft bewiesen hätte. Sondern umgekehrt: Weil die Schrift uns zu Gott neu in Beziehung gesetzt hat, darum glauben wir ihr.

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17. Der Inhalt der Bibel

Es ist nicht der Gläubige, der die Bibel deutet, sondern es ist die Bibel, die den Gläubigen deutet. Sie beschreibt nämlich den großen Zusammenhang, in den sein Dasein eingebettet ist, und verrät ihm die Intention seines Schöpfers: Gott will trennen, was heute noch verquickt ist, will die Sünde vernichten, die Person des Sünders aber retten. Wer davon hört, ist eingeladen, Gottes Unterscheidung im Blick auf sich selbst mit- und nachzuvollziehen. Insofern ist die Bibel kein Rätsel, das der Mensch lösen müsste, sondern der Mensch ist das Rätsel, dessen Lösung die Bibel verrät.

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18. Die Bibel als Norm

Der Glaube unterscheidet sich von anderen „Weltanschauungen“ dadurch, dass er sich nicht menschlichem Grübeln verdankt, sondern göttlicher Offenbarung. Er ist darum an das Dokument dieser Offenbarung – an die Heilige Schrift – blei-bend gebunden. Die große Versuchung der Theologie besteht darin, sich die Heilige Schrift durch „kritische“ Begutachtung, Bewertung und Interpretation ge-fügig zu machen. Doch dem muss widerstanden werden: Denn nicht wir richten über Gottes Wort, sondern Gottes Wort richtet über uns.

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19. Historisch-kritische Exegese

Das biblische Wort ist nicht Gottes Wort allein, denn niedergeschrieben haben es Menschen. Das biblische Wort ist aber auch nicht allein Menschenwort, denn Menschen finden sich darin seit Jahrhunderten von Gott angeredet. Die Bibel ist demnach Gotteswort und Menschenwort zugleich – und ähnelt darin dem, von dem sie berichtet. Denn Jesus Christus war auch Mensch und Gott zugleich, ohne dass seine menschliche Natur die göttliche aufgehoben hätte (oder umge-kehrt).

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Zwei Weisen, die Bibel zu lesen

Wie man vor einem Spiegel stehend entweder auf den Spiegel selbst, oder auf das in ihm erscheinende Spiegelbild der eigenen Person schauen kann, so kann man beim Lesen der Bibel seine Aufmerksamkeit auf das Buch als solches richten, oder auf das, was man im Spiegel der Bibel über sich selbst und Gott erfährt. Beides ist erlaubt, das Zweite aber wichtiger. Denn Gott gab uns die Bibel nicht, damit wir ihre Entstehung studieren und damit den Rahmen des Spiegels von hinten betrachten, sondern damit wir vorne reinschauen und uns selbst erkennen! 

 

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   Altes und Neues Testament

Die verbreitete Ansicht, der Gott des Alten Testaments sei ganz „anders“ als der des Neuen, ist falsch. Denn hier wie dort erwählt Gott Menschen zu seinem Volk und schließt voller Gnade einen Bund mit ihnen. Und hier wie dort gilt, dass jene, die außerhalb des Bundes stehen, unter dem Fluch bleiben, der mit Adams Sünde begann. Der Unterschied der Testamente liegt darin, dass Jesu die Zu-gangsbedingungen ermäßigt: Der neue Bund steht auch Heiden und Gescheiter-ten offen. Aber wie Gottes Gnade dabei ungeahnte Formen annimmt, so auch sein Gericht (Offb. des Joh.!). Beide Züge treten im NT stärker hervor. Gott aber bleibt ganz derselbe.

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20. Gesetz und Evangelium

Der Mensch neigt dazu, sich entweder stolz zu überschätzen und zu überheben oder - von solchen Höhenflügen abgestürzt - in Verzweiflung zu versinken und die Selbstachtung zu verlieren. Gott aber will uns vor beidem bewahren und gibt uns darum als „Begrenzung nach oben“ sein Gesetz (es zwingt uns zu nüchter-ner Selbsterkenntnis und schützt so vor aller Aufgeblasenheit) und als „Begren-zung nach unten“ sein Evangelium (auch wo wir versagen, sagt es uns Gottes Liebe zu, die uns trägt).

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21. Der Absolutheitsanspruch des Christentums

Die nichtchristlichen Religionen entspringen nicht einfach menschlicher Willkür und Phantasie, sondern auch sie verdanken sich dem Wirken und Sich-Bezeugen Gottes. Sie sind einem Christen darum nicht völlig fremd, sondern enthalten – unter vielen Irrtümern – manche sehr respektable Wahrheit, die man anerkennen sollte. Doch wieviel Wahrheit andere Religionen auch enthalten mögen, so fehlt ihnen ohne Christus doch der Zugang zu Gott, den sie haben müssten, um ihren Anhängern das Heil zu vermitteln. Sie kennen das Ziel. Aber sie erreichen es nicht.

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22. Wissenschaft, Vernunft und Zweifel

Es liegt im Wesen des Glaubens, dass er die Wahrheit (und die vorbehaltslose Suche danach) nicht fürchten muss, ja nicht einmal fürchten kann. Denn wenn Gott der Grund aller Wirklichkeit ist, dann kann, wer den Grund aller Wirklichkeit sucht, letztlich nichts anderes finden als Gott. Und ist Wahrheit Übereinstimmung mit Wirklichkeit, so wird sich am Ende der Glaube - die Übereinstimmung mit Gott - von selbst als die größte Wahrheit erweisen.

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23. Die Unerforschlichkeit Gottes

Es liegt in der Natur des Menschen, dass er die Dinge verstehen will. Er erkundet und untersucht seine Umwelt mit der Absicht, sie seinen Zwecken dienstbar zu machen. Doch wer sich in dieser Weise Gott zuwendet, stößt an Grenzen. Denn der „Untersuchungsgegenstand“ Gott erweist sich als lebendiges Gegenüber. Und je näher man ihm kommt, desto mehr kehrt sich das Verhältnis um: Gott wird nicht erforscht und hinterfragt, erforscht und hinterfragt aber uns. Glauben heißt, das zuzulassen – und zu erkennen, dass man von Gott erkannt ist.

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     Theologie

Theologie gibt Rechenschaft vom Glauben nach „außen“ hin, indem sie sich erklärend und argumentierend den kritischen Fragen der Nicht-Gläubigen stellt. Und sie verantwortet den Glauben genauso nach „innen“, indem sie den Gläubi-gen hilft, sich ihrer Glaubensgrundlagen immer wieder zu vergewissern. Um diese Aufgaben zu erfüllen muss Theologie (1.) „schriftgemäß“ sein, (2.) „zeitb-ezogen“ und (3.) „widerspruchsfrei“. Geht sie aber fehl und verrennt sich, so hilft nur eine Rückkehr zu den neutestamentlichen Quellen, wie sie schon die Refor-matoren vollzogen haben.

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24. Atheismus und Existenz Gottes

Gott ist als Bestandteil des Universums nicht auffind- und nicht nachweisbar, weil er kein Teil des Universums ist, sondern ihm als Schöpfer gegenübersteht (Man sucht ja auch nicht den Komponisten zwischen den Noten). Dass Gottes Existenz nicht „nachweisbar“ ist, muss den Gläubigen aber nicht verunsichern: Er bleibt in jedem Falle, was er ist. Auch ein Fisch, dem man bewiese, dass es das Meer nicht gibt, würde deswegen ja nicht zum Vogel.

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25. Gottes Majestät und Unbegreiflichkeit

Was der Kirche heute fehlt, ist nicht die oft geforderte „Lässigkeit“, sondern eine neue Scheu vor dem Heiligen. Denn wo die Ehrfurcht fehlt, wird aus berechtigtem Gott-Vertrauen schnell eine plumpe Vertraulichkeit, die dem „Gegenüber“ des Glaubens nicht gerecht wird. Gemessen an seiner Lebendigkeit sind wir tot. Gemessen an seiner Unendlichkeit sind wir eng. Gemessen an seiner Weisheit sind wir töricht. Das aber spüren und akzeptieren zu können, gehört zum Glau-ben unbedingt dazu. Denn nur wer bereit ist, die Schuhe auszuziehen, wird den Dornbusch brennen sehen.

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26. Gottes Wesen und Eigenschaften

Die wichtigsten Eigenschaften Gottes sind: Von-sich-selbst-sein, Unveränder-lichkeit, Unermesslichkeit, Ewigkeit, Allgegenwart, Lebendigkeit, Vollkommenheit, Unbegreiflichkeit, Allwissenheit, Allmacht, Weisheit, Heiligkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Güte. Es ist aber zu beachten, dass Eigenschaftsbegriffe nicht in derselben Weise auf Gott angewandt werden können wie auf Menschen oder Dinge, denn Gott ist immer größer als alles, was in menschlichen Worten eingefangen und ausgesagt werden kann.

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27. Gottes Ort und Gottes Haus

Die Frage, wo Gott ist, kann nicht mehr mit dem Hinweis auf den „Himmel“ beantwortet werden, seit Luft- und Raumfahrt den „Himmel“ erschlossen haben. Gott ist allgegenwärtig, d.h.: Er ist in allem, alles ist in ihm und nichts ist außer-halb von ihm, denn er ist nirgends nicht. Weil wir aber dazu neigen, „überall“ und „nirgends“ gleichzusetzen, ist es wichtig, den Ort zu kennen, an dem Gott in besonderer Weise gegenwärtig ist: Nämlich dort, wo zwei oder drei im Namen Christi versammelt sind.

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28. Unsere Zeit und Gottes Ewigkeit

Gottes Ewigkeit ist keine ins Endlose gedehnte Zeitlichkeit, sondern eine aller Zeitlichkeit enthobene Freiheit gegenüber der Zeit. Gottes Ewigkeit ist also keine quantitative Steigerung der Zeit, sondern eine ganz andere Qualität. Umso er-staunlicher ist es, dass der Ungewordene und Unvergängliche als Jesus Christus in die Zeit einging, um uns vergänglichen Kreaturen Anteil an seiner Ewigkeit zu gewähren.

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29. Gottes Allmacht

Die Bibel bezeugt vielfach, dass Gott, wenn er etwas will, durch nichts daran gehindert werden kann. Denn Gott ist einer, der, was er will, auch kann. Und das ist ein großes Glück, weil er die Macht in Jesus und hinter Jesus ist. Nur Gottes Allmacht bietet Gewähr dafür, dass Jesu Verheißungen wahr werden. Jesu Liebe wäre hilflos, wenn nicht das Durchsetzungsvermögen des Allmächtigen ihren Hintergrund bildete. So aber dürfen wir zuversichtlich erwarten, dass am Ende der Weltgeschichte alle Macht liebevolle Macht – und alle Liebe mächtige Liebe sein wird.

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     Gottes Unveränderlichkeit

Weil Gott keine Schwankungen kennt, ist auch sein Wille unveränderlich in dem, was er von uns fordert. Seine Ansprüche sind nicht wandelbar oder verhandel-bar. Und das ist schrecklich für alle, die sich ihm sinnlos widersetzen. Gott hat immer den längeren Atem! Für die Gläubigen ist es aber sehr tröstlich, weil Gott das, was sie auf fehlbare und schwankende Weise wollen, auf unveränderliche und eindeutige Weise will. Niemand hat die Macht, den Unveränderlichen zu ändern, ihn vom Wege abzubringen oder sein barmherziges Werk an uns zu hindern.

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     Gottes Ehre

Der Begriff „Ehre“ beschreibt die persönliche Integrität einer Person, deren Verhalten übereinstimmt mit den von ihr erhobenen Ansprüchen, den von ihr anerkannten Werten und den von ihr gegebenen Zusagen. Weil Gott aber sagt, was er denkt, tut, was er sagt, und hält, was er verspricht, ist er der Inbegriff der Ehre. Gott stimmt mit sich selbst ganz und gar überein. Er kennt kein Abweichen von Sein und Schein, Pflicht und Wirklichkeit. Und darum ist es recht und billig, nicht den fehlbaren Geschöpfen, sondern allein dem Schöpfer die ihm gebühren-de Ehre zu geben – und sie vor aller Welt zu bezeugen.

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30. Gottes Güte

Gut ist, was Gott will, und böse ist, was Gott nicht will. Doch will er das Gute nicht, weil es „an sich“ schon gut wäre. Sondern, was Gott will, wird dadurch „gut“, dass er es will, und es ist auch allein darum „gut“, weil er es will. Gott hält sich also an keine Norm, Gott ist die Norm. Er folgt keiner Ordnung, sein Wille ist die Ordnung. Gott respektiert nicht einen vorgegebenen Unterschied von „gut“ und „böse“, sondern indem er handelt und gebietet setzt er diesen Unterschied in Kraft.

