Theologische Impulse von A bis Z

 

Die Theologen, die hier zu Worte kommen, sind vor mindestens 70 Jahren verstorben, so dass ihre Texte nicht mehr dem Urheberrecht unterliegen. Der größere Vorteil ihres Alters besteht aber darin, dass sie an den Verfallserscheinungen gegenwärtiger Theologie keinen Anteil haben. Die kommt mir vor wie ein ehemals imposanter, nun aber vergreister Mann, der die eigenen Kleider nicht mehr recht ausfüllt, und der nun, da ihm die Kräfte und Überzeugungen schwanden, täglich seine Zweifel neu sortiert. Von dieser Krankheit sind die hier versammelten Autoren zum Glück nicht befallen! Ich gebe aber zu, dass ihre Sprache ungeübten Lesern Schwierigkeiten bereitet, und dass für diesen Kreis viele Erläuterungen und Verständnishilfen nötig wären, um ihnen den vollen Genuss zu verschaffen. Es ist halt geistliche Nahrung in konzentrierter Form. Sie will geduldig gekaut werden – sättigt aber umso mehr!                           

 

ABENDMAHL

„Das heilige Abendmahl ist das zweite Sakrament des Neuen Testaments; in demselben teilt Jesus unter dem Brot und Wein seinen wahren Leib und sein wahres Blut allen Genießenden mit, und schenkt damit zugleich denen, die es gläubig genießen, die Vergebung aller Sünden zum Preis seiner Gnade und zur Seligkeit der würdigen Empfänger.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Was ist das heilige Abendmahl? Es ist ein Sakrament des neuen Testamentes, von Christo selbst eingesetzt, in welchem der wahre Leib und das wahre Blut unseres Herrn Jesu Christi in und unter dem Brot und Wein allen, die solches essen und trinken, wahrhaftig mitgeteilt, und die Verheißung der Gnade jedem Gläubigen durch dasselbe zugeeignet und versiegelt wird.“ (Leonhard Hutter)

 

„Das heilige Abendmahl ist ein Sakrament, in welchem der Herr Jesus Christus seinen Leib unterm Brot zu essen und sein Blut unterm Wein zu trinken eingesetzt hat, dass er dadurch sein heilig Leiden und Blutvergießen jedem insonderheit zueigne, die evangelische Verheißung versiegle und den Glauben bekräftige.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Ist die Speise in den Magen gelangt, so muss sie noch drei Stufen überschreiten, ehe sie in die menschliche Natur gelangt. Hat der Magen sie mit seiner natürlichen Wärme gekocht und verdaut, so greift eine obere Seelenkraft ein, die Gott hierzu bestellt hat, und verteilt die Nahrung ringsum, dem Haupt, dem Herzen, jeglichem Glied (zu), wo sie Fleisch und Blut wird, das durch die Adern fließt. Ebenso verhält es sich mit dem Leib unseres Herrn. So wie die leibliche Speise in unser Fleisch verwandelt wird, so wird der, welcher die (göttliche Speise) würdig in sich aufnimmt, in sie verwandelt. So sprach unser Herr zu Sankt Augustin: „Nicht ich bin in dich verwandelt, sondern du in mich.“ Wer diese Speise würdig empfängt, dem geht sie durch die Adern in den inneren Grund. Nehmen wir das Wort des heiligen Bernhard: „Wenn wir körperliche Speise zu uns nehmen, so kauen wir sie zuerst, und dann sinkt sie sachte in den Leib nieder.“ Was bedeutet dieses Kauen? Sankt Bernhard antwortet: „Wenn wir Gott essen, so werden wir von ihm gegessen. Er zehrt uns auf.“ (Johannes Tauler)

 

ALLGEGENWART GOTTES

„Wo finde ich nun Gott? Jer. 23,23. Bei St. Jakob? Am Ende der Erden? Zum finstern Stern? Zu Jerusalem? Auf dem Berge Tabor? Antwort: Joh. 4,23. Im Geist und in der Wahrheit. Zu Fürsten und Herren muss man weit reisen, seine Not vorzubringen; aber Gott ist überall, er erfüllet Himmel und Erden, Jer. 23,24. ist allen Kreaturen näher, als sie ihnen selbst sein; ist in und außer allen, durch alle, Eph. 4,6. Alle Örter sind vor ihm ein einiger Ort, alle Zeiten eine Zeit, Ps. 139,7. Wenn einer am Tage im flachen Felde wandelt, so ist es licht um ihn, er sehe oder sei blind; also und näher ist Gott allen Kreaturen. Denn sie sind das Wasser, darüber Gott schwebet, der durchdringt alle Geister, wie pur, rein und lauter sie sein, Weish. 7,23. Gott ist uns allen gegenwärtig, aber wir sind ihm nicht alle gegenwärtig, das ist, wir befinden seine Gegenwart nicht, gleichwie ein Blinder das Tageslicht nicht siehet. Gott wendet sich nicht von uns, wir aber wenden uns von ihm, dadurch fallen wir in Blindheit…“ (Johann Arndt)

 

„Unser Geist ist nur alsdann wachend anzusehen, wenn er sich Gottes bewusst, ihn denkt und empfindet, und die Allgegenwart Gottes in und um sich erkennt, wie die Seele eines Wachenden ihre Herrschaft über den Leib und der Leib die Eindrücke eines geistigen Willens ausdrückt. Ein Mensch, der in Gott lebt, wird sich daher zu einem natürlichen Menschen verhalten, wie ein wachender – zu einem schnarchenden im tiefen Schlaf – zu einem Träumenden – zu einem Mondsüchtigen.“ (Johann Georg Hamann)

 

„Die Allgegenwart Gottes ist diejenige Eigenschaft, nach welcher Gott alles und jedes im Universum durchdringt und erfüllt, und zwar sowohl nach Wesen wie auch nach Wirken, ohne jedoch irgendwo, auch nicht durch das ganze Universum, eingeschlossen zu sein.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die Schrift aber lehrt uns, dass Gottes rechte Hand nicht sei ein sonderlicher Ort, da ein Leib solle oder möge sein, als auf einem güldenen Stuhl; sondern sei die allmächtige Gewalt Gottes, welche zugleich nirgend sein kann, und doch an allen Orten sein muss. Nirgend kann sie an einigem Ort sein (spreche ich); denn wo sie irgend an etlichem Ort wäre, müsste sie daselbst begreiflich und beschlossen sein, wie alle dasjenige, so an Einem Ort ist, muss an demselbigen Ort beschlossen und abgemessen sein, also dass es dieweil an keinem andern Ort sein kann. Die göttliche Gewalt aber mag und kann nicht also beschlossen und abgemessen sein. Denn sie ist unbegreiflich und unmesslich, außer und über alles, das da ist und sein kann. Wiederum muss sie an allen Orten wesentlich und gegenwärtig sein, auch in dem geringsten Baumblatt. Ursach ist die: denn Gott ist's, der alle Dinge schafft, wirkt und erhält, durch seine allmächtige Gewalt und rechte Hand, wie unser Glaube bekennt; denn er schickt keine Amtleute oder Engel aus, wenn er etwas schafft oder erhält, sondern solches alles ist seiner göttlichen Gewalt selbst eigen Werk. Soll er's aber schaffen und erhalten, so muss er daselbst sein, und seine Kreatur so wohl im Allerinnwendigsten als im Allerauswendigsten machen und erhalten. Darum muss er ja in einer jeglichen Kreatur in ihrem Allerinwendigsten, Auswendigsten, um und um, durch und durch, unten und oben, vorn und hinten selbst da sein, dass nichts Gegenwärtigers noch Innerlichers sein kann in allen Kreaturen, denn Gott selbst mit seiner Gewalt. Denn er ist's, der die Haut macht; er ist's, der auch die Gebeine macht; er ist's, der die Haar auf der Haut macht; er ist's auch, der das Mark in den Gebeinen macht; er ist's, der ein jeglich Stücklein am Haar macht; er ist's, der ein jeglich Stücklein am Mark macht; er muss ja alles machen, beide, Stücke und Ganzes: so muss ja seine Hand da sein, die es mache, das kann nicht fehlen.“ (Martin Luther)

 

ALLGEMEINES PRIESTERTUM

„Wer sind denn die Priester? Nicht nur die Prediger, welche solch ihr Amt aus dem Beruf der Gemeinde haben, sondern alle Christen, Manns- und Weibspersonen, sind von Christo zu Priestern gemacht, und bereits in der Wiedergeburt dazu geboren und gesalbet. Daher auch ihnen allen, und nicht allein dem Predigerstand, der Name der Geistlichen gehöret.“ (Philipp J. Spener)

 

„Darum sind alleine die das heilige und geistliche Priestertum, welche rechte Christen und auf den Stein gebauet sind. Denn sintemal Christus der Bräutigam ist, und wir die Braut sind, so hat die Braut alles, was der Bräutigam hat, auch seinen eigenen Leib. Denn wenn er sich der Braut gibt, so gibt er sich ihr gar, was er ist; und wiederum gibt sich ihm die Braut auch. Nun ist Christus der hohe und oberste Priester von Gott selbst gesalbt, hat auch seinen eigenen Leib geopfert für uns, welches das höchste Priesteramt ist; darnach hat er am Kreuze für uns gebeten; zum dritten hat er auch das Evangelium verkündigt, und alle Menschen gelehrt, Gott und sich erkennen. Diese drei Ämter hat er auch uns allen gegeben. Darum, weil er Priester ist, und wir seine Brüder sind, so haben‘s alle Christen Macht und Befehl, und müssen es tun, dass sie predigen und vor Gott treten, einer für den andern bitte, und sich selbst Gott opfere.“ (Martin Luther)

 

ALLMACHT GOTTES 

„Die Allmacht Gottes ist die schrankenlose Macht des Willens Gottes, alles zu tun, was keine Unvollkommenheit in ihm mit sich führt oder keinen Widerspruch mit seinem ganzen Wesen enthält.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Eine Unvollkommenheit würden wir in Gottes Allmacht hineinbringen nicht nur, wenn wir sie für beschränkt erklärten wie menschliche Macht und nicht für unendlich, sondern auch wenn wir in Gott das Verhältnis zwischen Willen und Macht analog dem Verhältnis, wie es zwischen beiden Kräften in dem Menschen obwaltet, setzen wollen. Bei dem Menschen sind Wille und Macht getrennt. Der Wille setzt die Macht in Bewegung; die Macht ist Organ des Willens. Solch eine Trennung von Willen und Macht dürfen wir in Gott nicht setzen. Bei ihm ist der Wille ohne Vermittlung einer vom Willen unterschiedenen Kraft selbst wirkende Macht (…..). Wenn wir also Gottes Allmacht so definieren: „Er kann alles, was er will,” so heißt dies: Es geschieht alles, wozu der Wille in ihm ist; was er aber nicht tut, zu dem ist kein Wille in ihm vorhanden. Diesen letzteren Satz hat man auch so gegeben: Gott will nicht alles, was er kann; oder: Gott tut nicht alles, was er kann. Gott tut, wie unser Lehrsatz sagt, nichts, was seinem Wesen widerspricht. Die Allmacht ist ja nichts anderes als der allmächtige Wille Gottes, der an sich schon Kraft, nicht bloß Entschluss ist (Ps. 33,6.9; Heb. 11,3). Aber der Wille Gottes ist heilig, kann also nicht auf etwas gerichtet sein, das seinem Wesen widerspräche.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Das andere ist, wie wir gesagt haben, dass ein jeglicher diese Worte soll mit dem Geist fassen und so viel daraus nehmen, dass Gott alle Dinge im Himmel und Erden tue, schaffe und wirke, wie der Text auch will. Wer das versteht, der wird so bald inne, dass er keine Ader regen, auch nicht Einen Gedanken haben kann, Gott muss es wirken; dass sein Leben gar in seiner Hand nicht steht, sondern bloß in Gottes Hand. Denn, so ich das glaube, dass er habe die ganze Welt aus Nichts gemacht, sondern alles allein aus seinem Worte und Gebote gestanden sei, so muss ich ja bekennen, dass ich auch ein Stück von der Welt und seiner Schöpfung sei. Daraus muss folgen, dass in meiner Macht nicht stehe, eine Hand zu regen, sondern dass allein Gott alles in mir tue und wirke. Da will es hinaus, und da muss man es hinlenken, so ist der Verstand recht. Wenn du nun denn das also fühlst, so wirst du müssen erschrecken; denn die Natur kann es nicht leiden. Tröstlich aber ist es denen, die im Glauben stehen; denn da ist nichts, das sie stärken und trösten möge, denn dass sie wissen, wie sie gar in Gottes Hand stehen, also, dass er auch die geringsten Gedanken in ihnen wirke. Wo nun solcher Glaube ist, der kann sich gar vor nichts fürchten, und sich auch auf nichts verlassen, weder im Himmel noch auf Erden, weder im Leben noch im Tode, weder in Sünde noch Frömmigkeit, denn allein auf Gott. Darum, wenn schon die ganze Welt wider mich stände und mich angriffe, dass ich mitten in ihren Händen wäre, so weiß ich, dass sie doch nichts vermögen, denn so ferne Gott will. Und wenn schon der Feinde so viel wären, als Sandes am Meer, so sind sie ja Gottes Kreatur, so können sie ohne seinen Willen und Sorgen keinen Gedanken haben; geschweige, dass sie mir Schaden tun können, er wolle denn. Will er aber, wohl mir! denn ich weiß, dass es sein gnädiger Wille und väterliche Liebe ist. Darum steht ein solcher gläubiger Mensch in solcher Freude und Sicherheit, dass er sich vor keiner Kreatur lässt erschrecken, ist aller Dinge ein Herr, fürchtet sich vor keinem Dinge, das ihm möchte zuhanden stehen, denn allein vor Gott, der im Himmel ist.“ (Martin Luther)

 

ALLVERSÖHNUNG? 

„Werden alle Menschen auf Erden gerechtfertiget und selig? Der Weg ist breit, der zur Verdammnis abführet, und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Matth. 7.“ (Martin Chemnitz)

 

„Am letzten glaube ich die Auferstehung aller Toten am jüngsten Tage, beide der Frommen und Bösen, dass ein jeglicher daselbst empfahe an seinem Leibe, wie er‘s verdienet hat, und also die Frommen ewiglich leben mit Christo, und die Bösen ewiglich sterben mit dem Teufel und seinen Engeln. Denn ich's nicht halte mit denen, so da lehren, dass die Teufel auch werden endlich zur Seligkeit kommen. Das ist mein Glaube; denn also glauben alle rechten Christen, und also lehrt uns die heilige Schrift.“ (Martin Luther)

 

„Auch wird gelehret, dass unser Herr Jesus Christus am jüngsten Tage kommen wird zu richten, und alle Toten auferwecken, den Gläubigen und Auserwählten ewiges Leben und ewige Freude geben, die gottlosen Menschen aber und die Teufel in die Hölle und ewige Strafe verdammen. Derhalben werden die Wiedertäufer verworfen, so lehren, dass die Teufel und verdammte Menschen nicht ewige Pein noch Qual haben werden.“ (Augsburger Konfession XVII)

 

„Der unglückselige Zustand der Verdammten in der Hölle. Von dem ist zu merken a. dass in der Hölle nichts sein wird von allem Guten, das einen Menschen erfreuen kann (…). b. dass alles sich in der Verdammnis finden wird, was einen Menschen betrüben und traurig machen kann (…). Es wird die Pein verglichen einem Wurm, der ohn Aufhören am Herzen nagt, Jes. 66,24. Mark. 9,44: „ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer wird nicht verlöschen“. Demnach werden mit dem ewigen Leben alle Gnadenwerke, mit der ewigen Verdammnis alle Werke des gerechten Zorns und Grimmes unsers Herrn Gottes vollkommen, als nach denen kein Mensch weiter etwas zu tun noch zu gewarten hat; weil niemand aus der Seligkeit gesetzt, niemand aus der Hölle erlöset wird und es beiderseits in Ewigkeit also bleiben muss.“ (Nikolaus Hunnius)

 

ALLWISSENHEIT GOTTES 

„Die Allwissenheit Gottes ist das vollkommene Wissen nach Inhalt und Beschaffenheit, insofern es nach dem Inhalt ihn selbst und das gesamte Universum und nach der Beschaffenheit alles und alle Zeiten in intuitiver, ewiger, unfehlbarer Weise umfasst.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Was ist denn Gottes Allwissenheit und Allweisheit? Dass Gott nicht allein vergangene, gegenwärtige und künftige Dinge, auch die verborgensten Gedanken der Herzen ohne Fehl, ganz gewiss und aufs genaueste siehet, sondern auch alles verstehet, wohl regieret und anordnet, und seinen Rat unfehlbarlich und herrlich hinauszuführen weiß.“ (Philipp J. Spener)

 

„Weil alle Dinge in Gott ihren Ursprung haben und von ihm getragen werden, so erkennt und sieht er auch alle in seinem eignen Wesen, wie in einem unendlichen Spiegel. Er gewahrt und zählt den ganzen Sand des Meeres, alle Tropfen des Wassers, alle Teile der Erde und was auf und in ihr ist, alle Sterne des Himmels, alle Tage, alle Stunden, alle Augenblicke, welche vergingen, noch sind und sein werden; er kennt alle Kräuter und ihre Kräfte, alle Bäume und ihre Blätter, alle Samenkörner, alle Vögel, Fische und vierfüßigen Tiere, alle Menschen, so viel ihrer gelebt haben, leben und noch leben werden. Er weiß ihre Gedanken, ihre Anschläge, ihre Wünsche, ihre Worte und Werke zu gleicher Zeit und nichts bleibt ihm verborgen. So ist nun das Wissen Gottes unendlich, unbegreiflich und unausdenkbar.“

Raymund (+1436) 

 

ANFECHTUNG  

„Warum aber Gott solches bisweilen zulässt, dass seine gläubigen Kinder, die auf Christum getauft, Vergebung der Sünden haben, durch den Glauben sind gerecht gemacht, und zum ewigen Leben aufgenommen, vom leidigen Teufel so kläglich und jämmerlich mit schweren höllischen Gedanken angefochten, gequälet, und zu geistlichen Märtyrern gemacht werden, ist ohne Not, dass wir darnach forschen; es soll uns genug sein, dass wir aus Gottes Wort versichert sein, Gott selbst habe uns die Anfechtung zugeschickt. Was nun von Gott kommt, das gereicht dem Menschen nicht zum Verderben, sondern zur Seligkeit, dazu denn alles dienen muss, was denen widerfähret, die Gott lieben, Röm. 8,28.“ (Johann Arndt)

 

„Gott hat recht und wohl daran getan, dass er uns in solchem Stande hat bleiben lassen, in dem wir mit der Sünde, mit Tod, Teufel, Welt, Fleisch und allerlei Anfechtung kämpfen und ringen müssen, auf dass wir genötigt und gezwungen werden, seine Gnade und Hilfe, sein Wort und Sakrament zu suchen und zu begehren. Sonst, wenn das nicht wäre, würde kein Mensch weder nach seinem Wort noch seinem Sakrament ein Haar breit fragen, weder Gnade noch Hilfe suchen. Nun aber solche Jagdhunde, ja Teufel hinter uns sind und uns aufstöbern, so müssen wir wohl munter werden, und wie ein gejagter Hirsch zum frischen Wasser, also auch wir nach Gott schreien, wie der 42. Psalm sagt, damit unser Glaube wohl geübt, erfahren und stark werde und wir also in Christus bleiben und fest werden.“ (Martin Luther)

 

„Der Glaube muss geprüft werden, weil er nur durch Konflikte in einen persönlichen Besitz verwandelt werden kann.“ (Oswald Chambers)

 

„Zur Übung unseres Glaubens sind Wolken und Dunkelheit notwendig, um uns zu veranlassen, dass wir unser Vertrauen mehr auf Christus setzen als auf unsere Erfahrungen, Beweisgründe, Gemütsstimmungen und Gefühle.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Einige angefochtene Seelen glauben verzweifeln zu müssen, weil sie von verzweifelten Stimmungen befallen werden. Aber so sehr sie auch solches fühlen mögen, so tief sie auch von dieser Versuchung gleichsam verschüttet werden; so lange die Vernunft nicht einstimmt, so lange geht auch die Liebe zu Gott nicht verloren. Das Feuer, welches am Tage auf dem Herde brannte, scheint während der Nacht unter der Asche ganz erstickt und verkommen zu sein, und doch finden sich, wenn man am Morgen sucht, hie und da noch Funken, aus denen eine ebenso große Flamme, wie vorher, wieder erweckt wird. Gleicherweise kann der Geist des Menschen vom Teufel nicht überwunden werden, wenn der Wille nicht einstimmt. Man muss nur unter dem Andrange solcher Anfechtungen schreien: Herr, mein Gott, tue mir nach dem, was ich gern möchte, nicht nach dem, was ich empfinde. Es pflegt wohl auch zu geschehen, dass sich fromme Gemüter über kleinere Sünden zu viele Bedenklichkeiten machen, dass sie ängstlich auf alles, was sie tun, Acht geben, und dann mit der Waage der Gerechtigkeit in der Hand des göttlichen Erbarmens, welches unserer Seligkeit Quell ist, ganz vergessen. Da beten einige einen Psalm für sich, und ein plötzlich aufsteigender Gedanke reißt sie von der Andacht hinweg; sie wiederholen ihr Gebet nun mit Anstrengung zwei-, dreimal, doch öfter wird ihnen die heilige Speise immer fader und geschmackloser. Andere bekennen und beichten ihre Sünden, aber sie fühlen sich nicht vollständig zerknirscht, und quälen und ängstigen sich darum immerdar. Allen solchen ist zu raten, dass sie von ihrer Gerechtigkeit hinweg auf Gottes lauteres Erbarmen schauen, und ihre Vergehen so mögen wägen lernen, dass sie die unendliche Liebe Gottes überwiegen lassen. Von einzelnen gotteslästerlichen oder unreinen Gedanken muss sich keiner irre machen lassen. Sie kommen vom Teufel, und so lange sie dem Menschen nicht zur Lust, sondern zur Last sind, werden sie ihm nicht als Sünde angerechnet. Wollte jemand mit dem Bekenntnis von dergleichen Gedanken sehr ins Einzelne gehen und sich mühen, nichts zu verschweigen, so würde er ohne Zweifel nichts weniger als Herzensruhe erlangen, vielmehr dem bösen Feinde immer mehr Gelegenheit zu quälenden Angriffen geben; gleichwie diejenigen, welche bellenden Hunden, um ihre Wut zu beschwichtigen, Brot vorwerfen, sie oft nur noch stärker reizen. Hier gilt der Rat, sich gar nicht viel um solche Gedanken zu kümmern, oder mit ihnen zu streiten, sondern höchstens lachend zu sprechen: Dein Schmutz muss auf dich selber zurückfallen, o Satan; Gott ist mein Beistand, dich fürchte ich nicht. Übrigens ist es sehr gut, wenn kleinmütige Personen sich wegen ihrer Bedenklichkeiten an bejahrte fromme Männer wenden, und durch sie ihren Mut stärken und stählen lassen. Denn ältere Zimmerleute gehen sicher und unerschrocken auf den höchsten Balken der Häuser herum, während Anfänger, wollten sie es versuchen, sofort sich in Lebensgefahr begeben würden.“ 

Gerson (+1429)

 

„Wenn dir Himmel und Erde zu eng ist, wenn du nirgends dich ruhig anlehnen und halten kannst, wenn du in dem heißen Ofen der Anfechtung sitzt, so gieß aus zu Gott ein andächtiges, reines, inbrünstiges Gebet aus der Tiefe deines Herzens. Dann wird dir Gnade und Geduld gegeben werden, dass du ausharren magst, dann wird kühler Himmelstau auf dich herabfallen, der die grimmige Hitze löscht, der Seelen Angst und Betrübnis mildert.“ 

Geiler (+1510) 

 

ANMASSUNG

„Die Schrift spricht und der Glaube und die Wahrheit: Sünde sei nichts anders, denn dass sich die Kreatur abkehrt von dem unwandelbaren Gute und kehret sich zu dem wandelbaren, das ist: dass sie sich kehrt von dem Vollkommenen zu dem Geteilten und Unvollkommenen und allermeist zu sich selber. Nun merke. Wenn sich die Kreatur etwas Gutes annimmt, als Wesens, Lebens, Wissens, Erkennens, Vermögens und kürzlich alles dessen, das man gut nennen soll, und meint, dass sie das sei oder dass es das Ihre sei oder ihr zugehöre oder dass es von ihr sei: so oft und viel das geschieht, so kehrt sie sich ab. Was tat der Teufel anders oder was war sein Fall oder Abkehren anders, denn dass er sich annahm, er wäre auch etwas und etwas wäre sein und ihm gehörte auch etwas zu? Dies Annehmen und sein Ich und sein Mich, sein Mir und sein Mein, das war sein Abkehren und sein Fall (…). Was tat Adam anders denn auch dasselbe? Man spricht: darum, dass Adam den Apfel aß, wäre er verloren oder gefallen. Ich spreche: es war wegen seinem Annehmen und seinem Ich, seinem Mich, seinem Mein und seinem Mir und dergleichen. Hätte er sieben Äpfel gegessen und wäre das Annehmen nicht gewesen, er wäre nicht gefallen. Aber da das Annehmen geschah, da war er gefallen und hätt’ er nie einen Apfel gegessen.“ (Theologia Deutsch)

 

ARBEIT

„Nun arbeitet kein Tier um seine Nahrung, sondern ein jegliches hat sein Werk, darnach sucht’s und findet seine Speise. Das Vöglein fliegt und singet, machet Nester und zeuget Junge; das ist seine Arbeit, aber davon nähret sich’s nicht. Ochsen pflügen, Pferde tragen und streiten, Schafe geben Wolle, Milch, Käse, das ist ihre Arbeit; aber davon nähren sie sich nicht; sondern die Erde trägt Gras und nährt sie durch Gottes Segen. Also soll und muss der Mensch auch arbeiten und etwas tun, aber doch daneben wissen, dass ein Anderer sei, der ihn ernähre, denn seine Arbeit, nämlich Gottes reicher Segen; wiewohl es scheinet, als nähre ihn seine Arbeit, weil Gott ohne seine Arbeit ihm nichts gibt. Wiewohl das Vöglein nicht säet noch erntet, aber doch müsste Hungers sterben, wo es nicht nach der Speise flöge und suchte. Dass es aber Speise findet, ist nicht seine Arbeit, sondern Gottes Güte. Denn wer hat Speise dahingelegt, dass es sie findet? Denn wo Gott nicht hinlegt, da findet niemand nichts, und sollt sich alle Welt zu Tod arbeiten und suchen.“ (Martin Luther)

 

ARMUT

„Christi Armut muss uns lieber sein, als der Reichtum der ganzen Welt: in Christo ist die Armut geheiliget. Er war arm bei der Geburt, ärmer im Leben, am ärmsten im Tode. Was zweifelst du, die Armut dem Reichtum der Welt vorzuziehen, da Christus sie dem Reichtume des himmlischen Reichs vorgezogen hat? Wie wird der Gott seine Seele befehlen, welcher ihm die Sorge des Fleisches nicht befiehlt? Wie wird der sein Leben für den Bruder lassen, der zu dessen Nutzen seines Reichtums sich nicht entäußert? Der Reichtum verursacht Mühe im Erwerb, Furcht im Besitz, Schmerz im Verlust und, was mehr zu beklagen ist, die Mühe der Geizigen ist nicht nur vergänglich, sondern auch entscheidend, wie Bernhardus lehrt. Deine Liebe ist dein Gott: wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz Matth. 6,21. Wer den leiblichen, weltlichen, vergänglichen Reichtum liebt, der kann den geistlichen, himmlischen, ewigen Reichtum nicht lieben. Warum? Weil jener das Herz des Menschen niederdrückt und niederwärts zieht, dieser aber nach oben es richtet. Die Liebe zu den irdischen Dingen ist die Mutter der geistlichen Strafen, hat einer (Augustinus) der wahren Liebhaber Christi gesagt. Lots Weib, die zur Salzsäule wurde 1 Mos. 19,26, wird uns heute noch geprediget, dass wir nicht hinter uns sehen auf das, was in der Welt ist, sondern gerades Weges nach dem himmlischen Vaterlande streben. Die Apostel verließen alles, und folgten Christo nach Matth. 4,22. Warum? Weil die Erkenntnis des wahren Reichtums das Verlangen nach dem fälschlich sogenannten Reichtume aufhebt.“ (Johann Gerhard)

 

ASKESE

„Jesus setzt als selbstverständlich voraus, dass die Nachfolgenden die fromme Übung des Fastens halten. Zum Leben der Nachfolgenden gehört die strenge Übung in der Enthaltsamkeit. Solche Übungen haben den einzigen Zweck, den Nachfolgenden für den ihm befohlenen Weg und für das ihm befohlene Werk bereiter und freudiger zu machen. Der selbstische und träge Wille, der sich nicht zum Dienst treiben lässt, wird gezüchtigt, das Fleisch wird gedemütigt und gestraft. In der Übung der Enthaltsamkeit wird die Entfremdung meines christlichen Lebens von der Welt deutlich spürbar. Ein Leben, das ganz ohne asketische Übung bleibt, das sich alle Wünsche des Fleisches gönnt, so lange sie nach der justitia civilis „erlaubt“ sind, wird sich für den Dienst Christi schwer bereiten. Das satte Fleisch betet nicht gern und schickt sich nicht zum entsagungsvollen Dienst.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

„Askese ist selbstgewähltes Leiden, es ist passio activa, nicht passio passiva, und ebendarin aufs höchste gefährdet. Askese ist dauernd belauert von dem gottlosen frommen Wunsch, sich selbst Jesus Christus durch Leiden gleich zu machen. Es schlummert in ihr auch immer schon der Anspruch, an die Stelle des Leidens Christi zu treten, das Werk des Leidens Christi selbst zu vollbringen, nämlich den alten Menschen zu töten. Hier maßt sich die Askese den bitteren und letzten Ernst des Erlösungswerkes Christi an. Hier stellt sie sich mit furchtbarer Härte sichtbar zur Schau. Das freiwillige Leiden, das nur auf Grund des Leidens Christi zu besserem Dienst, zu tieferer Demütigung dienen sollte, wird hier zur grauenvollen Verzerrung des Leidens des Herrn selbst. Nun will es gesehen werden, nun ist es der unbarmherzige lebendige Vorwurf für die Mitmenschen; denn es ist Heilsweg geworden.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

ATHEISMUS 

„Gott wollte die Menschen erlösen und das Heil eröffnen denen, die es suchen würden. Aber die Menschen machen sich dessen so unwürdig, dass es gerecht ist, wenn er einigen wegen ihrer Verstocktheit versagt, was er den andern zusagt, aus einer Barmherzigkeit, die er ihnen nicht schuldig ist. Hätte er wollen die Hartnäckigkeit der Verstocktesten überwinden, so hätte er es gekonnt, wenn er sich ihnen so deutlich geoffenbart hätte, dass sie an der Wahrheit seines Daseins nicht hätten zweifeln können und so wird er am jüngsten Tag erscheinen mit einem solchen Glanz von Blitzen und mit einer solchen Zerstörung der Natur, dass die Blindesten ihn sehn werden. Aber nicht so wollte er erscheinen, als er kam sanftmütig und von Herzen demütig, denn weil so viele Menschen sich seiner Gnade unwert machen, so beschloss er sie zu lassen in der Entbehrung des Guts, das sie nicht wollen. Es war also nicht angemessen, wenn er in einer offenbar göttlichen Weise erschien, die unbedingt alle Menschen hätte überzeugen müssen; aber es war auch eben so wenig angemessen, wenn er auf eine so verborgene Weise kam, dass er von denen, die ihn aufrichtig suchten, nicht erkannt werden konnte. Diesen hat er sich vollkommen kenntlich machen wollen. Indem er sich so denen, die ihn von ganzem Herzen suchen, offenbar, denen aber, die ihn von ganzem Herzen fliehen, nur verborgen zeigen wollte, mäßigt er seine Erkenntnis dergestalt, dass er von sich Zeichen gegeben hat, sichtbar denen, die ihn suchen, und dunkel denen, die ihn nicht suchen. Für diejenigen, welche nichts begehren als zu sehen, ist genug Licht da und genug Finsternis für diejenigen, die eine entgegengesetzte Neigung haben. Es ist genug Klarheit da, um die Erwählten zu erleuchten und genug Dunkelheit, um sie zu demütigen; genug Dunkelheit um die Verworfenen blind zu machen und genug Klarheit um sie zu verdammen und ihnen alle Entschuldigung zu benehmen.“ (Blaise Pascal)

 

„So gibt es genug Klarheit um die, welche den Glauben verweigern, zu verdammen, und nicht genug um sie zu gewinnen, damit in die Augen falle, dass in denen, welche sie annehmen, die Gnade und nicht die Vernunft sie zur Annahme bringt und in denen, die sie fliehen, die Begierde und nicht die Vernunft sie zum Fliehen bewegt.“ (Blaise Pascal)

 

AUFERSTEHUNG CHRISTI

„Die Auferstehung (resurrectio) ist das wahrhaftige Hervorgehen des lebendig gewordenen Herrn aus dem Grabe.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Er (Christus) hätte es für sich nichts bedurft, dass er sterben musste, weil er ohne Sünde geboren, und der Teufel kein Recht zu ihm hatte, und war dazu der Herr des Teufels und Todes, dass er ihn nicht hätte dürfen angreifen, und ihm wohl möchte Trotz bieten, dass er ihm ein Härlein krümmte; gleichwie er die Juden im Garten mit Einem Wort zurück schlug, da er sprach: „Hie bin ich“ (Joh. 18,6.). Sondern also muss man ihn ansehen, dass dies Sterben und Auferstehen dir und mir gelte; und wie er um unsertwillen gestorben ist, und unter der Erde gelegen, sowohl als du und ich sterben und unter die Erde müssen, also ist er auch um unsertwillen auferstanden, und hat uns den Wechsel gemacht, dass, wie er durch uns zum Tode gebracht ist; also wir durch ihn aus dem Tod wieder zum Leben kommen; denn er hat durch seinen Tod unsern Tod verschlungen, dass wir auch alle auferstehen und leben sollen, wie er auferstanden ist, und lebt. Darum heißt er recht primitiae, der Erstling von den Toten, dass er vorgeht, und den ganzen Haufen nach sich führt. Denn wo der erste genannt wird, da gehört mehr zu, denn Eine Person, sondern müssen mit verstanden werden, die hernach folgen, der andere, der dritte, und so fortan, alle aneinander gehängt, so viel derer sind, die da schlafen; sonst könnte er nicht der erste heißen, wenn er allein auferstanden wäre, und niemand nach ihm folgen sollte (…). Und das noch mehr ist, in dem, dass er Christum den Erstling der Schlafenden nennt, will er anzeigen, dass man die Auferstehung also ansehen und fassen soll, als sei sie schon angangen in Christo, ja, bereits wohl mehr denn die Hälfte geschehen, dass, was noch vom Tod vorhanden ist, nichts denn ein tiefer Schlaf zu achten ist, und die künftige Auferstehung unseres Leibes nicht anders zugehen soll, denn wie einer plötzlich aus solchem Schlaf erwacht. Denn das vornehmste und beste Stück ist schon daran geschehen, nämlich, dass Christus, unser Haupt, erstanden ist. Weil aber das Haupt droben sitzt und lebt, so hat es nicht mehr Not, und müssen wir, die an ihm hangen, als sein Leib und Glieder auch hinnach. Denn wo das Haupt geht und bleibt, da muss der Leib mit allen Gliedern auch mit hinnach gehen und bleiben. Gleichwie in des Menschen und aller Tiere Geburt das Haupt natürlich zuerst hervor kommt; und wenn das geboren ist, so geht der ganze Leib leichtlich hinnach. Weil nun Christus hinüber ist, und droben im Himmel über Sünde, Tod, Teufel und alles regiert, und solches um unsertwillen getan hat, dass er uns zu sich hinnach bringe, so dürfen wir nicht mehr sorgen für die Auferstehung und unser Leben, ob wir gleich hinfahren, und unter der Erde verfaulen. Denn es heißt jetzt nicht mehr, denn ein Schlaf, und ist vor ihm nur um eine Nacht zu tun, dass er uns aus dem Schlaf erwecke.“ (Martin Luther)

 

AUFERSTEHUNG DER TOTEN 

„Die Auferstehung der Toten besteht darin, dass derselbe Leib, den der Mensch hier auf Erden gehabt hat, der durch den Tod von der Seele geschieden, ins Grab gelegt und durch die Verwesung zerstört war, von dem Herrn Jesu Christo am Jüngsten Tage wieder lebendig gemacht wird.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Weil ich lebe, sollt ihr auch leben.“ Joh. 14,19. Jesus hat das Leben derer, die an ihn glauben, so gewiss gemacht wie sein eignes. So wahr das Haupt lebt, sollen die Glieder auch leben. Wenn Jesus nicht von den Toten erstanden ist, dann sind wir tot in unsren Sünden; aber da er erstanden ist, so sind alle Gläubigen in ihm erstanden. Sein Tod hat unsre Übertretungen hinweggetan und die Bande gelöst, die uns unter dem Todesurteil hielten. Seine Auferstehung beweiset unsre Rechtfertigung: wir sind freigesprochen und die Barmherzigkeit spricht: „So hat der Herr auch deine Sünde weggenommen, du wirst nicht sterben.“ Jesus hat das Leben der Seinen so ewig gemacht wie sein eignes. Wie können sie sterben, so lange er lebt, da sie eins mit ihm sind? Weil er nicht mehr stirbt und der Tod keine Herrschaft mehr über ihn hat, so sollen sie nicht wieder zurückkehren zu den Gräbern ihrer alten Sünden, sondern mit dem Herrn in einem neuen Leben wandeln. O Gläubiger, wenn du unter großer Versuchung fürchtest, dass du eines dieser Tage durch die Hand des Feindes fallen wirst, so laß dies dich beruhigen. Du sollst niemals dein geistliches Leben verlieren, denn es ist mit Christo in Gott verborgen. Du zweifelst nicht an der Unsterblichkeit deines Herrn; deshalb denke nicht, dass er dich sterben lassen wird, da du eins mit ihm bist. Der Beweisgrund für dein Leben ist sein Leben, und um dieses kannst du keine Furcht haben, deshalb ruhe in deinem lebendigen Herrn.“ (Charles H. Spurgeon)

 

AUSLEGUNG

“Ich lese die Bibel, wie ich meinen Apfelbaum ernte: Ich schüttle ihn, und was runterkommt und reif ist, das nehme ich. Das andere lasse ich noch hängen. Wenn ich eine Stelle der Bibel nicht verstehe, ziehe ich den Hut und geh vorüber.” (Martin Luther)

 

„Die Lehre, welche in unsern Kirchen gelehrt wird, ist in dem geschriebenen Worte Gottes enthalten, nämlich in den Büchern des Alten und Neuen Testamentes. Auf diese Bücher, welche von Alters her als kanonisch betrachtet sind, stützen wir uns und behaupten, dass Alles, was dem Menschen zu seiner Seligkeit zu glauben notwendig ist, in ihnen ausgesprochen ist, die Auslegung derselben bekennen wir, kommt weder einem Privatmanne, noch einer öffentlichen Person zu, noch auch irgend einer besonderen Kirche, welche persönliche oder örtliche Vorzüge und Vorrechte vor den anderen hätte, sondern sie gebührt allein dem heiligen Geiste, durch welchen auch die Schrift geschrieben ist. Wenn daher Streit entsteht wegen des rechten Verständnisses einer Stelle oder eines Ausspruchs der Schrift oder wegen der Abschaffung eines Missbrauches in der Kirche Gottes, so müssen wir nicht sowohl darauf sehen, was Menschen vor uns gelehrt oder getan haben, sondern auf das, was der Heilige Geist in dem Ganzen der Schrift einmütig redet, und auf das, was Jesus Christus selbst getan und zu tun befohlen hat.“ (Schottisches Glaubensbekenntnis) 

 

„Die unfehlbare Regel der Schriftauslegung ist die Schrift selbst. Deswegen muss, wenn eine Frage über die wahre und volle Bedeutung einer Schriftstelle vorliegt (die nur einen Wortsinn zulässt), das mit Hilfe anderer Stellen, wo deutlicher davon die Rede ist, erforscht und erkannt werden. Der oberste Richter, von dem alle Religionsstreitigkeiten entschieden werden und alle Konzilsbeschlüsse, Meinungen von Kirchenvätern, Menschenlehren und einzelne Geister geprüft werden müssen und bei dessen Urteil wir Ruhe finden sollen, kann kein anderer sein als der Heilige Geist, der in der Schrift spricht.“ (Westminster Bekenntnis)

 

„Darin stimmen alle rechtschaffenen, heiligen Bücher überein, dass sie allesamt Christus predigen und treiben. Das ist auch der rechte Prüfstein, alle Bücher zu beurteilen, wenn man siehet, ob sie Christus treiben oder nicht. Sintemal alle Schrift Christus zeiget, Röm. 3,22ff., und Paulus nichts als Christus wissen will, 1. Kor. 2,2. Was Christus nicht lehret, das ist nicht apostolisch, wenn‘s gleich Petrus oder Paulus lehret; umgekehrt, was Christus predigt, das ist apostolisch, wenn‘s gleich Judas, Hannas, Pilatus und Herodes täte.“ (Martin Luther)

 

BARMHERZIGKEIT

„Betrachte die früheren Wohltaten der göttlichen Barmherzigkeit, und du wirst über die beharrliche Dauer derselben nicht zweifeln. Da du noch nicht warest, hat dich Gott geschaffen; da du durch Adams Fall verurteilt warest, hat er dich erlöst. Da du außer der Kirche in der Welt lebtest, hat er dich berufen; da du in Unwissenheit warest, hat er dich unterwiesen; da du in der Irre gingst, hat er dich herum geholt; da du sündigtest, hat er dich zurecht gewiesen; da du standest, hat er dich gehalten; da du fielest, hat er dich aufgerichtet; da du gingst, hat er dich geleitet; da du zu ihm kamst, hat er dich aufgenommen. Im Warten offenbarte sich bei allem dem seine Langmut, im Vergeben seine Freundlichkeit. Die Barmherzigkeit Gottes ist dir zuvor gekommen, hoffe, dass sie dir auch folgen werde Ps. 23,6. Die Barmherzigkeit Gottes ist dir zuvor gekommen, damit du geheilt werdest; sie wird dir auch folgen, damit du verherrlicht werdest; sie ist dir zuvor gekommen, damit du fromm lebest, sie wird dir auch folgen, damit du in Ewigkeit mit ihm lebest. Warum bist du, da du fielst, nicht zu Grunde gegangen? Wer hat die Hand untergehalten? Wer als der Herr? Baue daher auch in’s Künftige auf die Barmherzigkeit Gottes, und hoffe fest auf das Ende des Glaubens, die ewige Seligkeit 1 Petr. 1,9. Denn in welchen Händen könnte der Grund deiner Seligkeit sicherer ruhen, als in denen, welche Himmel und Erde gemacht haben Jes. 66,2, in denen, welche nie zu kurz werden Jes. 59,1, in denen, welche voll sind des innigsten Erbarmens, und sich auftun dasselbe sich ausbreiten zu lassen?“ (Johann Gerhard)

 

„Dieses ist meine Meinung nicht, spricht Christus; sondern wenn euch gleich eure Nächsten beleidigt haben, wollt ihr Christen sein, so denkt, dass ihr barmherzig seid, und so barmherzig, wie euer Vater ist, sonst könnt ihr nicht seine Kinder, noch meine Brüder sein, der ich euch mit meinem Blut von Sünden und Tod erlöst habe. Denn das müsst ihr alle bekennen, dass ihr eurem Gott und Vater im Himmel alles Leid und viel Verdruss getan habt, und seine Gebote nicht gehalten, ja, alle über treten habt, so hätte er Ursache genug zu sagen: Sollte ich meinen Sohn für solche bösen Buben geben? Zum Teufel mit ihnen, in den Abgrund der Hölle (…). Also könnte Gott, spricht Christus, zu euch auch sagen: aber er tut es nicht, sondern über alle eure Bosheit fährt er zu und ist gütig und gnädig, gibt nicht allein Leib und Leben, Essen und Trinken, Weib und Kind, Nahrung und alle Notdurft zu diesem Leben, sondern auch seinen Sohn und das ewige Leben. Solche Barmherzigkeit sollt ihr auch lernen üben. Denn wo schon jemand dich beleidigt, und getan hat, das dir nicht gefällt: was ist das gegen dem, dass du so oft und schwer gegen Gott getan hast? So nun Gott eine so große Barmherzigkeit hat, dass er seinen Feinden seinen eingeborenen Sohn schenkt, dass sie durch ihn erlöst werden von der Sünde und Tod; begibt uns dazu Seele, Leib, Gut und alles, was wir bedürfen, da er ja eigentlich Strafen ja, Hagel, Donner, Blitz und höllisches Feuer, und noch viel mehr Unglück schicken sollte: so lerne du auch an diesem Beispiel, dass du sagen kannst: Ob mich wohl dieser oder jener stark beleidigt hat, dass ich ihm wünschen würde es sollten ihn die Maden fressen, so will ich es doch nicht tun. Denn dieses wäre nur eine heidnische, und nicht eine christliche Barmherzigkeit. Hat er mir Übel und Unrecht getan: nun, wer weiß, wie ich es verdient hätte. Ich will ihn darum jetzt nicht, da er meiner Hilfe bedarf, laufen lassen; denn ich sehe, dass er Hilfe bedarf und ich ihm helfen kann. Also tut mein Vater im Himmel doch auch mit mir.“ (Martin Luther)

 

„Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ Mt. 5,7. Es geziemt sich nicht, dass dem, der nicht vergeben will, vergeben wird, und dem Mangel dessen, der den Armen nicht helfen will, soll auch nicht abgeholfen werden. Gott wird uns mit unsrem eignen Maß messen, und die, welche harte Herren und harte Gläubiger gewesen sind, werden finden, dass der Herr hart mit ihnen verfahren wird. „Es wird aber ein unbarmherziges Gericht über den gehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat.“ Heute lasst uns versuchen, zu vergeben. Lasst uns tragen und ertragen. Lasst uns freundlich und sanft und milde sein. Lasst uns das Tun andrer nicht zu strenge auslegen, nicht beim Kaufen zu sehr feilschen, nicht alberne Zänkereien anfangen, nicht so schwierig sein, dass niemand es uns recht machen kann. Gewiss, wir wünschen, gesegnet zu werden, und wir wollen gern Barmherzigkeit erlangen: lasst uns barmherzig sein, damit uns Barmherzigkeit werde.“ (Charles H. Spurgeon)

 

BEGIERDE 

„Es können zwar die Kreaturen ihren Liebhabern eine zeitliche und augenblickliche Lust bringen; aber die Begierden können sie mit nichten sättigen. Denn zu gleicher Weise wie ein Gefäß keinen andern Saft denen, so daraus schöpfen, geben kann, denn nur den, welcher darinnen ist, also geben auch die Kreaturen, welche sehr dürftig sind, ihren Liebhabern einen solchen Saft, damit sie durchaus nicht zufrieden noch begnüget sein. Und gleichwie das Auge nicht satt wird durch das Sehen, und das Ohr durch das Hören; also wird auch des Menschen Herz nicht satt durch den Affekt und die Begierde der Erkenntnis des Verlangens. Es suchet mit Ängsten, dass es möge finden dasjenige, in welchen es fröhlich ruhen könne. Wenn aber des Menschen Herz Gott ergreifet, alsdann freuet sich der Geist, welcher nun in Gott satt worden ist, und spricht: Herr, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erden, Ps. 73,25. Und: Das ist das ewige Leben, dass sie dich wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen, Joh. 17,3. In dieser Erkenntnis stehet und ist endlich die rechte Ruhe der Seelen, die Genüge des Herzens und das ewige Leben.“ (Johann Arndt)

 

BEGRÄBNIS

„Die Heilige Schrift befiehlt, die Leiber der Gläubigen. weil sie Tempel des Heiligen Geistes sind und man mit Recht an ihre Auferstehung am jüngsten Tage glaubt, schicklich und ohne Aberglauben der Erde zu übergeben, aber auch der Gläubigen ehrend zu gedenken, die im Herrn selig entschlafen sind, und ihren Hinterlassenen, wie Witwen und Waisen, alle Dienste christlicher Bruderliebe zu erweisen. Darüber hinaus gibt es nach unserer Lehre nichts für die Toten zu sorgen. (…..) Denn wir glauben, dass die Gläubigen nach dem Tode des Leibes geradewegs zu Christus gehen und deshalb weder der Unterstützung noch der Fürbitte der Lebenden, noch all ihrer Dienste irgendwie bedürfen. Ebenso glauben wir, dass die Ungläubigen geradewegs in die Hölle gestürzt werden, aus der man den Gottlosen durch keinerlei Dienste der Lebenden einen Ausgang schafft.“ (Heinrich Bullinger)

 

„Die Erde nimmt die Leiber der Verstorbenen in ihren Schoß auf, wie eine Mutter die des Lichts beraubten Kinder; denn von Erde sind sie gekommen und zur Erde müssen sie zurückkehren. Die Erde ist das gemeinsame Hospital aller sterblichen Pilger. Ist jemand unnütz für die Welt, vom Alter aufgerieben und hässlich von Gestalt, also dass ihn keiner mehr im Hause lassen oder im Bette leiden mag, so öffnet doch sie ihren mitleidigen Busen. Ohne Ansehen der Person beherbergt sie alle Söhne und Töchter Adams: Arme und Reiche, Untertanen und Fürsten, Laien und Geistliche. Da liegen sie mit kurzer Hülle bedeckt und schlafen, bis die letzte Posaune ertönen und Christus in großer Herrlichkeit mit seinen heiligen Engeln erscheinen wird.“ 

Thomas von Kempen (+1471) 

 

BEHARRUNG IM GLAUBEN 

„Diejenigen, welche Gott in seinem Geliebten angenommen hat und die durch seinen Geist wirksam berufen und geheiligt sind, können weder völlig noch endgültig aus dem Stand der Gnade fallen; vielmehr werden sie mit Sicherheit darin beharren und auf ewig gerettet werden. Diese Beharrung der Heiligen beruht nicht auf ihrem eigenen Willen, sondern auf dem unveränderlichen Ratschluss der Erwählung, der aus der freien und unwandelbaren Liebe Gottes des Vaters entspringt, und darauf, dass Jesus Christus durch sein Verdienst für sie wirksam eintritt, der Heilige Geist und das lebendige Wort Gottes in ihnen bleibt, wie auch auf der Natur des Gnadenbundes; aus dem allen entsteht auch die Gewissheit und vollkommene Zuversicht darüber.“ (Westminster Bekenntnis)

 

„Viele ermatten im Ringen nach dem Reich Gottes, und gehen damit der Seligkeit des ewigen Lebens verlustig. So steigt einer wohl einen Berg hinan, hinter dem sich herrliche Auen ausbreiten, und kehrt in der Mitte des Weges aus Trägheit wieder um. So lässt einer, der grünes Holz in Brand stecken soll, da es ihm sofort nicht gelingen will, Rauch und Reis in Stich, nachdem er in seiner Ungeduld alles auseinandergestreut. So wirft der Affe die Nuss von sich, deren Schale ihm bitter schmeckt, ohne bis zur Süßigkeit des Kerns einzudringen. So ergreift der Soldat, dem die Belagerung der Stadt zu lange währt, die Flucht und nimmt sich alle Hoffnung auf Lohn und Beute.“ 

Gerson (+1429) 

 

BEICHTE

„Weil die Absolution oder Kraft des Schlüssels auch eine Hilfe und Trost wider die Sünde und das böse Gewissen ist, im Evangelium durch Christus gestiftet, so soll man die Beichte oder Absolution beileibe nicht abkommen lassen in der Kirche, besonders um der blöden Gewissen willen, und auch um des jungen, rohen Volkes willen, damit es verhört und unterrichtet werde in der christlichen Lehre. Die Aufzählung der Sünden aber soll einem jeden frei sein, was er erzählen oder nicht erzählen will; denn solange wir im Fleisch sind, werden wir nicht lügen, wenn wir sagen: „Ich bin ein armer Mensch voller Sünde“, Röm 7,23: „Ich fühle ein anderes Gesetz in meinen Gliedern“ etc.; denn weil die Privat-Absolution von dem Amt der Schlüssel herkommt, soll man sie nicht verachten, sondern hoch und wert halten wie alle anderen Ämter der christlichen Kirche.“ (Martin Luther)

 

„Bekennet einer dem andern seine Sünden“ (Jak. 5,16). Wer mit seinem Bösen allein bleibt, der bleibt ganz allein. Es kann sein, dass Christen trotz gemeinsamer Andacht, gemeinsamen Gebetes, trotz aller Gemeinschaft im Dienst allein gelassen bleiben, dass der letzte Durchbruch zur Gemeinschaft nicht erfolgt, weil sie zwar als Gläubige, als Fromme Gemeinschaft miteinander haben, aber nicht als die Unfrommen, als die Sünder (…). Aller Schein hatte vor Christus ein Ende. Das Elend des Sünders und die Barmherzigkeit Gottes, das war die Wahrheit des Evangeliums in Jesus Christus. In dieser Wahrheit sollte seine Gemeinde leben. Darum gab er den Seinen die Vollmacht, das Bekenntnis der Sünde zu hören und die Sünde in seinem Namen zu vergeben. „Welchen ihr die Sünden vergebt, denen sind sie vergeben, welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten“ (Joh. 20,23). Damit hat Christus uns die Gemeinde und in ihr den Bruder zur Gnade gemacht. Er steht nun an Christi Statt. Vor ihm brauche ich nicht mehr zu heucheln. Vor ihm allein in der ganzen Welt darf ich der Sünder sein, der ich bin; denn hier regiert die Wahrheit Jesu Christi und seine Barmherzigkeit. Christus wurde unser Bruder, um uns zu helfen; nun ist durch ihn unser Bruder für uns zum Christus geworden in der Vollmacht seines Auftrages. Der Bruder steht vor uns als das Zeichen der Wahrheit und der Gnade Gottes. Er ist uns zur Hilfe gegeben. Er hört unser Sündenbekenntnis an Christi Statt, und er vergibt uns unsere Sünde an Christi Statt. Er bewahrt das Geheimnis unserer Beichte, wie Gott es bewahrt. Gehe ich zur brüderlichen Beichte, so gehe ich zu Gott (…). Die ausgesprochene, bekannte Sünde hat alle Macht verloren. Sie ist als Sünde offenbar geworden und gerichtet. Sie vermag die Gemeinschaft nicht mehr zu zerreißen. Nun trägt die Gemeinschaft die Sünde des Bruders. Er ist mit seinem Bösen nicht mehr allein, sondern er hat sein Böses mit der Beichte „abgelegt“, Gott hingegeben. Es ist ihm abgenommen. Nun steht er in der Gemeinschaft der Sünder, die von der Gnade Gottes im Kreuze Jesu Christi leben. Nun darf er Sünder sein und doch der Gnade Gottes froh werden (…). Die Beichte steht in der Freiheit des Christen. Aber wer wird eine Hilfe, die Gott anzubieten für nötig gehalten hat, ohne Schaden ausschlagen? (…) Wer kann unsere Beichte hören? Wer selbst unter dem Kreuz lebt. Wo das Wort vom Gekreuzigten lebendig ist, dort wird auch brüderliche Beichte sein.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

„Mancher wird sich einst wundern, wenn ihm der liebe Gott alle die Sonntage vorrechnen wird, an welchen er ihn hat absolvieren wollen, und er hat es nicht geglaubt, hat Gott zum Lügner gemacht; wie oft er an des Himmels Tor gestanden hat, und er hat nicht hineingehen wollen. – „Wer’s nicht annimmt, der hat freilich nichts; der Schlüssel fehlet darum nicht. Viel gläuben dem Evangelio nicht, aber das Evangelium fehlet und lüget darum nicht. Ein König gibt dir ein Schloss; nimmst du es nicht an, so hat der König darum nicht gelogen, noch gefehlet, sondern du hast dich betrogen und ist deine Schuld, der König hat’s gewiss gegeben.“ – Das müssen Sie anwenden auf die Absolution. Da gibt Gott allen Vergebung. Und die Sünde ist dir wirklich vergeben, wenn du es auch nicht glaubst, sondern im Unglauben dich herumdrehst und denkst: „Was kann mir der elende Mensch vergeben?“ Ach du armer Mensch! Der vergibt dir ja die Sünden nicht, sondern Gott selbst tut es. Der Prediger kann selbst ein Kind der Hölle sein, und deine Sünden werden dir durch die von ihm gesprochene Absolution doch vergeben. Warum? Weil er es in Gottes Namen und in Gottes Auftrag tut. So hat oft ein König einen gottlosen Diener geschickt, und die Befehle, die durch ihn an die Untertanen ergingen, waren doch ebenso gültig, als wenn der König sie selbst erteilt hätte mit seinem eigenen Munde.“ (C. F. W. Walther)

 

„Gerechter Gott, barmherziger Vater, ich elender und unwürdiger Mensch bekenne, dass ich nicht allein in Sünden empfangen und geboren bin, sondern auch meine ganze Lebenszeit, von meiner frühesten Kindheit an bis auf die gegenwärtige Stunde, in vielen und schweren Sünden zugebracht habe. Denn ich habe nicht dich, meinen Herrn und Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte geliebt und gefürchtet, habe auch nicht auf dich über alles vertraut, deinen heiligen Namen nicht von ganzem Herzen angerufen und gelobt, sondern denselben zum Fluchen, Schwören, Lügen und Trügen missbraucht. Die Predigt deines heiligen Wortes habe ich öfters versäumt, verachtet, und nach derselben sehr wenig mein Leben eingerichtet und gebessert. Meinen liebsten Eltern und meinen Vorgesetzten bin ich ungehorsam gewesen; dazu habe ich meinen Nächsten nicht geliebt, wie mich selbst; sondern habe ihn gehasst, verachtet, geärgert, bin ihm selbst zum Schaden gewesen, und habe zugelassen, dass ihm andere Schaden zufügten. In Worten und Werken war ich leichtsinnig und schmutzig; in meinen täglichen Geschäften und Handlungen gebrauchte ich mancherlei Unredlichkeiten wider die Nächstenliebe; ich habe auch meinen Nächsten fälschlich belogen, verraten, ihm afterredet und bösen Leumund gemacht. In Summa, ich bin in bösen Dingen verstrickt gewesen, und habe mich noch daran ergötzt. Ich bin hochmütig, geizig, wollüstig, jähzornig, verschwenderisch, neidisch und träg gewesen; überdies habe ich meinen Nächsten zum Sündigen gereizt und unterstützt; und so habe ich meinen heiligsten Taufbund übertreten. Und was ich jemals wider dich gesündigt habe, mit Worten, oder Werken, oder Gedanken, öffentlich oder heimlich, auch alle meine unbekannten und verborgenen Vergehungen, deren du, o Herzenskündiger, mich schuldig erkennst, besser, als ich mir selbst bewusst bin; diese alle bekenne ich mit zerknirschtem und gebeugtem Herzen; ja, ich bin ein unnützer Knecht, und habe gesündigt in den Himmel, und vor dir, und bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen, oder meine Augen zu dir aufzuheben! Denn ich habe dich mit vielen und sehr schweren Sünden stark beleidigt; ich habe meine arme Seele und mein Gewissen übermäßig mit begangenen Ungerechtigkeiten beschwert, die mich drücken, und mir wie eine schwere Last zu schwer geworden sind. Daher komme ich jetzt, da ich noch Gnade und Erbarmung finden kann, zu dir, und appelliere von deiner strengen Gerechtigkeit an deine grenzenlose Barmherzigkeit. O Herr, Gott, sei mir armen Sünder gnädig, vergib mir meine Sünden, nimm zu deren Bezahlung an, ich bitte dich, das unschuldige Sterben Jesu Christi, deines lieben Sohnes, und verleihe mir Besserung meines Lebens! Amen.“ (Johann Habermann)

 

BEKEHRUNG

„Die Bekehrung ist diejenige Tätigkeit der aneignenden Gnade des Heil. Geistes, nach welcher derselbe einen geistlich toten Menschen aus dem Stand der Sünde und des Zorns in den Stand der Gnade und des Glaubens versetzt, um ihn des ewigen Lebens teilhaft zu machen.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Gott bekehrt den bußfertigen Sünder, dass sein Verstand zur Erkenntnis Gottes und seines gnädigen Willens erleuchtet, der Wille und alle Kräfte von der Sünde zu Gottes Liebe, Gehorsam und Gerechtigkeit gewendet werden, und er, so viel möglich, nach göttlichem Wohlgefallen alle sein Tun und Leben anstelle.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Ist nun wahre Bekehrung zu Gott und der wahre Glaube da, so ist auch Vergebung der Sünden und Gottes Gnade da; ist Gottes Gnade da, so ist Christus da, denn außer ihm ist keine Gnade; ist Christus da, so ist sein teures Verdienst auch da; ist sein Verdienst da, so ist die Bezahlung unserer Sünden da; ist die Bezahlung für unsere Sünden da, so ist die Gerechtigkeit da; ist die Gerechtigkeit da, so ist Friede und ein fröhliches Gewissen da: denn Gerechtigkeit und Friede küssen sich mit einander, Ps. 85,11. Ist nun ein fröhliches Gewissen da, so ist der heilige Geist da; ist der heilige Geist da, so ist auch Freude da, denn er ist ein freudiger Geist; ist aber Freude da, so ist das ewige Leben auch da, denn das ewige Leben ist ewige Freude.“ (Johann Arndt)

 

„Ich danke dir, mein Gott, dass du mein hartes und unbußfertiges Herz umgewandelt, dass du mein steinernes Herz weggenommen und mir ein fleischernes Herz gegeben hast. Es war mein eigenes Werk, dass ich in die Schuld fiel; aber ich vermochte nicht aus mir selbst wieder zur Buße aufzustehen. Ich konnte durch mich abirren; aber nur durch dich konnte ich auf den Weg zurückkehren. Wie der, welcher von seiner Mutter Leibe verkrüppelt geboren wird, nicht mit natürlichen Mitteln gerade gemacht werden kann, sondern durch göttliche Kraft aufgerichtet werden muss: so war meine Seele, mit jener geistigen Verkrüppelung zur Sünde und zu irdischen Dingen geboren; daher konnte sie durch keine menschlichen Kräfte, sondern allein durch deine Gnade aufgerichtet werden, dass sie zu deiner Liebe und zum Verlangen nach himmlischen Gütern aufstand. Ich konnte mich durch mancherlei Sünden auf’s Schändlichste verunstalten; aber du allein konntest mich wiederherstellen. Wie ein Mohr seine Haut nicht wandeln kann, noch ein Parder seine Flecken, so konnte ich nicht Gutes tun, der ich dem Eifer auf’s Böse ergeben war. Du, mein Gott, hast mich bekehrt, und ich bin bekehrt; nachdem ich durch dich bekehrt war, tat ich Buße, und nachdem mir’s gezeigt war, schlug ich vor Schmerz auf meine Hüften. Ich war tot in Sünden, und du hast mich lebendig gemacht. So viel ein Toter zu seiner Wiedererweckung beitragen kann, so viel konnte ich auch zu meiner Bekehrung beitragen. Wenn du mich nicht gezogen hättest, so wäre ich nie zu dir gekommen; wenn du mich nicht erweckt hättest, so wäre ich nie für dich erwacht; wenn du mich nicht erleuchtet hättest, so hätte ich dich nie gesehen. Die Sünden waren mir süßer, als Honig und Honigseim; dass sie mir nun bitter und herbe sind, verdanke ich dir, der du mir einen geistigen Geschmack geschenkt hast. Die Werke der Tugend waren mir bitterer, als Galle und Aloe; dass sie mir nun angenehm und süß sind, verdanke ich dir allein, der du das verdorbene Urteil meines Fleisches durch den Geist umgewandelt hast. Ich ging in der Irre, wie ein Schaf, das verloren gegangen ist, und wich auf den Weg der Bosheit ab; du aber, guter Hirte, hast mich wieder gesucht, und zur Herde der Heiligen zurückgeführt. Spät erkannte ich dich, du wahres Licht; denn es war eine große und finstere Wolke vor meinen Augen, die nach dem Eiteln blickten, welche mich hinderte, dass ich das Licht der Wahrheit nicht sah. Spät erkannte ich dich, du wahres Licht, weil ich blind war, und die Blindheit liebte, und durch die Finsternis der Sünden der Finsternis der Hölle zuwandelte; aber du hast mich erleuchtet, und hast den gesucht, der dich nicht suchte, und den gerufen, der dir nicht rief, und den bekehrt, der sich nicht zu dir bekehrte, und hast mit allmächtig wirksamer Stimme gesprochen: Es werde Licht im Innern dieses Herzens! und es ward Licht, und ich sah dein Licht, und erkannte meine Blindheit. Über jene unermessliche Wohltat will ich deinen Namen ewiglich preisen! Amen. Amen.“ (Johann Gerhard)

 

BEKENNTNIS

„Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater.“ Mt. 10,32. Gnadenvolle Verheißung! Es ist eine große Freude für mich, meinen Herrn zu bekennen. Was auch meine Fehler sein mögen, ich schäme mich nicht meines Jesu und fürchte mich auch nicht, die Lehren von seinem Kreuz zu verkünden. O Herr, ich habe nicht deine Gerechtigkeit in meinem Herzen verborgen. Süß ist die Aussicht, die der Text mir eröffnet! Freunde verlassen mich und Feinde frohlocken, aber der Herr verleugnet seinen Knecht nicht. Ohne Zweifel wird der Herr mich auch hier noch anerkennen und mir neue Zeichen seiner Gunst geben. Aber es kommt ein Tag, wo ich vor dem großen Vater stehen muss. Was für eine Seligkeit, zu denken, dass Jesus mich dann bekennen will! Er wird sagen: „Dieser Mann vertraute mir wahrhaft und war willig, um meines Namens willen Schmach zu leiden: und deshalb erkenne ich ihn als den meinen an.“ Neulich wurde ein großer Mann zu einem Ritter gemacht und die Königin übergab ihm ein mit Juwelen besetztes Hosenband; aber was ist das! Es wird eine Ehre über alle Ehren sein, wenn der Herr Jesus uns bekennt in Gegenwart der göttlichen Majestät in dem Himmel.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Die Symbole sind Schriften, in denen die Kirche die Summe der Lehren zusammenfasst, um damit ein Zeugnis ihres Glaubens zu geben und sich selbst von der Irrlehre und den irrlehrenden Gemeinschaften abzusondern.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn all mein Verdienst und Würdigkeit: für all das ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewisslich wahr. Ich glaube, dass Jesus Christus, wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben; damit ich sein eigen sei und in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit. Das ist gewisslich wahr. Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben; in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergibt und am Jüngsten Tage mich und alle Toten auferwecken wird und mir samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges Leben geben wird. Das ist gewisslich wahr.“ (Martin Luther)

 

BERUFUNG

„Die Berufung besteht darin, dass der Heil. Geist durch die Taufe und die äußerliche Predigt des Evangeliums als durch das an sich allzeit wirksame Mittel allen Sündern ohne Unterschied den gnädigen Willen Gottes in Christo zum Heil aller Welt bezeugt und die durch Christum erworbenen himmlischen Güter ihnen anbietet mit der ernstlichen Absicht, dass sie solchen Beruf wirklich annehmen und also durch Christum ewig selig werden.“ (Adolf Hoenecke)

 

BESTÄNDIGKEIT

„Und ich will dich wider dies Volk zur festen, ehernen Mauer machen: ob sie wider dich streiten, sollen sie dir doch nichts anhaben; denn ich bin bei dir, dass ich dir helfe und dich errette, spricht der Herr.“ Jer. 15,20. Beständigkeit in der Furcht Gottes und im Glauben wird einen Mann gleich einer ehernen Mauer machen, die niemand niederschmettern oder zerbrechen kann. Nur der Herr kann solche machen; aber wir haben solche Männer nötig in der Kirche und in der Welt, jedoch besonders auf der Kanzel. Gegen Männer der Wahrheit, die keinen Vergleich wollen, streitet dies Zeitalter der Unechtheit mit aller Gewalt. Nichts scheint Satan und seinen Samen so zu ärgern wie Entschiedenheit. Sie greifen heilige Festigkeit an, wie die Assyrer befestigte Städte belagerten. Aber wir freuen uns, dass sie denen nichts anhaben können, die Gott stark in seiner Stärke gemacht hat. Umhergeworfen von jedem Wind der Lehre, brauchen andre nur angeweht zu werden, und weg sind sie; aber die, welche die Lehren der Gnade lieben, weil sie die Gnade der Lehren besitzen, stehen gleich Felsen inmitten des tobenden Meeres. Woher diese Beständigkeit? „Ich bin bei dir, spricht der Herr“: das ist die wahre Antwort.“ (Charles H. Spurgeon)

 

BETEN 

„Beten heißt nicht, wenn der Mund viel Worte macht ohne Verstand und Gedanken, … sondern wenn die Seele oder das Herz sich erhebet zum Herrn, Ps. 25. 86. 143, hinzutritt zu dem Gnadenstuhl, Hebr. 5, Gott, der gegenwärtig ist und höret, in kindlicher Demut und herzlicher Andacht anspricht, Gal. 4, unsere Not ihm auf seinen Befehl und Verheißung vorträgt, Barmherzigkeit, Gnade und Hilfe in wahrem Glauben durch Christum zu dem, was ihm löblich, uns nütz, nötig und seliglich ist, bittet, Hebr. 5. Joh. 16, oder für empfangene Wohltat ihm dankt, seinen Namen lobet und preiset. 1 Tim. 2. 1 Kor. 14.“ (Martin Chemnitz)

 

„Keine Sorge, aber ganz Gebet. Keine Angst, aber viel freudige Gemeinschaft mit Gott. Tragt eure Wünsche dem Herrn eures Lebens, dem Hüter eurer Seele, vor. Geht zu ihm mit zwei Teilen Gebet und einem Teil Preis und Lob. Betet nicht voll Zweifel, sondern voll Dank. Bedenkt, dass eure Bitten schon gewährt sind, und dankt deshalb Gott für seine Gnade. Er gibt euch Gnade, gebt ihm Dank. Verberget nichts. Gestattet keinem Wunsche, schwärend in euerm Busen zu liegen; „lasst eure Bitte kund werden.“ Lauft nicht zu Menschen. Geht nur zu eurem Gott, dem Vater Jesu, der euch in ihm liebt. Dies wird euch Gottes Frieden bringen. Ihr werdet nicht im Stande sein, den Frieden zu verstehen, den ihr genießen werdet. Er wird euch in seine unendliche Umarmung einschließen. Herzen und Sinne sollen durch Christum Jesum in ein Meer der Ruhe versenkt werden. Es komme Leben oder Tod, Armut, Schmerz, Verleumdung, ihr sollt in Jesu wohnen hoch über jedem rauen Winde und jeder dunkeln Wolke.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Das Gebet ist eine Bitte an Gott, dass er, um des im wahren Glauben ergriffenen Mittlers Christi willen, notwendige Güter geben wolle; welche Bitte aber nicht bloß mit dem Munde, sondern mit dem Herzen geschehen muss.“ (Leonhard Hutter)

 

„Was gehört zu einem solchen Gebet, das Gott gefällt und von ihm erhört wird? Erstens, dass wir allein den einzigen, wahren Gott, der sich uns in seinem Wort geoffenbart hat, um alles, was er uns zu bitten befohlen hat, von Herzen anrufen; zum anderen, dass wir unsere Not und unser Elend recht gründlich erkennen, um uns vor dem Angesicht seiner Majestät zu demütigen; zum dritten, dass wir diesen festen Grund haben, dass er unser Gebet, unbeachtet dessen, dass wir unwürdig sind, doch um des Herrn Christi willen sicher erhören will, wie er uns in seinem Wort verheißen hat.“ (Heidelberger Katechismus)

 

„Ewiger, barmherziger Gott, da wir nicht wissen, was und wie viel wir beten sollen, wie sich’s gebührt, du aber mit unbegrenzter und überschwänglicher Fülle alles tun kannst, über das, was wir mit dem Verstande fassen oder bitten können: so rufe ich zu dir: gieße aus über uns, nach deiner Verheißung, den Geist der Gnade und des Gebets, der uns vertrete mit unaussprechlichem Seufzen, dass wir dich mit Herz und Mund demütig, ernstlich und inbrünstig anrufen, und dir ein angenehmes Lobopfer darbringen mögen. Herr, öffne meine Lippen, dass mein Mund dein Lob verkündige! Ermuntere mein Gemüt und meine Seele, dass ich nicht bloß mit meinem Munde zu dir nahe, und dich nur mit meinen Lippen ehre, das Herz aber ferne von dir sei; sondern verleihe aus Gnaden, dass ich dich, wie die wahren Anbeter, im Geist und in der Wahrheit anbete, mit innigster Andacht des Herzens, ohne Heuchelei und Hochmut, und dass ich nichts von dir bitte, als was deinem göttlichen Willen, deinem Lob und deiner Ehre, und auch dem Heile meiner Seele gemäß ist. Gib auch, dass ich alles, was ich von dir bitte, mit festem Vertrauen und gewisser Zuversicht von deiner Gnade ungezweifelt zu erlangen hoffe, und dir nicht Zeit, Art oder Grenzen der Hilfe und Erhörung vorschreibe, sondern deinem gnädigen Willen, der immer der beste ist, in allen Dingen mich gänzlich mit standhafter Hoffnung und Geduld in Demut des Herzens unterwerfe! Dazu verleihe uns Gnade, dass wir nicht mit unserm Gebete vor dir liegen auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit und im Namen Jesu Christi deines Sohnes, durch welchen wir mit Vertrauen hinzutreten zu dem Throne der Gnade, und mit kindlichen Herzen rufen: Abba, lieber Vater! Gib uns Stärke, dass wir nicht durch unser unwürdiges Leben im Gebete träge werden, noch uns davon abschrecken lassen! Stehe uns also bei, gütigster Gott, dass wir allenthalben heilige Hände aufheben, ohne Zorn und Zweifel, und anhaltend bei uns geschehen Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen für alle Menschen, dass wir nach deinen gnädigen Verheißungen sowohl leibliche, als himmlische Güter empfangen mögen! Amen.“ (Johann Habermann)

 

„Unser Elend und Gottes Erbarmen sind zwei Flügel, auf denen sich unser Gebet zum Himmel emporschwingt. Bedenken wir zuvörderst, wie kurz unser Leben, wie schlüpfrig der Weg, wie ungewiss die Stunde des Todes ist. Bedenken wir, dass wir weinend in dies Leben traten, mit Schmerz darin wandeln, mit Jammer davon scheiden werden. Bedenken wir, mit welchen Bitterkeiten alles, was auch noch so reizend erscheint, untermischt, und wie trügerisch und verdächtig ist, was die Weltliebe gebiert. Denken wir an die unzähligen Übel, welche die Menschheit überhaupt belasten, denken wir an die Gefahren insbesondere, die uns bedroht haben. Erinnern wir uns, wie viele Sünden wir von Jugend auf begangen, wie viele eitle Arbeit wir getan, wie oftmals wir uns vergebens und um nichts abgemüht, was wir gefunden und was wir verloren haben, wo wir liegen und von wo her wir gefallen sind. Was kann uns inständiger zum Gebete auffordern als solche Betrachtung? Aber was mag auch andrerseits uns lieblicher dazu anlocken als das Gedächtnis an die Barmherzigkeit des Schöpfers, die wir immerdar erfahren haben? Bedenken wir, wie viel Gutes er uns gegeben, und aus wie vielem Unglück er uns gerissen hat. Bedenken wir, wie er uns, wenn wir ihn vergaßen, wieder an sich erinnerte, wenn wir von ihm gegangen waren, wieder zu sich rief, wenn wir kamen, gnädig aufnahm; wie er uns vergab, wenn wir Reue zeigten, wie er uns hielt, wenn wir standen, wie er uns aufrichtete, wenn wir fielen, wie er aus unsrer bösen Lust bitteres Leid und aus dem bitteren Leid wiederum himmlischen Trost bereitete. Wahrlich, betrachten wir solches, so muss unser Herz zum Gebet entflammt werden.“ 

Hugo (+1441) 

 

„Keiner achte sein Gebet gering; denn der, zu dem wir beten, achtet es nicht gering. Bevor es noch unserm Mund entströmt, lässt er es schon in sein Buch verzeichnen, und auf eins von beiden können wir sicher hoffen: Entweder wird uns zu Teil, was wir bitten, oder es wird uns etwas Besseres gegeben. So schenkt auch der leibliche Vater dem Kind, das nach Brot verlangt, solches gern; will es aber ein Messer dazu, so widersteht er, und bricht ihm entweder selbst das Brot, oder lässt es ihm von andern brechen, um es der Gefahr und Mühe zu überheben.“ 

Bernhard (+1153) 

 

BEWAHRUNG

„Und ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmermehr umkommen und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen.“ Joh.10,28. Wir glauben an die ewige Sicherheit der Heiligen. Zuerst, weil sie Christi sind, und er niemals die Schafe verlieren wird, die er mit seinem Blut erkauft und von seinem Vater empfangen hat. Ferner, weil er ihnen das ewige Leben gibt, und wenn es ewig ist, nun, dann ist es ewig, und es kann kein Ende haben, wenn nicht auch Hölle, Himmel und Gott ein Ende haben können. Wenn das geistliche Leben aussterben kann, so ist es augenscheinlich nicht ewiges Leben, sondern zeitliches Leben. Aber der Herr spricht von ewigem Leben, und das schließt die Möglichkeit eines Endes aus. Beachtet weiter, dass der Herr ausdrücklich sagt: “Sie werden nimmermehr umkommen.“ So lange Worte einen Sinn haben, sichert dies die Gläubigen vor dem Umkommen. Der hartnäckigste Unglaube kann nicht diesen Sinn aus diesen Worten herausdrängen. Dann, um die Sache vollständig zu machen, erklärt er, dass die Seinen in seiner Hand sind und fordert alle ihre Feinde heraus, sie aus derselben zu reißen. Gewiss, es ist etwas Unmögliches, selbst für den Feind der Hölle. Wir müssen sicher in dem Griff eines allmächtigen Heilandes sein. Unsre Sache sei es, fleischliche Furcht sowohl wie fleischliches Vertrauen fahren zu lassen und friedlich in der hohlen Hand des Erlösers zu ruhen.“ (Charles H. Spurgeon)

 

BEWEISE

„Johannes befand sich einmal auf einer Wanderung und kam an einen Wald. In einem alten Baum fand er ein Vogelnest mit sieben Eiern, die denen des Mauerseglers glichen, doch dieser Vogel legt nur drei Eier, also war es nicht sein Nest. Da Johannes ein großer Eierkenner war, sah er bald, dass es das Ei des Wiedehopfes war, und er sagte sich: Der Wiedehopf muss hier in der Nähe sein, obwohl die Bücher behaupten, dass er hier nicht vorkomme. Nach einer Weile hörte er wie erwartet die berühmten „upp, upp, upp“ des Vogels und da wusste er, dass „Upupa“ da war. Er versteckte sich hinter einem Stein und bald sah er den gesprenkelten Vogel mit seinem gelben Kamm. Als er nach drei Tagen nach Hause kam, erzählte er seinem Lehrer, dass er auf Siarö den Wiedehopf gesehen habe. Der Lehrer glaubte es nicht, sondern forderte Beweise. „Beweise?“, sagte der Junge, „Meinen Sie zwei Zeugen?“. „Ja!“ – „Gut, ich habe zweimal zwei Zeugen, und die stimmen überein: Meine zwei Ohren haben ihn gehört, und meine zwei Augen haben ihn gesehen.“ „Mag sein, aber ich habe ihn nicht gesehen“, erwiderte der Lehrer. Johannes bekam den Namen Meisterlügner, weil er nicht beweisen konnte, dass er da und da den Wiedehopf gesehen hatte. Aber es war gleichwohl eine Tatsache, dass der Wiedehopf dort vorkam, wenn es auch ein ungewöhnlicher Fall war für diese Gegend…“ (August Strindberg)

 

BILLIGE GNADE

„Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf heute geht um die teure Gnade. Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament; Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer der Kirche, aus der mit leichtfertigen Händen bedenkenlos und grenzenlos ausgeschüttet wird; Gnade ohne Preis, ohne Kosten. Das sei ja gerade das Wesen der Gnade, dass die Rechnung im voraus für alle Zeit beglichen ist. Auf die gezahlte Rechnung hin ist alles umsonst zu haben. Unendlich groß sind die aufgebrachten Kosten, unendlich groß daher auch die Möglichkeiten des Gebrauchs und der Verschwendung. Was wäre auch Gnade, die nicht billige Gnade ist? Billige Gnade heißt Gnade als Lehre, als Prinzip, als System; heißt Sündenvergebung als allgemeine Wahrheit, heißt Liebe Gottes als christliche Gottesidee. Wer sie bejaht, der hat schon Vergebung seiner Sünden. Die Kirche dieser Gnadenlehre ist durch sie schon der Gnade teilhaftig. In dieser Kirche findet die Welt billige Bedeckung ihrer Sünden, die sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie erst recht nicht wünscht. Billige Gnade ist darum Leugnung des lebendigen Wortes Gottes, Leugnung der Menschwerdung des Wortes Gottes. Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders. (…..) Billige Gnade ist die Gnade, die wir mit uns selbst haben. Billige Gnade ist Predigt der Vergebung ohne Buße, ist Taufe ohne Gemeindezucht, ist Abendmahl ohne Bekenntnis der Sünden, ist Absolution ohne persönliche Beichte. Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus. Teure Gnade ist der verborgene Schatz im Acker, um dessentwillen der Mensch hingeht und mit Freuden alles verkauft, was er hatte; die köstliche Perle, für deren Preis der Kaufmann alle seine Güter hingibt; die Königsherrschaft Christi, um derentwillen sich der Mensch das Auge ausreißt, das ihn ärgert, der Ruf Jesu Christi, auf den hin der Jünger seine Netze verlässt und nachfolgt. Teure Gnade ist das Evangelium, das immer wieder gesucht, die Gabe, um die gebeten, die Tür, an die angeklopft werden muss. Teuer ist sie, weil sie in die Nachfolge ruft, Gnade ist sie, weil sie in die Nachfolge Jesu Christi ruft; teuer ist sie, weil sie dem Menschen das Leben kostet, Gnade ist sie, weil sie ihm so das Leben erst schenkt; teuer ist sie, weil sie die Sünde verdammt, Gnade, weil sie den Sünder rechtfertigt. Teuer ist die Gnade vor allem darum, weil sie Gott teuer gewesen ist, weil sie Gott das Leben seines Sohnes gekostet hat – „ihr seid teuer erkauft“ –, und weil uns nicht billig sein kann, was Gott teuer ist. Gnade ist sie vor allem darum, weil Gott sein Sohn nicht zu teuer war für unser Leben, sondern ihn für uns hingab.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

BITTE

„Gib mir Verstand aus deiner Höh

Auf dass ich ja nicht ruh und steh

Auf meinem eignen Willen.

