Sinn-Bilder des Glaubens

Die 48 hier wiedergegebenen "Sinn-Bilder" sind Johann Arndts "sechs Büchern vom wahren Christentum" entnommen, nämlich der Ausgabe von E. F. Zobel (Altdorff 1735). Sie gehen aber nicht auf Arndt selbst zurück, sondern sind Beiga-ben, die in verschiedenen Ausgaben in unterschiedlicher Zahl und graphischer Gestaltung auftauchen. In anregender Weise beschreiben sie Glaubenswahrheit in physikalischen, biologischen und astronomischen Analogien!    

 

Je härter Krieg je edler Sieg

Hier liegt ein grün saftig Holz im Feuer, da von der Hitze das Wasser heraus läuft, welches daher zwar sehr rauchet, aber doch nur ein wenig glimmet, weil das Feuer und Wasser hier mit einander gleichsam einen harten Krieg halten, bis endlich das Feuer die Oberhand behält. Also ist auch in einer bußfertigen Seele ein sehr harter Streit zwischen dem Fleisch und Geist, bis endlich der Geist durch die Kraft Christi das Fleisch bezwinget, überwindet und den edlen Sieg davon trägt. Galat. Kap. V. v. 17. Das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch; dieselbigen sind wider einander.

 

Nicht zu nahe

Hier ist zu sehen ein brennend Licht auf einem Leuchter, um welches ein Paar Nachtfalter oder Lichtmücken herum fliegen, welche, wenn sie dem Licht zu nahe kommen, sich verbrennen; wie unten am Leuchter schon eine liegt, die sich, weil sie dem Licht zu nahe kommen, verbrannt hat. Hiemit wird abgebildet, dass gläu-bige Christen der Welt zwar gebrauchen können, aber ihr nicht zu nahe kommen müssen; das ist, sie nicht missbrauchen noch lieben sollen, als wodurch man das ewige Leben wieder verscherzen kann. 1. Korinth. Kap. VII. v. 31. Die dieser Welt brauchen, sollen derselbigen nicht missbrauchen; denn das Wesen dieser Welt vergehet.

 

Das Mindeste rühret die Erde

Hier ist eine runde Kugel, so auf der Erden liegt, aber doch mit ihrem mindesten oder wenigsten Teil die Erde berühret: Also machen es auch gläubige Christen, die ob sie gleich auf der Erden leben, und der Kreaturen zur Notdurft gebrau-chen, so hängen sie doch ihr Herz nicht daran, und trachten nicht nach dem Irdischen, sondern nur meistenteils nach dem, das droben ist, oder nach dem Himmlischen. Koloss. Kap. III. v. 2. Trachtet nach dem, das droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist.

 

Allein den Augen

Hier sind abgebrochene grüne Zweige, in einem Krug mit Wasser gefüllt, in welchem sie grünen und blühen, und also den Schein der Früchte von sich geben; Allein weil sie den rechten Saft von dem Baum nicht genießen, so wird nichts aus den Früchten, sondern es fällt alles ab, und haben also allein den Augen gut geschienen: So ist es auch bewand mit dem Heuchel-Christentum, welches einen feinen Schein hat, aber keine vollkommene Früchte der wahren Liebe bringet, weil es des lebendigen Safts Jesu Christi mangelt. Matth. Kap. VII. v. 20. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

 

Am besten abgesondert

Hie ist ein Pomeranzenbaum, der in einem Kasten ganz abgesondert stehet, und gegen dem Winter zu in eine Stube oder Keller getragen wird, dass weder Wind, noch Frost, noch Schnee ihm schaden, sondern hernach auf den Frühling und Sommer desto besser wachsen und Früchte bringen kann. Also wächst ein Christ am besten im Glauben, Liebe und andern Tugenden, wenn er von der Welt abge-sondert lebet, und die weltliche Gesellschaft meidet. Denn wenn Unglück die Gottlosen Weltkinder trifft, so ist er in der Hütten und Gezelt Gottes bedecket und verborgen. Psalm XXVI. v. 4. Ich sitze nicht bei denen eiteln Leuten, und habe nicht Gemeinschaft mit den Falschen: Ich hasse die Versammlung der Boshafti-gen.