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31. Dreifaltigkeit und Offenbarung Gottes

Die Lehre von Gottes Dreieinigkeit ist kein Denkproblem: Fließendes Wasser, Dampf und Eis sind schließlich auch ganz verschieden - und sind doch immer nur H2O. Ebenso sind der Schöpfer, Jesus Christus und der Heilige Geist ganz ver-schieden - und sind doch immer nur der eine Gott. Wer Gott verstehen will, muss das wissen. Denn betrachtet man eine der drei „Personen“ isoliert, so verkennt man sie zwangsläufig. Sieht man jedoch ihre Zusammengehörigkeit, so er-schließt eine die andere.

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   Gottes Name, Gottes Wesen

Zu einem Namenlosen kann man nur schlecht in Beziehung treten. Bei Gott ist aber das Problem, dass er nicht zu wenige, sondern eher zu viele Namen hat, die alle irgendwie richtig sind und zutreffen. Das ist verwirrend. Aber wenn wir Gott als den Vater Jesu Christi kennen lernen, entsteht Eindeutigkeit. Denn das ist Gottes authentische Selbstbeschreibung. In keinem anderen Namen ist Heil. Darum glauben und bezeugen Christen, dass niemand recht von Gott redet, der dabei nicht den Vater Jesu Christi meint, und dass jeder das Thema „Gott“ ver-fehlt, wenn er dabei nicht von Jesus spricht.

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32. Gottes Liebe

„Gott ist die Liebe“, aber er ist nicht „lieb“ im harmlosen Sinne. Denn Gottes Liebe ist die kraftvoll-entschlossene Weise, in der Gott das Dasein seiner Geschöpfe bejaht. Wo dieses Dasein bedroht und gefährdet wird, dort schließt Gottes Liebe (wie alle wirkliche Liebe) Zorn und Konfliktbereitschaft nicht aus, sondern ein: Gerade weil Gott Liebe ist, kann er nicht immer „lieb“ sein. Und er verlangt es auch nicht von uns.

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33. Gottes Liebe im Verhältnis zu seinem Zorn

Gottes Zorn ist der Wider-Wille des Schöpfers gegen das Böse, das seine Schöpfung zu zersetzen droht. Darum kann man nicht wünschen, dass Gottes Zorn nachließe. Denn wie sollte Gott das Leben seiner Geschöpfe bejahen ohne die Sünde zu verneinen, die ihnen den Tod bringt? Es macht daher keinen Sinn, gegen Gottes Zorn zu opponieren. Es ist besser, vom Ausmaß des Zorns auf das Ausmaß seiner Liebe zu uns zu schließen - denn dann beginnt man Gott zu ver-stehen.

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34. Gottes Verborgenheit

Der Glaube lebt von Gottes Nähe. Doch manchmal scheint es, als sei er abwe-send und fern. Diese Erfahrung ist bedrohlich. Und trotzdem gilt es, ihr standzu-halten. Man darf Gott dann nicht durch irgendetwas anderes ersetzen. Und man sollte auch nicht so tun, als käme man ohne ihn aus. Man halte einfach Gottes Platz frei und ertrage die Leere, die er uns zumutet. Denn Gott verbirgt sich, aber er verlässt uns nicht. Er bleibt der barmherzige Vater, der versprochen hat, zurückzukommen. Die Bereit-schaft aber, auf ihn zu warten – das ist Glaube.

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Gottes Handeln und „natürliche Erklärungen“

Kritiker des Glaubens unterstellen gern, Geschehnisse müssten entweder von Gott gewirkt sein (und hätten dann keine „natürlichen Ursachen“), oder sie hätten „natürliche Ursachen“ (und seien dann nicht von Gott gewirkt). Doch der Hinweis auf „natürliche Ursachen“ könnte Gottes Handeln nur ausschließen, wenn fest-stünde, dass Gott sie nicht als Instrumente mittelbaren Wirkens nutzt. Und dem steht das biblische Zeugnis entgegen: Gott kann ebenso gut innerhalb wie außer-halb der Naturordnung wirken. Die Folgerung, wo ein irdischer Kausalzusammen-hang vorläge, sei (darum!) der Himmel nicht im Spiel, erweist sich damit als falsch.

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35. Schöpfung, Naturwissenschaft und Urknall

Urknall-Theorie und Schöpfungsglaube stehen nicht in Konkurrenz zueinander, weil einmal nach dem „wie“ der Weltenstehung gefragt wird, und einmal nach dem „warum“. Man darf hier Anfang und Grund nicht verwechseln, denn wer zurecht sagt, ein Theaterstück habe begonnen, als sich der Vorhang hob, wird doch nicht behaupten, das Theaterstück sei aufgeführt worden, weil sich der Vorhang hob. Die Frage, warum überhaupt etwas ist, wo doch auch nichts sein könnte, wird durch den Urknall nicht geklärt. Er ist ein Teil dieses Rätsels – und nicht die Lösung.

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Schöpfung in 7 Tagen?

Die Bibel hat nicht die Absicht, in der Art eines naturwissenschaftlichen Schul-buchs über die Entstehung der Erde zu informieren, und sie legt darum auch keinen Wert auf eine einheitliche Chronologie der Schöpfungswerke. Die Bibel protokolliert nicht „wie“, sondern bejubelt „dass“ Gott die Welt schuf. Ihre Pointe ist, dass der Mensch sich hier und heute in derselben mächtigen Hand Gottes weiß, aus der von Anbeginn an alles hervorgegangen ist. Entscheidend ist Gottes Anspruch, der aus seiner Urheberschaft resultiert. Und sollte sich der Schöpfer mehr Zeit genommen haben als 7 mal 24 Stunden, so stört das den Glauben sehr wenig.

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36. Sein und Nicht-Sein, Wirklichkeit und Schein

Gott ist das Sein in allem Seienden, denn die Dinge dieser Welt, die uns so ungemein wirklich vorkommen, sind es nur, insoweit sie an Gottes Wirklichkeit teilhaben. Wir alle sind nur in dieser abgeleiteten Weise „wirklich“ und sind es nur, weil Gott als Grund und Quelle des Seins uns Sein verleiht. Gott verhält sich zu uns, wie der Filmprojektor zu den flackernden Bildern, die er an die Wand wirft. Er ist die Realität, die uns zu flüchtigem Leben erweckt. Darum ist nichts da, ohne dass Gott darin ist, und nichts bleibt, wenn nicht Gott darin bleibt.

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37. Gottes Allgegenwart

Gott und Welt sind strikt zu unterscheiden. Und trotzdem ist Gott keine isolierte Größe „neben“ der Welt. Er kann nicht zu den Teilaspekten der Wirklichkeit hinzuaddiert werden als etwas, was es „auch noch“ gibt. Vielmehr ist Gott die alles bestimmende Wirklichkeit. Wir begegnen ihm in allen Dingen. Doch sehen kann das nur der Glaube: Für ihn ist die Welt transparent wie ein buntes Kirchen-fenster. Er sieht die Vielfalt der Farben und weiß doch, dass es nur ein Licht gibt. Er sieht die Schöpfung und erkennt darin den Abglanz des Schöpfers.

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38. Natur, Schicksal und Geschichte

Zwischen Schöpfung und Urknall besteht ebenso wenig eine Alternative wie zwischen göttlicher Fürsorge und menschlicher Selbsterhaltung. Unser „täglich Brot“ kommt vom Bäcker und kommt doch von Gott. Denn so wie wir für unsere Arbeit Werkzeuge benutzen, so bedient sich Gott der natürlichen und kulturellen Kräfte: Sie sind Instrumente in seiner Hand, die ohne ihn unser Leben so wenig erhalten könnten, wie ein Hammer ohne Tischler einen Nagel einzuschlagen vermag.

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39. Schicksal, Allmacht, Vorsehung

Gottes Allmacht ist eine lückenlose, alles Geschehen bestimmende Wirksamkeit, durch die Gott die Geschicke der Welt nach seinem Willen lenkt. Der Mensch wird dadurch keineswegs zur willenlosen Marionette: Ein jeder tut durchaus, was er will. Nur werden die Folgen unserer Handlungsfreiheit Gott niemals über-raschen. Unsere Entschlüsse sind, längst bevor wir sie fassen, in Gottes Plan vorgesehen und tragen selbst dann zu seiner Erfüllung bei, wenn wir das Gegen-teil beabsichtigen.

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40. Selbstbestimmung und Abhängigkeit

Die Abhängigkeit von anderen birgt das Risiko, enttäuscht zu werden. Darum strebt der Mensch nach Unabhängigkeit: Er versucht, die Rahmenbedingungen seines Lebens der eigenen Kontrolle zu unterwerfen. Doch gelingt es nie, alle Fremd-bestimmung abzuschütteln. Und es muss auch nicht gelingen. Denn nur Gott ist wirklich „autonom“. Und der Glaube kann uns lehren, die Abhängigkeit von ihm nicht als Unglück, sondern als Glück zu betrachten: Wirklich „frei“ ist nämlich nur der, der nicht in sich selbst, sondern in Gott ruht.

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41. Besitz und Verantwortung

Der Glaube hat zu den Dingen der Welt eine besondere Beziehung, denn wo man etwas aus Gottes Hand empfängt, berührt der Umgang mit der Gabe immer auch die Beziehung zum Geber. Diese Beziehung leidet, wenn Gottes Gaben gegen seine Intention verwendet werden. Darum sind „weltliche“ Beziehungen dergestalt in die Gottesbeziehung zu integrieren, dass auch im Umgang mit den Dingen immer Gott das eigentliche Gegenüber bleibt. Alles muss am Altar „abge-geben“ und vom Altar her „zurückempfangen“ werden, damit der Gläubige nichts ohne Gott, sondern alles mit ihm und durch ihn „besitzt“.

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42. Glück, Unglück und Gerechtigkeit

Gott scheint Glück und Unglück wahllos unter den Menschen zu verteilen, so dass zwischen Gläubigen und Ungläubigen zunächst kein Unterschied zu er-kennen ist. Doch vermag nur der Gläubige, sich „alle Dinge zum Besten dienen zu lassen“: Der Glaube versteht es, durch jedes Geschick Gott näher zu kommen, während der Unglaube von jedem Geschick unseligen Gebrauch macht. Darum ist keine Sache so gut oder so schlecht, dass sie dem Ungläubi-gen nicht schadete. Und keine ist so gut oder so schlecht, dass sie dem Gläubi-gen nicht nützen könnte.

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43. Schmerz, Sinn und Sinnlosigkeit

Wenn Gott uns leiden lässt, kann das viele Gründe haben. Es kann mir selber nützen oder einem anderen. Es kann zum Vorbild dienen oder zur Abschreckung. Es kann nötig sein, um mir Fehler auszutreiben, oder um andere zur Barmherzig-keit herauszufordern. Es kann Prüfung sein für mich oder öffentliches Zeichen für andere. Es kann der Fluch der bösen Tat sein, der mich gerechter Weise einholt, oder Gottes herzliche Umarmung, die mich am Weglaufen hindert. Es ist schwer anzunehmen – aber man sollte sein Leid nicht für grundlos, sinnlos oder nutzlos halten.

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44. Das Leid und die Theodizeefrage

Das Theodizeeproblem ergibt sich aus fünf Voraussetzungen, an denen man nicht gleichzeitig und uneingeschränkt festhalten kann, ohne in Widersprüche zu geraten. Prüft man diese Voraussetzungen allerdings am biblischen Zeugnis von Gott, so gilt keine in dem Sinne, den die Religionskritik unterstellt. Die Theodizee-frage als logisches Paradox löst sich auf, weil sie auf halbwahren Prämissen beruht. Eine existentielle Herausforderung für die Gläubigen wird sie aber blei-ben, bis (nicht kluge Theologie, sondern) Gott selbst für Aufklärung sorgt.

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     Theodizee

Der Vorwurf, Gott tue nichts gegen das Leid dieser Welt, ist unberechtigt, denn er tut sehr viel gegen die menschliche Sünde, aus der das Leid resultiert. Die Bibel redet von nichts anderem! Nur setzt Gott nicht bei dem Bösen an, das den Sünder stört, sondern bei dem Bösen, der der Sünder ist. Gottes Evangelium bekämpft das Übel, wo es entsteht: im menschlichen Herzen. Wenn der Mensch aber nicht einverstanden ist mit der Weise, auf die ihm Gott zu helfen gedenkt, so wiederlegt das nicht Gottes Existenz oder Gottes Liebe, sondern beweist nur, dass Gott nicht ist, wie der Mensch ihn gerne hätte.

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45. Gottebenbildlichkeit und Menschenwürde

Der Mensch ist dazu bestimmt, Gottes Ebenbild zu sein. Doch ist dies nicht als „Gottähnlichkeit“ misszuverstehen. Gemeint ist vielmehr eine gegenbildliche Entsprechung wie sie zwischen Siegelring und Siegelabdruck besteht: Der Mensch ist bestimmt, zu empfangen, wo Gott schenkt, zu gehorchen, wo Gott befiehlt, zu folgen, wo Gott ruft. Bisher verfehlen alle Menschen dieses Ziel, bis auf einen: Jesus Christus ist das wahre Ebenbild Gottes und dadurch der Maß-stab des wahrhaft Menschlichen.

