Auf dass Gott mein Alles sei
Eremit in Felslandschaft

Auf dass Gott mein Alles sei

Es liegt in der menschlichen Natur, dass wir uns in den Unwägbarkeiten des Lebens behaupten wollen. Und so sammeln wir Ressourcen, Waffen und Werkzeuge, die uns bei der Selbstbehauptung helfen sollen, wie z.B. Freunde und Verwandte, Besitz und Bildung, Rang und Einfluss, Gesundheit und Humor, ein „dickes Fell“, ein flottes Mundwerk und vorzeigbare Leistungen. Das alles taugt zur Verteidigung gegen die Anschläge des Schicksals. Es verschafft uns Geltung. Und so können wir von den hilfreichen Mitteln gar nicht genug bekommen. Denn im Verhältnis zu den Kräften, die unser Glück bedrohen, sind wir immer noch ziemlich zerbrechlich. Wir bleiben verwundbar und sind darum stets in Sorge – wie ein Burgherr, der immer wieder seine Mauern verstärkt, Gräben zieht und Kanonen kauft. „Schaut her“, heißt das: „ich bin nicht wehrlos, sondern tüchtig, ich bin was, hab was, kann was!“ Und diese Art der Selbstbehauptung funktioniert unter Menschen ziemlich gut. Nur, wenn wir von geistlichen Dingen reden – gelingt Selbstschutz dann auf die gleiche Weise? Wenn’s um unsere Seele geht – hilft dann Imponieren, Schlau-sein, Stark-sein, Ansprüche erheben? Viele meinen, es sei im Prinzip dasselbe, und man käme auch in Glaubensdingen am besten durch, wenn man entschlossen auftritt. Sie sagen: „Schaut her, ich habe die Verdienste einer rechtschaffenen Seele, ich stelle was dar, bin einer von den Guten und mache die Welt besser!“ Doch sie ahnen vielleicht, dass dies nicht der Weg des Glaubens ist, wenn sich ein Mensch in dieser Weise Geltung verschafft. Vielmehr tut der Gläubige genau das Gegenteil. Er verweist von seiner eigenen Person weg auf Gott und spricht nicht „ich habe Macht“, sondern: „der Herr ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil“ (Ps 118,14). Nun ja, könnte man denken, so redet die Bibel eben. Der Herr ist mein „Fels“ und meine „Burg“, mein „Schutz“ und mein „Schirm“, meine „Stärke“, mein „Licht“ und mein „Trost“, meine „Freude“ und meine „Zuversicht“. Man kennt das. Nur ist es nicht bloß obenhin gesagt, sondern ernst gemeint. Der Herr ist meine Macht, heißt nicht, dass er freundlich ergänzt, was ich selbst schon an Macht habe, sondern dass er sie ersetzt. Gott unterstützt nicht meine Verteidigung, sondern ist meine Verteidigung. Und er ist dann in geistlicher Hinsicht alles, was ich habe! Gott schützt nicht etwa den ganzen Plunder, den ich besitze und vorweisen kann. Sondern er selbst wird im Glauben mein wichtigster Besitz, so dass ich nicht etwa durch Gott reich bin an irgendetwas Irdischem, sondern reich bin an Gott. Und in diesem Sinne lobt auch Martin Luther den Beter des 118. Psalms, „...dass er rein und fein auf Gott trauet, dass Gott alles und alles in ihm wirke, rede und lebe, und er nicht auf eigene Kraft, Vermögen, Vernunft, Weisheit, Heiligkeit, oder Werk poche; er will nichts sein, auf dass Gott in ihm alles sei, und alles tue. O das ist ein hohes Lied, und ein seltsamer Gesang auf Erden, dazu auf keinen Menschen oder Fürsten, auf keine Macht der Welt, Reichtum, Freunde, Bündnis, Beistand, Weisheit, Werk, Trost oder Hilfe trotzt noch sich verlässt, sondern bloß und lauter auf Gott...“ Das ist eindeutig nicht die Art von „Selbstdurchsetzung“, die im irdischen Gerangel üblich ist, sondern eine ganz andere Sache, denn Gott verhilft uns nicht zu Macht – er ist unsere Macht. Er schenkt uns nicht Leben – er ist unser Leben. Er macht uns nicht weise, sondern seine Wort ist unsere Weisheit. Er lässt uns nicht Lohn verdienen, sondern ist selbst unser Lohn. Er zeigt uns keinen Weg, sondern ist selbst der Weg. Die Burg des Glaubens besteht mit all ihren Mauern, Zinnen, Gräben und Kanonen nur aus Gott selbst – und sonst aus nichts. Eben dadurch aber (das ist das Tolle!) ist die Festung uneinnehmbar. Wieso aber das? Warum ist sie uneinnehmbar? Wird die Burg des Glaubens etwa nicht angegriffen? Doch. Wir nennen das „Anfechtung“ und müssen uns damit herumschlagen, denn wir haben einen Feind aus der Tiefe, der uns nur zu gern bedrängt! Wo der Glaube aber so in Gott geborgen ist, wie eben beschrieben, da findet der Feind wenig Angriffsfläche. Denn der gläubige Mensch hat dann ja nur noch, was er in und mit Gott besitzt. Und so geht‘s wie in jener Geschichte, wo ein Dieb bei Nacht in das Haus des armen Mannes einsteigt: Während der Dieb in Schubladen und Schränken nach Wertgegenständen sucht, erwacht der arme Mann und ertappt den Einbrecher. Er geht aber nicht etwa auf ihn los, sondern lacht den Räuber aus. Er sagt: „Du armer Kerl! Was suchst du hier im Dunklen nach Geld, wo ich doch schon bei Tageslicht keins finden kann? Komm, ich helfe dir gerne suchen, ob da etwas ist, das sich zu rauben lohnt! Doch vergeblich wirst du einem nackten Mann in die Tasche greifen. Nimm ruhig alles – ich schenke dir all die Reichtümer, die ich nicht habe! Und wenn du unter meinen alten Socken doch noch eine Truhe voller Gold findest, helfe ich dir gern, sie rauszutragen.“ Nun – ist der Überfallene so stark, dass er sich den Spott erlauben kann? Nein, aber seine Stärke ist, dass er nichts besitzt. Und ich hoffe, sie denken noch daran, dass wir hier von geistlichen Dingen reden. Denn der da die Burg unseres Glaubens überfällt, ist ja kein Mensch, sondern jener Feind, der uns an die Seele will. Der will uns verklagen, verderben und zugrunde richten. 

