DIE VOLLENDUNG

 

Vom Kommen und Gehen des menschlichen Glanzes

Wir sind mit unseren Kräften und Qualitäten nicht so dauerhaft verbunden, wie wir meinen, sondern sind mit ihnen nur vorübergehend beliehen und geziert, wie eine Schaufensterpuppe mit prächtigen Kleidern. Eigentlich gehören alle Quali-täten Gott. Ihm gefällt es aber, Funken davon in diesem oder jenem Geschöpf aufblitzen zu lassen, das dann für gewisse Zeit daran Anteil hat. Und das ist ehrenvoll. Denn etwas vom Allerhöchsten will an uns erscheinen und durch uns eine Zeit lang vor der Welt sichtbar werden!

 

119 • Glaubensfortschritt

Hat man je genug geglaubt?

Der Weg des Glaubens stellt hohe Anforderungen. Und niemand kann sagen, er sei bereits am Ziel angekommen. Doch für Gott zählt nicht, ob einer vorne läuft

oder hinten. Entscheidend ist nicht, wie nah der Mensch der Vollkommenheit ist.

Sondern für Gott zählt nur, ob er im Rahmen seiner Möglichkeiten sein Bestes

gibt. So kann „schwacher“ Glaube „genug“ sein, wenn der Mensch nur unterwegs

bleibt, kämpft, strebt und läuft. Und „starker“ Glaube kann „zu wenig“ sein,

wenn der Mensch sich ins Gras setzt und sich auf dem Erreichten ausruht.

 

120 • Widerstand

Wie vernünftig ist Anpassung in einer verkehrten Welt?

Im Allgemeinen erscheint es „vernünftig“, wenn der Mensch sein Verhalten den

Gegebenheiten der Welt anpasst. Doch wenn die Welt durch den Einbruch des Bösen eine „verkehrte“ und „verdrehte“ Welt geworden ist, kann man sich ihr nicht anpassen, ohne dabei selbst „verkehrt“ und „verdreht“ zu werden. Der Glaube fordert darum, diese Anpassung zu verweigern, die „Normalität“ des Schlechten niemals „normal“ zu finden und ein widerständiges Leben zu führen nach den Regeln (nicht der gegebenen, sondern) der kommenden Welt.

 

121 • Hoffnung

Soll man hoffen – schon aus Prinzip?

Hoffnung ist nicht gleich Hoffnung – und die falsche ist der Feind der wahren. Darum ist christliche Hoffnung klar zu unterscheiden 1. von der Hoffnung der Naiven (die sich bloß ihrer Unkenntnis verdankt), 2. von der Hoffnung der Stolzen (die auf der Überschätzung ihrer Kräfte beruht) und 3. von der Hoffnung der Trotzigen (die „blind“ und nur aus Prinzip hoffen). Christliche Hoffnung hat ihren

Spender, ihren Grund und ihr Ziel in Jesus Christus – und hat darum mit

Zweckoptimismus, Fortschrittsglaube oder positivem Denken nichts zu tun.

 

122 • Die menschliche Seele

Ist sie unsterblich?

Die menschliche Seele verdankt ihre Unsterblichkeit nicht einem eigenen

Beharrungsvermögen, durch das sie „unzerstörbar“ wäre, sondern verdankt sie

allein der Treue und Beharrlichkeit Gottes, der die Toten nicht vergisst und

aus der Beziehung zu ihm nicht entlässt. Es irren darum auch jene, die meinen,

mit ihrem Tod sei „alles aus“. Gott hat nicht vor, sie aus ihrer Verantwortung

ins Dunkel des Nicht-Seins entwischen zu lassen. Mancher wird sich wünschen, er könnte sich die Bettdecke des Todes über beide Ohren ziehen. Aber es wird

keinem gelingen.

 

123 • Tod und Vergänglichkeit

Was hat es auf sich mit dem Tod?

Der Tod hat mehr als ein Gesicht: Er ist für alle Geschöpfe die natürliche, vom

Schöpfer gesetzte Grenze ihres Daseins. Für Sünder ist er zugleich ein

Gerichtsakt, durch den Gott das ihn Verneinende verneint und das Nicht-sein-sollende ins Nicht-Sein befördert. Für begnadigte Sünder aber ist er außerdem auch noch das Tor in den Himmel, die Durchgangsstation in die ungetrübte Gemeinschaft mit Gott. Christen müssen den Tod darum nicht fürchten: Für sie ist das Sterben nicht Vernichtung, sondern Vollendung.