Sei du mein Freund und treuer Rat

Was recht ist zu erfüllen.

 

Verleihe mir das edle Licht

Das sich von deinem Angesicht

In fromme Seelen strecket

Und da der rechten Weisheit Kraft

Durch deine Kraft erwecket.

 

Prüf Alles wohl und was mir gut

Das gib mir ein: was Fleisch und Blut

Erwählet, das verwehre.

Der höchste Zweck, das edle Teil

Sei deine Lieb und Ehre.

 

So sei nun Seele deine

Und traue dem alleine

Der dich erschaffen und erlöset hat.

Es gehe wie es gehe:

Dein Vater in der Höhe,

Weiß allen Sachen Rat.“

 

(Paul Gerhardt / Johann Georg Hamann)   

 

BÖSE

„Erzürne dich nicht über die Bösen. Laß also den Zorn fahren, sieh den Bösen an und sieh Gott an. Siehst du auf jenen, so siehst du einen vergänglichen Menschen. Was ist er? Wenn er auch so alt wäre wie Adam und alle Stärke hätte, so wird er doch sterben. Darnach siehe, was Gott von ihm denkt. Er hält nichts von ihm, ja vielmehr, er zürnt ihm und zieht das Schwert gegen ihn. Und siehe auch deine Lage an: heute oder morgen wirst du sterben, darnach hört alles Unglück auf; dazu ist Gott dir gnädig und hat sein Auge auf dich gerichtet. Wenn du es so ansiehst, hast du mehr Ursache, dich zu freuen als traurig zu sein, und mehr Ursache, jenen zu bedauern als unwillig über ihn zu sein. Natürlicherweise fängt unser Mitleid erst an, wenn der Dieb gehängt wird. Wenn wir aber daran dächten, schon ehe die Tyrannen untergehen, so würden wir sie gewisslich bedauern und uns nicht über sie erzürnen. Denn wie das Gras werden sie bald abgehauen. Sie haben nur kurze Zeit, laß sie stolz sein, sie sind doch wie Gras. Der heilige Geist hat Lust daran, sie mit dem Gras zu vergleichen, wie Jes. 40,6 geschrieben steht: alles Fleisch ist wie Gras, und Mt. 6,30 spricht vom Gras, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird. Aber solang es grünt und blüht, meinen wir, es werde ewig währen. Auch die Blumen sind schön, wenn sie wachsen; aber je mehr sie wachsen, je näher ist ihnen die Sense. Es ist ein herrliches Gleichnis: das Gras, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird. Wir können‘s (freilich) nicht so ansehen; denn es kann sein, dass es zehn Jahre dauert. Wenn du es mit deinen Augen ansiehst, sagt der Psalm, dann sieht es aus wie Stahl und Stein. Sieh es aber so an, wie Gott es sieht, so musst du denken: es wird zerflattern. Es sind geistliche Worte, die die Vernunft nicht fassen kann. Denn vor der Welt siehts anders aus. Sie werden bald abgehauen und bald verwelken. Es ist oft ein lange währendes Bald, aber vor Gott sind sie schon abgehauen.“ (Martin Luther)

 

„Nun könnt ihr sagen: Schlechte Menschen haben es sehr gut, sie kriegen ihren Willen mehr als andere Leute. Salomon sagt: Der böse Mensch soll nicht sagen: Was schadet es mir, dass ich Übles täte, wenn es mir doch nicht weh täte? Oder: Wer täte mir deshalb Übles? Eben das, dass du Übles tust, das ist ganz und gar dein Schaden und tut dir weh genug. Seid dessen gewiss bei der ewigen Wahrheit, dass es ein ebenso großer Zorn Gottes ist; er könnte dem Sünder nichts Schlimmeres antun, weder mit der Hölle noch mit irgend etwas, als er ihm damit antut, dass er es ihm gestattet oder über ihn verhängt, dass er sündig ist (…). Und gäbe ihm Gott das Weh der ganzen Welt, so könnte ihn Gott dennoch nicht mehr schlagen, als er damit geschlagen ist, dass er sündigt.“ (Meister Eckhart)

 

„Unbedacht redende Leute behaupten, glücklich seien alle, die lebten, wie es sie gelüste. Das ist freilich falsch. Denn Schlechtes zu begehren, ist selbst schon größtes Unglück.“ (Cicero)

 

BUND

„Der erste mit den Menschen geschlossene Bund war ein Bund der Werke, worin Adam und in ihm seiner Nachkommenschaft das Leben unter der Bedingung eines vollkommenen und persönlichen Gehorsams verheißen worden war. Nachdem sich der Mensch durch seinen Fall unfähig gemacht hatte, im Rahmen jenes Bundes zu leben, hat es dem Herrn gefallen, einen zweiten aufzurichten, allgemein „Bund der Gnade“ genannt. In ihm bietet er Sündern Leben und Erlösung durch Jesus Christus an, indem er von ihnen Glauben an ihn fordert, damit sie erlöst werden können; in ihm hat er verheißen, all denjenigen seinen Heiligen Geist zu geben, die zum Leben verordnet sind, um ihren Willen zu wecken und sie zum Glauben fähig zu machen.“ (Westminster Bekenntnis)

 

„Ich, der ewige und allmächtige Gott, verbinde, verschwöre und verschreibe mich dir durch die Hingabe meines Sohnes am Kreuz, dass ich dir (und allen Menschen, die in Erkenntnis ihrer Sünden auf Jesus Christus ihren Glauben setzen) alle deine Sünden vergeben und deiner Fehler nie mehr gedenken will, sondern dich losspreche vom Fluch des Gesetzes und von der Gewalt des Teufels. Du sollst vor meinem Zorn sicher sein und mir als so gerecht und selig gelten, als wenn du alle meine Gebote erfüllt und nie Böses getan hättest. Und das will ich tun einzig und allein um meines Sohnes willen, der stellvertretend für dich das Gesetz erfüllte, deine Strafe trug, den Zorn versöhnte, Teufel, Hölle, Welt und Tod überwand und den vollen Preis deiner Erlösung zahlte. Verlasse dich künftig ganz auf ihn – und nicht mehr auf dich selbst. Denn dann sollst du durch solchen Glauben unauflösliche Gemeinschaft mit mir haben, so dass ich ewig dein lieber Vater bin, und du ewig mein lieber Sohn, Tochter und Erbe. Zur Stärkung deines Glaubens gebe ich dir neben meinem biblischen Wort und dem Heiligen Geist die Sakramente des neuen Bundes, nämlich die heilige Taufe als Sakrament der Wiedergeburt und das heilige Abendmahl als Sakrament der Gemeinschaft, die du mit mir hast. Ich, der Herr dein Gott, gelobe das alles fest und ewig zu halten und zu erfüllen, verbinde es aber mit der Weisung und der Erwartung, dass du mir künftig in Gerechtigkeit dienen, gottgefällig leben, Christus nachfolgen, die Sakramente gebrauchen und im Bemühen um Heiligung fortfahren wirst. Den Geist der Kraft und der Weisheit will ich dir dazu geben. Sofern du aber aus Schwachheit sündigst, soll dir das nicht zum Verhängnis werden, sondern, wenn es dir herzlich Leid tut und du auf den guten Weg zurückkehrst, soll dich meine Gnade wieder aufrichten und trösten. Widerstrebe mir künftig nicht mehr, sondern bleibe fest in dem Bund, den wir schließen, denn dann will ich dir nach diesem irdischen Leben das ewige schenken, deinen ganzen Schaden heilen und alle deine Tränen trocknen.“ (nach einer Vorlage von Johann Arndt)

 

BUSSE 

„Die Busse besteht darin, dass durch Gottes bekehrende Gnade der Mensch seine Sünde erkennt und bereut und durch den Glauben das Verdienst Christi ergreift zur Erlangung der Rechtfertigung und des ewigen Lebens.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die Buße oder Bekehrung zu Gott ist die Zerknirschung des Herzens über unsere Sünde: und das Vertrauen, welches sich um Christi willen die Vergebung der Sünden, Versöhnung, Rechtfertigung und Lebendigmachung gewiss verspricht, verbunden mit dem festen Vorsatz, einen neuen Gehorsam anzufangen.“ (Melanchth. zitiert nach L. Hutter)

 

„Damit nun die Menschen zu der Seligkeit, zu welcher sie von Gott berufen werden, wirklich gelangen mögen, so führt sie Gott selber dazu durch ernste Buße, dadurch sie, zur Erkenntnis und Bereuung ihrer Sünden gebracht, ihre Zuflucht zu Christo nehmen und durch solch Vertrauen auf ihn Gnade und der Sünden Vergebung erlangen.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Die Buße oder wahre Bekehrung ist ein Werk Gottes des heiligen Geistes, dadurch der Mensch aus dem Gesetz seine Sünde erkennet, und den Zorn Gottes wider die Sünde, dadurch Reue und Leid im Herzen erwecket wird; aus dem Evangelio aber Gottes Gnade erkennet, und durch den Glauben Vergebung der Sünden in Christo erlanget.“ (Johann Arndt)

 

„Ich fragte einen hohen, edlen, ganz heiligen Menschen, was der höchste Gegenstand seiner Betrachtung sei. Er antwortete: „Die Sünde, und so komme ich zu meinem Gott“; er hatte durchaus recht. So laß Gott und alle Geschöpfe dich auf deine Sünde verweisen, und verurteile dich selbst; so wirst du, nach Sankt Paulus' Wort, nicht von Gott verurteilt. Das soll in der Wahrheit geschehen, ohne alle Verstellung, nicht mit gemachter Demut, denn diese ist eine Schwester der Hoffart. Das soll in dem Grunde geschehen, und zwar ohne Erregung, als ob man sich den Kopf zerbrechen sollte, sondern mit stiller, besonnener, gelassener Unterworfenheit in demütiger Furcht Gottes leg ihm deinen bösen, (von deinem Selbst) besetzten Grund vor, in herzlichem Gebet, das im Geist geschieht: so suche ihn; gehst du andere Wege, es hilft dir nichts.“ (Johannes Tauler)

 

„Wenn der Mensch sich reinwäscht, klagt Gott ihn an. Wenn der Mensch sich anklagt, wäscht Gott ihn rein.“ (Franz von Sales)

 

„Mit dem Tode hören die menschlichen Tage auf und der Tag des Herrn beginnt, von dem geschrieben steht, er komme wie ein Dieb in der Nacht. Was zaudern wir nun hier zu wirken, um im Vaterland Miterben Christi sein zu können? Hier ist der Kriegsdienst, dort wird der Sold gegeben; hier wird gestreut, dort soll geerntet werden. Die Zeit aber ist kurz, wie der Apostel sagt, denn das Wesen dieser Welt vergeht. Es wartet der Herr, der gesprochen: Ich habe keinen Gefallen am Tod des Gottlosen, sondern dass sich der Gottlose bekehre von seinem Wesen und lebe! Er wartet, dass wir Buße tun sollen. Doch ach wir schlafen, wir haben den Himmel vergessen! Ein Traumleben führen wir, das uns mancherlei Reichtümer vorspiegelt, aber wenn die Todesstunde kommt, werden wir erwachen und mit Schrecken gewahren, wie alles weltliche Glück Täuschung war, und wie wir nackt und bloß davon müssen. O dass wir doch jetzt schon von dem Schlafe der Vergessenheit munter würden! Wache auf, der du schläfst, spricht der Apostel, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten!“ 

Hildebert (+1134) 

 

„Muss nicht Gott, der heilige und erhabene Gesetzgeber, heftig erzürnt werden, wenn er sieht, wie du, Wurm des Staubes und der Eitelkeit, seinem Befehl nicht gehorchst, seine Majestät beschimpfst, seiner Wohltaten vergisst, und dich weder um die Ermahnungen seiner Diener, noch um seine unsichtbare Gegenwart kümmerst? Und musst du nicht erschrecken, dass du, obwohl dem Tod immerdar ausgesetzt und täglich sterbend, dich dennoch gegen deinen Herrn und Gott, den allmächtigen und unaussprechlich großen Gott, so oft vergangen hast und noch vergehst? Was bist du denn? Eine Blume, die aufblüht und bald zertreten wird; ein Schatten, der eilend davonflieht. Und du kannst noch aufgeblasen und stolz sein? Ach, dass du dich doch hassen, dass du dich selbst strafen, dass du deine Seele beugen möchtest vor dem reinen und heiligen Gott! Was du vor frommen und weisen Menschen nicht zu reden wagst, das wage vor ihm nicht einmal zu denken; denn vor Gott sind Gedanken des Herzens, was vor Menschen Worte des Mundes.“ 

Dionysius (+1471) 

 

„Staub ist alles fleischliche Wesen, Staub sind alle zeitlichen Reichtümer, der bald verschwindet und wie vom Wind verweht wird. In diesem Staub sucht ihr vergeblich das Glück, vielmehr, da ihr ihn in Haufen zusammenblast, fliegt er euch in die Augen und macht euch ganz blind am inneren Menschen. Sucht was droben ist! spricht der Apostel. Schüttelt den Staub von euch ab, lasst die Steine und das Blei des Bösen in die Tiefe fallen, zerreißt den Strick des Lasters, daran euch der Teufel festhält, zieht nicht mehr vor dem Wagen der Sünde, sondern schwingt euch auf Flügeln des Glaubens empor zum Himmel!“ 

Hildebert (+1134) 

 

„Was zögerst du, o Sünder, dich zu bessern? Kehre um und tue Buße. Morgen, sprichst du, will ich mich bekehren. Warum nicht heute? Du sagst: Mein Leben kann noch lang sein. Ich spreche: Ist es lang, so sei es gut, ist es kurz, so sei es auch gut. Wer wollte doch gern ein langes Übel tragen? Kaufst du ein Haus, so verlangst du ein gutes; suchst du eine Gattin, so begehrst du eine gute; wünschst du dir Kinder, so möchtest du gute haben; und bei alledem liebst du ein schlechtes Leben! Du sprichst: Morgen, morgen will ich mich bekehren. O Rabenstimme! Die Taube kam wohl wieder zur Arche, aber der Rabe blieb aus. Willst du dann dich erst bekehren, wenn du nicht mehr sündigen kannst, so haben dich wohl die Sünden verlassen, aber du hast sie nicht verlassen. Wer die Zeit der Gnade hier verlor, wird in der Ewigkeit keine Gnade mehr finden.“ 

Alkuin (+804) 

 

„Unfruchtbare Seele, was machst du, was bist du so träge, sündige Seele? Der Tag des Gerichts kommt nahe herbei, der große Tag des Herrn, der Tag des Zorns, der Tag der Trübsal und Angst, der Tag der Not und des Jammers, der Tag der Finsternis und des Dunkels, der Tag des Nebels und des Sturmes, der Tag der Posaune und des Feldgeschrei‘s. Was schläfst du nun, o Seele, warum bist du so lau und wert, ausgespien zu werden? Was schläfst du? Wer nicht aufwacht, wer nicht aufschrickt bei so gewaltigen Donnerschlägen, der schläft nicht, der ist gestorben. Du unfruchtbarer Baum, wo sind deine Früchte? O Baum des Beils und Feuers wert, was sind deine Früchte? Nichts als stechende Dornen und bittere Sünden. Ach, dass sie dich doch heilsam stechen und zur Reue dir bitter werden möchten!“ 

Anselm (+1109) 

 

„So spricht der himmlische Vater zu uns gefallenen Menschen: Werdet, wie der Sohn meiner Liebe! In ihm und durch ihn liebe ich alles, nach ihm prüfe und richte ich alles. Seid ihr nun durch die Sünde von seinem Bilde abgewichen, so kehrt auf seinen Rat wiederum zurück. Ein Bote großen Rats wird euch gesandt, derselbe, der mit mir euer Schöpfer war, kommt nun, Mensch geworden, als euer Erlöser zu euch. Er, der bei der Schöpfung euch Herrlichkeit gab, kommt nun, euch Heiligkeit zu geben. Hört ihn! Er ist euer Urbild, euer Arzt, euer Beispiel. Hört ihn! Rühmlicher wäre es gewesen, immer ihm ähnlich geblieben zu sein, nicht minder rühmlich aber wird es sein, zu seinem Bilde zurückzukehren. O Mensch, wie magst du deine Unwissenheit vorschützen? Siehe, deine eigne Natur straft dich Lügen. Du weißt, wer du bist, woher du stammst, dass du von dem guten Schöpfer nicht böse geschaffen worden bist, und du flehst nicht zu dem, der dich gemacht hat, dass er dich erlöse? Zweifle nicht an seiner Macht: siehe seine Werke, wie groß sie sind! Zweifle nicht an seiner Weisheit: siehe seine Werke, wie schön sie sind! Zweifle nicht an seiner Güte: siehe seine Werke, wie gut sie sind! Er zeigt dir also in seinen Geschöpfen, was er zu deiner Erlösung vermöge. Er zeigt dir aber auch zugleich, welchen furchtbaren Richter du in ihm zu erwarten hast, wenn du ihn nicht als Erlöser annimmst. Denn niemand kann ihm widerstehen, dem Allmächtigen; niemand kann ihn täuschen, den Allwissenden; Niemand kann ihn bestechen, den Heiligen.“ 

Hugo (+1441) 

 

„Wie Gott zum Heil der Welt einmal im Fleisch und sichtbar erschienen ist, so kommt er noch täglich zur Rettung der einzelnen Seelen unsichtbar und im Geiste. Kann nun der arme Kranke dem großen Arzt gleich nicht entgegengehen, so mag er wenigstens das Haupt aufrichten und sich vom Lager erheben, wenn er eintritt. Du brauchst, um selig zu werden, o Mensch, nicht das Meer zu überschiffen, nicht über die Wolken emporzudringen; keine lange Reise wird von dir verlangt. Gehe nur in dich und begegne da deinem Gott. Denn nahe ist dir das Wort in deinem Munde und in deinem Herzen. Erwecke dein Herz zur Reue und deinen Mund zum Bekenntnis. So wird die Kammer deines Gewissens vom Schmutz gereinigt werden und der Herr wird seinen Einzug bei dir halten.“ 

Bernhard (+1153) 

 

„Ach, wie ist durch die List des bösen Feindes meine arme Seele so verloren gegangen und erschlagen worden. Wie ein Schlächter an einem grünen Reise oder schwachen Halm ein Lamm zum Tod führt, das, ohne zu wissen, wohin es geht, lustig und munter ihm nachspringt; also hat er meine törichte Seele ins Verderben geführt. Durch die flüchtige und kurze Weltlust lockte er sie an sich, band sie, blendete ihre Augen, und verwundete sie darauf tödlich durch Lasterstiche aller Art. Dann legte er auf sie jenen schweren und großen Stein der bösen Gewohnheit und begrub sie zuletzt in dem kalten Grab der Verstockung und Herzenshärtigkeit. Da moderte und verweste sie, ein Greuel vor Gott und allen Heiligen. Ach, teuerster Herr Jesu, Seelenarzt, Quell aller Liebe; wenn dich menschliches Elend je gerührt hat, so sieh doch jetzt auf sie hin, die nun erwacht, ihren Jammer und ihre Blöße erkennt und sich vor Scham nicht zu dir aufzublicken getraut. Barmherziger Herr, nach dir streckt sie Arme und Hände aus, ziehe sie heraus aus dem Schlamm des Verderbens. Gib ihr den Stab des Glaubens, schmücke sie mit dem Kleid der Liebe, reiche ihr die Leiter der Hoffnung.“ 

Gerson (+1429) 

 

„Vertreibe, o Herr, die Finsternis, die über dem Grund meines Herzens schwebt, auf dass ich dich erkenne und liebe. Denn wer dich erkennt, vergisst sich und kommt zu dir, um sich in dir zu freuen. Ich aber erkenne dich wenig, und darum liebe ich dich wenig und freue mich wenig in dir. Ich habe die innere Freude verlassen und buhle um die Freundschaft der Welt. Mein Herz, das ganz dein sein sollte, habe ich der Eitelkeit hingegeben; ich bin eitel geworden, da ich die Eitelkeit liebte. Ich bin äußerlich, du innerlich, ich Fleisch, du Geist; ich denke und spreche über Zeitliches, und du, o Herr, wohnst in der Ewigkeit und bist die Ewigkeit. Höre mich, mein Schöpfer! Deine Kreatur bin ich, und gehe nun verloren, deine Kreatur bin ich, und sterbe nun. Deine Hände haben mich gemacht und gebildet, jene Hände, die einst für mich ans Kreuz geheftet wurden. Verachte es nicht, das Werk deiner Hände. Siehe, in ihnen stehe ich geschrieben; lies die Schrift und rette mich. Verzeihe mir, dass ich mich unterwinde mit dir zu reden. Die Not kennt kein Gesetz, der Schmerz treibt mich zu sprechen, der Jammer zwingt mich zu schreien. Ich bin krank, ich rufe zum Arzt, ich bin tot, ich seufze nach dem Leben. Du bist Arzt, du bist Leben. Jesu von Nazareth, erbarme dich meiner, du Sohn Davids, erbarme dich meiner. O Licht, welches vorübergeht, warte auf mich, den Blinden, reiche mir die Hand, dass ich zu dir komme und in deinem Lichte das Licht sehe.“ 

Soliloquia (Augustini) 

 

„Gott, der du wohnst in einem Lichte, da niemand zukommen kann, der du mit leiblichen Augen nicht gesehen, mit menschlichem Verstande nicht begriffen wirst und mit Engelszungen nicht genugsam magst gepriesen werden, unaussprechlicher Gott, höchstes Gut, zu dir rufe ich. An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan. Menschen scheute ich mehr als dich; denn ich war blind und hatte fleischliche Augen. Ach, wo soll ich nun hingehen vor deinem Geist, und wo soll ich hin fliehen vor deinem Angesicht? Was soll ich machen? Wer wird mich schützen? Herr, ich habe keine Hilfe, denn allein bei dir. Erbarme dich meiner, nicht nach deiner geringeren Barmherzigkeit, nach welcher du in leiblichen Nöten hilfst, sondern nach deiner großen Barmherzigkeit, wonach du Missetaten vergibst, und mit der du die Welt also überschüttet hast, dass du deinen eingebornen Sohn für sie in den Tod gabst. Tief sind meine Sünden, o Herr, aber tiefer ist deine Gnade. So verschlinge denn ein Abgrund den andern, die Tiefe deiner Barmherzigkeit verschlinge die Tiefe meiner Dürftigkeit. Eile entgegen, lieber Vater, deinem verlorenen Sohn, der sich aus fernem Lande zu dir aufgemacht hat; komm, du guter Samariter, und hilf mir Armen, der ich bis in den Tod verwundet bin. Tröste mich wieder, mein Gott, mit deiner Hilfe und dein freudiger Geist belebe mich.“ 

Savonarola (+1498) 

 

CHRIST

„Christ ist der Mensch, der sein Heil, seine Rettung, seine Gerechtigkeit nicht mehr bei sich selbst sucht, sondern bei Jesus Christus allein. Er weiß, Gottes Wort in Jesus Christus spricht ihn schuldig, auch wenn er nichts von eigener Schuld spürt, und Gottes Wort in Jesus Christus spricht ihn frei und gerecht, auch wenn er nichts von eigener Gerechtigkeit fühlt. Der Christ lebt nicht mehr aus sich selbst, aus seiner eigenen Anklage und seiner eigenen Rechtfertigung, sondern aus Gottes Anklage und Gottes Rechtfertigung. Er lebt ganz aus Gottes Wort über ihn, in der gläubigen Unterwerfung unter Gottes Urteil, ob es ihn schuldig oder ob es ihn gerecht spricht. Tod und Leben des Christen liegen nicht in ihm selbst beschlossen, sondern er findet beides allein in dem Wort, das von außen auf ihn zukommt, in Gottes Wort an ihn (…..). Wird er gefragt: wo ist dein Heil, deine Seligkeit, deine Gerechtigkeit? so kann er niemals auf sich selbst zeigen, sondern er weist auf das Wort Gottes in Jesus Christus, das ihm Heil, Seligkeit, Gerechtigkeit zuspricht. Nach diesem Worte hält er Ausschau, wo er nur kann.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

„Das Hauptstück und Grund des Evangelii ist, dass du Christum zuvor, ehe du ihn zum Exempel fassest, aufnehmest und erkennest als eine Gabe und Geschenk, das dir von Gott gegeben und dein eigen sei, also dass wenn du ihm zusiehst oder hörst, dass er etwas tut oder leidet, dass du nicht zweifelst, er selbst, Christus, mit solchem Tun und Leiden sei dein, darauf du dich nicht weniger mögest verlassen, denn als hättest du es getan, ja, als wärest du derselbige Christus. Siehe, das heißt das Evangelion recht erkennet, das ist, die überschwängliche Güte Gottes, die kein Prophet, kein Apostel, kein Engel hat je mögen ausreden, kein Herz je genugsam verwundern und begreifen. Das ist das große Feuer der Liebe Gottes zu uns, davon wird das Herz und Gewissen froh, sicher und zufrieden; das heißt den christlichen Glauben predigen. Davon heißt solche Predigt Evangelion, das lautet auf Deutsch so viel als eine fröhliche, gute, tröstliche Botschaft, von welcher Botschaft die Apostel genennet werden zwölf Boten. Davon sagt Jesaias Kap. 9,6.: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben.“ Ist er uns gegeben, so muss er unser sein: so müssen wir uns auch sein annehmen, als des unsern. Und Röm. 8,32.: „Wie hat er uns nicht alle Dinge sollen geben mit seinem Sohn?“ Siehe, wenn du also Christum fassest als deine Gabe dir zu eigen gegeben, und zweifelst nicht daran, so bist du ein Christ; der Glaube erlöset dich von Sünden, Tod und Hölle, macht, dass du alle Dinge überwindest (…). Wenn du nun Christum also hast zum Grunde und Hauptgut deiner Seligkeit, dann folgt das andere Stück, dass du auch ihn zum Exempel fassest, ergebest dich auch also deinem Nächsten zu dienen, wie du siehst, dass er sich dir ergeben hat. Siehe, da geht denn Glaube und Liebe im Schwange, ist Gottes Gebot erfüllt, der Mensch fröhlich und unerschrocken zu tun und zu leiden alle Dinge.“ (Martin Luther)

 

„Das wahre Christentum besteht allein in reinem Glauben, in der Liebe und heiligen Leben. Die Heiligkeit aber des Lebens kommt aus wahrer Buße und Reue, und aus Erkenntnis seiner selbst, dass ein Mensch täglich seine Gebrechen erkennen lernet, und dieselbigen täglich bessert, und durch den Glauben der Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi teilhaftig wird, 1 Kor. 1,30.“ (Johann Arndt)

 

CHRISTI ÄMTER

„Das prophetische Amt Jesu Christi besteht darin, dass er aus dem Rate der heiligen Trinität den göttlichen Willen über unsere Erlösung aufs vollkommenste mitgeteilt hat.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Das Wesen (forma) des hohepriesterlichen Amtes Jesu Christi besteht darin, dass der Herr durch vollkommene Erfüllung des Gesetzes, sowie durch vollkommene Büßung aller unserer Schuld für alle Sünder vollkommene Genugtuung leistet, und auf Grund seiner Genugtuung auch für alle Sünder bei Gott Fürbitte tut.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Das königliche Amt Christi besteht darin, dass Christus als Gottmensch und nach beiden Naturen alles im Himmel und auf Erden regiert.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Christi erstes Geschäft ist das, den Menschen den göttlichen Ratschluss der Erlösung, welcher jetzt vollzogen werden soll, zu verkündigen, und dieselben zur Annahme des ihnen gebotenen Heiles zu bewegen. Damit übt Christus prophetische Tätigkeit, denn der Propheten Geschäft war es, zu lehren und den Willen Gottes zu verkünden. Vermöge der höheren Würde und Kraft, welche Christo, als dem Gott-Menschen zukommt, vollzieht er aber sein Geschäft auf eine viel vollkommnere und wirksamere Weise als alle ihm vorangehenden Propheten. Dasselbe hört auch nicht auf mit seinem Weggang von der Erde, vielmehr hat Christus durch Einsetzung des hl. Lehramtes Sorge dafür getragen, dass es auch ferner, und zwar mit gleichem Erfolg geübt werde, denn er hat dem Worte und den Sakramenten, durch welche das Lehramt ausgerichtet wird, die gleiche ihm selbst vermöge seiner göttlichen Natur einwohnende Kraft und Wirksamkeit beigegeben und er ist sonach auch nach seinem Hingang in ihnen und durch sie immer noch wirksam. Sein Lehrgeschäft ist darum als ein noch stets fortgehendes zu betrachten, und es ist nur zu unterscheiden zwischen der unmittelbaren und mittelbaren Ausübung desselben.“ (Heinrich Schmid)

 

„Die Verkündigung des göttlichen Ratschlusses von der Erlösung der Menschen ist nicht das einzige Geschäft Christi, das andere ist das, die Erlösung selbst, und die Versöhnung mit Gott, zu Stande zu bringen. Christus übt damit ein priesterliches Geschäft, denn der Priester Amt ist es, durch Opfer, welche sie darbringen, Gott zu versöhnen, und die Schuld, welche die Menschen auf sich geladen haben, damit abzutragen. Jedoch bringt Christus nicht gleich den Priestern des alten Bundes Fremdes zum Opfer, sondern sich selbst daher er Priester und Opfer in einer Person ist.“ (Heinrich Schmid)

 

„Demselben, der der Welt Gottes gnädigen Ratschluss der Erlösung verkündigt, und die Erlösung selbst vollbringt, ist auch die Herrschaft über die Welt gegeben und indem er diese ausübt, übt er ein königliches Geschäft. Diese königliche Würde gebührt ihm als Gott von Ewigkeit her: mit dem Momente seiner Menschwerdung nimmt aber auch seine menschliche Natur an derselben Teil, und ist er daher König und Herr der Welt in demselben Sinne und Umfang, wie es Gott ist. Doch hat er hier auf Erden seine königliche Herrschaft nicht ihrem vollen Umfange nach ausgeübt, sondern vielmehr, so lange er noch im Stande der Erniedrigung war, auf den Gebrauch und die Ausübung derselben dem größten Teile nach verzichtet und ist er erst von dem Momente seiner Erhöhung an in den vollen Genuss der königlichen Herrschaft eingetreten. – Indem aber so Christus König und Herr der Welt ist, erstreckt sich seine Herrschaft über alles, was in der Welt ist und die Welt angeht, und kommt ihm gleich sehr die Erhaltung und Regierung der Welt im allgemeinen als die Erhaltung und Regierung der Kirche im besonderen zu.“ (Heinrich Schmid)

 

DANKBARKEIT 

„Der Mensch muss erst selig werden, und dann fromm. Der Mensch muss erst in den Himmel kommen, und dann wird er ein andrer Mensch. Das ist eben die wunderbare Beschaffenheit gerade der christlichen Religion. Der ist verloren, der erst alles tun will, um in den Himmel zu kommen. Nein, erst musst du in den Himmel kommen und selig werden, und dann fängst du an, Gott zu danken. Daher sagt Luther, die christliche Religion sei mit einem Wort eine Religion des Dankens. Alles Gute, was wir verrichten, tun wir nicht, um uns etwas zu erwerben. Wir wüssten auch gar nicht, wie wir es anfangen sollten, um etwas zu verdienen. Es ist uns ja schon alles geschenkt: Gerechtigkeit, unser ewiges Erbe, unsre Seligkeit. Nun gibt es nur zu danken (...). Darum sind auch das die rechten guten Werke, die wir aus Dankbarkeit gegen Gott tun. Wer im rechten Glauben steht, denkt gar nicht daran, sich etwas Gutes zu verdienen und erwerben zu wollen. Er kann eben nicht anders, als sich dankbar erweisen in der Liebe und guten Werken. Sein Herz ist anders geworden, sein Herz ist weich geworden durch den Überschwang der Liebe Gottes, die er erfahren hat. Und dann ist Gott so gnädig, dass er seine eignen Werke, die er in uns tut, belohnt.“ (C. F. W. Walther)

 

„Lass mich, o Herr, all des Guten gedenken, das du an mir von Jugend auf mein ganzes Leben lang getan. Denn ich weiß, dass die Undankbarkeit dir sehr missfällt; ist sie doch die Wurzel alles geistlichen Verderbens, und einem vertrocknenden und versengenden Wind gleich, der die Quelle deines göttlichen Erbarmens über den Menschen versiegen macht. Wie oft habe ich gesündigt, und jener alte Drache war bereit, mich zu verschlingen; aber du, o Herr, tratst ihm entgegen. Ich war hinabgestiegen bis zu der Hölle Pforten, aber du hieltest mich zurück, dass ich nicht versank; ich war nahe gekommen dem Haus des Todes, aber du führtest mich wieder herauf. Auch von dem Tod dieses Leibes hast du mich oft errettet, da starke Krankheiten mich befallen hatten, da ich in Gefahren war zu Wasser und zu Land, da mir Feuer und Schwert drohten. Du wusstest es, o Herr, wenn ich damals gestorben wäre, so wäre ich ein Kind der ewigen Verdammnis geworden. Aber deine Gnade und dein Erbarmen kamen mir entgegen, ohne dass ich dich noch gekannt hätte. Nun da ich dich erkenne, Herr mein Gott, empfinde ich, wie schwach ich bin, dir gebührend zu danken. Doch sei alles dein, was ich lebe; mein ganzer Geist, mein ganzes Herz, mein ganzer Leib, mein ganzes Leben soll dir leben, du mein süßes Leben. Ganz hast du mich frei gemacht, ganz sollst du mich haben; ganz hast du mich hergestellt, ganz sollst du mich nehmen. Ich will dich lieben, Herr meine Stärke, ich will dich lieben, du meine unaussprechliche Wonne.“ 

Soliloquia (Augustini) 

 

DEMUT 

„Was ist die Demut? Wann ein Mensch, in Betrachtung der hohen Majestät Gottes, und hingegen seines eigenen menschlichen Unvermögens und elenden Zustandes, sich von Herzensgrund erniedriget, alles Vermögen, Gaben und an Seel und Leib verliehene Güter Gott dem Herrn zuschreibet, und sich derselben ganz unwürdig schätzet, dabei auch herzlich gesinnet ist, solche verliehene Gaben, Geschicklichkeit, Güter und dergleichen zu Seinen Ehren und des Nächsten Erbauung zur Seligkeit in aller Einfalt anzuwenden.“ (Philipp J. Spener)

 

„Demut an sich ist nichts anderes als eine schonungslose Erkenntnis und Erfahrung des eigenen Selbst in seiner Beschaffenheit. Denn wer wirklich erkennt und erfährt, wie er ist, müsste gewiss auch wirklich demütig sein. Zwei Gründe gibt es für diese Demut: der eine ist die schmutzige Erbärmlichkeit und Hinfälligkeit des Menschen, ein Zustand, in den er durch die Sünde gefallen ist und den er immer irgendwie an sich erfahren muss, solange er in diesem Leben weilt, und wäre er noch so heilig. Der andere Grund ist die überströmende Liebe und Erhabenheit des göttlichen Seins, bei dessen Betrachtung die ganze Natur erbebt, die Gelehrten sich als Narren entlarven und alle Engel und Heiligen geblendet werden; so sehr, dass ihnen ich weiß nicht was widerführe, wenn Er nicht kraft Seiner göttlichen Weisheit ihnen davon nur soviel zu erschauen gäbe, als dem Maße ihrer Befähigung durch ihre Natur und die Gnade entspricht.“ (Die Wolke des Nichtwissens, anonym, 14. Jh.)

 

„Aus sich nichts machen und andere gern für besser und höher achten, als man selber sein mag – das ist große Weisheit und Vollkommenheit. Und sähst du einen andern öffentlich sündigen oder einen schweren Fall tun: So halte dich deshalb nicht für besser als ihn. Denn sieh: Du weißt ja nicht, wie lange du selbst noch im Guten feststehen wirst. Gebrechlich sind wir alle, aber gebrechlicher als du sei in deinen Augen keiner.“ (Thomas von Kempen)

 

„Das ist die Summe und der Kern alles dessen, was uns die Gnade lehrt: die Sinne bezähmen, das eitle Wohlgefallen verschmähen, sich nicht selbst zur Schau stellen, vielmehr alles, was des Lobes und der Bewunderung wert sein mag, mit dem Schleier der Bescheidenheit und Einfachheit verhüllen, in allen Dingen und allen Wissenschaften nichts anderes suchen, als dass Gott dadurch in allem gelobt und verherrlicht und der sinkenden Menschheit unter die Arme gegriffen werde.“ (Thomas von Kempen)

 

„Der Mensch, der etwas sein will, ist die Materie, daraus Gott nichts macht, ja daraus er die Narren macht; ein Mensch aber, der nichts sein will, und sich für nichts hält, ist die Materie, daraus Gott etwas macht, und herrliche, weise Leute vor ihm. Ein Mensch, der sich vor Gott für den geringsten achtet, für den elendesten, ist bei Gott der größte und herrlichste; der sich für den größten Sünder hält, ist bei Gott der größte Heilige. Siehe, dies ist die Niedrigkeit, die Gott erhöhet, das Elend, das Gott ansiehet, und die Nichtigkeit des Menschen, daraus Gott etwas macht. Denn gleichwie Gott Himmel und Erde aus nichts gemacht hat zu einem herrlichen und wunderbaren Gebäu, also will er den Menschen, der auch nichts ist in seinem Herzen, zu etwas Herrlichem machen (…..). Sehet einen Künstler an, soll er ein Kunststück machen, so muss er ganz eine neue Materie haben, daraus er es macht, es darf kein anderer daran gesudelt haben. Also tut Gott auch, soll er aus dem Menschen etwas machen, so muss er nichts sein. Der aber sich selbst zu etwas machet, und meinet, er sei etwas, der ist nicht Gottes Materie, daraus er etwas macht, ist nichts, ja Gott siehet ihn nicht an.“ (Johann Arndt)

 

DIENST

„Siehe (Herr), alles ist dein, was ich habe, und womit ich dir diene. Doch ist es umgekehrt, du dienest vielmehr mir, als ich dir. Siehe, Himmel und Erde, welche du zum Dienste des Menschen geschaffen hast, sind bereit, und tun täglich, was du ihnen geboten hast. Und das ist noch wenig; denn selbst die Engel hast du zum Dienste des Menschen verordnet. All dieses aber übersteigt das, dass du dich selbst herabgelassen, dem Menschen zu dienen, und ihm verheißen hast, dich selbst ihm darzugeben. Was soll ich dir geben für all’ diese tausendfältigen Gaben? O dass ich dir dienen könnte mein ganzes Leben lang! Fürwahr, du bist würdig alles Dienstes, aller Ehre und ewigen Lobes! Du bist wahrlich mein Herr, und ich bin dein armer Knecht, der aus allen Kräften dir zu dienen verpflichtet ist und in deinem Lobe nie ermüden darf (…). O angenehmer und lieblicher Dienst Gottes, wodurch der Mensch wahrhaft frei und heilig wird! O heiliger Stand der geistlichen Dienerschaft, welcher den Menschen den Engeln gleich, Gott wohlgefällig, den bösen Geistern schrecklich und allen Gläubigen wert macht. O liebenswürdige und allzeit wünschenswerte Dienstbarkeit, wodurch man das höchste Gut verdient und eine Freude erwirbt, die ohne Ende bleiben wird.“ (Thomas von Kempen)

 

DOGMATIK

„Dogmatik, auch thetische, positive, didaktische und systematische Theologie genannt, ist die Theologie, sofern sie die theologischen Lehrstücke der Ordnung nach vorlegt und deutlich erklärt, die Glaubenssätze genau begrenzt, scheidet, beziehungsweise verbindet und als in der Schrift wohlbegründet nachweist.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Der Unterschied zwischen einer privaten Mitteilung des Evangeliums und der öffentlichen amtlichen Verkündigung besteht darin, dass die Kirche insgesamt für jene keine Bürgschaft übernehmen kann. Für die öffentliche Verkündung ihrer Amtsträger muss sie aber jederzeit eintreten und eintreten können. Was von Amts wegen in der Kirche geredet wird, kann und muss die Öffentlichkeit auch der ganzen Kirche zur Last legen. Daraus folgt notwendig das Eingehen einer Lehrverpflichtung der Amtsträger bei der Amtsübernahme. An diesem Punkt wird Sinn und Notwendigkeit eines kirchlichen Dogmas sichtbar. Die Kirche kann ihre Amtsträger nur so verpflichten, dass sie die Verantwortung für ihre öffentliche Verkündigung übernehmen kann, wenn sie ihnen zugleich sagt, wozu und worauf sie verpflichtet sind. Sie muss also sagen, was von ihnen gelehrt werden soll. Sie hat dabei aber auch die unter den angeführten Gesichtspunkten gebotene Mannigfaltigkeit in Ansatz zu bringen. Das Dogma bezeichnet das Minimum des Sachgehalts, in dem alle öffentliche Verkündigung übereinzustimmen hat. Um ihrer Mannigfaltigkeit Raum zu lassen, bezeichnet es aber zugleich das Maximum.“ (Werner Elert)

 

EBENBILD GOTTES

„Was ist das göttliche Ebenbild gewesen? Dass der Mensch in anerschaffener Weisheit seinen Gott, und was ihm zu wissen nötig wäre, erkennete, und Gutes zu tun sowohl die völligen Kräfte als innerlichen Trieb hätte; daher von Natur gerecht und heilig wäre, deswegen auch in vollkommener Glückseligkeit sein Leben zubrächte, und über diese untere Welt herrschete.“ (Philipp J. Spener)

 

„Gott schuf einst Adam zu seinem Ebenbild. Gott suchte in Adam als der Vollendung seiner Schöpfung das Wohlgefallen an seinem eigensten Bild, „und siehe, es war sehr gut“. In Adam erkannte Gott sich selbst. So ist es das unauflösliche Geheimnis des Menschen vom Anfang her, dass er Geschöpf ist und doch dem Schöpfer gleich sein soll. Der geschaffene Mensch soll das Bild des ungeschaffenen Gottes tragen. Adam ist „wie Gott“. Nun soll er sein Geheimnis, Geschöpf und doch gottgleich zu sein, dankbar und gehorsam tragen. Es war die Lüge der Schlange, dass sie Adam vorhielt, er müsse erst noch werden wie Gott, und zwar aus eigner Tat und Entscheidung. Da verwarf Adam die Gnade und erwählte die eigne Tat. Adam wollte das Geheimnis seines Wesens, Geschöpf und gottgleich zu sein, selbst lösen. Er wollte von sich aus werden, was er von Gott her schon war. Das war der Sündenfall. Adam wurde „wie Gott“ – sicut deus – in seiner Weise. Er hatte sich selbst zum Gott gemacht und hatte jetzt keinen Gott mehr. Er herrschte allein als Schöpfergott in einer entgotteten, unterworfenen Welt. Aber das Rätsel seines Daseins bleibt ungelöst. Der Mensch hat sein eigenes, gottgleiches Wesen, das er von Gott hatte, verloren. Er lebt nun ohne seine wesentliche Bestimmung, Gottes Ebenbild zu sein. Der Mensch lebt, ohne Mensch zu sein. Er muss leben, ohne leben zu können. Das ist der Widerspruch unseres Daseins und die Quelle aller unserer Not. Seitdem suchen die stolzen Kinder Adams das verlorene Bild Gottes aus eigner Kraft in sich wiederherzustellen. Aber gerade je ernster, je hingebender ihr Streben, das Verlorene wiederzugewinnen, und je überzeugender und stolzer der scheinbare Erfolg, desto tiefer der Widerspruch zu Gott. Ihre Missgestalt, die sie an dem Bild ihres selbsterdachten Gottes prägen, trägt ohne ihr Wissen mehr und mehr das Bild Satans.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

EHE 

„Was ist die Ehe? Die Ehe ist die gesetzmäßige und unauflösliche Verbindung eines Mannes, und eines Weibes, von Gott selbst eingesetzt zur Gemeinschaft des ganzen Lebens und Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts.“ (Leonhard Hutter)

 

„Was ist der Ehestand? Es ist ein guter, heiliger Stand, von Gott selbst im Paradies erstlich eingesetzet und nach dem Fall, auch nach der Sündflut, ja auch im Neuen Testament von Gott bestätiget, dass ein Mann und ein Weib zu ehelicher Beiwohnung ordentlicher Weise nach Gottes Einsetzung unzertrennlich zusammen gefüget werden, dass also das menschliche Geschlecht gemehret, Unzucht verhütet solle werden und eins dem Andern Liebe, Freundschaft, Dienst und Hilfe erzeigen solle, wie in der Haustafel, Eph. 5. Kol. 3. 1 Petr. 2 beide Mann und Weibe seine Lektion vorschrieben wird.“ (Martin Chemnitz)

„Die Treue macht wesentlich das eheliche Leben aus und ist vornehmlich das ganze eheliche Leben, die Treue, die sie einander verheißen haben. So reden sie davon. Darum besteht das eheliche Leben nicht darin, dass sie einander lieb haben, sonst wären Huren und Buben auch ehelich; sondern es besteht in der Treue, dass einer zum andern sagt: Ich bin dein und du bist mein. Das ist die Ehe.“ (Martin Luther)

 

„(Von der Priesterehe.) Dass sie die Ehe verboten und den göttlichen Stand der Priester mit ewiger Keuschheit beschwert haben, dazu haben sie weder Fug noch Recht gehabt, sondern haben gehandelt wie die antichristlichen, tyrannischen, verzweifelten Buben und damit Ursache gegeben zu allerlei schrecklicher, greulicher, unzähliger Sünde der Unkeuschheit, worin sie denn noch stecken. So wenig nun uns oder ihnen Macht gegeben ist, aus einem Männlein ein Fräulein oder aus einem Fräulein ein Männlein zu machen oder beides zunichte zu machen, so wenig haben sie auch Macht gehabt, solche Kreatur Gottes zu scheiden oder zu verbieten, dass sie nicht ehrlich und ehelich beieinander wohnen sollten. Darum wollen wir in ihren leidigen Zölibat nicht willigen, ihn auch nicht leiden, sondern die Ehe frei haben, wie sie Gott geordnet und gestiftet hat und wollen sein Werk nicht zerreißen noch hindern.“ (Martin Luther)

 

EHRE

„Dürfen wir denn nicht nach Ehre trachten? Wir haben desjenigen uns zu befleißen, was auch ohngesucht, in göttlicher Ordnung Ehre bringt, aber die Ehre selbst, als ein Gott eigenes Gut, haben wir nicht Macht zu suchen, vielmehr wo uns von Gott selbst Ehre gegeben oder von Menschen beigelegt wird, dieselbe allein auf Gott zurück zu weisen, auch unsrer Ehre dem Nächsten zum Besten uns zu begeben, nach Christi Exempel.“ (Philipp J. Spener)

 

„Wer die wahre, die unvergängliche Ehre sucht, der kümmert sich nicht viel um die vergängliche. Und wer noch vergängliche Ehre sucht oder sie noch nicht von ganzem Herzen verschmäht, der beweist eben dadurch, dass ihm die unvergängliche Ehre noch nicht über alles lieb und teuer geworden ist. Große Seelenruhe hat der, der sich weder die Lobsprüche noch die Schmähworte der Menschen nah ans Herz gehen lässt.“ (Thomas von Kempen)

 

EHRE GOTTES 

„Dem höchsten Gute allein gebührt die höchste Ehre. Gott ist das höchste Gut. Wer seine Ehre sucht, kann Gottes Ehre nicht suchen, wie der Heiland zu den Pharisäern sagte Joh. 5,44: Wie könnet ihr glauben, die ihr Ehre von einander nehmet? Christi Vorbild siehe an und folge ihm nach. Wiederholt bezeuget er von sich, dass er nicht seine Ehre suche Joh. 8,50, dass er nicht Ehre von Menschen nehme Joh. 5,41, dass er von Herzen demütig sei Matth. 11,29. Alle deine Gaben empfängst du von Gott; alle gib also Gott auch wieder. Alle Bächlein der Güter fließen aus dieser Quelle der göttlichen Güte; darum sind auch alle Güter wieder in dieses Meer zu versenken. Die Pflanzen, welche Sonnenwende heißen, richten sich immer nach dem Laufe der Sonne, von der sie Leben und Saft empfangen: so wende dich mit allen deinen Gaben und mit aller deiner Ehre zu Gott, und gib dir nichts. Hast du etwas von dir, so magst du deine Ehre suchen und dir selbst deine Gaben geben: aber weil du nichts von dir, alles vielmehr von Gott hast, darum musst du auch nicht deine, sondern Gottes Ehre suchen.“ (Johann Gerhard)

 

„Wer mich ehret, den will ich auch ehren.“ 1 Sam. 2,30. Mache ich die Ehre Gottes zum großen Zweck meines Lebens und zur Regel meines Verhaltens? Wenn das, so will er mich ehren. Ich mag eine Zeitlang keine Ehre von Menschen empfangen, aber Gott selber wird mir in sehr wirksamer Weise Ehre antun. Am letzten Ende wird sich finden, dass es der sicherste Weg zur Ehre ist, wenn man willig ist, um des Gewissens willen Schmach zu leiden (…). Gott mag dem Gottlosen gestatten, weltliche Ehren zu gewinnen; aber die Würde, welche er selbst gibt, nämlich Preis und Ehre und unvergängliches Wesen, behält er für diejenigen auf, die Sorge tragen, ihn zu ehren. Was kann ich heute tun, den Herrn zu ehren? Ich will seinen Ruhm fördern durch mein mündliches Zeugnis und durch meinen tatsächlichen Gehorsam. Ich will ihn auch mit meinen Gütern ehren und indem ich ihm irgend einen besonderen Dienst darbringe. Lasst mich niedersitzen und nachdenken, wie ich ihn ehren kann, da er mich ehren will.“ (Charles H. Spurgeon)

 

EINFALT

„Wo das Einfalt heißt, dass wir dasjenige nicht zu forschen begehren, was Gott nicht geoffenbaret hat, sodann unsere Vernunft nicht Meister sein lassen in Glaubenssachen, so ist solche Einfalt rühmlich und nötig: wo aber für Einfalt gehalten wird, dass der Mensch sich nicht befleiße, immer in der Erkenntnis zu wachsen, welches eine Unwissenheit, Faulheit und Undankbarkeit gegen göttliche Offenbarung ist, so sollen wir trachten nicht einfältig, sondern weise und verständig zu sein, und durch Gewohnheit zu haben geübte Sinne zum Unterschied des Guten und Bösen, Hebr. 5,14.“ (Philipp J. Spener)

 

„Selig die Einfalt, welche die schwierigen Wege der Untersuchungen verlässt, und auf dem ebenen und festen Pfad, der Gebote Gottes einherwandelt. Schon Viele büßten die Andacht ein, da sie das Höhere ergründen wollten. Glaube wird von dir gefordert und ein reines Leben; nicht hoher Verstand, noch tiefe Erkenntnis der Geheimnisse Gottes. Wenn du nicht verstehest und begreifest, was unter dir ist: wie wirst du fassen, was über dir ist? Unterwirf dich Gott, und demütige deinen Sinn unter den Glauben, und es wird dir gegeben werden das Licht der Erkenntnis, soweit es dir ersprießlich und nötig ist.“ (Thomas von Kempen)

 

„Der Weg der Heiligkeit ist so gerade und deutlich, dass die einfachsten Seelen nicht irregehen können, wenn sie ihm beständig folgen. Die Weltlich-Weisen haben viele Windungen und Krümmungen, und dennoch machen sie schreckliche Versehen und verfehlen gewöhnlich ihr Ziel. Weltliche Klugheit ist eine armselige, kurzsichtige Sache, und wenn die Menschen diese als ihren Weg wählen, so führt der sie über dunkle Berge. Begnadigte Seelen wissen nichts Besseres zu tun, als das, was der Herr sie heißet; und dies hält sie auf des Königs Hochweg und unter königlichem Schutze. Möge der Leser keinen Augenblick versuchen, sich durch eine Falschheit oder eine zweifelhafte Handlung aus einer Schwierigkeit herauszuziehen; möge er hingegen mitten auf dem Hochwege der Wahrheit und Lauterkeit bleiben dann wird er die beste, nur mögliche Bahn verfolgen. In unsrem Leben dürfen wir nie kreisförmig segeln, noch an listige Ausflüchte denken. Sei gerecht und fürchte dich nicht. Gehorche Jesu und achte nicht auf schlimme Folgen. Wenn das schlimmste der Übel durch Unrechttun vermieden werden könnte, so würden wir, indem wir dies versuchten, in ein Übel hineingeraten, das schlimmer wäre als irgend ein andres sein könnte. Gottes Weg muss der beste sein. Folge ihm, ob auch Menschen dich für einen Toren halten, dann wirst du wahrhaft weise sein.“ (Charles H. Spurgeon)

 

EINIGKEIT

„Seid fleißig, zu halten die Einigkeit des Geistes, durch das Band des Friedens. Ephes. 4,3. Dieweil die höchste Stärke aus der Einigkeit kommt, die Schwachheit aber aus der Spaltung; so folgt, dass, je größer die Einigkeit ist, je größer ist die Stärke. Damit aber die Einigkeit unter den Christen groß werde, so muss dieselbe ihren Ursprung nehmen aus der Einigkeit mit Gott. Je mehr nun ein Christenmensch mit Gott vereinigt ist durch die Liebe, je größer auch die Einigkeit unter den Christen wird. Denn wer mit Gott vereinigt ist durch die Liebe, oder wer Gott herzlich liebt, der wird auch mit seinem Nächsten nicht unvereiniget bleiben, denn es ist unmöglich, dass einer sollte Gott lieben, und sollte den hassen, welchen Gott so herzlich liebt. Ja, je mehr er Gott liebt, je mehr wird er auch denselben lieben, den Gott liebet. Je mehr nun ein Mensch den andern liebet, je mehr wird er mit ihm vereinigt. Diese Einigkeit wird so lange währen, so lange die Liebe währet; die Liebe aber kann und muss immer währen, so bleibt die Einigkeit auch, und je mehr die Liebe zunimmt, je stärker die Einigkeit wird; daraus entsteht dann eine unüberwindliche Stärke.“ (Johann Arndt)

 

EINSAMKEIT

„Viele suchen die Gemeinschaft aus Furcht vor der Einsamkeit. Weil sie nicht mehr allein sein können, treibt es sie unter die Menschen. Auch Christen, die nicht allein mit sich fertig werden können, die mit sich selbst schlechte Erfahrungen gemacht haben, hoffen in der Gemeinschaft anderer Menschen Hilfe zu erfahren. Meist werden sie enttäuscht und machen dann der Gemeinschaft zum Vorwurf, was ihre eigenste Schuld ist. Die christliche Gemeinschaft ist kein geistliches Sanatorium. Wer auf der Flucht vor sich selbst bei der Gemeinschaft einkehrt, der missbraucht sie zum Geschwätz und zur Zerstreuung, und mag dieses Geschwätz und diese Zerstreuung noch so geistlich aussehen. In Wahrheit sucht er gar nicht die Gemeinschaft, sondern den Rausch, der die Vereinsamung für kurze Zeit vergessen lässt und gerade dadurch die tödliche Vereinsamung des Menschen schafft. Zersetzung des Wortes und aller echten Erfahrung und zuletzt die Resignation und der geistliche Tod sind das Ergebnis solcher Heilungsversuche. WER NICHT ALLEIN SEIN KANN, DER HÜTE SICH VOR DER GEMEINSCHAFT. Er wird sich selbst und der Gemeinschaft nur Schaden tun. Allein standest du vor Gott, als er dich rief, allein musstest du dem Ruf folgen, allein musstest du dein Kreuz aufnehmen, musstest du kämpfen und beten, und allein wirst du sterben und Gott Rechenschaft geben. Du kannst dir selbst nicht ausweichen; denn Gott selbst hat dich ausgesondert. Willst du nicht allein sein, so verwirfst du den Ruf Christi an dich und kannst an der Gemeinschaft der Berufenen keinen Anteil haben. „Wir sind allesamt zum Tode gefordert und wird keiner für den andern sterben, sondern ein jeglicher in eigener Person für sich mit dem Tod kämpfen … ich werde dann nicht bei dir sein, noch du bei mir“ (Luther). Umgekehrt aber gilt der Satz: WER NICHT IN DER GEMEINSCHAFT STEHT, DER HÜTE SICH VOR DEM ALLEINSEIN. In der Gemeinde bist du berufen, der Ruf galt nicht dir allein, in der Gemeinde der Berufenen trägst du dein Kreuz, kämpfst du und betest du. Du bist nicht allein, selbst im Sterben und am jüngsten Tage wirst du nur ein Glied der großen Gemeinde Jesu Christi sein. Missachtest du die Gemeinschaft der Brüder, so verwirfst du den Ruf Jesu Christi, so kann dein Alleinsein dir nur zum Unheil werden. „Soll ich sterben, so bin ich nicht allein im Tode, leide ich, so leiden sie (die Gemeinde) mit mir“ (Luther). Wir erkennen: nur in der Gemeinschaft stehend können wir allein sein, und nur wer allein ist, kann in der Gemeinschaft leben. Beides gehört zusammen. Nur in der Gemeinschaft lernen wir recht allein sein und nur im Alleinsein lernen wir recht in der Gemeinschaft stehen. Es ist nicht so, dass eins vor dem andern wäre, sondern es hebt beides zu gleicher Zeit an, nämlich mit dem Ruf Jesu Christi.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

EINWOHNUNG GOTTES

„Den … Trost gibt uns der schöne Spruch, Joh. 17,21. wie der Herr für uns gebeten, und was er von Gott erbeten, nämlich, dass wir in Christo, und Christus in uns bleiben möge. Nun spricht St. Johannes 1 Epist. 4,4. Der in euch ist, ist größer, denn der in der Welt ist. In einem jeden Christen wohnet Christus durch den Glauben. Dieser herrliche Gast ist gleichwohl bei dir, und wohnet in deiner Seele, wenn dich gleich der Satan noch so heftig anficht. Musste doch der Herr Christus selbst leiden, dass er vom Teufel versucht wurde, und war doch Gott in ihm, d. i. die ganze Fülle der Gottheit wohnete in ihm leibhaftig und persönlich, Kol. 2,9. Derohalben darfst du nicht gedenken, dass darum der Herr Christus nicht in dir sei, ob du gleich versucht wirst. Hast du nun den Herrn Christum bei dir, so laß den Satan immerhin stürmen, Christus wird sein Haus und Wohnung wohl erhalten. So ist auch der heilige Geist bei dir, welcher deiner Schwachheit hilft, und vertritt dich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen, Röm. 8,26. welches Seufzen du ja in deinem Herzen empfindest, und damit überzeugt wirst, dass der heilige Geist in dir ist, der auch nicht von dir weichen wird, wie der Herr spricht, Joh. 14,16. Ich will euch einen andern Tröster geben, der bei euch bleiben soll ewiglich. So hat auch Gott gesagt, dass er in den betrübten Herzen wohne.“ (Johann Arndt)

 

„Ich will in ihnen wohnen, und in ihnen wandeln, und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.“ 2 Kor. 6,16. Hier ist ein wechselseitiges Interesse. Eines gehört dem andren. Gott ist das Teil seines Volkes, und das erwählte Volk ist das Teil seines Gottes. Die Heiligen finden in Gott ihr vorzüglichstes Besitztum, und er hält sie für einen besonderen Schatz. Was für eine Fundgrube von Trost liegt in dieser Tatsache für jeden Gläubigen! Dieser glückliche Zustand wechselseitigen Interesses führt zu wechselseitigem Andenken. Gott wird immer an die Seinen denken, und sie werden immer an ihn denken. Heute will Gott alles für mich tun; was kann ich für ihn tun? Meine Gedanken sollten zu ihm eilen, denn er denket an mich. Ich will darauf achten, dass sie dies wirklich tun, und mich nicht mit dem bloßen Zugeständnis begnügen, dass sie es tun sollten. Dies führt weiter zu wechselseitiger Gemeinschaft. Gott wohnet in uns, und wir wohnen in ihm; er wandelt mit uns, und wir wandeln mit Gott. Glückliche Gemeinschaft dies!“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Gleichwie der Mensch durch die Sünde von Gott geschieden wird; also wird er durch wahre Bekehrung wieder mit Gott vereiniget. Gleich wie die Person Christi nicht kann getrennet werden, sondern die ewige Gottheit hat die menschliche Natur in Christo ihr also vereinigt durch ein unauflösliches Band, dass auch der Tod diese Vereinigung nicht hat trennen können, und also bleibt die menschliche Natur Christi ewig mit der Gottheit vereiniget, und mit Gottes Herrlichkeit erfüllet; also werden in der Bekehrung zu Gott, durch den Glauben und herzliches Vertrauen, die gläubigen Seelen also mit Gott vereiniget, dass sie weder Leben noch Tod scheiden kann, Röm. 8,38. Denn die dem Herrn anhangen, die werden ein Geist mit ihm, und Gott hat sich in Ewigkeit mit uns verlobet, 1 Kor. 6,17. Hos. 2,19. Ja, Jesus Christus, unser Herr, ist unser einiger Zeuge, und unser Buch des Lebens, darinnen wir sehen und lernen, dass wie seine menschliche Natur ewig mit Gott vereiniget ist, also auch alle Gläubigen.“ (Johann Arndt)

 

EITLES STREBEN

„Die Welt verheißt nur zeitliche und unbedeutende Güter und hat doch die eifrigsten Diener. Gott verheißt das allerhöchste und ewige Gut, und die Herzen der Menschen bleiben kalt und träge dabei. Die Unverständigen! Für nichtswürdige Dinge laufen sie sich müde, zanken und balgen sich auf niederträchtige Weise um ein Groschenstück, mühen und plagen sich Tag und Nacht, um irgendeine verheißene Kleinigkeit, ein täuschendes Nichts zu erhaschen. Aber, o Schande! Für ein Gut, das ewig währt, für eine Belohnung, die unschätzbar ist, für die höchste Ehre, für eine Herrlichkeit, die kein Ende nimmt, sich auch nur ein wenig zu bemühen, ach, dazu sind sie viel zu träge.“ (Thomas von Kempen)

 

„Seht an der Welt Spiel! Ich hatte einen Schatten umfangen, ich hatte mich einem Traume vermählt, ich hatte den Wahn erkoren. Ach, wo ist nun des Wahnes Bild, des Traumes Gelübde, des Schattens Gestalt? Hatte ich dich, o Welt, tausend Jahre besessen, wie wäre es nun als ein Augenblick dahin. Deine Natur ist ein Dahinscheiden: ich wähnte, ich hätte dich umfangen – ach wie bist du mir nun verschwunden! Wer dich nicht zuvor lässt, den lässt du, o Mörderin. So lebe nun wohl! Im Herrn habe ich Reichtum genug; Gewalt, so viel ich will. Hätte ein Mensch tausend Leben, sollte er sie daran wagen, um Gottes Liebe zu erwerben, der unser Herz haben will. Nie hat ein durstiger Mund sich so heiß nach einem kühlen Brunnen, noch ein sterbender Mensch sich nach den fröhlichen Lebenstagen gesehnt, als er sich sehnt, den Sündern zu helfen. Eher mag man die vergangenen Tage wiederbringen, eher alle verdorrten Blumen wieder grün machen, und alle Regentröpflein wieder sammeln, ehe man seine Liebe zu allen Menschen ermessen mag.“ 

Suso (+1366) 

 

„Ich sehe, wie das Geschlecht der Menschen vom Aufgang bis zum Niedergang der Sonne den Markt dieser Welt durchstreift. Einige suchen nach Reichtümern, andere nach Ämtern und Würden, noch andere nach eitlem Ruhm? Was soll ich von den Reichtümern sagen? Werden sie nicht mit Mühe erworben, mit Furcht besessen und mit Schmerz verloren? Siehe, welche Arbeit machst du dir um vergänglicher Güter willen! Obwohl du nach des Weisen Ausspruch nur drei Finger breit vom Tod bist, fährst du über das Meer, fliehst das Vaterland, lässt die Eltern, scheidest von Weib und Kind, vergisst alle Bande der Freundschaft, um zu suchen, was du sammelst, um zu sammeln, was du verlierst, um zu verlieren, was du beklagst. Menschenkinder, wie lange wollt ihr trunken sein, wie lange wollt ihr das Eitle lieben? Was soll ich von großen Würden sagen? Du bist in ein hohes Amt gesetzt, man hat dich an die Spitze bedeutender Angelegenheiten gestellt. Welche Rechenschaft wird Gott von dir fordern, wie wirst du von Menschen beobachtet, wie tritt alles auf, um gleichsam an dir zu ziehen und zu reißen! Wer kann auf Höhen ohne Wehen, in Würden ohne Bürden sein? Wo soll dein Ruhm herkommen, du Staubgeborener, du Bewohner der lehmernen Hütte, du unreines Gefäß? Nicht dir, nicht dir, dem Namen des Herrn gebührt Ehre. Kannst du auch deinen Ruhm suchen, ohne den Neid gegen dich aufzuwecken? Siehe auf die hin, über die du dich stellst und merke, wie vielen Samen der Missgunst du gestreut hast, wie man dich überall mit scheelen Blicken betrachtet. Was dir schmeichelt, bringt dir Hass; was dich hebt, drückt dich nieder. Das sind nun die Waren, um deren Ankauf sich die Toren mühen und plagen; der Weise aber dreht dem Kram seinen Rücken, bindet sich die Weltverleugnung darauf und geht davon.“ 

Bernhard (+1153) 

 

„O teuerste Seele, was ist das Weltliche anderes als ein eitler Traum, und was hat Stolz oder prunkender Reichtum seinen Freunden genützt? Vorübergegangen ist alles wie ein Schatten, wie ein Schiff, welches durch wogendes Wasser fuhr, ohne dass man seine Spur finden könnte. Wo sind die Fürsten der Völker und die geherrscht haben über die Tiere, so auf Erden sind? die Silber gesammelt und Gold gehäuft, Städte und Lager erbaut, Könige und Reiche in Schlachten besiegt haben? Wo ist Salomo mit seiner Weisheit, Alexander mit seiner Macht, wo Simson mit seiner Stärke, wo Absalon mit seiner Schönheit, wo der glorreiche Ahasverus, wo sind alle Kaiser mit ihrer Herrschaft? Was half ihnen der eitle Ruhm, die kurze Freude, die Macht der Welt, die große Dienerschaft, das Vergnügen des Fleisches, der trügliche Reichtum und das lockende Gelüst? Wo ist nun ihr Lachen, ihre Prahlerei und ihre Anmaßung? Darum: Adel der Geburt, Schönheit des Körpers, Blüte der Jugend, Pracht der Paläste, ja selbst die Weisheit dieser Welt – solches alles ist von der Welt und kann nicht lange bestehen. „Bist du klug,“ sagt Bernhard, „so höre auf, dem nachzujagen, das zu erreichen, traurig ist, dessen Besitz belästigt, dessen Liebe befleckt, dessen Verlust ängstet.“ 

Bonaventura (+1274) 

 

„Sauer, o Herr, wird mir dieses Lebens kummervolle Pilgerreise. Ist es doch ein elendes und hinfälliges, ein ungewisses, geplagtes und beflecktes Leben, das Unglück und Stolz in seinem Gefolge hat, voll von Jammer und Irrtum, eher Tod als Leben zu nennen. Durch Schmerzen wird es geschwächt, durch Hitze versiegt es, die Luft trägt ihm Krankheit zu, Speisen bringen ihm Überfüllung, Fasten Entkräftung, Ausgelassenheit wie Traurigkeit verzehren es. Durch Kummer wird es überreizt, durch Sorglosigkeit stumpf gemacht; Reichtümer stellen es zu hoch, Armut drückt es zu tief darnieder. Und auf dieses ganze Elend folgt der grausame Tod und macht allen Freuden desselben auf einmal so ein Ende, dass, wenn es aufgehört hat, man glauben möchte, es sei nicht da gewesen. Aber obwohl es an sich trüglich und bitter ist, wie dies selbst seinen blinden Liebhabern nicht entgehen kann, so tränkt es doch eine unendliche Menge von Toren aus dem goldglänzenden Becher, den es vor sich herträgt, und macht sie ganz taumelnd. Heil jenen Seltenen, die sich seiner Freundschaft entziehen und seine flüchtigen Freuden verachten, um nicht mit dem Betrüger zu Grunde zu gehen.“ 

Meditationes (Augustini) 

 

