Berufung

 

In der Bibel ist oft von „Berufung“ die Rede. Und wenn wir davon hören, denken wir zuerst an die sehr speziellen „Berufungen“, durch die ein Mensch zum Propheten oder zum Apostel berufen wird. Wir halten das dann für einen Sonderfall und nehmen an, es müsse sehr selten sein – so dass sich die Frage bei „normalen“ Menschen wie uns gar nicht stellte. Doch ist das ein Irrtum. Denn bei der Berufung geht es gar nicht darum, ob der Mensch etwas „Besonderes“ ist oder tut, sondern ob er zu seinem Tun beauftragt und durch diesen Auftrag auch legitimiert ist. Es steht nicht in Frage, ob ich außergewöhnlich, sondern ob ich autorisiert bin. Und eben das versteht sich bei niemandem von selbst. Denn ob Gott mich beruft ein Jünger Jesu zu sein, liegt gar nicht in meinem, sondern in seinem Ermessen. Nicht wir wählen ihn, sondern er uns (Joh 15,16). Und es wäre gewiss keine gute Idee, sich ungerufen zu Gott hinzudrängen, wenn er das nicht wünschte. Man geht zu keiner Party, wenn man nicht eingeladen ist. Und so wird auch keiner Christ, indem er sich selbst dazu ernennt. Wie ist das also? Haben wir zu unserem Christ-Sein eine Berufung? Oder war das am Ende bloß unsere eigene Idee? Das Neue Testament gibt zum Glück Auskunft und stellt klar, wer wen wodurch und zu was beruft. Die erste Frage, „wer“ beruft, ist schnell beantwortet. Denn kein Mensch kann sich selbst zu einem vertrauten Umgang mit Gott berufen, sondern der Berufende ist immer Gott. Die Beziehung zwischen ihm und uns kommt nicht dadurch zustande, dass wir sie wünschen. Sondern wir haben zu Gott nur die Nähe, die er selbst erlaubt und herstellt. Warum Gott aber jemand dazu beruft, ihm eng verbunden zu sein, darüber gibt er keine Rechenschaft – und man errät’s auch nicht. Oder könnte jemand erklären, warum gerade Noah die Sintflut überlebte, und warum ausgerechnet Abraham so großen Segen empfing? Wodurch qualifizierte sich Mose für sein Amt, der doch nicht mal flüssig reden konnte? Und warum fiel Gottes Wahl gerade auf David, der doch unter vielen Brüdern der kleinste war? Keine dieser biblischen Gestalten „bewirbt“ sich um ihren Auftrag. Vielmehr werden sie von ihrer Berufung überrascht. Und nicht bloß Jona, sondern recht viele versuchen sich zu drücken. Doch auch wenn sie glaubhaft versichern, dass ihnen jegliche Eignung fehlt, lässt Gott darum nicht locker. Denn wie Paulus bemerkt, sind unter den Berufenen sowieso nicht viele „Weise“, „Mächtige“ oder „Angesehene“, sondern allerhand gewöhnliche und schwache Menschen (1. Kor 1,26-27). Gott stört sich an ihren Fehlern aber nicht, weil das, was sie in seinem Auftrag tun sollen, ohnehin nicht durch ihre eigene Kraft und Autorität gelingt, sondern durch seine. Was sie an Begabung „mitbringen“, ist ziemlich egal. Und so erklärt sich auch, dass Gott zuletzt nicht nur die Wenigen beruft, die uns eventuell geeignet schienen, sondern alle Menschen in Bausch und Bogen beruft, obwohl sie auf sich gesehen alle untauglich sind. Damit ist die Frage, „wen“ Gott beruft, auch schon auf überraschend einfache Weise beantwortet. Denn dem Neuen Testament zufolge sind es einfach „alle“. Gottes Ruf, der zur Zeit der Erzväter nur Einzelnen galt und ihnen eine Sonderstellung verlieh – dieser Ruf weitet sich mit Christus ins Universale. Und die schmale Segens-Linie, die