 

Allen Einerlei

Hier ist die Sonne, die auf dem ganzen Erdboden allen Kreaturen, Menschen und Vieh, denen Frommen und Gottlosen auf einerlei Weise scheinet: Also ist auch ein erleuchteter Christ allen einerlei, der Freund und Feind liebet, in Glück und Unglück seinem Gott treu bleibet, sich in den Lauf des Christentums nicht aufhal-ten lässet. 1. Thessal. Kap. III. v. 12. Euch vermehre der Herr, und lasse die Lie-be völlig werden unter einander und gegen jedermann.

 

Jedermann allerei

Hier ist ein Palmbaum, welcher den Menschen auf vielerlei Weise dienet, und seines mannigfaltigen Nutzens halben gleichsam jedermann allerlei ist. Also ists auch bewandt mit der Liebe, als welche gleichfalls vielfältigen Nutzen hat, und allen Menschen in allen Ständen und in allen Fällen, zu allen Zeiten, gerne und willig nach Vermögen dienet, und jedermann allerlei wird. 1. Korinth. Kap. X. v. 33. Ich mache mich jedermann in allerlei gefällig, und suche nicht, was mir, son-dern was vielen frommet.

 

Der bloße Schein

Hier liegt ein falsches Kleinod in Gold oder Silber eingefasst auf einem Tische, welches zwar einen feinen Schein von sich gibt, als wäre es herrlich und gut, und ist doch an und vor sich selbst falsch und betrüglich: Also haben viel, die Christen heißen, nur den bloßen Schein des Christentums an sich, und nichts mehr; dann die Kraft dessen verleugnen sie, weil sie keinen wahren Glauben und herzliche Liebe haben. 1. Korinth. Kap. XIII. v. 2. Wenn ich wüsste alle Geheimnisse, und alle Erkenntnis, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.

 

Wer mit folget, sieht das Licht

Hier ist zu sehen ein alter Adler, welcher mit ein paar Jungen auf seinem Rücken in die Höhe nach der Sonnen Licht zu fleucht, damit sie auch mögen lernen ge-rade in die Sonne sehen: Hiermit wird abgebildet, dass alle diejenigen Christen, welche dem himmlischen Adler, Christo Jesu, auf dem Kreuzesweg nachfolgen, je länger je mehr zum Licht kommen, und es sehen. Johann. Kap. VIII. v. 12. Wer Christo nachfolget, wird nicht im Finstern wandeln, sondern das Licht des Lebens haben.

 

Nun hindert sie

Hier ist abgebildet, wie die Sonne mit ihren Strahlen Wasser von der Erden in die Höhe zeucht, woraus endlich eine dicke Wolke wird, welche die Sonne hernach hindert, dass sie nicht mehr durch sie wirken kann; Also geschicht es auch, dass ein Christ der durch die Gnade Gottes in seinem Christentum gar hoch und weit kommen, bisweilen allmählich kalt und dicke wird, sich auf die erlangte Gnade Gottes was einbildet, und dadurch die Gnadensonne an fernerer Gnadenwirkung hindert. Röm. Kap. XI. v. 20. Du stehest durch den Glauben; sei nicht stolz, son-dern fürchte dich.

 

Mit doppelter Bewegung

Hier ist zu sehen die Sonne, welche eine doppelte Bewegung hat, einmal (wel-ches aber nicht wohl zu merken) um ihr Zentrum und Mittelpunkt herum; und hernach vom Abend bis zum Morgen durch den ganzen Himmel hindurch, näm-lich durch die zwölf himmlischen Zeichen; Also hat ein gläubiger Christ auch eine doppelte Regung und Bewegung, da die eine offenbar und täglich geschicht in sichtbarlichen Dingen, in seinem Beruf und Stand, die andere aber verborgen und auf die Ewigkeit zielt. Malach. Kap. IV. v. 2. Euch, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit, und Heil unter desselben Flügeln.

 

Nichts außer mir

Hier ist ein Baum, auf welchen vier Pfropfreiser gesetzet, welche von dem Saft des Baums getrieben werden, dass sie wachsen und ausschlagen. Dann außer dem Baum hätten sie müssen verderben und verdorren: Also wenn ein getaufter Christ nicht in Christo Jesu bleibet, so kann er außer Christo nichts tun, das Gott angenehm ist, aber wenn er mit Christo vereiniget bleibet, so kann er an dem innerlichen Menschen durch den Saft und Kraft Christi fein wachsen und Frucht bringen. 1. Johann. Kap. IV. v. 13. Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben, und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat.