(1) Er dringt gewaltsam bei uns ein und ruft: „Wo sind deine guten Taten, Mensch? Heraus damit! Wo sind deine Werke der Nächstenliebe? Was hast du für Verdienste vorzuweisen? Und worin besteht deine Daseinsberechtigung?“ Wenn wir uns aber darauf einlassen, uns zu rechtfertigen, und anfangen aufzuzählen, was wir Gutes getan haben, dann schlägt er uns das aus der Hand und sagt: „Ha, du Heuchler, hast das Böse nur aus Angst vor der Strafe unterlassen. Und das Gute hast du bloß getan, um als Wohltäter dazustehen. Du hast nur gegeben, wo du hoffen konntest, etwas zurückzubekommen. Du bist ein unnützer Mensch!“ Wer darüber mit dem Teufel diskutieren will, hat schon verloren. Darum macht es der Glaube ganz anders und antwortet dem Eindringling: „Wie denn? Gute Taten, Verdienste, Werke der Liebe suchst du? Dinge, deren ich mich rühmen könnte? Aber so etwas habe ich doch gar nicht! Ich weiß nur von den guten Taten, die Christus für mich tat, von seinem Werk der Liebe und seiner Gerechtigkeit. Durch die bin ich gerechtfertigt und lasse mir dran genügen. Die Verdienste, von denen ich lebe, sind nicht meine, sondern sind Verdienste Christi. Und die kannst du mir nicht rauben, weil sie mir gar nicht gehören. Ich profitiere zwar davon, aber Jesu Name steht drauf. Dass er mich gelten lässt, ist schon meine ganze Daseinsberechtigung. Und eine andere brauche ich nicht.“ Sehen sie, was passiert? Wo wir uns keiner Qualitäten rühmen, da ist keine Angriffsfläche für den Feind – und folglich gibt’s auch keinen Kampf, kein Geschrei, keinen Verlust, sondern der Räuber läuft ins Leere. 