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     Der Sinn des Lebens

Der Mensch kann seinem Leben keinen Sinn „geben“ oder „verleihen“. Und alle Versuche, das eigene Dasein durch seinen Nutzen zu rechtfertigen, scheitern. Doch das macht nichts. Denn wie beim Produkt eines Handwerkers, ist auch der Sinn des menschlichen Lebens von seinem Erfinder und Schöpfer vorgegeben: Es ist der Daseinszweck des Menschen, als Gottes Ebenbild mit Gott in Gemein-schaft zu sein. Weil diese Gemeinschaft aber unter allen Umständen möglich ist und Gott immer erreichbar bleibt, ist auch unter allen Umständen sinnvolles Leben möglich.

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Die Stellung des Menschen in der Schöpfung

Die Natur weiß nichts von ihrer Herrlichkeit und hat keine Sprache, um ihren Schöpfer dafür zu preisen. Der Mensch aber ist mit Bewusstsein, Sprache und Verstand auf Gott hin geschaffen. Und weil nur er die Möglichkeit hat, Gott ange-messen zu danken, ist er auch dafür verantwortlich, dass es geschieht. Allein der Mensch als Ebenbild Gottes ist dem Schöpfer nah genug, um in eine bewusste Beziehung zu ihm zu treten. Und diese Gottesbeziehung macht darum den ei-gentlichen Sinn des menschlichen Lebens aus.

 

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46. Sünde

Sünde ist kein äußeres Fehlverhalten, sondern ist zuerst ein seelischer Schaden. Er besteht in der egozentrischen Unterstellung, (nicht Gott, sondern) wir selbst seien der Mittelpunkt der Welt und das Maß aller Dinge. Dieser Grundirrtum, die eigene periphere Stellung mit der zentralen Stellung Gottes zu verwechseln, führt dazu, dass wir unseren Willen dem Willen der Mitmenschen und dem Willen Gottes überordnen. Und daraus resultiert alles, womit wir einander das Leben zur Hölle machen.

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47. Anmaßung und Egozentrik

Sünde ist nicht in erster Linie unmoralisch, sondern zuerst und vor allem sinnlos. Sie ist der tragische Irrtum eines Geschöpfes, das sein Verhältnis zu Gott miss-versteht und darum meint, es könne oder solle von sich selbst oder von der Welt leben. Der Sünder erwartet vom Stückwerk, was vernünftigerweise nur vom Vollkommenen erwartet werden kann. Er maßt sich an, auch abgesehen von Gott etwas zu sein, verkennt damit seine Lage und zieht falsche ethische Konse-quenzen. Der Grund ist aber immer, dass er von Gott zu gering denkt und von sich selbst zu groß.

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48. Eigennutz und Selbstlosigkeit

Ob ein Mensch „gut“ ist, bemessen wir nicht am Effekt seiner Taten, sondern an den Motiven seines Willens. Und wenn diese Motive eigennützig sind, können wir den Willen nicht „gut“ nennen. Doch wann handelten wir wirklich „selbstlos“? Gewöhnlich tun wir das Gute nicht um seiner selbst willen, sondern weil es sich in irgendeinem Sinne für uns „lohnt“. Was heißt das aber anderes, als dass wir schlecht sind? Solange wir Gründe brauchen, um das Gute zu wollen, sind wir fern vom Guten, denn dem Guten wäre es Lohn genug, dass das Gute geschieht.

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   Erbsünde

Der Begriff „Erbsünde“ ist ein unglücklich gewählter Ausdruck dafür, dass Sünde kein punktuelles, individuelles und vorübergehendes Versagen ist, sondern ein umfassendes, alles durchdringendes und dauerhaftes Verhängnis. Unvermeidlich ist die Sünde, weil wir (1.) vor allem unsere eigenen Nöte spüren, weil wir (2.) unseren Lebensbedarf Anderen streitig machen müssen und (3.) – um unsere Schwäche und Sterblichkeit wissend – in ständiger Sorge leben. Weil das für alle Menschen gilt, ist Sünde kein Merkmal, das die „bösen“ von den „guten“ unter-scheiden würde, sondern der Normalzustand aller, die in diese Welt geboren werden.

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     Verantwortung ohne Wahl

Wer als Sünder geboren wird, hat keine andere Wahl, als zu sündigen. Doch kann uns das nicht entschuldigen, weil wir keineswegs widerwillig, sondern willig sündigen. Wir handeln „selbstbestimmt“, insofern wir Anderes und Besseres tun könnten, wenn wir nur wollten. Was uns am Gut-Sein hindert ist also nicht, dass wir nicht Gut-Sein „könnten“ (obwohl wir es wollen), sondern am Gut-Sein hindert uns nur, dass wir es nicht wollen (obwohl wir wissen, dass wir es wollen sollten). Der Mensch sündigt demnach aus freien Stücken. Und mehr braucht man nicht, um für die Folgen verantwortlich zu sein.

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49. Die Sinnlosigkeit des Bösen

Wie kommt das Böse in Gottes gute Schöpfung? Manche Gelehrte versuchen, das Rätsel zu lösen, indem sie dem Bösen einen Sinn abgewinnen und ihm einen Nutzen beilegen. Doch verharmlosen sie es damit. Denn die Natur des Bösen besteht gerade darin, für nichts gut zu sein. Es ist ein Fremdkörper im Organismus der Schöpfung, dem wir nicht „verstehend“ begegnen sollten, sondern bewusst „verständnislos“. Es hat keine Daseinsberechtigung. Und so sollten wir es auch behandeln.

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50. Das Böse in Person

Man sollte den Teufel weder unterschätzen noch überschätzen – denn beides wäre ihm willkommen. Wo man ihn nicht ernst nimmt, weil man ihn für ein Fabelwesen hält, da hat er leichtes Spiel. Wo man ihn aber zu ernst nehmen wollte, da täte man ihm zu große Ehre an, die der ewige Verlierer nicht verdient. Halten wir uns besser in der Mitte. Und halten wir uns vor allem nahe bei Christus. Denn eine Gefahr ist er nur, wo wir uns von Christus entfernen. Satan will versuchen, verklagen und verderben. Christus aber ist des Teufels Teufel.

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51. Gottes Wille

Wir bitten nicht „Dein Wille geschehe“, weil Gott derzeit nur den Himmel regierte. Nein: Gottes Wille geschieht auch auf der Erde. Doch bitten wir, dass Gottes Wille auch auf Erden in der milden und heilvollen Weise geschehen möge, wie er jetzt schon im Himmel geschieht. Noch zwingt die menschliche Bosheit Gott, gegen seinen eigentlichen Willen hart zu sein. Noch sträubt sich die Erde und beugt sich seiner Hand nur unwillig und unter Schmerzen. Wenn aber Gottes Reich anbricht, wird diesbezüglich zwischen Himmel und Erde kein Unterschied mehr sein.

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52. Gottes Gericht in der Zeit

Gottes Gericht besteht oft darin, dass er uns in unserem törichten und bösen Tun nicht aufhält, sondern (statt einzugreifen), uns einfach den Konsequenzen unseres Tuns überlässt. Denn meist gebärt die Sünde selbst das Übel, das sie verdient. Das ist hart, aber gerecht. Darum hadert der Glaube nicht mit Gott, sondern beugt sich seinem Gericht, zumal er ja weiß, wohin ihn Gottes raue Pädagogik führen soll: Er soll endlich bleiben lassen, was ihm und anderen zum Schaden gereicht, und soll lernen, zu wollen, was gewollt zu werden wert ist.

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53. Gottes Gebote

Gottes Gesetz ist die „Hausordnung“, die der Schöpfer seiner Schöpfung gege-ben hat. Ihre Notwendigkeit und Güte müsste eigentlich jeder einsehen. Für uns Sünder allerdings, die wir das geforderte Gute nicht vorbehaltlos bejahen, wird das Gesetz zur Bedrohung, weil es unser Versagen schonungslos aufdeckt. Die Einsicht in das eigene Versagen ist aber in Wahrheit ein Gewinn: Das Gesetz zwingt uns dadurch, nicht auf die eigene Moralität, sondern auf die Gnade Gottes zu vertrauen.

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54. Desillusionierung, Selbsterkenntnis und Buße

Unser Scheitern an Gottes Geboten verdirbt uns die Lust daran. Denn Gottes Gesetz scheint für nichts anderes zu taugen, als dass es unser Versagen auf-deckt. Es ist der Eisberg, an dem die „Titanic“ menschlicher Selbstsicherheit zerschellt. Doch ist das in Wahrheit gut so! Denn was da zerbricht, war eine Illusion. Erreicht der Schiffbrüchige aber das Rettungsboot, das man Kirche nennt, und schlüpft bei Christus unter, so kommt er unter Jesu Führung an das Ziel, zu dem ihn seine „Titanic“ (sein stolzes Bemühen um Vervollkommnung) niemals hätte bringen können.

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55. Gottes Verborgenheit, Offenbarung und Menschwerdung

Gott begegnet uns nicht nur in Jesus Christus, aber er begegnet uns nur in Jesus Christus so, dass wir ihn begreifen können. Denn Gottes Offenbarung in Natur und Geschichte ist so zweideutig, dass wir aus ihr nicht entnehmen können, ob Gott zuletzt unser Freund oder unser Feind sein will. Erst in Christus - und nur in Christus - wird Gottes Heilswille eindeutig erkennbar und greifbar, so dass Christen sagen: Einen anderen Gott als den Menschgewordenen kennen, wollen und verehren wir nicht.

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56. Das Wunder der Jungfrauengeburt

Wenn Christen bekennen, Christus sei „empfangen durch den Heiligen Geist“ und „geboren von der Jungfrau Maria“, so gilt ihr Interesse nicht gynäkologischen Besonderheiten der Mutter Jesu. Vielmehr wendet sich dieses Bekenntnis gegen jeden Versuch, Christus aus einer Familie, einem Volk oder einer religiösen Ent-wicklungsgeschichte „herzuleiten“. Nicht die Menschheit hat den Erlöser der Menschheit „hervorgebracht“, sondern Gott Vater hat seinen Sohn zu uns ge-sandt.

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57. Gotteserkenntnis und Dreifaltigkeit

Wenn Jesus „Gottes Sohn“ genannt wird, dann ist damit kein „Verwandtschafts-verhältnis“ gemeint. Vielmehr bringt dieses Bekenntnis zum Ausdruck, dass Vater und Sohn gleichen Wesens, gleicher Würde und gleichen Willens sind. Zwischen ihnen steht ein Gleichheitszeichen. Für den Gläubigen aber, der dieses Gleich-heitszeichen sieht und anerkennt, ist es der Schlüssel zu aller wahren Gottese-rkenntnis: Weil er den Sohn vom Vater, und den Vater vom Sohn her versteht, wird Gott nie mehr ein rätselhafter Unbekannter für ihn sein.

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58. Christi zwei Naturen

Die Kirche entspricht dem Zeugnis der Bibel, indem sie Christus zugleich als „wahren Menschen“ und „wahren Gott“ bekennt. Wie sich beide „Naturen“ in der Person Christi vereinen konnten, übersteigt unseren Horizont. Aber wir vermögen einzu-sehen, dass diese Vereinigung nötig war: Wie eine Brücke auf beiden Ufern des Flusses aufruhen muss, um sie zu verbinden, so musste Christus ganz zu Gottes und ganz zu unserer Welt gehören, um zwischen Himmel und Erde eine Brücke schlagen zu können.

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59. Der „historische“ Jesus

Oft wird gesagt, das Neue Testament zeige nicht den „historischen Jesus“, sondern nur den „geglaubten Christus“. Doch wie sollten beide unterscheidbar sein? Weder kann man den Evangelisten aus ihren eigenen Schriften (!) bewei-sen, dass sie sich mit ihrer Christologie zu Unrecht auf Jesus berufen, noch kann man aus ihren eigenen Schriften (!) beweisen, dass sie es zu Recht tun. Wir haben keinen Zugang zu einem „historischen Jesus“, brauchen aber auch kei-nen. Denn der Jesus, den die Christenheit kennt und braucht, ist der biblische Christus.

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     Jesu Art, mit Menschen umzugehen

Jesus hält sich nicht damit auf, was einer war, oder was er vorgibt zu sein, sondern konzentriert sich auf das, was der Mensch werden soll, weil jeder dazu bestimmt ist, ein Ebenbild Gottes zu sein. Nicht woher der Mensch kommt interessiert Jesus, sondern ob er mitgeht und unterwegs ist zum Reich Gottes. Und sein Gegenüber auf diesem Weg voranzubringen – eben das heißt für Jesus Nächstenliebe. Sie besteht nicht darin, einem das zu geben, was er wünscht, sondern das, was er nötig hat, um Gott näher zu kommen. Braucht‘s dafür Strenge, so ist Jesus streng. Und braucht‘s dafür Milde, so ist er mild.