 

124 • Gottes Gericht am Ende der Zeit

Was bringt der Jüngste Tag?

Gottverbündet sich nicht mit den Tätern, die es gerne sähen, wenn ihre Opfer vergessen würden. Sondern er sorgt dafür, dass die, die der irdischen Gerechtigkeit entgehen, spätestens im Jüngsten Gericht von der himmlischen Gerechtigkeit eingeholt werden. Er wird uns die Konfrontation mit unserer Schuld nicht ersparen. Und das ist gut so. Denn Vergebung ohne Reue und ohne Rehabilitation der Opfer wäre zynisch. Vergebung ohne Gericht beruhte bloß auf Verharmlosung der angerichteten Not.

 

Allversöhnung oder Hölle?

Die Lehre von der „Allversöhnung“ ist heute verbreitet, obwohl sie im Neuen Testament keine Grundlage hat. Jesus rechnet damit, dass Sünder, die nicht im Glauben das Heil ergreifen, auf ewig vom Heil ausgeschlossen bleiben und verloren gehen. In der bewussten Trennung von Gott liegt ihre Schuld – und zugleich ihre angemessene Strafe. Wer aber will sich anmaßen, darüber mehr zu wissen als Gottes Sohn? Die Hölle, von der er spricht, verschwindet nicht, bloß weil wir uns weigern, an sie zu glauben. Trösten wir uns also nicht mit Aus-flüchten wie der Allversöhnungslehre, sondern ergreifen wir die konkrete Hilfe, die Christus bietet.

 

125 • Wiederkunft Christi

Wieso wird gerade Christus unser Richter sein?

Jesus Christus wird am Jüngsten Tag unser Richter sein. Und damit ist das Amt auf die denkbar beste Weise besetzt. Denn wer könnte unser Dasein gerechter beurteilen als der, der Not und Versuchung mit uns teilte? Wer könnte ein kompetenterer Richter sein als der, der den Willen Gottes nicht nur verkündet, sondern auch vorgelebt und ohne Sünde erfüllt hat? Welcher Richter könnte uns lieber sein als der, der sich selbst opferte, um unseren Freispruchzu erwirken? Wenn er als Richter zugleich unser Verteidiger sein will, kann uns kein Ankläger verdammen!

 

126 • Auferstehung der Toten

Wieviel Zukunft hat mein Körper?

Die Auferstehung ist keine geisterhafte Angelegenheit. Das neue Leben wird genauso eine leiblich-handfeste Seite haben, wie das alte. Und doch ist das neue kein zweiter Aufguss des alten, sondern beinhaltet einen qualitativen Sprung. Der

aus dem Grab hervorgeht wird durchaus noch derselbe sein, den man hinein-gelegt hat – doch wie wir jetzt Adam gleichen, und in dieser Gleichheit das Unglück unseres Todes begründet liegt, so werden wir in der Auferstehung Jesus Christus gleichen, und in dieser Ähnlichkeit wird sich unsere neues Leben dokumentieren.

 

127 • Neuschöpfung von Himmel und Erde

Kann man das Jenseits ersehnend dem Diesseits treu bleiben?

Den Himmel zu ersehnen bedeutet keineswegs, in fromme Luftschlösser zu fliehen, aufs „Jenseits“ zu vertrösten und der alten Erde die Treue aufzu-kündigen. Denn der Himmel ist nichts anderes als die durch Gottes Gegenwart gesundete Erde. Er ist keine Alternative zur Schöpfung, sondern die herrliche Zukunft, die sie haben wird: Wenn Gott sein Werk gegen den Widerstand des Bösen vollenden will und es in seiner Allmacht auch vollenden kann, so folgt zwingend, dass er es vollenden wird.

 

128 • Ewiges Leben und Reich Gottes

Kommt das Beste erst noch?

Mit dem Tod endet nur unseres Lebens erster Teil, denn nach der Auferstehung und dem Jüngsten Gericht werden die Gläubigen gereinigt, runderneuert und vollendet in Gottes Reich eingehen. „Herrlichkeit“ wird dafür ein viel zu kleines Wort sein! Doch sollte man sich den Himmel nicht zu sehr in Kategorien des Konsums vorstellen. Unsere Seligkeit wird nicht darin bestehen, dies und jenes zu genießen (im Sinne eines Schlaraffenlandes), sondern dass wir Gott schauen und Gott genießen. Seine Nähe wird uns beglücken und wir werden Gottes voll sein.