ELTERN 

„Wie und warum sollen wir sie in Ehren halten? Dass wir erkennen, was Gott durch dieselben uns erweise oder erwiesen habe, dass also gar eine große Liebe Gottes in solcher Verordnung zum Besten des menschlichen Geschlechts stecke, und dass sie diejenigen seien, in denen Gott von uns wolle geehrt sein: daher sollen wir sie im Herzen hoch achten, und äußerlich ihnen in Wort und Werken demütig und ehrerbietig begegnen, wissend, was wir ihnen für Ehre oder Verachtung antun, solches geschehe Gott selbsten in ihnen.“ (Philipp J. Spener)

 

ENGEL  

„Die Engel sind geschaffene, also endliche Wesen; geistige, also persönliche und körperlose, d. h. auch ohne Körper vollständige Persönlichkeit besitzende Wesen.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die Engel sind geistige Wesen, von Gott nach seinem Bilde geschaffen, nämlich mit höchster Vollkommenheit, Weisheit, Gerechtigkeit und Heiligkeit, damit sie Gott dienen, die Auserwählten bewahren, und endlich der ewigen Seligkeit genießen.“ (Leonhard Hutter)

 

„Was sind denn die Engel? Sie sind ihrem Wesen nach Geister, und ohne Leib, sind auch deswegen nicht sichtbar noch begreiflich, es sei denn, dass sie sichtbare Gestalt und Leiber, auf eine Zeitlang darinnen zu erscheinen und Gottes Befehl auszurichten, angenommen haben: wie dergleichen Exempel in der Schrift Alten und Neuen Testaments unzählig viel sind.“ (Philipp J. Spener)

 

ERGEBUNG

„Lehre mich, o Herr, in aller Gelassenheit und kindlicher Abhängigkeit von dir leben, dass ich mit demütigem Dank empfange das, was du gibst; aber nicht ergreifen, nicht verlangen, nicht behalten wolle, was du nicht gibst oder mich behalten lässest. Oh, dass ich in deiner göttlichen Hand sein möchte wie ein weiches Wachs, das sich beugen lässt in alle nur beliebige Formen und keine andere als nur diejenige Gestalt annimmt, die sein Meister ihm gibt! Ich will so sein, wie du mich machst, und nicht anders; und ich will wohl entbehren, was du entweder nicht gibst, oder was du, nachdem du es gegeben hast, wieder wegnimmst: um nur zu ruhen in dir selbst und in deinem heiligen Wohlgefallen.“ (Gerhard Tersteegen)

 

„So gar sollte der Mensch Gott ergeben und gelassen sein, welches ein bloß lauter Leiden des göttlichen Willens, dass man Gott alles in sich lässt wirken, und seinem eigenen Willen absagt. Und das heißt, Gott ganz gelassen sein, nämlich, wenn der Mensch ein bloß, lauter, reines, heiliges Werkzeug Gottes und seines heiligen Willens ist, und aller göttlichen Werke, also, dass der Mensch seinen eigenen Willen nicht tue, sondern sein Wille sollte Gottes Wille sein; dass der Mensch keine eigene Liebe habe, Gott sollte seine Liebe sein; keine eigene Ehre, Gott sollte seine Ehre sein; er sollte keinen eigenen Reichtum haben, Gott sollte sein Besitz und Reichtum sein, ohne alle Kreatur- und Weltliebe. Also sollte nichts in ihm sein, leben und wirken, denn Gott ganz allein. Und das ist die höchste Unschuld, Reinigkeit und Heiligkeit des Menschen.“ (Johann Arndt) 

 

„Ich bin nur ein schlichtes einfältiges Werkzeug. Gott tue und mache, was er will. Was er will, das will ich auch; und was er nicht will, das will ich auch nicht. Will er, dass ich es soll wissen, so will ich es wissen; will er aber nicht, so will ich auch nicht. Ich will nichts und tot sein, auf dass er in mir lebe und wirke, was er will.“ (Jakob Böhme)

 

„Was ist die Gelassenheit? Wann ein Mensch mit Verleugnung, Verachtung und Hintansetzung seiner selbst und alles dessen, was er sonst Liebes hat in dieser Welt, sich ledig und bloß dem heiligen Willen Gottes ergibt, dass selbiger nach seinem Wort in und mit ihm schaffe, wirke und tue, was vor ihm gefällig ist.“ (Philipp J. Spener)

 

ERHALTUNG

„Die ganze Kreatur ruft dem Menschen zu: Nimm hin die Wohltaten deines Schöpfers, die er dir durch uns gibt, diene und danke ihm täglich dafür. Der Himmel spricht: Ich gebe dir mein Tageslicht zum Arbeiten und die Finsternis zum Schlaf und zur Ruhe. Ich gebe dir den lieblichen Frühling, den warmen Sommer, den fruchtbaren Herbst und den kalten Winter – alles zu deinem Besten. Die Luft spricht: Ich gebe dir den Odem und die wunderbare Art der mancherlei Vögel. Das Wasser spricht: Ich gebe dir deinen Trank, reinige dich und gebe dir mancherlei Arten der Fische. Die Erde spricht: Ich trage dich, ich nähre dich, gebe dir Brot, Wein, Fleisch. Siehe, wie lieb dich der hat, der dich erschaffen hat und mich dir zu gut gemacht. So viele Wohltaten du empfängst, so viel bist du zum Dank verpflichtet dem Schöpfer.“ (Johann Arndt)

 

ERLEUCHTUNG

„Die Erleuchtung besteht darin, dass der Heil. Geist durch das Evangelium das Herz eines Sünders mit der seligmachenden Erkenntnis der Gnade Gottes in Christo erfüllt.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die vocatio (Berufung) würde vergeblich sein, wenn nicht der h. Geist auch dahin wirkte, dass das Evangelium dem Menschen in seinem rechten Licht und in seiner rechten Bedeutsamkeit erschiene; dies ist es aber, was gleichfalls nur durch Wirkung des hl. Geistes geschehen kann, da dem natürlichen Menschen alles Geistliche eine Torheit ist, und er es nicht erkennen kann, und da vielmehr allerlei Vorurteile und Zweifel ihn an rechtem Verständnis des Geistlichen hindern. – Darum geht auch die weitere Wirkung des hl. Geistes dahin, dass er diese Torheit des natürlichen Menschen überwinde, die Zweifel und Vorurteile beseitige und eine rechte Erkenntnis und Einsicht in das Wesen und die Bedeutung des Ev. ihm beibringe. Es handelt sich da also nicht allein um eine äußere Kenntnis der christlichen Heilslehre, welche auch ohne Wirkung des hl. Geistes zu Stande kommen kann, sondern um eine innere Erkenntnis, darum also, dass dem Menschen der Sinn aufgehe für die rechte Schätzung des Evangeliums, dass alle Hindernisse beseitigt werden, welche ihm den Heilsratschluss Gottes verhüllten und dass es ihm innerlich klar werde, wie er in solchem Sünden-Elende, als die hl. Schrift sagt, sich befinde, und wie ihm eine Hilfe dafür und ein Trost in der Gnade in Christo gesetzt sei.“ (Heinrich Schmid)

 

„Spät habe ich dich erkannt, du wahres Licht, spät habe ich dich erkannt. Eine große und dunkle Wolke schwebte vor meinen eitlen Augen, dass ich die Sonne der Gerechtigkeit nicht schauen konnte. Mit Finsternis war ich umzogen; ein Kind der Finsternis, liebte ich meine Finsternis, weil ich vom Licht nichts wusste. Blind war ich und liebte die Blindheit; von Dunkel zu Dunkel wandelte ich. Wer hat mich von da herausgeführt, wo ich saß in Finsternis und Schatten des Todes? Wer ergriff meine Hand, mich zu erretten? Ich suchte ihn nicht, ich rief ihn nicht, aber er suchte mich, er rief mich. Wer war es doch? Du bist es gewesen, Herr mein Gott, liebreich und gnädig, ein Vater des Erbarmens und Gott alles Trostes. Du riefst mit gewaltiger Stimme von oben herab in das Ohr meines Herzens: Es werde Licht! Und es ward Licht, jene große Wolke zerstreute sich und verschwand. Ich sah dein Licht und erkannte deine Stimme und sprach: Wahrhaftig bist du, o Herr, mein Gott, du hast mich berufen zu deinem wunderbaren Licht, und siehe, ich sehe. Und ich ward bekehrt und tat einen Blick in die Finsternis, in der ich gewandelt, in den Abgrund, darin ich gelegen. Da erschrak ich und sprach mit Zittern: Wehe jener Finsternis, wehe jener Blindheit, wo ich den Himmel nicht erblicken konnte; wehe der Unwissenheit, wo ich von dir nichts wusste, o Herr. Ich danke dir, du mein Erretter, dass du mich erleuchtest hast. Spät habe ich dich erkannt, du alte Wahrheit, spät habe ich dich erkannt, du ewige Wahrheit!“ 

Soliloquia (Augustini) 

 

ERLÖSUNG

„Gott hat unsere Sünden nicht auf uns gelegt, sondern auf seinen Sohn Christum, damit wir, indem die Strafe auf ihm läge, Frieden hätten, und wir durch seine Wunden geheilt würden (Jes. 53,5.). Darum können sie nicht durch uns hinweggenommen werden, und das bezeugt die ganze Schrift, und wir bekennen und beten es auch im christlichen Glauben, da wir sprechen: Ich glaube an Jesum Christum, Gottes Sohn, der für uns gelitten hat, gekreuzigt und gestorben ist. Hieraus ist offenbar, dass die Lehre des Evangelii, die allerlieblichste Lehre und die so überaus voll ist des reichsten Trostes, nicht predige von unseren oder des Gesetzes Werken, sondern von der unbegreiflichen und unaussprechlichen Barmherzigkeit und Liebe Gottes gegen uns unwürdige und verlorene Menschen, nämlich, dass der barmherzige Vater, da er sah, dass wir durch den Fluch des Gesetzes unterdrückt und so darunter gehalten würden, dass wir uns selbst mit unseren Kräften niemals daraus hätten befreien können, seinen eingebornen Sohn in die Welt gesandt und alle Sünden aller Menschen auf ihn gelegt habe und gesagt: Du sollst Petrus sein, der da verleugnet hat; Paulus, der da verfolgt, gelästert und Gewalt geübt hat; David, der die Ehe gebrochen hat; der Sünder, der den Apfel im Paradiese gegessen hat; der Schächer am Kreuze: kurz, du sollst die Person sein, die alle Sünden aller Menschen getan hat; gedenke also, dass du bezahlest und für sie genugtuest. Da kommt das Gesetz und spricht: Ich finde ihn als einen Sünder, und zwar einen solchen, der die Sünden aller Menschen auf sich genommen hat, und ich sehe außerdem keine Sünde als allein auf ihn, darum soll er am Kreuze sterben; und so greift es ihn an und tötet ihn. Da dies geschehen ist, ist die ganze Welt von allen Sünden gereinigt und gesühnt, also auch befreit vom Tode und von allem Übel. Nachdem nun aber Sünde und Tod durch diesen Einen Menschen hinweggenommen sind, so könnte doch Gott in der ganzen Welt, zumal wenn sie glaubte, nichts Anderes mehr sehen als lauter Reinheit und Gerechtigkeit, und wenngleich noch etliche Überbleibsel der Sünde blieben, so würde doch Gott sie nicht sehen vor jener Sonne, Christo.“ (Martin Luther) 

 

„Gott selbst hat mit seinem Blute das menschliche Geschlecht erlöst Ap. Gesch. 20,28. Wer kann die Größe dieses Geheimnisses fassen? Der höchste Schöpfer war beleidigt, und das Geschöpf machte sich keine Sorge über die Herstellung des Friedens und über die Versöhnung. Derselbe, der beleidiget war, nimmt das Fleisch des Geschöpfes an und wird der Versöhner. Der Mensch hatte Gott verlassen, und zu dem Feinde Gottes, dem Teufel sich gewendet; aber derselbe, der verlassen war, sucht bekümmert den, der ihn verlassen hat, und ladet ihn auf das Freundlichste wieder zu sich ein. Der Mensch war von jenem unendlichen Gute gewichen und hatte sich in das unendliche Übel gestürzt, aber eben jenes unendliche Gut gibt einen unendlichen Erlösungspreis und befreit das Geschöpf von jenem unendlichen Übel. Übersteigt nicht diese unendliche Barmherzigkeit allen endlichen Verstand und Gedanken des Menschen?“ (Johann Gerhard) 

 

„O ewiger und allmächtiger Gott, ich bin dir den größten Dank schuldig, dass du mich erschaffen hast, da ich nichts war; aber noch weit größern, dass du mich erlöset hast, da ich verloren und verdammt war! Ich lag in der Hölle Rachen; du hast mich durch das Blut deines Sohnes herausgezogen. Ich war ein Eigentum Satans; aber deine Gnade hat mich aus dem Reich des Teufels erlöst, und in das Reich Christi versetzt. Ich bin mich ganz dir schuldig, denn du hast mich ganz gebildet. Meine Zunge soll dich beständig loben, weil du sie mir gegeben hast. Mein Mund soll immerdar dein Lob verkündigen, weil er von dir Luft und Odem holt. Mein Herz soll mit beständiger Liebe dir anhangen, weil du es gebildet hast. Alle Glieder sollen zu deinem Dienste bereit sein, weil du sie alle, wie viel und wie groß sie auch sind, wunderbar bereitet hast. Wenn ich schon zuvor mich ganz dir schuldig bin, weil du mich ganz gemacht hast, was wird’s sein, das ich dir für die Erlösung aus meiner Knechtschaft und Gefangenschaft vergelten könnte? Das verlorne Schäflein hast du den Krallen des höllischen Wolfes entrissen; den entflohenen Knecht hast du aus dem Kerker des Teufels gezogen; den verlornen Groschen hast du ängstlich gesucht. In Adam bin ich gefallen, du hast mich aufgerichtet; in Adam bin ich mit Banden der Sünde gefangen worden, du hast mich von ihnen erlöst; in Adam bin ich verloren worden, du hast mich wieder erretten wollen. Wer bin ich armer Wurm, dass du für meine Erlösung so besorgt, und zu meinem Heile so wunderbar freigebig sein wolltest? Wenn du die ersten Menschen, unsere Stammeltern, nach dem Falle ganz von dir verworfen, und sie zugleich mit allen ihren Nachkommen von dem Anblick deiner Herrlichkeit entfernt und bis in die unterste Tiefe der Hölle hinabgestürzt hättest, so könnte sich niemand von uns mit Recht beklagen, dass ihm Unrecht geschehen wäre; denn sie und auch wir hätten empfangen, was unsere Taten wert sind. Was konnten wir weiter von dir fordern oder erwarten, der du uns zu deinem Bilde geschaffen, und mit Kräften versehen hattest, die zur Bewahrung der Unschuld ausreichten? Aber nun erzeigest du deine unbegreifliche und unaussprechliche Liebe gegen uns, dass du deinen Sohn den ersten Eltern nach dem Fall als Erlöser versprichst, und denselben in der Fülle der Zeit uns sendest, und durch ihn aus dem Tode zum Leben, aus den Sünden zur Gerechtigkeit, aus der Hölle zur himmlischen Herrlichkeit uns zurückrufst. O Liebhaber der Menschen, der seine Lust bei den Menschenkindern hat, wer kann diese Menschenliebe würdig preisen? ja, wer kann sie würdig genug mit dem Verstande erfassen? Das ist der unbegreifliche Reichtum deiner Güte, das ist der unermessliche Schatz deiner Güter, den unsere Armut oder Einsicht nicht fasst. War der Knecht so wert, dass der Sohn zu seiner Erlösung in den Tod gegeben werden musste? War der Feind so zu lieben, dass du ihm den geliebtesten Sohn zum Erlöser bestimmt hast? Meine Seele staunt, wenn sie diese Wohltat erwägt, und wird ganz hingenommen und zerfließet in Liebe zu dir! Amen.“ (Johann Gerhard)

 

„Blind war die Menschheit geworden und hatte beide Augen, den Sinn für das Gesetz und den Sinn für die Erkenntnis Gottes verloren; taub war sie geworden, denn sie hörte nicht auf Gottes Stimme; lahm, denn sie konnte den Weg des Glaubens und der Tugend nicht gehen, stumm, denn Satan hatte ihren Mund verschlossen. Sie dachte nicht mehr an Gott und lobte ihn nicht mehr. Und was singt, was redet doch einer, der Zions Lied, das neue Lied nicht anstimmt? Da aber Immanuel kam, hat er den Nebel der Sünde und Unwissenheit, der sich über den Weltkreis gelagert hatte, zerteilt, hat die Augen der Blinden und die Ohren der Tauben geöffnet, hat den Lahmen zu einem geistlichen Aufschwung verholfen, nämlich vom Laster zur Tugend, von der Erde zum Himmel; hat die Zungen der Stummen zum Lobe Gottes gelöst. Er ist gekommen, und kommt noch immerfort bis ans Ende der Tage, denn sein Reich ist ein ewiges Reich.“ 

Hildebert (+1134) 

 

ERNST

„Wie du scheinen willst, so musst du auch sein; denn Gott richtet nicht nach dem Schein, sondern nach der Wahrheit. In Worten hüte dich vor vielem Reden, denn von jedem unnützen Wort wird das Gericht Rechenschaft fordern Matth. 12,36. Deine Werke, welcher Art sie auch immer sein mögen, vergehen nicht, sondern werden ausgestreut gleichwie Samenkörner für die Ewigkeit. Wenn du auf das Fleisch säest, so wirst du vom Fleische das Verderben ernten; wenn du auf den Geist säest, so wirst du vom Geiste das ewige Leben ernten Gal. 6,8. Die Ehren der Welt werden dir nicht folgen nach dem Tode, und die Menge des Reichtums wird dir nach dem Tode nicht folgen; die Vergnügungen werden dir nicht folgen, und die Eitelkeiten der Welt werden dir nicht folgen, aber wenn das Leben mit allen seinen Führungen zu Ende ist, werden dir alle deine Werke nachfolgen Joh. 14,13. Wie du also im Gericht sein willst, so stelle dich heute dar vor dem Angesichte Gottes. Siehe nicht auf das, was du hast, sondern siehe vielmehr auf das, was dir fehlt. Sei nicht stolz auf das, was dir gegeben ist, sondern sei vielmehr demütig um deswillen, was dir versagt ist. Lerne leben, so lange dir zu leben noch vergönnt ist. In dieser Zeit wird das ewige Leben erlangt oder verloren. Nach dem Tode ist keine Zeit mehr zum Wirken, sondern es beginnt die Zeit der Vergeltung.“ (Johann Gerhard)

 

ERSTES GEBOT

„Was fordert der Herr im ersten Gebot? Dass ich bei Verlust meines Seelenheils und meiner Seligkeit alle Abgötterei, Zauberei, abergläubische Segen, Anrufung der Heiligen oder anderer Kreaturen meiden und fliehen soll, und den einigen, wahren Gott recht erkennen, ihn allein vertrauen, in aller Demut und Geduld von ihm allein alles Gute erwarten und ihn von ganzem Herzen lieben, fürchten und ehren soll, so dass ich eher alle Kreaturen preisgebe, als in dem Geringsten wider seinen Willen handele.“ (Heidelberger Katechismus)

 

ERWÄHLUNG 

„Welche den gnädigen Willen Gottes nicht von sich stoßen, sondern erkennen, mit rechtem Glauben annehmen und darin bis ans Ende beharren, die hat Gott von Ewigkeit zum ewigen Leben verordnet, aus dem menschlichen Geschlecht erwählt und beschlossen, sie zur Seligkeit zu bringen. Die aber nicht glauben oder vom Glauben wieder abweichen, die hat er nicht erwählt, sondern in ihrem sündlichen Zustand verbleiben lassen, darin sie ewig verloren werden.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Diese Erwählung ist ein unveränderlicher Vorsatz Gottes, durch den er vor der Grundlegung der Welt aus dem gesamten Menschengeschlecht, das aus der ursprünglichen Gerechtigkeit durch eigene Schuld in Sünde und Verderben gefallen war, eine bestimmte Menge von Menschen, die weder besser noch würdiger als andere sind, sondern mit ihnen in demselben Elend verkehren, aus lauter Gnade zur Seligkeit auserwählt hat – in Christus, den er auch von Ewigkeit her zum Mittler und Haupt aller Auserwählten und zu einem Fundament der Seligkeit gesetzt hat. Und damit sie durch ihn selig gemacht würden, hat er auch beschlossen, sie ihm zu geben und vollmächtig zu seiner Gemeinschaft durch sein Wort und seinen Geist zu rufen und zu ziehen, oder sie mit dem wahren Glauben an ihn zu beschenken, sie zu rechtfertigen, zu heiligen und, nachdem sie in der Gemeinschaft seines Sohnes bewahrt sind, zuletzt zu verherrlichen zur Erweisung seiner Barmherzigkeit und zum Ruhme des Reichtums seiner herrlichen Gnade. Wie geschrieben steht: Gott hat uns erwählt in Christus, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir sollten heilig sein und unsträflich vor ihm.“ (Lehrregel von Dordrecht)

 

„Aber manche sagen: „Es ist hartherzig von Gott, einige zu erwählen und andere nicht.“ Nun, ich will euch eine Frage stellen: Gibt es unter euch einige, die heilig und von neuem geboren sein möchten, die wünschen, die Sünde zu lassen und in Heiligkeit zu leben? Ja, hier ist jemand. Er sagt: „Ich möchte.“ Dann hat Gott dich erwählt. Aber ein anderer sagt: „Nein, ich mag nicht heilig sein. Ich will meine Begierden und meine Laster nicht aufgeben.“ Warum solltest du dann murren, dass Gott dich nicht dazu erwählt hat? Denn wenn du erwählt wärest, dann würde es dir deinem eigenen Bekenntnis zufolge nicht gefallen. Wenn Gott dich zur Heiligkeit erwählt hätte, würdest du sagen, das kümmere dich nicht. Gibst du nicht selber zu, dass dir Trunkenheit lieber ist als Nüchternheit und Betrug lieber als Ehrlichkeit? Du liebst die Freuden dieser Welt mehr als das Glaubensleben. Warum solltest du dann murren, dass Gott dich nicht zum Glauben erwählt hat? Wenn du den Glauben liebst, hat er dich dazu erwählt. Wenn du Glauben wünscht, hat er dich dazu erwählt. Wenn nicht, mit welchem Recht forderst du dann von Gott etwas, was du gar nicht willst? Angenommen, ich hielte etwas in meiner Hand, was du nicht wertschätzt, und ich sagte dir, dass ich es jemand anderen geben werde. Dann hättest du kein Recht zu murren, dass ich es nicht dir gab. Du kannst nicht so töricht sein und darüber murren, dass andere etwas haben, was dich nicht interessiert. Nach eurem eigenen Bekenntnis wollen viele von euch keinen Glauben, kein neues Herz und keinen aufrichtigen Geist, wollen keine Sündenvergebung und keine Heiligung. Ihr wollt gar nicht dazu erwählt sein. Warum solltet ihr dann murren? Ihr achtet diese Dinge für leer und nichtig. Warum solltet ihr euch dann über Gott beklagen, wenn er sie denen gegeben hat, die er erwählt hat? Wenn du glaubst, dass diese Dinge gut sind und du sie dir wünschst, dann sind sie für dich. Gott gibt freigiebig allen, die es wünschen. Und zuerst und vor allem bewirkt er in ihnen den Wunsch, denn sonst würden sie diese Dinge niemals wünschen. Wenn du diese Dinge liebst, hat er dich dazu erwählt und du kannst sie haben. Wenn aber nicht – wer bist du, dass du Gott Ungerechtigkeit vorwirfst, wenn es doch dein eigener unbedingter Wille ist, der dich abhält diese Dinge zu lieben und dein eigenes Ich dich veranlasst, diese Dinge zu hassen? Angenommen, ein Mann auf der Straße sagt: Welche Schande, dass ich keinen Sitzplatz in der Gemeinde habe, um zu hören, was dieser Mann zu sagen hat. Und stell dir vor, er fährt fort: Ich hasse den Prediger. Ich kann seine Lehre nicht ertragen, aber es ist trotzdem eine Schande, dass ich keinen Sitzplatz habe. Würdet ihr erwarten, dass jemand so redet? Nein. Ihr würdet sofort sagen: Diesem Mann liegt nichts daran. Warum sollte er sich darüber ärgern, dass andere Leute etwas haben, was sie schätzen, er aber verachtet? Du magst keine Heiligkeit, du magst keine Gerechtigkeit. Wenn Gott mich für diese Dinge erwählt hat, hat er dich dann verletzt? (…). Wenn jemand von euch gern durch Jesus Christus errettet werden möchte, dann hat Jesus Christus dich zur Rettung erwählt. Wenn sich einige von euch das Heil wünschen, seid ihr dazu erwählt, wenn du es ernstlich und aufrichtig möchtest. Aber wenn du es nicht möchtest, warum in aller Welt solltest du dann so lächerlich töricht sein und murren, weil Gott das, was du nicht haben möchtest, anderen gibt?“ (Charles H. Spurgeon)

 

EVANGELIUM

„Alles Wort Gottes, welches den Übertretern des Gesetzes Huld und Gnade Gottes anbietet und von Christo, seinem Werk und Wohltaten redet, ist das Evangelium, welches den Zweck hat, in dem Sünder den Glauben zu wirken und ihn also der Vergebung der Sünden und des ewigen Lebens teilhaftig zu machen.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Das Evangelium ist die von Gott geoffenbarte Lehre, welche voll ist von Trost wegen der Barmherzigkeit Gottes, und der Vergebung der Sünden aus Gnaden durch und wegen des Verdienstes Christi, sobald es der Glaube ergreift.“ (Leonhard Hutter)

 

„Was ist das Evangelium? Die Lehre von der Gnade Jesu Christi, welcher das Gesetz zu unserer Seligkeit für uns erfüllet hat, und noch in uns erfüllet: wie auch die Lehre von dem Glauben, durch welchen wir dieser Gnade teilhaftig werden, und den verordneten Glaubensmitteln.“ (Philipp J. Spener)

 

„Hier ist der erste und Hauptartikel: Dass Jesus Christus, unser Gott und Herr, „um unserer Sünden willen gestorben und um unserer Gerechtigkeit willen auferstanden“ sei (Röm 4,25), und er allein „das Lamm Gottes ist, welches der Welt Sünde trägt“ (Joh 1,29), und „Gott unser aller Sünde auf ihn gelegt hat“ (Jes 53,6), ferner: „Sie sind allzumal Sünder und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung Jesu Christi in seinem Blut“ etc. (Röm 3,23-25). Dieweil nun solches geglaubt werden muss und sonst mit keinem Werk, Gesetz noch Verdienst erlangt oder gefasst werden kann, so ist es klar und gewiss, dass allein solcher Glaube uns gerecht mache, wie Röm 3,28 St. Paulus spricht: „Wir halten dafür, dass der Mensch gerecht werde, ohne Werke des Gesetzes durch den Glauben“, ferner: „Auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist des Glaubens an Jesus“ (Röm 3,26). Von diesem Artikel kann man nicht weichen oder nachgeben, es falle Himmel und Erde oder was nicht bleiben will; denn es „ist kein anderer Name den Menschen gegeben, dadurch wir können selig werden“, spricht St. Petrus (Apg 4,12). „Und durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jes 53,5). Und auf diesem Artikel steht alles, was wir wider den Papst, Teufel und Welt lehren und leben. Darum müssen wir dessen ganz gewiss sein und nicht zweifeln. Sonst ist's alles verloren und behält Papst und Teufel und alles wider uns Sieg und Recht.“ (Martin Luther)

 

EWIGES LEBEN 

„Unter dem ewigen Leben versteht die Schrift dies, dass Gott, das höchste Gut, unaufhörlich und ununterbrochen, in vollkommenster Weise alles in allem denen ist, die als bis zum Ende im Glauben beharrende von Christo im Jüngsten Gericht als die Seinen anerkannt sind.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die Auserwählten werden, durch die Herrlichkeit der Auferstehung erneuert, ohne alle Furcht des Todes, ohne allen Makel des sündlichen Verderbens des seligen Schauens Gottes genießen. Ich habe Gott von Angesicht gesehen, und meine Seele ist genesen 1 Mos. 32,30, ruft der Erzvater aus. Wenn ein Schauen Gottes, das nur einen Augenblick währte, eine so große Freude bereiten konnte, was wird das ewige Schauen Gottes vermögen? Wenn der Anblick Gottes, der in menschlicher Gestalt sich kund gab, einer Seele Genesung und Leben gebracht hat, so wird gewiss das Schauen desselben von Angesicht zu Angesicht ewiges Leben und ewige Seligkeit wirken. Was könnte also zu dieser Seligkeit noch weiter hinzukommen? Was werden die Auserwählten außer dem Schauen Gottes noch verlangen können? Dazu werden sie der seligsten und süßeste Gemeinschaft der Engel genießen. Und nicht bloß der Gemeinschaft derselben werden sie genießen, sondern sie werden auch ihnen gleich sein, nämlich an Beweglichkeit, Klarheit, Unsterblichkeit der Leiber (…). Wenn wir den Engeln gleich sein werden, so wird nicht mehr zu fürchten sein, dass wir durch die Unähnlichkeit der Sünden von ihnen getrennt werden. Das lumpige Kleid der sündigen Natur wird uns ausgezogen, und unsere Blöße mit dem Gewande des Heils bedeckt, und wir werden angetan werden mit dem weißesten Kleide der Unschuld Jes. 61,10. Dort wird niemand gekränkt, dort zürnt niemand, beneidet niemand, dort entbrennt keine Begierde, dort stachelt keine Sucht nach Ehre oder Gewalt auf. Von der Last der Sünden werden wir nicht beschwert werden, werden weder die Schandflecken der Sünden mit Tränen der Reue zu beweinen genötigt werden, noch auch weiter tödliche Wunden der Seele zu fürchten haben. Denn es hat überwunden der Löwe, der da ist vom Stamme Juda Off. Joh. 5,5; in seiner Kraft haben wir ganz überwunden.“ (Johann Gerhard)

 

EWIGKEIT GOTTES 

„Wenn wir die Ewigkeit von Gott aussagen, so behaupten wir, dass es für ihn bezüglich seiner Existenz, wie auch seines Wollens und Wirkens, den Unterschied der Zeit nicht gibt, und halten es für die beste Aussage, dass es für Gott nur ein ewiges Heute, eine ununterbrochene Gegenwart ohne Vergangenheit und Zukunft gibt.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Was heißt, dass Gott ewig sei? Dass er nie angefangen, auch nimmermehr aufhören werde, dass bei ihm nichts Vergangenes noch Künftiges, sondern alles gegenwärtig ist, und ohne einige Veränderung oder Wechsel der Zeit, unbeweglich und unaufhörlich bleibet.“ (Philipp J. Spener)

 

FEIERTAGSHEILIGUNG

„Weil wir Menschen, nachdem uns die Arbeit auferlegt ist, mit solchen Geschäften und auch nötigen anbefohlenen Sorgen gehindert werden, dass wir nicht fort und fort vermögen mit derjenigen Ruhe unserm Gott zu dienen, als solcher Sache Wichtigkeit erfordert, also will uns Gott unter sieben Tagen einen dazu absondern, dass wir an solchem an die Arbeit, mit der wir sonsten nach seinem Willen unser Leben zubringen sollen, aber zufälliger Weise dadurch an seinem unmittelbaren Dienst gehindert werden, nicht sollen gebunden, sondern frei sein, auf dass wir solchen Tag mit nichts anderm als mit Gott zu tun haben, ihm, von allem Zeitlichen ganz abgezogen, unmittelbar dienen, und ihn in uns dasjenige wirken lassen, worinnen er von uns und an uns geheiliget werden will.“ (Philipp J. Spener)

 

FEINDE 

„Den Menschen, der von Gott dir befohlen ist, liebe, wenn er’s verdient, denn er ist’s wert, dass du ihn liebst; ist er’s aber nicht wert, so liebe ihn gleichwohl, weil’s Gott verdient, dass du ihm gehorchst. Liebst du einen feindseligen Menschen, so zeigst du, dass du ein Freund Gottes bist. Achte nicht auf die Kränkungen, die ein Feindseliger dir zufügt, sondern achte auf die Wohltaten, die dir der zufließen lässt, der gebietet, dass du den Feind lieben sollst Matth. 5,44.45.“ (Johann Gerhard)

 

FLIEHEN

„Es verklagt mich Gott, der sehr strenge Richter, der allmächtige Vollzieher seines ewigen Gesetzes. Ihn kann ich nicht täuschen, denn er ist die Wahrheit selbst; ihm kann ich mich nicht entziehen, denn er herrschet allenthalben mit Gewalt. Wohin also soll ich fliehen? Zu dir, o lieber Christus, du unser einiger Erlöser und Seligmacher. Meine Sünden sind groß, aber deine Versöhnung ist größer; meine Ungerechtigkeit ist groß, aber deine Gerechtigkeit ist größer.“ (Johann Gerhard)

 

„Heiliger Gott, gerechter Richter, ich finde keinen Ort, dahin ich fliehen möchte vor dem Angesichte deines Zornes. Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mir in die Hölle, siehe so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde mich doch daselbst deine Hand führen und deine Rechte mich halten. Ps. 139,8-10. Zu Christo will ich darum fliehen, und in seinen Wunden mich verbergen.“ (Johann Gerhard)

„O barmherzigster Jesu, wem wirst du Jesus sein, wenn du nicht Jesus sein wirst den unseligen Sündern, welche nach Gnade und Heil verlangen? Die auf ihre Gerechtigkeit und auf ihre Heiligkeit vertrauen, die suchen den Grund des Heils in sich: ich aber, weil ich in mir nichts des ewigen Lebens Würdiges finde, nehme meine Zuflucht zu dir, dem Heilande. Den Verdammten erlöse, des Sünders erbarme dich, den Ungerechten rechtfertige, den Angeklagten sprich frei.“ (Johann Gerhard)

 

FORTSCHRITT

„Der Gedanke an ein progressives Evangelium scheint vielen Menschen großen Eindruck zu machen. Uns allerdings erscheint dieses Ansinnen wie eine Kreuzung zwischen Unsinn und Blasphemie. Nachdem sich das Evangelium als wirksames Mittel zur ewigen Errettung unzähliger Scharen erwiesen hat, scheint es für eine Änderung eigentlich zu spät zu sein. Und da es die Offenbarung des allweisen und unwandelbaren Gottes ist, erscheint es mir einigermaßen dreist, diese verbessern zu wollen. Wenn wir uns die Herrschaften in Gedanken vor Augen führen, die diese Verwegenheit vorgenommen haben, fühlen wir uns beinahe versucht, zu lachen, gleicht ihr Bemühen doch dem Versuch von Maulwürfen, das Licht der Sonne zu verbessern (...). Meinen die Menschen wirklich, dass es für jedes Jahrhundert ein eigenes Evangelium gibt? Oder alle fünfzig Jahre eine neue Religion?“ (C.H. Spurgeon)

 

FREIHEIT

„Was ist die christliche Freiheit? Sie ist das Recht, nach welchem die wahrhaft Gläubigen von der Knechtschaft der Sünde, der Tyrannei des Teufels, vom Fluch des Gesetzes und dem ewigen Tode, so auch von dem Joche der levitischen Zeremonien und Menschensatzungen durch Christum befreit sind.“ (Leonhard Hutter)

 

„Die Freiheit, die Christus den Gläubigen unter dem Evangelium erworben hat, besteht in dem Freispruch von der Schuld der Sünde, von dem verdammenden Zorn Gottes, dem Fluch des Sittengesetzes und in ihrer Befreiung von dieser gegenwärtigen bösen Welt, der Knechtschaft des Satans und der Herrschaft der Sünde, von dem Übel der Nöte, dem Stachel des Todes, dem Sieg über das Grab und die ewige Verdammnis, sowie in ihrem freien Zugang zu Gott und ihrem eifrigen Gehorsam gegen ihn, nicht aus knechtischer Furcht, sondern aus kindlicher Liebe und in einer Haltung herzlicher Bereitschaft.“ (Westminster Bekenntnis)

 

„Christus hat uns nicht bürgerlich, nicht fleischlich frei gemacht, sondern theologisch oder geistlich, das heißt, er hat uns so frei gemacht, dass unser Gewissen frei und fröhlich ist, und den künftigen Zorn nicht fürchtet. Dies ist die recht eigentliche und unschätzbare Freiheit, gegen deren Größe und Herrlichkeit die anderen Freiheiten (die weltliche und die fleischliche), wenn sie damit verglichen werden, kaum Ein Tröpflein oder Ein Stäublein sind. Denn wer kann das mit Worten ausreden, ein wie Großes es sei, dass jemand gewiss dafür halten kann, dass Gott weder zornig sei, noch jemals zornig sein werde, sondern dass er in Ewigkeit sein gnädiger und gütiger Vater sein werde um Christi willen? Das ist fürwahr eine große und unbegreifliche Freiheit, dass man diese höchste Majestät für sich habe, dass sie gnädig sei, schütze und helfe, und dass sie uns endlich auch nach dem Leibe so befreien werde, dass unser Leib, der da gesäet wird in Verweslichkeit, in Schmach und in Schwachheit, wieder auferstehe in Unverweslichkeit, in Herrlichkeit und Kraft. Darum ist es eine unaussprechliche Freiheit, dass wir frei sind von Gottes Zorn in Ewigkeit, die größer ist als Himmel und Erde und alle Kreaturen. Aus dieser Freiheit folgt eine andere, in welcher wir durch Christum sicher und frei gemacht werden von dem Gesetze, der Sünde, dem Tode, von der Gewalt des Teufels, der Hölle etc. Denn gleichwie der Zorn Gottes uns nicht schrecken kann, da Christus uns von demselben befreit hat, so können uns das Gesetz, die Sünde etc. nicht anklagen und verdammen; und wenngleich das Gesetz uns beschuldigt, und die Sünde uns schreckt, so können sie uns doch nicht in Verzweiflung treiben, weil der Glaube, der die Welt überwindet, alsbald sagt: Jene Dinge gehen mich nichts an, denn Christus hat mich von denselben befreit.“ (Martin Luther)

 

FREIHEIT GOTTES 

„Er ist Gott, für dessen Willen keine Ursache noch Grund da ist, der ihm als Regel und Maßstab vorgeschrieben werden könnte, da ihm nichts gleich oder höher ist, sondern er selbst (der Wille Gottes) ist die Regel für alles. Denn wenn es für ihn irgend eine Regel oder einen Maßstab gäbe, oder eine Ursache oder einen Grund, so könnte es schon nicht mehr Gottes Wille sein. Denn nicht darum ist das recht, was er will, weil er so wollen muss oder musste, sondern im Gegenteil, weil er so will, darum muss das recht sein, was geschieht. Für den Willen der Kreatur wird Ursache und Grund vorgeschrieben, aber nicht für den Willen des Schöpfers, es sei denn, du wolltest einen anderen Schöpfer über ihn setzen.“ (Martin Luther)

 

FREUDE

„Wem Gott und sein Wort wohl schmecket, dem mag nichts übel schmecken; und wem Gott und sein Wort nicht wohl schmecket, was mag der für Freude haben? Gott selbsten ist die Freude, die alle erschaffene Freude übertrifft. Er ist das ewige Licht, das alle erschaffene Lichter übertrifft. Der wolle mit seinem verborgenen Freudenschein unsere Herzen durchdringen, unsern Geist und alle Kräfte reinigen, erleuchten, erfreuen, verklären und lebendig machen. Wann wird dieselbe Stunde kommen, da uns Gott mit seiner Gegenwart, und mit allem, was er ist, ersättigen wird? Jes. 55,1.2. So lange solches nun nicht geschieht, wird in uns keine vollkommene Freude. Müssen derowegen mit den Brosamlein seines Trostes vorlieb nehmen, die von unsers Herrn Tische fallen, bis dass die rechte Freude des ewigen Lebens angeht, Matth. 15,27.“ (Johann Arndt)

 

„Freue dich im Herrn, und sei fröhlich, gläubige Seele, in deinem Gott! Denn er hat dich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet wie eine Braut, die mit Geschmeide geziert ist Jes. 61,10. Freue dich ob der Würde des Bräutigams, freue dich ob der Herrlichkeit des Bräutigams, freue dich ob der Liebe des Bräutigams! Seine Würde ist die höchste; denn er ist wahrhaftiger Gott, hochgelobet in Ewigkeit! Röm. 9,5. Wie groß ist also die Würde dieses Geschöpfes, nämlich der gläubigen Seele, weil sich der Schöpfer selbst mit ihr verloben will. Seine Herrlichkeit ist die höchste; denn er ist, der Schönste unter den Menschenkindern Ps. 45,3: sie sahen ja seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater Joh. 1,14 (…). Von welcher Erbarmung zeugt es also, dass jene höchste Schönheit die Seele der Sünder, die befleckt und verunstaltet ist, nicht unwert achtet sich zur Braut zu erwählen! Auf Seiten des Bräutigams ist die höchste Vollkommenheit, auf Seiten der Braut die höchste Unvollkommenheit; auf Seiten des Bräutigams die höchste Schönheit, auf Seiten der Braut die höchste Hässlichkeit; und doch ist die Liebe des Bräutigams zur Braut noch größer, als die der Braut zu dem herrlichsten und schönsten Bräutigam. Schaue an die unendliche Liebe deines Bräutigams, o gläubige Seele!“ (Johann Gerhard)

 

„Wo keine Liebe ist, da kann auch keine Freude sein, denn die Freude wird aus der Liebe geboren. Wie aber die Liebe ist, so muss auch notwendig die Freude sein. Ist nun die Liebe göttlich, so ist auch die Freude göttlich; ist die Liebe irdisch, und hängt am Irdischen, so ist die Freude irdisch. Hanget die Liebe Gott allezeit an, so wird sie sich allezeit in Gott erfreuen, und das ist ein Vorschmack des ewigen Lebens. Wäre die Liebe vollkommen in diesem Leben, so wäre es auch eine vollkommene Freude. Weil sie aber in jenem Leben wird vollkommen sein, so wird auch im ewigen Leben vollkommene Freude sein; und wie wir Gott ewig lieben werden, so wird auch die Freude ewig sein; und wie die Liebe dort wird vollkommen sein, wird sie auch haben allezeit ein vollkommenes Gut, dem nichts gebricht, das da unsterblich, unendlich, unwandelbar, unmangelhaft ist. Derowegen so wird auch die Liebe unsträflich, ewig, beständig, wahrhaftig, unbeweglich, lebendig, unpresthaft sein. Weil nun die Liebe in jenem Leben muss sein rein, unbefleckt, göttlich, so wird auch die Frucht also sein, nämlich eine reine, göttliche, unbefleckte Freude, die allerbeste und köstlichste Freude, und wird in sich begreifen die höchste Lieblichkeit, den höchsten Frieden, die höchste Ruhe des Herzens, das fröhlichste Jauchzen und Jubilieren der Seele, die höchste Süßigkeit und Genügsamkeit und Sättigung im höchsten Grad, und das seligste Leben, ja das ewige Leben. Denn das ewige Leben ist nichts anders, denn ewige Freude, davon die gläubige, liebhabende Seele bisweilen ein kleines Fünklein empfindet, und ein kleines Tröpflein schmecket (…). Wer nun diese Freude hat, der hat alles, was er wünschen und begehren mag, und über dieselbe Freude kann er nichts mehr wünschen.“ (Johann Arndt)

 

„Gleichwie aus der wahrhaften göttlichen Liebe wahrhaftige göttliche Freude folget, also aus der falschen eigenen Liebe kommt her eine falsche nichtige Freude. Denn die eigene Liebe liebet ihren eigenen Willen, ihr eigen Lob, ihre eigene Ehre, ihre eigene Wollust und alle Lüste des Fleisches. Und demnach liebet die falsche Liebe alles, was da dienet, eigene Ehre und Wollust zu erhalten, als zeitlich Gut und Reichtum, Würde und Gunst, und dergleichen. Weil aber solches alles unbeständig, und bald verloren werden kann, so muss sich der Mensch immer fürchten, und sorgen, wie ers halte; und dagegen muss er dasselbe hassen und meiden, welches ihm sein Gut, daran er mit seiner Liebe hanget, verderben und nehmen kann. Derowegen so folget daraus, dass er sich nicht recht in seiner eigenen Liebe freuen kann, sondern dieselbe Freude ist mit Furcht und Traurigkeit vermischt, und wird endlich in Traurigkeit verwandelt. Darum ist es eine falsche und nichtige Freude. Denn wie der Samen ist, so ist auch die Frucht.“ (Johann Arndt)

 

„Gleichwie die göttliche Freude den Menschen immer näher und näher zu und in Gott führet; also die fleischliche Freude führet den Menschen immer weiter und weiter von Gott. Die göttliche Freude vermehret die göttliche Freundschaft; die falsche Freude vermehret die Feindschaft wider Gott. Die göttliche Freude sättiget und befestiget den Willen in Gottes Liebe und macht das Gewissen fröhlich, süße und holdselig; aber die fleischliche Freude macht das Herz und Willen unbeständig, unruhig, bitter und feindselig. Die göttliche Freude kann man haben ohne Arbeit, Unkosten und ohne anderer Leute Hilfe und Schaden; aber die fleischliche Freude kann man nicht haben, denn mit großer Mühe und Arbeit, Unkosten, mit anderer Leute Schaden und Verderben, und mit vieler zeitlichen Dinge Vorrat und Überfluss. Die göttliche Freude machet, vermehret und erhält Friede und Freundschaft, Einigkeit und alles Gute unter den Menschen; die falsche Freude macht Unfrieden, Feindschaft, Uneinigkeit, und stiftet viel Verderben und Unglück. Aus der göttlichen Freude kann nichts Böses kommen, und kein Ärgernis; aber aus der falschen Freude kann nichts erwachsen, denn alles Böse und viel Ärgernis. Die göttliche Freude erwecket den Menschen zu allem Guten; die falsche Freude erwecket den Menschen zu allem Bösen.“ (Johann Arndt)

 

FRIEDEN

„Es sprechen viel Leute, sie haben nicht Frieden oder Ruhe, sie haben so viel Widerwärtigkeit und Anfechtung, Drucks und Leidens, dass sie nicht wissen, wie sie daraus kommen sollen. Der nun dies in Wahrheit will ansehen und merken, der erkennt wohl, dass wahrer Friede und Ruhe nicht liegt an äußerlichen Dingen. Denn wäre dem also, so hätte der Teufel auch Friede, wenn es ihm ginge nach seinem Willen und Wohlgefallen, das doch durchaus nicht ist. Denn der Herr spricht durch den Propheten „die Bösen und Ungetreuen haben keinen Frieden.“ Und darum sollen wir merken und genau wahrnehmen des Friedens, den Christus Seinen lieben Jüngern zum Abschied ließ, da ER sprach „Meinen Frieden lasse Ich euch, Meinen Frieden gebe Ich euch.“ In diesem Worte mag man wohl merken, dass Christus den leiblichen und äußerlichen Frieden nicht gemeint hat, denn die lieben Jünger und alle Liebhaber und Nachfolger Christi haben von Anbeginn große Trübsal, Verfolgung und Marter gelitten, wie Christus selber sprach „in dieser Zeit werdet ihr Bedrängnis haben.“ Aber Christus meint den wahren, innerlichen Frieden des Herzens, der hier anfängt und währt dort ewiglich. Darum spricht ER „nicht als ihn die Welt gibt“, denn die Welt ist falsch und betrügt in ihren Gaben: sie verheißt viel und hält wenig. Es lebt auch Niemand auf Erden, der immerfort Ruhe und Frieden habe, ohne Trübsal und Widerwärtigkeit, dem es allzeit gehe nach seinem Willen: es muss je hier gelitten sein, man kehre es wie man wolle. Und so man einer Anfechtung ledig wird, so kommen sehr leicht zwei andere an deren Statt. Darum so ergib dich williglich darein und suche allein den wahren Frieden des Herzens, den dir Niemand nehmen mag, damit du alle Anfechtung überwindest. Darum meinte ER den innerlichen Frieden, der da durchbräche durch alle Anfechtung und Widerwärtigkeit, Druckes, Leidens, Elendes oder Schwachheit oder was desgleichen mehr ist, dass man darin fröhlich und geduldig wäre, wie die lieben Jünger und Nachfolger Christi gewesen sind. Wer nun mit Liebe allen seinen Fleiß und Ernst dazu täte, der würde gar bald erkennen den wahren, ewigen Frieden, der Gott selber ist, nach Möglichkeit der Kreatur, also dass ihm süß würde das ihm vorher sauer war, und dass sein Herz unbewegt stünde allzeit in allen Dingen und dass er nach diesem Leben käme zu dem ewigen Frieden.“ (Theologia Deutsch)

 

„Du sprichst durch deinen Propheten: Ich will meine Ehre keinem anderen geben. Was willst du denn geben, o Herr, was willst du uns geben? Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nun, damit bin ich zufrieden. Dankbar nehme ich, was du mir lässt und lasse, was du dir vorbehältst. So wird es mir gut sein. Ich entsage der Ehre, damit ich mir nicht anmaße, was nicht mein ist. Oder wer wollte es der Wand glauben, wenn sie den Sonnenstrahl zu gebären vorgebe, den sie durchs Fenster empfängt? Wer sollte nicht lachen, wenn sich die Wolken rühmten, als hätten sie den Regen erzeugt, der aus dem Meer kam? Den Frieden will ich, den Frieden begehre ich; nichts weiter. Wem der Friede nicht genügt, dem genügst auch du nicht, denn du bist unser Friede, der aus beiden eines gemacht hat. Das ist mir not, das ist mir aber auch genug, dass ich mit dir versöhnt und eins werde und du mit mir. So soll es sein, wie die Engel sangen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden!“ 

Bernhard (+1153) 

 

FRÖMMIGKEIT 

„Gott will nicht allein solche Werke haben, sondern dass sie mit Lust und Willen geschehen. Und wo Lust und Wille nicht darin ist, sind sie tot vor Gott, und ist Irrsal, gezwungene, genötigte, gefangene Dienste, die Gott nicht gefallen, wie St. Paulus sagt, 2 Kor. 9,7.: „Gott liebt einen fröhlichen Täter.“ (…) solche Lust, Liebe, Freude und Willen findet man in keines Menschen Herzen auf Erden, sofern die Natur angesehen wird; sondern allesamt sind wir unwillig oder je falschwillig fromm, dass wir uns fürchten vor Strafe und Schande, oder suchen unsern Nutz und Wohlgefallen darin, und niemand lauter um Gottes willen, oder allein darum, dass es so recht ist, fromm ist. Es will und muss die Natur je etwas suchen, darum sie fromm sei, kann und mag nicht um der Frömmigkeit willen fromm sein, lässt ihr nicht an der Frömmigkeit begnügen, wie sie soll, sondern will etwas damit verdienen oder entfliehen; das ist dann falsch vor Gott, wie St. Paulus, Röm. 3,4., aus dem 14. Psalm schließt, dass derhalben kein Mensch vor Gott fromm sei. Denn wir sollen nicht fromm sein, etwas damit zu verdienen oder zu meiden. Denn das sind allesamt Mietlinge, Knechte und Tagelöhner, nicht freiwillige Kinder und Erben, welche nur fromm sind um der Frömmigkeit willen selbst, das ist, um Gottes willen allein; denn Gott ist die Gerechtigkeit, Wahrheit, Gutheit, Weisheit, Frömmigkeit selbst. Und wer nicht mehr sucht denn Frömmigkeit, der sucht und findet Gott selber. Wer aber Lohn sucht und Pein flieht, der findet ihn nimmermehr und macht Lohn zu seinem Gott; denn warum der Mensch etwas tut, das ist sein Gott.“ (Martin Luther)

 

„Frömmigkeit ist der Entschluss, die Abhängigkeit von Gott als Glück zu bezeichnen.“ (Hermann von Bezzel)

 

FÜHRUNG 

„Das Anordnen aller Dinge ist Gottes Sache, und wir sind froh, dass es so ist; wir wählen, dass Gott für uns wählen möge. Wenn wir unsren eignen Willen haben könnten, so würden wir wünschen, dass alles nach Gottes Willen ginge. Da wir uns unsrer eignen Torheit bewusst sind, begehren wir nicht, unser eignes Schicksal zu leiten. Wir fühlen uns sicherer und leichter, wenn der Herr unser Schiff steuert, als wir uns zu fühlen vermöchten, wenn wir uns nach unsrem eignen Urteil lenken könnten. Freudig überlassen wir die leidensvolle Gegenwart und die unbekannte Zukunft unsrem Vater, unsrem Heiland, unsrem Tröster. O meine Seele, lege heute deine Wünsche zu Jesu Füßen nieder! Wenn du in letzter Zeit etwas eigenwillig und widerspenstig gewesen bist, und begehrt hast, nach deinem eignen Sinn zu sein und zu handeln, so laß jetzt dein törichtes Ich fahren und lege die Zügel in die Hände des Herrn. Sprich: „Er soll für mich wählen.“ Wenn andre die unumschränkte Macht des Herrn bestreiten und den freien Willen des Menschen rühmen, so antworte du ihnen: „Er soll für mich wählen.“ Es ist meine freieste Wahl, ihn wählen zu lassen.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Der Herr machet arm und machet reich, er erniedrigt und erhöht.“ 1 Sam. 2,7. Alle Veränderungen in meinem Leben kommen von ihm, der sich niemals ändert. Wenn ich reich geworden wäre, so hätte ich seine Hand darin gesehen und ihn gelobt; lasst mich ebenso sehr seine Hand sehen, wenn ich arm gemacht werde, und lasst mich ihn ebenso herzlich loben. Wenn es mit uns abwärts in der Welt geht, so ist es vom Herrn, und wir mögen es geduldig hinnehmen; wenn wir in der Welt emporkommen, so ist es vom Herrn, und wir mögen es dankbar empfangen. In jedem Fall hat der Herr es getan, und es ist gut.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Wenn nicht geschehen wird, was wir wollen, so wird geschehen, was besser ist.“ (Martin Luther)

 

„Wir können nicht besser geführt werden, als wir geführt werden.“ (Johann Caspar Lavater)

 

FÜRBITTE

„Eine christliche Gemeinschaft lebt aus der Fürbitte der Glieder füreinander, oder sie geht zugrunde. Einen Bruder, für den ich bete, kann ich bei aller Not, die er mir macht, nicht mehr verurteilen oder hassen. Sein Angesicht, das mir vielleicht fremd und unerträglich war, verwandelt sich in der Fürbitte in das Antlitz des Bruders, um dessentwillen Christus starb, in das Antlitz des begnadigten Sünders. Das ist eine beseligende Entdeckung für den Christen, der anfängt, Fürbitte zu tun. Es gibt keine Abneigung, keine persönliche Spannung oder Entzweiung, die nicht in der Fürbitte, was uns betrifft, überwunden werden könnte. Die Fürbitte ist das Läuterungsbad, in das der einzelne und die Gemeinschaft täglich hinein müssen. Es kann ein hartes Ringen mit dem Bruder in der Fürbitte sein, aber es hat die Verheißung, zum Ziel zu führen. Wie geschieht das? Fürbitte tun heißt nichts anderes als den Bruder vor Gott bringen, ihn unter dem Kreuz Jesu sehen als den armen Menschen und Sünder, der Gnade braucht. Da fällt alles ab, was mich von ihm abstößt, da sehe ich ihn in aller seiner Bedürftigkeit und Not, da wird seine Not und seine Sünde mir so groß und so bedrückend, als wäre sie meine eigene, und nun kann ich nicht mehr anders als bitten: Herr, handle Du selbst, Du allein mit ihm, nach Deinem Ernst und Deiner Güte. Fürbitte tun heißt: Dem Bruder dasselbe Recht einräumen, das wir empfangen haben, nämlich vor Christus zu stehen und an seiner Barmherzigkeit Anteil zu haben.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

„Allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, der du bist der Heiland aller Menschen, besonders der Gläubigen, und durch den Apostel befohlen hast, Fürbitte zu tun für alle Menschen, ich bitte dich für alle Unglückliche und Bekümmerte, dass du sie mit dem Troste deiner Gnade unterstützest, und ihnen mit der Hilfe deiner Macht beistehest. Tue diejenigen mit himmlischer Kraft und Stärke an, welche im schwersten Kampfe satanischer Versuchungen schwitzen; mache sie deines Sieges teilhaftig, o Christe, allmächtiger Überwinder des Teufels! Deren Gebeine das Feuer der Traurigkeit austrocknet, dieselben richte die Labung deines himmlischen Trostes auf; unterstütze alle, die da fallen, und richte auf alle, die niedergeschlagen sind. Verleihe den Kranken aus Gnaden, dass die Krankheit des Leibes ihnen eine geistige Arznei sei, und die Widerwärtigkeiten des Fleisches ihnen Heilmittel für die Seele seien; dass sie erkennen, die Krankheiten seien Folgen der Sünde, aber Vorboten des Todes. Gib ihnen Stärke des Glaubens und der Geduld, o du zuverlässigster Arzt der Seelen und Leiber; stelle ihnen ihre vorige Gesundheit wieder her, nur dass es vorteilhaft sei für ihr ewiges Heil. Beschütze die Schwangeren, unterstütze die Wöchnerinnen. Du bist es, der die Frucht aus den engen Räumen des Mutterleibes befreiest, und durch deinen Segen das menschliche Geschlecht fortpflanzest. Stehe den Gebärenden bei, o, du Liebhaber und Geber des Lebens, dass sie nicht durch übermäßige Last der Schmerzen unterdrückt werden! Die Waisen, die von aller Hilfe verlassen sind, ernähre du, die Witwen, die der Misshandlung aller unterworfen sind, verteidige du, der, du dich selbst den gütigsten Vater der Waisen und den gerechtesten Richter der Witwen genannt hast. Die Tränen der Witwen, die über die Backen herabfließen, müssen durch die Wolken dringen, und nicht ruhen, bis sie zu deinem Throne kommen. Erhöre diejenigen, welche in die Gefahren des Meeres geraten sind und zu dir rufen, und die dem Schiffbruch nahe mit ernstlichem Flehen zu dir seufzen. Gib den Gefangenen Freiheit, dass sie mit dankbarem Herzen deine Güte preisen. Stärke diejenigen, welche um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, dass sie über alle ihre Feinde den Sieg davontragen und die ewige Märtyrerkrone erlangen. Stehe allen bei, so viele in Gefahren und Unglück geraten sind, dass sie ihre Seelen in wahrer Geduld fassen, und mit Verleugnung ihres eigenen Willens ihr Kreuz auf sich nehmen. Lass sie dem unter dem Kreuze folgen, an den sie glauben, als an den für uns am Kreuze Gestorbenen. Vor allen aber, o gütigster Vater, befehle ich diejenigen deiner Bewahrung, die an den Pforten des Todes stehen, zwischen der Zeit und Ewigkeit schweben, und mit diesem letzten Feinde aus allen Kräften ringen; stärke sie, o allmächtiger Überwinder des Todes; erlöse sie, o glorreichster Herzog des Lebens, dass sie nicht durch die Fluten der Versuchungen unterdrückt, sondern zum Hafen der ewigen Ruhe hindurchgeführt werden! Erbarme dich aller Menschen, der du aller Schöpfer bist! Erbarme dich aller, der du aller Erlöser bist! Dir sei Lob und Preis in alle Ewigkeit! Amen.“ (Johann Gerhard)

 

FURCHT

Zu 1. Joh 3,20: „Dass, so uns unser Herz verdammet, dass Gott größer ist, denn unser Herz, und er kennet alle Dinge.“

Fehlt es dir gleich an Werken, so soll es dir doch nicht am Glauben mangeln. Und wenn es dir gleich an Überzeugung des Herzens fehlt, so ist doch der Glaube und die Hoffnung größer. Straft dich gleich die Nachlässigkeit deines Lebens, so darfst du doch deswegen noch nicht verzweifeln. Denn die Summa des Evangelii ist diese, dass du glauben und hoffen sollst. Wir sollen uns zwar für unwürdig schätzen, jedoch aber die angebotene Gnade und das Evangelium annehmen. Macht uns gleich unser Gewissen kleinmütig, und stellt uns Gott als zornig vor, so „ist doch Gott größer, denn unser Herz“. Das Gewissen ist ein einziger Tropfen; der versöhnte Gott aber ist ein Meer voller Trostes. Man muss die Furcht der Gewissen oder die Verzweiflung überwinden, wiewohl dieses etwas Schweres ist. Das ist eine wichtige und überaus süße Verheißung, „dass, so uns unser Herz verdammet, dass Gott größer ist, denn unser Herz, und dass er alle Dinge erkennet“. Warum spricht er nicht vielmehr, er tut und vermag alles? Wenn einen sein Gewissen straft und verdammt, so wird dem Menschen angst, und spricht mit David: „Es haben mich meine Sünden ergriffen, dass ich nicht sehen kann; ihrer ist mehr, denn Haare auf meinem Haupte, und mein Herz hat mich verlassen“, Ps. 40,13. (…) Alsdann seufzt ein Sünder, und spricht: Ich weiß nicht, wie ich mir raten soll. Aber wider diese Finsternis des Herzens spricht man: Gott erkennt alles. Das Gewissen ist allezeit furchtsam, und schließt die Augen zu; aber Gott ist tiefer und höher als dein Herz, und erforscht das Innerste desselben genauer. Er zündet uns ein Licht an, und öffnet uns die Augen, dass wir sehen, dass unsere Missetat von uns hinweg genommen sei. Der Satan beunruhigt unser Gewissen öfters, auch wenn wir recht tun. Als, wenn jemand angefochten würde, dass er nicht die Messe gefeiert hätte, so kann ihn der Teufel unruhig machen, und alle Schriftstellen hinweg nehmen, die ihn vorher ermunterten, die Menschensatzungen nicht mit zu halten. Aber alsdann muss man die Augen zuschließen, und gedenken, dass Gott in seinem Worte weiser sei, und wir durch dergleichen eitele Werke nicht selig werden (…). Der Teufel legt bisweilen die besten Dinge übel, und die bösen gut aus; er macht das Gute geringe, und das Böse spannt er hoch. Aus einem kleinen Gelächter kann er die ewige Verdammnis machen. Aber du musst allezeit gedenken: Gott ist größer denn unser Herz. Das Herz weiß nicht, was recht ist; Gott erkennt alles, und belehrt mich eines Bessern im Worte des Evangelii.“ (Martin Luther)

 

GABEN

„Alle deine Gaben empfängst du von Gott; alle gib also Gott auch wieder. Alle Bächlein der Güter fließen aus dieser Quelle der göttlichen Güte; darum sind auch alle Güter wieder in dieses Meer zu versenken. Die Pflanzen, welche Sonnenwende heißen, richten sich immer nach dem Laufe der Sonne, von der sie Leben und Saft empfangen: so wende dich mit allen deinen Gaben und mit aller deiner Ehre zu Gott, und gib dir nichts. Hast du etwas von dir, so magst du deine Ehre suchen und dir selbst deine Gaben geben: aber weil du nichts von dir, alles vielmehr von Gott hast, darum musst du auch nicht deine, sondern Gottes Ehre suchen.“ (Johann Gerhard)

 

„Alle eigene Liebe, eigener Ruhm, Ehre und Nutz ist aus dem Teufel, und ist des Teufels Fall, dadurch er vom Himmel verstoßen ist. Denn, nachdem Gott den Luzifer zum schönen Engel geschaffen, ihn mit besondern hohen Gaben, Schönheit, Weisheit, Licht und Herrlichkeit begabt, hat er sich in seinen eigenen Gaben gespiegelt, als ein Pfau in seinen Federn, und angefangen sich selbst zu lieben, zu ehren und zu rühmen; das ist der Anfang seines Falls, dass er die Ehre nicht Gott, sondern sich selbst gegeben, seine Liebe von Gott abgewandt zu sich selbsten, da hat ihn Gott verstoßen mit seinen Engeln, die er verführt hatte mit seiner Hoffart.“ (Johann Arndt)

 

„So sind alle Gaben nicht dein, sondern Gottes, und ohne Gottes Erleuchtung bleibst du ein toter, stinkender Erdklumpen. Und wenn Gott seine Gaben nicht in dich legt, so bleibst du ein leeres Gefäß. Gleichwie die Kleinodien, die man in ein Kästlein legt, nicht des elenden bloßen Kästleins sein, sondern dessen, der sie hinein gelegt hat; also sind die Gaben nicht dein, du bist nur ein bloßes Gefäß dazu. Sollte das elende Gefäß stolzieren wegen des fremden Gutes?“ (Johann Arndt)

 

GEBURT 

„Die Kinder Gottes haben dreierlei Geburtstage. Durch den ersten kommen sie zu dem Licht dieser unteren Welt. Da weint das Kind aus gutem Grund; aber die Eltern freuen sich. Durch den zweiten, den Gnadengeburtstag, nämlich die Wiedergeburt, werden sie stufenweise aus dem engen finstern Naturzustand ins Licht der Gnade versetzt. Da weint der Mensch auch meistens; aber es freuen sich die Engel im Himmel, sobald ein Sünder Buße tut. Das, was wir Tod nennen, das nannten und feierten die ersten Christen als einen Geburtstag der Märtyrer und Heiligen. Dieser dritte Geburtstag, der leibliche Tod, erlöst Gottes Kinder aus dieser bangen Welt, aus dem Gefängnis des Leibes und aus aller Seelengefahr, da sie versetzt werden in die Weite der lieben Ewigkeit. Zwar geht es auch bei dieser letzten Geburt oft sehr unansehnlich und bedrängt her, dass das Gnadenkind stöhnen und weinen muss, bis es durchkommt. Aber alles zu seinem Besten. Bald ist’s getan, da es mit Jesus wird heißen: „Es ist vollbracht.“ Die Engel stehn bei dieser Geburt schon bereit, das zur seligen Ewigkeit geborene Kind auf ihre Arme zu nehmen und in Gottes Schoß zu tragen. Da freuen sie sich, dass ein Mensch zur Licht- und Freudenwelt geboren ist.“ (Gerhard Tersteegen)

 

GEDANKEN

„Es gibt einen Mühlstein, der immerdar umläuft. Der Herr hat ihn seinem Knecht mit dem Befehl übergeben, dass er nur gutes Getreide, Weizen, Gerste oder Hafer darauf mahlen möge. Diesem Knecht nun stellt ein Feind nach, der, so oft er den Stein leer findet, entweder Sand darauf wirft, der ihn zerfrisst, oder Pech, das ihn verklebt, oder Spreu, die ihn umsonst beschäftigt. Höre nun, was das Gleichnis sagen will. Der Mühlstein ist das menschliche Herz, welches beständig von Gedanken getrieben wird. Nur Gutes zu denken, hat Gott einem jeden geboten. Die tiefen und ruhigen Gedanken über Gott gleichen dem Weizen, die Erhebungen der Seele zur Andacht der Gerste, die Entschlüsse zur Tugend dem Hafer. Solches alles soll der Mensch denken, um sich ewige Speise zu bereiten. Aber der Teufel stellt ihm immerdar nach, und findet er das Herz leer von guten Gedanken, so erfüllt er es sogleich mit bösen. Einige davon verzehren es, wie Zorn und Neid, andere verschließen es, wie Wollust und Üppigkeit, andere beschäftigen es umsonst, wie eitle Ruhmbegier.“ 

Anselm (+1109) 

 

GEDULD

„Was ist die Geduld? Wo man um seines Gottes willen alles Leiden, welches sonsten Fleisch und Blut zuwider ist, willig annimmt, siehet es an, wie es von seiner Hand herkommt, und sich seiner Gnade darinnen getröstet, mit dem Entschluss, so lang es Ihm gefällig ist, solches ohne Murren zu tragen, in dem Leiden selbst Ihn zu preisen, und zu seiner Zeit die Hilfe von seiner weisen und gütigen Hand zu erwarten.“ (Philipp J. Spener)

 

„Geduld ist eine solche Tugend, die mit sanftmütigem, stillem, demütigem, gehorsamem Herzen sich dem lieben Kreuz unterwirft, und allerlei Widerwärtigkeit, Trübsal und Verfolgung, sie sei geistlich oder leiblich, als Christi Kreuz und Joch auf sich nimmt, und Christo nachfolget, wider Gott nicht murret, sondern im Glauben erkennet, dass wir einen gnädigen Gott in Christo haben; welche auch durch Hoffnung der Erlösung das Kreuz lindert und ist eine Sanftmut gegen die, so uns beleidigen und verfolgen, befiehlt Gott die Rache, und kommt nicht her aus der Vernunft, oder Fleisch und Blut, sondern ist eine besondere Gabe des heiligen Geistes, und eine Frucht des wahren Glaubens.“ (Johann Arndt)

 

GEFÜHL

„Nun aber wollen wir doch zu dem übergehen, … dass diejenigen Gesetz und Evangelium greulich vermischen, welche sagen: „Willst du der Vergebung deiner Sünden gewiss werden, dann musst du so lange beten, kämpfen und ringen, bis du endlich ein freudiges Gefühl bekommst, welches dir heimlich sagt: „Sei getrost, du hast Vergebung deiner Sünden.“ „Dann“, sprechen sie, „ist die Gnade in deinem Herzen“, während, eigentlich zu reden, die Gnade gar nicht in meinem Herzen sein kann, die ist in Gottes Herzen. Nein, erst musst du glauben und dann fühlen. Das Gefühl kommt aus dem Glauben, und nicht der Glaube aus dem Gefühl. Und wessen Glaube aus dem Gefühl kommt, der hat keinen wahren Glauben; denn der Glaube braucht eine göttliche Verheißung. Also kannst du gewiss sein, mit deren Glauben steht es recht, die sagen können: „Nichts in der ganzen Welt sehe ich an, als das liebe Evangelium. Darauf baue ich.“ Dann mag der Teufel kommen und sie schrecken und quälen. Wenn sie dann vielleicht nicht gleich süße Gefühle haben, so werden sie sagen: „Und ob mein Herz sprach lauter Nein; Dein Wort soll mir gewisser sein“; oder: „Ohn Fühlen will ich trauen, Bis ich komme, dich zu schauen.“ (…..) Ach, wehe dem Menschen, welcher sich immer daran gewöhnt hat, sich nur dann für begnadigt anzusehen, wenn er süße Gefühle hat! In der Todesstunde ist es in der Regel mit solchen süßen Gefühlen zu Ende. Die Todesnot vertreibt das Gefühl. Wohl dem Menschen, der dann spricht: „Ich glaub, was Jesu Wort verspricht, Ich fühl es, oder fühl es nicht.“ Wohl dem, der kann dann im Frieden dahinfahren! Aber wehe dem, der dann denkt: „Ich fühle jetzt gar nichts. Jetzt soll ich sterben! Jesus ist nicht mehr in meinem Herzen. O, ich elender, unglücklicher Mensch!“ Wie viele mögen in den schwärmerischen Sekten deswegen verloren gegangen sein, weil sie noch zuletzt den Herrn Jesum haben fahren lassen, weil sie meinten, sie dürften ihn nicht ergreifen, es fehlte ihnen die Erlaubnis dazu! Denn alle Schwärmer meinen, durch das Fühlen bekommen sie erst die Erlaubnis zu Jesu zu kommen und seiner sich zu trösten. Darum sprechen sie oft zu einem Bruder: „How do you feel?“ Wenn der sagt: „Ich fühle gar nichts!“ da heißt es: „Ach, du armer Mensch! Komm, wir wollen beten, kämpfen und ringen, bis du Gefühl bekommst.“ Da kriegt er denn so ein Gefühl, aber es ist oft nur ein sinnliches Gefühl und nicht das Gefühl des Heiligen Geistes.“ (C. F. W. Walther)

 

„Ich habe es auch oft gesagt, und ich wiederhole es noch einmal, dass ich nicht mit der Bitte zu Christus komme, mein Bedürfnis für ihn zu fühlen; ich glaube nicht an Christus, weil ich fühle, dass ich ihn brauche, sondern weil ich ihn tatsächlich brauche. Kein Mensch kommt als empfindsamer Sünder zu Jesus, sondern als Sünder, und nur als Sünder. Er wird nicht kommen, wenn er nicht erweckt ist; aber wenn er kommt, dann sagt er nicht: „Herr ich komme zu dir, weil ich ein erweckter Sünder bin, rette mich.“ Nein, er sagt: „Herr, ich bin ein Sünder, rette mich.“ (...) Ich stehe nicht am Fuß seines Kreuzes und werde gereinigt, weil ich Buße getan habe; wenn ich komme, dann bringe ich nichts als Sünde. Die Erkenntnis der eigenen Not ist ein wertvolles Gefühl, aber wenn ich am Fuß des Kreuzes stehe, glaube ich nicht an Christus, weil ich so ein wertvolles Gefühl habe, sondern ich glaube an ihn, ob ich wertvolle Gefühle habe oder nicht.“ (Ch. H. Spurgeon)

 

GEGENWART GOTTES 

„Siehe, die Glänze der Sonne sind dir so nahe, dass sie dich gleich in die Augen oder auf die Haut stechen, dass du es fühlest, aber doch vermagst du es nicht, dass du sie ergreifest und in ein Kästlein legest, wenn du gleich ewiglich darnach tappest. Hindern kannst du sie wohl, dass sie nicht scheine zum Fenster ein; aber tappen und greifen kannst du sie nicht. Also auch Christus, ob er gleich allenthalben da ist, lässt er sich nicht so greifen und tappen; er kann sich wohl ausschälen, dass du die Schale davon kriegest und den Kern nicht ergreifest. Warum das? Darum, dass ein anderes ist, wenn Gott da ist, und wenn er dir da ist. Dann aber ist er dir da, wenn er sein Wort dazu tut, und bindet sich damit an und spricht: Hie sollst du mich finden. Wenn du nun das Wort hast, so kannst du ihn gewisslich greifen und haben, und sagen: Hie hab ich dich, wie du sagst. Gleich als ich von der Rechten Gottes sage: Wiewohl dieselbige allenthalben ist, wie wir nicht leugnen mögen; noch, weil sie auch nirgend ist, wie gesagt ist, kannst du sie wahrlich nirgend ergreifen, sie binde sich denn dir zu gut, und bescheide dich an einen Ort. Das tut sie aber, da sie sich in die Menschheit Christi begibt und wohnt; da findest du sie gewiss; sonst sollst du wohl alle Kreatur durch und durch laufen, hie tappen und da tappen, und dennoch nimmermehr nicht finden, ob sie gleich da ist wahrhaftig; denn sie ist dir nicht da.“ (Martin Luther) 

 

GEHEIMNIS 

„Wer kann die Größe dieses Geheimnisses fassen? Der höchste Schöpfer war beleidigt, und das Geschöpf machte sich keine Sorge über die Herstellung des Friedens und über die Versöhnung. Derselbe, der beleidiget war, nimmt das Fleisch des Geschöpfes an und wird der Versöhner. Der Mensch hatte Gott verlassen, und zu dem Feinde Gottes, dem Teufel sich gewendet; aber derselbe, der verlassen war, sucht bekümmert den, der ihn verlassen hat, und ladet ihn auf das Freundlichste wieder zu sich ein. Der Mensch war von jenem unendlichen Gute gewichen und hatte sich in das unendliche Übel gestürzt, aber eben jenes unendliche Gut gibt einen unendlichen Erlösungspreis und befreit das Geschöpf von jenem unendlichen Übel. Übersteigt nicht diese unendliche Barmherzigkeit allen endlichen Verstand und Gedanken des Menschen? Unsere Natur ist durch Christum herrlicher gemacht worden, als sie durch Adams Sünde verunstaltet worden war; in Christo haben wir mehr empfangen, als wir in Adam verloren haben; die Sünde hatte überhand genommen, aber der Reichtum der göttlichen Gnade ging noch weit darüber.“ (Johann Gerhard)

 