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60. Das Heilswerk Christi im Überblick

Das Heilswerk Jesu Christi umfasst seinen gesamten Lebensweg und hat mehrere Dimensionen, die eng miteinander verknüpft sind: (1.) wird er Mensch, um den Verlorenen hilfreich nahe zu kommen, (2.) offenbart er ihnen die Liebe Gottes, (3.) verbindet er sich unlöslich mit den Gläubigen, (4.) stirbt er stellver-tretend für sie am Kreuz, (5.) sühnte er durch sein Opfer ihre Schuld, (6.) zahlt er das Lösegeld, um sie von allen Mächten freizukaufen, und (7.) überwindet er in der Auferstehung all ihre Feinde. Ja: „Christus erkennen bedeutet, seine Wohl-taten zu erkennen!“

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61. Menschwerdung und Liebe Gottes

Indem Gott Mensch wird, macht er unsere Probleme zu seinen. Er teilt unser Schicksal und beugt mit uns den Rücken unter die Last, die wir uns aufgeladen haben. Er stellt sich vor die, die für sich selbst nicht geradestehen können. Und er tut das in dem vollen Bewusstsein, dass er wenig später auf Golgatha den Kopf für uns hinhalten wird. Trotzdem kommt er hinein in unsere verfahrene Situation. Und man könnte denken, das sei tragisch für ihn. In Wahrheit aber ist es tragisch für die Situation. Denn sie kann nun nicht bleiben, wie sie ist. Wenn Christus unsere Not auf sich nimmt, ist das der Anfang vom Ende dieser Not.

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62. Unser Schmutz und Jesu Reinheit

Gott durchlief ein irdisches Leben, um an unseren Lasten teilzuhaben, sie mit uns zu tragen und für uns zu überwinden. Er ging in unseren Schuhen, machte unsere Not zu seiner Not und ersparte sich weder Blut noch Schweiß oder Tränen. Doch weil er unsere Lage teilt, ist sie nun nicht mehr aussichtslos. Christi Weg ist so mit unserem verschmolzen, dass sich seine Kraft über kurz oder lang gegen unsere Schwäche durchsetzen und seine Reinheit über unseren Schmutz siegen wird. Denn der Menschgewordene versenkt unsere Not tief hinein in seine Liebe.

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63. Die Nähe des Reiches Gottes

Ins Zentrum seiner Verkündigung hat Jesus das Reich Gottes gestellt. Er predigt vom Reich, weil es nahe herbei gekommen ist. Er erzählt davon in höchst dynamischen Gleichnissen. Und er fordert von seinen Jüngern, für das Kommen-de radikal offen und bereit zu sein. Jesus knüpft die Nähe des Reiches unmittel-bar an seine Person. Seine Wunder machen anschaulich, welche Freiheit damit anbricht. Die Bergpredigt zieht die ethischen Konsequenzen. Und auch das Kreuz Christi ist direkt auf das Reich bezogen, weil es Sündern den Zugang ermöglicht.

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64. Naturgesetz, Wunder und Freiheit Gottes

Die Wundertaten Jesu laufen den uns bekannten Gesetzmäßigkeiten zuwider und irritieren uns darum. Doch gerade in der Irritation liegt ihre Botschaft: Wo Jesus Christus ins Spiel kommt, muss nicht alles bleiben, wie es immer war und der fatale Lauf der Welt ist nicht mehr unabänderlich. Krummes kann durch ihn gerade und Totes lebendig werden. Darum glauben Christen nicht unbedingt alle Mirakel der Vergangenheit - aber sie glauben, dass Gott jederzeit frei ist, unser Geschick zum Guten zu wenden.

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65. Das konsequente Vertrauen Christi

Jesu Tod war kein Justizirrtum und kein tragisches Missverständnis, sondern eine direkte Folge seines kompromisslosen Lebens. Jesu Grundüberzeugung war, dass der, der Gott gehorcht und sich ihm vertrauensvoll in die Arme wirft, von Gott aufgefangen wird. Er machte den Selbstversuch, lebte sein Programm, blieb auf Kurs, wurde dafür gehasst – und das, wovon er überzeugt war, wurde ihm zum Schicksal. Die Welt schlug ihn ans Kreuz. Aber Gott erweckte ihn auf. Und der Beweis ist damit erbracht: Radikales Gottvertrauen ist nicht Wahnsinn, sondern Weisheit.

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66. Das Kreuz Jesu Christi

Die Kreuzigung Christi war kein Justizirrtum und kein Missverständnis, sondern eher eine Kampfhandlung. Christus war ein Opfer der Menschheit, die sich dem Anspruch Gottes entziehen wollte, indem sie seinen Repräsentanten aus der Welt schafft. Und Christus war zugleich ein Opfer Gottes, der ihm als Repräsen-tanten der Menschheit diesen Tod zugemutet hat. Erst von Ostern her erschließt sich der Sinn dieses schrecklichen Vorganges: Gottes Sohn ging durch die Hölle, damit wir es nicht müssen.

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67. Gottes Zorn, unsere Schuld und Christi Kreuz

Gott befindet sich der sündigen Menschheit gegenüber im Zwiespalt: Die Ge-rechtigkeit Gottes fordert, die Sünde durch Vernichtung der Sünder aus der Welt zu schaffen. Die Liebe Gottes aber bejaht auch die Geschöpfe, die sich vom Schöpfer abkehren. Durch das Leiden Christi wird Gott beidem gerecht und vereint Sühne mit Bewahrung: Gott selbst nimmt die Strafe auf sich, die wir verdient haben. Er stirbt unseren Tod, damit wir leben. Er lässt sich verwerfen, damit wir nicht verworfen würden.

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68. Christi Sühnetod und unsere Erlösung

Warum Gott Mensch wurde und am Kreuz starb? (1.) bestand die Notwendigkeit der Erlösung, um Gottes Plan zum Ziel zu führen. Und (2.) konnte die Erlösung nicht stattfinden, ohne dass eine entsprechende Sühne vorausging. (3.) ver-mochte niemand diese Sühne zu leisten außer Gott. Und (4.) sollte niemand die Sühne leisten außer dem Menschen, der den Schaden verursacht hat. Daraus folgt aber unausweichlich (5.), dass derjenige, der die Sühne wirklich leistet, Gott und Mensch zugleich sein muss (freie Bearbeitung eines Werkes des Anselm v. Canterbury).

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69. Die Selbstdurchsetzung der Liebe

Der Kreuzestod Jesu wäre missverstanden, wenn man annähme, Gottes Sohn habe durch das Opfer seines Lebens die Liebe Gottes erst erkauft oder herbei-geführt. Es ist nämlich weder so, dass ein liebloser und zorniger Gott durch das Kreuz erst Liebe lernen musste, noch verhält es sich so, dass Vergebung ohne das Kreuz möglich gewesen wären. Vielmehr hat Gottes Liebe im stellvertre-tenden Tod Jesu den einzig möglichen Weg gefunden, um sich gegen Gottes sehr berechtigten Zorn durchzusetzen. Aus Liebe litt Gott lieber selbst, als uns leiden zu sehen.

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70. Jesus Christus am Tiefpunkt

Die Hölle, die Menschen einander auf Erden bereiten, stellt alles in den Schatten, was man früher als „jenseitige“ Hölle erwartete. Und so wird eine alte Lehre neu bedeutsam: Christus ist nach seinem Tod hinabgefahren an den Ort der Ver-dammten, um auch ihr Bruder zu werden, ihre Verdammnis mit ihnen zu tragen und ihnen das Evangelium zu verkünden. Wenn aber der Arm der Liebe Gottes bis in die Hölle hinabreicht, ist das der Anfang vom Ende der Hölle. Denn Christus ist des Teufels Teufel.

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71. Christi Kampf und Sieg

Das Leben ist ein Kampf, in dem sich der menschliche Wille zum Leben gegen den Tod zu behaupten sucht. Ob aber dies tägliche Ringen Sinn macht, hängt davon ab, ob es ein - aufs Ganze gesehen - gewinnbarer oder schon verlorener Kampf ist. Christen glauben Ersteres, denn die Auferstehung Christi ist der entscheidende Sieg, der den Ausgang des ganzen Krieges vorwegnimmt: Seither gewinnen die Mächte der Finsternis zwar noch einzelne Schlachten. Aber sie gewinnen nicht mehr den Krieg.

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72. Ostern unverkürzt

Dass Jesus auferstand, besagt nicht bloß, dass er eine bis heute lebendige Wirkungsgeschichte hat und „in uns weiterlebt“ – so als wäre unser Herz sein letzter Zufluchtsort. Sondern Auferstehung heißt umgekehrt, dass wir in ihm weiterleben. Nicht wir halten ihn lebendig, indem wir in seinem Sinne handeln und glauben, sondern er hält uns am Leben, indem er sein erlösendes Werk an uns tut. Jesus Christus ist nicht auf uns angewiesen, wir aber sind darauf angewiesen Glieder seines Leibes zu sein, denn nichts hat Zukunft, was nicht geborgen wäre in ihm.

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     Von gebrochener Resignation

Ostern ist nichts für sonnige Gemüter, die schon aus Naivität positiv denken, sondern ist für die Gebeugten, die täglich ihre Träume begraben, ihre Würde und ihre Liebe. Deren Problem ist nicht zuerst und nicht nur der leibliche Tod am Ende, sondern der tägliche Tod, der im Herzen stattfindet. Mephisto bricht ihre Hoffnung. Aber Christus bricht ihre Resignation. Denn Ostern ist die Renitenz des Allmächtigen gegen alles, was das Leben verneint. Es ist Gottes guter Wille, der sich da nicht beerdigen lässt, und der mit all dem Guten, das er einschließt, stets „unverloren“ ist und bleibt.

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73. Leeres Grab und historische Kritik

Die moderne Infragestellung der Auferstehung Christi beruht im Wesentlichen auf weltanschaulichen und historisch-methodischen (Vor-) Urteilen, die diesen Vor-gang von vornherein „undenkbar“ erscheinen lassen. Dagegen ist geltend zu machen, dass Gott kein Gefangener der von ihm geschaffenen Gesetzmäßig-keiten ist. Der Anstoß, den die Freiheit des Schöpfers unserem Denken bereitet, ist im biblischen Gottesbegriff selbst enthalten und könnte nur mit ihm gemein-sam beseitigt werden.

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74. Auferstehung als Aufhebung

Auferstehung meint mehr als nur die Wiederbelebung eines Verstorbenen. Sie lässt ihn nicht in sein altes, vergängliches Leben zurückkehren, sondern ist in dreifachem Sinne als „Aufhebung“ zu verstehen. Das Leben wird (1.) „aufge-hoben“ im Sinne von „abgeschlossen, beendet, nicht fortgesetzt“, (2.) im Sinne von „bewahrt, geschützt, nicht preisgegeben“ und (3.) im Sinne von „hinaufge-hoben auf ein höheres Niveau“. Alle drei Aspekte sind zu beachten, wenn man von Jesu Auferstehung spricht. Sie werden aber genauso unsere eigene Auf-erstehung prägen.

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75. Himmelfahrt und Herrschaft Christi

Es könnte scheinen, Himmelfahrt sei ein Trauertag für die Jünger, weil Jesus von ihnen Abschied nimmt und sich entfernt. In Wahrheit aber ist Christus, nachdem er zum Himmel aufgefahren ist, seinen Jüngern näher als zuvor. Denn früher war er immer nur hier oder dort. Seit er „zur Rechten Gottes“ sitzt hat er Teil an Gottes Allgegenwart und übt die Herrschaft aus, die ihm der Vater übertragen hat. Ein schrecklicher Gedanke ist das für seine Feinde, Freude und Trost aber für alle Gläubigen.

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Jüngerschaft und Nachfolge

Ging Jesus seinen schweren Weg, damit wir ihn auch gehen? Oder ging er ihn stellvertretend für uns, damit wir das nicht müssen? Wohl folgt ein Jünger seinem Vorbild. Aber die Erlösten werden nicht zu Erlösern, wie der Lehrling einmal zum Meister wird. Der im Guten Vorangehende bahnt und ebnet für alle Nachfolgenden den Weg, so dass sie ihn in seinem „Windschatten“ bewältigen können. Jesus vertritt uns im Beseitigen der Hindernisse. Die Stellvertretung geht aber nicht so weit, dass er uns auch noch das Laufen abnähme!

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76. Gottes Geist und andere Geister

Beton oder Stahl sind „an sich“ weder gut noch schlecht. Es kommt darauf an, was der Geist des Architekten daraus macht. Und dasselbe gilt vom „Roh-material“ unseres Lebens, das aus Gesundheit, Intelligenz, Kraft oder Schönheit besteht. Nichts von alledem ist „an sich“ schon gut oder schlecht. Denn erst der Geist gibt den Dingen Form, Sinn und Ziel. Erst der Geist, der uns treibt, lässt unsere Potentiale zum Segen oder zum Fluch ausschlagen. Darum ist die zentrale Frage nicht, über welches „Rohmaterial“ ich verfüge, sondern welchem Geist es dienstbar wird.