 

Als die Sterbenden

Hier sind etliche Seidenwürmer abgebildet, mit welchen es die Art hat, dass, wenn sie genug gegessen und ihre Zeit erreichet, sie sich verbauen, und selbst in ihr Gespinst verwickeln und sterben, dabei aber Eier hinterlassen, aus welchen hernach neue Seidenwürmer werden: Also wenn der neue Mensch leben soll, so muss der alte ausgezogen werden oder sterben. Daher gläubige Christen der Welt und Sünde täglich absterben, damit sie Christo und der Gerechtigkeit leben mögen. Koloss. Kap. III. v. 9. Ziehet den alten Menschen mit seinen Werken aus, und ziehet den neuen Menschen an.

 

Zu rechter Zeit

Hier sind abgebildet ein Haufen Ameisen, welche im Sommer sehr fleißig und also ihre Speise auf den Winter sich zu rechter Zeit einsammlen: Also sollen auch die Christen die rechte Zeit der Busse nicht versäumen, sondern sich je eher je besser bekehren, und in ihrem Christentum fleißig sein, ehe die böse Zeit oder der Tod kommt. Sirach Kap. XVIII. v. 22. Verzeuch nicht fromm zu werden, und harre nicht mit Besserung deines Lebens bis an den Tod.

 

Nicht ohne Tränen

Hier sind Zwiebeln, deren eine von einer Hand angegriffen wird. Womit wird abgebildet, dass, wenn man Zwiebeln angreifet, schälet und schneidet, solches nicht ohne Tränen geschehen kann, indem dem Menschen, der sie schälet oder schneidet, dabei allezeit die Augen mit Tränen überlaufen: Also ist es auch be-wandt mit einem bußfertigen Menschen, welchem seine Sünde sich unter Augen stellet, dass er dabei Gottes schweren Zorn, welchen er mit seinen Sünden ver-dienet, erkennet und schmerzlich empfindet, und dadurch bewogen wird, Buß-tränen zu vergießen, und bitterlich zu weinen; Gleichwie solches an dem bußferti-gen Petro, Maria Magdalena, und andern Sündern zu sehen. Lukas. XXII. Kap. v. 61. Der Herr wandte sich, und sah Petrum an; und ging hinaus, und weinet bitter-lich.

 

Dennoch gerade

Hier ist ein weites Trinkglas über die Hälfte mit Wasser gefüllet, in welches ein länglich gleiches Holz getan, welches aber im Wasser krumm und ungleich zu sein scheinet, ob es gleich gerade ist und bleibet. Hiemit wird angedeutet, dass, obgleich ein Christ, der aufrichtig wandelt, von der Welt getadelt, übel geurteilet und gelästert wird, er dennoch derjenige bleibet, der er ist, ein frommer und rechtschaffener Christ; der Gott und seinen Nächsten nach der Anweisung gött-lichen Wortes aufrichtig und beständig liebet, die Welt mag dazu sagen, was sie will. 1. Korinth. Kap. IV. v. 3. 4. Mir ist ein geringes, dass ich von euch gerichtet werde. Ich bin mir wohl nichts bewusst; der Herr ists aber, der mich richtet.

 

Je niedriger je voller

Hier sind Kornähren auf dem Feld, da die niedrigsten die vollsten sind, und das beste Korn haben, da hingegen die Ähren, die hoch und aufrichtig stehen, leer sind, oder taub Korn haben: Also je niedriger und demütiger ein Mensch ist, je völliger ist er von der Gnade Gottes; da hingegen die Stolzen und Hochmütigen ganz leer von der göttlichen Gnade, und vielmehr dem Herrn ein Greuel sind. Sirach Kap. III. v. 10. Der Herr ist der Allerhöchste, und tut doch große Dinge durch die Demütigen.

 

Wann diese steigt, muss jene fallen

Hier ist eine Waage, da die eine Waagschale steigt, die andere fällt; damit wird abgebildet, dass, wenn die Liebe der Welt in uns steigt und wächst, die Liebe Gottes bei uns falle und aufhöre. Wer nun Gott recht lieben will, muss die Welt-liebe fallen und fahren lassen, weil Gott neben sich die Welt durchaus nicht will geliebet haben. Jakob. Kap. IV. v. 4. Der Welt Freundschaft ist Gottes Feind-schaft. Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein.