GEHORSAM

„Verflucht sei aller Gehorsam in den Abgrund der Hölle, so der Oberkeit, Vater, Mutter, ja auch der Kirche gehorsam ist, so dass er Gott ungehorsam ist. Hier kenne ich weder Vater, Mutter, Freundschaft, Oberkeit oder christliche Kirche.“ (Martin Luther)

 

„Das Gesetz seines Gottes ist in seinem Herzen, seine Tritte sollen nicht gleiten.“ Ps. 37,31. Lege das Gesetz in das Herz, so steht es mit dem ganzen Menschen recht. Das ist der Ort, wo das Gesetz sein sollte, denn dann liegt es, wie die steinernen Tafeln in der Bundeslade, an dem ihm bestimmten Platze. Im Kopfe verwirrt es, auf dem Rücken belastet es, im Herzen hält es aufrecht. Was für ein köstliches Wort ist das hier gebrauchte, „das Gesetz seines Gottes!“ Wenn wir den Herrn als unsren eignen Gott kennen, so wird sein Gesetz zur Freiheit für uns. Gott mit uns im Bunde macht uns eifrig, seinem Willen zu gehorchen und in seinen Geboten zu wandeln. Ist die Vorschrift meines Vaters Vorschrift? Dann habe ich meine Freude daran. Uns wird hier verbürgt, dass der gehorsame Mann aufrecht gehalten werden soll bei jedem Schritte, den er macht. Er will das tun, was recht ist, und soll deshalb das tun, was weise ist. Heiliges Tun ist immer das klügste, obgleich es zuerst nicht so scheinen mag. Wir gehen auf der großen Hochstraße der Vorsehung und Gnade Gottes, wenn wir uns auf dem Wege seines Gesetzes halten.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Was ist denn die Garantie eines Menschen, der an Christus glaubt? Hier ist sie: Christus befiehlt ihm, es zu tun! Das ist seine Garantie. Christi Wort ist die Garantie für den Sünder, der an Christus glaubt – weder was er fühlt, noch was er ist, sondern dass Christus ihm befohlen hat, es zu tun. Das Evangelium lautet: „Glaube an den Herrn Jesus und du wirst errettet werden“ (Apostelgeschichte 16,31) und: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet“ (Johannes 3,18). Der Glaube an Christus ist also gleichzeitig Auftrag und Vorrecht. Und es ist wirklich eine Gnade, dass er Pflicht ist, denn so kann die Frage nie aufkommen, ob ein Mensch das Recht hat, seine Pflicht zu tun. Auf dieser Basis, dass Gott mir befiehlt zu glauben, habe ich das Recht zu glauben, egal wer ich bin. Das Evangelium gilt allen, und zu allen gehöre auch ich. Das Evangelium befiehlt mir zu glauben, und das tue ich. Es kann kein Fehler gewesen sein, es zu tun, denn ich habe den Befehl bekommen, so zu handeln. Ich kann nichts falsch machen, wenn ich einem Befehl Gottes gehorche. Es ist also ein Gebot Gottes für alle Menschen, an Jesus Christus zu glauben, den Gott gesandt hat. Dies ist deine Garantie als Sünder und eine gesegnete Garantie dazu, denn die Hölle kann sie nicht anfechten und der Himmel nicht zurücknehmen. Du brauchst nicht in dich hineinzuschauen, auf die vernebelten Garantien deiner Erfahrung, du brauchst nicht auf deine Werke zu schauen oder auf ein Gefühl, um einige trübe und unzulängliche Garantien für dein Vertrauen auf Christus zu bekommen. Du kannst an Christus selbst glauben, weil er es dir sagt. Das ist sicherer Boden, auf dem man stehen kann und gleichzeitig einer, der keinen Zweifel zulässt.“ (Ch. H. Spurgeon)

 

GEIZ

„Der Geizige ist der Ungerechteste. Warum? Weil er nichts mit in die Welt gebracht, und doch so besorgt um die irdischen Güter ist, als wollte er das Allermeiste mit sich aus der Welt nehmen. Der Geizige ist der Undankbarste. Warum? Weil er vieler Güter Gottes genießt, und niemals mit Vertrauen des Herzens zum Geber der Güter sich erhebt. Der Geizige ist der Törichste. Warum? Weil er das wahre Gut verlässt, ohne das es nichts wahrhaft gutes gibt, und dem anhanget, was ohne Gottes Gnade kein Gut ist. Wer von der Liebe zum Irdischen gefesselt wird, der besitzt nicht, sondern er wird besessen. Der Geiz wird weder durch Fülle, noch durch Mangel getilgt. Durch den Mangel wird er darum nicht gemindert, weil die Habgier wächst, wenn das nicht erlangt werden kann, was lange ersehnt ist. Durch die Fülle wird er darum nicht gemindert, weil der Geizige nur um so mehr sucht, je mehr er an sich bringt. Wenn erlangt wird, was von dem Geize ersehnt ward, so wird zugleich ein neuer Grund des Begehrens geweckt; und so wächst er nach Art des Feuers, wenn es das Holz, das es verzehrt, empfangen hat. Der Geiz ist zuerst ein kleiner Gießbach, hernach aber wächst er ins Unermessliche. Darum setze der Begierde nach Reichtum ein Ziel, damit nicht jene Begierde dich zum ewigen Verderben fortreiße. Viele verschlingen in diesem Leben, was sie nachher in der Hölle zu verdauen haben: viele, indem sie nach Gewinn schmachten, rennen in das augenscheinlichste Verderben. Das erwäge, andächtige Seele, so viel du vermagst, und fliehe den Geiz.“ (Johann Gerhard)

 

GELASSENHEIT

„Bitte den Herrn nur darum demütig, dass er dich nicht in geistlicher Dürre und Finsternis verderben lasse, und sei sonst nicht bekümmert, was sich dir in der Zukunft ereignen könne. Denn dein Vater wird für dich in allen Stücken sorgen; er wird dir zu seiner Zeit Not und Kämpfe senden, aber wenn es ihm gut dünkt, auch unerwarteten Trost. Er hat uns von Ewigkeit geliebt und bis hierher geholfen, wie sollte er jemals unserer vergessen, oder etwas geschehen lassen können, das nicht zu unserm Heile diente? So wollen wir ihm denn mit guter Zuversicht Glück und Unglück anheimstellen, und nur darum bitten, dass er uns vor Sünden bewahre.“ 

Johann (+ ca. 1440) 

 

GEMEINDE

„Der Leib Christi ist seine Gemeinde. Jesus Christus ist er selbst und seine Gemeinde zugleich (1. Kor. 12,12). Jesus Christus lebt seit Pfingsten auf Erden in der Gestalt seines Leibes, der Gemeinde. Hier ist sein Leib, der gekreuzigte und auferstandene, hier ist die angenommene Menschheit. Getauftwerden heißt daher Glied der Gemeinde werden, Glied am Leibe Christi (Gal. 3,28; 1. Kor. 12,13). In Christus sein heißt darum in der Gemeinde sein. Sind wir aber in der Gemeinde, so sind wir auch wahrhaftig und leibhaftig in Jesus Christus. Nun wird der Begriff des Leibes Christi in seiner ganzen Fülle offenbar. Der Raum Jesu Christi in der Welt nach seinem Hingang wird durch seinen Leib, die Kirche, eingenommen. Die Kirche ist der gegenwärtige Christus selbst.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

„Der gekreuzigte und auferstandene Christus existiert durch den heiligen Geist als Gemeinde, als der „neue Mensch“, so wahr er der Menschgewordene ist und in Ewigkeit bleibt, so wahr sein Leib die neue Menschheit ist. Wie in ihm die Fülle der Gottheit leibhaftig geworden ist und Wohnung genommen hat, so sind die Seinen erfüllt von Christus (Kol. 2,9; Eph. 3,19). Ja, sie selbst sind diese göttliche Fülle, indem sie sein Leib sind und indem doch er allein es ist, der alles in allem erfüllt.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

„Die Kirche Christi ist der gegenwärtige Christus im Heiligen Geist. So ist das Leben des Leibes Christi unser Leben geworden. In Christus leben wir nicht mehr unser Leben, sondern Christus lebt sein Leben in uns. Das Leben der Gläubigen in der Gemeinde ist in Wahrheit das Leben Jesu Christi in ihnen (Gal. 2,20; R. 8,10; 2. Kor. 13,5; 1. Joh 4,15).“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

GEMEINSCHAFT

„Es ist die Grundlage, auf der Christen miteinander reden können, dass einer den Andern als Sünder weiß, der in aller seiner Menschenehre verlassen und verloren ist, wenn ihm nicht geholfen wird. Das bedeutet keine Verächtlichmachung, keine Verunehrung des Andern; vielmehr wird hier dem Andern die einzige wirkliche Ehre erwiesen, die der Mensch hat, dass er nämlich als Sünder an Gottes Gnade und Herrlichkeit teilhaben soll, dass er Gottes Kind ist. Diese Erkenntnis gibt dem brüderlichen Wort die nötige Freiheit und Offenheit. Wir reden einander auf die Hilfe an, die wir beide brauchen. Wir ermahnen einander zu dem Weg, den Christus uns gehen heißt. Wir warnen einander vor dem Ungehorsam, der unser Verderben ist. Wir sind sanft und wir sind hart gegeneinander, denn wir wissen von Gottes Güte und von Gottes Ernst.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

„Weil christliche Gemeinschaft allein auf Jesus Christus begründet ist, darum ist sie eine pneumatische und nicht ein psychische Wirklichkeit. Sie unterscheidet sich darin von allen andern Gemeinschaften schlechthin. Pneumatisch = „geistlich“ nennt die Heilige Schrift, was allein der Heilige Geist schafft, der uns Jesus Christus als Herrn und Heiland ins Herz gibt. Psychisch = „seelisch“ nennt die Schrift, was aus den natürlichen Trieben, Kräften und Anlagen der menschlichen Seele kommt. Der Grund aller pneumatischen Wirklichkeit ist das klare, offenbare Wort Gottes in Jesus Christus. Der Grund aller psychischen Wirklichkeit ist das dunkle, undurchsichtige Treiben und Verlangen der menschlichen Seele. Der Grund geistlicher Gemeinschaft ist die Wahrheit, der Grund seelischer Gemeinschaft ist das Begehren (…). Geistliche Gemeinschaft ist die Gemeinschaft der von Christus Berufenen, seelisch ist die Gemeinschaft der frommen Seelen. In der geistlichen Gemeinschaft lebt die helle Liebe des brüderlichen Dienstes, die Agape, in der seelischen Gemeinschaft glüht die dunkle Liebe des frommen-unfrommen Triebes, der Eros, dort ist geordneter, brüderlicher Dienst, hier das ungeordnete Verlangen nach Genuss, dort die demütige Unterwerfung unter den Bruder, hier die demütig-hochmütige Unterwerfung des Bruders unter das eigene Verlangen. In der geistlichen Gemeinschaft regiert allein das Wort Gottes, in der seelischen Gemeinschaft regiert neben dem Wort noch der mit besonderen Kräften, Erfahrungen, suggestiv-magischen Anlagen ausgestattete Mensch. Dort bindet allein Gottes Wort, hier binden außerdem noch Menschen an sich selbst. Dort ist alle Macht, Ehre und Herrschaft dem Heiligen Geist übergeben, hier werden Macht- und Einflusssphären persönlicher Art gesucht und gepflegt, gewiss, sofern es sich um fromme Menschen handelt, in der Absicht, dem Höchsten und Besten zu dienen, aber in Wahrheit doch, um den Heiligen Geist zu entthronen, ihn in unwirkliche Ferne zu rücken. Wirklich bleibt eben hier nur das Seelische. So regiert dort der Geist, hier die Psychotechnik, die Methode, dort die naive, vorpsychologische, vormethodische, helfende Liebe zum Bruder, hier die psychologische Analyse und Konstruktion, dort der demütige, einfältige Dienst am Bruder, hier die erforschende, berechnende Behandlung des fremden Menschen.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

GERECHTIGKEIT

„Alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein unflätig Kleid Jes. 64,6. Wenn unsere Gerechtigkeit so ist, wie in aller Welt wird da unsere Ungerechtigkeit sein? Wenn ihr alles getan habt, spricht unser Heiland, was euch befohlen ist, so sprechet: Wir sind unnütze Knechte Luk. 17,10. Wenn wir aber unnütze sind, selbst wenn wir gehorchen, so werden wir ja ganz gewiss abscheulich sein, wenn wir übertreten. Wenn ich mich selbst und all mein Vermögen, auch wenn ich nicht sündige, dir, heiliger Gott, schuldig bin, was werde ich da für meine Sünde als Lösung geben können? Selbst unsere Gerechtigkeit, oder was wir so dafür halten, ist im Vergleich zur göttlichen Gerechtigkeit eine volle Ungerechtigkeit. Im Finstern sieht man wohl eine Lampe leuchten; aber stellt man sie in die Strahlen der Sonne, da ist’s aus mit ihrem Leuchten; ein Holz hält man oft für gerade, wenn man das Richtscheit nicht anlegt, tut man das aber, so findet man, wie es hie oder da gekrümmt ist und anläuft; oft wohl wird es den Anschein haben für die Blicke der Betrachter, als sei das Bild irgend welcher Gestalt vollkommen dargestellt, und doch ist’s in den Augen des Künstlers im hohen Grade unvollkommen. So ist oft voller Flecken, wenn es der Richter zur Entscheidung vornimmt, was herrlich leuchtet, wenn es der wägt, der es getan hat. Denn die Gerichte Gottes sind anders als die der Menschen. Vieler Sünden bin ich mir mit Schrecken bewusst; aber die Zahl derer, die ich nicht einmal weiß, ist noch größer…“ (Johann Gerhard) 

 

„Wie bist du gerecht vor Gott? Allein durch den wahren Glauben in Jesum Christum, dass, obwohl mich mein Gewissen anklagt, dass ich gegen alle Gebote Gottes schwer gesündigt und keines von ihnen je gehalten habe, ja, auch noch immer zu allem Bösen geneigt bin, doch Gott ohne all meine Verdienste mir aus lauter Gnade die vollkommene Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi schenkt und anrechnet, als hätte ich nie eine Sünde begangen oder gehabt und selbst all den Gehorsam vollbracht, den Christus für mich geleistet hat, wenn ich allein diese Gnade mit gläubigem Herzen annehme.“ (Heidelberger Katechismus)

 

„Die Gerechtigkeit Gottes ist die Eigenschaft, nach welcher Gott das von ihm vorgeschriebene Gute belohnt und das von ihm verbotene Böse bestraft.“ (Adolf Hoenecke)

 

GESANG

„Singet dem Herrn ein neues Lied“ ruft uns der Psalter immer wieder zu. Es ist das an jedem Morgen neue Christuslied, das die Hausgemeinschaft in der Frühe anstimmt, das neue Lied, das von der ganzen Gemeinde Gottes auf Erden und im Himmel gesungen wird und das wir mitzusingen berufen sind. Ein einziges großes Loblied hat Gott sich in Ewigkeit bereitet, und wer zur Gemeinde Gottes hinzutritt, der stimmt in dieses Lied mit ein. Es ist das „Loblied und Jauchzen der Morgensterne und aller Kinder Gottes“ vor Erschaffung der Welt (Hiob 38,7). Es ist das Siegeslied der Kinder Israel nach dem Durchzug durch das Rote Meer, das Magnifikat der Maria nach der Verkündigung, das Loblied des Paulus und Silas in der Nacht des Gefängnisses, das Lied der Sänger am gläsernen Meer nach ihrer Errettung, das „Lied Moses und des Lammes“ (Offbg. 15,3), es ist das neue Lied der himmlischen Gemeinde. Am Morgen jedes Tages stimmt die Gemeinde auf Erden in dieses Lied ein und des Abends beschließt sie den Tag mit diesem Lied. Der dreieinige Gott und sein Werk ist es, was hier gepriesen wird. Anders klingt dieses Lied auf Erden und anders im Himmel. Auf Erden ist es das Lied der Glaubenden, im Himmel das Lied der Schauenden, auf Erden ist es ein Lied in armen Menschenworten, im Himmel sind es „unaussprechliche Worte, die kein Mensch sagen kann“ (2. Kor. 12,4) (…). Das neue Lied wird zuerst im Herzen gesungen. Anders kann es gar nicht gesungen werden. Das Herz singt, weil es von Christus erfüllt ist. Darum ist alles Singen in der Gemeinde ein geistliches Ding. Hingabe an das Wort, Einordnung in die Gemeinschaft, viel Demut und viel Zucht ist die Voraussetzung alles gemeinsamen Singens. Wo das Herz nicht mitsingt, dort gibt es nur das greuliche Durcheinander menschlichen Selbstruhms. Wo nicht dem Herrn gesungen wird, dort singt man sich selbst oder der Musik zu Ehren. So wird das neue Lied zum Götzenlied (…). Je mehr wir singen, desto größer wird unsere Freude daran, aber vor allem je gesammelter, je zuchtvoller, je freudiger wir singen, desto reicher wird der Segen sein, der vom gemeinsamen Singen auf das gesamte Leben der Gemeinschaft ausgeht. Es ist die Stimme der Kirche, die im gemeinsamen Singen hörbar wird. Nicht ich singe, sondern die Kirche singt, aber ich darf als Glied der Kirche an ihrem Liede teilhaben. So muss alles rechte gemeinsame Singen dazu dienen, dass der geistliche Blick sich weitet, dass wir unsere kleine Gemeinschaft als Glied der großen Christenheit auf Erden erkennen, dass wir uns willig und freudig mit unserem schwachen oder guten Gesang einordnen in das Lied der Kirche.“ (Dietrich Bonhoeffer) 

 

GESCHENK

„Es ist eine große, schreckliche Verkehrung des Evangeliums, wenn man den Glauben fordert, als wäre das die Bedingung der Rechtfertigung und Seligkeit. Wenn ein Bettelmann zu Ihnen kommt, und bittet um ein Almosen, werden Sie ihm dann sagen: „Ja, unter einer gewissen Bedingung will ich dir etwas geben“? Er würde fragen: „Unter welcher denn?“ „Nun, dass du es nimmst!“ Der würde denken, Sie machen Spaß, würde lachen und sagen: „Ja, das will ich gerne tun; und je mehr Sie geben, desto fröhlicher will ich nehmen.“ – Aber es ist eine greuliche Verkehrung des Evangeliums, wenn ich den Glauben zur Bedingung mache. Freilich, willst du nicht glauben, dann kann dir kein Mensch helfen. Aber du sollst einmal nicht sagen: „Gott hat mir wohl Gnade angeboten, aber unter einer Bedingung, und die war zu schwer.“ Nein, unter keiner Bedingung hat er dir Gnade angeboten. Gott hat keine Bedingung gemacht, sondern er hat es dir hingehalten und gesagt: „Da, nimm es!“ (C. F. W. Walther)

 

GESETZ

„Was ist das Gesetz Gottes insgemein? Es ist eine Lehre, von Gott gegeben, die da zeiget und weiset, wie wir sein sollen, was Gott von uns wolle getan und gelassen haben.“ (Martin Chemnitz)

 

„Alles Wort Gottes, worin Gott den Menschen Gebot oder Verbot vorlegt, ist das Gesetz Gottes, welches als Offenbarung der ewigen Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes alle Menschen zu allen Zeiten zum vollkommensten Gehorsam verpflichtet; und wie es ursprünglich und vor dem Sündenfall den Zweck hatte, dem mit Gott vereinten Menschen ein Weg des Lebens zu sein, so hat es nach der im Sündenfall geschehenen Trennung des Menschen von Gott vornehmlich den Zweck, die Sünden aufzudecken und Verdammnis zu predigen.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Was ist das Gesetz? Die Lehre, die uns vorhält, was Gott von uns fordert, wie wir sein, und was wir tun sollen, darüber er denjenigen, die solches vollkommen halten werden, ewigen Segen und die Seligkeit verspricht, allen aber, die es nicht vollkommen erfüllen, den Fluch und die ewige Verdammnis drohet.“ (Philipp J. Spener)

 

GESETZ UND EVANGELIUM

(Das Gesetz ist) „die von Gott gegebene Lehre, welche vorschreibt, wie wir beschaffen sein, was wir tun und unterlassen sollen: und einen vollkommenen Gehorsam gegen Gott verlangt, und verkündigt, dass Gott denen, welche den vollkommenen Gehorsam nicht leisten, zürne, und, sie mit dem ewigen Tode bestrafe.“ (Leonhard Hutter)

 

(Das Evangelium ist) „eine solche Lehre, die da lehret, was der Mensch glauben soll, der das Gesetz nicht gehalten, und durch dasselbige verdammt, nämlich, dass Christus alle Sünde gebüßt und bezahlet, und ihm ohne allen seinen Verdienst erlanget, und erworben habe Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, die für Gott gilt, und das ewige Leben.“ (Ph. Melanchthon)

 

„In jeder Predigt müssen beide Lehren vorkommen. Wenn eine von beiden fehlt, so ist die andre falsch. Denn das ist eine falsche Predigt, die nicht alles gibt, was zur Seligkeit gehört.“ (C. F. W. Walther)

 

„Worin stehet denn der Unterschied des Gesetzes und des Evangelii? Erstlich: das Gesetz ist etlichermaßen von Natur bekannt, Röm. 2; das Evangelium aber ist ein Geheimnis, aller Vernunft verborgen, welches Gott allein durch sein Wort geoffenbaret hat. Matth. 16. 1 Kor. 2. Eph. 1. Röm. 16. Zum andern: das Gesetz ist ein Amt, das die Sünde offenbaret, beschuldiget und anklaget und von wegen der Sünde alle Menschen zum Tode verdammet. Das Evangelium aber ist ein Amt, das in Christo weiset die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, und durch dieselbige das ewige Leben gibt allen, die daran glauben. 2 Kor. 3. Röm. 1. Zum dritten: das Gesetz redet auch von einer Gerechtigkeit und Seligkeit, aber weiset auf uns, dass wir in unserer Natur, Tun und Werken dieselbige Gerechtigkeit vollkömmlich haben sollen, wo wir dadurch leben wollen. Weil uns aber das unmöglich ist, so weiset uns das Evangelium auf Christum, dass er durch seinen Gehorsam, Leiden und Sterben uns erworben habe die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche uns aus Gnaden, ohne unser Verdienst, allein um Christi willen durch den Glauben zugerechnet und geschenket wird. Röm. 10. Gal. 3.“ (Martin Chemnitz)

 

„Der christliche Glaube gründet, genau gesehen, auf dem Geheimnis des Erlösers, der, menschliche und göttliche Natur in sich vereinend, die Menschen der Verderbtheit der Sünde entrissen hat, um sie mit Gott in seiner göttlichen Person zu versöhnen. Also lehrt der christliche Glaube diese zwei Wahrheiten zugleich: es gibt einen Gott, dessen die Menschen fähig sind, und es gibt in der Natur eine Verderbtheit, die seiner unwürdig macht. Gleich wichtig ist für den Menschen, dieses und jenes zu wissen; und es ist gleich gefährlich für den Menschen, von Gott zu wissen, ohne sein Elend zu kennen, wie sein Elend zu wissen, ohne den Erlöser zu kennen, der ihn davon zu heilen vermag. Kennt man nur eins davon, so führt das entweder zu dem Dünkel der Philosophen, die Gott gekannt haben und nicht ihr Elend, oder zur Verzweiflung der Atheisten, die ihr Elend ohne den Erlöser kennen. Da es für den Menschen gleich notwendig ist, von beiden Punkten Kenntnis zu haben, müssen wir, weil wir von beiden wissen, der Barmherzigkeit Gottes danken. Der christliche Glaube tut das, und darin besteht er. Daran prüfe man die Ordnung der Welt und urteile, ob nicht alles dahin zielt, die zwei Hauptsätze dieses Glaubens zu bestätigen: Die sich verirren, irren sich nur, weil sie einen von beiden übersehen. Daraus folgt, dass man Gott wohl kennen kann, ohne von seinem Elend zu wissen, und auch sein Elend, ohne von Gott zu wissen. Aber man kann Jesus nicht kennen, ohne sowohl Gott als sein Elend zu kennen.“ (Blaise Pascal)

 

„Wie das Gesetz zu seinem Inhalte die Verkündigung des göttlichen Willens hat, und dem Beobachter desselben Lohn verheißt, dem Übertreter Strafe droht, so hat das Evangelium, zum Unterschied vom Gesetz, zu seinem Inhalt die Lehre von der gnadenreichen Vergebung der Sünden, welche uns umsonst um Christi willen durch den Glauben zukommen soll. In der Predigt des Ev. ist also dem Menschen das Mittel gezeigt, wie er der Verdammung, welche das Gesetz über ihn verhängt, entgehen kann, und diese Predigt tritt da ein, wo der Mensch durch das Gesetz zur Erkenntnis der Sünde gebracht worden ist, hält ihm dann die Gnade Gottes, das Verdienst Christi und alle damit verbundenen Wohltaten vor und will den Glauben in ihm wirken, durch den er das Heil in Christo sich aneignet. – So verschieden demnach auch Gesetz und Evangelium ihrer Bedeutung nach sind, so ist doch kein Widerspruch zwischen beiden gesetzt, sondern wie beide in gleicher Weise von Gott gegeben sind, so sind auch beide allezeit gültig, haben ihr Geschäft an allen Menschen auszurichten, und wollen ihrem letzten Endzwecke nach auch das Gleiche, nämlich das Heil der Menschen, zu dessen Bewirkung jedes von beiden das Seinige beiträgt. Wie nämlich durch die Predigt des Gesetzes die Erkenntnis der Sünde und die Buße, so wird durch die Predigt des Evangeliums der Glaube gewirkt. Die Wirksamkeit des einen reiht sich also an die des andern an: die Wirksamkeit des einen hört aber darum da noch nicht ganz auf, wo die Wirksamkeit des anderen eintritt, denn auch für den Wiedergeborenen bleibt das Gesetz eine Norm, nach der er sein sittliches Leben einrichtet, und erzeugt in ihm die täglich sich erneuernde Buße, indem es stets sein noch immer sündiges Wesen ihm aufdeckt.“ (Heinrich Schmid)

 

GEWISSEN

„Das Bewusstsein der Schuld haben wir in dem bösen Gewissen.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Fliehe dieses Gericht des Gewissens, in welchem einer und derselbe Angeklagter, Anwalt, Zeuge, Richter, Peiniger, Gefängnis, Geißel, Vollstrecker, Stockmeister ist. Welch Entrinnen wäre hier möglich, wo der selbst Zeuge ist, der anklagt, und wo dem nichts verborgen sein kann, welcher richtet? Was nützt’s, wenn alle dich loben, und das Gewissen dich anklagt? Was wird es schaden können, wenn alle sich von dir lossagen, und das Gewissen dich verteidigt? Dieser einige Richter ist genug für einen jeden zum Anklagen, zum Richten, zum Verdammen. Dieser unbestochene Richter kann weder durch Bitten andern Sinnes, noch durch Geschenke andern Willens gemacht werden. Wohin du auch gehest, wo du auch bist, da ist immer dein Gewissen bei dir, und trägt bei sich, was du in es gelegt hast, es sei nun Gutes, oder Böses; dem Lebendigen bewahrt es und dem Gestorbenen erstattet es, was in es niedergelegt worden ist und was es zur Bewahrung empfangen hat. So sind in Wahrheit des Menschen Feinde seine eignen Hausgenossen Matth. 10,36, so hast du im eignen Hause und von der eignen Familie Ankläger, Beobachter und Peiniger. Was nützt’s in der Fülle des Überflusses leben und von der Geißel des Gewissens gefoltert werden? Der Quell des menschlichen Glückes und Elendes liegt in dem Herzen. Was hilft’s einem Fieberkranken auf einem goldnen Bette liegen? Was hilft’s einem von den Bissen des Gewissens Geängsteten an der Masse äußeren Glückes sich ergötzen? (…..) Es sind drei Gerichte: das Gericht der Welt, das Gericht deiner selbst, und das Gericht Gottes. Wie du aber dem Gerichte Gottes nicht entlaufen kannst, so wirst du auch deinem eigenen Gerichte nicht entlaufen können, wenn du auch einmal dem Gericht der Welt entläufst. Es gibt keine Wände, die es verhindern können, dass dieser Zeuge deine Handlungen sieht. Welche Entschuldigung wird’s vermögen, dich in Schutz zu nehmen, wenn die innere Anklage dich verdammt? Die Ruhe des Gewissens ist der Anfang des ewigen Lebens. Wahrer und zu größerer Erquickung wirst du mitten in Trübsal des guten Gewissens dich freuen, als des bösen mitten in der Freude. Aller Anschuldigung der Boshaften wirst du die Entschuldigung des Gewissens entgegenstellen können. Frage dich über dich, weil du dich viel besser kennst, als irgend ein andrer Mensch. Was werden im letzten Gericht die falschen Lobeserhebungen anderer helfen, was die falschen Verunglimpfungen anderer schaden? Gottes und deinem Gerichte wirst du stehen oder fallen, nicht dem Zeugnisse anderer wirst du stehen oder fallen. Das Gewissen hat kein Ende, wie die Seele kein Ende hat. So lange werden die göttlichen Strafen die Verdammten drücken, als die Anklage des Gewissens dauern wird. Kein äußerliches Feuer greift den Körper so heftig an, als diese innerliche Flamme die Seele mit ihrem Brande angreift. Ewig ist die Seele, die den Brand empfindet, ewig das Feuer des Gewissens, welches brennt. Keine äußerlichen Streiche sind dem Leibe so lästig, als der Seele diese innerlichen Schläge beschwerlich sind. Hüte dich darum vor dem Fluch der Sünde, damit du der Marter des Gewissens entgehest.“ (Johann Gerhard)

 

„Wer Unruhe hat wegen seiner Sünden, der ist ein Narr, wenn er nicht eiligst zu Christo flieht und wenn er denkt: „Mein böses Gewissen zeigt ja an, dass ich nicht zu Gott kommen soll.“ Nein, das zeigt es an: Du sollst zu Jesu kommen, und dann wirst du ein fröhliches Gewissen bekommen, dass du bei Tag und auch bei Nacht, wenn du aufstehst und wenn du dich niederlegst, kannst Gott preisen mit fröhlichem Herzen. Denn wozu ist Christus für dich gestorben? Also, wenn du siehst, dass du noch die und die Sünde begangen hast, und du weißt keinen Rat – und du sollst auch keinen wissen aus dir selbst, aber es ist einer, der weiß Rat – dann gehe nur zu Jesu! – „Darum sollet Ihr nur in ihm durch getroste Verzweiflung an Euch selbst und Euren Werken Frieden finden.“ – Ein merkwürdiges Wort: „Durch getroste Verzweiflung an Euch selbst!“ Und doch ist es wahr! Wenn ein armer Sünder sich ansieht, so ist er verzweifelt; wenn er Jesum ansieht, so ist er getrost.“ (C. F. W. Walther)

 

GLAUBE

„Solches sehen und bedenken die Sophisten nicht; darum meinen sie, wir fechten um ein geringes Ding, wenn sie hören, dass wir vom Glauben lehren. Denn sie verstehen und wissen nicht, dass der Glaube eine Veränderung und Verneuerung ist der ganzen Natur; also dass Augen, Ohren und das Herz selbst ganz und gar anders hören, sehen und fühlen, denn andere Leute. Denn der Glaube ist ein lebendig und gewaltig Ding; er ist nicht ein schläfriger und fauler Gedanke, schwebt auch und schwimmt nicht oben auf dem Herzen, wie eine Gans auf dem Wasser, sondern ist wie Wasser, so durch Feuer erhitzt und erwärmt ist. Dasselbe, ob es wohl Wasser bleibt, so ist es doch nicht mehr kalt, sondern warm, und ist also gar ein ander Wasser: also macht der Glaube, der des Heiligen Geistes Werk ist, ein ander Herz, Gemüt und Sinn und macht also gar einen neuen Menschen. Darum ist der Glaube ein geschäftig, schwer und gewaltig Ding, und so man recht davon reden wollte, so ist er vielmehr ein Leiden, denn eine Wirkung. Denn er ändert Herz und Sinn; und da sich die Vernunft an das Gegenwärtige pflegt zu halten, da ergreift der Glaube die Dinge, so nirgend vor Augen scheinen; dieselben hält er wider alle Vernunft für gegenwärtig. Und ist dieses die Ursache, dass der Glaube nicht eines Jeden ist, wie das Gehör; denn Wenige sind gläubig, der größte Haufe aber hält sich viel mehr an gegenwärtige Dinge, die man fühlt und greift, denn an das Wort.“ (Martin Luther)

 

„Der Glaube ist das durch Gottes Wort gewirkte zuversichtliche Vertrauen auf Gottes Wort und insbesondere als rechtfertigender Glaube das Vertrauen auf die Zusage der Vergebung der Sünde in Christo.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Der rechtfertigende Glaube ist „nicht eine bloße Erkenntnis der Historien von Christo, sondern eine solche Gabe Gottes, dadurch wir Christum, unsern Erlöser, im Wort des Evangelii recht erkennen, und auf ihn vertrauen, dass wir allein um seines Gehorsams willen, aus Gnaden, Vergebung der Sünden haben, für fromm und gerecht von Gott dem Vater gehalten, und ewig selig werden.“ (Conc. Form. Summ. Begr. Art. 3. zitiert nach L. Hutter)

 

„Was der Glaube sei? Drei Stücke gehören darzu, a. eine Wissenschaft desjenigen, was uns Gott, als zu unser Seligkeit nötig, geoffenbart hat… b. eine solche Beistimmung zu dem, das Gott offenbart, dass man nicht zweifelt, dasselbe sei die himmlische göttliche Wahrheit... c. ein rechtschaffenes Vertrauen zu Gott, dass ein Mensch insonderheit sich zu Gott unzweiflig versieht, alles dasjenige, dessen er sich gegen die Menschen gutes erklärt hat, werde auch ihm sowohl, als sonst einigem Menschen zur Seligkeit gereichen.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Was ist denn ein solcher Glaube, der da laut der Schrift gerecht macht? Einfältig kann mans gemeinen Leuten erklären: wir sollen allem Wort, das Gott gegeben und offenbaret hat, glauben; aber der Glaube, der da gerecht machet, hat ein eigenes, sonderliches objectum, das er in der ganzen Schrift suchet, das er ergreift, darauf er siehet, daran er sich hält, nämlich Christum, als unsern Mittler und Erlöser, und die Verheißung der Gnaden um Christus willen, Röm. 3 und 4, Gal. 3. An dasselbige objectum aber hält sich der Glaube also, dass er erstlich aus Gottes Wort erkennet die Person, Amt, Verdienst und Wohltaten Christi und die Verheißung der Gnaden um Christus willen, dass er das alles für wahr, fest und gewiss hält, Eph. 1 und 4. Kol. 2. – Zum andern ergreift der Glaube dies alles nicht schlecht wie eine Historie, oder dass es insgemein hin also wahr sei, sondern er fasset und schließt dich für deine Person insonderheit mit in die gemeine Verheißung, also dass du Christum mit allen seinen Wohltaten, so dir der Vater im Wort und Sakramenten vorstellet, reichet und gibt, mit herzlichem Begehr, Verlangen, Vertrauen und Zuversicht für deine Person ergreifest und annehmest und also dich daran hältst, dass du dein Vertrauen und Zuversicht, ob es gleich oft in schwerer Anfechtung und großer Schwachheit geschieht, darauf setzest, dass Gott dir für deine Person um Christus willen deine Sünde vergebe, dich zu Gnaden annehme und dich mache zu seinem Kinde und Erben des ewigen Lebens.“ (Martin Chemnitz)

 

„Der Glaube ist die herzliche Zuversicht eines Menschen, der in göttlicher Wirkung aus dem Wort die Wahrheit erkennet, die in demselben vorgetragenen evangelischen Verheißungen ihm selbst zueignet, sich gänzlich auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes aus Christi Verdienst verlässet, und darinnen seine Seligkeit erlangt und besitzet.“ (Philipp J. Spener)

 

„Die Gnadengabe des Glaubens, wodurch die Erwählten befähigt werden, zum Heil ihrer Seelen zu glauben, ist das Werk des Geistes Christi in ihren Herzen; nach der Ordnung Gottes bewirkt durch den Dienst des Wortes. Diese Gnadengabe wächst und wird gefestigt durch das Wort, durch Sakramentsverwaltung und Gebet.“ (Westminster Bekenntnis) 

 

„Der christliche Glaube ist nicht bloß eine Meinung oder menschliche Überzeugung, sondern ein felsenfestes Vertrauen, eine offenbare und beständige Zustimmung des Herzens und ein ganz gewisses Erfassen der Wahrheit Gottes, die in der Heiligen Schrift und im Apostolischen Glaubensbekenntnis dargelegt ist, ja Gottes selbst als des höchsten Gutes und besonders der göttlichen Verheißung, und Christi, der der Inbegriff aller Verheißungen ist. Dieser Glaube aber ist ganz und gar Gottes Gabe, die Gott allein um seiner Gnade willen und nach seinem Ermessen seinen Erwählten schenkt, wann, wem und in welchem Maße er will, und zwar durch den Heiligen Geist mittelst der Predigt des Evangeliums und des gläubigen Gebetes.“ (Heinrich Bullinger)

 

„Mir ist es bisher wegen angeborener Bosheit und Schwachheit unmöglich gewesen, den Forderungen Gottes zu genügen. Wenn ich nicht glauben darf, dass Gott mir um Christi willen dies täglich beweinte Zurückbleiben vergebe, so ist’s aus mit mir. Ich muss verzweifeln. Aber das laß‘ ich bleiben. Wie Judas an den Baum hängen, das tu‘ ich nicht. Ich hänge mich an den Hals oder Fuß Christi wie die Sünderin. Ob ich auch schlechter bin als diese, ich halte meinen Herrn fest. Dann spricht er zum Vater: Dieses Anhängsel muss auch durch. Es hat zwar nichts gehalten und alle deine Gebote übertreten. Vater, aber er hängt sich an mich. Was will’s! Ich starb auch für ihn. Laß ihn durchschlupfen. Das soll mein Glaube sein.“ (Martin Luther)

 

„Der Glaube ist aber nicht eine bloße Meinung und Bekenntnis, sondern eine lebendige und wirksame Ergreifung Christi, der sich im Evangelio uns darbietet; er ist die vollste Gewissheit von der Gnade Gottes, eine zuversichtliche Ruhe unsers Herzens und ein Friede, der auf Christi Verdienst sich gründet Hebr. 11,1. Dieser Glaube wird aus dem Samen des göttlichen Wortes geboren, denn der Glaube und der Geist sind eins, das Wort aber ist der Träger des heiligen Geistes. Die Frucht gleicht dem Wesen ihres Samens. Der Glaube ist eine göttliche Frucht, also muss auch göttlicher Same da sein, nämlich das Wort. Wie bei der Schöpfung das Licht durch das Wort Gottes entstand, denn Gott sprach, und es ward Licht 1 Mos. 1,3: so entspringt das Licht des Glaubens aus dem Lichte des göttlichen Wortes: in deinem Lichte sehen wir das Licht Ps. 36,10, spricht der Psalmist. Da der Glaube uns mit Christo verbindet, uns mit Christo vereiniget, darum ist er auch in uns die Mutter aller Tugenden: wo der Glaube, da ist Christus; wo Christus, da ist heiliges Leben, nämlich wahre Demut, wahre Sanftmut, wahre Liebe.“ (Johann Gerhard)

 

„So ist denn der Glaube eine Gabe Gottes, nicht weil er dem freien Willen des Menschen von Gott angeboten wird, sondern weil er dem Menschen wirklich geschenkt, eingegeben und eingeflößt wird; auch nicht deshalb, weil Gott nur die Fähigkeit zum Glauben erteilte und danach die Zustimmung oder das wirkliche Glauben von dem freien Willen des Menschen erwartete, sondern weil er, der das Wollen und das Vollbringen, ja, alles in allen, wirkt, in dem Menschen beides zustande bringt, den Willen, um zu glauben, und den Glauben selbst.“ (Lehrregel von Dordrecht)

 

„Nicht allein gibt der Glaube so viel, dass die Seele dem göttlichen Wort gleich wird, aller Gnaden voll, frei und selig, sondern vereinigt auch die Seele mit Christo als eine Braut mit ihrem Bräutigam. Aus welcher Ehe folgt, wie St. Paulus sagt Eph. 5,30., dass Christus und die Seele Ein Leib werden; so werden auch beider Güter, Fall, Unfall und alle Dinge gemein, dass, was Christus hat, das ist eigen der gläubigen Seele; was die Seele hat, wird eigen Christi. So hat Christus alle Güter und Seligkeit; die sind der Seele eigen. So hat die Seele alle Untugend und Sünde auf ihr; die werden Christi eigen. Hie hebt sich nun der fröhliche Wechsel und Streit. Dieweil Christus ist Gott und Mensch, welcher noch nie gesündigt hat, und seine Frömmigkeit unüberwindlich, ewig und allmächtig ist, so er denn der gläubigen Seele Sünde durch ihren Brautring, das ist der Glaube, ihm selbst eigen macht, und nicht anders tut, denn als hätte er sie getan; so müssen die Sünden in ihm verschlungen und ersäuft werden. Denn seine unüberwindliche Gerechtigkeit ist allen Sünden zu stark. Also wird die Seele von allen ihren Sünden lauterlich durch ihren Mahlschatz, das ist, des Glaubens halben ledig und frei, und begabt mit der ewigen Gerechtigkeit ihres Bräutigams Christi. Ist nun das nicht eine fröhliche Wirtschaft, da der reiche, edle, fromme Bräutigam Christus das arme, verachtete, böse Hürlein zur Ehe nimmt und sie entledigt von allem Übel, ziert mit allen Gütern? So ist's nicht möglich, dass die Sünde sie verdamme, denn sie liegen nun auf Christo, und sind in ihm verschlungen. So hat sie so eine reiche Gerechtigkeit in ihrem Bräutigam, dass sie abermals wider alle Sünde bestehen mag, ob sie schon auf ihr lägen. Davon sagt Paulus 1 Kor. 15,57.55.: „Gott sei Lob und Dank, der uns hat gegeben eine solche Überwindung in Christo Jesu, in welcher verschlungen ist der Tod mit der Sünde.“ (Martin Luther)

 

„Nachdem die Versöhnung mit Gott durch Christum ist zu Stande gebracht, indem er an Statt der Menschen das Gesetz erfüllt, und für die Sünde der Welt genug getan hat, wird von da an den Menschen das neue Heil gepredigt, und ihnen in demselben die Vergebung ihrer Sünden angeboten (…). Um derselben teilhaftig zu werden, bedarf es nun nicht noch eines Werkes von Seiten des Menschen, durch welches er sich dieselbe erst verdiente, denn Christus hat allein alles getan, was zur Erwerbung des Heils nötig war, sondern deß allein bedarf es, dass der Mensch das ihm dargebotene Heil in Empfang nehme, dass er die ihm gegebene Verheißung sich auch aneigne, und dies geschieht durch den Glauben. Zu diesem Glauben wird es aber nur dann kommen, wenn der Mensch, nachdem ihm das durch Christum erworbene Heil verkündet und angeboten ist, die Wahrheit des Vorhandenseins dieses Heils und dieser Verheißung, wie das Tröstliche, das für ihn darin liegt, erkennt und die Zuversicht zu fassen vermag, dass dieses Heil nicht etwa nur diesem oder jenem, sondern auch ihm zugedacht ist, denn eine fröhliche Botschaft kann dem Menschen doch nur dann nützen, wenn er an der Wahrheit derselben nicht zweifelt, sondern sich überzeugen kann, dass auch er damit gemeint ist.“ (Heinrich Schmid)

 

„Der Glaube ergreift Christum, den Sohn Gottes, mit allen seinen himmlischen Gnadenschätzen, sonderlich die Versöhnung mit Gott, Vergebung der Sünden, den heiligen Geist, und alles, was Gottes ist, und das ewige Leben. Da können weder Sünde, Tod, Teufel, Hölle oder Welt einem solchen Menschen schaden, denn er hat Christum in sich und bei sich wohnend, der seine Gerechtigkeit ist wider die Sünde, sein Leben wider den Tod, seine Stärke wider den Teufel, sein Himmelreich wider die Hölle, sein Sieg wider die Welt, sein Segen wider aller Welt Fluch, seine Seligkeit wider alle Unseligkeit dieser Welt, seine Freiheit wider alle Menschensatzungen; welche der Herr Joh. 8,36. mit dem kurzen Sprüchlein begreift: So euch der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei. Also ist Christus dem Glauben alles, und er bedarf nichts mehr zur Seligkeit, als Christum alleine. Derowegen gibt der Glaube der Seele und dem Gewissen Ruhe, Friede, Freiheit und vertreibet alle Furcht, Angst und Schrecken und macht das Herz in Gott getrost und freudig.“ (Johann Arndt)

 

„Was gehört denn dazu, dass Christus mit seinem Verdienst unser werde? Zweierlei; erstlich, dass uns Gott dasselbe vortrage, anbiete, reiche, schenke und gebe durch seinen Geist. Und dazu hat Gott ein sonderlich Mittel oder Werkzeug verordnet, nämlich das Wort des Evangelii und die Sakramente, das ist Gottes seine gnädige, milde Hand, welche er zu uns ausstrecket und auftut, dadurch uns vorträgt, reichet und gibt die Verdienste und Wohltaten seines Sohnes zu unserer Seligkeit. Röm. 10. 2 Kor. 5. Tit. 3. Zum andern gehöret dazu, dass wir dasselbige ergreifen, an und zu uns nehmen und das applizieren. Und das geschieht durch den Glauben, Röm. 1. 3. 4. Joh. 3. Gal. 3; denn der Glaube ist gleichwie unsere Hand, dadurch wir als dürftige Bettler Christi Wohltaten zu uns nehmen, Joh. 1, und ist das Band, dadurch Christus in uns wohnet, Eph. 3, und wir in ihm gefunden werden, Phil. 3.“ (Martin Chemnitz)

 

GLAUBE UND EGOISMUS

In Röm 9,3 trauert Paulus um Israel und sagt: „Ich selber wünschte, verflucht und von Christus getrennt zu sein für meine Brüder, die meine Stammverwandten sind nach dem Fleisch…“. Martin Luther sagt dazu:

„Diese Worte kommen denen wunderlich, ja töricht vor, die sich heilig dünken und Gott mit der Liebe sündlicher Begier lieben, d. h. um ihres Heiles und um der ewigen Ruhe willen oder um der Hölle zu entgehen, d. h. nicht um Gottes, sondern um ihrer selbst willen. Sie schwätzen davon, dass die „geordnete“ Liebe bei sich selbst anhebe, und jeder müsse zunächst sich selbst das Heil wünschen, hernach wie sich so auch dem Nächsten. So denken sie, weil sie nicht wissen, was das heißt: selig und erlöst sein; es sei denn, sie verstehen darunter ein vergnügliches Dasein führen und es sich gut gehen lassen, wie es sich ihre Phantasie ausmalt, wo doch „Seligsein“ heißt: den Willen Gottes und seinen Ruhm in allen Dingen wollen und nichts eigenes wünschen weder hier noch im zukünftigen Leben. Für die aber, die Gott wahrhaft lieben mit der Liebe eines Kindes und Freundes, die nicht von Natur da ist, sondern allein vom Heiligen Geist kommt, sind diese Worte wunderschön und Zeugnisse eines Vorbildes von vollkommener Art. Solche schicken sich freiwillig in jeglichen Willen Gottes, auch in die Hölle und den ewigen Tod, wenn es Gott so will, dass sein Wille völlig geschehe; so sehr suchen sie nichts von dem, was das Ihre ist. Doch so, wie sie sich selbst dem Willen Gottes so ohne Vorbehalt gleichförmig machen, so ist’s unmöglich, dass sie in der Hölle bleiben. Denn es ist unmöglich, dass außerhalb von Gott bleibt, wer sich dem Willen Gottes so völlig hingibt. Er will, was Gott will, also gefällt er Gott; gefällt er ihm, so ist er geliebt; ist er geliebt, so ist er selig. Aber man kann fragen, ob es Gott jemals gewollt hat oder will, dass sich ein Mensch in die Hölle schickt und der Verdammnis ausliefert oder in das Verbanntsein von Christus weg im Einklang mit Gottes Willen. Ich antworte: Bei den allermeisten will er’s und vor allem bei denen, die in der Liebe oder in der reinen Hingabe an Gott noch unvollkommen sind. Denn bei ihnen muss die sündliche Eigenliebe, die sich so tief eingenistet hat, notwendigerweise ausgerottet werden. Sie wird aber nur ertötet durch eine überschwenglich reiche Eingießung der Gnade oder durch solche rücksichtsloseste Selbstaufopferung.“ (Martin Luther)

 

GLÜCK UND UNGLÜCK 

„Was dir widerfährt, das wende zum Besten; so oft dir Glück zu Teil wird, bedenke, dass dir Grund zum Segnen und Loben gegeben wird; so oft Unglück zu dir sich nahet, bedenke, dass du erinnert werden sollst an Reue und Bekehrung. Die Stärke deiner Kraft beweise im Helfen, die Stärke deiner Weisheit im Erziehen, die Stärke des Reichtums im Wohltun. Das Ungemach breche deine Kraft nicht, und das Glück mache dich nicht stolz.“ (Johann Gerhard)

 

„Eben das ist das Unglück, dass die Leute durch das Glück glücklich werden wollen und nicht durch ein Leben, bei dem der Segen Gottes ist.“ (Jeremias Gotthelf)

 

GNADE 

„Die Zusage der Gnade darf nicht verschleudert werden, sie bedarf des Schutzes vor den Gottlosen. Es gibt solche, die des Heiligtums nicht wert sind. Die Verkündigung der Gnade hat ihre Grenze. Wer die Gnade nicht erkennt, nicht unterscheidet und nicht begehrt, dem darf sie nicht verkündigt werden. Nicht nur wird dadurch das Heiligtum selbst besudelt, nicht nur müssen die, die sich versündigen, noch schuldig werden am Heiligsten, sondern der Missbrauch des Heiligen muss sich gegen die Gemeinde selbst wenden. Die Welt, der die Gnade als Schleuderware hingeworfen wird, wird ihrer überdrüssig, zertritt nicht nur das Heilige, sondern zerreißt auch die, die es ihr aufdrängen. Um des Heiligen willen, um der Sünder willen und um der Gemeinde willen soll das Heilige geschützt werden vor billiger Preisgabe.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

„Alles, was besser als Hölle ist, ist Gnade.“ (Charles H. Spurgeon)

 

GOTT

„Es gibt nur einen einzigen lebendigen und wahren Gott, der unendlich ist in Wesen und Vollkommenheit, ganz und gar Geist, unsichtbar, ohne Körper, Teile oder willkürliche Gemütserregungen. Er ist unveränderlich, unermesslich, ewig, unbegreiflich, allmächtig, allwissend, absolut heilig, vollkommen frei, herrscht völlig uneingeschränkt und wirkt alle Dinge nach dem Rat seines eigenen unwandelbaren und absolut gerechten Willens zu seiner eigenen Ehre. Er ist voller Liebe, Gnade und Barmherzigkeit, geduldig, reich an Güte und Wahrheit, vergibt Missetat, Übertretung und Sünde und belohnt, die ihn eifrig suchen. Zugleich ist er absolut gerecht und sehr schrecklich in seinen Gerichten, denn er hasst alle Sünde und spricht den Schuldigen auf keinen Fall frei. Gott hat alles Leben, alle Herrlichkeit, Güte und Erfüllung in sich und von sich selbst, und ist allein in sich und für sich selbst allgenugsam: indem er in keiner Weise irgendeine Kreatur benötigt, die er geschaffen hat, noch auf irgendeine Ehre von dieser angewiesen ist; vielmehr offenbart er nur seine eigene Ehre in, durch, an und über diese. Er allein ist der Grund alles dessen, was ist, von dem, durch den und zu dem hin alle Dinge sind, und er hat die höchste Macht über sie, durch sie, für sie oder über ihnen zu tun, was immer ihm gefällt. Vor seinen Augen sind alle Dinge aufgedeckt und nichts entgeht ihm, sein Wissen ist unendlich, unfehlbar und unabhängig von den Kreaturen, so wie nichts für ihn zufällig oder ungewiss ist. Er ist ganz und gar heilig in seinen Ratschlüssen, in allen seinen Werken und in allen seinen Geboten. Ihm steht zu – von Engeln und Menschen und jeder anderen Kreatur –, was er auch immer nach seinem Gefallen von ihnen an Verehrung, Dienst oder Gehorsam fordert.“ (Westminster Bekenntnis) 

 

„Gott, von dem unsere Seligkeit ursprünglich herrührt, ist ein geistiges Wesen, ewig, allmächtig, allwissend, allenthalben gegenwärtig, unendlich, wahrhaftig, barmherzig, heilig und gerecht.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Aufs kürzeste können wir Gottes Wesen nach der Schrift beschreiben mit den Worten: Gott ist unendlicher, unbedingter Geist.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Gott ist nicht ein ausgereckt, lang, breit, dick, hoch, tief Wesen, sondern ein übernatürlich, unerforschlich Wesen, das zugleich in einem jeglichen Körnlein ganz und gar und dennoch in allen und über allen und außer allen Kreaturen sei. Darum bedarfs keines Umzäunens hier; denn ein Leib ist der Gottheit viel, viel zu weit und könnten viel tausend Gottheit drinnen sein, wiederum auch viel, viel zu enge, dass nicht eine Gottheit drinnen sein kann. Nichts ist so klein, Gott ist noch kleiner, nichts ist so groß, Gott ist noch größer, nichts ist so kurz, Gott ist noch kürzer, nichts ist so lang, Gott ist noch länger, nichts ist so breit, Gott ist noch breiter, nichts ist so schmal, Gott ist noch schmäler, und so fort an, ist's ein unaussprechlich Wesen über und außer allem, das man nennen oder denken kann.“ (Martin Luther)

 

„Gott ist ein geistliches, ewiges, unendliches Wesen, allmächtig, barmherzig, gnädig, gerecht, heilig, wahrhaftig, allein weise, von unaussprechlicher Liebe und Treue; Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, einig im Wesen, dreifältig in den Personen, und ist das höchste Gut, und alles Gut wesentlich, und das ist das rechte ewige Licht. Derohalben wer sich von Gott, von seiner Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit abwendet, der wendet sich von dem Licht ab, und fällt in die Finsternis.“ (Johann Arndt) 

 

„Wir glauben und lehren, dass Gott Einer sei nach Wesen und Natur, dass er durch sich selbst bestehe und in allem sich selbst genüge, dass er der unsichtbare, unkörperliche, unendliche, ewige, der Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge sei, das höchste Gut, der Lebendige, der alles ins Leben ruft und erhält, allmächtig und allweise, gütig oder auch barmherzig, gerecht und wahrhaftig.“ (Heinrich Bullinger) 

 

„Wir bekennen einen einigen Gott, dem wir allein anhängen und dienen müssen und auf den wir allein unsre Zuversicht setzen, welcher ist ewig, unendlich, unermesslich, unergründlich, allmächtig, unsichtbar, einer in seinem Wesen und doch unterschieden in drei Personen, den Vater, den Sohn und den heiligen Geist, durch welchen, wie wir bekennen und glauben, alle Dinge im Himmel und auf Erden, so wohl die sichtbaren, als auch die unsichtbaren geschaffen sind, in ihrem Dasein erhalten und nach seiner unergründlichen Vorsehung so geleitet und regiert werden, wie es seine ewige Weisheit, Güte und Gerechtigkeit beschlossen hat, zur Offenbarung seiner eigenen Herrlichkeit.“ (John Knox)

 

„Was ist also Gott? In Bezug auf das Weltall, das Ziel; in Bezug auf die Auserwählung, das Heil; in Bezug auf sich selbst – das weiß er allein. Was ist Gott? Der allmächtige Wille, die wohlwollendste Kraft, das ewige Licht, die unwandelbare Vernunft, die höchste Seligkeit; der Geister schafft zur Teilnahme an seiner Fülle, sie belebt, damit sie ihn erkennen, auf sie einwirkt, damit sie nach ihm verlangen, ihr Herz erweitert, dass sie ihn fassen, sie rechtfertigt, damit sie Verdienste sammeln, sie entzündet, damit sie Eifer haben, sie befruchtet, damit sie Frucht bringen, sie führt zur Gerechtigkeit, bildet zum Wohlwollen, lenkt zur Weisheit, kräftigt zur Tugend, heimsucht zur Tröstung, erleuchtet zur Erkenntnis, mit dauernder Kraft ausrüstet zur Unsterblichkeit, erfüllt zur Seligkeit und schirmend umgibt zum sichern Frieden.“ (Bernhard von Clairvaux)

 

„Ich glaube an dich von ganzem Herzen, o König des Himmels und des Erdkreises Herr; ich verehre dich als Vater, Sohn und Geist, dreifach den Personen, einig dem Wesen nach. Du bist der wahre, allmächtige Gott, unkörperlich, unsichtbar und unbegrenzter Natur. Nichts ist über dir oder unter dir, was größer wäre, als du. Du bist allerseits vollkommen ohne Mängel, groß ohne Ausdehnung, ewig ohne Zeit, bist Leben ohne Tod, stark ohne Schwäche, wahrhaftig ohne Trug. Du bist ohne Raum überall gegenwärtig, ohne Teilung überall ganz, ohne Regung erfüllst du alles, ohne Bewegung übersteigst du alles, ohne Ruhe bleibst du in allem, ohne Bedürfnis schaffst du alles, ohne Mühe regierst du alles. Keinen Anfang hast du und machst doch aller Dinge Anfänge, keine Veränderung trifft dich und bringst doch alle Veränderungen hervor. In deiner Größe bist du unendlich, in deiner Kraft allmächtig, in deiner Güte unerreichbar, in deiner Weisheit unerforschlich. Gerecht zeigst du dich in deinen Gerichten, geheimnisvoll in deinen Gedanken, wahrhaftig in Worten, heilig in Werken, reich an Mitleid, geduldig gegen Fehlende, gnädig gegen Reuige. Du bist immer dasselbe ewige und endlose Wesen, das kein Wille wandelt und keine Notwendigkeit vernichtet, das von keinem Unglück niedergebeugt und von keinem Glück erhoben wird. Nicht trägt dir Vergessenheit etwas davon, nicht bringt dir Gedächtnis etwas wieder; das Vergangene entschwindet dir nicht, die Zukunft zieht dir nicht entgegen. Nicht diente dir ein Ursprung zum Anfang, nicht die Zeit zum Wachstum, kein Zufall kann dir ein Ende setzen; sondern vor der Zeit, in der Zeit und nach der Zeit lebst du in Ewigkeit, und es ist dir beständiges Lob und ewiger Ruhm, unvergleichbare Gewalt und immerwährende Herrschaft bis in die unendliche und unermüdliche und unermessliche Ewigkeit Amen!“

Alkuin (+804) 

 

„Du, o Herr, bist nicht bloß das Größte, was gedacht werden, sondern größer, als man denken kann. Du wohnst in einem unzugänglichen Lichte. Das sehe ich nicht, weil es mir zu groß ist, und doch sehe ich alles, was ich sehe, nur durch dasselbe, gleichwie das schwache Auge, was es sieht, nur im Scheine der Sonne sieht. In deine Ursonne kann mein Verstand nicht hineindringen, ihre Strahlen leuchten zu stark. Zurückgeworfen werde ich von dem Glanze, überwältigt von der Größe, verwirrt durch die Unermesslichkeit. O höchstes Licht, o volle und selige Wahrheit, wie weit bist du von mir, und doch bin ich dir so nahe; wie entfernt bist du von meinem Blick, und doch bin ich dir so gegenwärtig!“

Anselm (+1109) 

 

„Was ist Gott? Die Länge und die Breite, und die Höhe und die Tiefe. Die Länge nach seiner Ewigkeit. Weder im Raum, noch in der Zeit hat er ein Ende. Die Breite nach seiner Liebe. Er hasst nichts von dem, das er gemacht hat, selbst die Feinde umschließen die Arme seines Erbarmens. Er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Nicht bloß alles Gefühl, alle Fassungskraft übersteigt seine Liebe; sie ist ewig, ja sie ist selbst eine Ewigkeit. Siehe nun, wie die Breite der Länge entspricht! Was ist Gott weiter? Die Höhe und die Tiefe. In der Höhe erkenne seine Macht, die unerreichbar, in der Tiefe seine Weisheit, die unerforschlich ist. O welch eine Tiefe des Reichtums beides der Weisheit und Erkenntnis Gottes; wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und wie unerforschlich seine Wege! ruft der Apostel aus. O mächtige Weisheit, die überall kräftig eingreift, o weise Macht, die alles lieblich regelt und ordnet! Siehe da das große Wesen mit seinen mannigfachen Eigenschaften und verschiedenen Wirkungsweisen! Die Länge ist es nach seiner Ewigkeit, die Breite nach seiner Liebe, die Höhe nach seiner Allmacht, die Tiefe nach seiner Weisheit.“ 

Bernhard (+1153) 

 

GOTT ALS MITTEL?

„Manche Leute wollen Gott mit den Augen ansehen, mit denen sie eine Kuh ansehen, und wollen Gott lieben, wie sie eine Kuh lieben. Die liebst du wegen der Milch und des Käses und deines eigenen Nutzens. So halten's alle jene Leute, die Gott um äußeren Reichtums oder inneren Trostes willen lieben; die aber lieben Gott nicht recht, sondern sie lieben ihren Eigennutz. Ja, ich sage bei der Wahrheit: Alles, worauf du dein Streben richtest, was nicht Gott in sich selbst ist, das kann niemals so gut sein, dass es dir nicht ein Hindernis für die höchste Wahrheit ist.“ (Meister Eckhart)

 

„Seht, alle die sind Kaufleute, die sich hüten vor groben Sünden und wären gern gute Leute und tun ihre guten Werke Gott zu Ehren, und tun sie doch darum, dass ihnen unser Herr etwas dafür gebe oder dass ihnen Gott etwas dafür tue, das ihnen lieb wäre. Dies sind alles Kaufleute. Bei solchem Handel sind sie betrogen. Denn, was sie sind, das sind sie durch Gott, und was sie haben, das haben sie von Gott und nicht von sich selbst. Darum ist ihnen Gott für ihre Werke und für ihr Geben gar nichts schuldig.“ (Meister Eckhart)

 

GOTT LIEBEN

„Gott hat seine Liebe in alle Kreatur ausgebreitet und ist doch in sich selbst Eins geblieben. Da an allen Kreaturen, und zwar an einer jeglichen, etwas Liebenswertes ist, darum liebt eine jegliche Kreatur, wennanders sie vernunftbegabt ist, an der andern etwas, das ihr gleicht. Darum verlangen die Frauen manchmal nach Rotem, weil sie ihre Befriedigung der Lust am lustvollen Anblick des Roten entnehmen wollen, und wenn sie ihre Befriedigung darin nicht finden, so verlangen sie ein ander Mal nach Grünem, und doch kann ihr Verlangen nicht erfüllt werden und das liegt daran: sie nehmen nicht nur die einfache Lust an sich, sondern nehmen das Tuch hinzu, das Träger der Farbe ist, die lusterregend erscheint. Und da in solcher Weise an einer jeglichen Kreatur etwas Lusterregendes in Erscheinung tritt, darum lieben die Menschen bald dies und bald das. Nun leg »dies« und »das« ab: was dann übrigbleibt, das ist rein nur Gott. Wenn einer ein Bild an eine Wand malt, dann ist die Wand Träger des Bildes. Wer nun das Bild an der Wand liebt, der liebt die Wand mit; wer die Wand wegnähme, der nähme auch das Bild weg. Nehmt aber nun die Wand so weg, dass das Bild bestehen bleibt, dann ist das Bild sein eigener Träger; wer dann das Bild liebt, der liebt ein reines Bild. Nun liebet alles was liebenswert ist, und nicht zugleich das, woran es liebenswert erscheint, dann liebst du rein nur Gott.“ (Meister Eckhart)

 

„Die Liebe hat kein Warum. Hätte ich einen Freund und liebte ich ihn darum, dass mir Gutes von ihm geschähe und mein voller Wille, so liebte ich nicht meinen Freund, sondern mich selbst. Ich soll meinen Freund lieben um seiner eigenen Güte und um seiner eigenen Tugenden und um alles dessentwillen, was er in sich selbst ist: dann erst liebe ich meinen Freund recht, wenn ich ihn so, wie eben gerade gesagt wurde, liebe. Ganz so steht es bei dem Menschen, der da in Gottes Liebe steht, der des Seinen nichts sucht an Gott noch an sich selbst noch an irgendwelchen Dingen und Gott allein um seiner eigenen Güte und um der Güte seiner Natur und um alles dessentwillen liebt, was er in sich selbst ist; und das ist rechte Liebe.“ (Meister Eckhart)

 

GOTT SUCHEN

„Wisse, wenn immer du irgendwie das Deine suchst, so findest du Gott nimmer, weil du nicht Gott ausschließlich suchst. Du suchst etwas mit Gott und tust gerade so, wie wenn du aus Gott eine Kerze machtest, auf dass man etwas damit suche; und wenn man die Dinge findet, die man sucht, so wirft man die Kerze hinweg. Ganz so tust du: Was immer du mit Gott suchst, das ist nichts, was es auch sei, sei's Nutzen oder Lohn oder Innerlichkeit oder was es auch sei; du suchst ein Nichts, darum findest du auch ein Nichts.“ (Meister Eckhart)

 

„Ich will euch eine Mär erzählen: Ein Mann fragte einen guten Menschen, was es zu bedeuten habe, dass es ihn zuweilen so sehr zu Andacht und Gebet gelüste, ein andermal aber ihn nicht danach gelüste. Da antwortete jener ihm dies: Der Hund, der den Hasen erblickt und ihn wittert und so auf die Spur kommt, der läuft dem Hasen nach; die anderen Hunde aber sehen zwar jenen Hund laufen, und so laufen auch sie; aber alsbald verdrießt es sie, und sie lassen ab. So auch ist es mit einem Menschen, der Gott erblickt und ihn gewittert hat: der lässt nicht ab, beständig hinter ihm her zu laufen. Daher spricht David: Schmecket und sehet, wie süß Gott ist! (Ps. 33,9). Einen solchen Menschen verdrießt es nicht; die anderen aber verdrießt es alsbald, Gott nachzujagen.“ (Meister Eckhart)

 

GOTTESBEWEISE

„Wenn die Narren sind, die in ihrem Herzen das Dasein Gottes leugnen, so kommen mir die noch unsinniger vor, die es erst beweisen wollen.“ (Johann Georg Hamann)

 

GOTTESBILDER

„Wenn dir der Gedanke kommt, dass alles, was du über Gott gedacht hast, verkehrt ist, und dass es keinen Gott gibt, so gerate darüber nicht in Bestürzung. Es geht allen so. Glaube aber nicht, dass dein Unglaube daher rührt, dass es keinen Gott gibt. Wenn du nicht mehr an den Gott glaubst, an den du früher glaubtest, so rührt das daher, dass in deinem Glauben etwas verkehrt war, und du musst dich bemühen, besser zu begreifen, was du Gott nennst. Wenn ein Wilder an seinen hölzernen Gott zu glauben aufhört, heißt das nicht, dass es keinen Gott gibt, sondern nur, dass er nicht aus Holz ist.“ (Leo Tolstoi)

 

GOTTESDIENST

„Was wird denn wegen des öffentlichen Gottesdienstes von uns erfordert? Dass ein jeder, so es zu tun vermag, mit herzlicher Vorbereitung, Vorsatz und Anrufung Gottes um seine Gnade für sich, seine Mitzuhörer und Prediger, sich in der christlichen Versammlung einfinde, daselbst sich unärgerlich halte, das Wort Gottes aus dem Mund des Predigers, aber nicht als Menschenwort, sondern, wie es wahrhaftig ist, als Gottes Wort anhöre, auf alles Vorgetragene, sonderlich aber dasjenige, was er findet zu seiner eigenen Auferbauung, Unterricht, Vermahnung, Warnung und Trost dienlich zu sein, fleißig Acht gebe, in dem Gebet für alle gemeine und eigene Not, Gesang und Almosensteuer sich mit der christlichen Gemeinde vereinige, der Heil. Sakramente sich andächtig mitgebrauche, oder denselben beiwohne, den Herrn mit Glauben empfange, und alles mit andächtigem Gebet beschließe.“ (Philipp J. Spener)

 

GOTTESERKENNTNIS

„Die natürliche Gotteserkenntnis ist die der Vernunft eingepflanzte und durch Betrachtung der göttlichen Werke entwicklungsfähige Überzeugung, dass Gott sei und dass er alle von ihm geschaffenen Dinge mit Weisheit, Macht und Gerechtigkeit regiere.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die übernatürliche Gotteserkenntnis ist die durch die Offenbarung im Wort vom Geist im Glauben geschenkte seligmachende Erkenntnis Gottes.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Es ist nicht zu bezweifeln, dass der menschlichen Seele von Natur ein gewisses Gefühl der Gottheit einwohne. Nämlich, damit sich Niemand mit Unwissenheit entschuldigen könne, hat Gott Allen eine gewisse Erkenntnis seiner Gottheit eingepflanzt, welche er immerdar erfrischet und oft mit neuen Tropfen benetzet: also dass sie, da sie ohne Ausnahme wissen, dass ein Gott, und dass er ihr Schöpfer sei, durch eigenes Zeugnis verdammt werden, wenn sie ihn nicht verehrten, und ihm ihr Leben weihten. Eine völlige Unkunde von Gott, würde man, so man sie suchte, am ehesten unter den verwilderten und von menschlicher Bildung entfernteren Völkern zu finden glauben. Aber, spricht jener Heide, es ist auch keine Nation so roh, kein Volk so verwildert, das nicht die Überzeugung hätte, dass ein Gott sei. Und welche in Hinsicht ihrer sonstigen Lebensweise sich nicht sehr von den Tieren zu unterscheiden scheinen, bewahren doch immer in sich einen Keim von Religion. So sehr hat jene gemeinsame Ahnung Aller Herzen und Seelen unvertilgbar durchdrungen.“ (Johannes Calvin)

 

„Dass ein Gott sei, lehret uns die Natur selbst, indem solche Erkenntnis allen Menschen von Natur in das Herz und Gewissen eingepflanzet ist, nachmal durch die Geschöpfe und deren Ansehung vermehret wird. So wissen wir auch aus denselben etwas von göttlichen Eigenschaften, dass Gott allmächtig, weise, gerecht und gut sei. Aber alle solche Erkenntnis ist noch sehr schwach und unvollkommen, und kann den Menschen zur Seligkeit nicht bringen, sondern allein zu weiterm Suchen anleiten: kommt demnach die wahre Erkenntnis aus göttlicher Offenbarung selbst, durch Christum in dem Wort.“ (Philipp J. Spener)

 

„Wenn nun diese wahre Erkenntnis Gottes vorhergehet, durch welches sich Gott unserer Seele gleichsam zu kosten und zu schmecken gibt (…) so kanns nicht fehlen, es folget wahre Buße darauf, das ist, Änderung und Erneuerung des Gemüts und Besserung des Lebens. Denn wenn einer Gottes Allmacht recht gefühlt und erkannt hat in seinem Herzen, so folget Demut daraus, dass man sich unter die gewaltige Hand Gottes demütiget. Wenn einer Gottes Barmherzigkeit recht gekostet und erkannt hat, so folgt Liebe daraus gegen den Nächsten. Denn es kann niemand unbarmherzig sein, der Gottes Barmherzigkeit recht erkennt. Wer kann seinem Nächsten etwas versagen, dem sich Gott aus Barmherzigkeit selbst mitteilet? Aus Gottes Erbarmung folgt die hohe Geduld gegen den Nächsten, dass, wenn ein rechter Christ des Tages siebenmal ermordet würde, und würde siebenmal wieder lebendig, so vergäbe er es doch seinem Feinde, um der größern Barmherzigkeit Gottes willen. Aus Gottes Gerechtigkeit fließt Erkenntnis der Sünde, dass wir mit dem Propheten sagen: Herr du bist gerecht, wir aber müssen uns schämen, Dan. 9,7. (…) Aus Erkenntnis der Wahrheit fließt Treue gegen den Nächsten, und vertreibt alle Falschheit, Betrug und Lügen, dass ein Christ denket: Siehe, handelst du unrecht mit deinem Nächsten, so beleidigest du die ewige Wahrheit Gottes, die Gott selbst ist. Darum weil Gott treulich und wahrhaftig mit dir handelt, so handle mit deinem Nächsten auch also. Aus der Erkenntnis der ewigen Weisheit Gottes fließt Gottesfurcht. Denn weil du weißt, dass Gott ein Herzenskündiger ist, und in das Verborgene siehet, so fürchtest du dich billig vor den Augen seiner heiligen Majestät.“ (Johann Arndt)

 

„Also ist es auch mit der wahren Erkenntnis Gottes, dieselbe bestehet auch nicht in Worten oder in einer bloßen Wissenschaft, sondern in einem lebendigen, lieblichen, holdseligen, kräftigen Trost, dass man die Süßigkeit, Freudigkeit, Lieblichkeit und Holdseligkeit Gottes im Herzen schmecke durch den Glauben, jetzt ists eine lebendige Erkenntnis Gottes, die im Herzen empfunden wird und lebet. Das ists, was der Ps. 84,3. spricht: Mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Und im Ps. 63,4. Deine Güte ist besser, denn leben; da die Freude und Süßigkeit Gottes im gläubigen Herzen beschrieben wird. Und also lebt der Mensch in Gott, und Gott in ihm; er erkennet Gott in der Wahrheit und wird von ihm erkannt.“ (Johann Arndt)

 

„Ich war verirrt, wie das verlorene Schaf, ich suchte dich draußen, da du doch drinnen bist. Ich habe mich viel gemüht im Suchen, bin ohne Rast durch die Dörfer und Straßen dieser Welt gezogen, und fand dich nicht. Zur Kundschaft habe ich ausgesandt alle meine Sinne, aber vergeblich. Denn die Augen sagten: Hat er keine Farbe, so kann er zu uns nicht eingegangen sein. Die Ohren sagten: Hat er keinen Klang, so kann er durch uns nicht gedrungen sein. Die Nase sagte: Hat er keinen Geruch, so ist er in mich nicht gezogen. Der Geschmack sagte: Schmeckt er nach nichts, so hat er mich nicht berührt. Das Gefühl sagte: Ist er nichts Körperliches, so weiß ich von ihm nichts. Ich fragte die Erde, ob sie mein Gott wäre, und sie sprach: Nein! und alles, was auf ihr ist, legte dasselbe Bekenntnis ab. Ich fragte das Meer und die Tiefe und die Tiere, welche darinnen sind, und sie antworteten: Nicht sind wir dein Gott, suche ihn über uns! Ich fragte die stille Luft, und sie antwortete mit allen ihren Bewohnern: Anaximenes ist im Irrtum, ich bin nicht dein Gott! Ich fragte den Himmel, die Sonne, den Mond und die Sterne. Auch wir sind nicht dein Gott! war ihre Antwort. Und ich sprach zu allen Dingen, die von außen mich umgaben: Ihr habt mir gesagt, dass ihr nicht mein Gott seid, so sagt mir etwas über ihn! Und sie riefen alle mit gewaltiger Stimme: Er hat uns gemacht! Und ich kehrte zu mir zurück, ging in mich und sprach zu mir: Wer bist du? Und ich gab mir zur Antwort: Ein vernünftiger und sterblicher Mensch. Und ich fing an näher darüber nachzudenken und sprach: Woher kommt doch dies Wesen, Herr mein Gott! Woher anders als von dir? Du hast mich gemacht und nicht ich selber. Wer bist du, durch den ich lebe? durch den alles lebt? Du, o Herr, bist mein wahrhaftiger Gott und allein allmächtig, ewig, unbegreiflich, unermesslich; der du immerdar lebst und stirbt nichts an dir, denn du bist unsterblich und bewohnst die Unsterblichkeit, ein furchtbarer, starker und lebendiger Gott, ohne Anfang und ohne Ende. Du bist mein Gott und ein Herr aller Dinge, welche du geschaffen hast; aller Stillstand und alle Bewegung hat in dir ihre Ursache, und alles Vernünftige und Vernunftlose findet in dir seinen ewigen Grund. Soll ich nun noch fragen: Wer hat mich gemacht? Du, Herr, hast mich gemacht, ohne den nichts gemacht ist; du bist mein Schöpfer, ich dein Werk.“ 