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77. Der Heilige Geist

Person und Werk des Heiligen Geistes sind in besonderem Maße „unanschau-lich“. Doch würde Gott nicht als Heiliger Geist an uns und in uns wirken, könnte niemand erlöst werden: Der Geist sorgt dafür, dass das äußere Wort der Bibel uns innerlich so betrifft, erleuchtet und erneuert, dass wir Gott in Christus erkennen, durch den Glauben das Heil ergreifen und uns dann auf den Weg machen, (unserer Lebensführung nach) so „gerecht“ zu werden, wie wir es (nach Gottes barmherzigem Urteil) schon sind.

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78. Die Einwohnung des Heiligen Geistes

Dass Gottes Geist in den Gläubigen „wohnt“, ist irritierend, aber notwendig. Denn anders als durch den Heiligen Geist, der uns anschließt an die Quelle des Heils, würde Gott uns nicht erreichen. Wohnte Gott nicht in uns, blieben wir immer fern von ihm. Ist er aber in uns, so tut er stellvertretend für den menschlichen Geist, was dieser nicht vermag, und schafft die Glaubenszuversicht, die wir nie auf-brächten. Genau genommen ist es Gott selbst, der in uns an sich glaubt. Er lässt unseren Geist teilhaben an der Gewissheit, mit der Gott um sich selbst weiß.

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79. Gotteserkenntnis, Zweifel und Bekehrung

Die Gewissheit des Glaubenden ist nicht „begründet“, sondern ist begründend. Sie beruht nicht auf Erfahrungen, sondern liegt allen religiösen Erfahrungen voraus, als das, was sie ermöglicht. Glaubensgewissheit steht also nicht als Ergebnis am Ende einer Argumentation, sondern als Voraussetzung an ihrem Anfang. Sie verändert nicht Urteile, sondern zuerst den Urteilenden. Sie ist kein Impuls, den man erdenkt, sondern einer, dem man erliegt. Wer aber braucht für solches „Erliegen“ Gründe? Begründet der Surfer die Welle, die ihn mitreißt?

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80. Gottes Volk und Prädestination

Bei Gott funktioniert Demokratie andersherum. Denn er ist ein König, der sich sein Volk wählt. Und er tut es nicht, weil die Erwählten etwas Besonderes wären, sondern sie sind nur deshalb etwas Besonderes, weil Gott sie erwählt. Gottes Wahl gründet in nichts anderem als in Gottes Freiheit, so dass wir als Christen nicht sind, was wir sind, weil wir uns für Gott, sondern weil er sich für uns entschieden hat. Wir verdanken unseren Glauben seiner Zuwendung zu uns. Und das ist gut so. Denn was unsere zittrigen Hände nicht halten, können sie auch nicht fallenlassen!

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81. Rechtfertigung, Gerechtigkeit und Gnade

Gottes Reich bleibt uns verschlossen, wenn wir aufgrund eigener Leistungen oder Qualitäten Einlass begehren, denn nichts von dem, was wir sind oder haben kann vor Gottes Augen bestehen. Doch wenn wir durch den Glauben Christus angehören, so legt Christus uns seine Gerechtigkeit wie einen Mantel um die Schultern, bedeckt damit unsere Schande, leiht uns seine Identität und rettet uns dadurch, denn dann hält uns Gott zu Gute, was (nicht wir, sondern) Christus für uns getan hat.

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82. Gütergemeinschaft mit Christus

Die Bibel misst dem Glauben so große Bedeutung bei, weil er den Gläubigen und den, an den geglaubt wird, zu einer Einheit verbindet. Alles, was der Gläubige begangen hat, wird Christus zu Eigen. Alles aber, was Christus besitzt und vollbringt, wird dem Gläubigen zu Eigen. Wie bei einem armen Mädchen, das einen reichen Prinzen heiratet, ist diese Gütergemeinschaft für den Menschen höchst vorteilhaft: Er überlässt Christus seine Vergänglichkeit und Schuld und empfängt dafür Christi Ewigkeit und Gerechtigkeit.

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     Gefühle zum Glauben

Beim Christ-Sein geht es nicht darum, dass einer seinen religiösen Gefühlen, sondern dass er dem Evangelium glaubt. Darum dürfen fromme Stimmungen und innere Erlebnisse nicht zur Zugangsbedingung erhoben werden. Christus hat nicht die zu sich gerufen, die etwas Tolles fühlen, sondern die Mühseligen und Beladenen – und die müssen weder „gute Werke“ noch „religiöse Gefühle“ mitbringen. Wenn Christus will, kann er beides schenken. Es geht aber auch ohne. Denn Christus ist verlässlich, und unsere religiösen Gefühle sind es nicht.

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83. Heilsgewissheit

Ein Christ kann und muss zu seiner Erlösung keinen eigenen „Beitrag“ leisten. Und das ist ein Glück. Denn sonst bliebe immer ungewiss, ob er „genug getan“ hätte. Da aber die Erlösung in keiner Weise auf dem Tun des zu Erlösenden und ausschließlich auf dem Tun des Erlösers beruht, kann der Christ seines Heiles gewiss sein. Er soll zwar vieles tun zum Wohle seiner Mitmenschen, aber nichts soll er tun zu seiner eigenen Rettung. Denn was Christus für uns tat, war keine halbe Sache.

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84. Die Knechtschaft des menschlichen Willens

Der Mensch kann tun, was er will, kann aber nicht wollen, was er wollen soll. Gefangen in der Dynamik der Sünde ist er wie ein Rad, das einen Abhang hinunterrollt, und aus eigener Kraft nicht die Richtung zu ändern vermag. Gottes gnädiges Erwählen ist darum nicht eine notwendige Bedingung der Erlösung (zu der die „freie“ Entscheidung des Menschen noch hinzutreten müsste), sondern sie ist die völlig hinreichende, keiner Ergänzung bedürftige Bedingung der Erlösung (aus der Kraft des Heiligen Geistes die positive Willensbewegung des Menschen resultiert).

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85. Christliche Freiheit

Die Freiheit, die Christus schenkt, besteht darin, dass er uns auf eine tiefe und endgültige Weise von der Sorge um uns selbst und um das Gelingen unseres Lebens befreit. Er steht für uns ein und bindet uns an seine Person. Eben diese Bindung macht aber unsere Freiheit aus, weil sie es erlaubt, unser zentrales Lebensproblem in Christi Hände abzugeben. Gibt es auch noch genug zu tun, so können und müssen wir doch für das Heil unserer Seele nichts mehr tun. Von dem Fluch, ungenügend zu sein, sind wir gänzlich befreit, weil Christus in uns ist, der allem genügt.

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86. Nachfolge, Schicksalsgemeinschaft und Jüngerschaft

Die Taufe begründet zwischen dem Christen und Jesus Christus eine enge Schicksalsgemeinschaft, die durch den Begriff der „Nachfolge“ charakterisiert wird: Die heutigen „Nachfolger“ und „Jünger“ Jesu teilen mit ihrem Herrn nicht mehr die staubigen Straßen Galiläas. Aber wie Christi Weg ins Leid führte, so bekommt auch der Christ sein Kreuz zu tragen. Und wie Christi Weg durchs Leid hindurch zum Triumph führte, so gewinnt auch der Christ Anteil an der Aufer-stehung.

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87. Fröhliche Selbstvergessenheit

Unsere Gedanken werden in der Regel von zahllosen egozentrischen Sorgen und Wünschen beherrscht. Sie kreisen ständig darum, was ich „bin“ und was ich „habe“, was ich „kann“ und was ich „will“. Doch der Glaube relativiert das auf-geblähte „Ich“, so dass der Mensch sich mit der Zeit weniger wichtig nimmt und Gott immer mehr Raum gibt. Er will am Ende nichts anderes mehr sein, als was Gott ihn sein lässt. Und er strebt nur noch danach, sein Denken, Tun und Wollen möglichst vollständig mit Gottes Denken, Tun und Wollen zu verschmelzen.

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88. Gottesfurcht

Der Glaube lässt Gott Gott sein – und beschränkt darum den Menschen darauf, Mensch zu sein. Er relativiert alle Hierarchien und entzaubert die Welt. Denn der Glaube duldet nicht, dass Irdisches in den Rang des „Göttlichen“ und „Letztg-ültigen“ erhoben wird. Wenn es darum geht, Ehre zu erweisen oder Ehrer-weisungen zu empfangen, hält der Gläubige sich zurück. Und wo er es nicht mit Gott zu tun hat, da behält er (innerlich) den Hut auf. Denn alles, was nicht Gott ist, ist zu Gottes Dienst bestimmt. Ihm allein gebührt Ehre – und sonst nieman-dem.

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     Liebe zu Gott

Die Liebe zu Gott besteht darin, in hingegebener Weise auf ihn konzentriert und ausgerichtet zu sein. Wer Gott liebt, dreht sich nicht hierhin und dahin, um tausend Dinge wichtig zu nehmen, sondern hängt an Gott und schaut auf Gott. Er reißt die Fenster weit auf, damit Gottes Wort hereinschallt, und streckt Gott sein Gesicht entgegen, damit Gottes Sonne es wärmt. Er ist, was er ist, nur in der Beziehung zu Gott, denn ihm ehrfurchtsvoll und freudig gegenüberzustehen, mit größtem Respekt, aber ohne Angst, das macht das Wesen und die Bestimmung des Gläubigen aus.

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Von mühe- und sorglosem Gehorsam

Wir können von Pflanzen und Tieren etwas lernen, denn sie leben in einer selbstverständlichen und unangestrengten Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, wachsen, wenn sie können, und leiden, wenn sie müssen, hadern aber mit nichts und neiden nichts, sondern sind mit völligem Einverständnis das, wozu Gott sie gemacht hat. Menschen hingegen sind innerlich zerrissen und erlangen den Konsens mit Gott erst wieder durch den Glauben an die barmherzige Vor-sehung und Führung des himmlischen Vaters, in die sich der Glaube ergibt.

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     Dem Schuldiger vergeben

Vergebung besteht nicht darin, dass man erfahrenes Unrecht relativiert, klein-redet, vergisst, toleriert, billigt oder entschuldigt, sondern darin, dass man den Täter an Gott überweist, der ebenso gerecht wie barmherzig ist, der schärfer sieht und besser urteilt als wir. Der Vergebende verzichtet auf den Schuldvorwurf und gibt damit die Person frei, an deren Verhängnis er ein berechtigtes Interesse haben könnte. Er besteht nicht auf Vergeltung und schickt dem Schuldigen auch keine Flüche hinterher, sondern wünsche ihm, dass er sowohl zu seiner Tat als auch zu ihren Folgen eine heilsame Distanz gewinnt. 

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89. Enttäuschung, Schwermut, Weltschmerz

Das menschliche Leben ist in weiten Teilen ein vergebliches Jagen nach vergänglichen Gütern von zweifelhaftem Wert. Doch für die Enttäuschung, die daraus resultiert, ist nicht die „Welt“ verantwortlich, sondern der Mensch, der in der Welt sucht, was nur bei Gott zu finden ist. Unseren Hunger nach Voll-kommenheit, Verlässlichkeit, Wahrheit, Gerechtigkeit und Glück kann und soll die Welt nicht stillen. Das aber zu erkennen, sich von der Welt frei zu machen für Gott, und dann den Frieden nirgendwo anders zu suchen als in ihm – das ist Glaube.

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     Glauben als Blickrichtung

Der Mensch neigt dazu, mit besorgtem Blick auf sich selbst zu schauen. Er starrt gebannt auf die eigene Befindlichkeit und erwartet von niemandem viel, außer von sich selbst. Der Glaube aber löst diese ungesunde Fixierung und verweist uns auf den, dem wir alle Sorge überlassen können. Wir dürfen den Blick weg-wenden von all dem „Ich“ und „Mir“ und „Mein“ und „Mich“, um hinzuschauen auf Christus. Denn in der Neuausrichtung auf ihn öffnet sich der verkrümmte und verkrampfte Mensch zu fröhlicher Selbstvergessenheit, um sich jenseits der eigenen Person in Christus zu gründen.

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Glaube als Bund mit Gott

Ist Glaube ein „Vertrag“ mit Gott? Nicht im dem Sinne, dass Inhalte und Be-dingungen des Bundes frei ausgehandelt würden. Die Partner sind nicht auf Augenhöhe. Und doch ist der „neue Bund“ in Christus ein Verhältnis wechsel-seitiger Loyalität und Treue, das klare Zusagen und Pflichten einschließt. Nichts daran ist verdient, der Glaubensbund wird gnadenhaft gewährt! Doch kann ihn verspielen, wer die Gemeinschaft nicht pflegt. Christ-Sein ist also etwas viel Konkreteres und Verbindlicheres als nur ein wenig Moral und diffuse religiöse Gefühle!

