116 • Ehe

Ist das eine überholte Institution?                                    Dieser Text als Video 

 

Die Ehe ist eine herrliche Erfindung Gottes

Kann man Gott genug dafür danken, dass er Mann und Frau füreinander geschaffen hat? Nicht für die Einsamkeit und nicht für den Trübsinn hat er uns bestimmt, sondern zur umfassenden seelischen und leiblichen Gemeinschaft, in der Mann und Frau aneinander Freude haben. Geliebt werden, verstanden werden, trotz aller Schwächen vorbehaltlos angenommen werden – gibt es etwas Schöneres und Beglückenderes? Darum ist ein rechter Ehepartner ein „Geschenk des Himmels“, genauer gesagt: Ein Geschenk Gottes. Er selbst nämlich, der Schöpfer, ist es, der seine freundliche Fürsorge zeigt, wenn er einem Menschen den oder die „Richtige“ über den Weg laufen lässt. Er tut das mit Freude, weil er uns das Liebesglück gönnt. Aber er tut es nicht bloß zum Spaß. sondern mit der ernsten Absicht, dem Mann und der Frau einen Beistand und Helfer zu geben. Der Sinn der Zweisamkeit ist also nicht, dass Mann und Frau einander anhimmeln und einander durch die rosa Brille betrachten. Sondern ihr Sinn liegt darin, dass sie gemeinsam weiter kommen als sie einzeln je hätten kommen können: Wenn der eine stolpert, soll der andere ihm aufhelfen. Wenn der eine friert, soll der andere ihn wärmen. Wo der eine Schwäche zeigt, soll der andere für ihn einspringen. Und wo der eine auf Abwege gerät, soll der andere ihn zurückrufen. Der Mann soll jemand haben, dem er ohne Scheu sein Herz ausschütten darf. Und die Frau soll jemand haben, auf den sie sich blind verlassen kann. Ehepartner sollen einander in Liebe die Wahrheiten sagen, die ihnen sonst niemand zu sagen wagt. Und sie sollen miteinander die Nöte teilen, die man sonst mit niemandem teilen kann. Sie sind dazu da, einander zu schützen und zu stärken und füreinander zu sorgen in Treue und Geduld. Denn zu keinem anderen Zweck werden sie einander anvertraut.

 

Die Ehe ist der Schlüssel zur Selbstverwirklichung

Es ist ein gängiges Vorurteil, dass die Ehe der „Selbstverwirklichung“ des Menschen hinderlich sei. Doch muss dieses moderne Schlagwort hinterfragt werden. Denn was ist das eigentlich für ein Selbst, das da nach Verwirklichung strebt? Ist unser wahres Selbst eine Art versunkener Schatz auf dem Grunde unserer Seele, der sich am Besten in vornehmer Isolation und Einsamkeit heben lässt? Die Bibel ist da anderer Meinung. Sie lehrt, dass Selbstverwirklichung nicht in Vereinzelung, sondern nur in Gemeinschaft gelingen kann. Denn das „Selbst“, das uns zu verwirklichen aufgegeben ist, hat Gott uns zugewiesen, als er uns zu Männern und Frauen machte. Er gab uns unsere geschlechtliche Identität nicht als abgeschlossenen Tatbestand, sondern als den Auftrag, das uns bestimmte Mann-Sein oder Frau-Sein in unserem Leben zu verwirklichen. Weil aber Mann und Frau füreinander geschaffen sind, kann das keiner für sich allein. Wollen wir unserer Bestimmung folgen und uns selbst „verwirklichen“, so bedürfen wir dazu eines andersgeschlechtlichen Gegenpols. Wir brauchen eine eheliche „bessere Hälfte“, um mit ihr zu der Einheit und Ganzheit zu werden, die Gott gewollt hat. Darum ist keiner von uns „für-sich“ genommen etwas, sondern wir sind nur etwas, wenn wir es für jemanden sind. Oder wäre ein „Lehrer“ wirklich „Lehrer“, wenn er nicht in Beziehung zu einem konkreten Schüler stünde? Und könnte der „Schüler“ ernstlich „Schüler“ genannt werden, wenn es seinen Lehrer nicht gäbe? Sind sie ohne einander nicht bloß „potentiell“ das, was sie sind? Entsprechend gilt: „Mann-Sein“ verwirklicht sich, indem der Mann zum Mann einer Frau wird. Und „Frau-Sein“ verwirklicht sich, indem die Frau zur Frau eines Mannes wird. Fragt also jemand nach Selbstverwirklichung, so kann man ihm oder ihr nur empfehlen, zu heiraten. Als Wesen, die zur Gemeinschaft bestimmt sind, kommen wir nämlich nicht anders zu uns selbst, als indem wir uns öffnen und für unser „Ich“ ein „Du“ suchen.