Soliloquia (Augustini) 

 

„Die ganze sichtbare Welt gleicht einer Leiter, auf der wir zur Erkenntnis unsrer selbst und zur Erkenntnis Gottes hinansteigen sollen. Alles, was da ist, hat entweder bloßes Dasein, oder Dasein und Leben, oder Dasein, Leben und Sinn, oder Dasein, Leben Sinn und Verstand. Der ersten Stufe gehören die Elemente: Erde, Wasser, Luft und Feuer, die verschiedenen Metalle, die Edelsteine mit ihrer Pracht und alle Sterne des Himmels an. Auf der zweiten steht das Pflanzenreich, das wiederum in Kräuter und Bäume von der mannigfaltigsten Art zerfällt. Sie bewegen sich rückwärts und vorwärts, aufwärts und abwärts, ziehen ihre Nahrung selbst aus dem Boden, zeugen Samen und Früchte. Die dritte Stufe nehmen alle Tiere ein, mögen sie auf der Erde, im Wasser oder in der Luft leben, mögen sie gehen, kriechen, fliegen oder schwimmen. Einige davon haben bloß Gefühl, andere Gefühl und Gedächtnis, die meisten Gefühl, Gedächtnis und Gehör. Auf der vierten Stufe steht endlich der Mensch, der alle Vollkommenheiten der niederen Kreaturen in sich vereint und darum in Brüderschaft und Freundschaft mit ihnen steht, überdies aber Verstand und freien Willen besitzt, so dass nichts Größeres in der Welt gefunden wird. Wer hat nun diese merkwürdige Stufenleiter hingestellt? Einer, der über alle Stufen steht, ein höheres und zwar einiges Wesen muss allen Kreaturen ihr Maß und ihre Ordnung angewiesen haben. Derselbe Meister und Künstler hat die Bäume über die Elemente, die Tiere über die Bäume, die Menschen über die Tiere gestellt; derselbe Herr erhält auch alles und macht, dass jegliches Geschöpf in seinem Stand und an seiner Stelle verbleibt. Auch du, o Mensch, hast, was du hast, von ihm empfangen, auch du gehörst nicht dir selber, sondern dem an, deß alle Dinge sind, der sie und dich gemacht hat.“

Raymund (+1436) 

 

„Der Apostel ermahnt uns, dass wir begreifen mögen mit allen Heiligen, welche da sei die Breite, und die Länge, und die Tiefe, und die Höhe. Wir wissen: Gott ist die Länge, um seiner Ewigkeit, die Breite, um seiner Liebe, die Tiefe, um seiner Weisheit, die Höhe, um seiner Majestät willen. Haben wir aber damit etwa Gott schon begriffen? Rede und Sprache begreifen sein Wesen nicht, und doch begreifen es die Heiligen. Wie geschieht das? sprichst du. Bist du heilig, so hast du es begriffen und weisst es; wo nicht, so werde heilig und du wirst es begreifen. Heilig aber wird man durch Gottesfurcht und durch Gottesliebe. Mit diesen zwei Armen greift die Seele, fasst sie, bindet sie, hält sie. Liebe treu und beständig, so hast du die Länge, erstrecke deine Liebe auch auf die Feinde, so hast du die Breite, sei immerdar schüchtern und demütig, so hast du die Höhe und Tiefe begriffen.“ 

Bernhard (+1153) 

 

GOTTESFURCHT

„Du donnerst über mir deine Gerichte, o Herr und mit Furcht und Schrecken erschütterst du alle meine Gebeine, und tief erbebt meine Seele. Bestürzt stehe ich da, und erwäge, dass selbst die Himmel nicht rein sind vor deinem Angesicht. Wenn du an den Engeln Bosheit gefunden, und auch ihrer nicht geschont hast: was wird mit mir werden? Sterne sind vom Himmel gefallen, und ich Staub, was nehme ich mir heraus? Die, deren Werke löblich schienen, fielen in die Tiefe hinab, und die das Brot der Engel aßen, sah ich an den Träbern der Schweine sich ergötzen! Keine Heiligkeit gibt es also, wenn du, Herr, deine Hand abziehest. Keine Weisheit nützt, wenn du zu leiten aufhörst. Keine Stärke hilft, wenn du zu beschirmen ablässest. Keine Keuschheit ist sicher ohne deinen Schutz. Keine eigene Wachsamkeit frommt, wenn dein heiliges Auge nicht wacht. Denn uns selbst überlassen, versinken wir und kommen um; wenn du uns aber heimsuchst, so erheben wir uns und leben. Wir sind unbeständig, aber durch dich werden wir befestiget; wir sind lau, aber durch dich werden wir entzündet. O wie demütig und gering muss ich von mir selbst denken! Wie für nichts muss ich es achten, wenn ich etwas Gutes zu haben scheine! O wie tief muss ich mich unterwerfen deinen unergründlichen Gerichten! o Herr! da ich finde, dass ich nichts anderes bin, als nichts und abermal nichts! O unermessliche Last! o undurchschwimmbares Meer, wo ich nichts an mir finde, als in Allem Nichts! Wo ist also ein Schlupfwinkel für Ruhm? Wo das Vertrauen auf vermeinte Tugend? Verschlungen ist alles eitle Rühmen in dem Abgrund deiner Gerichte über mich! Was ist alles Fleisch vor deinem Angesicht? – Mag sich der Ton wohl rühmen gegen den Töpfer, der ihn bildet? Wie kann sich der in eitler Rede erheben, dessen Herz in Wahrheit Gott unterworfen ist? Wen die Wahrheit demütig gemacht hat, den kann die ganze Welt nicht übermütig machen; noch wird durch aller Lobredner Mund der bewegt, welcher all seine Hoffnung auf Gott gegründet hat. Denn auch die, welche dich loben, sieh! sind allzumal nichts; sie werden verschwinden, wie der Schall ihrer Worte; aber die Wahrheit des Herrn bleibet in Ewigkeit.“ (Thomas von Kempen)

 

„Die Furcht des Herrn ist der Anfang und die Grundlage aller wahren Religion. Ohne ernste Ehrfurcht und Ehrerbietung vor Gott ist kein Halt da für die glänzenderen Tugenden. Der, dessen Seele nicht Gott verehrt, wird nie in Heiligkeit leben. Der ist glücklich, der eine ängstliche Furcht fühlt, Unrecht zu tun. Eine heilige Furcht sieht nicht nur zu, ehe sie einen Sprung tut, sondern ehe sie eine Bewegung macht. Sie ist bange vor Irrtum, bange vor Vernachlässigung der Pflicht, bange vor dem Begehen einer Sünde. Sie fürchtet schlechte Gesellschaft, loses Geschwätz und zweifelhafte Klugheit. Dies macht einen Menschen nicht elend, sondern bringt ihm Glück. Die wachsame Schildwache ist glücklicher als der Soldat, der auf seinem Posten schläft. Wer das Übel vorher sieht und ihm entgeht, ist glücklicher als der, welcher sorglos weiter geht und umkommt. Die Furcht vor Gott ist eine ruhige Gnade, die den Menschen eine treffliche Straße entlang führt, von der geschrieben steht: „Es wird da kein Löwe sein und wird kein reißendes Tier darauf treten.“ (Charles H. Spurgeon)

 

GOTTGEFÄLLIG

„Wollte ich mich einem Menschen beliebt machen und wollte ich dem allein gefallen, so wollte ich alles, was dem Menschen gefällig wäre und wodurch ich ihm wohlgefiele, lieber als irgend etwas anderes. Und wäre es so, dass ich ihm besser gefiele in einem schlichten Kleide als in Samt, so besteht kein Zweifel darüber: ich trüge das schlichte Kleid lieber als irgendein anderes Kleid. So auch steht es mit einem, dem Gottes Wille gefällt: alles, was ihm Gott zuteilt, sei's Krankheit oder Armut oder was es auch sei, das hat er lieber als irgend etwas anderes. Eben weil Gott es will, darum schmeckt es ihm besser als irgend etwas anderes.“ (Meister Eckhart)

 

GRÖSSE GOTTES 

„Die Zeichen, an denen Gottes Größe in der Natur erkannt wird, kann Jeder bewundernd sehen, oder richtiger, es gibt eigentlich kein Zeichen, denn die Werke selbst sind die Zeichen; so kann ja jeder den Regenbogen sehen, und mag sich wundern, wenn er ihn sieht. Aber das Zeichen von Gottes Größe im Erbarmen ist nur für den Glauben da; dies Zeichen ist ja das Sakrament. Gottes Größe in der Natur ist offenbar, aber Gottes Größe im Erbarmen ist ein Geheimnis, welches geglaubt werden muss. Grade weil sie nicht gradezu für Jeden offenbar ist, grade deshalb ist sie und heißt sie geoffenbart. Gottes Größe in der Natur weckt gleich das Staunen und dann die Anbetung; Gottes Größe im Erbarmen ist zuerst zum Ärgernis und dann für den Glauben. Als Gott Alles geschaffen hatte, sah er und siehe „es war Alles sehr gut“; und bei jedem seiner Werke steht gleichsam dabei: preise, lobe, anbete den Schöpfer. Aber bei seiner Größe im Erbarmen steht dabei: selig ist, wer sich nicht ärgert.“ (Sören Kierkegaard)

 

GÜTE GOTTES 

„Unter der Güte Gottes verstehen wir die Freiheit Gottes von allem Mangel und aller Unvollkommenheit, sowohl was Sein, als Denken, als auch Wollen anbelangt.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Erhebe dich, gläubige Seele, und liebe jenes höchste Gut, in welchem alle Güter enthalten sind, ohne welches es kein wahres Gut gibt. Kein Geschöpf kann unser Verlangen stillen, weil kein Geschöpf das Gute vollkommen, sondern nur zum Teil besitzt. Ein Bächlein des Guten strömet ihm zu von der Gottheit, aber die Quelle bleibt immer in Gott: warum also wollten wir die Quelle verlassen und dem Bächlein folgen? Alles Gute in den Geschöpfen ist ein Abbild jenes vollkommenen Guten, das in Gott, ja das Gott selbst ist: warum also wollten wir am Abbilde hangen und die Sache selbst verlassen? Die Taube, welche Noah aus der Arche gelassen hatte, konnte, so lange das Gewässer über die Erde sich ausbreitete, nicht finden, da ihr Fuß ruhen konnte 1 Mos. 8,8.9: so kann auch unsere Seele in der Menge aller der unterm Mond befindlichen Dinge nichts finden, was ihre Sehnsucht völlig stillen könnte, weil jene nur zu unbeständig und vergänglich sind. Fügt sie sich also nicht selbst Schaden zu, wenn sie etwas liebt, was an ihre Würde nicht reicht? Denn unsere Seele ist edler als alle Geschöpfe, denn sie ist erlöst durch das Leiden und den Tod deß, der Gott war und ist. Warum also wollte sie die Geschöpfe lieben? Ist das nicht der Herrlichkeit, zu der sie Gott erhoben hat, zuwider? Was wir lieben, das lieben wir entweder wegen seiner Macht, oder seiner Weisheit, oder seiner Schönheit: was ist aber mächtiger als Gott, was weiser als Gott, was schöner als Gott? Alle Macht weltlicher Könige ist von ihm und unter ihm; alle Weisheit der Menschen ist im Vergleiche zu der göttlichen, Torheit; alle Schönheit der Geschöpfe ist im Vergleiche zu der göttlichen, Missgestalt.“ (Johann Gerhard)

 

„So gütig und so liebreich ist Gott, dass er sich freuet, dass er einen findet, der seiner Gütigkeit genieße. Das ist der Liebe Art. Ja, wenn er nicht so gütig wäre, wer könnte denn leben? Denn aus seiner Güte kommt das Leben, ja, seine Güte ist besser, denn Leben, Ps. 63,4. Die den Herrn fürchten, die wird die Güte umfahen, Ps. 32,10. Gleichwie eine Mutter ihr Kind herzet, so herzet uns Gottes Güte, denn sie umfähet uns.“ (Johann Arndt)

 

GUTE WERKE

„Gute fromme Werke machen nimmermehr einen guten frommen Mann; sondern ein guter frommer Mann macht gute fromme Werke. Böse Werke machen nimmermehr einen bösen Mann; sondern ein böser Mann macht böse Werke. Also, dass allewege die Person zuvor muss gut und fromm sein vor allen guten Werken, und gute Werke folgen und ausgehen von der frommen guten Person. Gleichwie Christus sagt Matth. 7,18: „Ein böser Baum trägt keine guten Früchte. Ein guter Baum trägt keine bösen Früchte.“ Nun ist's offenbar, dass die Früchte tragen nicht den Baum, so wachsen auch die Bäume nicht auf den Früchten, sondern wiederum, die Bäume tragen die Frucht und die Früchte wachsen auf den Bäumen. Wie nun die Bäume müssen ehe sein denn die Früchte, und die Früchte machen nicht die Bäume weder gut noch böse, sondern die Bäume machen die Früchte; also muss der Mensch in der Person zuvor fromm oder böse sein, ehe er gute oder böse Werke tut, und seine Werke machen ihn nicht gut oder böse, sondern er macht gute oder böse Werke. (…) Wer gute Früchte haben will, muss zuvor an dem Baum anheben, und denselben gut setzen. Also, wer da will gute Werke tun, muss nicht an den Werken anheben, sondern an der Person, die die Werke tun soll. Die Person aber macht niemand gut, denn allein der Glaube, und niemand macht sie böse, denn allein der Unglaube.“ (Martin Luther)

 

„Ein gutes oder böses Haus macht keinen guten oder bösen Zimmermann, sondern ein guter oder böser Zimmermann macht ein böses oder gutes Haus. Kein Werk macht einen Meister, darnach das Werk ist, sondern wie der Meister ist, darnach ist sein Werk auch. Also sind die Werke des Menschen auch; wie es mit ihm steht im Glauben oder Unglauben, darnach sind seine Werke gut oder böse. Und nicht wiederum, wie seine Werke stehen, darnach sei er fromm oder gläubig. Die Werke, gleichwie sie nicht gläubig machen, so machen sie auch nicht fromm. Aber der Glaube, gleichwie er fromm macht, so macht er auch gute Werke. So denn die Werke niemand fromm machen, und der Mensch zuvor muss fromm sein, ehe er wirkt: so ist's offenbar, dass allein der Glaube aus lautern Gnaden, durch Christum und sein Wort, die Person genugsam fromm und selig macht. Und dass kein Werk, kein Gebot einem Christen not sei zur Seligkeit, sondern er frei ist von allen Geboten und aus lauterer Freiheit umsonst tut alles, was er tut, nichts damit gesucht seines Nutzes oder Seligkeit, denn er schon satt und selig ist durch seinen Glauben und Gottes Gnaden, sondern tut gute Werke nur Gott darinnen zu gefallen.“ (Martin Luther)

 

„…unter ihnen (den guten Werken) versteht man diejenigen Handlungen, welche der Wiedergeborene in Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen vollbringt, seien dieselben äußere, in die Augen fallende, oder bloß innere Akte, Regungen und Vorgänge in dem Menschen. Sie werden gute Werke genannt, nicht als ob sie an sich gut und vollkommen wären, denn solche zu vollbringen sind dem sündigen Menschen nicht möglich, sondern weil sie das Erzeugnis einer guten Gott wohlgefälligen Gesinnung sind, und weil sie von dem durch den Glauben mit Gott Versöhnten ausgehen. Sie können also da erst vollbracht werden, wo der Mensch im Stande der Wiedergeburt steht, weil da durch Wirkung des hl. Geistes eine solche Gott wohlgefällige Gesinnung dem Menschen einwohnt und ihm die Kraft, Gutes zu vollbringen, zu Teil geworden ist, daher selbst diejenigen Handlungen der Unwiedergeborenen, welche der äußeren Erscheinung nach dem göttlichen Gesetze entsprechen, in keiner Weise gute Werke genannt werden können. Solche gute Werke müssen aber auch von dem Wiedergeborenen vollbracht werden, nicht zwar, als ob er durch dieselben sich erst vor Gott zu rechtfertigen oder sein Heil zu verdienen hätte, denn wäre er nicht schon gerechtfertigt, so könnte er gar keine guten Werke vollbringen, sondern darum, weil er durch sie seinen Gehorsam gegen Gott erweist, dessen Wille es ist, dass er durch heiligen Wandel und gute Handlungen geehrt werde, und weil der Mensch zugleich durch sie das wirkliche Vorhandensein einer gläubigen Gesinnung an den Tag legt, denn wo diese vorhanden ist, da treibt es ihn von innen heraus zu guten Werken mit der gleichen Notwendigkeit, mit welcher der gesunde Baum gute Früchte treibt. Diese Notwendigkeit ist also kein Zwang, der dem Menschen von außen auferlegt wird, und vernichtet nicht etwa seine christliche Freiheit, vielmehr erweist sich diese darin, dass der Mensch jetzt mit innerer Lust und aus eigenem Trieb vollbringen kann, was das Gesetz Gottes von ihm fordert.“ (Heinrich Schmid)

 

„Gute Werke sind, die aus einem gehorsamen und gläubigen Herzen nach Gottes Willen und Befehl getan werden.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Gute Werke sind die inneren und äußeren Handlungen, welche von Gott geboten, und in den heiligen zehn Geboten zusammengefasst sind, und welche von den Wiedergeborenen im Glauben durch den heiligen Geist geschehen, zur Verherrlichung Gottes, und um unsern Gehorsam sowohl, als unsere Dankbarkeit gegen Gott darzulegen.“ (Leonhard Hutter)

 

„Glaube ist ein göttlich Werk in uns, das uns wandelt und neu gebiert aus Gott, Joh. 1,13., und tötet den alten Adam, macht uns ganz andere Menschen von Herzen, Mut, Sinn und allen Kräften, und bringt den Heiligen Geist mit sich. O, es ist ein lebendig, schäftig, tätig, mächtig Ding um den Glauben, dass unmöglich ist, dass er nicht ohne Unterlass sollte Gutes wirken. Er fragt auch nicht, ob gute Werke zu tun sind, sondern ehe man fragt, hat er sie getan, und ist immer im Tun. Wer aber nicht solche Werke tut, der ist ein glaubloser Mensch, tappet und sieht um sich nach dem Glauben und guten Werken, und weiß weder was Glaube oder gute Werke sind, wäscht und schwatzt doch viel Worte vom Glauben und guten Werken. Glaube ist eine lebendige, erwegene Zuversicht auf Gottes Gnade, so gewiss, dass er tausendmal darüber stürbe. Und solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröhlich, trotzig und lustig gegen Gott und alle Kreaturen, welches der Heilige Geist tut im Glauben. Daher der Mensch ohne Zwang willig und lustig wird, jedermann Gutes zu tun, jedermann zu dienen, allerlei zu leiden Gott zu Liebe und zu Lob, der ihm solche Gnade erzeigt hat, also dass unmöglich ist, Werke vom Glauben scheiden, ja so unmöglich, als Brennen und Leuchten vom Feuer mag geschieden werden.“ (Martin Luther)

 

GÜTERGEMEINSCHAFT MIT CHRISTUS

„Man muss richtig von dem Glauben lehren, durch den du so mit Christus zusammengeschweißt wirst, dass aus dir und ihm gleichsam eine Person wird, die man von ihm nicht losreißen kann, sondern beständig ihm anhangt und spricht: Ich bin Christus; und Christus wiederum spricht: Ich bin jener Sünder, der an mir hängt und an dem ich hänge. Denn wir sind durch den Glauben zu einem Fleisch und Bein verbunden, wie Eph. 5,30 steht: „Wir sind Glieder des Leibes Christi, von seinem Fleisch und Gebein.“ So, dass dieser Glaube Christus und mich enger verbindet als Gatte und Gattin verbunden sind.“ (Martin Luther)

 

„So vereiniget der Glaube unsere Seele mit Christo, als eine Braut mit ihrem Bräutigam, Hos. 2,19.20. Ich will mich mit dir verloben in Ewigkeit, ja im Glauben will ich mich mit dir vertrauen. Alsdann haben diese beide ihre Güter mit einander gemein, auch ihr Kreuz und Leid. Denn was Christus hat, wird der gläubigen Seele eigen, und was die Seele hat, wird Christo eigen. Nun hat aber Christus alle himmlischen und ewigen Güter, Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung, Erlösung, und alle Seligkeit und ewiges Leben, 1 Kor. 1,30. Ja er ist das ewige Leben selbst, das wird der Seele eigen Gut. Unsere Seele hat dagegen Sünde, Unreinigkeit, Jammer, Elend, Fluch und Tod, das wird Christo eigen. Unser Elend hält er für sein Elend, seine Güter schenkt er uns, unsere Armut und Elend nimmt er an sich. Dieweil aber Christi Güter ewig sind, unüberwindlich, ja allmächtig, so überwinden, verschlingen und vertilgen sie alle unsere Sünden und den Tod. Denn Christi ewig unüberwindliche Gerechtigkeit ist der Sünde zu stark, dass sie muss weichen, verschlungen und vertilget werden, also wird unsere Seele frei von Sünden, und dagegen mit Christi Gerechtigkeit bekleidet, Jes. 61,10. Das ist ein schöner und wunderbarer Wechsel, für Sünde, Tod, Fluch, Verdammnis, bekommen Gerechtigkeit, Leben, Segen und Seligkeit, demnach ists unmöglich, dass die Sünde einen Gläubigen verdammen kann, denn die Sünde ist in Christo verschlungen, erwürget und getötet.“ (Johann Arndt)

 

„Der Glaube gibt nicht nur soviel, dass die Seele dem göttlichen Wort gleich wird, aller Gnade voll, frei und selig, sondern er vereinigt auch die Seele mit Christus als eine Braut mit ihrem Bräutigam. Aus dieser Ehe folgt, wie St. Paulus sagt, dass Christus und die Seele ein Leib werden (Eph. 5,30). So werden auch beider Güter, Glück, Unglück und alle Dinge gemeinsam; das, was Christus hat, das ist der gläubigen Seele zu eigen; was die Seele hat, wird Christus zu eigen. So hat Christus alle Güter und Seligkeit; die sind auch der Seele zu eigen. So hat die Seele alle Untugend und Sünde auf sich; die werden Christus zu eigen. Hier erhebt sich nun der fröhliche Wechsel und Streit. Weil Christus Gott und Mensch ist, der noch nie gesündigt hat, und seine Frommheit unüberwindlich, ewig und allmächtig ist, so macht er denn die Sünde der gläubigen Seele durch ihren Brautring – das ist der Glaube – sich selbst zu eigen und tut nichts anderes, als hätte er sie getan. So müssen die Sünden in ihm verschlungen und ersäuft werden; denn seine unüberwindliche Gerechtigkeit ist allen Sünden zu stark. So wird die Seele von allen ihren Sünden durch ihren Brautschatz geläutert, das heißt: des Glaubens wegen ledig und frei und begabt mit der ewigen Gerechtigkeit ihres Bräutigams Christus.“ (Martin Luther)

 

HARTNÄCKIGKEIT IM GLAUBEN

„Du, Herr, bist die Wahrheit Joh. 14,6.; dein Name ist heilig und wahr: sei auch mir Jesus und Heiland. Sei mir Jesus in diesem Leben, sei mir Jesus im Tode, sei mir Jesus im letzten Gericht, sei mir Jesus im ewigen Leben. Ja, du wirst mir es sein, lieber Jesu, weil du, wie du unveränderlich im Wesen, so auch unveränderlich bist in der Erbarmung: dein Name wird sich nicht ändern um meinetwillen, der ich allein ein armer Sünder bin; ja du wirst auch mir noch dazu der Heiland; denn wer zu dir kommt, den stößest du nicht hinaus; der du mir Mut gemacht hast zu kommen, du wirst mich auch nicht umsonst kommen lassen; denn deine Worte sind die Wahrheit und das Leben Joh. 6,63. 14,6. Mag die erste Sünde, die auf mich vererbt ist, verdammen: du bist doch mein Jesus. Mag mich meine Empfängnis aus sündlichem Samen verdammen: du bist doch mein Jesus. Mag mich meine in Sünden und unter dem Fluche geschehene Zeugung verdammen: du bist doch mein Heiland. Mag mich meine sündliche Geburt verdammen: du bist doch mein Heil. Mögen mich die Sünden meiner Jugend verdammen: du bist doch mein Jesus. Mag mich die Führung meines ganzen mit den schwersten Sünden behafteten Lebens verdammen: du bleibst doch mein Jesus. Mag mich der Tod, der mich treffen muss für die Sünden und mannigfache Schuld, verdammen: du bist doch mein Heiland. Mag mich das strengste Urteil des letzten Gerichts verdammen: du bist doch mein Jesus. An mir ist nichts als Sünde, Verwerfung, Verdammnis: in deinem Namen ist Gerechtigkeit, Erwählung, Seligkeit. Auf deinen Namen aber bin ich getauft; an deinen Namen glaube ich; in deinem Namen will ich sterben; in deinem Namen will ich auferstehen; in deinem Namen will ich erscheinen vor Gericht.“ (Johann Gerhard)

 

HASS

„Ist einiger Hass erlaubt? Wie der Hass, der Liebe gerad entgegen stehet, so ist aller Hass, der auf einige Person selbst gehet, unrecht: aber doch habe ich die Laster böser Leute, und sie, sofern sie solche an sich haben, nach Gottes Exempel zu hassen, jedoch, dass ich dabei solchen Personen selbst alles Gute zu tun, und sie von solchem Bösen abzubringen willig und geflissen sei.“ (Philipp J. Spener)

 

„Von der Liebe und von dem Hass des Nächsten sollst du diesen Unterschied merken: Dass du zwar die Sünden und Laster in dem Menschen hassen sollst, als ein Werk des Teufels; aber den Menschen an sich selbst sollst du nicht hassen, sondern dich über ihn erbarmen, darum, dass solche Laster in ihm wohnen, und Gott für ihn bitten, wie der Herr Christus am Kreuz für die Übeltäter gebeten hat.“ (Johann Arndt) 

 

HEIL

„Die erste Grundlage des Heils der Sünder ist die barmherzige Liebe Gottes, durch welche er bewogen wird, dass er nicht nur die Rettung der gefallenen Menschheit will, sondern auch beschließt, diese Rettung zu veranstalten und die Mittel darzureichen, durch welche die Verlorenen der Rettung teilhaftig werden können.“ (Adolf Hoenecke)

 

HEILIGE

„Die Ekklesia Christi, die Jüngergemeinde, ist der Herrschaft der Welt entrissen. Zwar lebt sie mitten in der Welt. Aber sie ist zu Einem Leib gemacht, sie ist ein eigener Herrschaftsbereich, ein Raum für sich. Sie ist die heilige Kirche (Eph. 5,27), die Gemeinde der Heiligen (1. Kor. 14,34), und ihre Glieder sind die berufenen Heiligen (Röm. 1,7), die in Jesus Christus geheiligt sind (1. Kor. 1,2), auserwählt und ausgesondert, ehe der Welt Grund gelegt wurde (Eph. 1,4). Das war das Ziel ihrer Berufung zu Jesus Christus, ja ihrer Erwählung vor der Gründung der Welt, dass sie heilig und untadelig seien (Eph. 1,4), dazu hatte Christus seinen Leib in den Tod gegeben, dass er die Seinen heilig, unbefleckt und unsträflich vor sich selbst darstellte (Kol. 1,22), das ist die Frucht der Befreiung von der Sünde durch den Tod Christi, dass die, die einstmals ihre Glieder der Ungerechtigkeit liehen, sie nun zum Dienst der Gerechtigkeit gebrauchen, zur Heiligung (Röm. 6,19-22). Heilig ist allein Gott. Er ist es sowohl in der völligen Absonderung von der sündigen Welt, wie in der Gründung seines Heiligtums mitten in der Welt (…..). Das ist Gottes Heiligkeit, dass er sich mitten in der Welt seine Wohnung, sein Heiligtum bereitet, und von diesem Heiligtum Gericht und Erlösung ausgehen lässt (Psalm 99 u. ö.). Im Heiligtum aber verbindet sich der Heilige mit seinem Volk. Das geschieht durch Versöhnung, die nirgends anders erlangt wird als im Heiligtum (Lev. 16,16ff.). Gott schließt mit seinem Volk einen Bund. Er sondert es aus, er macht es zu seinem Eigentum und verbürgt sich selbst für diesen Bund. „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott“ (Lev. 19,1), und „ich bin heilig, der Herr, der euch heiligt“ (Lev. 21,8). – Das ist der Grund, auf dem dieser Bund besteht. Alle weiteren Gesetze, die dem Volk gegeben werden, und die es halten soll in Gerechtigkeit, haben zur Voraussetzung und zum Ziel die Heiligkeit Gottes und seiner Gemeinde. Wie Gott selbst als der Heilige abgesondert ist vom Gemeinen, von der Sünde, so ist es auch die Gemeinde seines Heiligtums. Er hat sie selbst erwählt. Er hat sie zur Gemeinde seines Bundes gemacht. Er hat sie im Heiligtum versöhnt und gereinigt. Das Heiligtum aber ist der Tempel, und der Tempel ist der Leib Christi. So ist im Leib Christi der Wille Gottes zu einer heiligen Gemeinde erfüllt. Abgesondert von Welt und Sünde zum Eigentum Gottes gemacht, ist der Leib Christi das Heiligtum Gottes in der Welt.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

HEILIGER GEIST

„Der heilige Geist ist wahrer Gott, die dritte Person in der heiligen Dreieinigkeit, welcher vom Vater und Sohn ausgeht und gesandt wird, der da gibt Zeugnis von dem Herrn Christo, dem Sohn Gottes, dem wahren Messia, und rühmet ihn herrlich, und erhebt und preist seine Person und Wohltaten. Der heilige Geist sammelt eine Gemeine unter dem einigen Haupt Christo, erneuert sie mit seinen Gaben, teilet ihnen Trost mit aus dem Verdienst des Herrn Christi, macht die Glieder des Herrn Christi lebendig, stärkt sie mit seiner Kraft, wiedergebieret sie, und bestätiget das geistliche Reich des Herrn Christi, in den Herzen der Gläubigen, er erleuchtet das Gemüt, reiniget die Herzen, und alles, was der Herr Christus im Fleisch unserthalben verrichtet hat, das schreibt er in unsere Herzen, damit es nicht außer uns bleibe, was inwendig im Herzen erfreuen und erquicken soll. Darum wird der heilige Geist in unsere Herzen ausgegossen, dass er in dieselbigen gießen möge des Herrn Christi Liebe, Verdienst, Wohltaten und Leben.“ (Johann Arndt)

 

„Dieser unser Glaube und die Gewissheit desselben kommt nicht aus Fleisch und Blut, d. h. aus den natürlichen Kräften in uns, sondern ist die Eingebung des heiligen Geistes, von dem wir bekennen, dass er Gott sei, gleich dem Vater und dem Sohne, welcher uns heiligt und uns in alle Wahrheit leitet durch seine eigene Wirksamkeit, ohne welche wir für immer Feinde Gottes bleiben und von seinem Sohne Jesus Christus nichts wissen würden. Denn von Natur sind wir so tot, so verkehrt und blind, dass wir das Licht weder fühlen, wenn wir davon getroffen werden, noch sehen, wenn es scheint, noch auch dem Willen Gottes zustimmen können, wenn er offenbart wird. Nur der Geist Jesu Christi belehrt den, der tot ist, entfernt die Dunkelheit aus unserm Streben und bringt unsere verstockten Herzen zum Gehorsam gegen seinen heiligen Willen.“ (John Knox)

 

„Es sind sonst mancherlei Geister in der Schrift, als Menschengeist, himmlische Geister und böse Geister. Aber Gottes Geist heißt allein ein heiliger Geist, das ist, der uns geheiligt hat und noch heiligt. Denn wie der Vater ein Schöpfer, der Sohn ein Erlöser heißt, so soll auch der heilige Geist von seinem Werk ein Heiliger oder Heiligmacher heißen. Wie geht aber solches Heiligen zu? Antwort: Gleichwie der Sohn die Herrschaft überkommt, dadurch er uns gewinnt durch seine Geburt, Sterben und Auferstehen etc., also richtet der heilige Geist die Heiligung aus durch die folgenden Stücke, das ist durch die Gemeinde der Heiligen oder christliche Kirche, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und das ewige Leben, das ist, dass er uns ernstlich führt in seine heilige Gemeinde und in der Kirche Schoß legt, dadurch er uns predigt und zu Christo bringt. Denn weder du noch ich könnten nimmermehr etwas von Christo wissen noch an ihn glauben und zum Herrn kriegen, wo es nicht durch die Predigt des Evangelii von dem heiligen Geist würde angetragen und uns in den Busen geschenkt. Das Werk ist geschehen und ausgerichtet, denn Christus hat uns den Schatz erworben und gewonnen durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen etc. Aber wenn das Werk verborgen bliebe, dass niemand wüsste, so wäre es umsonst und verloren. Dass nun solcher Schatz nicht begraben bliebe, sondern angelegt und genossen würde, hat Gott das Wort ausgehen und verkünden lassen, darin den heiligen Geist gegeben, uns solchen Schatz und Erlösung heimzubringen und zuzueignen.“ (Martin Luther)

 

„Es sind aber die Gaben und Wohltaten des heiligen Geistes mancherlei: erstlich allgemeine Gaben, denn er ist ein Geist des Glaubens, der Weisheit, des Verstandes, des Rats, der Erkenntnis, der Stärke, der Kraft, der Furcht Gottes, der Liebe, der Hoffnung, der Gottesfurcht, der Sanftmut, der Demut, der Keuschheit, der Geduld, der Heiligung, der Gnaden und des Gebets, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Welcher aufhilft unserer Schwachheit, und uns mit unaufhörlichem Seufzen vertritt. Er ist ein Geist der Wahrheit, der Beständigkeit, des Trostes, er ist ein lebendiger und getreuer Zeuge Christi, ein Schatzmeister der Reichtümer Christi, ein Erneurer des Ebenbilds Gottes; als durch den Finger Gottes; er ist auch der Schlüssel und Ausleger der heiligen Schrift und der göttlichen Geheimnisse, er vergewissert uns, dass Gott wohne und bleibe in unsern Herzen (…) er widersteht den fleischlichen Begierden, so bald er sich in uns reget. Er straft alles, was weltlich und fleischlich ist, und erwecket einen Ekel und Grauen vor derselben Eitelkeit. Er wirkt auch eine heimliche, jedoch selige Traurigkeit, wegen der begangenen Sünden. Er benimmt insonderheit alles Vertrauen und Ruhm der eigenen Werke, und legets alles auf unsern einigen Heiland und Seligmacher. Er löschet aus die unordentliche Liebe, da man die Welt und sich selbst liebt. Er drückt zu Boden die Hoffart, und macht uns eingedenk unser eigenen Schwachheit, und gibt nicht leicht zu, dass wir die Schwachheit unsers Nächsten fälschlich richten und übel auslegen. Er seufzet unaufhörlich in uns, und sehnet sich nach dem Himmlischen und Göttlichen und erneuert uns immerdar zur Gleichförmigkeit des Ebenbildes unsers Herrn Jesu Christi. Denn zu gleicher Maßen, wie die Seele ist das Leben des Leibes, also ist der heilige Geist das Leben unserer Seele.“ (Johann Arndt)

 

„Ach Herr, mein Herz hat mich verlassen, es denkt nicht mehr an mein Elend, hat seines eigenen Heils vergessen, hat sich verirrt und ist in ein fremdes Land gezogen. Ich habe ihm gerufen, aber es antwortet mir nicht, es ist fern von mir, umgekommen und verkauft in Sünden. Was soll ich nun tun? Was soll ich sagen? Mein Herr, ich schreie zu dir, schaffe in mir ein reines, demütiges, niedriges Herz, ein sanftmütiges, friedsames Herz, ein gütiges und gottesfürchtiges Herz, ein Herz, das niemanden schadet, nie Böses mit Bösem vergilt, ein Herz, das dich über alle Dinge liebt, von dir allezeit redet, dir immerdar dankt, sich an Psalmen und geistlichen Lobgesängen ergötzt und schon hier im Himmel wandelt. Ein solches Herz schaffe in mir, aus nichts schaffe es, auf dass ich durch Gnade bekomme, was ich von Natur nicht erlangen kann. Ja schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, gewissen Geist!“

Savonarola (+1498) 

 

HEILIGKEIT GOTTES 

„Lenken wir den Blick nicht über die Erde hinaus, so sind wir mit der eigenen Gerechtigkeit, Weisheit und Tugend reichlich zufrieden und schmeicheln uns mächtig – es fehlte, dass wir uns für Halbgötter hielten! Aber wenn wir einmal anfangen, unsere Gedanken auf Gott emporzurichten, wenn wir bedenken, was er für ein Gott sei, wenn wir die strenge Vollkommenheit seiner Gerechtigkeit, Weisheit und Tugend erwägen, der wir doch gleichförmig sein sollten – so wird uns das, was uns zuvor unter dem trügerischen Gewand der Gerechtigkeit anglänzte, zur fürchterlichsten Ungerechtigkeit; was uns als Weisheit wundersam Eindruck machte, wird grausig als schlimmste Narrheit offenbar, was die Maske der Tugend an sich trug, wird als jämmerlichste Untüchtigkeit erfunden! So wenig kann vor Gottes Reinheit bestehen, was unter uns noch das Vollkommenste zu sein schien. Daher kommt es, dass nach vielfach wiederholten Berichten der Schrift die Heiligen von Furcht und Entsetzen durchrüttelt und zu Boden geworfen wurden, sooft ihnen Gottes Gegenwart widerfuhr. Menschen, die zuvor, ohne seine Gegenwart, sicher und stark dastanden – jetzt, da er seine Majestät offenbart, sehen wir sie derart in Schrecken und Entsetzen gejagt, dass sie geradezu in Todesangst niederfallen, ja vor Schrecken vergehen und fast zunichte werden! Daran merken wir, dass den Menschen erst dann die Erkenntnis seiner Niedrigkeit recht ergreift, wenn er sich an Gottes Majestät gemessen hat. Beispiele solcher Erschütterung haben wir im Richterbuche wie auch bei den Propheten. Es ging soweit, dass im Volke Gottes die Redewendung in Gebrauch kam: „Wir müssen sterben; denn wir haben den Herrn gesehen“ (Ri. 13,22; Jes. 6,5; Ez. 1,28; u.a.). Und wenn das Buch Hiob (z. B. Kap. 38ff.) den Menschen durch das Bewusstsein seiner Torheit, Ohnmacht und Beflecktheit zu Boden werfen will, so dienen ihm stets die Beschreibungen von Gottes Weisheit, Kraft und Reinheit zum Beweise. Das ist berechtigt: wir sehen, wie auch Abraham, nachdem er einmal von nahem des Herrn Herrlichkeit erschaut hat, um so besser erkennt, dass er „Erde und Asche“ ist (Gen. 18,27). Elia vermag sein Nahen nicht mit unverdecktem Antlitz zu ertragen (1. Kön. 19,13). Solcher Schrecken liegt in seinem Anblick! Was soll auch der Mensch tun, der doch Staub ist und ein Wurm, wenn selbst die Cherubim in heiliger Scheu ihr Angesicht verhüllen müssen! (Jes. 6,2). Eben dies spricht Jesaja aus: „Der Mond wird sich schämen und die Sonne mit Schanden bestehen, wenn der Herr der Heerscharen König sein wird“ (Jes. 24,23). Das heißt: wenn er seine Herrlichkeit in voller Nähe offenbaren wird, dann versinkt auch das sonst Leuchtendste in Finsternis.“ (Johannes Calvin)

 

HEILIGUNG

„Die Heiligung ist diejenige Tätigkeit der aneignenden Gnade des Heil. Geistes, kraft deren der gerechtfertigte Mensch das ihm noch anhängende sündliche Wesen von Tag zu Tag ablegt, hingegen von Tag zu Tag erneuert wird nach Gottes Bild und Gott lebt in Heiligkeit und Gerechtigkeit.“ (Adolf Hoenecke)

 

HEILSGEWISSHEIT

„Bei unserer Evangeliumsauffassung kommt Gewissheit und Freude des Hl. Geistes, weil ich an Gott hänge, der nicht lügen kann; er sagt nämlich: Sieh, ich geb meinen Sohn in den Tod, dass er dich mit seinem Blut erlöse von den Sünden und vom Tod. Da kann ich nicht zweifeln, wenn ich Gott nicht völlig verleugnen will. Und das ist der Grund, warum unsere Theologie Gewissheit hat: Sie reißt uns von uns selbst weg und stellt uns außerhalb unser, so dass wir uns nicht auf unsere Kräfte, Gewissen, Sinn, Person, auf unsere Werke stützen, sondern auf das, was außerhalb unser ist, nämlich auf die Verheißung und Wahrheit Gottes, der nicht täuschen kann.“ (Martin Luther)

 

„Gott ändert seinen Plan nicht, warum sollte er? Er ist der Allmächtige und kann deshalb tun, was immer er will. Warum sollte er nicht? Gott ist allweise und kann daher nichts falsch planen. Warum sollte er? Er ist der ewige Gott und kann daher nicht sterben, ohne dass sein Plan vollendet wäre. Warum sollte er sich ändern? Ihr wertlosen Atome der Erde, Strohfeuer eines einzigen Tages, ihr kriechenden Insekten auf dem Lorbeerblatt der Existenz, ihr mögt eure Pläne ändern, aber er niemals. Hat er mir gesagt, dass es sein Plan ist, mich zu retten? Dann bin ich für immer gerettet.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Wenn es irgend geschehen könnte, wollte ich nicht, dass mir der freie Wille gegeben wird, oder dass etwas in meiner Hand gelassen würde, wodurch ich mich um das Heil bemühen könnte, nicht allein deswegen, weil ich in soviel Anfechtungen und Gefahren, gegenüber soviel anstürmenden Dämonen nicht zu bestehen und jenes nicht festzuhalten vermöchte (...) sondern weil ich, auch wenn keine Gefahren, keine Anfechtungen, keine Dämonen da wären, dennoch gezwungen sein würde, beständig aufs Ungewisse hin mich abzumühen und Lufthiebe zu machen; denn mein Gewissen wird, wenn ich auch ewig leben und Werke tun würde, niemals gewiss und sicher sein, wie viel es tun müsste, um Gott genug zu tun. Denn bei jedem vollbrachten Werk bliebe der ängstliche Zweifel zurück, ob es Gott gefalle oder ob er etwas darüber hinaus verlange (...) Aber nun, da Gott mein Heil meinem Willen entzogen und in seinen Willen aufgenommen hat und nicht auf mein Werk oder Laufen hin, sondern aus seiner Gnade und Barmherzigkeit verheißen hat, mich zu erretten, bin ich sicher und gewiss, dass er treu ist und mir nicht lügen wird, außerdem mächtig und gewaltig ist, dass keine Dämonen und keine Widerwärtigkeiten imstande sein werden, ihn zu überwältigen oder mich ihm zu entreißen.“ (Martin Luther)

 

„Dies ist unsere Grundlage: Das Evangelium heißt uns nicht unsere guten Werke und unsere Vollkommenheit ansehen, sondern Gott selbst, der die Verheißung gibt, und Christum selbst, unsern Mittler. Dagegen befiehlt der Papst, dass man Gott nicht ansehen soll, der die Verheißung gibt, nicht Christum, den Hohenpriester, sondern unsere Werke und Verdienste. Da folgt mit Notwendigkeit Zweifel und Verzweiflung; auf unserer Seite aber Gewissheit und Freude in dem Heiligen Geist, denn ich hange an Gott, welcher nicht lügen kann. Denn er sagt: Siehe, ich gebe meinen Sohn in den Tod, damit er dich durch sein Blut von Sünden und Tod erlöse. Da kann ich nicht zweifeln, es sei denn, ich wollte Gott ganz und gar verleugnen. Und dies ist die Ursache, dass unsere Theologie gewiss ist, denn sie bringt uns dahin, dass wir nicht auf uns selbst sehen, sondern gründet uns auf das, was außer uns ist, dass wir nicht bauen auf unsere Kräfte, Gewissen, Gefühl, Person und Werke, sondern uns verlassen auf das, was außer uns ist, das heißt, auf die Verheißung und Wahrheit Gottes, welche nicht fehlen kann.“ (Martin Luther)

 

„Dass Gott sein Volk erwählt hat, ist der Grund, weshalb er bei ihnen bleibt und sie nicht verlässt. Er wählte sie um seiner Liebe willen, und er liebt sie um seiner Wahl willen. Sein eignes Wohlgefallen ist die Quelle ihrer Erwählung, und seine Erwählung ist der Grund für die Fortdauer seines Wohlgefallens an ihnen. Es würde seinen großen Namen entehren, wenn er sie verließe, da es zeigen würde, dass er sich entweder in seiner Wahl geirrt habe oder dass er wankelmütig in seiner Liebe sei. Die Liebe Gottes hat diesen Ruhm, dass sie sich niemals ändert, und diesen Ruhm wird er niemals verdunkeln lassen. Alle Erinnerungen an des Herrn frühere Güte und Freundlichkeit sollen uns dessen versichern, dass er uns nicht verlassen will. Er, der so weit gegangen ist, dass er uns zu seinem Volke gemacht hat, wird nicht die Schöpfung seiner Gnade vernichten. Er hat solche Wunder nicht für uns getan, um uns schließlich aufzugeben. Sein Sohn Jesus ist für uns gestorben, und wir können sicher sein, dass er nicht vergeblich gestorben ist. Kann er diejenigen verlassen, für die er sein Blut vergossen hat? Weil es bisher sein Wohlgefallen gewesen ist, uns zu erwählen und zu erretten, so wird es immer noch sein Wohlgefallen sein, uns zu segnen. Unser Herr Jesus ist kein veränderlicher Liebhaber. Wie er die Seinen geliebt hat, so liebt er sie bis ans Ende.“ (Charles H. Spurgeon)

 

HEIMAT 

„Der Mensch hat einen Geist in sich, den diese Welt nicht befriedigt, der die Treber der Materie, die Dorn und Disteln am Wege mit Gram und Unwillen wiederkäut, und sich sehnet nach seiner Heimat. Auch hat er hier kein Bleiben und muss bald davon. So lässt es sich an den fünf Fingern abzählen, was ihm geholfen sein könne mit einer Weisheit, die bloß in der sichtbaren und materiellen Natur zu Hause ist. Sie kann ihm hier auf mancherlei Weise lieb und wert sein, nachdem sie mehr oder weniger Stückwerk ist; aber sie kann ihm nicht genügen. Wie könnte sie das, da es die körperliche Natur selbst nicht kann und sie ihn auf halbem Wege verlässt, und, wenn er weggetragen wird, auf seiner Studierstube zurückbleibt, wie sein Globus und seine Elektrisier-Maschine? Was ihm genügen soll, muss in ihm, seiner Natur, und unsterblich wie er sein; muss ihn, weil er hienieden einhergeht, über das Wesen und den Gang dieser körperlichen Natur und über ihre Gebrechen und Striemen weisen und trösten und ihn in dem Lande der Verlegenheit und der Unterwerfung in Wahrheit unverlegen und herrlich machen; und wenn er von dannen zieht, mit ihm ziehen durch Tod und Verwesung, und ihn wie ein Freund zur Heimat begleiten. Solch eine Weisheit wird freilich in keinem Buch gefunden, wird nicht um Geld gekauft, noch mit Halbherzigkeit zwischen Gott und dem Mammon.“ (Matthias Claudius)

 

HILFE

„Und lehrt uns dieser erste Vers (Jona 2,3) zwo große und nötige Lehren. Die erste, dass man ja vor allen Dingen zu Gott laufe und schreie in der Not zu ihm, und klage es ihm. Denn das kann Gott nicht lassen, er muss helfen dem, der da schreiet und ruft; seine göttliche Güte mag sich nicht enthalten, sie muss hören. Es liegt nur daran, dass man rufe und schreie zu ihm, und schweige ja nicht; den Kopf nur aufgerichtet, und die Hände aufgehoben, und flugs gerufen: Hilf Gott, mein Herr etc., so wirst du alsbald fühlen, dass es besser wird. Kannst du rufen und schreien, so hat es freilich keine Not mehr. Denn auch die Hölle nicht Hölle wäre, noch Hölle bliebe, wo man darinnen riefe und schriee zu Gott. (…..) Die andere Lehre ist, dass wir also schreien, dass wir auch im Herzen fühlen, es sei ein solch Schreien, dem Gott antworte, und auch mögen mit Jona rühmen, dass uns Gott antworte, wenn wir in der Not rufen. Das ist nun nichts Anderes, denn mit rechtem Glauben des Herzens rufen; denn der Kopf lässt sich nicht aufrichten, noch die Hände sich aufheben, das Herz sei denn zuvor aufgerichtet. Welches sich also aufrichtet, wie ich gesagt habe, dass es durch des Geistes Beistand zu dem zornigen Gott läuft, und unter dem Zorn Gnade sucht, lässt Gott strafen, und darf sich dennoch zugleich seiner Güte trösten. Da merke du, welch ein scharf Gesichte das Herz müsse haben, das mit eitel Zorn und Strafe von Gott umgeben ist, und doch keine Strafe noch Zorn, sondern Gnade und Güte sieht und fühlt, das ist, es will sie nicht sehen noch fühlen, ob sie es gleich aufs höchste sieht und fühlt, und will die Gnade und Güte sehen und fühlen, ob sie gleich aufs tiefste verborgen sind. Siehe, ein solch groß Ding ist es, zu Gott zu kommen, dass man durch seinen Zorn, durch Strafe und Ungnade zu ihm breche, als durch eitel Dornen, ja, durch eitel Spieße und Schwerter.“ (Martin Luther)

 

„Kommt, wir wollen wieder zum Herrn; denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen; er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden.“ Hos. 6,1. Es ist des Herrn Weise, zu zerreißen ehe er heilt. Das ist die aufrichtige Liebe seines Herzens und die sichere Heilkunst seiner Hand. Er schlägt, ehe er verbindet, sonst würde es ein ungewisses Werk sein. Das Gesetz kommt vor dem Evangelium; das Gefühl der Bedürftigkeit vor der Gabe. Ist der Leser jetzt unter der überführenden, zermalmenden Hand des Geistes? Hat er den knechtischen Geist empfangen, dass er sich abermals fürchten muss? Dies ist eine heilsame Vorbereitung auf das wirkliche Heilen und Verbinden des Evangeliums. Verzweifle nicht, liebes Herz, sondern komme zu dem Herrn mit all deinen zackigen Wunden, schwarzen Beulen und eiternden Geschwüren. Er allein kann heilen, und er freut sich, es zu tun. Es ist unsres Herrn Amt, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, und er versteht es trefflich.“ (Charles H. Spurgeon)

 

HIMMEL

„Was also ist meine Hoffnung? Nicht wahr, der Herr? Herr Jesu, wie lange wird es währen, dass ich zu dir komme? Wann werde ich erscheinen vor deinem Angesicht? Ps. 42,3. Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir! Ps. 42,2. O wahre, und vollkommene und volle Freude! O Freude über Freude, die über alle Freude geht, außer der es keine Freude gibt; wann werde ich eingehen zu dir, dass ich meinen Gott schaue, der in dir wohnet? Herr, du erfreuest mich mit Freuden deines Antlitzes Ps. 21,7; liebliches Wesen ist zu deiner Rechten ewiglich Ps. 16,11; ich werde trunken werden von den reichen Gütern deines Hauses, und du wirst mich mit Wollust tränken als mit einem Strome; denn bei dir ist die lebendige Quelle Ps. 36,9.10. O ersehntes Leben! O seliges Glück, in dem die heilige Dreieinigkeit die Erfüllung unserer Verlangen sein wird, die ohne Ende geschauet, ohne Abnahme der Lust geliebt, ohne Ermüdung gelobt werden wird! Gott schauen wird über alle Freuden gehen. Christum sehen, mit Christo leben, Christum hören wird alles, was unser Herz sich ersehnen kann, weit übersteigen. O Jesu Christe, süßester Bräutigam meiner Seele, wann wirst du deine Braut in den königlichen Palast einführen? Woran wird es da mangeln können? Was wird es da weiter zu wünschen oder zu erwarten geben können, wo Gott alles in allem sein wird? 1 Kor. 15,28. Schönheit wird er für das Gesicht, Süßigkeit für den Geschmack, Lobgetöne für das Gehör, Balsam für den Geruch, Pracht für das Gefühl sein. Alles wird Gott sein, und einem jeden wird er nach dem Wohlgefallen seines Herzens Güter zuteilen. Verlangst du Leben, Gesundheit, Frieden, Ehren: dort wird Gott alles in allem sein.“ (Johann Gerhard)

 

„Einer dreifachen Eitelkeit ist hier die Kreatur unterworfen. Die Vernunft leidet an Irrtümern, der Wille an Leidenschaften, das Gedächtnis an Vergessenheit. Einst soll es anders sein. Der Herr wird für die Vernunft die Fülle des Lichts, für den Willen der Reichtum des Friedens, für das Gedächtnis die Länge der Ewigkeit sein. O Wahrheit, o Liebe, o Ewigkeit! O selige und beseligende Dreieinigkeit, zu dir seufzt dein verderbtes Abbild empor, da es in so trauriger Fremde weilt und sich mit Irrtum, Schmerz und Schrecken plagt. Mein Herz ist zerrissen, daher der Schmerz; meine Kraft hat mich verlassen, daher der Schreck, und das Licht meiner Augen ist nicht bei mir, daher der Irrtum. Doch was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, wenn ich einst von jener wunderbaren Klarheit, von jener vollen Liebe und jener endlosen Ruhe umgeben sein werde.“ 

Bernhard (+1153) 

 

„Das ist die reiche Seligkeit und volle Herrlichkeit des Menschen, das Angesicht seines Gottes zu schauen, den zu schauen, der Himmel und Erde gemacht, den zu schauen, der uns geschaffen, erlöst und erhöht hat. Das ist das Große, was du verheißen, o Herr, da du sprachst: Ich werde dein sehr großer Lohn sein. Wenn wir also dich sehen werden, den allein wahren, lebendigen, allmächtigen Gott und deinen eingebornen Sohn, gleiches Wesens und gleich ewig mit dir, unsern Herrn Jesum Christum, den du zu unserem Heil gesandt hast in der Kraft des heiligen Geistes, dann werden wir besitzen, was wir jetzt suchen, dann werden wir jenes Unaussprechliche genießen, das du bereitet hast denen, die dich lieben.“ 

Soliloquia (Augustini) 

 

„O du Leben, welches Gott denen bereitet hat, die ihn lieben, seliges, ruhiges, reines, heiliges Leben; Leben, das den Tod nicht mehr kennt und nichts von Traurigkeit weiß, Leben ohne Schmerz und Angst, ohne Vernichtung und Trübung, ohne Wechsel und Wandel, Leben voll Schönheit und Herrlichkeit; wo kein Feind mehr streitet, keine Sünde mehr lockt, wo die Liebe vollkommen und die Furcht vertrieben ist, wo ein ewiger Tag herrscht, wo Gott von Angesicht zu Angesicht geschaut und durch dieses Lebensbrot die Seele ohne Unterlass gesättigt wird – gern kehre ich mich hin zu deiner Klarheit. Je mehr ich vermag, dich im Geiste zu betrachten, desto heftiger wird meine Liebe und mein Verlangen nach dir. Es ergötzt mich, von dir zu reden, zu hören, zu schreiben, täglich von deiner Herrlichkeit zu lesen und das Gelesene oft für mich zu wiederholen: auf dass ich also von der Hitze, den Gefahren und dem Schweiß dieser Zeit in den sanft kühlenden Strom deiner Lebenslust eintreten und das müde Haupt eine Weile zum Schlummer in deinen Schoß niederlegen könne. Darum besuche ich auch die lieblichen Auen heiliger Schrift, pflücke die frischesten Kräuter und hebe mir sie auf in der hohen Kammer des Gedächtnisses, damit ich so beim Schmecken deiner Süßigkeit die Bitterkeiten dieses traurigen Lebens weniger empfinde. O des glücklichsten Lebens, des wahrhaft seligen Reiches, ohne Tod, sonder Ende; wo der beständige Tag alle Zeit vergessen lässt, wo der siegreiche Streiter, mit den feiernden Chören der Engel vereint, Gott ohne Ende ein Lied singt von Zions Liedern (…). Möchten mir doch meine Sünden vergeben, die Bürde des Fleisches bald genommen und der Zutritt zu deinen Freuden gestattet werden!“ 

Meditationes (Augustini) 

 

„Einst wird uns nicht so sehr dies erfreuen, dass unser Kummer gestillt und großes Glück uns zu Teil geworden, als vielmehr, dass Gottes Wille in uns und an uns in Erfüllung gegangen; darum wir auch täglich im Vaterunser bitten, wenn wir sprechen: Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden! O heilige und keusche Liebe, o süße und liebliche Empfindung! O reines und ungetrübtes Leben des Willens, wo nichts mehr von Eigenheit zurückgeblieben ist! So sein heißt Gott gleich werden. Wie ein kleiner Wassertropfen, unter vielen Wein geschüttet, ganz zu verschwinden scheint, da er Geschmack und Farbe des Weines annimmt; wie das Eisen sich ganz vom Feuer durchdringen lässt; wie die Luft, vom Sonnenscheine durchglänzt, in dieselbe Klarheit des Lichtes sich wandelt, so dass sie nicht sowohl erleuchtet, als selbst Licht zu sein scheint; so wird einst in den Heiligen alle menschliche Neigung zerfließen und sich ganz in den Willen Gottes auflösen. Denn wie sollte Gott alles in allen sein können, wenn irgend etwas im Menschen vom Menschen übrig bliebe? Verbleiben wird zwar das Wesen, aber in anderer Gestalt, in anderer Herrlichkeit, in anderer Kraft.“

Bernhard (+1153) 

 

„Heil denen, die aus den Gefahren dieses Meeres zu dir, o Gott, dem sichersten Hafen, gelangt sind. Heil ihnen, die von der Flut zum Gestade, von der Fremde zum Vaterland, aus dem Gefängnis in den Königspalast gekommen, jene Krone der ewigen Herrlichkeit, die sie hier unter Tränen suchten, gefunden haben! O herrliches Reich, wo immerwährende Freude die Häupter der Heiligen umschwebt, wo sie herrschen mit Licht angetan als mit einem Kleid! Wo die Jugend niemals altert, wo das Leben niemals endet, wo die Frische niemals erblasst, wo die Liebe niemals erkaltet, wo die Gesundheit niemals welkt, wo die Freude niemals abnimmt, wo Schmerz niemals gefühlt, Seufzen niemals gehört, etwas Trauriges nimmer empfunden wird. O unser Vaterland, sicheres Vaterland, wir sehen dich von ferne, wir begrüßen dich von diesem Meer aus, aus diesem Tal seufzen wir nach dir empor, und mühen uns unter Tränen, zu dir zu kommen.“ 

Soliloquia (Augustini) 

 

HOFFNUNG

„Was ist die Hoffnung? Dass wir Gott dem Herrn zutrauen, Er werde auch ins künftige unser lieber Vater bleiben, uns aus aller Not zu rechter Zeit erretten, und endlich des versprochenen ewigen Heils teilhaftig machen.“ (Philipp J. Spener)

 

„Gleichwie der Glaube nichts anders ist, als eine gewisse ungezweifelte Zuversicht (Hebr. 11,1.) auf Gottes Gnade in Christo verheißen, dadurch das ganze Herz und Gemüte Gott anhanget, also ist die Hoffnung eine geduldige beharrliche Auswartung und beständige Zuverlässigkeit dessen, was man glaubet, oder dass man mit Geduld erwartet, was man glaubet; und ist nichts anders, als der geduldige, beständige, wartende Glaube bis ans Ende. Von dieser Hoffnung sagt St. Paulus Röm. 5,5. dass sie nicht lässt zu Schanden werden; Ursache: Sie hat einen unbeweglichen Grund, wie auch der Glaube, das ist Gott selbst, darum kann sie nicht zu Schanden werden, denn ihr Grund und Fundament ist fest, ewig und unbeweglich.“ (Johann Arndt) 

 

„Selig ist das Volk, dessen der Herr ein Gott ist, das Volk, welches er sich zum Erbteil erwählet hat. Die vorzüglichste Versicherung des Glaubens aber besteht in der Hoffnung der ewigen Seligkeit, welche durch Gottes Wort außer allen Zweifel gesetzt ist. Wo nur der lebendige Glaube stattfindet, da hat er auch diese Hoffnung zur unzertrennlichen Begleiterin, und ohne sie kann er gar nicht sein. Denn da der Glaube eine feste Überzeugung von der Wahrheit Gottes ist, so fehlt es nicht, dass diejenigen, welche die Verheißungen Gottes für wahr halten, auch erwarten, dass er dieselben in Erfüllung bringen werde, so, dass also die Hoffnung nichts anders ist als eine Erwartung der Dinge, von denen der Glaube wahrhaft glaubt, dass sie von Gott verheißen sind. Der Glaube glaubt, dass Gott wahrhaftig sei; die Hoffnung erwartet, dass er zur rechten Zeit seine Wahrheit in Erfüllung gehen lassen werde. Der Glaube glaubt, dass Gott unser Vater sei; die Hoffnung erwartet, dass er sich allezeit als ein Vater gegen uns erweisen werde. Der Glaube glaubt, dass uns ewiges Leben von Gott geschenkt sei; die Hoffnung erwartet, dass dasselbe einst offenbar werde. Der Glaube ist der Grund, auf dem die Hoffnung beruht; die Hoffnung nährt und erhält den Glauben. Denn so wie Niemand etwas von Gott erwarten kann, als nur der, welcher zuvor seinen Verheißungen glaubt: so muss auch wiederum die Schwachheit unsers Glaubens durch geduldiges Hoffen und Harren unterstützt und gekräftigt werden, damit er nicht ermüdet zusammen sinke. Mit Recht stellt also Paulus unser Heil in die Hoffnung. Röm. 8,24. Denn indem dieselbe mit Schweigen des Herrn harret, so hält sie den Glauben an, dass er nicht durch zu großes Eilen dahin stürze; sie bekräftigt ihn, dass er bei Gottes Verheißungen nicht wanke, oder an der Wahrheit derselben zu zweifeln anfange; sie erfrischt ihn, dass er nicht müde werde; sie richtet seinen Blick auf das Ziel, damit er nicht mitten im Lauf dahin schwinde.“ (Johannes Calvin)

 

HÖCHSTES GUT

„Wer an allen anderen Gütern reich wäre, der hätte nichts, wenn ihm die Gnade und Liebe Gottes fehlte. Wer aber sie besitzt, der hat alles. Daraus folgt, dass sich der Christ, so viel er kann, bemühen wird, diesen Schatz zu erhalten und zu vermehren. Sehen wir doch schon bei unvernünftigen Kreaturen, dass sie ihr Leben auf jegliche Weise zu retten suchen, dass sie mit allen Kräften ihrem Untergang widerstehen und alles andre daran geben, wenn nur ihr Dasein erhalten werden kann. So will denn auch der Christ, dessen eigentliches Leben in der Gnade und Liebe besteht, alle Güter Leibes und der Seele opfern, alles Elend, ja selbst den Tod eher erdulden, als die Gnade und Liebe Gottes verlieren.“ 

Savonarola (+1498) 

 

HÖLLE 

„Wie im Reiche Gottes nichts begehrt wird, was nicht gefunden wird, so wird in der Hölle nichts gefunden, was begehrt wird. Den Verdammten wird es da nichts helfen, dass sie in diesem Leben mancher Ergötzungen sich zu erfreuen gehabt haben, ja es wird die Erinnerung daran sie nur noch um so mehr quälen. Den Verdammten wird es nichts helfen, dass sie in diesem Leben in steter Sättigung und Trunkenheit gelebt haben, weil sie dort nicht einmal einen Tropfen Wassers erlangen können Luk. 16,24. Es wird ihnen nichts helfen, dass sie in köstliche Kleider sich gekleidet haben, denn sie werden mit Schmach umgeben, und ihre Leiber werden in Schande gekleidet werden. Es wird ihnen nichts nützen, dass sie in diesem Leben Ehrenstellen eingenommen haben, weil es in der Hölle keine Ehre, sondern ununterbrochenes Seufzen und Schmerzen gibt. Es wird ihnen nichts nützen, dass sie in diesem Leben Reichtum gesammelt haben, weil dort sich alle in gleicher Armut befinden werden. Von dem seligen Schauen Gottes werden sie verbannet sein. Gott nicht schauen übersteigt alle Martern der Hölle. Wenn die in das Gefängnis der Hölle eingeschlossenen Verdammten das Angesicht Gottes sähen, so würden sie keine Strafe, keinen Schmerz und keine Traurigkeit empfinden. So aber werden sie den Zorn Gottes erfahren, und doch das beseligende Antlitz Gottes niemals schauen. Sie werden Strafen leiden von dem Angesicht deß, dessen Angesicht sie doch niemals sehen werden. Der Zorn Gottes wird das Feuer der ewigen Verdammnis fort und fort wie einen schwefeligen Strom entzünden (…). Die Verdammten werden nicht bloß äußerlich durch die bösen Geister gequält werden, sondern auch innerlich durch den Wurm des Gewissens. Alle Sünden ohne Unterschied, die sie jemals begangen haben, werden ununterbrochen ihnen vor Augen stehen. Die Marter wird aber um so heftiger sein, weil die Gnade der Buße ihnen nicht mehr verstattet ist. Wenn die Jungfrauen, die sich bereitet haben, mit dem Bräutigam zur Hochzeit eingegangen sind, so wird sofort die Tür verschlossen werden Matth. 25,10, nämlich die Tür der Vergebung, die Tür der Erbarmung, die Tür des Trostes, die Tür der Hoffnung, die Tür der Gnade, die Tür der heiligen Bekehrung. Die Verdammten werden schreien und sprechen zu den Bergen und Felsen: Fallet auf uns und verberget uns vor dem Zorne des Lammes Off. Joh. 6,16; aber ihr Schreien wird umsonst sein…“ (Johann Gerhard)

 

„Wo man nach seinem eignen Willen lebt, da sucht man Freude ohne und außer Gott. Eine solche Freude aber trägt im Verborgenen in sich das schrecklichste Gift, den furchtbarsten Tod, weil sie eine Feindschaft und Verachtung des Schöpfers ist. Sie ist unsicher, unstet und mit einer geheimen Bangigkeit verbunden, und mit dem Tod hört sie ganz auf. Denn da wird einer solchen Seele alles genommen, was sie liebte; sie verliert die eigene Ehre, den eigenen Ruhm und alle sinnlichen Genüsse. Und von der Wand des Leibes losgetrennt, hinter der sie sich bisher vor sich selber versteckt hatte, erkennt sie immerdar, was sie hätte sein sollen, und was sie durch ihre Schuld geworden ist. Da fängt sie sich denn an zu hassen, und aus dem Hass gegen sich selbst entspringt der Hass gegen Gott, der ihr das Dasein gegeben. Sie wünscht erbittert, dass er nicht sein möchte, damit auch sie nicht wäre. Aber nicht bloß sich und Gott, auch alle andere Kreaturen hasst sie, weil sie Gottes sind. Und da sie nun weder sich, noch Gott, noch die Kreaturen vertilgen kann, so übersteigt ihr Elend alle Grenzen. Nimmer kann sie ruhen, nimmer zu denken aufhören, und das Gedächtnis ihrer Sünde gießt immerfort Öl auf das Feuer ihres Jammers, das in alle Ewigkeit brennt.“ 

Raymund (+1436) 

 

HÖREN

„Ich will hören, was der Herr, mein Herr, in mir spricht. (Ps. 85,9.) Selig die Seele, die den Herrn in sich reden hört, und aus seinem Munde des Trostes Worte empfängt. Selig die Ohren, welche das leise Wehen Gottes vernehmen und auf die Einflüsterungen dieser Welt nicht achten. Ja, ganz selig die Ohren, welche nicht auf die von außen kommende Stimme, sondern auf die im Innern lehrende Wahrheit hören. Selig die Augen, welche der Außenwelt verschlossen, für das Innere aber aufgetan sind. Selig, die in’s Innere dringen und sich durch tägliche Übungen mehr und mehr geschickt machen, die himmlischen Geheimnisse zu erfassen. Selig, welche sich Gott zu widmen begehren, und sich von jedem Hindernisse der Welt losreißen! Merke dies, meine Seele, und verschließe die Türe deiner Sinnlichkeit, dass du könnest hören, was in dir der Herr, dein Gott, rede.“ (Thomas von Kempen)

 

„Wenn Gott redet und sein Wort gibt, so gibt er’s reichlich, schüttet seinen Schatz überschwänglich aus, tut den Himmel weit auf, ruft und spricht: Alle gen Himmel, alle gen Himmel! Alsdann ist’s Zeit, dass man die Ohren auftue und höre. Wenn man aber sein Wort nicht hören will, so schweigt er stille, und nimmt sein Wort rein hinweg. So geht’s denn also: Haben wir Gott nicht wollen hören, da er mit uns redete, so mögen wir den Teufel hören, wenn Gott schweigt. Haben wir nicht gen Himmel wollen, weil er offen stand, so kann Gott den Himmel zuschließen, und die Hölle aufschließen; da mögen wir zusehen, wo wir bleiben (…). Jetzt schließt Gott auch den Himmel auf, und schließt die Hölle zu, schüttet sein Wort reichlich aus durch die Predigt des Evangelii, und redet getrost; aber niemand will es fast mehr hören. So wird’s auch geschehen, dass Gott den Himmel wird zuschließen, und die Hölle aufschließen, dass die Leute mit Haufen werden hinein fahren müssen, weil sie jetzt nicht in den Himmel wollen, weil er offen steht. Darum lasset uns fleißig hören, weil Gott mit uns redet, auf dass er sein Wort nicht hinwegnehme, und stille schweige. Nimmt er sein Wort hinweg, und schweigt stille, so ist’s mit uns aus.“ (Martin Luther) 

 

„Wir lesen in der Meditation den uns gegebenen Text auf die Verheißung hin, dass er uns ganz persönlich für den heutigen Tag und für unsern Christenstand etwas zu sagen habe, dass es nicht nur Gottes Wort für die Gemeinde, sondern auch Gottes Wort für mich persönlich ist. Wir setzen uns dem einzelnen Satz und Wort so lange aus, bis wir persönlich von ihm getroffen sind. Damit tun wir nichts anderes, als was der schlichteste, ungelehrteste Christ täglich tut, wir lesen Gottes Wort als Gottes Wort für uns. Wir fragen also nicht, was dieser Text andern Menschen zu sagen habe, für uns Prediger heißt das, wir fragen nicht, wie wir über den Text predigen oder unterrichten würden, sondern was er uns selbst ganz persönlich zu sagen hat. Dass wir dazu den Text erst einmal seinem Inhalt nach verstanden haben müssen, ist gewiss, aber wir treiben hier nicht Textauslegung, nicht Predigtvorbereitung, nicht Bibelstudium irgendwelcher Art, sondern wir warten auf Gottes Wort an uns. Es ist kein leeres Warten, sondern ein Warten auf klare Verheißung hin. Oft sind wir so belastet und überhäuft mit andern Gedanken und Bildern, Sorgen, dass es lange dauert, ehe Gottes Wort das alles beiseite geräumt hat und zu uns durchdringt. Aber es kommt gewiss, so gewiss Gott selbst zu den Menschen gekommen ist und wiederkommen will. Eben darum werden wir unsere Meditation mit dem Gebet beginnen, Gott wolle seinen Heiligen Geist durch sein Wort zu uns senden und uns sein Wort offenbaren und uns erleuchten.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

HUNGER

„Eine starke Hungersnot ist auf Erden eingetreten, den unvernünftigen Tieren sind wir gleich geworden, essen Träber und werden nicht satt. Wer Geld liebt, wird nicht satt, wer Schwelgerei liebt, wird nicht satt, wer Ruhm sucht, wird nicht satt. Ihr törichten Kinder Adams, indem ihr das Viehfutter dieser Welt genießt, stärkt ihr ja nicht die hungrige Seele, sondern den Hunger selber. Und dass ich es euch durch ein Beispiel klar mache, indem ich eins von den Dingen nenne, wonach die Eitelkeit trachtet: So wenig können menschliche Herzen durch Gold befriedigt werden, als menschliche Leiber sich daran sättigen mögen. Wer satt zu werden wünscht, der muss nach der Gerechtigkeit hungern, nach jenem Brot verlangen, dessen im Hause des Vaters die Fülle ist. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.“ 

Bernhard (+1153) 

 

IRRLEHRER

„Es ziehen immer drei Raubschiffe um uns herum. Erstens, unsere verderbte Natur, zum andern die Welt, drittens die falsche Lehre. Um dieser drei Stücke willen ist es fast gefährlich, in der Welt zu sein. Bei dem dritten Stück braucht der Satan Leute von großem Verstand und Fähigkeiten, deren Wort greift um sich wie der Krebs. Daher ist nun nötig, über dem Wort zu halten und zu beten, damit wir nicht einiger Leute Meinung annehmen, die da sagen: Es schadet nichts, dass man mit solchen Leuten umgeht. Dieser Wahn verderbt sehr viele. Es schadet ihr Umgang viel, es ist der Teufel drunter.“ (Martin Luther)

 

JESUS CHRISTUS

„Siehe, lieber Christ! dazu ist dir Christus geschenket und gegeben; bitte du nur täglich, dass du ihn also brauchen mögest, und dass er sein heilwärtiges Amt also an dir erfüllen möge. Denn, wenn er deine Arznei ist, so wirst du gesund; wenn er dein Brot ist, so wird deine Seele nicht hungern; ist er dein Brunn des Lebens, so wirst du nicht dürsten; ist er dein Licht, so wirst du nicht in Finsternis bleiben; ist er deine Freude, wer wird dich betrüben? ist er dein Advokat, wer wird dir abgewinnen? ist er deine Wahrheit, wer will dich verführen? ist er dein Weg, wer will dich verirren, ist er dein Leben, wer will dich töten? ist er deine Weisheit, wer will dich betrügen? ist er deine Gerechtigkeit, wer will dich verdammen? ist er deine Heiligung, wer will dich verwerfen? ist er deine Erlösung, wer will dich gefangen halten? ist er dein Frieden, wer kann dich unruhig machen? ist er dein Gnadenthron, wer will dich richten? ist er deine Lossprechung und Absolution, wer will dich verurteilen? ist er dein Kämpfer und Verfechter, wer will dich schlagen? ist er dein Bräutigam, wer will dich entführen? ist er dein Lösegeld, wer will dich in den Schuldturm werfen? ist er deine Ehrenkrone, wer will dich verachten? ist er dein Lehrer, wer will dich strafen? Ist er dein Richter, wer will dich beleidigen? ist er deine Versöhnung, wer will dich in Gottes Ungnade bringen? ist er dein Mittler, wer will dir Gott zuwider machen? ist er dein Fürsprecher, wer will dich verklagen? ist er dein Immanuel, wer will wider dich sein? ist er dein König, wer will dich aus seinem Reiche stoßen? ist er dein Hoherpriester, wer will sein Opfer und Fürbitte verwerfen? ist er dein Seligmacher, wer will dich unselig machen? Wie kannst du ein größeres Geschenk haben? Das Geschenk ist größer und mehr wert, als du, alle Menschen, alle Welt und aller Welt Sünde, Jammer und Elend. Denn Christus ist ganz unser mit seiner Gottheit und Menschheit. Denn wir haben durch die Sünde unsern höchsten Schatz verloren, das höchste ewige Gut, welches ist Gott selbst; denselben hat uns Gott in Christo wieder gegeben, und in ihm sich selbst.“ (Johann Gerhard)

 

„Wer da will heilsam über Gott denken oder spekulieren, der setze alles andre hintan gegen die Menschheit Christi. Diese aber stelle er sich vor, wie sie sich erhebt oder wie sie leidet, bis ihm ihre Gütigkeit süße werde. Dann bleibe er da nicht stehen, sondern dringe hindurch und denke: Ei, nicht aus seinem Willen, sondern aus dem Gottes des Vaters hat er das und das getan. Da wird der allerlieblichste Wille des Vaters anfangen, ihm zu gefallen, den er in der Menschheit Christi erzeigt (und eben das ist schon das Ziehen und Geben des Vaters). Bei diesem Willen kann Gott der Vater ohne Furcht ergriffen werden und mit Vertrauen. Wenn solcher Weg nicht geachtet wird, dann bleibt nichts anders als ein Sturz in den ewigen Abgrund. Denn er will nicht, dass man auf einem andern Wege zu ihm gehe, ihn erkenne und liebe. Wie er spricht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Joh. 14,6). (…) Nun hast du, was das sei zu Christus kommen: er hat den Willen des Vaters erklärt, was der bedeute. Nämlich: „zu Christus kommen“ heißt ihn sehen und an ihn glauben. Und „nicht hinausgestoßen werden“, „nicht verloren werden“ durch den Willen des Vaters, das heißt ewiges Leben haben. Das ist denn des Vaters Wille, dass alle, die er Christus gegeben hat, selig werden durch Christus in Ewigkeit.“ (Martin Luther)

 

„Erwache, meine Seele, erhebe dich eilend vom Staube, betrachte gespannten Blickes den merkwürdigen Mann, den dir der Spiegel der evangelischen Geschichte vor Augen hält. Wer ist, der dort eintritt mit dem Antlitze eines Königs, und mit der Schmach des niedrigsten Knechtes beladen? Gekrönt geht er, aber seine Krone ist eine Kreuzeskrone, die ihm tausend Blutmale drückt. Mit königlichem Purpur ist er bekleidet, aber statt zur Ehre soll er ihm zur Schande sein. Ein Szepter führt er in der Hand, aber sein ehrwürdiges Haupt wird damit misshandelt. Man beugt die Knie vor ihm, betet ihn an, ruft ihn als König aus, und flugs springt man wiederum heran, um seine Wangen zu bespeien, ihm Kinn und Hals mit Fäusten zu zerschlagen. Entkleidet wird er und mit Geißeln zerfleischt, mit ehernen Nägeln schmachvoll inmitten von Verbrechern ans Kreuz geheftet, Ströme von Blut quellen aus seinen tiefen Wunden. Wer ist es nun, der unter allen Peinigungen seinen Mund nicht auftut, um zu klagen, zu drohen oder zu verdammen, der vielmehr am Ende ein Segenswort über seine Feinde ausspricht, wie es die Welt nie gehört hatte? Wer ist aber auch der, mit dem Himmel und Erde leiden, dessen Tod selbst Tote lebendig macht? Siehe, meine Seele, das ist dein Herr Jesus Christus, dein Erlöser, der eingeborne Sohn Gottes, wahrer Gott und wahrer Mensch, der allein von allen, die unter der Sonne wandeln, ohne Sünde erfunden worden.“

Eckbert (12. JH.) 