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90. Glaube als unaufhörliche Bewegung

Wer sich selbst kennt und Gott kennt, hat allen Grund, vor Gott zu fliehen. Denn zwischen seiner Gerechtigkeit und unserer Schuld besteht ein krasses Miss-verhältnis. Allein: Wo kann man sich verstecken vor dem, der allgegenwärtig ist? Nur die eine Chance gibt es, dass uns Gott selbst vor Gott in Schutz nimmt. Und diese Chance ergreift der Glaube, indem er vor Gott zu Gott flieht, bei Christus unterkriecht und vor Gottes Gericht an Gottes Gnade appelliert.

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91. Gottesbeziehung und Autonomiestreben

Alles, was am Menschen herrlich sein kann, ist ihm gerade so geliehen, wie dem Mond sein Glanz geliehen ist von der Sonne. Auch der Mensch ist ein Klumpen aus Staub, der am schönsten erscheint, wenn er Gottes Macht und Güte reflek-tiert. Aber sollte man das beklagen und versuchen, selbst zur Sonne zu werden? Nein! Gott gebührt die Ehre. Und ein Leben lang unter seinem Glanz zu liegen als Projektionsfläche für Gottes Licht, das ist schön, ist gar nicht übel – und für einen Haufen Staub auch durchaus genug.

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92. Taufe

Die Taufe ist ein Herrschaftswechsel, durch den ein Mensch dem Machtbereich des Bösen entnommen und in das Eigentum Gottes überführt wird. Als Heide wird er im Taufwasser „ersäuft“. Und als Christ geht er aus dem Taufwasser hervor: Eine neue Kreatur, die zwar noch nicht vollendet, aber doch unzweifelhaft zur Vollendung bestimmt ist. Wenn er die in der Taufe zugesagte Gnade durch den Glauben annimmt, wird nichts und niemand mehr die heilvolle Bindung an Christus durchbrechen können.

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93. Teilhabe an Kreuz und Auferstehung

Die Taufe ist keine nette Kindersegnung. Sie verkoppelt und verbindet den Getauften so sehr mit Jesus Christus, dass er zu einem Glied seines Leibes wird und – das gesamte Schicksal seines Herrn teilend – durch den Tod ins Leben geht. Mitgefangen mit Christus, heißt mitgehangen – heißt aber auch mit aufer-standen. Der Getaufte wird Satan entzogen, wird seines Lebens enteignet und für Gott rekrutiert. Er gehört nie mehr sich selbst. Doch ist genau das zu seinem Vorteil, weil er nur so eingesenkt und einverleibt werden kann in das Leben Jesu Christi.

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Kindertaufe und Erwachsenentaufe

 

Als Christus befahl, alle Völker zu Jüngern zu machen und sie zu taufen, hat er die Kinder davon nicht ausgenommen. Aber haben sie auch den Glauben, der nötig ist, um die Taufe anzueignen? Ja! Wer den Glauben von seinen „erwachse-nen“ Äußerungen unterscheidet, kann zuversichtlich sein, dass der Hl. Geist durch das Sakrament bei Vollzug desselben auch den Glauben wirkt, der nötig ist, um das dargebotene Heil zu ergreifen. Die Taufe ist also kein Scheck, der warten muss, bis wir ihn einlösen. Sie wirkt, was sie zeigt – sie verheißt es nicht bloß!

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94. Konfirmation und religiöse Identität

Die Taufe und der Glaube gehören sachlich zusammen, scheinen aber zeitlich auseinanderzutreten, wo man Säuglinge tauft. Damit dort zur Taufe ein nicht nur keimhafter, sondern entwickelter und bewußter Glaube hinzutreten kann, schul-det man den Kindern eine christliche Erziehung, durch die sie befähigt und ermutigt werden, jene Taufgnade, die ihrer bewussten Stellungnahme zuvorkam, eigenverantwortlich zu bejahen. Tun sie dies, so werden ihnen durch die Kon-firmation die vollen Rechte und Pflichten eines mündigen Christen zuerkannt.

 

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95. Abendmahl

Das Abendmahl ist (1.) ein Mahl der Erinnerung und des Gedächtnisses, denn es bezieht uns ein in die Tischgemeinschaft Jesu mit seinen Jüngern. Es ist (2.) ein Mahl der Vergebung und Versöhnung, denn in und mit Brot und Wein schenkt uns Christus den Ertrag seines Kreuzestodes: Wer an seinem Tisch Gast sein darf, der ist versöhnt mit Gott. Das Abendmahl ist (3.) ein Mahl der Gemeinschaft mit den Geschwistern, die neben uns am Altar stehen. Und es ist (4.) ein Mahl der Hoffnung und Stärkung, weil es das künftige Freudenmahl im Reich Gottes vorwegnimmt.

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96. Christi reale Präsenz in Brot und Wein

Beim Abendmahl empfangen wir in und mit dem Brot und dem Wein zugleich Christi Leib und Blut, d.h. wir empfangen ihn selbst und das Heil, das er durch sein Leben, Sterben und Auferstehen für uns erworben hat. Wie Christus dabei Gastgeber und Speise zugleich sein kann, werden wir nie restlos verstehen. Dass er es aber ist, ist wunderbar: Christus legt all seine heilvolle Macht in dieses Mahl hinein, damit sie auf uns übergeht und uns mit ihm und untereinander zu engster Gemeinschaft verbindet.

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97. Essen und Einswerden im Abendmahl

Essen ist ein erstaunlicher Vorgang, durch den ein Körper in einem anderen untergeht, in ihm verschwindet, sich in ihm auflöst, ihn stärkt – und zuletzt nicht mehr von ihm unterschieden werden kann. Und genau darum will uns Jesus im Abendmahl Gastgeber und Speise zugleich sein, um in uns einzugehen und aufzugehen. Er will sich mit uns bis zur Ununterscheidbarkeit vereinen, denn während wir uns den Leib Christi in Form des Brotes einverleiben in unseren Leib, werden wir von Christus einverleibt in seinen Leib – die Kirche.

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98. Gemeinschaft der Gläubigen

Christ-Sein funktioniert nicht ohne Gemeinde, weil sich ein Christ das befreiende Wort, von dem sein Glaube lebt, nicht selber sagen kann. Keiner kann sich selbst taufen, segnen, mahnen, trösten, sich selbst vergeben oder sich das Abendmahl reichen. Darum braucht jeder Christ die Glaubensgeschwister als Trä­ger und Verkünder des göttlichen Heilswortes. Christliche Gemeinschaft verdankt sich diesem Wort, das Wort aber verdankt sich nicht der Gemeinschaft, sondern dem, der’s geredet hat. Wo diese Glaubensgemeinschaft aber fehlt, lässt sie sich durch nichts ersetzen.

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99. Kirchenkritik und Heiligkeit der Kirche

Die Kirche trägt den Ehrentitel der „heiligen christlichen Kirche“ nicht etwa, weil ihre Glieder und ihre Amtsträger „heilig“ oder „vollkommen“ wären. Sie sind es nicht und waren es nie. Aber wie eine klebrige Auster kostbar wird, durch die Perle in ihr, so wird unsere sehr fehlbare Kirche „heilig“ durch das Evangelium, das sie durch die Jahrhunderte trägt. Solange sie ein Gefäß ist, das diesen Schatz bewahrt, verdient sie um seinetwillen sogar geliebt zu werden. Aber nur solange.

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     Zeitgemäßheit

Es ist Unfug „mit der Zeit zu gehen“, weil „die Zeit“ gar nicht weiß, wo sie hin will. Sie ist kein „jemand“, der etwas von uns fordern könnte, sondern ist bloß die Gelegenheit, die Gott uns gibt, um das Richtige zu tun. „Zeitgemäß“ ist es darum (nicht etwa dem Trend oder der Mehrheit, sondern) der Wahrheit zu folgen und sich auf Ewiges zu besinnen, weil nur das Ewige zu jeder Zeit zeitgemäß ist. „An der Zeit“ ist also nicht, was eh schon alledenken, sondern was Menschen heute begreifen müssen, um morgen nicht von Gottes Handeln überrumpelt zu werden.

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Wozu ist Kirche da?

Niemand braucht Kirche für das gesellige, soziale und kulturelle Programm, das andere Institutionen genauso bieten. Doch sie hat darin ihr Alleinstellungs-merkmal, dass sie Menschen das Wort Gottes seit 2000 Jahren so erfolgreich nahe bringt, dass Gottes Geist in ihnen ein inneres Glaubensleben weckt und verlorene Sünder in Kinder Gottes verwandelt. Die Aufgabe, die das Dasein der Kirche rechtfertigt, liegt also in der Rückführung der Seelen in die Gemeinschaft mit Gott. Und wo sie das vernachlässigt, steht sie da wie Jimmy Hendrix ohne Gitarre.

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100. Zugehörigkeit zur Kirche

Man kann einer Kirche angehören, ohne in Wahrheit ein Christ zu sein. Und viele folgern im Umkehrschluss, man könne auch Christ sein, ohne einer Kirche anzu-gehören. Doch dieser Umkehrschluss ist falsch. Wer ernsthaft Christ sein will, kann die Gemeinschaft nicht ignorieren, zu der Christus seine Jünger verband. Christus macht die Seinen nicht zu Einzelkämpfern, sondern zu Gliedern seines Leibes. In der Trennung von den übrigen Gliedern erleiden sie darum dasselbe Schicksal, das ein Arm oder ein Bein erleidet, wenn es sich vom übrigen Organis-mus trennt.

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     Mission

Die Mission steht heute in keinem guten Ruf. Doch weil sie Gottes eigenes Projekt ist, haben wir nicht das Recht, auf Mission zu verzichten. Gott will dass sein Haus voll werde und sendet uns als seine Boten aus. Wenn sich aber irgendwann die Türen schließen und jemand bliebe draußen, weil wir ihn nicht benachrichtigt haben, wäre das schlimm. Schon die Nächstenliebe macht uns die Mission zur Pflicht, denn wenn ein Verdurstender in der Wüste Wasser gefunden hat, ist es nur natürlich, dass er auch andere Verdurstende herbeiruft und sie zur Quelle führt.

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    Werbung für den Glauben?

Werbung ist der eigennützige Versuch eines Verkäufers, in potentiellen Kunden

Bedürfnisse zu wecken, die sie ohne Werbung wahrscheinlich nie gehabt hätten. Und sie ist darum dem christlichen Glauben wesensfremd. Jesus hat seinen Jüngern keine „Geschäftsidee“ vermittelt. Er brachte Wahrheit, nicht Wellness. Und sein Evangelium ist darum nicht mit der Logik von Angebot und Nachfrage zu erfassen. Wenn Kirche dennoch sich selbst oder das Evangelium „vermark-ten“ will, dokumentiert und stiftet sie Verwirrung. Denn wer Evangelisation mit Kundengewinnung verwechselt, weckt dieses Missverständnis auch in denen, die er umwirbt.

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101. Pfarramt und Allgemeines Priestertum

Als Christus sein Leben opferte, machte er allen weiteren Opfer- und Priester-dienst alttestamentlicher Art überflüssig. Indem er aber seine Jünger beauftragte, missionierend, taufend und lehrend sein Werk weiterzuführen, begründete er das kirchliche Amt. Grundsätzlich hat jeder Getaufte Anteil an diesem Amt und Auf-trag. Um aber eine möglichst geordnete und qualifizierte Ausübung zu gewähr-leisten, überträgt die Kirche das geistliche Amt einzelnen, die dazu besonders geeignet und ausgebildet sind.

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   Papsttum und kirchliches Amt

Wenn die römische Kirche meint, durch das dem Petrus anvertraute „Amt der Schlüssel" seien die Ströme der Gnade in ihrer Hand monopolisiert, muss man ihr widersprechen. Nach Matth. 18 und Joh. 20 hat Jesus die entsprechende Vollmacht allen Jüngern gegeben. Dennoch erinnert das katholische Amtsver-ständnis an etwas Wichtiges: Die Quelle kirchlicher Ämter und Vollmachten können niemals die Menschen sein, denen kirchliches Handeln zugutekommt. Denn sonst wäre es die Gemeinde selbst, die sich Vergebung und Segen spendete. Weil das unmöglich ist, bleibt festzuhalten, dass jedes kirchliche Amt seinen Ursprung bei Christus hat.

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   Ökumene der Kompromisse?

Die gütliche Einigung durch Kompromisse empfiehlt sich, wenn Interessen aus-zugleichen sind. Sie empfiehlt sich aber nicht, wenn es darum geht Tatsachen festzustellen. Denn anders als Güter und Interessen sind Tatsachen und Wahr-heiten nicht verhandelbar. Das, was evangelische und katholische Christen trennt, gehört zum zweiten Bereich. Denn über den richtigen Weg zum Heil kann man sich nicht „gütlich einigen“, indem „jeder ein bisschen nachgibt“. Der richtige Weg, durch Gottes Offenbarung vorgegeben, gehört nicht zu den Dingen, um die man feilschen dürfte! Und eine Einheit auf Kosten der Wahrheit wäre auch nicht in Sinne Jesu.