 

Eher keine Ruhe

Hier ist ein Schifferkompass, in welchem die Magnetnadel nicht eher Ruhe hat und stille ist, bis sie sich gegen Mitternacht zu dem Polarstern gewendet hat: Also findet die Seele des Menschen nicht eher Ruhe, als bis sie sich von der Welt und irdischen Dingen zu Gott als ihrem Ursprung mit Gebet und herzlicher An-dacht im Glauben gewendet, und seiner Gnade wirklich genießt. Sirach Kap. XXXV. v. 21. Das Gebet des Elenden dringet durch die Wolken, und lässet nicht ab, bis es hinzu komme.

 

Zur Antwort fertig

Hier ist ein dreifaches Echo und Wiederschall abgebildet, dass, wenn man gegen einen Berg oder Gebüsche laut rufet: Wer liebet mich? So wird sonderlich die letzte Silbe sich vernehmen lassen: Ich, ich, ich: Damit wird angedeutet, wie Gott auf das Gebets-Geschrei eines Gläubigen pflege alsobald zur tröstlichen Antwort fertig zu sein. Siehe Ps. 34,5. Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.

 

Dem Meister zu Ehren

Hier ist eine Orgel abgebildet, welches gar ein anmutig und lieblich Instrument ist, das menschliche Herz zur Freude aufzumuntern. Damit wird angedeutet, wie Gott der Heil. Geist der Gläubigen Herz und Mund zu Gottes Lob und Preis, dem himmlischen Meister zu Ehren aufmuntert. Psalm C. v. 1. Jauchzet dem Herrn alle Welt, dienet ihm mit Freuden: Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst.

 

Der Last gewachsen

Hier ist eine Wage, da man mit einem kleinen Gewicht sehr viel wägen kann, als wie man es zu sehen hat an einer Heuwaage, da mit einem einzigen kleinen Ge-wicht ganze Wagen mit Heu, etliche Zentner schwer, gewogen werden. Hiermit wird angedeutet, dass bei einem gläubigen Christen die Geduld und Gelassen-heit einer sehr großen Not und Kreuzeslast gewachsen ist, und sie überwägen oder ertragen kann. Sprüchw. Sal. Kap. XVI. v. 23. Ein Geduldiger ist besser, denn ein Starker.

 

Es mehret die Glut

Hier ist ein Haufen Holz, so brennet, dessen Glut, weil es nicht recht brennet, durch die Winde angeblasen und vermehret wird. Damit wird angedeutet, dass die Kreuzes- und Unglückswinde den Gläubigen nicht schaden, sondern vielmehr ihr Feuer der Andacht vermehren, dass sie dadurch im Gebet und in der Liebe Gottes desto brünstiger werden, zumal wenn sie dessen Hilfe und Trost dabei in ihren Seelen befinden. Röm. Kap. VIII. v. 35. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst? In dem allen überwinden wir weit.

 

Die Last machts leicht

Hier ist eine Schlaguhr, die durch die schweren Gewichte und Last in rechten Gang gebracht wird, dass sie fein leicht fortgehet, und eine Stunde nach der andern richtig hält. Also ist auch gläubigen Christen nicht hinderlich, wenn ihnen Gott nach seinem allweisen Rat ein schweres Kreuzgewicht anhängt: denn da-durch werden sie nur aufgemuntert, desto hurtiger und besser in ihrem Christen-tum fortzugehen. Psalm CXIX. v. 71. Es ist mir lieb, dass du mich gedemütigt hast, dass ich deine Rechte lerne.

 

Entfernt und doch zugegen

Hier ist ein Tubus oder großes Perspektiv und Fernglas, wodurch das Auge des Sternsehers siehet, und die sehr weit entfernten Sterne als ganz nahe und zu-gegen ziemlich deutlich erblicket und erkennet: Also hat auch die Hoffnung eines gläubigen Christen sehr helle Glaubensaugen, mit welchen sie durch das Sicht-bare in dieser Welt gar weit hinsiehet auf das Unsichtbare, in Gottes liebreiches Vaterherz und in die ewige Herrlichkeit hinein, und sich damit erfreuet. Ephes. Kap. II. v. 18. Gott gebe euch erleuchtete Augen eures Verstandes, dass ihr er-kennen möget, welche da sei die Hoffnung eures Berufs, und welcher sei der Reichtum seines Herrlichen Erbes an seinen Heiligen.