 

„Große Sünden habe ich begangen und vieler Missetaten bin ich mir bewusst. Doch ich verzweifle nicht; denn, wo die Sünde groß ist, da ist die Gnade übermächtig. Mögen meine Gedanken sprechen, so viel sie wollen: Wer bist du? was ist dein Ruhm und wo sind deine Verdienste? Ich will getrost entgegnen: Ich weiß, an wen ich glaube; er ist wahrhaftig in der Verheißung, mächtig zu der Erfüllung, er kann tun, was er will. Es streckt der Herr am Kreuz seine Arme aus, die Sünder zu umfangen. In den Armen meines Erlösers will ich leben, will ich sterben. Er hat sein Haupt im Tod herabgeneigt, seine Geliebten zu küssen. Regt sich in mir irgendein unreiner Gedanke, so eile ich zu den Wunden Christi. Drückt mich mein Fleisch darnieder, so stehe ich auf durch das Gedächtnis an die Wunden meines Herrn. Stellt mir der Teufel Netze, so fliehe ich zum Erbarmen meines Erlösers, und er muss von mir weichen. In allen Widerwärtigkeiten gibt es kein köstlicheres Mittel als Christi Wunden. In ihnen schlafe ich sorglos, ruhe ich sicher. Christus ist für uns gestorben. Nichts ist so schmerzlich, was nicht durch seinen Tod geheilt würde. Meine ganze Hoffnung steht darauf. Sein Tod ist mein Verdienst und meine Zuflucht, mein Heil, Leben und Auferstehung.“ 

Manuale (Augustini) 

 

„O meine Seele, auf finsterem, schlüpfrigem Wege glittest du immerdar zur Wüste der Hölle hinab. Ein Bleigewicht hing an deinem Hals, eine unerträgliche Last drückte dich und unsichtbare Feinde stürmten mit aller Macht auf dich ein. Ganz von Hilfe verlassen sankst du, und merktest doch nichts, weil du also empfangen und geboren warst. Erschrecke bei dem Gedanken, erbebe bei der Erinnerung! O lieber Herr Jesus Christus, in solcher Lage bist du mir ohne mein Bitten und Meinen als leuchtende Sonne aufgegangen. Du hast das Blei hinweggenommen und die Last entfernt, die auf mir lag. Du hast dich für mich in den Kampf gestellt und meine Feinde in die Flucht geschlagen. Mit einem neuen Namen, mit deinem Namen hast du mich genannt, und da ich krumm und gebückt vor dir stand, erhobst du mich und sprachst: Sei getrost, ich habe dich erlöst, ich habe mein Leben für dich gelassen, ich nehme dich in mein Reich auf, ich mache dich zum Erben Gottes, zu meinem Miterben. Siehe, Herr, so tief war ich gesunken, so hoch hast du mich erhoben! Nimm mich nun ganz in Deine Liebesarme auf.“ 

Anselm (+1109) 

 

„Gib Christo Raum und lass alles andere von dir. Wenn du Christum hast, so bist du reich; er reicht aus. Er wird dich erhalten und in allen Stücken treulich versorgen; dass du nicht auf Menschen zu hoffen brauchst. Menschen ändern sich schnell, vergehen bald. Christus aber bleibt bis ans Ende und bis in Ewigkeit bei dir stehen. Man muss keine große Hoffnung auf einen zerbrechlichen und sterblichen Menschen setzen, mag er einem auch noch so lieb und nützlich sein; man muss sich auch nicht zu sehr betrüben, wenn man bisweilen Anfeindung und Widerspruch erfährt. Wer heute für dich ist, kann morgen wider dich sein, und umgekehrt; Menschen wechseln oft, wie der Wind. Stelle dein ganzes Vertrauen auf Gott; er sei deine Furcht und deine Liebe. Er selbst wird für dich antworten und dir Gutes tun, wenn es dir gut ist. Du hast hier keine bleibende Stätte, bist Fremdling und Pilger, und wirst auch dermaleinst keine Heimat finden, wenn du nicht Christum gefunden hast. Ruhe in seinen Leiden und in seinen heiligen Wunden. Dulde mit ihm und für ihn, wenn du mit ihm herrschen willst.“ 

Thomas von Kempen (+1471) 

 

JÜNGSTER TAG

„Das Ende des Glaubens ist der Seelen Seligkeit, 1 Petr. 1, und das ewige Leben, Joh. 3; des Unglaubens Ende aber ist die ewige Verdammnis, Mark. 16, und das ewige Verderben, 1 Thess. 1. Und in diesem Leben sind wir wohl selig, aber in Hoffnung, Röm. 8. 2 Kor. 5; es wird aber beide des Glaubens und Unglaubens Ende gänzlich und vollkommen offenbaret werden zu der letzten Zeit, wenn Christus wird vom Himmel kommen zu richten, 1 Petr. 1. 2 Thess. 1. Alsdann werden die Gerechten gehen in das ewige Leben, die Ungerechten aber in die ewige Pein. Matth. 25. Joh. 5.“ (Martin Chemnitz)

 

„Diesen Tag hat Gott zu dem Zweck angesetzt, damit seine herrliche Barmherzigkeit und Gerechtigkeit öffentlich erwiesen wird: die Barmherzigkeit in der ewigen Erlösung der Erwählten; die Gerechtigkeit in der Verdammnis der Verworfenen, die gottlos sind und den Gehorsam verweigern. Dann werden die Gerechten ins ewige Leben eingehen und jene Fülle der Freude und Erquickung empfangen, die von der Gegenwart des Herrn ausgeht; aber die Gottlosen, die Gott nicht kennen und dem Evangelium Christi nicht gehorchen, werden in die ewige Qual geworfen und mit ewigem Verderben durch die Gegenwart des Herrn und seine majestätische Gewalt bestraft.“ (Westminster Bekenntnis)

 

„Was lehret die Schrift vom jüngsten Tage und Gerichte? Sie lehret, dass diese Welt und ihr Wesen nicht ewig bleiben, sondern ein Ende nehmen werde, Matth. 24. 1 Kor. 7, dass die Himmel mit Krachen zergehen, die Elemente vor Hitze schmelzen und die Erde verbrennen werde, 2 Petr. 3, wenn des Menschen Sohn vom Himmel kommen wird mit offenbarlicher Kraft und Herrlichkeit, also dass Feuerflammen werden vor ihm her gehen. Matth. 24. 2 Thess. 1. Alsdann werden alle Toten mit ihren Leibern auferstehen, 1 Kor. 15, und darauf wird denn das Gericht gehalten werden, dass die Auserwählten dem Richter Christo zur Rechten und die Verfluchten zur Linken gestellet, und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber Übels getan haben, zur Auferstehung des Gerichts, wie das beschrieben wird Matth. 25. Joh. 5. Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, denn allein der Vater; und darum sollen wir wachen und beten, weil wir nicht wissen Stunde oder Zeit, in welcher der Herr kommen wird. Matth. 24.“ (Martin Chemnitz)

 

„Schrecklich ist der Tag des Gerichts nur den Bösen um der Strafe willen, aber lieblich den Frommen um der Krone willen (…..). Wenn wir Christum in Wahrheit lieb haben, dann tragen wir auch nach seiner Zukunft ein herzliches Verlangen; denn es ist ja ganz verkehrt, sich vor dem Kommen dessen zu fürchten, den man lieb hat; zu beten: Dein Reich komme, und doch bange zu sein, dass solch Gebet erhört werden möchte. – Woher kommt aber deine Furcht? Etwa, weil er als Richter kommt? Wird er etwa ungerecht, wird er dir abhold, wird er missgünstig sein? Will er von andern erst hören, wie deine Sachen stehen, dass du fürchten müsstest, dein Sachwalter werde deine Sache betrüglich führen oder zu wenig Beredsamkeit und Geschick haben, deine Unschuld darzutun? Nichts von alledem. Nun wer ist’s also, der da kommt? Warum freust du dich nicht? Wer ist’s denn anders, der da kommen wird, dich zu richten, als derselbige, der schon gekommen ist, dass er sich um deinetwillen richten ließe? So fürchte dich doch nicht vor dem Verkläger, von dem er selbst gesagt: der Fürst dieser Welt ist hinausgetan. Fürchte nicht, dass dein Anwalt deine Sache schlecht führen werde; denn eben der ist jetzt schon dein Anwalt, der einst dein Richter sein wird. Er wird dich und deine Sache vertreten, er wird für deine Sache reden, für dein Gewissen zeugen. Wenn du dich daher vor dem künftigen Richter fürchtest, so bringe nur dein Gewissen in Ordnung. Du hast also gar keine Ursache dich vor dem zukünftigen Richter zu fürchten. Der wird Richter sein, der auch dein Anwalt ist. Der wird Richter sein, der seinen Heiligen verheißen hat, dass sie nach seinem Zeugnis und Vorbild die Welt richten sollen. Der wird Richter sein, in welchem du von Ewigkeit auserwählt bist zum Leben. Der wird Richter sein, der auch dein König ist; wie sollte aber ein König sein Volk verderben? Der wird Richter sein, dessen wahrhaftiges Glied du worden bist durch den Glauben; wie sollte aber das Haupt seine Glieder verderben? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. Wie kann er die verloren gehn lassen, die er in seinen Schutz genommen, um deren willen, damit sie eben nicht verloren wären, er in die Welt gekommen?“ (Johann Gerhard) 

 

„Wer vermag es, die Schrecken des Weltgerichts zu beschreiben, wo die Schafe zur Rechten, die Böcke zur Linken stehen sollen! Welches Zittern wird herrschen, wenn die Kräfte des Himmels sich bewegen werden? Welche Verwirrung wird entstehen, welche Seufzer, welches Heulen und Jammern wird man hören, wenn jenes furchtbare Wort erschallt: Geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer! Wahrlich ein Tag des Zorns wird jener Tag sein, ein Tag der Trübsal und Angst, ein nebliger und stürmischer Tag, ein Tag der Posaune und des Feldgeschrei's. Da wird die Stolzen das ewige Feuer ergreifen, das niemals verlischt, der Wurm wird an ihnen nagen, der nimmer stirbt und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Als Selige hingegen werden sich freuen und frohlocken, die hier betrübten und zerschlagenen Herzens waren, wenn sie zur Rechten gestellt jenes köstliche Wort vernehmen: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Jubelstimmen werden dann in den Zelten der Gerechten ertönen und himmlische Kronen die Häupter der Treuen schmücken.“ 

Anselm (+1109) 

 

KAMPF

„Darum spricht nun Paulus: Laß uns so elend sein, als kein Mensch auf Erden ist, und uns schrecken und betrüben, was da schrecken und betrüben kann, Tod, Hölle und alle Unglück, und so böse sein, als immer werden kann. Nun aber ist ja Christus auferstanden, nicht aus dem Schlaf (spricht er), sondern aus dem Tod, denn er ist sowohl gestorben und unter der Erde gelegen als andere; aber er ist lebendig wieder hervorkommen aus dem Loch, darin er begraben lag, und hat beide, Teufel und Tod, gewürgt und gefressen, die ihn gefressen hatten, und seinen Bauch und Höllenrachen zerrissen, und ist hinauf gen Himmel gefahren, da er nun sitzt im ewigen Leben und Herrlichkeit. Das soll unser Trost und Trotz sein. Denn in desselben Namen sind wir getauft, hören und bekennen sein Wort. Von ihm heißen wir Christen, und um seinetwillen leiden wir alles Unglück und Herzeleid vom Teufel; denn es gilt nicht uns, sondern ihm selbst und seinem Reich, welchem er feind ist, und trachtet, wie er's zerstöre, und uns so mitfahre, und müde mache mit jächen, plagen und würgen, dass wir sollen ihn fahren lassen. Aber wir wollen uns auch getrost gegen ihn setzen, und sagen: Nein, du schändlicher, leidiger Teufel, so böse sollst du es nicht machen, dass ich um deinetwillen die Taufe und meines Herrn Namen wolle fahren lassen, kannst du trotzen und toben auf deinen Tod, Feuer, Wasser, Pestilenz und Hölle, so können wir trotzen auf diesen Herrn Christum, der dich überwunden hat, und kann dich wiederum würgen, und ewig in die Hölle stoßen (wie er auch tun wird), und uns lebendig aus deinem Rachen reißen. Darum friss uns, wenn du kannst, oder jäche uns dem Tod in Rachen, aber bald sollst du sehen und fühlen, was du gemacht hast, und wollen dir wieder ein Gerumpel im Bauche anrichten, und durch die Rippen reißen, dass du lieber solltest einen Turm, ja, einen ganzen Wald verschlungen haben. Denn du hast zuvor auch einen gefressen und unter die Erde bracht, der dir zu stark war, und musstest ihn mit allen Schanden wiedergeben, ob du auch wohl trotzest und lästerst: „Er hat andern geholfen, er helfe ihm nun selber“ etc. Aber jetzt trotzt er mit dir wieder, und ist dein Tod und Hölle worden, und wird dich bald durch uns vollend stürzen am jüngsten Tage.“ (Martin Luther)

 

KEUSCHHEIT

„Groß ist die Würde der Keuschheit, weil sie in dem Leibe Christi geheiligt worden ist: groß ist die Würde der Keuschheit, weil sie im Fleische außer dem Fleische leben macht. Wie es nichts erbärmlicheres gibt, als vom Fleische überwunden werden, so gibt es nichts herrlicheres, als das Fleisch überwinden. Und nicht bloß die äußeren Hurereien sind zu fliehen, sondern auch die unreinen Gedanken, weil Gott nicht bloß der Richter der äußeren Handlungen, sondern auch der innern Gedanken ist. Durch’s Gesicht wird oft die Frömmigkeit, durch die Augen oft die Keuschheit verletzt, höre, was die Wahrheit spricht: Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen Matth. 5,28.“ (Johann Gerhard)

 

„Zunächst von der Keuschheit. Die spricht Christus Mat. 19,11 allen Menschen ab; es sei denn, dass sie einigen von oben her gegeben worden ist; wem sie gegeben worden ist, der mag sie gebrauchen. Gottlos aber und ebenso unfreundlich, wie wenn ich einem Freunde verspräche, das ganze Jahr aus seinem Geldbeutel zu leben, ist es, Gott etwas zu versprechen, was ich nur haben kann, wenn er es mir gibt. Heißt das nicht, dem Freunde versprechen, dass Du aus seinem Geldbeutel leben willst? Der göttliche Paulus löst 1. Kor. 7,9 ausführlich und deutlich diesen Knoten von der Keuschheit mit den Worten auf: „Können sie nicht enthaltsam sein, so mögen sie heiraten! Heiraten ist besser als brennen“. Brennst Du? So heirate. Es ist besser und richtiger, die Glut unbändiger Lust durch Heiraten zu löschen, als in der Glut unruhige und schmutzige Gedanken mit sich herumzutragen.“ (Ulrich Zwingli)

 

KINDSCHAFT

„All denen, die gerechtfertigt sind, gewährt Gott in seinem einzigen Sohn Jesus Christus, und um seinetwillen, an der Gnade der Kindschaft teilzuhaben: dadurch werden sie Kinder Gottes und genießen die entsprechenden Freiheiten und Vorrechte; Gottes Name wird auf sie gelegt, sie empfangen den Geist der Kindschaft und haben mit aller Zuversicht Zutritt zum Thron der Gnade; sie sind befähigt, „Abba“, Vater! zu rufen und werden durch ihn wie von einem Vater in Erbarmen gehüllt, geschützt, umsorgt und gestraft. Doch niemals werden sie verstoßen, sondern sie sind versiegelt auf den Tag der Erlösung und ererben die Verheißungen als Erben des ewigen Heils.“ (Westminster Bekenntnis)

 

KIRCHE

„Ich glaube, dass da sei ein heiliges Häuflein und Gemeine auf Erden eitler Heiligen unter Einem Haupt, Christo, durch den heiligen Geist zusammen berufen, in Einem Glauben, Sinne und Verstand, mit mancherlei Gaben, doch einträchtig in der Liebe, ohne Rotten und Spaltung. Derselbigen bin ich auch ein Stück und Glied, aller Güter, so sie hat, teilhaftig und Mitgenosse, durch den heiligen Geist dahin gebracht und eingeleibt dadurch, dass ich Gottes Wort gehört habe und noch höre, welches ist der Anfang hineinzukommen. Denn vorhin, ehe wir dazugekommen sind, sind wir gar des Teufels gewesen, als die von Gott und von Christo nichts gewusst haben. So bleibt der heilige Geist bei der heiligen Gemeine oder Christenheit bis auf den jüngsten Tag, dadurch er uns holt, und brauchet sie dazu, das Wort zu führen und treiben, dadurch er die Heiligung macht und mehrt, dass sie täglich zunehme und stark werde im Glauben und seinen Früchten, so er schafft.“ (Martin Luther)

 

„Die Kirche im eigentlichen Sinne (stricte dicta) ist die eine Gemeinde der Gläubigen, im weiteren Sinne (late dicta) die Menge aller derer, welche sich zu Wort und Sakrament halten.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die rechte Kirche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut des Evangelii gereicht werden.“ (Augsb. Conf. Art. 7. zitiert nach L. Hutter)

 

„Das rechte Merkzeichen der christlichen Kirche ist nicht dies, wo der größeste Haufe ist, Matth. 7. Luk. 7, auch nicht dies, wo die Gewaltigen, Weisesten und Stattlichsten sind, 1 Kor. 2. So sind auch nicht die allewege die rechte, wahre christliche Kirche, die den Titel und Namen führen, oder in den ordentlichen ministeriis sitzen … Sondern da ist die rechte, wahre christliche Kirche allhie auf Erden, wo diese Merkzeichen gefunden werden: nämlich, da Gottes Wort ohne Verfälschung, lauter und rein gelehret wird, Joh. 10. Eph. 2 und 4. 2 Kor. 2. 2 Tim. 1, da durchs Wort und nach dem Worte Sünde gebunden und gelöset wird, Matth. 16. Joh. 20, da die Sakramente nach Gottes Ordnung und Einsetzung gehandelt werden, Matth. 28, und da Leute sind, die der Sakramente brauchen, Mark. 16. 1 Kor. 10 und 12, das Wort hören, Joh. 10, annehmen, 1 Thess. 1. 1 Kor. 15, bekennen, Matth. 10, demselbigen folgen, Joh. 10, und Gott also, wie das Wort lehret, anrufen, Luk. 19. 1 Kor. 1. Ps. 29.“ (Martin Chemnitz)

 

„Weil Gott von Anfang an wollte, dass die Menschen selig würden und zur Erkenntnis der Wahrheit kämen, muss es immer eine Kirche gegeben haben und muss es jetzt und bis ans Ende der Welt eine Kirche geben, das heißt: eine aus der Welt berufene oder gesammelte Schar der Gläubigen, eine Gemeinschaft aller Heiligen, nämlich derer, die den wahren Gott durch das Wort und den Heiligen Geist in Christus, dem Heiland, wahrhaft erkennen und recht anbeten und im Glauben an allen durch Christus umsonst angebotenen Gütern teilhaben.“ (Heinrich Bullinger)

 

„Was ist denn die christliche Kirche? Nicht die Gebäude oder Gotteshäuser, da man zu dem Gottesdienst zusammen kommet, sondern die Gemeine derjenigen, an welchen der Heilige Geist arbeitet, sie durch Wort und Sakramente zu heiligen.“ (Philipp J. Spener)

 

„Die christliche Kirche ist die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt. Sie hat mit ihrem Glauben wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie mit ihrer Ordnung mitten in der Welt der Sünde als die Kirche der begnadigten Sünder zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum ist, allein von seinem Trost und von seiner Weisung in Erwartung seiner Erscheinung lebt und leben möchte. Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.“ (Barmer theol. Erklärung)

 

„Bei der Wirksamkeit, welche Gott den von ihm verordneten Heilsmitteln beigelegt hat, lässt es sich nicht anders erwarten (Jes. 55,10. 59,21), als dass sich durch dieselben eine Gemeinde von solchen bildet, welche die ihnen gebotene Heilsgnade auch wirklich annehmen. Diese erkennen als ihren Herrn und als ihr Haupt Christum, welcher durch seine Dahingabe in den Tod eine solche Gemeinde von Erlösten nicht allein möglich gemacht hat, sondern auch dieselbe erhält, als Haupt und König ihr vorsteht, und ihr alles das vermittelt, was zu ihrem Bestehen und Gedeihen nötig und dienlich ist. Mit ihm ist diese Gemeinde aufs engste verbunden, sie ist es aber auch unter sich durch das Band gemeinsamen Glaubens, gemeinsamer Hoffnung und gegenseitiger Liebe, so dass alle die so Verbundenen und gläubig Gewordenen eine einzige große Gemeinde bilden, welche wir die Kirche nennen. Zu ihr gehören alle die, welche den gleichen Glauben und die gleiche Hoffnung haben, mögen sie auch durch Raum und Zeit noch so weit von einander geschieden sein. Die Kirche erstreckt sich also nicht allein auf die jetzt Lebenden, sondern gleich sehr auf die im Glauben Verstorbenen, und zwischen beiden ist nur der Unterschied, dass die Einen das Ziel bereits erreicht haben, die Anderen ihm erst noch entgegengehen (Eccl. militans – triumphans). Es gibt also nur eine einzige solche Gemeinde, weil es nur ein Haupt gibt, dem sie alle untertan sind und nur einen Glauben, durch den sie können selig werden. Diese Gemeinde nennen wir ferner eine heilige, weil in ihr der heilige Geist wirksam ist, sie zu heiligen – eine katholische, weil, so weit auch die Glieder der Kirche zerstreut sind, von allen doch zu allen Zeiten und an allen Orten der gleiche Glaube bekannt wird – eine apostolische, weil ihr Glaube, wie er auf dem von den Aposteln verkündigten ruht, so auch im Verlaufe der Zeit kein anderer geworden ist. Nur diejenigen, welche dieser Gemeinde angehören, sind ihres Heiles gewiss, da der einzige Weg zum Heil in dem Glauben liegt, welcher der Glaube dieser Gemeinde ist (extra ecclesiam nulla salus). Dieser Gemeinde ist aber auch die Verheißung gegeben, dass sie für ewige Zeiten bestehen solle, und sie kann nie dem Irrtum verfallen, weil sie in dem Worte Gottes die ewige Wahrheit besitzt.“ (Heinrich Schmid)

 

„Eine vollkommene Kirche gibt es nicht. Im Übrigen, lieber Freund, wenn Sie jemals eine vollkommene Kirche fänden, würde sie sich weigern, Sie aufzunehmen. Denn sobald dieselbe Sie aufgenommen hätte, hörte sie auf, vollkommen zu sein. Ihr Suchen ist darum vollständig unnütz.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Kann auch einer selig werden, der nicht ein Mitglied ist der rechten, wahren christlichen Kirche? Die Schrift braucht dies Gleichnis, dass die Kirche sei wie ein Körper, der viel Glieder hat, an welchem Christus das Haupt ist, welcher ist seines Leibes Heiland, also, dass von dem Haupte den Gliedern des Leibes mitgeteilet wird, was ihnen zur Seligkeit vonnöten ist, Eph. 1. 4 und 5. Kol. 2. 1 Kor. 12. Derhalben, wer nicht ein Mitglied ist des Leibes, da Christus das Haupt ist, der kann nicht selig werden.“ (Martin Chemnitz)

 

KIRCHENZUCHT

„Kirchliche Zuchtmaßnahmen sind notwendig, um solche Brüder zurückzuführen und zu gewinnen, die Anstoß erregen; um andere davor abzuschrecken, sich auf ähnliche Weise zu vergehen; um jenen Sauerteig auszufegen, der den ganzen Teig durchsäuern könnte; um die Ehre Christi und das heilige Bekenntnis zum Evangelium zu verteidigen und den Zorn Gottes abzuwenden, der zu Recht auf seine Kirche fallen könnte; wenn sie dulden sollte, dass sein Bund und dessen Besiegelung von jenen entweiht wird, die offenkundig und hartnäckig Anstoß erregen. Um diese Ziele besser zu erreichen, haben die Verantwortlichen der Gemeinde mit Ermahnung, durch zeitweiliges Fernhalten vom Sakrament des Abendmahles und Ausschluss aus der Gemeinde vorzugehen; je nach Beschaffenheit des Vergehens und der Schuld der Person.“ (Westminster Bekenntnis)

 

„Den großen Bann, wie es der Papst nennt, halten wir für eine lauter weltliche Strafe, und er geht uns Kirchendiener nichts an. Aber der kleine, das heißt der rechte christliche Bann, ist, dass man offenbare, halsstarrige Sünder nicht zum Sakrament oder anderer Gemeinschaft der Kirche kommen lassen soll, bis sie sich bessern und die Sünde meiden. Und die Prediger sollen in diese geistliche Strafe oder Bann nicht die weltliche Strafe mengen.“ (Martin Luther)

 

KLAGEN

„Nun sage ich: Sintemalen dem Menschen alles das, was gut oder tröstlich oder zeitlich ist, auf Borg geliehen ist, was hat er dann zu klagen, wenn der, der es ihm geliehen hat, es zurücknehmen will? Er soll Gott danken, der es ihm so lange geliehen hat. Auch soll er ihm danken, dass er es ihm nicht insgesamt wieder wegnimmt, was er ihm geliehen hat; und es wäre doch auch nur billig, dass Gott ihm alles das, was er ihm geliehen hat, wieder wegnähme, wenn der Mensch zornig wird darüber, dass er ihm einen Teil dessen, was nie sein und dessen Herr er nie ward, wieder nimmt (…). Wenn einer, der mir seinen Rock, Pelzrock und Mantel geliehen hätte, seinen Mantel zurücknähme und mir den Rock und den Pelzrock im Froste ließe, so sollte ich ihm sehr zu Recht danken und froh sein.“ (Meister Eckhart)

 

KLARHEIT DER SCHRIFT

„Ist die Schrift nicht dunkel und unverständlich? Obschon unserem noch verfinsterten Verstand vieles in derselben dunkel und schwer vorkommt, wird doch solche durch des Heil. Geistes Erleuchtung endlich so klar, deutlich und verständlich, dass alle Menschen den Rat von ihrer Seligkeit daraus genugsam erkennen können, und dazu keines menschlichen Lehrers, dessen Auslegung sie um seinetwillen glauben müssten, bedürfen.“ (Philipp J. Spener)

 

„In der Schrift sind weder alle Dinge in sich selbst klar, noch gleich verständlich für jeden; doch sind jene Dinge, die heilsnotwendig sind zu wissen, zu glauben und zu halten, so deutlich vorgestellt und eröffnet an der einen oder anderen Stelle der Schrift, dass nicht nur der Geschulte, sondern auch der Ungeschulte beim rechten Gebrauch der ordentlichen Mittel zu einem ausreichenden Verständnis dessen gelangen kann.“ (Westminster Bekenntnis) 

 

KLUGHEIT

„Wo das Wort ist, dort soll der Jünger auch sein, das ist seine rechte Klugheit und seine rechte Einfalt. Muss das Wort weichen, weil die Verwerfung offenbar geworden ist, so weiche der Jünger mit dem Wort; bleibt das Wort im offenen Kampf, so bleibe auch der Jünger. Er wird in beidem klug und einfältig zugleich handeln. Niemals aber gehe der Jünger aus „Klugheit“ einen Weg, der vor dem Wort Jesu nicht bestehen kann. Niemals rechtfertige er einen Weg, der dem Wort nicht entspricht, mit „geistlicher Klugheit“. Allein die Wahrheit des Wortes wird ihn erkennen lehren, was klug ist. Niemals aber kann es „klug“ sein, der Wahrheit auch nur den geringsten Teil abzubrechen, um irgendeiner menschlichen Aussicht oder Hoffnung willen. Nicht unsere Beurteilung der Lage vermag uns zu zeigen, was klug ist, sondern allein die Wahrheit des Wortes Gottes. Klug kann es immer nur sein, bei der Wahrheit Gottes zu bleiben. Hier allein ist die Verheißung auf Gottes Treue und Hilfe. Es wird sich zu aller Zeit bewähren, dass es für den Jünger in dieser und in jener Zeit das „Klügste“ ist, einfältig allein bei dem Worte Gottes zu bleiben.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

KNECHTSCHAFT

„Es ist keine schwerere und härtere Dienstbarkeit, als wenn man den sündlichen Affekten dienet, und sonderlich der Feindseligkeit; denn dieselbe bindet und belästiget alle Leibes- und Seelenkräfte, und lässt dem Menschen keine Gedanken frei. Wer aber die Liebe übet, der ist recht frei in seinem Herzen, der ist kein Knecht und Leibeigener des Zorns, des Neides, des Geizes, Wuchers und Mammons, der Hoffart, Lügen und Verleumdung. Die Liebe macht ihn von allem dem frei, und lässt sich also nicht überwinden von den schändlichen Lastern; der ist ein rechter Freier in Christo durch den Geist der Freiheit: Denn wo der Geist ist, da ist Freiheit.“ (Johann Arndt)

 

KRANKHEIT

„Gebet in Krankheit: Mein Herr und Gott, der du Leben gibst und wiedergibst, in dessen Hand steht Leben und Tod, Gesundsein und Kranksein, erhöre mich, erhöre mich, nicht nach meinem Willen und Begehren, sondern nach dem Wohlgefallen deines Willens. Wenn du willst, kannst du mich wohl gesund machen; sprich nur ein Wort, so werde ich gesund. Du bist die Länge meiner Tage, meine Zeit steht in deinen Händen. Willst du mich aber jetzo durch den Weg des Todes zu dir in die himmlische Heimat abfordern, so ertöte zuvor in mir alle unordentliche Liebe zum irdischen Leben, gib mir Kraft des Geistes, dass ich die Angst des Todes überwinde; zünde an und mehre in mir, wenn meine Augen dunkel werden, mitten in der Finsternis das rechte Herzenslicht. Bei dir ist die Quelle wahrhaftigen Lebens, und in deinem Lichte werde ich das Licht sehen. Dein Tod, lieber Herr Jesu, ist ja meines Todes Gift geworden, dein Tod hat mir das ewige Leben verdient. So ergreife ich dein Wort mit gläubigem Herzen und bin daher gewiss, dass du durch den Glauben in meinem Herzen wohnst. Darum will ich dich nicht aus meinem Herzen lassen, du segnest mich denn und richtest mich auf mit lebendig machendem Trost. Du hast gesagt: Wer an mich glaubt, der soll ewiglich nicht sterben. Dies dein Wort hält mein Herz dir vor und in solchem Vertrauen komme ich vor deinen Gnadenthron, dass du den, der zu dir kommt, nicht hinausstoßen werdest. Dein teures Blut mache mich rein von meinen Sünden, deine Wunden verbergen mich vor Gottes Zorn und strengem Gericht. In dir will ich sterben, du wirst in mir leben; in dir will ich bleiben, und du wirst in mir bleiben; du wirst mich nicht im Tod und Staube lassen, sondern mich auferwecken zur Auferstehung des Lebens. Du hast für mich gestritten und überwunden, so streite und überwinde nun auch in mir, deine Kraft werde in mir Schwachem mächtig. An dir hanget meine Seele, lass mich nicht von dir geschieden werden. Dein Friede, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre mein Herz und meine Sinne. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott. Nimm meine Seele auf, die du erschaffen, die du erlöst, die du mit deinem Blute von Sünden rein gemacht, die du mit dem Pfand des Heiligen Geistes versiegelt und mit deinem Leib und Blut genährt hast. Dein ist sie, du hast sie mir gegeben. So nimm nun wieder, was dein ist, und erlass mir die Schuld meiner Sünden, womit ich sie befleckt habe. Lass die Frucht deines Leidens an mir nicht verloren, dein teures Blut nicht vergebens für mich vergossen sein. In dich hab’ ich gehofft, Herr, hilf, dass ich nicht zu schanden werde, noch ewiglich zu Spotte. Amen.“ (Johann Gerhard)

 

KREUZ

„Wenn du nicht kannst dein Kreuz mit Freuden aufnehmen, wie sichs denn wohl gebühret, so nimm es zum wenigsten mit Geduld und Demut auf, und laß die göttliche Vorsehung und den göttlichen Willen Gottes allezeit deinen Trost sein. Denn Gottes Wille ist allezeit gut, und suchet in allen Dingen unser Bestes und unsere Seligkeit. Will dich Gott traurig oder fröhlich haben, im Geist arm oder reich, niedrig oder hoch, geehrt oder ungeehrt, so wisse, dass dirs alles gut ist, und dass es also sein Wohlgefallen ist. Und Gottes Wohlgefallen soll auch dein Wohlgefallen, ja dein Trost sein, dass Gott mit dir handelt, wie es ihm wohlgefällt, und dass er dadurch deine Seligkeit suchet.“ (Johann Arndt)

 

„Niemand empfindet Christi Leiden so herzlich, wie der, dem Ähnliches zu leiden auferlegt wird. Das Kreuz ist also stets bereitet und wartet überall auf dich. Du kannst ihm nicht entfliehen, wohin du auch gehst; denn wohin du auch kommen magst, bringst du dich selbst mit und wirst immer dich selbst finden. Wende dich nach oben, wende dich nach unten, wende dich nach außen, wende dich nach innen, und allenthalben wirst du Kreuz finden; denn es ist notwendig, dass du überall Geduld behaltest, wenn du innern Frieden haben und die ewige Krone verdienen willst. Trägst du das Kreuz gern, so wird es auch dich tragen und wird dich zum erwünschten Ziele führen, wo nämlich das Leiden ein Ende nehmen wird, obwohl es hienieden nicht sein mag. Wenn du es aber ungern trägst, so machst du dir eine Last und beschwerst dich selbst um so mehr und dennoch musst du es tragen. Ja, wirfst du ein Kreuz ab, so wirst du ohne Zweifel ein anderes finden und vielleicht ein schwereres. Glaubst du dem zu entrinnen, dem noch kein Sterblicher entgehen konnte? (…..) Das ganze Leben Christi war Kreuz und Marter, und du suchest dir Ruhe und Freude? Du irrest, du irrest, wenn du etwas Anderes suchst, als Trübsal zu leiden; denn dieses menschliche Leben ist voller Elend und ringsher mit Kreuzen gezeichnet. Und je höher Einer im Kreuze fortgeschritten ist, um so schwereres Kreuz findet er oft, weil seine Pilgerschaft ihm um so peinlicher wird, je mehr die Sehnsucht nach der Heimat wächst. Dennoch ist der so vielfach Bedrängte nicht ohne lindernden Trost, weil er fühlt, dass ihm die größte Frucht aus dem Ertragen seines Kreuzes zuwachse. Denn indem er sich ihm freiwillig unterwirft, verwandelt sich alle Last der Trübsal in Zuversicht auf Gott. Und je mehr das Fleisch durch Drangsal geschwächt wird, desto mächtiger wird der Geist durch innerliche Gnade gekräftigt.“ (Thomas von Kempen)

 

„Was hast du verbrochen, teuerster Gottessohn, dass du also gerichtet wardst? Was war die Ursache deines Todes, was der Grund deiner Verdammung? Ich, ich bin die Geißel deines Schmerzes, ich habe dich ans Kreuz gebracht mit allen seinen Qualen. O über den wunderbaren Rechtsspruch und geheimnisvollen Ratschluss! Es sündigt der Gottlose, und bestraft wird der Gerechte; was der Böse verdient, leidet der Gute; was der Knecht verschuldet, bezahlt der Herr; was der Mensch begeht, nimmt Gott auf sich. Wie tief, o Gottessohn, hat sich deine Demut herabgelassen! Wie herrliche Gnade, wie hohe Güte, wie innige Liebe, wie großes Mitleid hast du gezeigt! Ich tue Übels, du trägst die Strafe; ich bin stolz, du erniedrigst dich; ich bin unmäßig, du leidest Hunger; ich suche nach Vergnügen, du lässt dich mit Nägeln durchbohren; ich koste die Süßigkeit des Apfels, du die Bitterkeit der Galle. Mit mir lacht und freut sich Eva; mit dir weint und leidet Maria.“

Anselm (+1109) 

 

LÄSTERUNG

„Gott ist ja freilich die Liebe, aber auch die Heiligkeit und Gerechtigkeit, und er verwandelt sich gegen den, der sich wider ihn auflehnt, in ein schreckliches Zornfeuer, das hinunterbrennt bis in die unterste Hölle. Mag immerhin die Welt darüber höhnen und lachen, dieses Lachen wird ihnen, wie einst den Sodomitern, teuer zu stehen kommen!“ (C. F. W. Walther)

 

„Der Teufel schießt seine feurigen Pfeile in die Herzen der besten Christen, so dass die schrecklichsten Gedanken auch wider ihren himmlischen Vater und wider den Heiligen Geist in ihr Herz kommen, aber wider ihren Willen. Schon ernste Christen haben geklagt: selbst wenn sie zum heiligen Abendmahl gingen, hätten sie die schrecklichsten Gedanken auch über den Heiligen Geist. Aber das ist Unflat des Teufels. Wenn ich in einem schönen Zimmer sitze und die Fenster sind offen und ein böser Bube wirft mir Kot und Unflat in das Zimmer herein – was kann ich dafür? Gott lässt es nach seiner weisen Vorsehung geschehen, dass manche seiner lieben Kinder Tag und Nacht mit solchen Gedanken gequält werden. Das haben die besten Prediger bei ihren Gemeindegliedern schon erfahren. Aber das ist nicht die Sünde wider den Heiligen Geist.“ (C. F. W. Walther)

 

„Ob man wohl der greulichen Lästerung des Satans sich nicht erwehren kann, welches man nennet den Lästergeist, dennoch weil es erstlich wider des Menschen Willen geschieht, und zum andern der Mensch zwar dawider strebet mit Seufzen, Gedanken, Beten, mit Herzen und Mund sich wehret, kann aber nicht, und muss die Lästerung leiden, so soll er diesen Trost merken, dass ihm Gott diese Lästerung nicht zurechnet. Weil es wider seinen Willen geschieht, so sind die Lästerungen nicht sein, sondern des Teufels, er muss es nur leiden, wie David klagt Ps. 77,11. Ich muss das leiden, die rechte Hand des Herrn kann alles ändern. Denn solche Lästerung ist ein Leiden der Seele, nicht ein Werk der Seele, darum rechnet es Gott nicht zu. Denn es gehet gleich als wenn die Feinde vor der Stadt Feuer hineinschießen, das kann man nicht wehren, man muss sie ihren Mutwillen treiben lassen, aber dem Feuer wehren, wie man kann (…). Das laß deine Seele leiden mit Schmerzen und Seufzen; rede aber die Lästerung nicht aus, sondern halte deinen Mund zu, wie Jeremias, Klag. 3,29, und dämpfe das inwendige Feuer, dass es nicht ausschlage.“ (Johann Arndt)

 

LEBEN

„Wahrhaft ethisch ist der Mensch nur, wenn er der Nötigung gehorcht, allem Leben, dem er beistehen kann, zu helfen, und sich scheut, irgend etwas Lebendigem Schaden zu tun. Er fragt nicht, inwiefern dieses oder jenes Leben als wertvoll Anteilnahme verdient, und auch nicht, ob und inwieweit es noch empfindungsfähig ist. Das Leben als solches ist ihm heilig. Er reißt kein Blatt vom Baume ab, bricht keine Blume und hat acht, dass er kein Insekt zertritt. Wenn er im Sommer nachts bei der Lampe arbeitet, hält er lieber das Fenster geschlossen und atmet dumpfe Luft, als dass er Insekt um Insekt mit versengten Flügeln auf seinen Tisch fallen sieht. Geht er nach dem Regen auf der Straße und erblickt den Regenwurm, der sich darauf verirrt hat, so bedenkt er, dass er in der Sonne vertrocknen muss, wenn er nicht rechtzeitig auf Erde kommt, in der er sich verkriechen kann, und befördert ihn von dem todbringenden Steinigen hinunter ins Gras. Kommt er an einem Insekt vorbei, das in einen Tümpel gefallen ist, so nimmt er sich die Zeit, ihm ein Blatt oder einen Halm zur Rettung hinzuhalten. Er fürchtet sich nicht, als sentimental belächelt zu werden. Es ist das Schicksal jeder Wahrheit, vor ihrer Anerkennung ein Gegenstand des Lächelns zu sein. Einst galt es als eine Torheit, anzunehmen, dass die farbigen Menschen wahrhaft Menschen seien und menschlich behandelt werden müssten. Die Torheit ist zur Wahrheit geworden. Heute gilt es als übertrieben, die stete Rücksichtnahme auf alles Lebendige bis zu seinen niedersten Erscheinungen herab als Forderung einer vernunftgemäßen Ethik auszugeben. Es kommt aber die Zeit, wo man staunen wird, dass die Menschheit so lange brauchte, um gedankenlose Schädigung von Leben als mit Ethik unvereinbar einzusehen.“ (Albert Schweitzer)

 

LEIB

„Wie hab ich meinen Leib zu lieben? Also, dass ich ihn trachte geschickt zu machen, dass er der Seele in den Dingen, worinnen sie seiner zu dem Dienst Gottes und Verrichtung seines Willens bedarf, möge gehorsam sein. Daher ihm aus Liebe auch seine notwendige Pflege geleistet werden muss.“ (Philipp J. Spener)

 

„Es ist viel dringender erforderlich, die Seele als den Körper zu heilen, denn Tod ist besser als ein schlechtes Leben.“ (Epiktet)

 

„Dächte man sich ein Haus, bestehend aus Keller, Erdgeschoß und Obergeschoß, derart bewohnt, derart eingerichtet, dass da zwischen den Bewohnern jedes Stockwerks ein Standesunterschied wäre oder doch auf ihn gerechnet wäre – und vergliche man das ein Mensch Sein mit solch einem Hause: so tritt bei den meisten Menschen leider der traurige und lächerliche Fall ein, dass sie es vorziehn, in ihrem eigenen Hause im Keller zu wohnen. Ein jeder Mensch ist die leibseelische Synthesis, die aufs Geistsein angelegt ist, dies ist das Bauwerk; aber er zieht es vor, im Keller zu wohnen, das heißt, in den Bestimmungen des Sinnlichen. Und er zieht es nicht bloß vor, im Keller zu wohnen, nein, er liebt es dermaßen, dass er erbittert wird, wenn etwa jemand ihm vorschlüge, den ersten Stock zu beziehen, welcher leer steht zu seiner Verfügung – denn er wohnt ja in seinem eigenen Hause.“ (Sören Kierkegaard)

 

LEID

„Wer zum Dienst Gottes hinzutritt, der wisse, dass er zur Kelter gekommen ist. Er wird bedrängt, zerstampft, niedergetreten, aber nicht, um in dieser Welt zugrunde zu gehen, sondern um hinüber zu fließen in die Weinkammern Gottes.“ (Augustin)

 

„Die wahre christliche Geduld ist eine solche Tugend, da man in allerlei Trübsal und Leiden, denen man durch keine ordentliche Mittel entfliehen mag, sich in den gnädigen Willen Gottes ergibt, und denselben williglich an sich vollbringen lässet, und eher alles leidet, ehe man wider Gott murren und von ihm abfallen sollte. Die Hauptursache aber dieser Tugend ist: (…) Der gnädige Wille und Rat Gottes, dadurch wir zu Kreuz und Leiden verordnet und versehen sein, wie Röm. 8,29. stehet: Die er versehen hat, die hat er verordnet, dass sie sollen ähnlich werden dem Ebenbilde seines Sohnes. Gleichwie nun der liebe Gott seinen lieben Sohn zu Kreuz und Leiden verordnet und versehen hat, dass er ihn wollte durch das Kreuz herrlich machen, also hat er alle wahre Glieder Christi zum Kreuz verordnet, denn sonst könnten sie sein geistlicher Leib nicht sein. Denen hat er ihr Kreuz zuvor verordnet, gezählet, gemessen, wie viel sie leiden sollen. Diesem allem kann nun niemand entfliehen, vielweniger es mit Ungeduld abwenden; mit Gehorsam aber und mit Geduld kann man es lindern, und durch Christum überwinden (…..). Auch wir haben unsere leiblichen Väter zu Züchtigern gehabt, und sie gescheuet, sollten wir denn nicht vielmehr untertan sein dem geistlichen Vater, dass wir leben? Und jene zwar haben uns gezüchtiget wenige Tage nach ihrem Dünken; dieser aber zum Nutzen, auf dass wir seine Heiligung erlangen. Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünket sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind.“ (Johann Arndt)

 

„Leiden und Kreuz ist so edel und nütze, dass unser lieber Gott alle seine Freunde ohne Leiden nicht lassen will. Verstünden wir den Adel des Kreuzes, wir achteten uns desselben unwürdig, so eine große Gnade Gottes ist es, Christi Bild gleich zu werden (…). Wäre ein König, dem ich gerne wollte gefallen, und ich wüsst gewiss, dass ich demselben besser gefiele in einem grauen Rock, als in einem andern, wie gut er auch wäre, so ist kein Zweifel, mir wäre das graue Kleid angenehmer und lieber, denn kein anders, es wäre, so gut als es wollte; also, weil du weißt, dass dein Kreuz Gottes Wohlgefallen ist, so soll dirs lieber sein, denn gute Tage (…..). Da uns Gott sonst nicht kann demütigen, so lässt er uns oft in Schande und Trübsal fallen, dass es vor jedermann erbärmlich ist, auf dass wir in uns selbsten erniedriget werden; denn in der Anfechtung lernet der Mensch sich selber erkennen, wie er ist, oder was er ist. Denn mancher Mensch ist in dieser Welt verdorben, dem nichts anders gefehlet, denn die Anfechtung. Wenn du es recht bedächtest, solltest du dich von Herzen freuen, und dich nicht unwürdig dünken, dass man dich verschmähete, und dir Leid antäte, dass du es um Gottes willen leiden solltest. Denn wem Gott die Ehre und die Seligkeit gönnet, dass er das Kleid des Leidens um seinetwillen hie in dieser Zeit an sich tragen soll, es sei auswendig oder inwendig, das ist ein wahres Zeichen der Liebe Gottes, und führet den Menschen zu seinem eigenem Grund, dass er sich selbst für nichts hält (…..). Gott ist auch im Kreuz, denn Gott gibt sich dem Menschen ja so wohl durch harte schwere Anfechtungen, als durch Süßigkeit und Gütigkeit. Im Kreuz ist Gottes Wohlgefallen mehr, denn in guten Tagen. Denn so wenig das Fleisch behalten werden mag ohne Salz, dass es nicht faul werde, so wenig möchte der Mensch Gott wohlgefallen ohne Leiden und Anfechtungen. Ja, je mehr der Mensch durchs Kreuz gesenkt wird in den Grund der wahren Demut, je mehr er gesenket wird in den Grund des göttlichen Wesens. Denn wenn sich der Mensch recht gründlich demütiget, so kann sich Gott nicht enthalten wegen seiner großen Gütigkeit, er muss sich senken und gießen in den demütigen Menschen.“ (Johann Arndt)

 

„Lasst euer Leid zur Welle werden, die euch an das Ufer der ewigen Heimat trägt.“ (Fritz von Bodelschwingh)

 

„Meinst du, dass du ohne Kreuz und Trübsal ins Himmelreich kommen werdest, was weder Christus gekonnt oder gewollt hat, noch einem von seinen liebsten Freunden und Heiligen geschehen ist? Frage von den triumphierenden Bürgern des Himmels, wen du willst; alle werden dir antworten: Durch Kreuz und Züchtigung sind wir zur Herrlichkeit Gottes gelangt. Wohlan denn, so nimm das Joch des Herrn auf dich, das für die, welche ihn lieben, sanft und leicht ist. Bleibe beim heiligen Kreuz, das von Tugenden grünt, und vom Öle der Gnade trieft. Was willst du anders? Das ist der rechte, der heilige, der vollkommene Weg, es ist der Weg Christi, der Weg der Gerechten und Auserwählten.“ 

Thomas von Kempen (+1471) 

 

LEIDEN CHRISTI

„Er ist gerichtet worden, damit er uns von Gottes Gericht befreite. Als Schuldiger ist er getötet worden, damit er uns, die Schuldigen, losspräche. Von gottlosen Händen ist er geschlagen worden, damit er vor den Schlägen des Teufels uns bewahrte. Vor Schmerz hat er geschrien, damit er von dem ewigen Heulen uns errettete. Tränen hat er vergossen, damit er unsere Tränen trocknete. Er ist gestorben, damit wir das Leben hätten. Die Schmerzen der Hölle hat er ganz empfunden, damit wir dieselben niemals empfänden. Er hat sich erniedriget, damit unserm Stolze ein Heilmittel bereitet würde. Mit einer Dornenkrone ist er gekrönt worden, damit er die himmlische Krone uns bereitete. Von allen hat er sich Leiden gefallen lassen, damit er allen das Heil gewährte. Seine Augen sind im Tode erloschen, damit wir im Lichte der himmlischen Herrlichkeit lebten. Er hat Schmähungen und Beschimpfungen gehört, damit wir im Himmel die Loblieder der Engel höreten. Verzweifle darum nicht, gläubige Seele. Das unbegrenzte Gut ist durch deine Sünden beleidigt, aber es ist auch ein unbegrenzter Preis gezahlt. Du musst gerichtet werden wegen deiner Sünden, aber der Sohn Gottes ist für die Sünden der ganzen Welt, die er auf sich genommen hatte, bereits gerichtet. Deine Sünden müssen gestraft werden, aber Gott hat sie bereits gestraft in seinem Sohne. Die Wunden deiner Sünden sind groß, aber Christi Blut ist ein kostbarer Balsam. Verflucht nennt dich Mose, weil du nicht alles gehalten hast, was in dem Buche des Gesetzes geschrieben stehet 5 Mos. 27,26; aber Christus ist ein Fluch für dich geworden Gal. 3,13. In Gottes Gericht ist eine Handschrift wider dich geschrieben, aber die ist ausgelöscht durch Christi Blut Kol. 2,14. Dein Leiden, o treuer Christus, ist darum meine letzte Zuflucht.“ (Johann Gerhard)

 

LICHT

Wenn wir auf Jesum vertrauen, werden wir nicht mehr in dem dunkeln Schatten des Todes sitzen, sondern in das warme Licht eines Tages eingehen, der niemals enden wird. Warum kommen wir nicht sogleich hinaus an das Licht? Eine Wolke mag zuweilen über uns hängen, aber wir werden nicht in der Finsternis bleiben, wenn wir an Jesum glauben. Er ist gekommen, uns helles Tageslicht zu geben. Soll er vergeblich kommen? Wenn wir Glauben haben, so haben wir das Vorrecht des Sonnenlichtes: lasst uns dessen genießen. Aus der Nacht des natürlichen Verderbens, der Unwissenheit, des Zweifels, der Verzweiflung, der Sünde, des Schreckens uns zu befreien, dazu ist Jesus gekommen; und alle Gläubigen sollen wissen, dass er nicht vergeblich kommt, eben wie die Sonne nicht aufgeht, ohne Wärme und Licht zu verbreiten. Schüttle deine Niedergeschlagenheit ab, lieber Bruder. Bleibe nicht im Finstern, sondern bleibe im Licht. In Jesu ist deine Hoffnung, deine Freude, dein Himmel. Blicke auf ihn, auf ihn allein; und du wirst dich freuen, wie die Vögel beim Sonnenaufgang sich freuen und wie die Engel vor dem Throne sich freuen.“ (Charles H. Spurgeon)

 

LIEBE

„Dieweil der Liebe Natur und Wesen ist, dass sie sich selbst mitteilt, austeilt und schenkt, darum lässt sich die rechte Liebe nicht halten, sie gibt sich selbst und teilt sich selbst mit. (…) Was nun einem andern gegeben ist, das ist in seiner Gewalt. Darum ist nun die Liebe dessen, dem sie gegeben wird, und wird dessen, den man liebt. Weil nun der Mensch nichts mehr eignes hat denn seine Liebe, deshalb, wem er seine Liebe gibt, dem gibt er sich selbst, und auf diese Weise wird der Liebende mit dem Geliebten vereiniget und wird ein Ding mit ihm, und aus zweien eins ins andere verwandelt (…) also, dass die Liebe ihren Namen von dem Geliebten bekommt. Denn wenn man ein irdisches Ding liebt, so heißt es eine irdische Liebe, liebt man etwas Totes, so heißt es eine tote Liebe, liebt man viehische Dinge, so heißt es eine viehische Liebe, liebt man Menschen, so heißt es eine Menschenliebe, liebt man Gott, so heißt es eine göttliche Liebe. Also kann der Mensch verwandelt werden durch die Liebe in ein edles und unedles Ding von ihm selbst und freiwillig.“ (Johann Arndt)

 

„Ohne Liebe zu Gott gibt es kein Verlangen nach dem ewigen Leben, wie also wird der jenes höchsten Gutes teilhaftig sein, der es nicht liebt, nicht sucht, nicht verlangt? Wie deine Liebe so bist du selbst, denn deine Liebe gestaltet dich um in ihr Wesen. Die Liebe ist das höchste Band, denn der Liebende und die geliebte Sache werden Eins. Was hat den gerechtesten Gott und die verlorenen Sünder, was hat dies bis in’s Unendliche von einander entfernte verbunden? Die unendliche Liebe. Damit jedoch die Gerechtigkeit Gottes nicht gemindert würde, ist der unendliche Preis Christi zwischen eingekommen. Was verbindet noch Gott, den Schöpfer und die geschaffene gläubige Seele, die unendlich von einander entfernt sind? Die Liebe. In dem ewigen Leben werden wir mit Gott im höchsten Grade vereiniget werden. Weshalb? Weil wir im höchsten Grade lieben werden. Die Liebe eint und gestaltet um; wenn du das, was des Fleisches ist, liebst, so bist du fleischlich; wenn du die Welt liebst, so wirst du weltlich gesinnet werden. Aber Fleisch und Blut werden das Reich Gottes nicht ererben 1 Kor. 15,50. Wenn du Gott und das Göttliche liebst, so wirst du göttlich gesinnt werden. Die Liebe Gottes ist der Wagen, auf dem Elias in den Himmel fährt. Die Liebe Gottes ist die Freude des Geistes, das Paradies der Seele, macht los von der Welt, überwindet den Teufel, verschließt die Hölle, öffnet den Himmel. Die Liebe Gottes ist das Siegel, mit dem Gott die Auserwählten und Gläubigen versiegelt.“ (Johann Gerhard)

 

„Worinnen bestehet die Liebe Gottes? Dass wir hoch von ihm halten, unsere Freude und einig Vergnügen an ihm haben, ihm zu gefallen und immer näher mit ihm vereiniget zu werden trachten, und daher uns allezeit seinen Willen gefallen lassen.“ (Philipp J. Spener)

 

„Des Menschen Herz ist also von Gott geschaffen, dass es ohne Liebe nicht leben kann; es muss etwas lieben, es sei Gott oder die Welt, oder sich selbsten. Dieweil nun der Mensch etwas lieben muss, so soll er das Allerbeste lieb haben, welches ist Gott selbst, und soll diesen Affekt, welchen Gott in das Herz gepflanzt, und durch den heiligen Geist angezündet hat, Gott wieder geben, und bitten, dass er seine Liebe in ihm je mehr und mehr anzünde. Denn Gott liebt dich zuerst, und entzündet deine Liebe mit seiner Liebe; liebest du ihn aber wieder, so wirst du von ihm geliebt werden.“ (Johann Arndt)

 

„Und solltest du all das vergessen, was hier gesagt wurde, so behalte nur die beiden kleinen Punkte, und du wirst zum inneren Leben gelangen. Erstens: Sei ganz und gar klein, inwendig und nach außen bis in den Grund, nicht nur deinen Worten nach und deinem Aussehen, sondern in Wahrheit in all deinem Verstehen. Sei ein Nichts in deinem Grunde und in deinen Augen, ohne jegliche beschönigende Auslegung. Zweitens: Habe eine wahre Liebe zu Gott, nicht das, was wir nach Art der Sinne Liebe nennen, sondern in wesentlicher Weise, ein allerinnigstes Gottlieben. Diese Liebe ist nicht dieses einfache äußere und sinnenhafte Gottlieben, das was man so gewöhnlich unter Gott im Sinn zu haben versteht, sondern ein anschauendes Lieben mit dem Gemüt, ein strebendes Lieben, wie einer es besitzt, dem als Wettläufer oder als Schütze ein Ziel vorschwebt.“ (Johannes Tauler)

 

„Es ist etwas Großes um die Liebe. Es verliert, was er lebt, wer nicht liebt. Wo die Liebe eintritt, da gewinnt sie alle anderen Empfindungen und nimmt sie gefangen. Die Liebe genügt und gefällt um ihrer selbst willen, sie ist Verdienst und Lohn, Same und Frucht zu gleicher Zeit. Die Liebe macht aus zweien einen Geist, bewirkt, dass sie dasselbe wollen und dasselbe nicht wollen. Die Gott liebende Seele wird von Sehnsucht getragen und gehoben, sie schwingt und stiehlt sich gleichsam aus dem Körper heraus, wenn sie seine unaussprechliche Güte kostet. Die Liebe vergisst Ansehen und Würde, und weiß nichts von Verdiensten. Die Liebe gibt Vertrautheit mit Gott, die Vertrautheit Kühnheit, die Kühnheit Genuss, der Genuss Verlangen. Die Liebe weckt die Seele aus dem Schlafe, mahnt und erweicht sie und verwundet das Herz. Die Liebe erhellt das Dunkle, öffnet das Verschlossene, erwärmt das Kalte, besänftigt den rauen, zornbegierigen und ungeduldigen Sinn, vertreibt die Laster, unterdrückt fleischliches Gelüst, bessert die Sitten. Das alles tut die Liebe, wann sie da ist; weicht sie aber, so wird die Seele lau und schlaff, gleich als wenn man einem kochenden Geschirr das Feuer entzieht.“ 

Manuale (Augustini) 

 

„Nicht um Nutzen oder Gaben, nicht um Gesellschaft oder Vermögen sollst du deinen Nächsten lieben, wie die Juden und Heiden auch tun; sondern in Gott sollst du ihn ansehen, sollst bedenken, dass er von Gott geschaffen und nach ihm gebildet ist, dass er mit dir durch das schmerzliche Leiden und den bitteren Tod Christi erlöst ist, und dass er mit dir auch das ewige Leben erlangen und besitzen soll. Liebst du so deinen Nächsten als dein Mitgeschöpf, als deinen Miterlösten und als deinen Miterben, dann erst hast du ihn lieb in christlicher Liebe.“ 

Geiler (+1510) 

 

LIEBE GOTTES 

„Die transitive Liebe Gottes ist die Eigenschaft, nach welcher er sich an ein anderes Sein neben ihm mitteilt, und zwar nicht um seiner selbst willen, sondern um das andere Sein, die Kreatur, zu fördern.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Wir sind in Wahrheit alle in Gottes Augen unter der Kränkung Gottes schuldig und zur höllischen Verdammnis geboren. Aber, weil der Herr das, was sein ist in uns, nicht verderben will, findet er noch immer etwas, was er gemäß seiner Gütigkeit lieben kann. Mögen wir immer durch unsre Schuld Sünder sein, wir bleiben dennoch, seine Kreaturen; mögen wir immer den Tod uns zugezogen haben, er selbst hatte uns dennoch zum Leben erschaffen. So wird er von seiner reinen freien Liebe zu uns dazu getrieben, uns zu Gnaden anzunehmen. Aber, wenn ein immerwährender und unversöhnlicher Zwiespalt besteht zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, so kann er uns, so lange wir Sünder bleiben, nicht ganz annehmen. Um daher unter Aufhebung alles Gegenstandes der Feindschaft uns ganz und gar mit sich zu versöhnen, tilgt er mit der Darbietung der Sühne im Tode Christi alles, was vom Bösen in uns ist, so dass wir in seinen Augen gerecht und heilig erscheinen, die wir zuvor unheilig waren und unrein. So kommt denn Gott Vater mit seiner Liebe unsrer Versöhnung in Christus mit großem Vorsprung zuvor. Nein, vielmehr, weil er uns zuvor liebt, darum versöhnt er uns hinterdrein mit sich. Indes weil in uns, solange Christus nicht mit seinem Tode zu Hilfe kommt, die Ungerechtigkeit bleibt, welche Gottes Unwillen verdient und vor ihm verflucht und verdammt ist, darum haben wir keine feste und ganze Vereinigung mit Gott, ehedenn Christus uns vereinigt. Daher, wenn wir uns eines gnädigen und günstigen Gottes versehen wollen, so ist es gut, allein auf Christus Augen und Herzen zu heften, wie wir denn in Wahrheit durch ihn allein es erlangen, dass uns die Sünden nicht zugerechnet werden, deren Zurechnung den Zorn Gottes mit sich bringt…“ (Johannes Calvin)

 

LOB GOTTES

„Gott hat unsers Lobes nicht vonnöten, er wird dadurch nicht geringer noch größer, dazu ist unser Lob unrein, wir sind von unreinen Lippen, Jes. 6,5. sondern uns gereichts zum Besten, dass wir dadurch viel Guts und Segen Gottes zu uns ziehen. Ein dankbares Herz ist ein Gefäß, das Gott mit vielen Gnaden und mancherlei Segen füllet. Ja dadurch ziehen wir Gott zu uns, werden sein Tempel und Heiligtum, darin er wohnet. Wo nun Gott ist und wohnet, da muss auch aller Segen und alles Gute sein. Ja wir treten durch tägliches Lob Gottes in die Gesellschaft der himmlischen und triumphierenden Kirche. Denn was tun die Engel Gottes und Auserwählten anders im Himmel, als dass sie Gott mit unaufhörlicher Stimme loben und preisen?“ (Johann Arndt)

 

„Der liebt aber und lobt bloß und recht Gott, der ihn nur darum lobt, dass er gut ist, und nicht mehr, denn seine bloße Gütigkeit ansieht, und nur in derselben seine Lust und Freude hat. Welches ist eine hohe, reine, zarte Weise zu lieben und loben (…). Die unreinen und verkehrten Liebhaber, welche nicht mehr, denn lauter Nießlinge sind, und das Ihre an Gott suchen, die lieben und loben nicht seine bloße Gütigkeit, sondern sehen auf sich selbst, und achten nur, wie viel Gott über sie gut sei, das ist, wie viel er seine Güte empfindlich ihnen erzeige, und tue ihnen wohl; und halten viel von ihm, sind fröhlich, singen und loben ihn, so lange solch Empfinden währt. Wenn sich aber Gott verbirgt, und seiner Gutheit Glänze zu sich zeucht, dass sie bloß und elend sind, so geht auch Liebe und Lob zugleich aus, und mögen nicht die bloße, unempfindliche Güte, in Gott verborgen, lieben noch loben. Damit sie beweisen, dass nicht ihr Geist sich in Gott, dem Heilande, erfreuet hat, ist nicht rechte Liebe und Lob der bloßen Güte da gewesen, sondern viel mehr haben die Lust gehabt in dem Heil, denn im Heilande; mehr in den Gaben, denn in dem Geber; mehr in den Kreaturen, denn in Gott.“ (Martin Luther)

 

LOHN

„Wenn Gott unsere Verdienste krönt, so krönt er nichts anderes als seine eigenen Gaben.“ (Augustinus)

 

„Gleichwie eine Rebe am Weinstock seine Kraft und Saft aus dem Weinstock an sich zieht, so er grünen und Frucht tragen soll, und wenn er abgeschnitten wird, so verdorret er: also auch ihr, spricht der Herr, könnet keine Frucht bringen, ihr bleibet denn in mir, denn ohne mich könnet ihr nichts tun, Joh. 15,4.5. Darum soll und muss alles Gute, so je durch uns geschieht, Gott allein zugeschrieben, und ihm allein die Ehre gegeben werden, Ps. 115,1 (…). Und St. Paulus, 1 Kor. 15,10. Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin, Phil. 2,13. Gott ist, der da wirket beide das Wollen und Vollbringen nach seinem Wohlgefallen: Phil. 1,6. Der in uns hat angefangen das gute Werk, der wird es auch vollführen. So wir denn nichts verdienen, warum haben denn die Werke die Verheißung der Belohnung? Antwort: Die Belohnung ist reich und groß, wie Gott der Herr sagt zu Abraham: 1 Mos. 15,1. Ich bin dein Schild und dein großer Lohn. Ich bin der allmächtige Gott, wandele vor mir, und sei fromm. Weil aber der liebe Gott mit seiner Gnade alles in uns wirket, was wir Gutes tun, so schenket er uns aus Gnaden, was er in uns wirket, und belohnts, als hätten wir es getan. Der Gläubige aber erkennet solches wohl, und gibt Gott die Ehre und den Ruhm wieder, und nicht ihm selber.“ (Johann Arndt)

 

„Aus dem Wort Lohn dürfen wir nicht schließen, dass unsere Werke eine Ursache des Heils seien. Denn das Himmelreich ist nicht ein Lohn der Knechte, sondern eine Erbschaft der Kinder, Ephes. 1,18., welche allein diejenigen erlangen werden, die vom Herrn zu Kinder angenommen sind. Der Herr vergilt die Werke der Gläubigen mit den Gütern, die er ihnen schon zuvor in Gedanken gegeben hatte, da er keine andere Ursache hatte, ihnen Gutes zu tun als seine Barmherzigkeit. Durch das Gleichnis des Hausvaters, der Alle, die ihm begegnen, in seinen Weinberg schickt, aber am Abend gleichen Lohn gibt, Matth. 20,1., wiewohl einige von der ersten Stunde des Tages an, einige erst um die elfte Stunde zu arbeiten angefangen hatten, offenbart der Heiland, dass er seinen uns verheißenen Lohn nicht nach der Größe des Verdienstes bestimmen werde, und dass es überhaupt mehr eine Gnadengabe, als ein Lohn der Werke sei.“ (Johannes Calvin)

 

„Wenn wir also auch lehren, dass Gott für unsere guten Werke eine Belohnung gebe, so lehren wir doch zugleich mit Augustin: Gott kröne an uns nicht unser Verdienst, sondern seine eigenen Gaben. Und was wir daher an Lohn empfangen, betrachten wir ebenfalls als Gnade, und zwar mehr als Gnade, denn als Lohn, weil wir ja, was wir Gutes tun, mehr durch Gottes Hilfe, als aus uns selbst tun…“ (C. F. W. Walther)

 

MAJESTÄT GOTTES 

„Wer der hohen göttlichen Majestät Räte oder Werke so genau und scharf erforschen und ausgründen will, außer und ohne sein Wort, der unterstehet sich, den Wind mit Löffeln zu messen, und das Feuer auf Wagen zu wägen. Gott handelt und wirket bisweilen mit sonderlichem wunderbarlichem Rat und Weise über unser Vernunft und Verstand; verdammet diesen, jenen macht er gerecht und selig. Darnach zu forschen gebühret uns nicht, warum er‘s tue, sondern wir sollen uns deß zu Gott versehen, und gläuben, dass er‘s nicht tue ohne gewisse Ursach. Und zwar er wäre wahrlich gar ein armer Gott, wenn er einem jeglichen Narren müsste Ursach anzeigen und Rechnung geben, warum er dies oder jenes Werk täte. Wir wollen uns an seinem Wort genügen lassen und damit zufrieden sein, in welchem er uns seinen Willen offenbaret hat.“ (Martin Luther)

 

MENSCH

„Der Mensch besteht aus einer vernünftigen Seele und einem organischen Körper und ist nach Leib und Seele ein Geschöpf Gottes, geschaffen zur Ehre Gottes und zu seiner eigenen Seligkeit.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Der Mensch ist für eine freie Existenz gemacht, und sein innerstes Wesen sehnt sich nach dem Vollkommnen, Ewigen und unendlichen, als seinem Ursprung und Ziel. Er ist hier aber an das Unvollkommne gebunden, an Zeit und Ort; und wird dadurch gehindert und gehalten, und von dem väterlichen Boden getrennt. Und darum hat er hier keine Ruhe, wendet und mühet sich hin und her, sinnet und sorgt, und ist in beständiger Bewegung zu suchen und zu haben, was ihm fehlt und ihm in dunkler Ahndung vorschwebt. Da er sich aber nicht anders, als in und mit seinem Hindernis bewegen kann; so ist sein Mühen umsonst und vergebens, was er auch tue und welchen Fleiß er auch anwende. Er kann, rundum in seinem Zirkel, Entdeckungen machen, viel und mancherlei finden, Schönes und Nützliches, Scharfsinniges und Tiefsinniges; aber zu dem Vollkommnen kann er, sich selbst gelassen, nicht kommen; denn er bringt, wie gesagt, gerade was ihm im Wege ist und hindert in alles mit, was er beginnet und tut, und kann nicht über sich selbst hinaus. Soll er zu seinem Ziel kommen; so muss für ihn ein Weg einer andern Art sein, wo das Alte vergeht und alles neu wird, wo das Hindernis, das ihm im Wege ist und hindert und das er selbst nicht abtun kann, durch eine fremde Hand abgetan; und er, nicht so wohl belehrt, als verwandelt und über sich und diese Welt gehoben und so der vollkommnen Natur teilhaftig wird. Und diesen Weg, der das Geheimnis des Christentums ist, lästern und verbessern die Menschen, und wollen lieber auf ihrem Bauch kriechen und Staub essen. Es ist aber darum nicht weniger groß und heilig, und darum nicht weniger wert, dass wer sich des Odems in seiner Nasen bewusst ist alles für nichts achte und Vater und Mutter verlasse, um hineinzuschauen und sein teilhaftig zu werden.“ (Matthias Claudius)

 

„Paulus fasst Röm. 3,32. in diesen Worten: „So halten wir nun, dass der Mensch gerecht werde, ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben”, die Beschreibung des Menschen kurz zusammen und sagt: der Mensch werde durch den Glauben gerecht. Gewiss, wer da sagt, dass ein Mensch gerecht gemacht werden muss, der behauptet, dass er ein Sünder, ein Ungerechter und deshalb vor Gott schuldig sei, aber aus Gnaden selig werden muss. Und zwar nimmt er den Menschen unbestimmter Weise, das ist, ganz allgemein, damit er die ganze Welt, oder alles, was Mensch heißt, unter die Sünde beschließe. Deshalb ist der Mensch in diesem Leben eine bloße Materie Gottes zu dem Leben in jener künftigen Gestalt. Gleichwie auch alle Kreatur, die jetzt der Eitelkeit unterworfen ist, für Gott eine Materie zu ihrer künftigen herrlichen Gestalt ist. Und wie Himmel und Erde im Anfang war zu der nach sechs Tagen vollendeten Gestalt, das heißt, seine Materie, so ist auch der Mensch in diesem Leben (eine Materie) zu seiner künftigen Gestalt, wenn das Ebenbild Gottes erneuert und völlig in uns hergestellt sein wird.“ (Martin Luther)

 

„Es ist gefährlich, dem Menschen zu eindringlich vor Augen zu führen, wie sehr er den Tieren gleicht, ohne ihm seine Größe zu zeigen. Und es ist weiter gefährlich, ihm zu eindringlich seine Größe ohne seine Niedrigkeit vor Augen zu führen. Es ist noch gefährlicher, ihn in Unkenntnis des einen und des anderen zu lassen, aber es ist sehr vorteilhaft, ihm das eine und das andere darzulegen. Der Mensch soll nicht glauben, er gleiche den Tieren oder den Engeln, er soll auch nicht in Unkenntnis des einen und des anderen sein, sondern beides wissen.“ (Blaise Pascal)

 

„Der Mensch ist lediglich ein Wesen voll natürlichen Irrtums, und dieser ist ohne die Gnade unüberwindlich.“ (Blaise Pascal)

 

„Bedenke, o Mensch, warum dich Gott zu einem vernünftigen Menschen erschaffen hat: dass du ihm alle nämlich deine Sinne und Seelenkräfte geben sollst. Derowegen, weil dich Gott also geschaffen, dass du lieben kannst, so sollst du Gott lieben; weil du etwas erkennen kannst, so sollst du Gott erkennen; weil du etwas fürchten kannst, so sollst du Gott fürchten; weil du etwas ehren kannst, sollst du Gott ehren; weil du beten kannst, sollst du Gott anbeten; und weil du loben und preisen kannst, sollst du Gott loben und preisen; und weil du dich verwundern kannst, sollst du dich über deinen Schöpfer und Vater verwundern; und weil du glauben, vertrauen und hoffen kannst, sollst du Gott glauben, vertrauen und auf ihn hoffen; und weil du dich freuen und belustigen kannst, sollst du dich in Gott freuen und belustigen. Und weil in Gott alles ist, und er vermag alles unendlicher Weise, so kannst du alles bei Gott und in Gott finden, und tun, was dein Herz wünschet, so du deine Lust an Gott hast.“ (Johann Arndt)