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102. Gottesdienst

Sinn und Nutzen eines Gottesdienstes liegen nicht darin, dass er die Gemein-schaft, die Kunst oder das Brauchtum pflegt, dass er bildet, unterhält oder thera-piert. Vielmehr steht im Mittelpunkt die durch Wort und Sakrament vermittelte heilvolle Gegenwart Gottes. Die gottesdienstliche Erfahrung dieser Gegenwart, das Stehen vor Gottes Angesicht, ist zu nichts „nütze“ und muss es auch nicht sein: Die Gemeinschaft mit dem Herrn, dieser Vorgeschmack auf Gottes Reich, hat seinen Wert in sich selbst.

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103. Gebet

Beten ist keine menschliche Möglichkeit, denn als Sünder sind wir „unreiner Lippen“ und haben Grund, den offenen Austausch mit Gott zu scheuen. Keine „Gebetstechnik“ vermag diese Distanz zu überwinden, solange wir im eigenen Namen beten. Das Gebet im Namen Christi dagegen findet Gehör, weil Christi Brüder und Schwestern seinen Vater mit Fug und Recht „Vater unser“ nennen dürfen. „Gebetstechnik“ spielt dabei keine Rolle. Denn der Heilige Geist vertritt uns vor Gott, wie es ihm gefällt.

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104. Das Ziel des Gebets

Jesus hat seine Jünger gelehrt, dass sie nicht nur beten dürfen, sondern dass sie beten sollen. Der Sinn des Gebets liegt aber nicht darin, dass ich Gott über etwas informiere, was er sonst nicht wüsste, oder bei ihm etwas erreiche, was er mir sonst nicht gegeben hätte, sondern darin, dass ich mit Gott im Gespräch bin. Der Betende sucht Gottes Nähe um dieser Nähe willen. Das Ziel des Gebets liegt darum nicht irgendwo „jenseits“ des Gebets, so dass es nur Mittel zum Zweck wäre, sondern das Ziel liegt im Gebet selbst – in dem ich mich für Gott, und Gott sich für mich öffnet.

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105. Der Ursprung christlicher Ethik

Christliche Ethik gibt es nicht deshalb, weil unser Handeln ganz viel an der Welt ändern könnte, sondern weil Gottes Handeln in Christus die Welt längst geändert hat – und sich dies in einem der neue Situation angemessenen menschlichen Handeln niederschlagen muss. Es geht nicht um eine Wirklichkeit, die wir durch gutes Tun schaffen, sondern um die Wirklichkeit, der wir durch gutes Tun ent-sprechen. Da in Christus die Zeit des Heils anbrach, gilt es nun mit der Zeit zu gehen und heilvoll zu handeln. Wir sind befreit, müssen aber noch beginnen, wie Freie zu leben.

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106. Ansätze christlicher Ethik

Je nachdem, von welchem Glaubenssatz oder biblischem Thema die christliche Ethik ihren Ausgang nimmt, wird sie sich verschieden gestalten. Sie kann orien-tiert sein an (1.) Schöpfungstheologie, (2.) Schöpfungsordnungen, (3.) Gott-ebenbildlichkeit, (4.) Gesetz des Alten Testamentes, (5.) Goldenen Regel, (6.) Bergpredigt, (7.) Nachfolge, (8.) Liebe, (9.) Rechtfertigung, (10.) Mensch-werdung, (11.) Eschatologie, (12.) Askese, (13.) „WWJD?“. Jeder dieser ethischen Ansätze hat seine Stärken und Schwächen. Einen echten Gegensatz gibt zwischen ihnen aber nicht.

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107. Christliche Tugenden

Aus Gottes Eigenschaften ergeben sich auf Seiten der Gläubigen entsprechende Tugenden: 1. Allmacht / Allgegenwart  -  Verantwortung / Haushalterschaft 2. Autorität / Gerechtigkeit  -  Einwilligung / Gehorsam 3. Weisheit / Wahrhaftig-keit  -  Wahrhaftigkeit / Zeugnis 4. Strenge / Allwissenheit  -  Demut / Dienst-bereitschaft 5. Güte / Barmherzigkeit - Barmherzigkeit / Nächstenliebe 6. Heilig-keit / Vollkommenheit - Heiligung / Enthaltung 7. Unveränderlichkeit / Treue - Zuversicht / Resistenz.

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108. Nächstenliebe

Der christliche Glaube lehrt uns, am anderen Menschen nicht nur zwei, sondern drei „Schichten“ wahrzunehmen: Da ist die Maske, die er trägt (1). Und da ist der Sünder, der sich dahinter versteckt (2). Doch verborgen unter Schauspielerei und Schmutz ist der Mitmensch auch noch Gottes geliebtes Kind (3). Der Gläubige kann darum niemanden hassen. Er durchschaut zwar die Maske und lehnt die Sünde ab. Den Sünder aber versucht er zu lieben, wie Gott ihn liebt, damit der andere das Ebenbild Gottes werden kann, das zu sein er berufen ist.

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109. Treue

Ohne Treue entsteht kein Vertrauen. Und ohne Vertrauen hat die menschliche Gemeinschaft keine Zukunft. Treue ist die Bereitschaft, sich für andere Men-schen berechenbar zu machen und sich als verlässlicher Baustein in ihre Lebensplanung einbauen zu lassen. Wo man das nicht will oder kann, entfällt eine Grundbedingung gelingenden Lebens. Man verwechselt dann Flexibilität mit Haltlosigkeit. Weil aber keiner verbindlich leben kann, ohne selbst zuverlässig gebunden zu sein, brauchen wir Gott. Er ist der Inbegriff der Beharrlichkeit und die Beständigkeit in Person.

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110. Demut

Luther sagt: „Es ist nicht Demut, wenn einer leugnet, die Gaben zu haben, die Gott ihm gegeben hat.“ Demut ist darum keine alberne Selbstverachtung, die an der eigenen Person schlecht macht, was gut ist, sondern sie besteht darin, die eigenen Begabungen und Leistungen weder größer noch kleiner erscheinen zu lassen als sie sind, sie aber nicht sich selbst zuzuschreiben und zugutezuhalten, sondern allein dem Schöpfer, der sie gegeben und ermöglicht hat. Was hast du, das du nicht empfangen hättest? Wenn du es aber empfangen hast, was rühmst du dich?

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111. Wahrhaftigkeit

Die Welt ist voller Täuschung und Lüge. Doch der Glaube befreit uns zu einer Ehrlichkeit, die nicht bloß in wahrheitsgemäßer Rede besteht, sondern in einer wahrhaftigen Lebenshaltung. Denn wer mit Gott im Reine ist, sich von ihm durchschaut und dennoch angenommen weiß – wozu müsste der sich noch verstellen? Verstellt er sich aber nicht, wer könnte ihn entlarven? Wer zu seinen Schwächen steht, weil er von Vergebung lebt, muss keine Enthüllung fürchten, muss auch nicht mehr prahlen und blenden, sondern ist dazu befreit, einfach der zu sein, der er ist.

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112. Vergebung

Man kann nicht von Gottes Vergebung leben und anderen Vergebung verwei-gern. Doch besteht sie nicht darin, über die Verletzung von Normen hinweg-zusehen oder Schuld zu relativieren. Echte Vergebung bestätigt die geltenden Normen, weil die Verfehlung beim Namen genannt, bereut – und erst dann verziehen wird. Nur so entspricht es Gottes Vergebung, weil auch seine Gnade nie Gnade ohne Gericht ist, sondern immer Gnade im Gericht. Auch er wirft niemandem Vergebung hinter, der sie gar nicht für nötig hält, und vergibt nicht, wo das nicht erbeten wird.

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     Entschuldigung

Ein Mensch kann sich nicht selbst „ent–schuldigen“, sondern nur der, dem er etwas getan hat, kann ihn „ent–schuldigen“, wenn er darum gebeten wird. Wirkliche Versöhnung setzt darum einerseits die Reue des Täters voraus und andererseits die freie Einwilligung des Geschädigten. Auch Gottes Vergebung ist kein Pauschal-angebot. Er vergibt die konkrete Schuld, die wir ihm gestehen. Wenn uns die Last aber gar nicht drückt, wie könnte er sie uns dann nehmen? Gott wird den Sünder nicht von seiner Sünde trennen, wenn der Sünder selbst an ihr festhält.

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113. Ehrfurcht vor dem Leben

Der Glaube achtet den Willen des Schöpfers, indem er seine Geschöpfe schont, sie achtet und sich weigert, Lebendiges den menschlichen Verwertungs-interessen zu unterwerfen. Auch wenn die Natur ein denkbar schlechtes Vorbild gibt, sollten wir uns der Logik des „Fressen und gefressen werden“ so weit wie möglich entziehen und nach Möglichkeit Verhältnisse schaffen, in denen keiner auf Kosten anderer lebt. Gott will nicht, dass wir Hammer sind. Und er will auch nicht, dass wir Amboss sind. Sondern er will, dass seine Geschöpfe einander Helfer sind.

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114. Keuschheit

Man muss auch nein sagen können. Denn es gibt Bilder, Bücher, Gespräche und Beschäftigungen, die uns (nicht äußerlich, sondern) innerlich verunreinigen und für die Gemeinschaft mit Gott untauglich machen. Dem muss man sich nicht aussetzen, sondern kann Enthaltung, Distanz und Keuschheit dagegensetzen, die nicht alles mitmacht, sondern nur, was Gott gefallen kann. Denn zum Glück ist auch das Gute infektiös. Die Berührung mit dem Reinen, kann rein machen, und das Heilige, mit dem wir uns beschäftigen, kann im Kontakt abfärben.

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115. Geduld

Es ist nicht so, dass der geduldige Mensch nichts wollte, oder es ihm weniger wichtig wäre als dem Ungeduldigen. Nein! Auch der Geduldige verfolgt ein Ziel. Aber sein entschlossener Wille verbindet sich mit langem Atem, Beharrlichkeit und Ausdauer, weil er von seinem Ziel auch dann nicht ablässt, wenn andere Ziele leichter zu erreichen wären. Das Leiden am Unverfügbaren auszuhalten, ist das Wesentliche an der Geduld. Ein Christ braucht besonders viel Geduld, hat aber auch besonders guten Grund dazu, weil Gott selbst verbürgt, dass seine Geduld sich lohnt.

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116. Ehe

Gott hat Mann und Frau füreinander geschaffen und hat ihnen die Ehe als die Ordnung angewiesen, in der sie aneinander Freude haben, einander stützen und einander ergänzen sollen. Wo aus der Ehe Kinder hervorgehen, wird den Eltern die Ehre zu Teil, „Mitarbeiter“ in Gottes Schöpfungswerk sein zu dürfen. Beide aber - Ehepartner und Kinder - werden nie unser „Eigentum“, sondern sind uns von Gott anvertraut, damit wir sie in Verantwortung vor ihm wie kostbare Ge-schenke achten und pflegen.

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117. Arbeit

Gott hat unser Leben mit Arbeit verbunden, damit einer dem anderen mit seinen Kräften und Begabungen helfen kann. Der Schöpfer wollte, dass wir am Fördern und Erhalten fremden Lebens ebenso viel Freude finden wie er. Wenn dieser Segen aber für viele zum Fluch geworden ist, liegt das daran, dass wir den Sinn der guten Gabe durch Eigennutz und Konkurrenzdenken verkehren. Versäumen wir es, uns Gott als Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen, so bringen wir uns selbst um die tiefe Befriedigung, die aus unserer Arbeit erwachsen könnte.

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118. Staat

Staatliche Ordnung ist eine Einrichtung Gottes, der er die Aufgabe zugewiesen hat, durch Recht und Gesetz dem Bösen zu wehren und das Gute zu schützen. Wenn ein Staat diese Aufgabe erfüllt, erwächst ihm daraus die besondere Würde, Gottes Instrument zu sein. Wenn er das Böse aber duldet oder sogar fördert, zerstörte er die Ordnung, die allein ihn legitimieren könnte – und dann wird Widerstand zur Pflicht. Im Zweifelsfall muss man Gott mehr gehorchen als den Menschen. Denn göttliches Recht wiegt in jedem Falle schwerer als mensch-liches.

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     Lebensbilanz

An welchem Maßstab kann man das Gelingen eines Lebens bemessen? Da es Gott ist, der allem Leben Sinn und Ziel vorgibt, zählt letztlich nur sein Urteil. Gott aber fragt nicht, ob wir glücklich oder unglücklich sind, sondern er fragt allein danach, ob wir ihm vertrauen und damit die Hütte unseres Lebens auf den Fels des Glaubens bauen. Stimmt das Fundament, so muss unser Lebensgebäude kein Prachtbau sein – und wird den Sturm des Todes doch überstehen. Stimmt es aber nicht, ist auch das schönste Lebensgebäude auf Sand gebaut – und dem Untergang geweiht.