 

Die Kraft wächst mit dem Tage

Hier ist die aufgehende Sonne, deren Glanz, Kraft, Wärme und Wirkung mit dem Tag wächst und zunimmt: Also, ob wohl ein gläubiger Christ im Anfang des Glau-bens Kraft nicht stark empfindet, so soll er doch nicht kleinmütig werden, sondern nur geduldig sein, bis es recht Tag in seiner Seele wird, da wird er dessen Wir-kung, Kraft, Stärke und Trost merklich empfinden. 2. Thessal. Kap. I. v. 11. Gott mache euch würdig des Berufs, und erfülle alles Wohlgefallen der Güte, und das Werk des Glaubens in der Kraft.

 

Allein im vollen Licht

Hier ist uns abgebildet eine Mondenfinsternis, welche allein im vollen Licht ge-schicht. Denn nicht ehe kann natürlicher Weise eine Mondenfinsternis werden, es habe denn der Mond sein volles Licht. Damit wird angedeutet, dass öfters, wenn ein Christ sehr hoch erleuchtet ist, er durch schwere Anfechtung, da Gott seine Gnade und Trost entzeucht, eine sehr große Finsternis in seiner Seelen leiden müsse, damit er fein demütig werde, und des rechten Maßes der empfangenen Gnade und Lichts sich nicht überhebe. Tob. Kap. XII. v. 13. Weil du Gott lieb warest, so musste es so sein, ohne Anfechtung musstest du nicht bleiben, auf dass du bewähret würdest.

 

Doch irre ich nicht

Hier ist der neue Mond, welcher, nachdem er bisher vor der Sonnen und ihren Strahlen nicht hat können gesehen werden, nunmehr aus der Sonnen Strahlen wieder herfür kommt, und Anfangs als ein klein Licht sich wieder zeiget. Ob er nun wohl bisher von uns nicht hat können gesehen werden, so hat er doch nicht geirret, sondern noch immer seinen richtigen Gang behalten: Also, ob gleich ein gläubiger Mensch bei großer Anfechtung in große Finsternis fällt; dennoch bleibt er bei seinem Gott und irret nicht, bis ihm das Gnadenlicht mitten im Finsternis wieder aufgehet. Jes. Kap. XL. v. 29. Er gibt den Müden Kraft, und Stärke genug den Unvermögenden.

 

Das Rütteln säubert

Hier ist ein Sieb, wodurch das Getreide, wenn es gerüttelt und geschüttelt wird, von dem Staub und anderm Unflat gesäubert wird: Also, obwohl ein Christ auf Gottes Zulassung von dem Satan, als wie der Weizen durch allerhand Anfechtun-gen gesichtet wird, so muss es ihm doch gut sein, weil er dadurch nur desto mehr von den noch anklebenden Lastern gesäubert wird. Hebr. Kap. XII. v. 10. Gott züchtiget uns zu Nutz, dass wir seine Heiligung erlangen.

 

Ungedrückt ungeschickt

Hier ist eine offene Buchdruckerpresse, darinnen ein ungedruckter Bogen Papier liegt. Wie nun, wenn das Papier nicht unter die Presse kommt und gedruckt wird, man auf demselben nichts lesen kann: Also auch ein Christ, wenn er nicht unter des Kreuzespresse kommt, bleibt im Glauben ungeschickt, und lernt nicht recht auf Gottes Wort merken; da hingegen er unter der Kreuzespresse sich und an-dern mit seinem Glauben und Geduld bekannt und offenbar, auch dem Ebenbilde Christi ähnlich wird. Daher er auch mit Christo dermaleins wird große Herrlichkeit haben. Hebr. Kap. XII. v. 11. Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünket sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit sein, aber darnach wird sie geben ein friedsa-me Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind.