bei Abraham nur den einen Mann umfasste, verbreitert sich über die zwölf Söhne Jakobs bis zum auserwählten Volk, um dann durch Jesus, den Messias dieses Volkes, und die Heidenmission in seinem Namen auf „alle Völker“ auszustrahlen. Seither gibt es weit und breit niemanden mehr, dem das Evangelium Jesu Christi nicht ausgerichtet werden soll – und also auch niemanden, der nicht zur versöhnten Gemeinschaft mit Gott berufen wäre. In Christus kann jeder seinen Frieden finden, wenn er ihn denn sucht. Und wer zu ihm kommt, den wird er nicht hinausstoßen (Joh 6,37). Wer anklopft, dem wird aufgetan. Und wenn einer um Gnade bittet, wird sie ihm nicht verweigert. Freilich weiß Christus, dass nicht alle darum bitten. Seinem Ruf folgen nur die, denen es bestimmt ist (Apg 13,48). Und nicht alle Berufenen sind auserwählt (Mt 22,14). An Christus scheiden sich die Geister. Und viele schlagen seine Einladung aus (Lk 14,15-24). Das Evangelium wird dadurch den einen „ein Geruch des Todes zum Tode“ und den anderen „ein Geruch des Lebens zum Leben“ (2. Kor 2,16). Manchen wird Christus zu dem Eckstein, auf den sie ihr Leben bauen, und anderen zum Stein des Anstoßes, über den sie stürzen, und der sie zermalmt (Mt 21,42-44). Doch liegt‘s nicht etwa an der Berufung. Denn die wird jedem ganz persönlich auf den Kopf zugesagt. Und wer die Einladung ausschlägt, bleibt nur darum außen vor, weil er nicht herein will. Dass einer aber herein wollte und nicht dürfte, kommt nicht vor. Denn wer sich den rettenden Zugriff Jesu gefallen lässt, ist schon im selben Augenblick gerettet. Die anderen aber finden nur deshalb keine Erlösung, weil sie sich weigern sie anzunehmen. Und die dürfen hinterher nicht klagen. Denn durch Jesu Ruf war ihnen ja bekannt, was Gott zu ihrem eigenen Vorteil von ihnen fordert. Der Fall, das einer in, mit, von und für Gott leben wollte – und das nicht dürfte, kommt nicht vor. Denn wer das will, den hat Gott längst zu sich gezogen und durch seinen Hl. Geist mit solchem Wollen begnadet. Diejenigen aber, die von Gott abgeschlossen von und für sich selbst leben, wollen das auch so. In und mit Adam haben sie diesen Weg beschritten. Den Impuls, die eigene Willensrichtung zu ändern, haben sie nicht. Und Gott ist es ihnen nicht schuldig, diese Willensänderung zu wirken. Wollten sie umkehren und den Weg zu Gott gehen, würde er ihnen offen stehen. Da sie ihn aber gar nicht gehen wollen – wie dürften sie darüber klagen, dass er ihnen verschlossen ist? Sie gehen weiter und tragen die Konsequenzen. Es steht aber keiner weinend vor dem Himmelstor, der Gottes Gemeinschaft suchte und abgewiesen würde, sondern nur die bleiben draußen, die zu Gottes Bedingungen keine Gemeinschaft möchten. Eingeladen waren sie aber durchaus. Denn Gott hat keinen Gefallen am Tod des Gottlosen (Hes 18,23 u. 33,11). Er sendet Jesus Christus in die Welt, um zu suchen und selig zu machen, was verloren ist (Lk 19,10). Und Jesus seinerseits beauftragt die Jünger, indem er sagt: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur“ (Mk 16,15). Gottes Einladung geht unmissverständlich an „alle“. Wer dürfte also denken, er sei nicht gemeint? Da gelten keine Ausreden! Denn jeder, der Ohren hat, um das Evangelium zu hören, gehört auch zum Adressatenkreis. Das Evangelium selbst ist seine Berufung! Und für