(2) Aber natürlich nimmt er neu Anlauf und sagt: „Nun denn, wenn du schon keine guten Taten hast, dann doch mindestens ein paar schmutzige Sünden. Du hast bestimmt ein paar Leichen im Keller, die du vor aller Welt versteckst! Die wollen wir jetzt mal ausgraben und sehen, ob du angesichts deiner Schuld auch weiterhin gelassen bleibst! Wer sich dann darauf einlässt, seine Taten zu beschönigen und seine Fehler zu entschuldigen, hat schon verloren. Denn rabenschwarze Sünder sind wir alle – und Ausreden lässt dieser Feind nicht gelten! Doch damit versucht‘s der Glaube auch gar nicht. Sondern er gibt alles zu, gesteht sogleich und sagt: „Ja, da ist ein tiefer Keller unter meinem Haus mit viel Schändlichem und Schäbigen, das ich früher verleugnet habe und keinem zeigen wollte. Aber weißt du was? Christus hat diesen Keller schon vor dir entdeckt, ich habe ihm alles gezeigt, dessen ich mich schäme, und stell dir vor: Christus wollte, dass ich ihm alle meine Sünden übereigne! Ich musste ihm jede einzelne Untat schenken, den ganzen stinkigen Haufen meines menschlichen Mülls, wie ein Gerichtsvollzieher hat er seinen Kuckuck draufgeklebt und gesagt, das alles gehöre von nun an ihm, er wolle am Kreuz für diese meine Schuld bezahlen. Also schau genau hin, du böser Feind. Auf jeder meiner Untaten steht Jesu Name drauf: „von J. C. übernommen und bezahlt!“ Er hat meine Probleme zu seinen gemacht, und ich bin damit aus dem Schneider. Denn nun sind es nicht mehr meine Sünden, sondern seine. Und was nicht mir gehört, kannst du auch nicht gegen mich verwenden.“ Damit ist dem Räuber zum zweiten Mal der Wind aus den Segeln genommen. 

(3) Aber deswegen gibt er nicht auf, sondern erwidert: „Du kommst dir wohl schlau vor, meinst du hättest auf alles eine Antwort und wärst clever genug, mich auszutricksen?“ Dann fängt er an, mit uns über Theologie zu diskutieren – und woher wir denn überhaupt wissen können, dass alles wahr sei, was in der Bibel steht, ob man dafür auch genügend Beweise habe, oder ob vielleicht doch ein paar Zweifel angebracht wären! Und wer da zu argumentieren anfängt, dass sein Glaube sehr wohl kritisch sei – er könne seine Skepsis auch beweisen! –, dem schwirrt bald der Kopf und er hat verloren. Denn dieser Gegner ist überaus gescheit. Und alles, was wir mühsam mit Vernunft begründen, kann er mit der gleichen Vernunft auch wieder zerlegen. Darum bekennt man sich besser gleich zu einfältigem Vertrauen und sagt: „Nein, mein Lieber, ich bin überhaupt nicht klug. Um Gottes Gedanken nachzuprüfen, herzuleiten und zu erklären, bin ich in jedem Fall zu dumm. Aber das muss ich auch gar nicht, weil Christus schlau genug ist für uns beide. Sein Wort ist meine Weisheit – so schlicht ist mein Denken! Und wenn Christus mir etwas zusagt, dann bin ich mir dessen auch ohne Beweis gewiss. Es reicht mir, wenn Gottes Sohn etwas sagt – so naiv bin ich! Und weiter brauche ich niemandes Bestätigung, weil Gottes Sohn nicht lügt. Du, mein raffinierter Feind, wärest sicher schlau genug, all meine Argumente aus dem Feld zu schlagen. Aber du vergisst, dass mein Heil gar nicht auf Argumenten beruht, sondern auf persönlichen Zusagen. Die Wahrheit Gottes ist eine freie Setzung des Höchsten. Und Gottes Wort steht jederzeit so fest wie der, der’s geredet hat. Folglich ist auch die Wahrheit, von der ich lebe, nicht meine Wahrheit, sondern seine – mein Verstand fügt ihr nichts hinzu und bricht ihr nichts ab. Und so müsstest du schon Gott selbst dazu bringen, sein gnädiges Wort zurückzunehmen, wenn du’s denn könntest. Weil du‘s aber nicht vermagst, muss ich dir auch nichts beweisen, sondern darf in aller Einfalt auf Gottes Treue bauen. Streite mit Gott, wenn du es wagst, aber zanke nicht mit mir. Denn wenn du sein Evangelium nicht aus der Welt schaffen kannst, wirst du‘s mir wohl lassen müssen.“ 