 

Die Ehe besteht nicht in Romantik, sondern in treuer Fürsorge

Für junge und verliebte Menschen steht dieser Aspekt der Ehe meist noch nicht im Vordergrund. Aber auch hier gilt schon: Die Trauung ist eine „An-ver-Trauung“. Die Frau wird dem Mann, der Mann der Frau „anvertraut“. Und zwar von Gott! Vor ihm sind sie nun füreinander verantwortlich. Sie sollen einander helfen, füreinander sorgen und in schwerer Zeit füreinander da sein. Und darin liegt viel Trost. Denn auch und gerade dann, wenn meine Attraktivität geschwunden und die Verliebtheit vergangen ist, bleibe ich meinem Partner „anvertraut“. Die wechselseitige Fürsorge, die daraus erwächst, trägt weiter als alle Romantik. Wer darum wissen will, was wirklich Ehen zusammenhält, achte nicht auf große Worte und heiße Schwüre, nicht auf Herzschmerz und Traumtänzerei. Sondern er achte auf die unscheinbar kleinen Gesten, die man an glücklichen alten Ehepaaren beobachten kann: Wenn sie ihm die Krawatte zurecht rückt, damit niemand über ihn lacht. Und wenn er ihre Vergesslichkeit stillschweigend übergeht. Wenn sie ihm das größere Kuchenstück gibt. Und er sie auch mit Falten noch schön findet. Wenn sie immer noch gerne seine Hand hält. Und er nicht aufhört, auf seine Frau stolz zu sein – dann haben wir vor Augen, was Ehen zusammenhält.

 

Die Ehe ist kein Geschäft auf Gegenseitigkeit

Damit ist schon gesagt, dass die Ehe nicht auf Kosten-Nutzen-Rechnungen beruht. Viele Menschen missverstehen ihre Ehe allerdings als eine Art gutes Geschäft, auf das sie sich einlassen, weil der andere etwas zu bieten hat: „Er“ ist lustig, wohlhabend und aufmerksam. „Sie“ ist gutaussehend, gebildet und charmant. Die Beziehung „lohnt“ sich also für beide, sie „bringt“ beiden etwas. Doch sie hält auch nur so lange, wie die „Bilanz“ für beide stimmt. Büßt einer seine Vorzüge ein (schnell ist ein Arbeitsplatz verloren oder ein hübsches Gesicht durch Unfall entstellt), schaut der andere sich nach einer vorteilhafteren Beziehung um. Wie immer man solche Partnerschaften bewerten mag – den Namen einer Ehe verdienen sie nicht. Zwei Menschen sind erst reif für eine Ehe, wenn sie aufgehört haben zu „rechnen“ und zu „bilanzieren“, wenn sie also den Mut haben zu sagen: „Wir gehören auf jeden Fall zusammen, bis der Tod uns scheidet“. Erst wo alle Vorbehalte und Hintertürchen vergessen sind, beginnt die Ehe.

 

Die Ehe ist ein guter Rahmen für erfüllte Sexualität

Sexualität ist eine wunderbare Schöpfungsgabe und gehört zu dem Besten, was Gott uns gönnt. Aber wie jede Gabe Gottes kann sie missbraucht und pervertiert werden – wenn nämlich aus dem natürlichen Begehren des anderen Geschlechts bloße Gier wird. Wo solche Gier einen Menschen beherrscht, da degradiert sie den Partner zum auswechselbaren Objekt, und es bewahrheitet sich, was schon Beethoven wusste: „Sinnliche Lust ohne seelische Hingabe ist und bleibt Viecherei“. Wer sich dafür zu schade ist, findet in der Ehe einen Rahmen für erfüllte Sexualität. Sie ist ein stabiler Rahmen, weil sie Sexualität in unbedingtes Vertrauen und wechselseitige Verantwortung einbettet. Eine lustfeindliche „Zwangsjacke“ ist die monogame Ehe aber keinesfalls. Oder erkennt man musikalische Menschen daran, dass sie versuchen, möglichst viele Instrumente gleichzeitig zu spielen?

 

Die Ehe ist Mitwirkung an Gottes Schöpfungswerk

Mann und Frau dürfen aneinander die Schönheit der Schöpfung entdecken. Aber noch mehr: Sie sollen nicht nur „Genießer“ und „Bewunderer“ des Schöpfungswerkes sein, sondern „Mitarbeiter“ des Schöpfers, indem sie an der Erneuerung des Lebens mitwirken und Kinder bekommen. Kann einem größere Ehre widerfahren, als dass man zum Mitarbeiter Gottes berufen wird, das empfangene Leben weitergibt und „am eigenen Leibe“ das Wunder der Schöpfung erleben darf? Ob einem Brautpaar diese Erfahrung geschenkt werden wird, kann man nicht im Voraus wissen. Eine positive und offene Einstellung zu eventuellem „Nachwuchs“ gehört aber zur christlichen Ehe dazu. Denn Gott, unter dessen Segen die Brautleute sich stellen, ist ein Freund des Lebens.

 

Die Ehe ist nicht auf Sand gebaut

Große Gefühle, Romantik und Verliebtheit gehören zu einer jungen Ehe. Aber wer wäre sich seiner Gefühle so sicher, dass er daraufhin das Versprechen lebenslanger Treue geben könnte? Weil das eine Überforderung wäre, darum muss die Ehe ein festeres Fundament haben, als es unsere Gefühle sind. Sie gründet sich nämlich auf die Zuversicht, dass Gott seinen Segen dazu gibt und dass seine Liebe weiter trägt, wenn die menschliche Liebe flügellahm wird. Es macht deshalb viel Sinn, wenn die Traufragen vor dem Altar beantwortet werden „Ja, mit Gottes Hilfe“. Denn nur so kann man den großen Schritt wagen, dass man sich darauf verlässt, Gott werde nicht nur am Tag der Trauung helfend und segnend dabei sein, sondern an jedem Tag der Ehe.

 

Die erste Liebe ist glühend, eine trunkene Liebe, damit wir geblendet werden und wie die Trunkenen dahingehen. Wenn wir die Trunkenheit ausgeschlafen haben, dann bleibt in den Frommen die echte Eheliebe, die Gottlosen aber bereuen ihren Schritt. ( Martin Luther )

 

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