 

Inwendig

Hier ist zu sehen eine zugeschlossene Perlenmuschel am Meer liegend, in wel-cher inwendig eine Perle liegt. Womit wird angedeutet, dass ein Christ alles Irdi-sche, woran sein Herz hänget, verkaufen, ja sich selbst verlassen, und hingegen sich in die Tiefe seines Herzens einsenken, und darinnen die edle himmlische Perle, Gott, oder Christum Jesum, suchen und finden soll. 1Petr. Kap. III. v. 4. Der verborgene Mensch des Herzens unverrückt mit sanftem und stillem Geiste, das ist köstlich für Gott.

 

Das Edelste ist verborgen

Hier liegt eine offene Uhr, die man bei sich tragen kann, darinnen aber das Edel-ste und Beste, nämlich, was die Uhr beweget, verborgen ist. Also hat man bei einem Christen nicht zu sehen auf das Äußerliche, sondern vielmehr auf das Innerliche, auf den Heil. Geist, der in ihm, als in einem Tempel, kräftig ist und zu allem Guten antreibet. Koloss. Kap. III. v. 3. Euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott.

 

 

Erhöhet durch den Fall

Hier ist ein Springwasser oder Springborn, mit welchem es also bewandt, dass das Wasser erst so tief fallen muss, als es hoch steigen und springen soll: Also, will ein Mensch erhöhet werden, so muss er erst niedrig werden und sich demüti-gen, so wird ihn der Herr erhöhen. 1. Petr. Kap. V. v. 6. Demütigt euch unter die gewaltige Hand Gottes, dass er euch erhöhe zu seiner Zeit.

 

Das Mindern mehrt

Hier ist ein Baum, welchem so wohl dürre als andere Äste abgehauen worden, (als welche hier unten um den Baum herumliegen,) dass er daher gar unansehn-lich siehet. Aber es ist zu seinem Besten geschehen, dass er nämlich nur desto mehr Äste treiben soll, und man also hernach sehen kann, dass das Mindern sei-ner Äste ihm nicht geschadet: Also macht es auch der Glaube in einem Christen, der nimmt alles, was dem alten Adam lieb ist, weg, und stärket hingegen den neuen Menschen, dass er desto mehr Tugendzweige und Früchte zu Gottes Lob bringen kann. Johann. Kap. XV. v. 3. Einen jeglichen Reben, der da Frucht brin-get, wird er reinigen, dass er mehr Frucht bringe.

 

Das Kleinere muss dem Größern weichen

Hier ist abgebildet die aufgehende helle Morgenröte, vor welcher der dunkele Nachtschein der Sterne weichen muss: Also, wenn das größere Gnadenlicht anfängt in unseren Seelen aufzugehen, so muss das kleinere natürliche Licht der Vernunft weichen, und in uns untergehen. Johann. Kap. VI. v. 63. Der Geist ists, der da lebendig machet, das Fleisch ist kein nütze.

 

Uns trennet allein der Rost

Hier hängt ein Magnet, welcher das Eisen an sich ziehet, beide aber durch den Rost allein wieder voneinander getrennet werden: Also will Gott uns auch zu und an sich ziehen, so fern wir die Welt mit ihrer Liebe und Lust fliehen, und vor mut-willigem Sündenrost uns in acht nehmen. Denn durch die Sünde werden wir von Gott wieder geschieden. 2. Petr. Kap. I. v. 4. Euch sind die teuren und aller-größesten Verheißungen geschenket, nämlich, dass ihr sollt teilhaftig werden der göttlichen Natur, so ihr fliehet die vergängliche Lust der Welt.

 

So lange dieser währet

Hier sind etliche Bienenstöcke, und nicht weit davon ein Feuer mit starkem Rauch, womit die Bienen verjaget werden. Denn so lang dieser Rauch währet, fliegen die Bienen von ferne herum, und kommen nicht wieder zum Bienen-stöcken. Wie nun durch den Rauch die Bienen verjaget werden: also wird auch der Heil. Geist durch unnütze Reden, faul Geschwätz u. Narrenpossen betrübet, u. aus dem Herzen vertrieben. Und so lange ein Mensch von solchen sündlichen Dingen nicht lassen will, u. besser reden lernt, so lange kann der H. Geist nicht in sein Herz kommen. Ephes. Kap. IV. v. 29. Lasset kein faul Geschwätz aus eurem Munde gehen, und betrübet nicht den Heil. Geist Gottes, damit ihr versiegelt seid.