alle, die jemals auf ein „Zeichen“ Gottes gewartet haben, ist das Evangelium auch genau dieses „Zeichen“. Gehören wir also allesamt zu dem bunten Haufen, der von Jesu allgemeiner Einberufung erfasst wird, kann unsere Frage nur noch lauten, wozu wir denn konkret berufen sind, welche Rolle uns Gott zuweist und für welches Ziel er uns bestimmt. Das Neue Testament gibt darauf mehrere Antworten. Doch merkt man bald, dass es nur verschiedene Ausdrücke für ein und dieselbe Sache benutzt. Mal heißt es, das Evangelium berufe den Menschen zu Gottes Reich und Herrlichkeit (1. Thess 2,12) und zu einem himmlischen Hochzeitsmahl (Mt 22,1-14; Offb 19,9). Dann aber liest man, wir seien berufen zur Seligkeit, zur Heiligung und zum Glauben (2. Thess 2,13-14). Wir sind berufen in die Gemeinschaft Jesu Christi (1. Kor 1,9) und in seine Gnade (Gal 1,6), sind aber ebenso zur Freiheit berufen (Gal 5,13), zur Hoffnung (Eph 1,18), zum Frieden Christi (Kol 3,15), zum ewigen Leben (1. Tim 6,12), zur ewigen Herrlichkeit in Christus (1. Petr 5,10) und zu Gottes wunderbarem Licht (1. Petr 2,9). Wir sind berufen „Gefäße der Barmherzigkeit“ zu sein (Röm 9,23-24), den Segen zu erben (1. Petr 3,9) und teilzunehmen am großen Abendmahl im Reich Gottes (Lk 14,15-24). Doch sind das natürlich nicht verschiedene Berufungen, sondern immer ein und dieselbe: Gemeinsam mit allen anderen sind wir aufgefordert, in der Nachfolge Christi den schmalen Weg zu gehen, der – zeitlich und ewig – in die Gemeinschaft mit Gott führt. Wir dürfen aber nicht denken, diese Gemeinschaft sei eine „neue Idee“ Gottes. Sondern der Zustand, in den wir berufen werden, ist genau der, in dem wir schon von Anbeginn der Schöpfung an hätten sein sollen. Gleich zu Anfang bestimmte Gott uns dazu, seine Ebenbilder und seine vertrauten Gesprächspartner zu sein. Darum ist es für einen Menschen keineswegs „normal“, ungläubig und von Gott getrennt zu sein. Sondern eigentlich ist genau das unserem Wesen fremd. Das ganz gewöhnliche Sünderleben, das uns so vertraut vorkommt, entspricht nicht etwa unserer Natur, sondern ist gegen unsere wahre Natur. Es ist eine furchtbare Entstellung unseres Wesens! Und darum beruft uns das Evangelium, mit Christi Hilfe das zu werden, was wir von Anfang an hätten sein sollen. Es ist der Ruf des himmlischen Vaters, dem seine unvernünftigen Kinder davongelaufen sind, und der sie nun bittet und mahnt, von den gefährlichen Wegen umzukehren und nach Hause zu kommen. Denn mit Gott eins zu sein, ist unsere wahre Bestimmung, die wir bisher zum eigenen Nachteil verfehlen. Das soll sich durch das Evangelium ändern! Die Erfüllung unserer Bestimmung soll uns geschenkt werden. Und dazu beruft Gott jeden Einzelnen. Er tut‘s aber nicht bei jedem durch eine Himmelsstimme, durch eine dramatische Bekehrung oder durch sensationelle Offenbarungen – darauf muss man nicht warten! Sondern Gott beruft in aller Regel durch das sehr irdische Mittel der Verkündigung in Schrift und Wort. Denn die ersten Jünger, die den Ruf hörten, wurden von Jesus autorisiert, sein Wort auch ihrerseits in jeder erdenklichen Form weiterzugeben. Und seither sind Christen nicht nur berufen, Empfänger des Wortes, sondern auch Werkzeug des Wortes zu sein. Diejenigen, die schon „dabei“ sind, sollen weitere Menschen zur Gemeinschaft Christi