 

„Gute Menschen gleichen guten Bäumen. Ihre Wurzel ist ein gutes Gewissen, ihr Stamm ein rechtschaffener Wille; sie sprossen Blätter guter Worte, treiben Blüten heiliger Gedanken und tragen Früchte guter Werke. Sie achten sich selber für nichts, sondern, voll von Früchten, neigen und biegen und demütigen sie sich bis in die Erde, ja sie bedürfen, dass man sie unterstütze und tröste, damit sie nicht gar verzagen. Ganz anders hält es sich mit den hoffärtigen Menschen. Wie verfluchte und verdorrte Bäume entbehren sie alles Saftes der Gnade und der Liebe. Sie spreizen sich hoch, sind aber allezeit dürr, und was sie gebären, sind Wurmnester und Spinngewebe.“ 

Geiler (+1510) 

 

MENSCHWERDUNG 

„Die Menschwerdung (incarnatio), durch welche die Person des Gottmenschen wird, besteht darin, dass der Sohn Gottes (logos) die menschliche Natur in seine persönliche Gemeinschaft aufnimmt und aufs festeste und für Ewigkeit unauflöslich mit sich und seiner göttlichen Natur vereinigt, und zwar so, dass auf keine Weise beide Naturen ineinander aufgehn, oder miteinander vermischt werden.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Als die Menschheit in den tiefsten Jammer versunken war, da traten die Barmherzigkeit und Wahrheit zu gleicher Zeit vor den Thron Gottes. Die Barmherzigkeit sprach: die vernünftige Kreatur bedarf der Rettung, sie ist im schrecklichsten Elend; die Wahrheit dagegen: nein, Herr, du musst dein Wort halten; Adam muss sterben mit seinen Nachkommen, weil sie gesündigt haben. Als sich nun diese beiden eine Weile gestritten hatten, ohne dass die eine der andern nachgeben wollte, neigte sich der Richter nieder und schrieb solches mit seinem Finger: Du sagst, stirbt Adam nicht, so ist es um mich geschehen, und du: erlangt er kein Erbarmen, so ist es um mich geschehen. Der Tod soll etwas Gutes werden, so wird euch beiden Genüge getan. Da erstaunte der ganze Himmel über das tiefe Wort der Weisheit. Aber, wie mag das zugehen? fragte man. Ist doch der Tod so grausam und bitter; wie soll er gut werden? Darauf der Richter: Der Tod von Sündern ist erschrecklich, der Tod von Heiligen aber kann sogar köstlich werden. Oder sollte er es nicht sein, wenn er der Eingang zum Leben, die Pforte zur Herrlichkeit würde? Ja, dann ist er köstlich, sprechen die Himmlischen. Aber wie soll es dahin kommen? Es darf nur jemand aus Liebe sterben, der nicht zu sterben braucht, entgegnet der Herr. Denn die Liebe ist stark wie der Tod, ja noch stärker. Dringt sie in seinen Palast ein, so bindet sie ihn, raubt ihm alle seine Waffen und bahnt den Pfad für viele. Ein teures und aller Annahme wertes Wort! klingt es ringsum wieder, und die Wahrheit macht sich auf und durchläuft die ganze Erde, ob sie jemand finde, der rein von Sünden wäre; aber sie findet keinen, auch unter den jüngsten Kindern nicht. Die Barmherzigkeit durcheilt zu gleicher Zeit den Himmel und findet unter den Engeln zwar der Reinheit, aber nicht der Liebe genug. Beide kommen traurig und bekümmert zurück, weil sie vergebens gelaufen sind. Da nimmt sie der Friede beiseite und spricht zu ihnen: Ihr wisst und bedenkt nichts! Es gibt keinen, der eine solche Tat tun könne, auch nicht einen. Der den Rat gegeben hat, der mag auch die Hilfe leisten. Der Herr hatte indessen das leise Gespräch gehört und winkte Gewährung. Sofort musste der Engel hinabsteigen und der Tochter Zion melden: Siehe, dein König kommt! Und als er dann kam, brachte er den treuen Ratgeber, den Frieden, mit; so dass die Engel sangen: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“

Bernhard (+1153) 

 

„Was ist herrlicher, als den in Menschengestalt zu sehen, der des Menschen Schöpfer ist! Im Mutterleibe wird er empfangen, der immerdar in des Vaters Schoß sitzt. Von Ewigkeit her vom Vater ohne Mutter geboren, wird er in der Zeit von einer Mutter ohne Vater geboren. In Windeln gewickelt liegt, der die Erde mit Gesträuch und Bäumen bekleidet, den Himmel mit Sternen geschmückt, das Meer mit Fischen erfüllt hat. Er, den der Himmel Himmel nicht fassen mögen, wird von enger Krippe umschlossen und nährt sich an der Mutter Brust. Er nimmt zu an Weisheit, dessen Weisheit ohne Anfang und Ende ist, er nimmt zu an Alter, dessen Ewigkeit nicht zu- noch abnimmt, er nimmt zu an Gnade, der Urheber aller Gnade ist. Den alle Kreatur anbetet, vor dem aller Knie sich beugen, wird Eltern untertan. Es wird getauft der Herr vom Knecht, der Gott vom Menschen, der König vom Untertanen. Er, dem die Engel dienen, wird vom Teufel versucht. Der das Brot ist, hungert; der die Quelle ist, dürstet; der der Weg ist, wird müde. Die Herrlichkeit lässt sich beschimpfen, die Majestät sich erniedrigen, das Leben gibt sich in den Tod dahin.“

Anselm (+1109) 

 

MITLEID 

„Wenn dir ein Mensch begegnet, der sich viel dünkt und groß und breit dasteht, wende dich um und habe Mitleid mit ihm. Wir sind nicht groß, aber unser Glück ist, dass wir an etwas Größeres und Besseres glauben können!“ (Matthias Claudius)

 

MUSIK

„Wer die Musik verachtet, mit dem bin ich nicht zufrieden. Denn sie ist eine schöne, herrliche Gabe und ein Geschenk Gottes, nicht ein Menschengeschenk. So vertreibt sie auch den Teufel und macht die Leute fröhlich; man vergisst dabei allen Zorn, Unkeuschheit, Hoffart und andere Laster. Ich gebe nach der Theologie der Musik den nächsten Platz und die höchste Ehre.“ (Martin Luther)

 

MUT

„Also, dass wir dürfen kühn sagen: Der Herr ist mein Helfer; und will mich nicht fürchten. Was sollte mir ein Mensch tun?“ Hebr. 13,6. (…). Wer Gott fürchtet, hat nichts andres zu fürchten. Wir sollten solche Ehrfurcht vor dem lebendigen Herrn fühlen, dass alle Drohungen des stolzesten Verfolgers nicht mehr Wirkung auf uns ausübten, als das Pfeifen des Windes. Menschen können in unsren Tagen nicht so viel gegen uns tun, als zu der Zeit, da der Apostel diesen Spruch schrieb. Folter und Scheiterhaufen sind aus der Mode. Der Riese Papst kann die Pilgrime jetzt nicht verbrennen. Wenn die Nachfolger der falschen Lehre es mit grausamem Spott und Hohn versuchen, so wundern wir uns dessen nicht, denn die Menschen dieser Welt können nicht den himmlischen Samen lieben. Was denn? Wir müssen den Hohn der Welt tragen. Er zerbricht keine Knochen. Mit Gottes Hilfe lasst uns kühn sein, und wenn die Welt wütet, so lasst sie wüten, aber lasst uns sie nicht fürchten.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Ein Mann mit Gott ist immer in der Mehrheit.“ (John Knox)

 

MYSTISCHE VEREINIGUNG

„Die mystische Vereinigung der Gläubigen mit Gott besteht darin, dass der dreieinige Gott durch den Heil. Geist dem Wesen nach dem Wesen des gläubigen Menschen gnadenvoll beiwohnt, wodurch die also mit Gott Vereinigten nicht nur selig erfreut und mit Trost und Frieden erfüllt, sondern auch in der Gnade beständig gewisser gemacht, in der Heiligung gestärkt und zum ewigen Leben bewahrt werden.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die heilige Schrift sagt von dem Gläubigen, dass Gott in ihm wohne, und deutet damit eine besondere Einigung Gottes mit demselben an, welche die Dogmatik als unio mystica bezeichnet. Diese tritt ein in dem Momente, in welchem der Mensch gerechtfertigt und wiedergeboren wird, und ist unzertrennlich mit Rechtfertigung und Wiedergeburt gesetzt, so dass, wenn mit der justificatio die Vergebung der Sünden, mit der regeneratio das Vermögen des Glaubens gesetzt ist, in der unio mystica die unmittelbare Wirkung dieser beiden Gnadenakte Gottes beschrieben wird, welche darin besteht, dass Gott in dem also Gerechtfertigten oder Wiedergeborenen in besonderer Weise Wohnung macht. Mit dieser unio mystica ist dann mehr ausgesagt, als eine bloße Übereinstimmung des menschlichen Willens mit dem göttlichen, oder eine bloße Einigung beider in der Liebe, oder eine bloße Einwirkung und Mitteilung geistlicher Gaben von Seiten des hl. Geistes. Die Stellen Joh. 14,23. 1 Kor. 6,15.17. Eph. 5,30. 2 Ptr. 1,4. Gal. 3,27. 2,19.20. beweisen vielmehr, dass diese Einigung nicht bloß metaphorisch, sondern eigentlich und wirklich zu verstehen sei, so dass dieselbe nicht anders denn als eine Einigung der Substanz Gottes mit der Substanz des Menschen beschrieben werden kann, in Folge deren Gott die Fülle seiner Gnadengaben auf den Wiedergeborenen ausgießt.“ (Heinrich Schmid)

 

NACHFOLGE

„Wenn die Heilige Schrift von der Nachfolge Jesu spricht, so verkündigt sie damit die Befreiung des Menschen von allen Menschensatzungen, von allem, was drückt, was belastet, was Sorge und Gewissensqual macht. In der Nachfolge kommen die Menschen aus dem harten Joch ihrer eigenen Gesetze unter das sanfte Joch Jesu Christi. Wird damit dem Ernst der Gebote Jesu Abbruch getan? Nein, vielmehr wird erst dort, wo das ganze Gebot Jesu, der Ruf in die uneingeschränkte Nachfolge bestehen bleibt, die volle Befreiung der Menschen zur Gemeinschaft Jesu möglich. Wer ungeteilt dem Gebote Jesu folgt, wer das Joch Jesu ohne Widerstreben auf sich ruhen lässt, dem wird die Last leicht, die er zu tragen hat, der empfängt in dem sanften Druck dieses Joches die Kraft, den rechten Weg ohne Ermatten zu gehen.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

NÄHE GOTTES

„Nichts macht einen Stoff so sehr und so gut fähig, Feuer zu werden, als ihn dem Feuer nahe zu bringen und ihn immer mehr von der Wärme durchdringen zu lassen. Dieser Stoff könnte noch so feucht sein, er könnte Stein oder Stahl sein – bleibt er nur in der Nähe des Feuers, so wirkt dies auf ihn ein und macht ihn sich ähnlich; oder aber es zieht ihn ganz in sich und verwandelt ihn in Feuer oder in einen entflammbaren Stoff. Ebenso kann ein Mensch noch so dem Bösen ergeben, noch so hart, noch so durchtränkt von Sünden, dem Schlechten zugeneigt sein – mag es sich nun um die Welt oder die Geschöpfe handeln –, wenn er sich diesem göttlichen Feuer oft, in ernster Andacht, in reiner Gesinnung nahen will und tun, was er von seiner Seite nur vermag, so wird er diesem Feuer nicht nahe bleiben, ohne dass sein trockenes, steinernes, stählernes Herz warm werde, weich, feurig und göttlich.“ (Johannes Tauler)

 

„Nie hat ein Mensch nach irgend etwas so sehr begehrt, wie Gott danach begehrt, den Menschen dahin zu bringen, dass er ihn erkenne. Gott ist allzeit bereit, wir aber sind sehr unbereit; Gott ist uns nahe, wir aber sind ihm sehr fern; Gott ist drinnen, wir aber sind draußen; Gott ist in uns daheim, wir aber sind in der Fremde.“ (Meister Eckhart)

 

„Der Mensch soll sich in keiner Weise je als fern von Gott ansehen, weder wegen eines Gebresten noch wegen einer Schwäche noch wegen irgend etwas sonst. Und wenn dich auch je deine großen Vergehen so weit abtreiben mögen, dass du dich nicht als Gott nahe ansehen könntest, so sollst du doch Gott als dir nahe annehmen. Denn darin liegt ein großes Übel, dass der Mensch sich Gott in die Ferne rückt; denn, ob der Mensch nun in der Ferne oder in der Nähe wandele: Gott geht nimmer in die Ferne, er bleibt beständig in der Nähe; und kann er nicht drinnen bleiben, so entfernt er sich doch nicht weiter als bis vor die Tür.“ (Meister Eckhart)

 

NAME GOTTES 

„Was will das dritte Gebot? Dass wir nicht allein mit Fluchen oder mit falschen Eid, sondern auch mit unnötigem Schwören den Namen Gottes nicht lästern oder missbrauchen noch uns mit unserem Stillschweigen und Zusehen solcher schrecklichen Sünden teilhaftig machen; und in Summa, dass wir den heiligen Namen Gottes nicht anders als mit Furcht und Ehrerbietung gebrauchen, damit er von uns recht bekannt, angerufen und in allen unseren Worten und Werken gepriesen werde.“ (Heidelberger Katechismus)

 

NATUR

„Ich fragte die Erde, und sie sprach: Ich bin‘s nicht. Alles, was auf ihr ist, bekannte dasselbe. Ich fragte das Meer und seine Abgründe und das Gewürm, das in ihm lebt, und sie antworteten: Nicht wir sind dein Gott, suche höher, über uns! Ich fragte die säuselnden Winde, und das ganze Reich der Luft mit all seinen Bewohnern gab zur Antwort: ... Ich bin nicht Gott. Ich fragte den Himmel, die Sonne, den Mond und die Sterne, und sie sagten: Auch wir sind’s nicht, der Gott, den du suchst. Und ich sprach zu all dem, was draußen vor den Türen meines Fleisches steht: So sagt mir doch von meinem Gott, wenn ihr’s denn nicht seid, sagt mir etwas von ihm. Sie aber riefen mit gewaltiger Stimme: Er hat uns geschaffen! Meine Frage aber, das war meine Betrachtung, und ihre Antwort war ihre Schönheit.“ (Augustin)

 

NEID

„Wenn wir die Gottlosen glücklich sehen, so sind wir geneigt, sie zu beneiden. Wenn ihre geräuschvolle Fröhlichkeit uns zu Ohren dringt und unser eignes Herz schwer ist, so denken wir halbwegs, dass sie besser daran seien, als wir. Dies ist töricht und sündlich. Wenn wir sie besser kennten und besonders, wenn wir an ihr Ende gedächten, so würden wir sie bemitleiden. Das Gegenmittel gegen den Neid liegt darin, dass wir in einem beständigen Gefühl der göttlichen Gegenwart leben, Gott verehren und Gemeinschaft mit ihm haben den ganzen Tag lang, wie lang der Tag auch scheinen mag. Wahre Religion hebt die Seele in eine höhere Region empor, wo das Urteil klarer wird und die Wünsche erhabener. Je mehr vom Himmel in unsrem Leben ist, desto weniger werden wir von der Erde begehren. Die Furcht Gottes treibt den Neid gegen Menschen aus. Der Todesstreich des Neides ist eine ruhige Betrachtung der Zukunft. Der Reichtum und die Ehre der Gottlosen sind eitles Gepränge. Dieser pomphafte Schein funkelt eine Stunde lang und erlischt alsdann. Ist der wohlhabende Sünder um seines Wohlergehens willen besser daran, wenn das Gericht ihn ereilt? Das Ende des Gottesfürchtigen ist Friede und Seligkeit, und niemand kann ihm seine Freude rauben; möge er deshalb den Neid fahren lassen und voll ruhiger Zufriedenheit sein.“ (Charles H. Spurgeon)

 

OFFENBARUNG

„Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“ (Barmer theol. Erklärung)

 

„Um die wahre und rechte Theologie kennen zu lernen, müssen wir nach der Quelle (…) fragen, aus welcher wir die Kenntnis derselben schöpfen können. Diese ist die von Gott gegebene Offenbarung. Unter göttlicher Offenbarung verstehen wir aber hier nicht die in der Natur, sondern die im Worte (…). Genauer sagen wir also: Erkenntnisprinzip der Theologie ist die in hl. Schrift niedergelegte Offenbarung, und zwar ist sie das einzige Prinzip der Theologie, und ist weder die Vernunft, noch, im weiteren Verlaufe, die Tradition oder die Berufung auf die Übereinstimmung der Lehre der ältesten Kirche ihr an die Seite zu setzen; noch sind von irgend einer Seite her neue sie vervollständigende Offenbarungen zu erwarten.“ (Heinrich Schmid)

 

PAPSTTUM

„Wenn nun der Papst uns zugeben würde, dass allein Gott aus bloßer Gnade durch Christum die Sünder gerecht mache, so wollten wir ihn nicht allein auf den Händen tragen, sondern ihm auch die Füße küssen. Weil wir dies aber nicht erlangen können, so sind wir wiederum in Gotte über alle Maßen stolz, und wollen weder allen Engeln im Himmel, noch dem Petrus oder dem Paulus, noch hundert Kaisern, noch tausend Päpsten, noch der ganzen Welt eines Fingers breit weichen. Fern sei hier alle Demut, weil sie uns unsere Ehre, Gott selbst, rauben wollen, der uns geschaffen und alles gegeben hat, Christum selbst, der uns erlöst hat durch sein Blut. Das soll die Summa dieser Sache sein: Wir sollen uns unsere Güter rauben lassen, unseren guten Namen, unser Leben und alles, was wir haben; (aber) dass man uns das Evangelium, den Glauben, Christum etc. nehme, das sollen wir nicht dulden, und verflucht sei die Demut, welche sich hier nachgiebig finden lässt. Hier soll ein jeglicher stolz und ganz hartnäckig sein, wenn er nicht Christum verleugnen will. Deshalb soll, ob Gott will, mein Kopf härter sein als der Kopf aller Menschen. Hier will ich hart sein und auch für hart gehalten werden; hier führe ich den Wahlspruch: „Ich weiche niemand“, und freue mich von Herzen, dass ich in dieser Sache aufrührisch und hartnäckig genannt werde. Hier bekenne ich öffentlich, dass ich hart sei und hart sein wolle, und nicht ein Haarbreit weichen werde.“ (Martin Luther)

 

PREDIGT

„Was für eine Lehre oder Wort soll ein Prediger der Kirche vortragen? Er soll nicht seine Träume oder seines eigenen Herzens Gedanken und Gutdünken predigen, Jerem. 23; auch soll er nicht Menschen-Lehre und -Satzungen predigen, Jes. 29, Matth. 15.; sondern wer in der Kirche Gottes redet, der soll reden als Gottes Wort, 1 Petr. 4, auf dass es heiße: Posui verba mea in ore tuo („Ich habe meine Worte in deinen Mund gelegt“) Jes. 59 …“ (Martin Chemnitz)

 

„Der Wert eines rechten Kirchendieners besteht lediglich darin, dass er recht predigen kann. Kann er das nicht, so gehört er nicht auf die Kanzel; die ist da zum Predigen. Die Predigt ist der Mittelpunkt eines jeden Gottesdienstes. Und was soll er denn durch die Predigt wirken? Bedenken Sie das: Er soll die sicheren Seelen aufschrecken aus ihrem Sündenschlaf; dann soll er die Aufgeschreckten zum Glauben bringen; dann soll er die Gläubigen zur Gewissheit ihres Gnadenstandes und ihrer Seligkeit bringen; die Gewissgewordenen soll er dann auch zur Heiligung bringen, und die Geheiligten soll er dann in ihrem heiligen, seligen Zustande stärken und bis an das Ende darin erhalten. O welch eine Aufgabe!“ (C.F.W. Walther)

 

PREDIGTAMT

„Das heil. Predigtamt ist ein solcher von Gott verordneter Stand, in welchem er etliche gewisse Personen aus den Menschen dazu gesetzt hat, dass sie mit göttlicher Autorität als Botschafter an seiner Statt ihres Herrn Wort andern vortragen, die Sakramente ihnen reichen, sie also zu Christo führen und zum ewigen Leben erbauen sollen.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Was ist das Predigtamt für ein Amt? Es ist nicht eine weltliche Herrschaft, zeitliche, politische Händel zu regieren, Luk. 22. 2 Tim. 2. Auch ist es nicht eine geistliche Herrschaft mit voller Macht, eigens Gefallens über die Kirchen zu herrschen. 2 Kor. 1, 1 Pet. 5 Es ist auch nicht ein Gewerbe oder Hantierung, Gewinnes halben, 1 Tim. 3 und 6, 1 Petr. 5; sondern es ist ein geistlich Amt zum Dienst der Kirchen, von Gott gestiftet und verordnet, 2 Kor. 14, also dass Prediger sind und sein sollen Gottes Diener im Reiche Christi und Haushalter der Geheimnisse Gottes, 1 Kor. 4 Kol. 1, welchen durch ordentlichen Beruf von Gott auferlegt und befohlen ist das Amt, die Gemeine Gottes zu weiden mit der reinen Lehre des göttlichen Worts, Act. 6. und 20, Eph. 3. und 4, mit Handlung und Verreichung der Sakramente, Matth. 28. 1 Kor. 11 mit rechtschaffenem Brauch der Kirchenschlüssel, Sünde zu lösen und Sünde zu binden ingemein und insonderheit, Matth. 16, Joh. 20, und das alles nach gewissem gemessenem Befehl, welchen der Erzhirt in seinem Wort zur Instruktion vorgeschrieben hat. Matth. 28.“ (Martin Chemnitz)

 

„…was das Predigtamt für Früchte und Wirkung gebe. Das zeigen die Namen an, welche es führt, als: dass die Lehrer sind Gottes Haushalter (1 Kor. 4,1.); Knechte (Röm. 1,1); Diener (Röm. 15,16.); Ackerleute (1 Kor. 3,6.); Bauleute (1 Kor. 3,10.); Hirten (Ephes. 4,11.); Erntearbeiter (Matth. 9,38.); Botschafter (2 Kor. 5,20.). Wie nun in der Haushaltung solche Ämter nicht ohne besondern großen Nutzen sind, wo anders die dazu bestellten ihrem Herrn gebührliche Treue erweisen; gleich also wo die ins Predigtamt verordneten sich treulich verhalten, da kann ihr Amt und Verrichtung nicht umsonst und vergeblich sein. Und es hat sich befunden, dass durch der Apostel Verrichtungen das Evangelium von Christo in aller Welt gepflanzt (Kol. 1,23.) und unzählig viel Menschen zu ihrer ewigen Wohlfahrt sind befördert worden. Welches mit Beschreibung des Berufs Sct. Pauli schön zusammengefasst wird, Ap. Gesch. 26,17.18: „ich will dich erretten von den Heiden, unter welche ich dich jetzt sende, aufzutun ihre Augen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, zu empfahen Vergebung der Sünde und das Erbe samt denen, die geheiliget werden durch den Glauben an mich“. Und von Timothei Amt spricht der Apostel: „wo du solches tust, wirst du dich selbst selig machen, und die dich hören“, 1 Tim. 4,16.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Ich fürchte, es gibt etliche, die predigen mit der Absicht, die Leute zu amüsieren, und solange die Menschen in Haufen zusammenströmen und ihre Ohren gekitzelt werden und sie erfreut über das Gehörte nach Hause gehen können, ist der Redner zufrieden, faltet die Hände und geht selbstzufrieden heim. Aber Paulus war nicht darauf aus, den Menschen zu gefallen und große Massen an sich zu locken. Wenn er sie nicht retten konnte, hielt er es für unnütz, ihr Interesse zu wecken. Wenn die Wahrheit nicht die Herzen durchbohrte, das Leben veränderte und neue Menschen aus ihnen wurden, ging Paulus nach Hause und weinte: „Wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm des Herrn offenbar geworden?“ Nun seht, Brüder, wenn ich, oder ihr, oder einer von uns, oder wir alle unsere Tage nur damit verbracht haben, die Leute zu amüsieren, sie zu erziehen oder ihnen Moral beizubringen, dann werden wir an dem letzten, großen Tag traurig dastehen und werden nur einen elenden Bericht abliefern können; denn welchen Nutzen bringt es, einen Menschen ausgebildet zu haben, wenn er in die Verdammnis kommen wird? Oder welchen Dienst haben wir ihm mit unserer Unterhaltung erwiesen, wenn die Posaune erschallt, wenn Himmel und Erde erschüttert werden und der Abgrund seinen feurigen Rachen aufreißt und die unerretteten Seelen verschlingt? Was hilft es, die Moral eines Menschen zu heben, solange er noch an der linken Seite des Richters steht und das „Gehet von mir, Verfluchte!“ zu erwarten hat?“ (Charles H. Spurgeon)

 

PRÜFUNGEN 

„Und will dasselbe dritte Teil durchs Feuer führen und läutern, wie man Silber läutert, und fegen, wie man Gold feget. Die werden dann meinen Namen anrufen, und ich will sie erhören. Ich will sagen: Es ist mein Volk, und sie werden sagen: Herr, mein Gott.“ Sach. 13,9. Die Gnade verwandelt uns in kostbares Metall, und dann kommen Feuer und Schmelzofen als notwendige Folge. Erschrecken wir davor? Wollten wir lieber für wertlos geachtet werden, um Ruhe zu genießen wie die Steine des Feldes? Dies hieße das schlechtere Teil wählen, wie Esau das Linsengericht nehmen und das Erbteil des Bundes aufgeben. Nein, Herr, wir wollen mit Freuden in den Schmelzofen geworfen werden, lieber, als von deinem Angesicht verworfen sein! Das Feuer läutert nur, es zerstört nicht. Wir sollen durch das Feuer geführt, nicht darin gelassen werden. Der Herr schützt die Seinen wie Silber, und deshalb gibt er sich Mühe, sie von den Schlacken zu reinigen. Wenn wir weise sind, werden wir den Läuterungsprozess eher willkommen heißen, als ihn abwehren. Unser Gebet wird mehr sein, dass wir von dem schlechten Zusatz befreit, als dass wir aus dem Schmelztiegel genommen werden mögen. O Herr, du prüfst uns in der Tat! Wir sind fast aufgelöst durch den Grimm der Flammen. Doch dies ist dein Weg, und dein Weg ist der beste. Erhalte uns in der Prüfung und vollende den Prozess unsrer Läuterung, und wir wollen dein sein in alle Ewigkeit.“ (Charles H. Spurgeon)

 

RACHE

„Das ist recht christlich, und dem Glauben gemäß, nicht sich selbst rächen, und wiederschelten, sondern es dem heimstellen, der da recht richtet, 1 Petr. 2,23. Da werden die bösen Mäuler von jeglichem unnützen Wort Rechenschaft geben müssen, Matth. 12,36. Darüber wird ihnen bange genug werden. Darum gebühret Gott die Rache, 5 Mos. 32,35. denn er kann es am besten, er weiß einem jeden recht zu vergelten.“ (Johann Arndt)

 

RECHTFERTIGUNG

„Hier ist wohl zu merken, dass diese drei Dinge, der Glaube, Christus und (Gottes) Annehmen oder Zurechnen (der Gerechtigkeit Christi) zusammen gehören. Der Glaube ergreift Christum und hat ihn gegenwärtig und hält ihn eingeschlossen, wie ein Ring einen Edelstein umfasst, und ein jeglicher, der erfunden wird, dass er Christum mit dieser Zuversicht im Herzen ergriffen habe, den rechnet Gott für gerecht. Dies ist die Weise und das Verdienst, dadurch wir zur Vergebung der Sünden und zur Gerechtigkeit gelangen. Weil du an mich glaubst, sagt Gott, und dein Glaube Christum ergreift, den ich dir geschenkt habe, damit er dein Mittler und Hoherpriester wäre, darum sollst du gerecht sein. Also Gott nimmt uns an oder rechnet uns für gerecht allein wegen des Glaubens an Christum etc., und dieses Annehmen oder Zurechnen ist sehr notwendig, erstens, weil wir noch nicht vollkommen gerecht sind, sondern uns in diesem Leben noch die Sünde im Fleische anhängt. Diese Sünde, welche im Fleische noch übrig ist, fegt Gott in uns aus. Zum andern werden wir bisweilen auch vom Heiligen Geiste verlassen, und fallen in Sünden, wie Petrus, David und andere Heilige. Doch haben wir immer wieder einen Zugang zu diesem Artikel, dass uns unsere Sünden bedeckt sind, und dass Gott sie uns nicht zurechnen wolle, Ps. 32,1.2. Röm. 4,7., nicht, dass keine Sünde mehr da sei (…), vielmehr, die Sünde ist wahrhaftig da, und die Gottseligen fühlen sie, aber sie ist verborgen und wird uns von Gott um Christi willen nicht zugerechnet; weil wir ihn im Glauben ergreifen, müssen alle Sünden nicht Sünden sein. Wo aber Christus und der Glaube nicht ist, da ist keine Vergebung der Sünden, kein Bedecken derselben, sondern nur Zurechnung und Verdammnis der Sünden.“ (Martin Luther)

 

„Die Rechtfertigung ist ein richterlicher Akt Gottes, da er den sündigen und daher der ewigen Strafe verfallenen Menschen ohne irgendein Verdienst desselben aus Gnaden und um Christi willen für gerecht erklärt.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die Rechtfertigung ist das Werk Gottes, durch welches er den Sünder, welcher an Christum glaubt, aus bloßer Gnade oder umsonst von den Sünden freispricht, demselben Vergebung der Sünden schenkt, und die Gerechtigkeit Christi ihm so zurechnet, dass er völlig versöhnt und, in die Kindschaft aufgenommen, von der Schuld und Strafe der Sünde befreit ist, und die ewige Seligkeit erlangt.“ (Leonhard Hutter)

 

„Gott stellet den bußfertigen Menschen vor sein Gericht und nachdem er ihn der Sünde überwiesen und der Strafe schuldig erkannt, rechtfertigt er ihn und vergibt ihm die Sünde aus Gnaden, weil er mit Glauben des Herrn Christi Verdienst hat angenommen, der für der Sünden Schuld und verdiente Strafe der göttlichen Gerechtigkeit hat genug getan.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Diejenigen, die Gott wirksam beruft, die rechtfertigt er auch aus Gnaden, nicht indem er sie mit Gerechtigkeit erfüllt, sondern dadurch, dass er ihre Sünden vergibt und ihre Personen als gerecht erachtet und sie annimmt, nicht wegen irgend etwas, was in ihnen bewirkt oder von ihnen getan worden ist, sondern um Christi willen allein. Weder der Glaube selbst, nämlich der Glaubensakt, noch irgendein anderer evangelischer Gehorsam (wie die Umkehr zu Christus), wird ihnen als Gerechtigkeit angerechnet. Vielmehr erfolgt die Rechtfertigung dadurch, dass ihnen die Gerechtigkeit und die Sühne Christi angerechnet wird, wobei sie sich auf ihn und seine Gerechtigkeit verlassen und diese durch den Glauben empfangen; solch einen Glauben haben sie jedoch nicht aus sich selbst – er ist ein Geschenk Gottes.“ (Westminster Bekenntnis)

 

„Die Wirkung des Glaubens ist die Rechtfertigung; darunter versteht man denjenigen Akt Gottes, durch welchen er das Strafurteil, welches über den Menschen um seiner Sünden willen verhängt ist, aufhebt, ihn also von seiner Schuld los und ihm das Verdienst Christi zuspricht (…). Dieser Akt tritt ein in dem Momente, in welchem der Mensch im Glauben das Verdienst Christi ergreift und kann mit Recht als actus forensis s. judicialis bezeichnet werden, weil Gott da, gleichsam wie im bürgerlichen Gericht, ein Urteil über den Menschen ausspricht, das diesem eine ganz andere Stellung, als er bisher hatte und ganz andere Rechte zuweist. Mit der Rechtfertigung wird aber in keiner Weise ein sittlicher Zustand, der sich in dem Menschen vorfindet, oder eine sittliche Umwandlung, welche mit ihm vorgegangen ist, beschrieben, sondern nur ein über den Menschen ausgesprochenes Urteil, durch welches sein Verhältnis zu Gott umgestaltet wird, und zwar in der Art, dass der Mensch sich jetzt als solchen betrachten kann, dessen Sünden getilgt sind, der sich um ihrerwillen nicht mehr vor Gott zu verantworten hat, der vielmehr vor Gott angenehm und als ein Gerechter erscheint, an dem Gott nichts mehr zu strafen, über den er nicht mehr zu zürnen Ursache hat. (…) Gott sieht von dem Momente an, in welchem bei dem Menschen der Glaube eintritt, alles das, was Christus geleistet hat, an, als hätte er, der Mensch es getan, und spricht so das Verdienst Christi dem Menschen zu, als wäre es dessen eigenes Verdienst. – Daraus ist zugleich ersichtlich, was wir als den Grund zu bezeichnen haben, auf welchem unsere Rechtfertigung ruht, und welches das Mittel ist, durch welches wir zu dieser Rechtfertigung gelangen können. Der Grund liegt allein in dem Verdienste Christi, denn dadurch sind unsere Sünden getilgt, und ist es Gott möglich geworden, uns wieder zu Gnaden anzunehmen. Das Mittel aber, durch welches wir zur Rechtfertigung gelangen, ist der Glaube.“ (Heinrich Schmid)

 

REICH GOTTES 

„Was heißt nun Gottes Reich? Antwort: nichts anders denn wie wir droben im Glauben gehört haben, dass Gott seinen Sohn Christum, unsern Herrn, in die Welt geschickt, dass er uns erlöse und frei machte von der Gewalt des Teufels und zu sich brächte und regierte als ein König der Gerechtigkeit, des Lebens und Seligkeit wider Sünde, Tod und böse Gewissen, dazu er auch seinen heiligen Geist gegeben hat, der uns solches heimbrächte durch sein heiliges Wort und durch seine Kraft im Glauben erleuchtete und stärkte. Derhalben bitten wir nun hier zum ersten, dass solches bei uns kräftig werde und sein Name so gepriesen durch das heilige Wort Gottes und christliches Leben, - beide, dass wir, die es angenommen haben, dabei bleiben und täglich zunehmen, und dass es bei andern Leuten einen Zufall und Anhang gewinne und gewaltiglich durch die Welt gehe, auf dass ihrer viel zu dem Gnadenreich kommen, der Erlösung teilhaftig werden, durch den heiligen Geist herzugebracht, auf dass wir also allesamt in einem Königreich, jetzt angefangen, ewiglich bleiben. Denn dass Gottes Reich zu uns komme, geschieht auf zweierlei Weise: einmal hier zeitlich durch das Wort und den Glauben, zum andern ewig durch die Offenbarung. Nun bitten wir solches beides, dass es komme zu denen, die noch nicht darin sind, und zu uns, die es überkommen haben, durch tägliches Zunehmen und künftig in dem ewigen Leben. Das alles ist nicht anders denn soviel gesagt: Lieber Vater, wir bitten, gib uns erstlich dein Wort, dass das Evangelium rechtschaffen durch die Welt gepredigt werde. Zum andern, dass es auch durch den Glauben angenommen werde, in uns wirke und lebe; dass also dein Reich unter uns gehe durch das Wort und Kraft des heiligen Geistes und des Teufels Reich niedergelegt werde, dass er kein Recht noch Gewalt über uns habe, so lange bis es endlich gar zerstört, die Sünde, Tod und Hölle vertilgt werde, dass wir ewig leben in voller Gerechtigkeit und Seligkeit.“ (Martin Luther)

 

„Dein Reich komme!“ (Mt 6,10). Der andere Irrtum, dass viel sind, die dies Gebet sprechen, allein Sorge gehabt, dass sie nur selig werden, und verstehen durch das Reich Gottes nichts anders, denn Freude und Lust im Himmel, wie sie denn aus fleischlicher Sinnlichkeit denken mögen, und werden dadurch gedrungen, dass sie die Hölle fürchten, und also nur das Ihre und ihren eigenen Nutz im Himmel suchen. Dieselben wissen nicht, dass Gottes Reich sei nichts anders, denn fromm, züchtig, rein, milde, sanft, gütig und aller Tugend und Gnaden voll sein, also dass Gott das Seine in uns habe, und er allein in uns sei, lebe und regiere. Dies sollte man am höchsten und ersten begehren. Denn das heißt selig sein, wenn Gott in uns regiert, und wir sein Reich sind. Die Freude aber und Lust und alles andere, das man begehren mag, dürfte man nicht suchen noch bitten noch begehren, sondern es wird sich alles selbst finden und folgen dem Reiche Gottes.“ (Martin Luther)

 

REICHTUM

„Reichtum ist das geringste Ding auf Erden und die allerkleinste Gabe, die Gott einem Menschen geben kann. Was ist's gegen Gottes Wort, ja, was ist's auch nur gegen leibliche Gaben wie Schönheit, Gesundheit und gegen Gaben des Gemüts, wie Verstand, Kunst, Weisheit? Dennoch trachtet man so emsig danach und lässt sich keiner Arbeit noch Mühe und Gefahr verdrießen noch hindern. Darum gibt Gott gemeiniglich Reichtum den groben Eseln, denen er sonst nichts gönnt.” (Martin Luther)

 

„Ists denn verboten, Reichtum zu haben? Nein, es ist nicht verboten, Reichtum, den Gott selbst bescheret, in seiner Ordnung zu haben und zu behalten: aber nach Reichtum vornehmlich zu trachten, ist ein Geiz, und verboten.“ (Philipp J. Spener)

 

„Der Mensch ist geschaffen dazu hin, Gott unseren Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und zu dienen (...) Die andern Dinge auf der Oberfläche der Erde sind zum Menschen hin geschaffen, und zwar damit sie ihm bei der Verfolgung dieses Zieles helfen, (...) Hieraus folgt, dass der Mensch die Dinge so weit zu gebrauchen hat, als sie ihm auf sein Ziel hin helfen, und sie so weit lassen muss, als sie ihn daran hindern (...)“ (Ignatius von Loyola)

 

„Stehet denn einem Menschen nicht frei, mit dem Seinigen zu tun, was er will? Nein: alldieweil was wir haben, nicht sowohl unser, als Gottes Eigentum ist, und wir demselben deshalb Rechenschaft darüber zu geben haben, wie wirs als treue Haushalter zu demjenigen Nutzen angewendet, wozu ers gegeben hat, nämlich seine Ehre damit zu befördern, unserm Nächsten zu helfen, und unsere Notdurft zu genießen.“ (Philipp J. Spener)

 

RELIGION

„Religion ist die Art und Weise, wie Gott verehrt wird und wie der Gott entfremdete Mensch wieder zu ihm zurückgebracht und seines Heiles gewiss wird. Die Religion ist eine falsche, wo Gott in falscher, seinem Wesen und Willen nicht entsprechender Weise verehrt wird, die wahre und rechte, wo es in der rechten von ihm gewollten Weise geschieht. Diese rechte Weise ist aber in hl. Schrift gelehrt, und so ist die wahre Religion, näher bestimmt, diejenige, in welcher Gott nach der dort vorgeschriebenen Weise verehrt wird, und ist also die christliche Religion die wahre.“ (Heinrich Schmid)

 

„Sollte denn nicht ein jeder in seiner Religion und Glauben ohne Gottes Wort, wenn er’s gut meinet, selig werden? Gott heißt allein sein Wort ein Wort des Lebens, Joh. 6, Phil. 2, und der Seligkeit, Act. 13, das unsere Seelen selig machen kann, Jak. 1, Röm. 1, Luk. 11. Von allen andern Sekten aber ohne und außer Gottes Wort steht das Urteil Gottes Eph. 2, dass sie seien ohne Gott, ohne Christo, ohne Verheißung und Hoffnung. Denn wer den Sohn nicht ehret, der ehret auch den Vater nicht, Joh. 5, und wer an den Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, Joh. 3; denn es ist kein ander Fundament der Seligkeit, ohne allein Jesus Christus, 1 Kor. 2. Denselbigen aber offenbaret nicht Fleisch und Blut, sondern der Vater im Wort und durchs Wort. Matth. 16. Gal. 1.“ (Martin Chemnitz)

 

REUE

„Die Reue ist der durch Erkenntnis der Sünden und des göttlichen Zornes gewirkte Seelenschmerz, verbunden ebensowohl mit dem willigen Bekenntnis der Sünden und der dadurch nach Gottes gerechtem Gericht verdienten zeitlichen und ewigen Strafe, als mit der ernstlichen Verwerfung und Verabscheuung der Sünde.“ (Adolf Hoenecke)

 

RICHTEN

„Welches ist der Mörder, von dem Christus sprach? Das ist der unsagbar schlimme Hang, (andere Menschen) zu verurteilen, der sich in der Natur des Menschen findet und dessen viele ganz voll sind. Dieser Hang ist so recht im Menschen verwurzelt, einen anderen stets bessern zu wollen und sich selbst oft nicht bessern zu können. So sehr neigt der Mensch zur Verurteilung anderer: einer spricht ihm zu viel, ein anderer zu wenig, der isst ihm zu viel, jener nicht genug, dieser weint zu viel, jener sollte mehr weinen; in allen Dingen findet sich dieses todbringende Verurteilen, und begleitet ist es im Herzen und im Grund von einer tiefen Verachtung, die sich zuweilen nach außen im Benehmen und in Worten kundtut. Derart bringt man anderen dieselbe tödliche Wunde bei, die man sich selbst zugefügt, indem man ein schlimmes Urteil zu verstehen gibt; und schließlich versetzt man auch dem Nächsten, dem man eine schlechte Meinung (über den anderen mitteilt), eine tödliche Wunde, wenn er sie mit Wohlgefallen anhört. Was weißt du (denn) vom Wesen deines Nächsten? Was von Gottes Willen mit ihm, oder auf welchem Weg Gott ihn gerufen oder geladen hat? Und seine Werke willst du nach deinem Kopf ausrichten und beherrschen, willst Gottes Willen ausschalten und mit deinem falschen Urteil verbessern? Solcher Mörder richtet unfassbar großen Schaden unter geistlichen Leuten an, und sie denken nicht daran, dass Gott sprach: „Richte nicht, damit du nicht gerichtet werdest; mit dem Maße, mit dem du missest, wird dir wieder gemessen werden.“ (Johannes Tauler)

 

SAKRAMENTE

„Die Sakramente sind von Gott eingesetzte Handlungen, welche unter äußerlichen Zeichen himmlische Güter mitteilen, sowohl zur Darreichung, als auch zur Besiegelung der Gnade.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die Sakramente sind heilige, von Gott verordnete Handlungen, darin uns etwas gewisses, so Gott in der Einsetzung namhaft gemacht hat, gereicht und zugestellt wird, auf dass dadurch, als durch Siegel, Gottes Wort von Verheißung seiner Gnade und Barmherzigkeit versiegelt, sie uns zugeeignet, wir deren versichert und anderer geistlichen Gaben teilhaftig gemacht werden.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Die Heilsgnade wird dem Menschen mitgeteilt, nicht allein durch das Wort, sondern auch durch die Sakramente, und wie dort das Wort, so ist hier ein äußeres und sichtbares Element, welches in hl. Handlung an den Menschen gebracht wird, der Träger des hl. Geistes. Sakrament ist darnach eine heilige von Gott angeordnete Handlung, in welcher mittelst eines äußeren und sichtbaren Zeichens die Heilsgnade dem Menschen zugeteilt oder der Mensch, wenn er sie schon besitzt, derselben vergewissert wird.“ (Heinrich Schmid)

 

SCHICKSAL

„Bildad war ein Freund des weisen König Salomo. Oft saßen sie im Garten beieinander und unterhielten sich. Eines Tages aber ging der Engel des Todes am Garten vorüber und richtete seine Blicke auf Bildad. Da fragte Bildad den Salomo: „Wer ist dieser Mann?“ Salomo antwortete: „Du kennst ihn nicht? Das ist der Engel des Todes.“ „O weh,“ – rief Bildad – „er hat mich so angeschaut, ich glaube, er hat es auf mich abgesehen. Lieber Salomo, du hast wunderbare Kräfte, befiehl doch dem Wind, dass er mich davonträgt und im fernen Indien niedersetzt!“ Salomo tat, was Bildad sich gewünscht hatte – und der Wind trug Bildad davon. Wenig später kam der Engel des Todes wieder an Salomos Garten vorbei. Salomo sprach ihn an und fragte, warum er seinen Besucher vorhin so merkwürdig angeschaut habe. Der Engel aber sprach: „Dass ich Bildad so lange ansah, das geschah aus Verwunderung, weil mir befohlen worden war, seine Seele aus Indien zu holen, während er doch hier bei dir in Kanaan war.“ (nach einer arabischen Erzählung)

 

SCHLÜSSELAMT

„Was nennet Christus die Schlüssel des Himmelreichs? Das Wort, die Predigt, die Lehre oder das Amt, darin und dadurch aus Gottes Befehl und durch göttliche Kraft den Unbußfertigen und Ungläubigen die Sünde gebunden und behalten, den Bußfertigen aber und den Gläubigen um Christus willen gelöset und vergeben werden, Matth. 16. Joh. 20.“ (Martin Chemnitz)

 

SCHÖNHEIT

„Was wir lieben, das lieben wir entweder wegen seiner Macht, oder seiner Weisheit, oder seiner Schönheit: was ist aber mächtiger als Gott, was weiser als Gott, was schöner als Gott? Alle Macht weltlicher Könige ist von ihm und unter ihm; alle Weisheit der Menschen ist im Vergleiche zu der göttlichen, Torheit; alle Schönheit der Geschöpfe ist im Vergleiche zu der göttlichen, Missgestalt. Wenn ein sehr mächtiger König durch Abgesandte um die Hand einer Jungfrau von geringer Herkunft und Lage würbe, würde nicht diese Jungfrau töricht handeln, wenn sie den mächtigsten König nichts achten und den armen Abgesandten und Dienern des Königs anhangen wollte? So hat Gott durch alle Schönheit der Geschöpfe uns zu sich rufen, zu seiner Liebe uns erwecken wollen; warum also hängt unsere Seele, die Christus als Bräutigam begehrt, den Geschöpfen an, die gleichwie Abgesandte von ihm sind um dieser geistlichen Vermählung willen? Die Geschöpfe rufen selbst: Warum bleibt ihr an uns hängen? Warum stellt ihr auf uns das Ziel eures Verlangens? Wir können eure Sehnsucht nicht stillen, machet euch hin zu dem, der unser beider Schöpfer ist!“ (Johann Gerhard)

 

SCHÖPFUNG 

„Die Schöpfung ist die äußerliche Handlung der ganzen Dreieinigkeit, in welcher Gott alle geschaffene Dinge, sichtbare und unsichtbare, in dem Zeitraume von sechs Tagen, nach seinem völlig freien und guten Willen aus Nichts gemacht hat.“ (Leonhard Hutter)

 

„Was glaubst du, wenn du sprichst: Ich glaube an Gott Vater, den Allmächtigen, Schöpfer des Himmels und der Erde? Dass der ewige Vater unseres Herrn Jesu Christi, der Himmel und Erde samt allem, was darinnen ist, aus nichts erschaffen hat und dieselben durch seinen ewigen Rat und seine Vorsehung erhält und regiert, um seines Sohnes Jesu Christi willen mein Gott und mein Vater sei, auf den ich so vertraue, dass ich nicht zweifle: Er wird mich mit allem, was ich an Leib und Seele brauche, versorgen, und alles Übel, das er mir in diesem Jammertal zuschickt, so wenden, dass es gut für mich ist, weil er es als ein allmächtiger Gott tun kann und als ein treuer Vater auch tun will.“ (Heidelberger Katechismus)

 

„Allmächtiger, ewiger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, ich danke dir, ich preise dich, ich rühme dich, dass deine Hände mich gearbeitet haben und mich ganz gemacht, was ich um und um bin! Wie Leimen hast du mich in meiner Mutter Leibe gebildet, wie Milch hast du mich gemolken, und hast mich wie Käse gerinnen lassen; mit Haut und Fleisch hast du mich bekleidet, und mit Knochen und Nerven hast du mich zusammengefügt; Leben und Wohltat hast du an mir getan, und dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret. Diese deine große Barmherzigkeit gegen mich will ich ewiglich lobpreisen, deine Güte will ich unaufhörlich mit Gesängen rühmen; du hast mich in meiner Mutter Leibe beschützt. Ich will dich preisen, dass ich wunderbar gemacht bin, wunderbar sind deine Werke, und das erkennet meine Seele wohl. Es war dir mein Gebeine nicht verholen, das du im Verborgenen gemacht hast, da du mich mit mancherlei Gliedmaßen geziert hast unten in der Erde. Deine Augen sahen mich, da ich noch unbereitet war, und es waren alle Tage auf dein Buch geschrieben, die noch werden sollten, und deren noch keiner da war. Aber wie köstlich sind vor mir, Gott, deine Gedanken; wie ist ihrer so eine große Summe! Sollte ich sie zählen, so würde ich ihrer mehr finden, denn des Sandes am Meer. Du hast mir deine Barmherzigkeit erzeigt, ehe ich dieselbe einsah; du bist mir mit deinen Wohltaten zuvorgekommen, ehe ich sie begehrte; deine Güte hat mich umfasst, ehe ich für dieselbe dankte. Du bist es, der mich nicht nur wunderbar in der Mutter gebildet, sondern mich auch aus meiner Mutter Leibe gezogen hat; du bist meine Hoffnung von meiner Mutter Brüsten an. Auf dich bin ich geworfen aus Mutterleibe; du bist mein Gott von meiner Mutter Leibe an. So oft ich daran denke, dass viele, ehe sie zum Tageslicht und zur Lebensluft hervorkamen, im Mutterleibe zu Grunde gingen, so oft bewundere und preise ich deine Erbarmung, die mich aus diesem Kerker lebendig und unverletzt auf den Schauplatz dieser Welt geführt hat. Wie viele Jahre sind vorübergegangen, in denen ich nichts war! Dir aber hat es gefallen, mir dieses Wohnhaus an meinem Körper aufzubauen, und mich aus jener Tiefe und Finsternis des Mutterleibes herauszuziehen. Du hast mir eine vernünftige Seele gegeben, du hast gewollt, dass ich ein Mensch, nicht ein Stein oder eine Schlange, sei. Für diese deine Barmherzigkeit sei dir, mein Gott, Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.“ (Johann Gerhard)

 

„Ich danke dir, allmächtiger und barmherziger Gott, dass du mich von den ersten Tagen meines Lebens an wunderbar erhalten hast! Nackend bin ich in diese Welt gekommen; du hast mich nach deiner Güte gekleidet. Hungrig bin ich in diese Welt eingetreten; du hast mich bisher reichlich geweidet. In dir lebe, webe und bin ich; ohne dich falle ich in Nichts zurück und sterbe. In dir biege und bewege ich meine Glieder; ohne dich kann ich kein Leben und Bewegung haben. Dein ist die Sonne, die mir das Licht gibt, das ich täglich mit meinen Augen erblicke; dein ist die Luft, die ich beständig atme; dein ist der Tag, dein die Nacht, die mir wechselweise zur Arbeit und zur Ruhe dienen; dein ist die Erde, deren Früchte mich durch deine große Güte nähren; dein sind alle Kreaturen im Himmel, in der Luft, auf Erden und im Meer, zu meinem Nutzen und Dienst bestimmt; dein ist das Silber, dein das Gold; was ich zur Erhaltung dieses Lebens brauche, das habe ich alles aufs Reichlichste aus deinen Händen empfangen. Wie freigebig bist du gegen das menschliche Geschlecht, o Gott! Alles hast du einst zum Nutzen der Menschen geschaffen; alles erhältst du heute noch um der Menschen willen. Alles, was du an den Kreaturen tust, das tust du mir, weil du sie alle um meinetwillen wunderbar bildest, ausrüstest und erhältst. Einige Kreaturen dienen mir zur Aufwartung, einige zur Ernährung, einige zur Bekleidung, einige zur Heilung, einige zur Züchtigung; alle aber zur Lehre und Unterweisung. Wer könnte jene mannigfaltigen Arten von essbaren Dingen aufzählen, die du geschaffen hast, und heute noch uns zur Speise aus der Erde hervorbringst? Wer könnte jene verschiedenen Gattungen von Kräutern herzählen, die du jährlich, uns zur Heilung aus der Erde hervorrufst? Wer könnte alle verschiedenen Arten von Tieren mit Worten fassen, die zum Nutzen des Menschen geschaffen sind und ihm dienen? Dir sei Lob und Ehre in Ewigkeit, der du der Schöpfer und Erhalter aller Dinge bist! Ohne dich, du wahre Sonne, würde ich wie ein Schatten verschwinden; ohne dich, du wahres Leben, würde ich augenblicklich dahinsterben; ohne dich, du wahres Wesen, würde ich plötzlich in Nichts zerfallen. Dir allein verdanke ich, dass ich bin, dass ich lebe und mich bewege. Dir allein will ich daher leben und anhangen in Ewigkeit! Amen.“ (Johann Gerhard)

 

„Siehe, o Herr, ich bin, weil du mich geschaffen hast, und dass du mich schaffen und unter deine Kreaturen zählen wolltest, hattest du vorher bestimmt von Ewigkeit, noch ehe du den Himmel ausspanntest und die Tiefen legtest; noch ehe die Erde gemacht, die Berge gegründet und die Quellen geöffnet waren. Und wie komme ich dazu, gütigster Herr, höchster Gott, gnädigster Vater, wie habe ich solches verdient? Ich war nicht und du schufst mich, ich war nichts und du riefst mich aus dem nichts ins Dasein. Du hättest mich zu einem Wassertropfen, einer Feuerflamme, einem Vogel oder Fisch, zu einer Schlange oder irgendeinem wilden Tier, zu einem Stein oder Holz machen können. Aber nein, deine Güte hat mich über alle Dinge gesetzt, hat mir nicht bloß Leben und Gefühl, sondern auch Verstand gegeben; sie hat mich zur würdigsten Kreatur erhoben und nur um ein Geringes unter die Engel gestellt.“

Soliloquia (Augustini) 

 

„Alle Kreatur ruft dir zu: empfange und bezahle; empfange die Wohltat, bezahle die Schuld! Der Himmel spricht: Ich schaffe dir das Tageslicht, dass du wachen, die Finsternis der Nacht, dass du schlafen und ruhen magst; ich bringe zu deiner Erholung die Annehmlichkeit des Frühlings, die Hitze des Sommers, die Fülle des Herbstes, die Kälte des Winters; ich mache die Nächte bald lang, bald kurz, damit der Wechsel dich vor Überdruss bewahre und die Ordnung dir zur Lust gereiche. Die Luft spricht: Ich teile dir den Lebensodem mit und stelle alle Arten von Vögeln zu deinem Dienst. Das Wasser sagt: Ich gebe dir zu trinken, reinige deine Flecken, befruchte das Trockne und Dürre und schenke dir eine Menge von verschiedenen Fischen. Die Erde spricht: Ich trage dich, ich nähre dich, kräftige dich mit Brot, erfreue dich mit Wein, labe dich durch mancherlei Früchte, fülle deinen Tisch mit mancherlei Tieren. Die ganze Welt sagt: Siehe, wie hat dich der geliebt, der mich dir zum Dienst gestellt hat; denn ich bin um deinetwillen geschaffen, damit auch du dem dienen mögest, der mich um deinet- und seinetwillen geschaffen hat. Empfindest du nun die Größe solcher Wohltat, so bezahle den gebührenden Dank!“

Raymund (+1436) 

 

SCHULD UND VERGEBUNG

Martin Luther schreibt am 21. August 1544 an Georg Spalatin, der sich einen Fehler schwer zu Herzen nimmt:

„Es ist übrig genug, dass ihr euch hierin vergriffen habt; so lasst doch die Sünde nicht an euch bleibend, sondern vorübergehend sein und lasst ab von der Traurigkeit, die eine noch viel größere Sünde ist. Hört den seligen Trost, den der Herr euch vorhält durch den Propheten, da er spricht, Ezech. 33,11.: „So wahr ich lebe, ich habe keinen Gefallen an des Sünders Tod, sondern dass er sich bekehre und lebe.“ Meint ihr denn, des Herrn Hand sei allein bei euch zu kurz geworden? Jes. 59,1. Oder hat er allein an euch aufgehört, gnädig und barmherzig zu sein? Ps. 77,10. Oder seid ihr der erste, der es durch seine Sünde so übel ausgerichtet hat, dass wir nunmehr keinen Hohenpriester haben, der da könnte Mitleid haben mit unserer Schwachheit? Oder dünkt es euch wunderbar oder neu, dass ein Mensch, so im Fleische lebt und mit so vieler Teufel unzähligen feurigen Pfeilen umgeben ist, zuweilen verwundet oder zu Boden gefällt wird? Ihr scheint mir, mein lieber Spalatin, im Streit wider Sünde, bös Gewissen, Gesetz und Schrecken des Todes noch wenig erfahren zu sein; oder der Satan hat euch aus den Augen und Gedächtnis gerückt allen Trost, so ihr je in der Schrift gelesen habt, dadurch ihr außerhalb der Anfechtung, gerüstet auf’s allerbeste, euch habt zu erinnern gewusst, was Christi Amt und Wohltaten seien; ja, er hat euch auch alle eure schönen christlichen Predigten von Gottes Gnade und Barmherzigkeit, in Christo uns erzeigt, damit ihr andere gelehrt, ermahnt und getröstet habt mit fröhlichem Geist und großem freudigem Mut, aus dem Herzen gerissen. Oder ihr seid sicherlich bisher nur ein schwacher Sünder gewesen, der sich nur ganz geringer und kleiner Fehler und Schwachheiten bewusst war. Derhalben ist meine treue Bitte und Vermahnung, ihr wollet euch gesellen und halten zu uns, die wir rechte, große und hartgesottene Sünder sind, damit ihr uns Christum ja nicht klein noch gering macht, als der allein von erdichteten, schlechten, kindischen Sünden könnte helfen. Nein, nein, das wäre nicht gut für uns, sondern er ist der Heiland und Erlöser von rechten, großen, schweren, verdammten Übertretungen und Missetaten, ja, von den allergrößten und ärgsten, und in Summa, von allen Sünden miteinander. Auf diese Weise tröstete mich einst D. Staupitz, da ich auch einmal eben in diesem Spital und gleicher Anfechtung krank lag, wie ihr jetzt. Ei, ihr wollt, sagte er, ein gemalter Sünder sein, und derhalben Christum nur für einen gemalten Heiland haben. Ihr müsst euch recht gewöhnen zu glauben, dass Christus ein wahrer Heiland sei, und ihr dagegen ein wahrer Sünder seid. Denn Gott scherzt nicht, geht auch nicht mit erdichteten Dingen um; sondern es ist ihm ein rechter, großer Ernst gewesen, da er seinen einigen Sohn in die Welt gesandt hat und für uns alle dahingegeben etc., Röm. 8,32. Joh. 3,16. Diese und dergleichen Gedanken (aus den Trostsprüchen der Schrift geschöpft) hat euch der leidige Satan aus dem Gedächtnis entzogen, dass ihr euch derselben jetzt in eurer großen Angst und Schwermut nicht erinnern könnt. Darum reicht doch um Gottes willen eure Ohren her und höret, Bruder, doch, wie ich, euer Bruder, fröhlich singe, der ich außerhalb eurer Traurigkeit und Schwermut stehe und stark bin, und zwar darum stark, auf dass ihr, der ihr schwach seid und vom Teufel gejagt und erschreckt, euch auf mich stützen und aufrichten möget, bis dass auch ihr, wieder aufgerichtet, dem Teufel könnet Trotz bieten und getrost singen: „Man stößt mich, dass ich fallen soll, aber der Herr hilft mir“, Ps. 118,13. Gedenkt doch jetzt, ich sei Petrus, der euch die Hand reiche und zu euch spräche: „Im Namen Jesu stehe auf und wandele“, Apost. 3,6. Ach, mein lieber Spalatin, hört doch und glaubt den Worten, die Christus durch mich zu euch redet; denn ich irre ja nicht, das weiß ich, viel weniger rede ich etwas teuflisch, sondern Christus redet durch mich (weil ich euch sein Wort vorhalte), und gebietet euch, dass ihr eurem Bruder in gemeinsamem Glauben gehorchen und glauben sollt. Er selbst absolviert euch von dieser und allen Sünden, so werden wir denn teilhaftig eurer Sünden und helfen sie euch tragen. Darum seht zu, dass ihr auch mit uns teilnehmt an unserem Trost, der wahrhaftig, gewiss und beständig ist…“

 

SCHWACHHEIT

„Befindet aber jemand die Freudigkeit des Glaubens nicht, sondern ist schwachgläubig und trostlos, der verzage darum nicht, sondern tröste sich der verheißenen Gnade in Christo, denn dieselbe bleibt allezeit, fest, gewiss und ewig. Und ob wir gleich aus Schwachheit fallen und straucheln, so fällt doch Gottes Gnade nicht hin, wenn wir nur durch wahre Buße wieder aufstehen. Christus bleibt auch immer Christus und ein Seligmacher; er werde mit schwachem oder starkem Glauben ergriffen. Es hat auch der schwache Glaube so viel an Christo, als der starke, denn ein jeder, er sei schwach oder starkgläubig, hat Christum ganz zu eigen. Die verheißene Gnade ist allen Christen gemein, und ist ewig, darauf muss der Glaube ruhen, er sei schwach oder stark. Gott wird dir zu seiner Zeit den erquickenden, freudenreichen Trost wohl widerfahren lassen, ob ers gleich in deinem Herzen eine Zeitlang verbirgt, Ps. 37,24. und Ps. 77,8-11.“ (Johann Arndt)

 

„Ich will die Hinkende erretten.“ Zeph. 3,19. Es gibt viele dieser Lahmen, beides, männliche und weibliche. Ihr könnt „der Hinkenden“ zwanzigmal in einer Stunde begegnen. Sie sind auf der rechten Straße und wünschen sehr, sorgsam darauf zu gehen, aber sie sind lahm und ihr Gang ist ein kümmerlicher. Auf der Himmelsstraße sind viele Krüppel. Es mag sein, dass sie in ihrem Herzen sprechen: Was wird aus uns werden? Die Sünde wird uns überrumpeln, Satan wird uns niederwerfen. „Hinkend“ ist unser Name und unsre Natur; der Herr kann nie gute Krieger aus uns machen, nicht einmal schnelle Boten, um seine Aufträge auszurichten. Wohl, wohl! Er will uns erretten, und das ist nichts Geringes. Er sagt: „Ich will die Hinkende erretten“. Indem er uns errettet, wird er sich selbst sehr verherrlichen. Jedermann wird fragen: Wie kam diese Lahme dazu, den Lauf zu laufen und die Krone zu gewinnen? Und dann wird alles Lob der allmächtigen Gnade gegeben werden. Herr, ob ich gleich hinke im Glauben, im Gebet, im Loben, im Dienst und in der Geduld, errette mich, ich bitte dich! Du allein kannst solchen Krüppel retten, wie ich es bin. Herr, laß mich nicht umkommen, weil ich unter den Hintersten bin, sondern führe durch deine Gnade den langsamsten deiner Pilger heim, – sogar mich. Siehe, er hat gesagt, es soll so sein, und darum geh’ ich weiter wie Jakob, obsiegend im Gebet, wenn auch das Gelenk meiner Hüfte verrenkt wird.“ (Charles H. Spurgeon)

 

SCHWEIGEN

„O, falls man, wozu man christlich gewiss berechtigt ist, indem man den jetzigen Zustand der Welt und das ganze Leben betrachtet, christlich sagen müsste: es ist krank – und falls ich ein Arzt wäre: wenn dann Jemand fragte: „was meinst Du, dass geschehen muss?“ ich würde antworten: „das Erste, die unbedingte Bedingung, damit Etwas geschehen kann, also das Erste, was geschehen muss, ist: schaffe Schweigen, bringe Schweigen zuwege, das Wort Gottes kann nicht gehört werden, und soll es, durch lärmende Mittel bedient, lärmend ausgerufen werden, um im Spektakel mit gehört zu werden, so wird es nicht Gottes Wort, schaffe Schweigen! O, Alles lärmt; und wie man von einem hitzigen Getränke sagt, dass es das Blut aufregt, so ist in unsern Zeiten jedes, selbst das unbedeutendste Unternehmen, jede, selbst die nichtssagendste Mitteilung, nur darauf berechnet, die Sinne zu erschüttern oder die Masse aufzuregen, die Menge, das Publikum, den Lärm! Und der Mensch, dieser kluge Kopf, er ist wie schlaflos geworden, um neue, neue Mittel zu erfinden, den Lärm zu vergrößern, und mit möglichst großer Hast und nach möglichst großem Maßstabe das Lärmende und das Nichtssagende zu verbreiten. Ja, die Umkehrung ist wohl bald erreicht: die Mitteilung ist wohl bald zum niedrigsten Grade der Bedeutung heruntergebracht, und gleichzeitig haben die Mittel der Mitteilung wohl ungefähr einen höchsten Grad in Hinsicht eilender und Alles überschwemmender Verbreitung erreicht; denn was eilt man wohl so sehr unter die Leute zu bringen, und was hat andrerseits mehr Verbreitung, als: Geschwätz! O, schaffe Schweigen!“ (Sören Kierkegaard)

 

„Seht, dies sollt ihr fürwahr wissen: Will jemand anders in dem Tempel, das ist in der Seele, reden als Jesus allein, so schweigt Jesus, als sei er nicht daheim, und er ist auch nicht daheim in der Seele, denn sie hat fremde Gäste, mit denen sie redet. Soll aber Jesus in der Seele reden, so muss sie allein sein und muss selbst schweigen, wenn sie Jesus reden hören soll.“ (Meister Eckhart)

 

„Allzu vieler und öfterer weltlicher Gesellschaften musst du dich äußern und entziehen. Denn gleichwie dem menschlichen Leibe nicht besser ist, als wenn er in seinem Hause ist, also ist der Seele nicht besser, als wenn sie in ihrem eigenen Hause ist, das ist, in Gott ruhet, daraus sie geflossen ist, da muss sie wieder einfließen, wenn ihr wohl sein soll. Eine Kreatur ruhet nicht besser, als in dem, daraus sie geworden ist, ein Fisch im Wasser, ein Vogel in der Luft, und ein Baum im Erdreich. Also die Seele in Gott …“ (Johann Arndt)

 

SEELE

„Wie habe ich meine Seele zu lieben? Dass ich trachte mit meinem Verstand Gott, als die höchste Weisheit, mehr und mehr zu erkennen, mit meinem Willen ihn, als das höchste Gut, zu ergreifen, und alle meine Begierde allerdings auf denselben zu richten, mit meinem Gedächtnis dasjenige, was Gottes ist, zu fassen, und also solche Kräfte der Seele ihm zu heiligen, dass sie nachmal auch andere Dinge, wie es ihm gefällig ist, verstehen, ergreifen und fassen mögen: sodann in meiner Seele selbst seine Wohnung zu sein, mit ihm mehr und mehr vereiniget zu werden: Denn darinnen stehet der Seelen höchste Seligkeit.“ (Philipp J. Spener)

 

SEGEN

„Dieser Segen aber ist nicht ein leerer Schall von Worten oder ein Glückwunsch, damit Einer dem Andern etwas Gutes pflegt zu wünschen. Als, wenn ich sage: Gott gebe dir feine und gehorsame Kinder; das sind nur solche Worte, damit man Einem etwas Gutes wünscht, damit ich einem Andern nichts gebe, sondern allein etwas wünsche; und ist ein solcher Segen, der ungewiss ist und noch vom Erfolg abhängt. Dieser Segen aber des Patriarchen Isaak zeigt auch ein gegenwärtiges Gut und ist für immer gewiss. Es ist kein Wunsch, sondern er gibt ihm damit das Gut, und sagt damit zu ihm also: Siehe, nimm die Gaben hin, die ich dir mit Worten verspreche. Denn das ist ein Anderes, wenn ich sage: Ich wollte dir wünschen, dass du einen starken und gesunden Leib möchtest haben, dass du einen guten Verstand hättest; da das Wort „haben“ eben nicht folgt. Es ist aber ein Anderes, wenn ich dir einen Sack mit Geld darbiete, und sage: Siehe, nimm hin, da hast du tausend Gulden, die will ich dir schenken; oder da Christus sagt zu dem Gichtbrüchigen Matth. 9,6.: „Stehe auf, heb dein Bette auf und gehe heim“ etc. Nach gemeinem Segen, damit Einer dem Andern Gutes wünscht, hätte er gesagt: Ach wollte Gott, dass du möchtest gesund und stark sein; damit würde aber die Krankheit nicht abgeschafft, und würde darauf nicht folgen, dass der Kranke wieder zu Kräften käme. Darum ist das nur ein Wortsegen. In der heiligen Schrift aber sind tatsächliche Segen: nicht allein Segenswünsche, sondern wirkliche Segen, die das wirklich schenken und mit sich bringen, was die Worte sagen. Wie wir denn im Neuen Testament auch solche Segen haben durch das Priestertum Christi, welches unser Segen ist, wenn ich sage: Nimm hin die Absolution deiner Sünde. Wenn ich aber also sagte: Wollte Gott, dass dir deine Sünden vergeben wären; ach, dass du fromm und in Gottes Gnade wärest; oder: Ich wünsche dir von Gott Gnade und Barmherzigkeit, das ewige Reich und Erlösung von deinen Sünden: das möchte man einen Segen der Liebe heißen. Aber der Segen der Verheißung und des Glaubens und der gegenwärtigen Gaben lautet also: Ich absolviere dich von deinen Sünden im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes, das ist: Ich versöhne deine Seele mit Gott, nehme von dir den Zorn und Ungnade Gottes und setze dich in Gottes Gnade, ich gebe dir das Erbe des ewigen Lebens und das Himmelreich. Diese Dinge alle haben die Kraft und Gewalt, dass sie dir gegenwärtig und wahrhaftig gegeben werden, wenn du glaubst. Denn es sind nicht unsere Werke, sondern sind Gottes Werke durch unser Amt und Dienst. Derhalben sind es nicht solche Segen, die nur etwas wünschen, sondern die es auch mittheilen.“ (Martin Luther)

 

SEHNSUCHT

„Es ist gut, Sehnsucht zu haben, und je inniger sie ist, desto besser. Der Herr will das Sehnen der Seele sättigen, wie groß und alles andre überwiegend es auch sei. Lasst uns viel Sehnsucht haben, denn Gott will viel geben. Wir sind nie in einem rechten Seelenzustand, wenn wir mit uns selber zufrieden und frei von Sehnsucht sind. Das Verlangen nach mehr Gnade und das unaussprechliche Seufzen sind die Schmerzen des Wachstums, und wir sollten wünschen, sie immer mehr zu fühlen. Heiliger Geist, mache uns seufzen und schreien nach besseren Dingen und noch mehr von den besten Dingen!“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Das ganze Leben eines Christen ist ein heiliges Heimweh.“ (Augustinus)

 

„Mein Gut, o Herr, ist dein Gut; darum bin ich verarmt, wenn du von mir scheidest. Du bist meine Kraft, meiner Augen Licht, du bist mein Selbst, mein Alles, der Gott meines Herzens und mein Teil in Ewigkeit. Ach, wie dürres Erdreich dürstet mich nach dir. O du, der du reich bist an vollen Quellen, tränke mich und erfülle das leere Gefäß meines Geistes wiederum mit deinem Überfluss. Warum hältst du doch deinen Strom so zurück? Wehe mir, schnell floss er in unserm Tal vorüber! Schnell schwand er dahin, aber ein ewiges Verlangen zieht mich ihm nach. Kann es dir denn eine Freude sein, o Herr, meine arme Seele, die dich liebt und sucht, so lange warten und schmachten zu lassen? O, sollte dich deine Größe fernhalten, so neige dich dein Erbarmen herab, willst du dich dem Geliebten nicht hingeben, so hilf doch dem Betrübten. Betrübt bin ich und sehr gebeugt, mein Herz seufzt und schreit, dass es dich nicht findet. O Herr, wo ist die Menge deiner Liebe und deines herzlichen Erbarmens? Komm und tröste meine Seele, die sich im Kummer verzehrt.“ 

Gilbert (12. Jh.) 