 

Am meisten Innerlich

Hier ist ein feuerspeiender Berg, der inwendig voll Feuer ist, und oben ein wenig vom Feuer und Asche heraus wirft, aber doch das meiste Feuer innerlich bei sich behält: Also hat eine gläubige Seele das meiste Feuer der Andacht, von dem H. Geist erwecket, in ihrem Herzen, welches kräftige Seufzer und inwendige Gebet wirket. Denn ob man gleich von außen auch die feurige Andacht an einer gläubi-gen Seele aus gewissen Zeichen erkennen kann, dennoch ist sie am meisten und kräftigsten innerlich im Herzen. 1 Samuel Kap. I. v. 13. Hanna redete in ihrem Herzen, allein ihre Lippen regeten sich, und ihre Stimme hörete man nicht.

 

Ich steige und säubere mich

Hier ist eine Rakete an einem Stecken oder Stab gebunden, welche angezündet, und etwas in die Höhe gestoßen, in der Luft immer je länger je höher steiget, und sich von dem, womit sie angefüllet ist, säubert, bis sie ausgebrennet ist. Hiemit wird abgebildet, wie Gott einen Christen durch das Feuer des Kreuzes zum Stei-gen tüchtig machet, u. dahin bringet, dass er mit seinem Herzen und Sinn immer höher hinan zu dem Himmlischen und Ewigen steiget, und zugleich von der Welt- und Eigenliebe und von der Liebe aller andern irdischen Dinge, die ihn in seinem Christentum bisher noch aufgehalten, je länger je besser gesäubert u. gereiniget wird. Jer. Kap. XXXIII. v. 3. Offenb. Joh. Kap. III. v. 19. Ich habe dich je und je geliebet, darum habe ich dich nach mir gezogen. Welche ich aber lieb habe, die strafe und züchtige ich.

 

 

Im setzen lieset man

Hier ist zu sehen eine Buchdruckerei, da etliche Kästen mit Buchstaben stehen, welche in ihre Fächlein eingeteilet sind. Da können nun die Buchstaben, so lange sie, ein jeder an seinem Ort, in dem Kasten liegen, nicht gelesen werden, bis sie zusammen gesetzet sind, dass sie ganze Wörter und eine Schrift machen, da kann man sie fein lesen. Damit wird abgebildet, wie Gott seine Werke in der gan-zen Welt ausgebreitet, und jegliches zu seiner Zeit und an seinem Ort verrichtet; aber am besten kann man sie erkennen, wenn man sie fein zusammen setzet, und andächtig betrachtet. Denn da wird man darinnen lesen und erkennen den großmächtigen Schöpfer, und sehr große Lust an seinen Werken haben. Psalm CXI. v. 2. Groß sind die Werke des Herrn, wer ihr achtete, der hat eitel Lust da-ran.

 

So sieht man klar, was unsichtbar

Hier ist ein Glas mit Wasser über die Hälfte gefüllt, darein ist geworfen ein Stück Geld, so zu Boden lieget, dessen Schatten aber sich doch auch oben in dem Wasser deutlich präsentiert; und also ist das, was unten zu Boden liegt und un-sichtbar ist, oben im Wasser klar zu sehen. Hiermit wird angedeutet, dass Gottes Wesen zwar unsichtbar sei; aber doch aus der Schöpfung der Welt und aus seinen göttlichen Werken, wo man die recht betrachtet, ziemlich deutlich er-kennet werden kann; ja, dass ein Mensch, der sein Gemüt recht betrachtet, da-rinnen Gottes Bild ziemlich klar antreffen und sehen kann. Röm. Kap. I. v. 20. Gottes sichtbares Wesen, das ist, seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen, so man das wahrnimmt an den Werken, nämlich an der Schöpfung der Welt.

 

Starke Glut macht mich gut

Hier ist ein Brenn- und Ziegelofen, darinnen durch das starke Feuer und dessen starke Glut die Ziegel recht gut gemachet werden: Also pflegt Gott auch die Sei-nigen in dem heißen Kreuzofen zu prüfen und bewährt zu machen. 1. Petr. Kap. IV. v. 12. Lasset euch die Hitze, so euch begegnet, nicht befremden, die euch wiederfähret, dass ihr versuchet werdet, als wiederführe euch etwas Seltsames.