hinzurufen. Denn in diesem Sinne ist jeder von uns ein von Gott bevollmächtigter Apostel und Priester, dass er als „Botschafter an Christi statt“ andere zur Versöhnung mit Gott aufrufen und einladen – und ihnen das Heil sogar zusagen darf (2. Kor 5,20). Natürlich tut man das nicht im eigenen, sondern in Gottes Namen, nicht durch den eigenen, sondern durch Gottes Geist: Wir leihen dem Evangelium bloß unsere Stimme. Und doch ist dieser Einsatz unerhört wichtig. Denn wenn Christus noch so viel Gnade erwirkt hätte, und niemand würde herbeigerufen, um an diesem Schatz teilzuhaben, wäre es vergeblich. Und wenn das Heil „da“ wäre, es sich aber keiner aneignete, weil keiner davon erfuhr, würde es niemandem nützen. So haben nicht wir, sondern Christus hat die Tore der Hölle aufgebrochen! Aber wenn den Gefangenen tief drinnen keiner sagt, dass die Türen nun offen stehen, und sie nicht aufgefordert werden, ihr Gefängnis zu verlassen, ist es umsonst. Nicht wir, sondern Christus bahnt den Weg in den Himmel! Aber wenn’s keine Boten, Lotsen und Treiber gäbe, die den Verirrten zeigen, wo dieser Weg verläuft, könnte kaum jemand diese Chance nutzen. Darum sind wir als Christen berufen, andere zu dem großen Fest einzuladen, zu dem wir selbst unterwegs sind. Und wir sollen von den Straßen und Gassen auch Blinde und Lahme herbeiholen zu Gottes großem Abendmahl, damit das Haus unseres Vaters voll werde (Lk 14,15-24). Niemand muss dabei in Sorge sein, dass er an die Falschen appelliert. Denn der Missionsauftrag Jesu ist so universal wie das Evangelium selbst. Die darin enthaltenen Berufung gilt jedem noch so schrägen Vogel. Und das ist überaus freundlich! Doch wäre Gottes Berufen missverstanden, wenn man darin ein unverbindliches Angebot sähe, zu dem man sich nicht verhalten muss. Denn Gott beruft durchaus mit Nachdruck und dringlichem Ernst. Er macht uns im Evangelium keinen bloßen Vorschlag, sondern macht den Sündern die Umkehr zur Pflicht. Er spricht eine Einladung aus, die der Empfänger nicht ausschlagen kann, ohne den Einladenden damit vor den Kopf zu stoßen und sich selbst vom Heil auszuschließen. Denn der von Gott entfremdete Mensch hat sich aus eigenem Antrieb auf sehr gefährliche Wege begeben. Und wenn er sich von den Boten Gottes nicht zurückrufen lässt, wird er den Gefahren des selbsterwählten Weges erliegen. Gottes Berufen gleicht darum weniger einer zögerlichen Bitte als einem Einberufungsbefehl in Gottes Heer und in Gottes Reich. Das Evangelium ist eine gebieterische Einladung und eine strikte Anweisung, sich umgehend in den Gnadenstand zu begeben. Es ist die gut gemeinte Aufforderung, sich retten zu lassen, solange noch Zeit ist! Und wo dieser Aufruf wirklich gehört wird, muss das Hören recht bald ins „Gehorchen“ übergehen. Denn wer seiner Berufung nicht folgt, verweigert sich der Gnade, die allein ihn retten kann – und bekommt diese Gnade dann auch nicht hinterhergeworfen. Mit der Verkündigung ist es darum viel ernster, als die meisten Menschen denken. Sie schafft eine Situation, in der sich das Schicksal des Hörers entscheidet. Denn die übermittelte Botschaft berechtigt ihn nicht bloß, sondern verpflichtet ihn auch, seiner Berufung zu folgen. Natürlich ist jene Berechtigung eine feine Sache und die allerbeste Nachricht überhaupt. Denn wenn Gott selbst mich in seine