(4) „Ja, Donnerschlag“, sagt der Feind und zieht seinen letzten Trumpf: „Deine Frechheiten werden dir schon noch vergehen, wenn du nämlich sterben musst. Und wenn der Tod das letzte Quäntchen Lebens aus dir herauspresst, wollen wir sehen, ob du noch so munter redest! Wirst du dann weiter Spielchen spielen? Werde ich dir mit deinem armseligen Leben nicht alles nehmen?“ Sie ahnen es schon: Wer da dem Tod auf eigene Faust etwas entgegensetzen will, hat schlechte Karten. Aber wie die bessere Antwort lautet, ist auch schon klar. Ein Christ darf erwidern: „Spar dir deine Drohungen! Denn das Leben, das du mir rauben willst, gehört mir gar nicht mehr. Es wurde schon in meiner Taufe Christus übereignet. Und so wird der Tod zwar meinen Erdentagen ein Ende setzen, wann immer es Gott gefällt. Aber mein Leben wird er mir keineswegs rauben und meine Seele nicht in die Hölle führen. Denn Christus ist mein Leben. Und wie du den nicht in der Hand hast, so kannst du ihm auch keine Seele nehmen, die ihm gehört. Wohl zerbricht meine Gesundheit, meine Kraft wird enden, alle Freunde bleiben zurück und mein Leib zerfällt. Dagegen kann ich nichts tun. Aber das bisschen Haut und Knochen – das ist doch nicht mein Leben! Sondern Christus ist mein Leben. Und wenn ich alles andere verliere, wird er mir doch bleiben. Er selbst ist mir Stärke und Burg, ist mir Weg und Leben, Wahrheit und Trost. All das für mich zu sein, ist auch gar nicht meine, sondern seine souveräne Entscheidung! Und die muss ich nicht mal ganz verstehen, um sie gelten zu lassen. Denn: Will Christus mein Reichtum sein, wie könnte ich da arm werden? Will er mich retten, wer kann’s ihm verwehren? Und steht er mir zur Seite, wer wird ihn vertreiben? Ich allein wäre leichte Beute. Und was Christus an mir findet, weiß ich selbst nicht. Doch bin ich alles, was ich bin, durch ihn. Und so kannst du ruhig versuchen, mir etwas zu rauben – greife dem nackten Mann ruhig tief in die Taschen! Denn an meinem Leben ist gar nichts mehr dran, das mir gehörte. Was mich aber dennoch reich macht, ist die Teilhabe am Höchsten. Und die kann mir keiner geben oder nehmen, als nur der Höchste selbst. Der aber ist barmherzig und treu, er steht zu seinem Wort. Und so kläffst du armer Teufel ganz vergebens – und musst unverrichteter Dinge deiner Wege ziehen. Denn bei mir ist für dich nichts zu holen. Ich lebe von Verdiensten, die nicht meine sind. Und ich bekenne Sünden, die auch nicht mehr meine sind. Ich baue auf eine mir zugesagte Wahrheit, die ich nicht herleiten, sondern bloß hören muss. Und ich kann mein irdisches Leben nicht verlieren, ohne im Tausch dafür ein ewiges Leben zu gewinnen.“ 