 

Durch hin auf etwas anders

Hier ist eine Brille, durch welche man auf etwas anders siehet, und es deutlicher erkennen kann: Also sollen die Kreaturen unsere geistliche Brille sein, durch welche wir sollen auf ihren Schöpfer sehen, und denselben desto mehr lieben. Jes. Kap. XL. v. 26. Hebet eure Augen in die Höhe, und sehet, wer hat solche Dinge erschaffen? Der sie alle mit Namen rufet, sein Vermögen und starke Kraft ist groß.

 

Ich bin zwar gefangen, habe es aber besser, als meine Kameraden

Hier ist ein Vogel in einem Käfig, welcher, ob er gleich gefangen zu sein scheint, und nicht mehr in der Luft frei herum fliegen kann, dennoch es besser hat als die andern freien Vögel, indem er frei ist von aller Gefahr und Nachstellung, von aller Angst u. Hunger; sondern sein Herr, dessen er ist, pfleget sein, u. gibt ihm seine ordentliche Speis und Trank: Damit wird angedeutete, dass ein Christ, der sich Gott ganz und gar zum Dienst ergibt, ob er gleich ein Knecht scheint zu sein, weil er nicht mehr frei sündigen darf, dennoch das Beste davon hat, dass ihn nämlich sein Herr im Himmel beschützet, ernähret, versorget und selig macht. 

 

Dort geht es richtiger

Hier ist ein richtiger Sonnenweiser oder Zeiger zu sehen, an welchem die hell-scheinende Sonne die Stunden viel richtiger machet, als eine Schlaguhr, die bald zu geschwind, bald zu langsam gehet; aber die Sonne gehet durch göttliche Ordnung richtiger: Denn sie gehet einmal wie das andere, und hält ihren richtigen Lauf. Aus diesen und andern ordentlichen Werken der Natur kann man den wunderbaren und allerweisesten Schöpfer erkennen, und dadurch aufgemuntert werden ihn hoch zu halten, und desto herzlicher zu lieben. Buch der Weisheit Kap. XIII. v. 1. Die Menschen sind eitel, dass sie an den sichtbarlichen Gütern den, der es ist, nicht erkennen, und sehen an den Werken, nicht wer der Meister ist. 

 

Aus einem Ursprung

Hier sind viel runde Zirkel zu sehen, da immer einer grösser ist als der andere, und doch alle aus einem Ursprung, nämlich aus einem Centro und Mittelpunkt herkommen: Damit wird abgebildet, dass die Menschen alle mit einander, groß und klein, hoch und niedrig, auch nur aus einem Ursprung kommen, nämlich von Gott, und daher sollten sie auch alle miteinander diesen ihren Gott und Schöpfer auf gleiche Weise, und sich auch untereinander lieben. Denn geschähe dieses, so würde auch eine rechte Einigkeit unter ihnen sein. Ephes. Kap. IV. v. 3. Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist, durch das Band des Friedens.

 

Der Eintracht Frucht

Hier ist eine Orgel abgebildet, deren Pfeifen groß und klein eine liebliche Harmo-nie geben, weil sie fein einträchtig zusammen stimmen, und daher bei dem Men-schen eine nicht geringe Freude erwecken: Also wenn der Mensch mit Gott einig ist, dass er ihn herzlich liebet, so hat er auch aus solcher Einigkeit, da er mit Gott oder Christo eines Sinnes ist und harmoniert, eine sehr große Freude und einen Vorschmack des ewigen Lebens, als welches in lauter Liebe und Freude beste-hen wird. Psalm XVI. v. 11. Für dir ist Freude die Fülle, und lieblich Wesen zu deiner Rechten ewiglich.

 

Den, der ihm nachjaget, fleuchts

Hier ist zu sehen ein kleiner Knabe, der seinem Schatten nachjaget, und ihn haschen will; aber je mehr er ihm nachjaget, je mehr fleucht er vor ihm: Also ist es auch bewandt mit der Eigenehre der Menschen. Denn je mehr die armen Menschen ihre Eigenehre, so ein nichtiger Schatten ist, suchen und derselben nachjagen, je weniger erlangen sie davon, und werden endlich darüber zu schan-den. Johann. Kap. V. v. 44. Wie könnet ihr glauben, die ihr Ehre von einander nehmet und die Ehre, die von Gott allein, suchet ihr nicht.