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Vom Kommen und Gehen des menschlichen Glanzes

Wir sind mit unseren Kräften und Qualitäten nicht so dauerhaft verbunden, wie wir meinen, sondern sind mit ihnen nur vorübergehend beliehen und geziert, wie eine Schaufensterpuppe mit prächtigen Kleidern. Eigentlich gehören alle Qualitä-ten Gott. Ihm gefällt es aber, Funken davon in diesem oder jenem Geschöpf auf-blitzen zu lassen, das dann für gewisse Zeit daran Anteil hat. Und das ist ehren-voll. Denn etwas vom Allerhöchsten will an uns erscheinen und durch uns eine Zeit lang vor der Welt sichtbar werden!

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119. Glaubensfortschritt

Der Weg des Glaubens stellt hohe Anforderungen. Und niemand kann sagen, er sei bereits am Ziel angekommen. Doch für Gott zählt nicht, ob einer vorne läuft oder hinten. Entscheidend ist nicht, wie nah der Mensch der Vollkommenheit ist. Sondern für Gott zählt nur, ob er im Rahmen seiner Möglichkeiten sein Bestes gibt. So kann „schwacher“ Glaube „genug“ sein, wenn der Mensch nur unterwegs bleibt, kämpft, strebt und läuft. Und „starker“ Glaube kann „zu wenig“ sein, wenn der Mensch sich ins Gras setzt und sich auf dem Erreichten ausruht.

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120. Widerstand

Im Allgemeinen erscheint es „vernünftig“, wenn der Mensch sein Verhalten den Gegebenheiten der Welt anpasst. Doch wenn die Welt durch den Einbruch des Bösen eine „verkehrte“ und „verdrehte“ Welt geworden ist, kann man sich ihr nicht anpassen, ohne dabei selbst „verkehrt“ und „verdreht“ zu werden. Der Glaube fordert darum, diese Anpassung zu verweigern, die „Normalität“ des Schlechten niemals „normal“ zu finden und ein widerständiges Leben zu führen nach den Regeln (nicht der gegebenen, sondern) der kommenden Welt.

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121. Hoffnung

Hoffnung ist nicht gleich Hoffnung – und die falsche ist der Feind der wahren. Darum ist christliche Hoffnung klar zu unterscheiden 1. von der Hoffnung der Naiven (die sich bloß ihrer Unkenntnis verdankt), 2. von der Hoffnung der Stolzen (die auf der Überschätzung ihrer Kräfte beruht) und 3. von der Hoffnung der Trotzigen (die „blind“ und nur aus Prinzip hoffen). Christliche Hoffnung hat ihren Spender, ihren Grund und ihr Ziel in Jesus Christus – und hat darum mit Zweckoptimismus, Fortschrittsglaube oder positivem Denken nichts zu tun.

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122. Die menschliche Seele

Die menschliche Seele verdankt ihre Unsterblichkeit nicht einem eigenen Be-harrungsvermögen, durch das sie „unzerstörbar“ wäre, sondern verdankt sie allein der Treue und Beharrlichkeit Gottes, der die Toten nicht vergisst und aus der Beziehung zu ihm nicht entlässt. Es irren darum auch jene, die meinen, mit ihrem Tod sei „alles aus“. Gott hat nicht vor, sie aus ihrer Verantwortung ins Dunkel des Nicht-Seins entwischen zu lassen. Mancher wird sich wünschen, er könnte sich die Bettdecke des Todes über beide Ohren ziehen. Aber es wird keinem gelingen.

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123. Tod und Vergänglichkeit

Der Tod hat mehr als ein Gesicht: Er ist für alle Geschöpfe die natürliche, vom Schöpfer gesetzte Grenze ihres Daseins. Für Sünder ist er zugleich ein Gerichts-akt, durch den Gott das ihn Verneinende verneint und das Nicht-sein-sollende ins Nicht-Sein befördert. Für begnadigte Sünder aber ist er außerdem auch noch das Tor in den Himmel, die Durchgangsstation in die ungetrübte Gemeinschaft mit Gott. Christen müssen den Tod darum nicht fürchten: Für sie ist das Sterben nicht Vernichtung, sondern Vollendung.

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     Des Lebens Ziel

Der Tod ist nicht das Ziel unseres Lebens (er wäre ein absurdes Ziel!), sondern das eigentliche Ziel unseres Lebens ist der Bund mit Gott, den wir hier im Glauben schließen und der uns auch dort, jenseits der Todesgrenze, noch mit Gott vereint. Das Erdendasein gibt uns also Gelegenheit, rechtzeitig mit Gott ins Reine zu kommen: Wer sein Leben nicht genutzt hat, um Gott zu finden, dem ist sein Leben misslungen, auch wenn es lang und voller Freude war. Wer aber zu Gott gefunden hat, dem ist das Leben geglückt, selbst wenn‘s kurz und mühselig gewesen wäre.

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     Überkleidet werden

Es ist natürlich, dass wir dem Tod widerstreben, weil er uns aller Kraft entkleidet. Doch verkennen wir dabei, dass der Verfall des alten Menschen den Aufbau des neuen Menschen vorbereitet. Bevor ich ein neues Kleid anziehen kann, muss ich das alte ausziehen. Wer den Wandel scheut, kann nicht erneuert werden. Und wer nicht stirbt, kann nicht auferstehen. Das Irdische an uns muss untergehen, damit das Himmlische zum Zuge kommt. Und insofern liegt im Tod auch eine Verheißung: Näher am Tod ist für den Christen immer auch näher am Ziel.

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124. Gottes Gericht am Ende der Zeit

Gott verbündet sich nicht mit den Tätern, die es gerne sähen, wenn ihre Opfer vergessen würden. Sondern er sorgt dafür, dass die, die der irdischen Gerechtig-keit entgehen, spätestens im Jüngsten Gericht von der himmlischen Gerechtig-keit eingeholt werden. Er wird uns die Konfrontation mit unserer Schuld nicht ersparen. Und das ist gut so. Denn Vergebung ohne Reue und ohne Rehabilita-tion der Opfer wäre zynisch. Vergebung ohne Gericht beruhte bloß auf Verharm-losung der angerichteten Not.

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125. Wiederkunft Christi

Jesus Christus wird am Jüngsten Tag unser Richter sein. Und damit ist das Amt auf die denkbar beste Weise besetzt. Denn wer könnte unser Dasein gerechter beurteilen als der, der Not und Versuchung mit uns teilte? Wer könnte ein kompetenterer Richter sein als der, der den Willen Gottes nicht nur verkündet, sondern auch vorgelebt und ohne Sünde erfüllt hat? Welcher Richter könnte uns lieber sein als der, der sich selbst opferte, um unseren Freispruch zu erwirken? Wenn er als Richter zugleich unser Verteidiger sein will, kann uns kein Ankläger verdammen!

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126. Auferstehung der Toten

Die Auferstehung ist keine geisterhafte Angelegenheit. Das neue Leben wird genauso eine leiblich-handfeste Seite haben, wie das alte. Und doch ist das neue kein zweiter Aufguss des alten, sondern beinhaltet einen qualitativen Sprung. Der aus dem Grab hervorgeht wird durchaus noch derselbe sein, den man hineinge-legt hat – doch wie wir jetzt Adam gleichen, und in dieser Gleichheit das Unglück unseres Todes begründet liegt, so werden wir in der Auferstehung Jesus Christus gleichen, und in dieser Ähnlichkeit wird sich unsere neues Leben dokumentieren.

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127. Neuschöpfung von Himmel und Erde

Den Himmel zu ersehnen bedeutet keineswegs, in fromme Luftschlösser zu fliehen, aufs „Jenseits“ zu vertrösten und der alten Erde die Treue aufzukündi-gen. Denn der Himmel ist nichts anderes als die durch Gottes Gegenwart ge-sundete Erde. Er ist keine Alternative zur Schöpfung, sondern die herrliche Zukunft, die sie haben wird: Wenn Gott sein Werk gegen den Widerstand des Bösen vollenden will und es in seiner Allmacht auch vollenden kann, so folgt zwingend, dass er es vollenden wird.

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128. Ewiges Leben und Reich Gottes

Mit dem Tod endet nur unseres Lebens erster Teil, denn nach der Auferstehung und dem Jüngsten Gericht werden die Gläubigen gereinigt, runderneuert und vollendet in Gottes Reich eingehen. „Herrlichkeit“ wird dafür ein viel zu kleines Wort sein! Doch sollte man sich den Himmel nicht zu sehr in Kategorien des Konsums vorstellen. Unsere Seligkeit wird nicht darin bestehen, dies und jenes zu genießen (im Sinne eines Schlaraffenlandes), sondern dass wir Gott schauen und Gott genießen. Seine Nähe wird uns beglücken und wir werden Gottes voll sein.

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     Bekenntnis

Gottes ist die alles bestimmende Wirklichkeit. Er übersteigt bei weitem, was ein Mensch zu denken vermag. Und obwohl er immer ein und derselbe ist, begegnet er uns doch dreifach, als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist. Gemessen an seiner Lebendigkeit sind alle tot. Gemessen an seiner Weisheit ist jeder töricht. Gemessen an seiner Unendlichkeit ist es überall eng. Gott ist nirgends nicht. Was er will, das kann er. Und zu allem hat er das Recht. Für die, die zu ihm flüchten, ist er ein Fels und eine feste Burg. Für seine Feinde aber Abgrund und verzehrendes Feuer.

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131. Das Zeichen des Jona

Weil er Gott nicht hören will, erlebt der moderne Mensch wie Gott so dröhnend schweigen kann. Doch kann auch das ein Zeichen Gottes sein, uns bewusst ohne Zeichen zu lassen, sich ganz zu entziehen, uns alle Fluchtwege zu ver-stellen – und dabei ganz laut zu schweigen. Wir sollten hören, was Gott uns damit sagt, dass er uns nichts weiter sagt. Denn wenn Gott uns die falschen Türen immer wieder vor der Nase verschließt und geduldig wartet, bis wir endlich die richtige Klinke herunterdrücken, dann ist das eine indirekte Form barm-herziger Fürsorge.

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136. Schöpfung

Menschliche Forschung begründet Dasein stets mit dem Hinweis auf Vorstufen, deren Dasein selbst der Begründung bedarf. Sie erklärt unter Rückgriff auf Erklärungsbedürftiges. Doch die große Frage, warum überhaupt etwas ist und nicht nichts, wird damit nicht beantwortet. All das Bedingte muss seinen Grund in etwas Unbedingtem haben, das seinerseits nicht von anderem her, sondern von sich selbst her ist. Wenn solch ein Grund der Welt in der Welt nicht ausfindig zu machen ist, muss er jenseits der Welt liegen. Was aber wäre jenseits der Welt – außer Gott?

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137. Leid

Wer die Frage nach Gottes Anteil am Leid dieser Welt nicht nur polemisch, sondern ernsthaft stellen will, sollte vier Dinge beachten: (1.) Gott schuldet niemandem Rechenschaft, wie er auch niemandem Glück oder langes Leben schuldet. (2.) Das Neue Testament zeigt uns Gott nicht distanziert "über", sondern "im" Leid, weil der Gekreuzigte es am eigenen Leib erfahren hat. (3.) Leid muss nicht immer sinnlos, sondern kann nötig, hilfreich und fruchtbar sein. (4.) Die letztlich befriedigende Antwort geben nicht wir, sondern Gott selbst gibt sie, wenn die Zeit gekommen ist.

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152. Menschwerdung

Gott hat uns Menschen eingeladen in sein himmlisches Reich. Er will dort mit uns und allen Engeln feiern. Doch wem gelingt es, sich dafür passend zu kleiden? Bevor wir bei Gott ankommen, fallen wir in den Dreck und besudeln uns so, dass wir uns vor Gott und seinen Engeln schämen müssen. Wir sind seiner Gemein-schaft nicht würdig. Wir beleidigen seine Augen. Was aber tut Gott? Er macht sich uns gleich, verlässt den Himmel und wird Mensch! Er teilt unsere peinliche Situation, belastet sich mit unserem Schmutz, geleitet uns in den Himmel und adelt uns durch seine Nähe.

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Warum glaubt einer, was er glaubt?

Die Wahl einer Religion oder Weltanschauung überfordert den Menschen. Er kann nicht „nichts“ glauben, kann aber auch nicht willkürlich glauben – und kommt nur weiter, wenn sich seine Haltung ändert. Wenn Religion es mit dem Unbedingten zu tun hat, ist dies Unbedingte auch nicht durch mein Prüfen und Urteilen bedingt. Und d.h.: Solange ich meine Gott wählen zu können, bin ich ihm nicht begegnet. Wenn ich ihm aber begegne, dreht sich das Verhältnis um. Der Mensch kann dann nicht mehr anders – und hat eben deshalb Gewissheit!

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