Nun – das alles sind plumpe Bilder für hohe, geistliche Dinge. Aber sie zeigen immerhin, wie weit unser Glaube entfernt ist von den üblichen Strategien der Selbstbehauptung. Denn in Glaubensdingen geht‘s gerade nicht darum, Macht mit Macht zu beantworten, Kritik mit Kritik und Klugheit mit Klugheit. Mit Imponiergehabe und breitbeinigem Auftreten kommen wir da nicht weit. Sondern eben darum geht’s, sich auf einen aussichtslosen Wettbewerb der Selbstdurchsetzung gar nicht erst einzulassen, um stattdessen durch den Glauben so in Christus einzugehen und in ihm aufzugehen, ja hinter ihm und in ihm so zu verschwinden, dass der Feind, wo immer er angreift und hinfasst, immer auf Christus trifft, an dem er kein Recht und über den er keine Macht hat. Der Feind stürmt meine Burg mit Gebrüll und böser Absicht. Aber wenn ich gewissermaßen „in Christus verschwunden“ bin, stürmt er an mir vorbei. Und habe ich alles nur in der Weise, dass ich es in und durch Christus habe, kann mich keiner seiner Schläge treffen. Denn ist mein Wille mit dem Willen Gottes „eins“ geworden, so ist er unüberwindlich. Und besteht meine Gerechtigkeit allein in Christi Gerechtigkeit, muss ich auch keine Anklage fürchten. Ist mein wahrer Schatz im Himmel, kann mir kein Dieb auf Erden etwas Wesentliches rauben. Und ist Christus mein Leben, so darf meine irdische Hülle ruhig verrotten. Die Kraft des Gegners läuft dann ins Leere. Und wenn er mein Haus nach Beute durchsucht, trifft er in jedem Zimmer immer nur auf Christus. Er muss dann mit leeren Händen wieder abziehen. Und das nicht, weil ich ihm zu stark gewesen wäre, sondern weil bei mir nichts zu holen war – außer einem geistlichen Reichtum, bestehend aus Gnade, Trost und Zuversicht. Solche Beute ist nicht nach des Teufels Geschmack – darauf kann und will er nicht zugreifen. Denn auf allem klebt schon der Kuckuck, der es zum Eigentum des Himmels erklärt. Einem gläubigen Sünder gehören nicht mal mehr seine Sünden! Seine Gerechtigkeit ist ihm geliehen wie ein fremder Anzug! Und wenn man ihn umbringt, stehen gleich Engel bereit, die seine Seele in den Himmel tragen! An so einem Menschen hat der Feind nichts zu gewinnen und greift immer daneben. Denn es geht zu wie beim Stierkampf, wo der Torero ja auch der Kraft des Stieres nicht eigene Kraft entgegensetzt, sondern die überlegene Kraft des Stieres an sich vorbei ins Leere laufen lässt. Wenn nun aber jemand denkt, das sei ein leicht zu erlernender „Trick“, so muss ich ihn enttäuschen. Denn jene eigenartige Kunst des kampflosen Sieges lehrt nur der Heilige Geist. Und wir lernen sie nur langsam und widerstrebend. Denn dazu muss sich der Mensch bereitwillig an Gott verschenken. Und das geht uns gegen die Natur. Beschrieben ist die Sache schnell: „Werde zu nichts, damit Gott dein Alles sei – und schon kannst du der Diebe spotten!“ Aber „Werde zu nichts, damit Gott dein Alles sei“, das ist nicht mal eben getan. Wir haben da ein Leben lang zu tun. Doch wenn’s mit Gottes Hilfe gelingt, ist es dann umso herrlicher. Denn so wird der Mensch durch keinen Raub mehr ärmer und durch keine Schande mehr geschändet, sondern dieser Mensch fällt künftig, ohne zu brechen, und stirbt, ohne zu sterben.

 

 

 

Bild am Seitenanfang: Eremit in Felslandschaft

Carl Blechen, Public domain, via Wikimedia Commons