Gemeinschaft beruft, kann er mich ja – wenn ich komme und bei ihm anklopfe – nicht abweisen. Hat er mich selbst gerufen, so verschafft mir das garantierten Zugang zum Vater, und die Himmeltür muss sich vor mir öffnen, weil ich ja eine Einladung von höchster Stelle bekam! Neben der Berechtigung enthält Gottes Ruf aber auch eine Verpflichtung. Denn mein Schöpfer gebietet mir mit Nachdruck, mich retten zu lassen. Und wenn ich nicht folge, bin ich für die Konsequenzen selbst verantwortlich. Der Ruf Gottes berechtigt und verpflichtet mich, ihm zu folgen – immer beides zugleich! Ich darf meine Berufung nicht nur annehmen, sondern soll es auch. Eben dies aber, dass Gott meine Berufung nicht von mir diskutiert oder hinterfragt haben will, ist sehr tröstlich. Denn wo sich ein Mensch der Berufung zum Heil unwürdig fühlt, enthebt ihn Gottes Befehl all seiner Zweifel und verbietet ihm alles schüchterne Zaudern. Es kann keine Frage sein, dass ein Mensch tun darf, was Gott ihm zur Pflicht macht! Und wo ihm ausdrücklich befohlen ist, das Geschenk der Gnade anzunehmen, bleibt für falsche Bescheidenheit kein Platz. Denn wenn der Sünder meint, er habe keine Gnade verdient, ist das zwar richtig. Die Autorität Gottes macht es ihm aber trotzdem zur Pflicht, sich begnadigen zu lassen. Und ob einer anzunehmen berechtigt ist, was ihm anzunehmen befohlen wurde, ist keine sinnvolle Frage. Gott weiß doch längst, dass wir der Berufung zum Heil unwürdig sind – und weiß es viel besser als wir selbst! Er stellt‘s aber auch gar nicht zur Diskussion, sondern verpflichtet uns. Er bittet nicht bloß, sondern fordert, dass wir zu ihm kommen. Und wer Gott in seiner entschiedenen Freundlichkeit nicht beleidigen will, hat da nicht wirklich eine Wahl. Wer seine Berufung annimmt, den überführt der Glaube nicht bloß in die versöhnte Gemeinschaft mit Gott, sondern zugleich in die irdische Gemeinschaft der Glaubensgeschwister, die künftig seine Weggenossen sind. Und die bilden hier auf Erden die Kirche, die (nach der Bedeutung des griechischen Wortes „Ekklesia“) eine Gemeinschaft der „Herausgerufenen“ und der „Zusammenberufenen“ ist. Kirche entsteht also nicht wie ein Interessenverband, den ein paar Gleichgesinnte gründen, um gemeinsam ihre religiösen Bedürfnisse zu pflegen. Sondern Kirche wird durch Gottes Wort geschaffen, das Menschen aus falschen Abhängigkeiten heraus- und in ein neues Leben hineinberuft. Die Teilhabe an Christus verbindet sie zum geheiligten „Volk des Eigentums“ (1. Petr 2,9-10) und versetzt sie schon hier auf Erden in das Reich Gottes (Kol 1,13-14). Gemeinsam aber staunen alle Schwestern und Brüder über den, der sie berief. Denn tatsächlich hat Gott ein so brennendes Verlangen nach uns, als ob von unserer Rettung seine eigene Seligkeit abhinge! Er tut alles Erdenkliche, um uns in unseren Ursprung zurückführen, nämlich in die Gemeinschaft mit ihm. Und wer bei Verstand ist, wird finden, wir seien den Aufwand nicht wert. Wenn Gott aber trotzdem einen Stuhl für uns frei hält – dürfen wir ihn dann kränken, indem wir unseren Stuhl nicht besetzen? Nehmen wir lieber die Beine in die Hand, solang Gottes Tür noch offen ist. Freuen wir uns seiner Gnade. Und danken wir ihm. Denn unser Gott ist in vielem wunderlich – ist aber in nichts so wunderlich, wie in seiner Zuneigung zu uns.