 

„Weint, meine Augen, über den bitteren Abschied, den mein himmlischer Vater von mir genommen hat. Sein Zorn liegt schwer auf mir, seine Gnade ist gewichen, Schmerz, Furcht und Bedrängnis haben sich um mich gelagert. Ich sitze in Finsternis und sehe das Licht des Himmels nicht mehr; hart ist mein Herz und voll von Unmut. Trocken bin ich, denn keine geistliche Speise will mir schmecken: nicht Lesen, nicht Singen, nicht Beten. Mir selber eine Last und Beschwerde, bin ich zur Arbeit träg, und die Einsamkeit ist mir peinlich. Ich esse, trinke und spreche, um nur die Zeit zu verbringen. Ach, welch trauriger Wechsel! wo bin ich hingeraten? Vom Himmel in die Hölle, vom Leben des Geistes ins Leben des Fleisches, von der Wahrheit in die Eitelkeit. O Gott, mein Vater, höre mein Geschrei, siehe an meine Not! Komm wieder, o Herr, komm wieder mit deiner Gnade!“ 

Gerson (+1429) 

 

SELBSTERKENNTNIS 

„Den Menschen zu erkennen ist so mühsam, wie einen Tintenfisch fangen. Denn wie dieser sich in seinem schwarzen Safte verbirgt, damit man ihn nicht greifen kann, so entwickelt der Mensch, sobald er merkt, dass man an ihn will, plötzlich so dichten heuchlerischen Wolkendunst, dass auch das schärfste Auge ihn nicht fassen kann. (Beweis sind: 1. Kor. 2,11, Jer. 17,9 f.) ... Aus diesen Zeugnissen erhellt: der Mensch kann nicht vom Menschen erkannt werden. Seine Frechheit im Lügen, seine Bereitwilligkeit, zu leugnen und zu verleugnen ist so groß, dass er, wenn Du glaubst, ihn irgendwo gefasst zu haben, längst durch eine Hintertür entschlüpft ist. Sagst Du: Der Prophet bezeugt öffentlich, dass das Menschenherz böse sei Jer. 17,9, so gleitet er Dir sofort aus den Händen durch die Erklärung, „böse“ stehe hier für „geneigt zum Bösen“, und betreffe nicht alle Menschen. Dabei hat er im Auge, wenn ihm die Ablösung einiger von der totalen Verderbtheit gelingt, dass er dann auch zu diesen Glücklichen gerechnet werde, oder er zielt auf den Ruhm und die Unschuld eines stets ehrbaren Herzens. Da man also zu den Verborgenheiten des menschlichen Herzens keinen Zugang finden kann, müssen wir jedenfalls verzweifeln, es zu erkennen. Sei’s drum! Möge jeder sich selbst erkennen, von einem anderen wird er doch nicht erkannt, obwohl er solchen Vorrat an Eigenliebe besitzt, dass nur wenige, ja, gar keine durch diesen Berg hindurch zur Selbsterkenntnis durchstoßen können. So wird man die Geheimnisse des Menschenherzens nur unter der Leitung Gottes, des himmlischen Baumeisters des Menschen, erkennen können. Der hat den Menschen geschaffen und kennt nun alle Tiefen seiner Schliche und ihren Ursprung ... Bei Gott also, dem Schöpfer des Menschen, muss man die Erkenntnis des Menschen suchen, so gut wie die Gotteserkenntnis. Nur aus verschiedenen Ursachen. Die Erkenntnis Gottes ist unserem Verstande versagt, weil sie zu glänzend und licht ist für seine Schwäche; die Erkenntnis des Menschen aber wegen seiner Frechheit und Bereitwilligkeit im Lügen und Erdichten.“ (Ulrich Zwingli)

 

SELBSTLIEBE

„Woran erkennet man solche unziemliche Selbstliebe? Daran, wann der Mensch, der in allen Dingen die Ehre seines Gottes und Vollbringung des göttlichen Willens sich zum letzten Ziel und äußersten Zweck setzen sollte, an dessen Statt sich selbst, das ist seine eigene Ehre, Nutzen, Lust und Willen sucht, und aus solchem Antrieb alles sein Tun oder einiges verrichtet. Also auch, wo er auf sich selbst, das ist auf seine eigene Kraft, Macht und Weisheit vertraut, ist es eine Anzeige solcher unordentlichen Selbstliebe: oder, wo man sich die Ehre dessen zumisst, was man getan hat.“ (Philipp J. Spener)

 

„Um den Menschen für die Erbsünde zu strafen, hat Gott ihm erlaubt, sich aus seiner Eigenliebe einen Götzen zu schaffen, der ihn nun zeitlebens bei allen seinen Taten quält.“ (Rochefoucauld)

 

SELBSTVERLEUGNUNG

„Was ist solche Selbstverleugnung? Wo der Mensch durch göttliche Gnade seine Nichtigkeit, und hingegen die göttliche Majestät und Gütigkeit erkannt hat, den Entschluss fasst, sich selbst in keinem Ding mehr zu suchen, und also seine unordentliche Liebe in die rechte Ordnung unter Gott zu bringen, damit er sich hinfürter nicht anders liebe, als unter Gott, und wie derselbe in ihm geliebet werden will.“ (Philipp J. Spener)

 

„Wenn einer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst“. Wie Petrus in der Verleugnung Christi sagte: ich kenne diesen Menschen nicht, so soll der Nachfolgende nun zu sich selbst sagen. Selbstverleugnung kann niemals aufgehen in einer noch so großen Fülle einzelner Akte der Selbstzermarterung oder asketischen Übungen; es heißt nicht Selbstmord, weil auch hier noch der Eigenwille des Menschen sich durchsetzen kann. Selbstverleugnung heißt nur Christus kennen, nicht mehr sich selbst, nur noch ihn sehen, der vorangeht, und nicht mehr den Weg, der uns zu schwer ist. Selbstverleugnung sagt wiederum nur: Er geht voran, halte dich fest an ihn.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

„Als Gott alle Dinge schaffen und machen wollte, da hatte er nichts vor sich als das Nichts. Daraus allein schuf er ein Etwas; er schuf alle Dinge aus dem Nichts. Wo Gott in der ihm eigentümlichen Weise wirken soll und will, braucht er nichts als das Nichts. Das Nichts ist geeigneter als alles, was ist, in leidender Weise das Wirken Gottes zu erfahren. Willst du ohne Unterlass stets empfänglich sein für all das, was Gott seinen auserwähltesten Freunden geben kann oder will und in ihnen wirken, an Sein und Leben? Willst du, dass er dich mit seinen Gaben überströme? Dann befleißige dich vor allen Dingen (zu begreifen), dass du in deinem Grunde in Wahrheit nichts seiest.“ (Johannes Tauler)

 

SELIGKEIT  

„Obwohl Gott seine Gläubigen angezeigter Maßen in seiner Kirche begnadet, so ist doch dasselbe alles eine angefangene und unvollkommene Seligkeit, die er ihnen völlig widerfahren lässt, wenn er die Seele durch den zeitlichen Tod von dieser Welt abfordert, den Leib an dem jüngsten Tage mit der Seele vereinigen und also den ganzen Menschen in eine ewige unaussprechliche Seligkeit versetzen wird.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Worinnen besteht aber solche ewige Seligkeit? Dass sie, die Seligen, nunmehr Gott vollkömmlich erkennen, und ihn sehen von Angesicht zu Angesicht, mit ihm vollkommen vereiniget sind, als der in ihnen und allen Menschen alles ist, und daher solcher Freude und Herrlichkeit, die wir jetzo weder fassen noch verstehen können, genießen, und solches alles ohne Ende und Aufhören.“ (Philipp J. Spener)

 

SORGE

„Was soll unsere allergrößte und beständige Sorge sein? Dass wir mögen im Leben, Sterben und nach dem Tod, und also in Zeit und Ewigkeit, mit Gott, als unserem alleinigen höchsten Gut unzertrennlich vereiniget sein.“ (Philipp J. Spener)

 

STAAT

„Die Obrigkeit ist das von Gott eingesetzte weltliche Amt, welches durch Erlassung nötiger und guter Gesetze, Handhabung der Rechtspflege und der äußerlichen Zucht im Einklange mit dem göttlichen Moralgesetz dem dreieinigen Gott zu Ehren und dem Menschen zum zeitlichen Wohle verwaltet werden soll.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat, in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge trägt. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die Kirche über ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden.“ (Barmer theol. Erklärung)

 

STELLVERTRETUNG

„Gott ist nicht nur im höchsten Grade barmherzig, sondern auch im höchsten Grade gerecht. Und seine Gerechtigkeit (wie er sich in seinem Worte offenbart hat) fordert, dass unsere Sünden, die gegen seine unendliche Majestät begangen worden sind, nicht nur mit zeitlichen, sondern auch mit ewigen Strafen, beides an Leib und Seele, gestraft werden. Diesen Strafen können wir nicht entgehen, es sei denn, dass der Gerechtigkeit Gottes Genüge getan wird. Da wir aber nicht selbst Genüge tun und uns vom Zorn Gottes befreien können, hat Gott aus unendlicher Barmherzigkeit seinen eingeborenen Sohn zum Bürgen gegeben, der, um für uns Genugtuung zu leisten, für uns oder an unserer Statt zur Sünde und zum Fluch am Kreuze geworden ist. Dieser Tod des Sohnes Gottes ist das einzige und vollkommene Opfer und die einzige und vollkommene Genugtuung für die Sünden, von unendlicher Kraft und unendlichem Wert, überreich genug zur Versöhnung der Sünden der ganzen Welt.“ (Lehrregel von Dordrecht)

 

„Wir sollen daher mit Dank und gewisser Zuversicht diese überaus liebliche und tröstliche Lehre aufnehmen, welche lehrt, dass Christus, der für uns ein Fluch geworden ist (das heißt, ein dem Zorne Gottes unterworfener Sünder), unsere Person annehme und unsere Sünden auf seine Schultern lege, und spreche: Ich habe die Sünden begangen, welche alle Menschen sich haben zu Schulden kommen lassen. Darum ist er in Wahrheit ein Fluch geworden nach dem Gesetze, nicht für sich, sondern, wie Paulus sagt: „für uns“. Denn wenn er nicht meine, deine und aller Welt Sünde auf sich genommen hätte, so hätte das Gesetz kein Recht zu ihm gehabt, da es nur die Sünder verdammt und unter dem Fluche hält. Darum hätte er weder ein Verfluchter werden, noch sterben können, da die Ursache des Fluches und des Todes die Sünde ist, von der er frei war. Aber weil er unsere Sünden, nicht gezwungen, sondern freiwillig auf sich genommen hatte, so musste er die Strafe und den Zorn Gottes tragen, nicht für seine Person, welche gerecht und (für die Sünde) unüberwindlich war, darum konnte diese Person nicht schuldig werden, sondern für unsere Person. So hat er zu unserem Besten mit uns gewechselt und unsere sündliche Person an sich genommen und uns seine unschuldige und siegreiche Person geschenkt. Mit dieser angetan und bekleidet, werden wir von dem Fluche des Gesetzes befreit, weil Christus selbst willig für uns ein Fluch geworden ist.“ (Martin Luther)

 

STRAFE

„Die Strafe ist das Leiden, womit Gott den Sünder die Schuld seiner Übertretung bezahlen lässt und seine Majestät sowie die Heiligkeit des Gesetzes, die durch den Sünder angefochten sind, bestätigt.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Gott strafet mit Maßen, nicht im Zorn und Grimm; er züchtiget, wie ein Vater seinen Sohn; er verwundet, darum, dass er heile, 1 Sam. 2,6. Summa, er tut alles uns zur Besserung, Heil, Leben und Seligkeit, eben darum, dass wir ihn lernen fürchten, seine Güte und Treue erkennen, ihm vertrauen und in allen Nöten anrufen. Wie ein fromm Kind, vom Vater gezüchtiget, anfähet sich zu bessern, mehr denn zuvor den Vater fürchtet und liebet, denn es weiß, dass er‘s gut mit ihm meinet. Der Teufel aber, wo ihm Gott verhängt, betrübet, schrecket, verwundet und strafet, nicht wie ein Vater sein Kind, sondern wie ein Henker einen Straßenräuber, der Meinung, dass er den, so er anficht, in Verzweiflung treibe, vor großem Leid ermorde und ewiglich verderbe; er führet in die Hölle und nicht wieder heraus; all sein Tun ist dahin gerichtet: Nur tot, nur tot.“ (Martin Luther)

 

„Gott verhänget dem Teufel, dass er die Welt um ihrer Sünden, Undanks und Verachtung willen durch mancherlei Krankheit, Trübsale und Widerwärtigkeit, als Pestilenz, Krieg, teure Zeit, ängstet und plaget, also, dass alles Jammers und Unglücks der Teufel, nicht Gott, ein Stifter und Ursacher ist; wie aus den Sprüchen Luk. 13. und Apost. 10,38., droben angezogen, zu sehen ist. Was nun zum Tode dienet und hilft, es sei und heiße wie es wolle, das ist des Teufels Instrument und Handwerk, das er ohne Unterlass in der Welt übet und treibet. Wiederum, was zum Leben dienet, das ist Gottes Gnade, Gabe und Wohltat. Zwar er tötet auch, aber zum Leben; wie Hanna in ihrem Liede singet: „Der Herr tötet und macht wieder lebendig“, 1 Sam. 2,6. Wenn aber gottlos Wesen und allerlei Sünde überhand nimmt, so muss der Teufel unsers Herrn Gottes Henker sein. Zur Zeit der Pestilenz bläset er in ein Haus; was er ergreift, das nimmt er hinweg.“ (Martin Luther)

 

„Wenn Gott redet, zürnt, eifert, straft, so ist das ein gewisses Zeichen, dass er uns wohl will und günstig ist. Wenn er aber spricht: „Ich will dich nicht mehr strafen, sondern schweigen und meinen Eifer von dir nehmen, dich in deinem Sinnchen hingehen und machen lassen, wie es dich gelüstet“, so ist das ein Zeichen, dass er sich von uns abgewandt hat. Aber die Welt und unsere Vernunft kehren es stracks um und halten das Gegenteil für wahr, dass Gott die liebhat, denen er wohltut, und denen feind ist, die er straft.“ (Martin Luther)

 

„Ungezüchtigt bleiben würde ein verhängnisvolles Zeichen sein: es würde beweisen, dass der Herr gesprochen: „Er hat sich zu den Götzen gesellet; so laß ihn hinfahren.“ Gott gebe, dass dies niemals unser Teil sein möge. Ununterbrochenes Wohlergehen ist etwas, was Furcht und Zittern verursachen muss. Die, welche Gott zärtlich lieb hat, straft und züchtigt er; denjenigen, die er nicht wert hält, gestattet er, sich ohne Furcht zu mästen, wie die Ochsen zur Schlachtbank. In Liebe gebraucht unser himmlischer Vater die Rute bei seinen Kindern. Doch sehet, das Stäupen ist „mit Maße“: Er gibt uns Liebe ohne Maß, aber Züchtigung „mit Maße“ (…). Es ist das Maß der Weisheit, das Maß des Mitgefühls, das Maß der Liebe, wonach unsre Züchtigung angeordnet wird. Fern sei es von uns, gegen so göttliche Bestimmungen uns aufzulehnen. Herr, wenn du dabei stehst und die bitteren Tropfen in meinen Kelch hinein missest, so ist es an mir, fröhlich diesen Kelch von deiner Hand zu nehmen, nach deiner Anweisung zu trinken und zu sprechen: „Dein Wille geschehe.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Denn es folgt doch gemeiniglich am Ende nach der Sünde auch die Bezahlung; nicht, sage ich, eine papistische Genugtuung, sondern die Strafe Gottes. Denn Gott verzeiht und vergibt ja wohl die Sünde, aber damit der Sünder nicht darüber einschlafe und gar sicher werde, und sich der Sünden noch wohl dazu rühme, als hätte er es wohl ausgerichtet und wäre Alles wohl getan, so kommt Gott mit der eisernen Rute, sucht heim und straft die Sünde der Väter an den Kindern in das dritte und vierte Glied. Warum tut er aber das? Nicht tut er es, als ob man mit solcher Strafe für die Sünde könnte genug tun; denn er lässt sich mit unserer Strafe nicht also zufriedenstellen, sieht solche unsere Genugtuung nicht an: sondern er straft darum, dass der Sünder nicht schnarche und gar sicher werde, oder sich seiner begangenen Bosheit und Sünden noch rühmen soll; sondern dass uns die begangene Sünde beiße, töten und zwingen soll zu erkennen, wie groß und schwer die Sünde sei; dass wir also darüber weinen, seufzen und Gott um Gnade anrufen, auf dass sie uns ohne Verdienst, aus Gnaden, um Christi Jesu willen möge vergeben werden, dieweil ja solche Gnade von Gott verheißen ist denen, so über ihre Sünden weinen, dieselben bekennen, sich leid sein lassen und also wahrhaftige Buße tun. Und wenn Gott die Sünde nicht also strafte, würden wir nicht allein schnarchen und die Sünde gar verachten, sondern würden sie noch wohl dazu täglich häufen, und deren immer mehr und noch größer machen, denn die vorigen gewesen (…..). Denn wo wir die Größe der Sünde nicht mit rechtem Fleiß bedenken werden, so wird sie Gott selbst groß achten. Werden mir uns nicht selber richten, so wird uns der Herr richten. Und es ist doch noch eine große Wohltat, dass uns Gott zu unserer eigenen Seligkeit richtet und straft, und nicht zur Verdammnis, wie Judas und Saul gerichtet sind.“ (Martin Luther)

 

SUIZID

„Diejenigen, welche sich selbst erhängen oder sonst töten, leiden Gewalt vom Teufel, wie der, welcher von einem Räuber getötet wird. Sie sind ihrer selbst nicht mächtig, darum kann ich sie nicht verdammen, obgleich man dies dem Volke nicht sagen muss. Und der Teufel muss zu Zeiten so hart sein, und solche Beispiele müssen den Menschen vor Augen gestellt werden, sonst würde niemand Gott fürchten. O man muss hart mit solchen Gedanken (nämlich des Selbstmordes) umgehen, dass man sie überkomme, wiewohl man auch hart umgehen muss mit solchen Toten, sie verbrennen etc., damit die Welt geschreckt werde.“ (Martin Luther)

 

SÜNDE

„Die Sünde ist die Abweichung vom Gesetz Gottes.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Was ist und heißt Sünde vor Gott? Alles, was wider Gottes Gesetz oder die Zehn Gebote ist, nicht allein was im Werk und mit der Tat, äußerlich und innerlich dawider geschieht, sondern auch was in unserer Natur dem Gesetze ungemäß und zuwider ist. Röm. 3 und 7.“ (Martin Chemnitz)

 

„Unter Sünde verstehen wir aber jene angeborene Verderbtheit des Menschen, die von unseren Voreltern auf uns alle übertragen und fortgepflanzt wurde. Durch sie sind wir versunken in verkehrte Begierden, abgewandt vom Guten, aber geneigt zu allem Bösen, erfüllt mit aller Schlechtigkeit, Misstrauen, Verachtung und Hass gegen Gott und können aus uns selbst nichts Gutes tun, ja nicht einmal denken. Indem wir uns also jahraus jahrein ständig mit bösen Gedanken, Worten und Werken gegen Gottes Gesetz versündigen, bringen wir schlechte Früchte hervor, wie es ein schlechter Baum nicht anders kann (Mt. 12,33ff.). Aus diesem Grunde sind wir ganz nach unserem Verdienst dem Zorne Gottes verfallen und werden gerechten Strafen unterworfen; so wären wir auch alle von Gott verstoßen, wenn uns nicht der Erlöser Christus wieder hergestellt hätte. Unter Tod verstehen wir nicht nur den leiblichen Tod, den wir alle einmal um der Sünden willen erleiden müssen, sondern auch die ewigen Strafen, die uns für unsere Sünden und unsere Verdorbenheit gebühren.“ (Heinrich Bullinger)

 

„Wenn man sagt, die menschliche Natur kenne und wolle das Gute im allgemeinen und aufs Ganze gesehen, aber im Einzelfalle irre sie und wolle das Gute nicht, so müsste man besser so sagen, dass sie im Einzelfalle das Gute kennt und will, aber im allgemeinen kennt und will sie’s nicht. Der Grund dafür ist der: sie kennt nur ihr eigenes Gute, d.h. was ihr als gut, ehrenhaft und nützlich gilt, nicht aber, was für Gott und die anderen gut ist. Und so kennt und will sie das Gute im besonderen, ja nur für sich allein. Das stimmt mit der Schrift überein (vgl. Jes. 2,9-22), die den Menschen als einen beschreibt, der so sehr in sich verkrümmt ist, dass er nicht nur die leiblichen, sondern auch die geistlichen Güter auf sich verdreht und sich in allem sucht.“ (Martin Luther)

 

„Je klarer, unverhüllter, unverhohlener, die innere Nichtübereinstimmung von Gott und Mensch erkannt wird, um so angemessener und innerlicher wird die Übereinstimmung der Seele mit Gott sein, die da entsteht und zu der man gelangt. Luzifer hat seine Ungleichheit mit Gott nicht erkannt, als er ihm gleich werden wollte; darum ist er in eine unaussprechliche Gottesferne gestürzt, hat jegliche Gottesnähe verloren und jede Hoffnung, sie jemals wieder zu erlangen. Die lieben, edlen Engel aber wandten ihren Blick auf ihre Ungleichheit (gegenüber Gott) und gelangten so zu einem unaussprechlichen Einklang mit ihm.“ (Johannes Tauler)

 

„Die Erbsünde begreift wesentlich in sich als negative Seite den Mangel der ursprünglichen Gerechtigkeit und als positive Seite die böse Begierde oder die Neigung zu allem Bösen.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die Erbsünde ist die natürliche und allen Menschen angeborene Krankheit, Seuche, und Gebrechen, welches nicht nur bewirkt, dass wir ohne Furcht und Vertrauen gegen Gott, und durch die böse Lust ganz verderbt sind: sondern uns auch der ewigen Verdammnis schuldig macht, wenn nicht die Wiedergeburt dazwischen kommt.“ (Leonhard Hutter)

 

„Die Erbsünde ist, wie droben gemeldet, eine tiefe Verderbung, dadurch die menschliche Natur an Leib, an Seele und an allen Kräften ganz und gar, durch und durch, zu Grunde verkehret und verderbet ist, also dass vor Gott, sonderlich in geistlichen Sachen, nichts Gutes im Fleische wohne, Röm. 7, sondern alles Dichten und Trachten des menschlichen Herzens von Natur nur böse sei, Gen. 6 und 8. Und wie tief, greulich und schwer der Erbschade sei, weiß und kennet keine Vernunft nicht, sondern es muss aus der Schrift Offenbarung gelernet und geglaubet werden. Denn des Menschen Herz ist so böse und verderbt, dass es unerforschlich ist, Jerem. 17, und ist der Erbschade so groß, dass er allein durch des H. Geistes Wiedergeburt und Erneuerung kann geheilet werden, welches doch in diesem Leben nur angefangen, aber allererst in jenem Leben vollkommen sein wird.“ (Martin Chemnitz)

 

„Das Gesetz Gottes, bekennen wir, ist durchaus gerecht, gut, heilig und vollkommen, indem es solche Dinge befiehlt, die, vollkommen erfüllt, im Stande wären, das Leben zu geben und den Menschen ewig selig zu machen. Aber unsre Natur ist so verderbt, so schwach und unvollkommen, dass wir niemals im Stande sind, die Werke des Gesetzes vollkommen zu erfüllen, ja, wenn wir sagen, wir haben keine Sünde (auch nachdem wir wiedergeboren sind), so betrügen wir uns selbst und die Wahrheit Gottes ist nicht in uns. Und darum ist es nötig, dass wir Jesum Christum ergreifen mit seiner Gerechtigkeit und Genugtuung, welcher das Ende und die Erfüllung des Gesetzes ist für alle, die da glauben…“ (John Knox)

 

„Der Sündenfall oder die erste Sünde im menschlichen Geschlecht ist die Übertretung des ersten Menschen, in welcher er vom Satan verführt und seinen freien Willen missbrauchend das paradiesische Gesetz übertrat und damit auf alle Menschen Tod und Verderben gebracht hat.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Der Fall Adams ist der Ungehorsam wider Gott, dadurch sich der Mensch von Gott abgewendet hat zu ihm selbst, und Gott die Ehre geraubet, indem er selbst Gott sein wollen; dadurch er des heiligen Bildes Gottes beraubet, nämlich der vollkommenen Erbgerechtigkeit und Heiligkeit. Im Verstande verblendet, im Willen ungehorsam und Gott widerspenstig, in allen Kräften des Herzens verkehret, und Gottes Feind worden, welcher Gräuel auf alle Menschen durch fleischliche Geburt fortgepflanzet und geerbet wird, dadurch der Mensch geistlich tot und gestorben, ein Kind des Zorns und der Verdammnis ist, wenn er nicht durch Christum erlöset wird.“ (Johann Arndt)

 

„Der Mensch ist von Anbeginn nach dem Bilde Gottes geschaffen, in seinem Verstande mit einer wahren und seligen Erkenntnis seines Schöpfers und anderer geistlicher Dinge geschmückt, in seinem Willen und Herzen mit Gerechtigkeit, in all seinen Neigungen mit Reinheit, und war demgemäß ganz heilig. Aber auf Anstiftung des Teufels und nach seinem freien Willen sich von Gott abwendend beraubte er sich selbst dieser vortrefflichen Gaben und holte dagegen an deren Stelle Blindheit, fürchterliche Finsternis, Eitelkeit und Verkehrtheit des Urteils in seinem Verstande, Bosheit, Widersetzlichkeit und Verhärtung in seinem Willen wie auch Unreinheit in all seinen Neigungen über sich. Wie der Mensch nun nach dem Fall beschaffen war, solche Kinder zeugte er auch, nämlich als ein Verderbter verderbte, also, dass die Verderbnis nach Gottes gerechtem Urteil von Adam auf alle seine Nachkommen (Christus allein ausgenommen) gekommen ist (…). So werden denn alle Menschen in Sünden empfangen und als Kinder des Zorns geboren, untüchtig zu allem seligmachenden Guten, geneigt zum Bösen, tot in Sünden und als Sklaven der Sünde. Sie wollen und können weder zu Gott zurückkehren noch ihre verderbte Natur bessern oder sich zu deren Besserung bereit finden ohne die Gnade des wiedergebärenden Heiligen Geistes.“ (Lehrregel von Dordrecht)

 

„Der Eigenwille gleicht einem giftigen und tödlichen Kraut, dessen Genuss der erfahrenste Arzt schon den ersten Menschen im Paradies verbot. Doch wollten sie seiner Vorschrift nicht gehorchen. Und da sie gegessen, wurden sie aussätzig und zeugten aussätzige Kinder. Obwohl diese nun wissen, dass ihre Eltern durch jenes Kraut krank wurden und starben, so lieben sie es doch vor allen und würzen alle ihre Speisen damit.“ 

Anselm (+1109) 

 

„Die selige und heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und Geist, schuf die menschliche Seele nach ihrem Bilde und Gleichnis, da sie ihr Gedächtnis, Vernunft und Willen und damit Macht, Weisheit und Reinheit gab. Allein von dieser höchsten und herrlichsten Dreiheit fiel die Seele in eine entgegengesetzte und hässliche: in Schwäche, Blindheit und Getrübtheit. Denn das Gedächtnis ward ohnmächtig, die Vernunft finster, der Wille unrein. Das Gedächtnis im Besondern, gleichsam auf Felsen herabstürzend, zerspaltete sich wiederum in die Dreiheit von leidenschaftlichen, beschwerlichen und müßigen Gedanken. Auch der Fall der Vernunft war ein dreifacher. Sie sollte unterscheiden zwischen gut und böse, Wahrheit und Irrtum, Vorteil und Schaden. In diesem Geschäft aber ist sie so erblindet, dass sie oft Böses für Gutes, Irrtum für Wahrheit, Schaden für Vorteil ansieht. Auch der Wille endlich, der mit dem höchsten Gute vereint und verbunden bleiben sollte, ging vermittelst der Augenlust, der Fleischeslust und des hoffärtigen Wesens ganz in die Liebe der Welt und des Irdischen ein.“

Bernhard (+1153) 

 

„Der Mensch war ursprünglich frei geschaffen, aber, nachdem die Sünde gekommen ist, hat sich sein Zustand sehr verändert. Die Seele, welche nach eigner Bestimmung fiel, kann sich nicht wieder von selbst erheben und will sich nicht wieder erheben, weil sie in eitle Liebe versunken ist. Sie kann die Sünde nicht lassen und kann sich doch auch ihretwegen nicht entschuldigen. So herrscht nun hier ein Zwang, der sich stets selber macht, eine Gewalt, die drückend schmeichelt und schmeichelnd drückt, eine Last, die als Lust gilt. Der Mensch erduldet eine Knechtschaft, die um so schmählicher erscheinen muss, je mehr er selber ihr beständiger Urheber ist.“ 

Bernhard (+1153) 

 

„Ich kenne jemand, der lange Jahre vertraut mit dir gelebt hat, der von deinem Tische gegessen, Speise aus deiner Hand empfangen, an deinem Busen geschlafen, so oft er wollte, mit dir gesprochen hat; dem Rechte nach ist er dein Knecht. Aber weil du ihn von Jugend an so zärtlich gehalten und mit der Rute verschont hast, ist er widerspenstig geworden und dir über den Kopf gewachsen, hat dich zum Knecht und sich zum grausamen Gebieter gemacht. Doch, wirst du sprechen, wen meinst du? Deinen alten Menschen meine ich, der deinen Geist mit Füßen tritt, allein an irdischen Dingen Lust findet und nichts nach dem Himmel fragt. Dieser Mensch ist von Jugend an blind, taub und stumm, ergraut in der Bosheit, der Tugend und Wahrheit widerstrebend, ein Feind des Kreuzes Christi. Er lacht über Unschuld und einfache Sitte, scheut sich vor niemand, erhebt sich hochmütig, spricht in seinem Herzen: Es ist kein Gott! Er nährt sich von unreinen Gedanken, verprasst sein Eigentum wie der Verschwender, reißt fremdes an sich wie der Geizhals. Er ist ganz in Sünden geboren und erwachsen, ein Freund der Ungerechtigkeit, ein Kind des Todes, ein Gefäß des Verderbens. Was meinst du nun dazu? Wärest du klug, so sprächest du mit mir: Er ist des Todes schuldig…“

Meditationes (Augustini) 

 

 

„Entblödest du dich nicht, o Mensch, das Haupt nach oben zu richten, da doch dein Herz auf Erden kriecht? Gedenke deines Adels und schäme dich deiner Verworfenheit! Einstmals warst du mit Ruhm und Ehre gekrönt, über alle Werke Gottes gestellt, ein Bewohner des Paradieses, ein Mitbürger der Engel und ein Genosse des Herrn Zebaoth. Und wo bist du nun hingeraten? In das Land der Trübsal, da Arbeit, Schmerz und Seelennot herrscht; du bist dem Abgrunde der Hölle nahe gekommen. Aber es geht dir wie einem Knaben, der im Kerker geboren und erzogen ist und, weil er das Licht nie gesehen hat, sich über die Angst und Traurigkeit seiner Mutter verwundert. Sie weiß wohl, warum sie trauert; weil sie das Gute kennt, ist ihr das Böse bitter und drückend. Dir scheinen geringe Übel sogar große Güter zu sein und, weil du an starke Fesseln gewöhnt bist, hältst du kleinere Ketten noch für Werkzeuge des Spieles. O Mensch, hast du die Scham so verloren, die sich für eine edle Kreatur gebührt, bist du gegen den Schmerz gefühllos geworden, so verliere nur nicht auch die Furcht noch und werde nicht unvernünftiger als die Tiere. Man belädt den Esel und quält ihn mit vieler Arbeit; es kümmert ihn nicht. Aber willst du ihn ins Feuer treiben, willst du ihn in eine Grube stoßen, so widerstrebt er aus allen Kräften, denn er liebt das Leben und fürchtet den Tod. So fürchte dich nun, o Mensch, vor dem Gerichte dessen, in dessen Hände zu fallen erschrecklich ist.“ 

Bernhard (+1153) 

 

TAUFE

„Die Taufe ist die von Gott eingesetzte Handlung, in welcher ein Sünder im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heil. Geistes ins Wasser getaucht oder mit Wasser besprengt wird, damit er also wiedergeboren und der Vergebung der Sünden und des ewigen Lebens teilhaftig werde.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Was ist die Taufe? Die Taufe ist nicht allein schlecht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasst, und mit Gottes Wort verbunden.“ (Kl. Katech. zitiert nach L. Hutter)

 

„Die heilige Taufe ist ein Sakrament, dadurch Gott der Herr die Menschen durch Wasser und Geist zu geistlichen Leuten von neuem gebiert, von Sünden reinigt, zu seinen Kindern aufnimmt und einen Gnadenbund mit ihnen aufrichtet, mit der Versicherung, wo sie mit beständigem Glauben darin beharren werden, dass sie die ewige Seligkeit ererben sollen.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Soll man auch die jungen Kinder taufen? Ja, denn weil sie wie die Alten in den Bund Gottes und seine Gemeinde gehören und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von Sünden und der heilige Geist, der den Glauben wirkt, nicht weniger als den Alten zugesagt wird; so sollen sie auch durch die Taufe als Zeichen des Bundes der christlichen Kirche eingeleibt und von den Kindern der Ungläubigen unterschieden werden, wie es im alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist, an deren Stelle im neuen Testament die Taufe eingesetzt ist.“ (Heidelberger Katechismus)

 

„Der nächste Endzweck der Taufe ist endlich der, in dem Menschen die Heilsgnade zu wirken: weil aber auch das Wort Gottes die gleiche Aufgabe hat, so wird die Taufe nur da diese Aufgabe zu vollziehen haben, wo sie früher als das Wort an den Menschen kommt: dies geschieht bei den Kindern, welche für die Predigt des Evangeliums noch nicht empfänglich sind. Bei Erwachsenen aber, welche bei bereits entwickelter Vernunft die Predigt des Evangeliums vernehmen können, geht das Wort voran und übt seine Wirkung vor dem Sakrament. Dieses aber dient alsdann dazu, die durch das Wort bereits hervorgebrachte Wirkung zu versiegeln und zu befestigen. Bei den Erwachsenen, an denen die Taufe noch erst vollzogen werden soll, wird daher auch der Glaube als die Bedingung, unter der die Taufe eine gesegnete Wirkung haben soll, in Anspruch genommen, was bei Kindern nicht geschehen kann, woraus aber für letztere in keiner Weise folgt, dass ihnen darum die Taufe noch vorenthalten werden darf, denn sie sind gleich sehr wie die Erwachsenen der Gnade bedürftig und von Gott zu derselben eingeladen, und ihnen dient eben die Taufe dazu, diesen Glauben in ihnen zu wirken.“ (Heinrich Schmid)

 

„Dir, o ewiger und barmherziger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, sage ich demütigen Dank, dass du mich durch das heilige Bad der Taufe von allen Sünden abgewaschen, in den Bund der Gnade, aufgenommen und zum Erben des ewigen Lebens eingesetzt hast. Ich erkenne es als dein Geschenk an, dass ich von christlichen Eltern geboren und durch dieselben zu jener himmlischen Quelle gebracht worden bin. Wie viele Millionen Kinder werden fern im Heidentum geboren, welche ohne dieses heilsame Sakrament in ihren Sünden sterben! Von jenen hat mich nicht die Natur abgesondert, sondern allein deine überschwängliche Gnade. Ich war ihnen durch die Gemeinschaft der Schuld verbunden, aber durch die Mitteilung deiner Gnade bin ich von ihnen abgesondert worden. Wie groß ist diese deine Güte, dass du den gefunden hast, der dich noch nicht suchte, dass du den erhört hast, der dich noch nicht bat, dass du dem aufgetan hast, der noch nicht anklopfte! Diese deine Barmherzigkeit kann nicht genug gepriesen, ja auch nicht genug bewundert werden. Ich bin in deinem heiligen Namen getauft, dein Name ist über mich angerufen worden; ich bin also wirklich in die himmlische Familie aufgenommen, zu einem Sohne des himmlischen Vaters, zu einem Bruder Christi, und zu einem Tempel des heiligen Geistes gemacht worden. Heilig und himmlisch ist dieses Bad; ich bin also wirklich in demselben von allen Unreinigkeiten abgewaschen und gereinigt worden. Es ist ein Bad der Wiedergeburt und Erneuerung; ich bin also wirklich mittelst desselben durch des heiligen Geistes Gnade wiedergeboren und erneuert worden. Was Christus, mein Heiland, durch seinen allerheiligsten Gehorsam und durch die Vergiessung seines kostbarsten Blutes verdient hat, das hat er alles in die heilsame Quelle der Taufe gleichsam niedergelegt. Die Mitteilung der Taufe ist daher eine Besprengung mit dem Blute Christi. Jenes kostbare Blut Christi reinigt mich von allen Sünden, und macht mich schneeweiß in Gottes Augen. Einen ewigen Bund hast du, o ewiger Gott, durch die Taufe mit mir aufgerichtet, zu dem mir durch wahre und ernstliche Buße immer die Rückkehr offen steht. Du hast mich mit dir verlobt in Ewigkeit, in Gerechtigkeit und Gericht, in Gnade und Barmherzigkeit; du hast mir in der Taufe das Angeld und Pfand des Geistes gegeben; also wirst du mich nicht von deinem Angesichte verwerfen, sondern eingedenk deiner Verheißung wirst du mich zur Freude der himmlischen Hochzeit führen. Wie bei der Taufe Christi, meines Mittlers und Hauptes, sich die Himmel auftaten, so hast du mir durch die Teilnahme an seiner Taufe die Türe des Paradieses geöffnet. Wie bei der Taufe Christi der heilige Geist auf ihn herabfuhr und die Stimme des himmlischen Vaters versicherte, dass dies sein lieber Sohn sei, so bin ich durch die Teilnahme an seiner Taufe des heiligen Geistes teilhaftig und zu einem Sohne Gottes angenommen worden. Für diese unermessliche Wohltat danke ich dir, mein Gott, in Ewigkeit! Amen.“ (Johann Gerhard)

 

TEUFEL

„Und mag der Teufel mit seinem großen Ungestüm gegen den Gläubigen anrennen, um ihn mit den Schrecken der ganzen Welt zu überschütten, so fasst der Gläubige doch mitten in den Schreckensfluten Hoffnung und spricht: Herr Teufel, wolle nicht so wüten, sondern mäßigt euch, denn es ist einer, der Christus genannt wird; an den glaube ich. Der hat das Gesetz abgetan, die Sünde verdammt, den Tod abgetan und die Hölle zerstört. Der ist, Teufel, dein Teufel; denn dich hat er gefangen genommen und besiegt, so dass du mir und allen Gläubigen nicht weiter schaden kannst.“ (Martin Luther)

 

„Als Luther am späten Abend in seinem Arbeitszimmer studierte, soll einst der Teufel durch Wittenberg geschlichen sein. Er wollte den Reformator bei der Arbeit stören, stellte sich darum unter das Fenster seines Arbeitszimmers und rief nach oben: „Wohnt hier der Doktor Martinus Luther?“ Luther erkannte die Stimme des Teufels, sprang zum Fenster, riss die Läden auf und rief hinunter: „Nein, der Martin Luther, der ist längst gestorben. Hier wohnt jetzt Jesus Christus!“ Da zog der Teufel den Schwanz ein und floh.“

 

„Darin hat der Herr „seinen Heiligen wunderbar geführet“ (Ps. 4,4) (...), dass er den Teufel nicht mit Gottes Werk zunichte gemacht hat, sondern mit seinem, des Teufels, eignem Werk (…). Denn also bringt Gott sein Werk voran und erfüllet es durch das fremde Werk und zwingt mit wunderbarer Weisheit den Teufel, durch den Tod nichts andres zu wirken als das Leben. Also dass er, wo er am meisten wider Gottes Werk arbeitet, mit seinem eignen Werk arbeitet für Gottes Werk und wider sein eigen Werk. Denn also hat er (der Teufel) den Tod in Christus gewirkt, welchen Christus durch die Unsterblichkeit seiner Gottheit ganz und gar verschlungen hat in sich selber und ist herrlich auferstanden (…). Gleichwie somit in dem Herzog der Seligkeit, in dem Heiligen der Heiligen, in Christus unserm Haupte, der Tod und alle Werke des Teufels zunichte worden sind, gleichermaßen soll und muss es in jeglichem seiner Glieder geschehen. Denn gleichwie Christus zugleich sterbliche und unsterbliche Person gewesen ist, und er ist wohl dem Tod unterworfen durch seine Menschheit, aber weil die ganze Person nicht konnte getötet werden, ists geschehen, dass der Tod nicht Macht hatte und der Teufel im Töten verlor, und also ist der Tod ganz und gar verschlungen in das Leben, und desgleichen der Fluch in den Segen, die Traurigkeit in die Freude, und alle andern Übel in das höchste Gut hinein verschlungen und darüber triumphiert, – gleich also gefällt es nun dem allerfrömmsten Gotte, auch in uns den Tod und die Werke des Teufels zu zerstören durch Christus. Denn gleichwie es unmöglich ist, dass, der den Tod besiegt hat, Christus, fürderhin sterbe, also ists unmöglich, dass, wer an ihn glaubt, sterbe (…). Darum predigt auch der Apostel Paulus allenthalben mit solcher großen Freude die Auferstehung Christi, dass durch sie Gesetz und Sünde und Tod und Hölle und Teufel, Welt und Fleisch und alles überwunden sei allen denen, die an ihn glauben und ihn anrufen…“ (Martin Luther)

 

„Da der Teufel von Gott erschaffen ist, so haben wir zu bedenken, dass die Boshaftigkeit seiner Natur nicht durch die Erschaffung, sondern durch Verderbnis entstanden sei. Denn, was er Verdammliches an sich hat, hat er durch Abfall und Empörung sich zugezogen. Dies lehrt uns die Schrift, damit wir nicht, meinend er sei also durch Gott hervorgegangen, Gott selbst zuschreiben, was durchaus von ihm entfernt ist. Aus diesem Grunde sagt Christus, der Satan rede aus seinem Eigenen, wenn er Lügen redet, und setzt die Ursache hinzu: weil er nicht bestanden ist in der Wahrheit. Joh. 8,44. Wenn Christus sagt, er sei nicht in der Wahrheit bestanden, so deutet er dadurch an, dass er zuvor darin gewesen, und wenn er ihn zum Vater der Lügen macht, so benimmt er ihm, diese Verderbtheit, die er sich selber verursachte, Gott zuzuschreiben. Obwohl kurz und minder deutlich reicht doch dieser Ausspruch vollkommen hin, Gottes Herrlichkeit gegen jeglichen Vorwurf zu sichern. Und was liegt uns daran, mehreres oder zu andern Zwecken von den Teufeln zu wissen? Einige murren, dass die Schrift seinen Fall, dessen Ursache, Zeit, Art und Weise nicht an mehreren Stellen entwickele. Aber weil solches uns nicht angehet, war es besser, es wo nicht ganz zu verschweigen, doch nur leicht zu berühren, weil es des heiligen Geistes unwürdig sein würde, mit unnützen Geschichten unsere Neugier zu befriedigen; und wir sehen, dass des Herrn Zweck war, in seinen heiligen Offenbarungen uns nichts zu lehren, was nicht zu unserer Erbauung gereichen könnte. Also geziemt uns, an dem uns genügen zu lassen, was uns in der Kürze von dem Wesen der Teufel offenbaret ist, dass sie anfangs zu Engeln Gottes erschaffen, aber durch Entartung verderbt, und Andern Werkzeuge des Verderbens geworden sind. Dieses, weil es nützlich zu wissen, lehren deutlich Petrus und Judas, 2 Pet. 2,4. Jud. 6: „Der Engel, sagen sie, welche gesündigt und ihren Ursprung nicht behauptet, sondern ihre Behausung verlassen haben, hat Gott nicht geschont.“ Und wenn Paulus von auserwählten Engeln redet, 1 Tim. 5,21., setzt er ihnen ohne Zweifel die Verworfenen stillschweigend entgegen.“ (Johannes Calvin)

 

THEODIZEE 

„Nun, die Vernunft will allezeit Gott hofmeistern, ob er Fug und Recht habe, will Gott messen nach ihrem Gesetze und Gedanken. Gott sollte säuberlicher handeln und nicht also erschrecken, sondern auf die und jene Weise es machen, und stellt Gott also ein Gesetz vor. Aber das musst du aus deinem Kopfe lassen, wenn du von Gott reden willst, dass du kein Gesetz oder Maß auf Gott gebest; denn er ist nicht eine Kreatur, er ist unermesslich. Dem Menschen ist ein Maß gesetzt, ich soll so und so tun; mein Leben ist endlich, es kann gefasset werden, und hat eine Regel, Maß, Weise und Gesetz. Da du mit Gott also auch handeln wolltest, so hast du Gottes gefehlt. Denn was da mit Gott vorgenommen wird nach Gesetz, Maß und Ziel, das trifft nicht zu. Die Vernunft kann nicht höher, denn dass sie gedenkt: Also, und nicht anders sollte Gott es machen, und urteilt bald also, spricht: Ist es doch nicht gut, dass man verstockt? Und macht ihm also ein Maß; sie meint, Gott sei wie ein Mensch, dass man von Gott als von Menschen urteile. Also versteht es die Vernunft nicht, und will doch klug sein und von Gott richten. Aber Gott gibt dir Gesetze, und nimmt von dir keines; er steckt dir ein Ziel, und du nicht ihm. Darum ist es nicht recht, dass du es also willst, und also für recht und gut ansiehst, sondern wisse, dass er es also will haben und also gebeut; sein Wille ist gesetzt über alle Gesetze. Wenn er spricht: Ich will es also haben, dann so ist es über alle Gesetze, denn er ist ein unendlicher Gott, und hat es Macht und Fug. Sagt man aber: Ja, ich verstehe es nicht, dass es gut sei, dass er verstockt. Ja, Lieber, vor deinen Augen ist es böse; meinst du, dass du Gott seiest? Gott hat kein Maß, Gesetz oder Ziel (wie gesagt), darum so kann er dawider nicht tun, er kann wider Gesetz nicht sündigen, dieweil ihm keines vorgestellt. Derhalben ist es gut alles, was er tut.“ (Martin Luther)

 

THEOLOGIE

„Niemand hat allein für sich die Theologie; wer sie hat, hat sie nur mit Andern und für Andere. Eine weltliche Wissenschaft kann der Inhaber derselben auch wohl für sich besitzen: der Bibliophile kann seine Bücher und die Exzerpte aus denselben hüten und, wie ein Drache den Schatz, vor fremdem Auge, geschweige denn vor fremder Benutzung, sorgfältig bewahren; der Philosoph kann seine Esoterika für sich und wenige Vertraute behalten, und darf in Zorn entbrennen, wenn man sie ihm publiziert; der Eine wie der Andere bleibt dennoch ein Mann der Wissenschaft, vielleicht ein angesehener, und nicht mit Unrecht. Ein Theolog, welcher seine Theologie für sich behält, allein für sich hat, ist ein Widerspruch mit sich selbst; er ist kein Theolog, er hat keine Theologie; denn die Theologie, und wäre sie nur ein Wissen von Gott, ist der unbedingteste Gegensatz des Egoismus, des abgeschlossenen Fürsichseins, der Esoterik. Das Wissen von Gott welches sich Theologie nennt, ist zugleich ein Reden von Gott. Und das Reden von Gott geht hinaus in die Welt, in das Leben der Menschen. Die Theologie dient dem wirklichen Leben, dem wirklichen Leben in dieser Welt und in der Ewigkeit, und jeder Blick, welchen der Theolog neben dem wirklichen Leben vorbei tut, ist ein falscher Blick, ein Augenverdrehen, ein Schielen; jeder Tritt welchen die Theologie neben das wirkliche Leben tut, ist ein Fehltritt, welcher zum Falle und endlich unfehlbar zum Zerschellen führt, falls er wiederholt wird. Die Theologie teilt mit was sie hat, ganz und unverkürzt, kann nicht leben ohne diese Mitteilung ihres ganzen und vollen Inhalts, und lebt wiederum selbst von der Rückwirkung dieser Mitteilung, von dem Empfangen der Empfangenden, aber dies alles darum, weil dieser Inhalt für die Empfangenden die Lebensluft, die unentbehrliche Nahrung ist, nicht anders wie Luft und Sonnenlicht und Brot…“ (August Vilmar)

 

„Unter Theologie versteht man der Etymologie nach Wissen oder Lehre von Gott; dann wird das Wort im weiteren Sprachgebrauch genommen für Wissen von allen göttlichen Dingen, welche uns zu wissen Not tun, damit wir den Weg zum Heile finden. Ein solches Wissen kommt uns zu teils auf dem natürlichen Wege vernünftiger Betrachtung, teils auf übernatürlichem Wege durch besondere Offenbarung und darnach zerfällt die Theologie in theologia naturalis et revelata. In beiden Fällen ist aber die Theologie kein bloßes äußeres Wissen, durch welches nur der Verstand bereichert wird, sondern ein solches, welches den ganzen Menschen wahrhaft weise macht, indem es ihm die rechte innerliche Erfahrung von Gott und göttlichen Dingen vermittelt, und ihm den Weg zeigt, auf dem er zum Heile gelangen kann…“ (Heinrich Schmid)

 

„Viele meinen, die Theologie sei nur eine bloße Wissenschaft und Wortkunst, da sie doch eine lebendige Erfahrung und Übung ist. Jedermann studieret jetzt, wie er hoch und berühmt in der Welt werden möge, aber fromm sein, will niemand lernen. Jedermann sucht jetzt hochgelehrte Leute, von denen er Kunst, Sprachen und Weisheit lernen möge, aber von unserm einzigen Doktor, Jesu Christo, will niemand lernen Sanftmut und herzliche Demut, da doch sein heiliges, lebendiges Beispiel die rechte Richtschnur unsers Lebens ist, ja die höchste Weisheit und Kunst, dass wir billig sagen: Christi reines Leben, kann uns Allen Lehre geben.“ (Johann Gerhardt)

 

„Bei einem Jubiläum Alexander Schweizers, des berühmten Züricher Theologen, ward ein Festessen abgehalten. Nach vielen anderen Reden erhob sich Gottfried Keller und alle warteten gespannt, was der Dichter sagen werde. Seine Rede war kurz: „Meine Herren, es gibt, soviel ich sehe, zwei Sorten von Theologen, solche, die über dem lieben Gott, und solche, die unter ihm stehen. Alexander Schweizer hat sein Leben lang zu den letzteren gehört. Er lebe hoch!“ (Euthymius Haas)

 

„Ihrer viele meinen, es sei gar genug und überflüssig zu ihrem Christentum, wenn sie Christum ergreifen mit ihrem Verstand, durch Lesen und Disputieren, welches jetzt das gemeine Studium Theologium ist, und in bloßer Theoria und Wissenschaft bestehet, und bedenken nicht, dass die andere fürnehme Kraft der Seele, nämlich, der Wille und die herzliche Liebe auch dazu gehöre. Beide musst du Gott und Christo geben, so hast du ihm deine ganze Seele gegeben. Denn es ist ein großer Unterschied unter dem Verstand, womit man Christum erkennet, und unter dem Willen womit man ihn liebet. Denn wir erkennen Christum, so viel wir können; wir lieben ihn aber, wie er ist. Christum durch bloße Wissenschaft erkennen und nicht liebhaben, ist nichts nütze. Ist demnach tausendmal besser, Christum lieb haben, denn viel von ihm reden und disputieren können, Ephes. 3,19. Derohalben sollen wir Christum mit unserm Verstande also suchen, dass wir ihn auch mit herzlichem Willen und Wohlgefallen lieben.“ (Johann Arndt)

 

TOD

„Der zeitliche Tod ist die Trennung des Leibes und der Seele und Beraubung des natürlichen Lebens.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Wir sind alle zum Tode gefordert, und wird keiner für den andern sterben; sondern ein jeglicher in eigener Person muss geharnischt und gerüstet sein, für sich selbst mit dem Teufel und Tode zu kämpfen. Hebr. 9,27. In die Ohren können wir wohl einer dem andern schreien, ihn trösten und vermahnen zur Geduld, zum Streit und Kampf; aber für ihn können wir nicht kämpfen noch streiten, es muss ein jeglicher allda auf seine Schanze selbst sehen und sich mit den Feinden, mit dem Teufel und Tode, selbst einlegen und allein mit ihnen im Kampfe liegen. Ich werde dann nicht bei dir sein, noch du bei mir. Derhalben so muss ein jedermann selbst die Hauptstücke, so einen Christenmenschen belangen, wohl wissen, dadurch er in diesem ernsten Kampfe gerüstet komme, welche die sind, die eure Liebe nun oft hat von mir gehört.“ (Martin Luther)

 

„Der Tod kann nicht überwunden sein, wo die Sünde nicht überwunden wird; und ist nicht möglich, dass Tod ohne Sünde oder Sünde ohne Tod sein sollte. Darum auch der Tod über Christum nicht bleiben konnte, ob er wohl eine Zeit ihn hielt um unsertwillen; denn in Christo war keine Sünde, die er auf sich nahm. Also auch kann er nicht bleiben über den Christen, weil sie nun gerecht sind in Christo und keine Sünden haben, ob er wohl eine kurze Zeit sie aufhält. Denn das heißt meisterlich den Tod und Sünde überwunden: nicht, dass man sie mit Gewalt bald im Augenblick wegtue und nimmer fühle; sondern dass man ihnen zuerst das Recht und Macht nimmt, und verdammt sie mit Urteil und Recht, dass sie sollen zunichte werden. Ob sie nun indeß noch toben und sich fühlen lassen, ehe sie zerbrochen werden, da liegt nicht an: das Urteil ist doch über sie gangen, dass sie deß kein Recht noch Macht haben, sollen aber und müssen bald aufhören und ihr Ende haben; gleichwie man einem mächtigen Feinde tut: wenn er gefangen ist, tut man ihn nicht so bald ab, sondern lässt ihn leben, bis er vor Gericht verdammt und alsdann durchs Urteil getötet wird. Nun, sein Leben, das er lebt im Gefängnis, ist auch ein Leben, aber ein arm Leben, das nun weder Recht noch Macht hat zu schaden, zu herrschen, zu drücken seine Widersacher; sondern ist verwahret zum Tode, und lebt nun nicht mehr, dass er herrschen solle, sondern dass er verdammt und abgetan soll werden. Also geht es dem Tode und der Sünde auch. Christus hat sie gewonnen und gefangen, dass sie nicht mehr herrschen oder siegen können über uns wie zuvor (…). Was schadets mir nun, ob ich den Tod oder Sünde fühle eine kleine Zeit, als herrschten sie, so ich weiß, dass sie nicht herrschen, sondern verdammt sind, und ihr Regen und Fühlen nichts anderes ist, denn ein Zappeln und Zittern vor ihrem Galgen, da sie sollen abgetan werden. Gleich wiederum, was hülfs die, so die Sünde und Tod eine kurze Zeit nicht fühlen, als sei der Tod mit Gewalt weggetan; so doch beide Sünde und Tod Recht und Macht über sie behält, und bald über sie kommen und ewiglich herrschen wird? Das ists, dass beide Jesaias und St. Paulus solcher Worte brauchen, die da anzeigen, wie Sünde und Tod das Recht und Macht verloren haben und bald ihr Ende haben sollen, ob sie wohl noch eine kleine Zeit sich regen, als herrschten sie. Denn St. Paulus spricht nicht: Tod, wo bist du? Hölle, wo bist du? sondern also: „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ Als sollte er sagen: Lieber Tod und Hölle, ihr seid wohl noch eine kleine Zeit da, doch nicht lange; aber das Recht, Macht, Sieg, Stachel und alle Kraft habt ihr verloren. Zornig seid ihr; aber, Lieber, beißt mich nicht, versenget uns die Rüben nicht. Ich fühle euch wohl, aber ich fürchte mich nicht vor euch; denn ihr könnt nicht mehr und müsst dazu auch bald an den Galgen und zunichte werden.“ (Martin Luther)

 

„Den ersten Tod müssen wir erdulden, falls nicht der Herr plötzlich zu seinem Tempel kommen sollte. Lasst uns in Bereitschaft bleiben und ihn ohne Furcht erwarten, da Jesus den Tod aus einer finstern Höhle in einen Durchgang zur Herrlichkeit verwandelt hat. Das, was zu fürchten, ist nicht der erste, sondern der zweite Tod; nicht das Scheiden der Seele vom Körper, sondern die schließliche Trennung des ganzen Menschen von Gott. Dies ist der wahre Tod. Dieser Tod tötet Frieden, Freude, Glück und Hoffnung. Wenn Gott geschwunden ist, so ist alles geschwunden. Solch ein Tod ist weit schlimmer als aufhören zu sein: es ist Dasein ohne das Leben, welches das Dasein des Habens wert macht. Nun, wenn wir durch Gottes Gnade bis zum Ende streiten und überwinden in dem glorreichen Kampfe, so kann kein zweiter Tod seinen kalten Finger auf uns legen. Wir werden keine Furcht vor Tod und Hölle haben, denn wir sollen eine unverwelkliche Krone des Lebens empfangen.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Und wer da lebet, und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?“ Joh. 11,26. Ja, Herr, wir glauben es; wir werden nimmermehr sterben. Unsre Seele mag von unsrem Leibe getrennt werden, und dies ist eine Art von Tod; aber unsre Seele soll nie von Gott getrennt werden, was der wahre Tod ist – der Tod, welcher der Sünde gedroht war – die Todesstrafe, welche die schlimmste ist, die verhängt werden kann. Wir glauben dieses ganz gewiss, denn wer mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu, unsrem Herrn, ist? Wir sind Glieder des Leibes Christi; wird Christus Teile seines Leibes verlieren? Wir sind mit Christo vermählt; kann er seiner Braut beraubt und verwitwet werden? Es ist nicht möglich. Es ist ein Leben in uns, das nicht fähig ist, von Gott geschieden zu werden: ja, und der Heilige Geist wohnt in uns, und wie könnten wir dann sterben? Jesus selber ist unser Leben, und deshalb gibt es für uns kein Sterben, denn er kann nicht wiederum sterben. In ihm sterben wir der Sünde einmal, und das Todesurteil kann nicht zum zweitenmal vollzogen werden. Nun leben wir und leben auf immer. Der Lohn der Gerechtigkeit ist das ewige Leben, und wir haben nichts Geringeres, als die Gerechtigkeit Gottes und können deshalb den höchsten Lohn beanspruchen. Lebend und glaubend, glauben wir, dass wir leben und uns freuen werden.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Komm, Herr Jesu, und nimm mich hinweg aus dem fremden Lande, hole mich ins Vaterland und bringe mich in das verlorene Paradies zurück. Komm, mein Erlöser, und lass mich Teil nehmen an deiner ewigen Herrlichkeit. Zeit ist es, dass ich zu dir gelange, Zeit, dass du meinen Leib der Erde schenkst, von der er genommen ist. Ich sorge nicht sehr, wo man ihn hinlegen und wie man ihn behandeln mag; wenn nur der Geist wohlbehalten zu dir kommt. Herr, in deine Hände befehle ich meinen Geist; mein Fleisch mag in Hoffnung ruhen, bis du es am jüngsten Tag erwecken wirst. O erwünschter Tag, o gesegnete Stunde, da ich dein Antlitz schauen soll! O Sohn Gottes, der du mich durch dein heiliges Blut erlöst hast, nimm mich nun auf in dein Reich; denn es verlangt mich herzlich, mit dir Ostern zu feiern!“ 

Thomas von Kempen (+1471) 

 

„Wenn der Baum fällt, er falle gegen Mittag oder Mitternacht, auf welchen Ort er fällt, da wird er liegen, spricht der Prediger Salomo. Der laue und sanft wehende Südwind pflegt in der heiligen Schrift etwas Gutes zu bedeuten, dem Nordwind wird alles Unheil zugeschrieben. Der Mensch gleicht einem Baum. Abgehauen wird er mit dem Tod und in der Richtung, in welcher er gefallen ist, bleibt er liegen. Nun siehe zu, nach welcher Seite dein Baum fallen wird, bevor er fällt, und um dies zu können, habe Acht auf die Zweige. Wo sich die meisten finden, da wird auch die größere Last sein, und ohne Zweifel muss er nach dieser Seite hinsinken, wenn er abgeschnitten wird. Unter den Zweigen verstehe deine Wünsche; sind sie geistlich, so strecken sie sich nach Süden, sind sie fleischlich, so hängen sie nach Norden.“ 

Bernhard (+1153)

 

„Ein Verreisen ist, was uns Tod scheint, kein Ausgang, sondern ein Übergang; nicht sowohl ein Auswandern, als vielmehr ein Hinüberwandern vom Geringeren zum Besseren; eine Versetzung und ein gar seliger Umzug der Seele, keine Vernichtung; denn die Seele wird nur heimgefordert und in die Stätte des Friedens versetzt, sie wird nicht gar hinweggenommen. – Ja, ein Übergang ist der Tod und ein Aufgang zum wahren Leben; ein Auszug ist er; denn durch ihn ziehen die Frommen aus der Knechtschaft der Sünde aus und in die wahre Freiheit ein, gleichwie vordem die Kinder Israel aus der Knechtschaft Ägyptens aus und in das gelobte Land einzogen. Es heißt von den Frommen, dass sie durch den Tod zum Frieden kommen und ruhen in ihren Kammern, dieweil sie aus dem beständigem Streite hier auf Erden an eine Stätte des Friedens, aus dem stürmischen Meere dieses Lebens in einen Hafen, aus der mühevollen Werkstatt dieser Welt an einen Ort der Ruhe kommen. Es heißt, dass sie abscheiden und zu Christo kommen; denn sie werden gleichsam aus der Herberge dieses Lebens in’s himmlische Vaterland und aus dem befleckenden Umgang mit gottlosen Leuten zur seligen Gemeinschaft mit Christo im Himmel geleitet. Sie werden durch den Tod befreit von den Fesseln des Leibes; denn gleichwie die Zugtiere am Abend, wenn sie die Arbeit des ganzen Tages getragen haben, endlich ausgespannt werden; gleichwie den Gefangenen, die im Kerker gesessen, die Fesseln abgenommen werden: also werden auch die Frommen durch den Tod von dem traurigen Joche der Arbeit und Schmerzen dieses Lebens losgespannt, aus dem schmutzigen Gefängnis der Sünde herausgeführt und durch eine liebliche Wandlung in ein besseres Leben gesetzt (…..). Es heißt, dass sie ruhen von ihrer Arbeit; denn nicht der Mensch, nur das Elend des frommen Menschen stirbt im Tode (…..). Und gleichwie wir vom Schlafe wiederum aufwachen, also wird auch der Tod kein ewiger Schlaf sein; sondern es wird die Stunde kommen, da wir die Stimme Christi hören werden, der uns aus dem Grabe ruft, und da wir auf’s neue hervorgehn werden zum Leben. Niemand mag so leicht den Schläfer auf seinem Bett aufwecken, als Christus die Toten aus ihren Gräbern. Aus solch allem erhellt auf’s klarste, dass der heilige Apostel mit Recht den Tod der Frommen einen Gewinn nennt. Denn ein Gewinn ist’s, der wachsenden Sünde zu entrinnen; ein Gewinn ist’s, Schlimmerem aus dem Wege zu gehn; ein Gewinn ist’s, zu Besserem zu gelangen.“ (Johann Gerhard)

 

„Macht dir denn dein jetziges Leben gar so große Freude, da es doch ein gefahrvoller und harter Kriegsdienst ist? Lange leben – was ist das anderes, als lange sich quälen und lange sündigen? Wenn in deinem Hause die Wände vor Alter wankten und das Dach über dir zitterte, wenn das morsche und müde Haus mit nächstem einzustürzen drohte, dieweil der Bau vor Alter sich senkt, – würdest du nicht in aller Geschwindigkeit ausziehen? Wenn du zu Schiffe wärst und ein ungestümes Sturmwetter empörte gewaltig die Wogen und weissagte dir den baldigen Schiffbruch – würdest du nicht in Eile nach dem Hafen fahren? Siehe, die Welt wankt und sinkt und bezeugt ihren Verfall nicht erst damit, dass die Dinge alt werden, sondern damit, dass sie ein Ende nehmen – und du sagst Gott nicht Dank und wünschst dir nicht Glück, dass du durch zeitigeren Tod befreit und dem Einsturz, dem Schiffbruch und drohenden Schlägen entnommen wirst? Wie das Meer, wenn es von widrigen Winden empört wird, hochgeht und den Leuten im Schiffe Gefahren bereitet: also verwirrt auch die Welt, die durch die Anschläge der Gottlosen erregt ist, die Herzen der Gläubigen. Und so verwirrend treibt der Feind sein Werk, dass man nicht weiß, was man zuerst zu fliehen hat. Denn wenn die Obrigkeit nicht mehr wider uns ist, so erregt er die Herzen einzelner Leute; und wenn auch die zu Paaren getrieben sind, so schürt er den Brand durch unsere Hausgenossen; und wenn auch das beigelegt ist, so weiß er mit seiner List unter Brüdern Zwietracht zu stiften, also dass das Haus, an allen vier Ecken erschüttert, an einem Ende zu stürzen beginnt – darum haben die Christen einmütiglich von dannen heraus zu fliehen (…..). Freilich gleicht dieses Leben auswendig einer kostbaren Nuss; aber wenn man sie mit dem Messer der Wahrheit aufgemacht hat, so findet sich inwendig nichts als eitel hohles, leeres Wesen. Wenn an diesem Leben etwas Gutes ist, so ist das Gute ausnehmend, ja unvergleichlich besser in jenem andern Leben. Das eine besteht im Glauben, das andere im Schauen; das eine in der Zeit, da wir wallen, das andere in einer Ewigkeit, da wir bleiben; das eine in Mühe, das andere in Ruhe; das eine in einem Wege, das andere in einer Heimat; das eine in der Arbeit unseres Tagewerks, das andere im Lohne des Anschauns; das eine meidet das Böse und tut das Gute, das andere hat nichts Böses mehr zu meiden und ein großes Gut zu genießen; das eine kämpft mit dem Feinde, das andere herrscht ohne allen Feind; das eine ist stark in Widerwärtigkeit, das andere spürt nichts Widerwärtiges mehr; das eine zügelt die fleischlichen Lüste, das andere hat nur Zeit für geistliches Ergötzen; das eine sorgt noch um den Sieg, das andere ist sicher in siegreichem Frieden; das eine braucht Hilfe in Anfechtungen, das andere freut sich unangefochten an dem, der uns hilft; das eine steht dem Dürftigen bei, das andere ist da, wo kein Dürftiger zu finden; das eine vergibt die fremde Schuld, dass ihm die eigene vergeben werden kann, das andere erleidet nichts mehr, was zu vergeben wäre, und tut nichts mehr, wofür es Vergebung brauchte; das eine wird gepeinigt mit Unglück, damit es sich nicht erhebe im Glücke, das andere ist ohne alles Unglück und steht in solcher Gnadenfülle, dass es ohne alle Versuchung zur Hoffart am höchsten Gute beständiglich bleibt; das eine muss zusehn, was gut oder böse ist, das andere kann sehen allein auf das Gute. Nun wähle, welches Leben du dem andern vorziehen willst.“ (Johann Gerhard) 

 

„O du frommer Gott, du hast dem Menschen ein Ziel des Lebens gesetzt, das er nicht übergehen kann; denn seine Tage sind bestimmt und die Zahl seiner Monden steht bei dir! Du hast alle Tage unsers Lebens gezählt, die doch so schnell ablaufen, wie ein Strom und wie ein Fluss, der abläuft, nicht anders, als flögen wir davon. Wie ein Rauch, wie ein Schatten, der schnell vorübergeht, sind alle unsere Tage vergangen. Jeder Mensch ist wie Gras, das schnell verdorrt, und wie des Grases Blume, die leicht dahinfällt. Lass mich daher mein Ende bedenken, o Herr, und welches das Maß meiner Tage sei, damit ich wisse, wie vergänglich ich bin! Siehe, wie eine Spanne Zeit hast du meine Tage gemacht, und mein Leben ist wie nichts vor dir; ja, ganz eitel ist jeder Mensch in seinem Leben. Herr, lasse uns wissen, dass wir unsere Tage zählen sollen, und dass wir hier keine bleibende Stätte haben! Lass mich bedenken, wie gar kurz und hinfällig mein Leben ist, dass ich in dieser Welt nicht nur mir, sondern dir lebe und sterbe, im Glauben munter und fröhlich den Tag meiner Erlösung aus diesem Arbeitshause und der Erscheinung deines lieben Sohnes Jesu Christi erwarte, und in heiligen Gesprächen und in Übung der Pflichten der Gottseligkeit wohl bereitet derselben gleichsam entgegen eile. Verleihe mir, ich bitte dich, einen glücklichen Ausgang aus diesem Leben, dass ich, wenn mein letztes Stündlein herbeikommt, sanft einschlafe, und in aufrichtigem Bekenntnis, mit dem völligen Gebrauch meiner Vernunft das Leben beschließe, dass ich nicht bei geschwächtem Verstand und Sinnen nach Art der Geistesabwesenden in lästerliche, gottlose oder dem christlichen Bekenntnis widersprechende Äußerungen ausbreche, gegen dich, meinen Herrn, und gegen mein Heil. Behüte mich vor einem plötzlichen und unversehenen Tode und vor der ewigen Verdammnis, dass ich nicht wider Erwarten plötzlich, von meiner letzten Stunde übereilt, dahingerafft werde, sondern dass ich in wahrer Buße und aufrichtigem Leben bereit erfunden werde! Und wenn dieselbe meine letzte Stunde kommen wird, so mache mich stark und unverzagt, den zeitlichen Tod zu ertragen, der mir die Türe zum ewigen Leben öffnen wird. Und lass endlich mich, deinen Knecht, in Frieden dahinfahren, nach deinem Worte: Weil meine Augen dein Heil gesehen haben, das du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel. Gib, dass mein letztes Wort jenes sei, das dein lieber Sohn auf dem Altar des Kreuzes sprach: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Und wenn ich nicht mehr reden kann, so erhöre, ich bitte dich, die letzten Seufzer meines Herzens! Amen.“ (Johann Habermann)

 

TRAURIGKEIT

„Die Traurigkeit dieser Welt vermeide, denn sie wirket den Tod, der entstehet aus Geiz, Neid, aus Sorge der Nahrung, aus Unglauben und Ungeduld. Die göttliche Traurigkeit, so aus Erkenntnis der Sünden kommt, und aus Betrachtung der ewigen Höllenpein, ist heilsam, und wirket eine Reue zur Seligkeit, die niemand gereuet, und gebieret Freude und Friede in Gott, 2 Kor. 7,10. Es soll kein Mensch um eines zeitlichen Dinges willen so traurig sein, als wegen seiner Sünde.“ (Johann Arndt)

 

TREUE 

„O da wohnt doch ganz innen in jeder Menschenseele eine geheime Angst, dass auch der, welchem er am meisten traute, ihm untreu werden könnte. Keine bloß menschliche Liebe kann diese Angst ganz austreiben (…). Es ist nur Einer dessen Treue diese Angst verjagen kann, das ist Jesus Christus. Er bleibt treu; ja wenn auch alle andre Treue bräche, Er bleibt doch treu jeden Tag Deines Lebens, was Dir auch geschehen mag; Er bleibt Dir treu im Tode; Er begegnet Dir dann wieder jenseits als ein zuverlässiger Freund. Du hast in Deinem Verhältnis zu Ihm gar keine Bekümmerung hinsichtlich Seiner Untreue; es wird, ja es darf Dich niemals diese Angst besuchen, dass wenn Du Dich nun ganz hingegeben hättest, Dein ganzes Leben in Ihm hättest, dass Er Dir dann untreu werden könnte. Nein, gestärkt durch die ewige Gewissheit seiner Treue, hast Du, und das ist ja auch Seine Gabe, vermehrte Stärke um alles anzuwenden, dass Du Ihm treu bleiben möchtest. Du sollst nicht wie sonst mit bekümmerten Gedanken an zwei Stellen arbeiten; Er will durch Seine Treue, für welche Er selbst ewig bürgt, Dich unbekümmert machen, Dich beruhigen, Dich unterstützen, aber dann auch durch solche Treue Dich auffordern, Ihm treu zu bleiben.“ (Sören Kierkegaard)

 

„Glauben ist Ruhen in der Treue Gottes.“ (Hudson Taylor)

 

TRINITÄT

„Dies ist aber der rechte christliche Glaube, dass wir einen einzigen Gott in drei Personen und drei Personen in einiger Gottheit ehren, und nicht die Personen in einander mengen, noch das göttliche Wesen zertrennen. Eine andere Person ist der Vater, eine andere der Sohn, eine andere der heilige Geist. Aber Vater und Sohn und heiliger Geist ist ein einiger Gott, gleich in der Herrlichkeit, gleich in ewiger Majestät. Welcherlei der Vater ist, solcherlei ist der Sohn, solcherlei ist auch der heilige Geist. Der Vater ist nicht geschaffen, der Sohn ist nicht geschaffen, der heilige Geist ist nicht geschaffen. Der Vater ist unermesslich, der Sohn ist unermesslich, der heilige Geist ist unermesslich. Der Vater ist ewig, der Sohn ist ewig, der heilige Geist ist ewig, und sind doch nicht drei Ewige, sondern es ist ein Ewiger: Gleichwie auch nicht drei Ungeschaffene, noch drei Unermessliche, sondern es ist ein Ungeschaffener und ein Unermesslicher. So ist auch der Vater allmächtig, der Sohn ist allmächtig, der heilige Geist ist allmächtig, und sind doch nicht drei Allmächtige, sondern es ist ein Allmächtiger. So ist der Vater Gott, der Sohn ist Gott, der heilige Geist ist Gott; und sind doch nicht drei Götter, sondern es ist ein Gott. So ist der Vater der Herr, der Sohn ist der Herr, der heilige Geist ist der Herr; Und sind doch nicht drei Herren, sondern es ist ein Herr. Denn gleichwie wir nach christlicher Wahrheit eine jegliche Person für sich als Gott und Herrn bekennen müssen, so können wir im christlichen Glauben nicht drei Götter oder drei Herren nennen. Der Vater ist von niemand gemacht: weder geschaffen, noch geboren. Der Sohn ist allein vom Vater: nicht gemacht und nicht geschaffen, sondern geboren. Der heilige Geist ist vom Vater und Sohn, nicht gemacht, nicht geschaffen und nicht geboren, sondern ausgehend. So ist's nun: Ein Vater, nicht drei Väter; ein Sohn, nicht drei Söhne; ein heiliger Geist, nicht drei heilige Geister. Und unter diesen drei Personen ist keine die erste, keine die letzte, keine die größte, keine die kleinste, sondern alle drei Personen sind miteinander gleich ewig, gleich groß: damit also, wie oben gesagt ist, drei Personen in einer Gottheit und ein Gott in drei Personen geehrt werde.“ (aus dem Athanasianischem Glaubensbekenntnis)

 

„Der Vater ist die erste Person der Gottheit, die nicht geboren ist, auch nicht ausgeht: sondern welche von Ewigkeit den Sohn, ihr Ebenbild, gezeugt hat, welche schafft, trägt, erhält und regiert Alles zumal, das Sichtbare und Unsichtbare, Engel und Menschen, mit dem Sohne und dem heiligen Geiste: schickend den Sohn, dass er erlöse, und den heiligen Geist, dass er heilige.“ (Chemnitz Loc. Th. 1.)

 

„Der Sohn ist die zweite Person der Gottheit, nicht geschaffen aus Nichts: sondern von Ewigkeit geboren vom Vater, des Vaters Ebenbild und Abglanz seiner Herrlichkeit: durch welchen der Vater im heiligen Geist geschaffen hat, trägt, erhält und regiert Alles, das Sichtbare und Unsichtbare, Himmel und Erde, die Engel und die Menschen: welcher gesandt ist vom Vater in die Welt, dass er durch die angenommene menschliche Natur das Werk der Erlösung vollbringe.“ (Chemnitz Loc. Th. l.)

 

„Der heilige Geist ist die dritte Person der Gottheit, nicht gemacht, noch geschaffen, noch geboren: sondern von Ewigkeit ausgehend vom Vater und vom Sohne, in welchem der Vater durch den Sohn geschaffen hat Alles, das Sichtbare und Unsichtbare, die Engel und die Menschen, und noch schafft, trägt, erhält und regiert: der ausgegossen ist vom Vater durch den Sohn in sichtbarer Gestalt über die Apostel: und welcher noch heute unsichtbar ausgegossen wird vom Vater durch den Sohn in die Herzen der Gläubigen, dass er sie heilige durch das Wort und die Sakramente. (Chemnitz Loc. Th. 1.))

 

TROST

„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Dass ich mit Leib und Seele, beides im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines treuen Heilandes Jesu Christi Eigentum bin, der mit seinem teuren Blute für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst hat und so bewahrt, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt fallen kann, ja, mir auch alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum versichert er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen Lebens und macht mich von Herzen willig und bereit, von nun an ihm zu leben.“ (Heidelberger Katechismus)

 

„Hätte ich alles das, wonach ich zu begehren vermöchte, täte mir aber nur der Finger weh, so hätte ich's nicht alles, denn mir wäre ja doch der Finger wund, und ich hätte daher nicht ganzen Trost solange mir der Finger weh täte. Brot ist dem Menschen gar tröstlich, dafern ihn hungert; wenn ihn aber dürstet, so hätte er am Brote so wenig Trost, wie an einem Steine. Und ebenso ist es mit den Kleidern, wenn ihn friert; wenn's ihm aber zu heiß ist, so hat er keinen Trost an den Kleidern; und ebenso ist es mit allen Kreaturen, und darum ist es wahr, dass alle Kreaturen Bitterkeit in sich tragen. Wohl ist es auch wahr, dass alle Kreaturen innen etwas Trost in sich tragen, wie einen oben abgeschäumten Seim. Der Seim, das ist allzumal das in Gott, was Gutes in allen Kreaturen zusammen sein mag. (…..) Der Trost der Kreaturen aber ist nicht vollkommen, denn er trägt einen Mangel in sich. Der Trost Gottes aber ist lauter und ohne Mangel und ist völlig und ist vollkommen.“ (Meister Eckhart)

 

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Jes. 66,13. Einer Mutter Tröstung! Ach, die ist die Zärtlichkeit selber. Wie geht sie in ihres Kindes Kummer ein! Wie presst sie es an ihren Busen und versucht all seinen Schmerz in ihr eignes Herz zu nehmen! Ihr kann es alles sagen, und sie wird mit ihm fühlen, wie niemand anders es kann. Von allen Tröstern liebt das Kind am meisten seine Mutter, und selbst erwachsene Männer haben dasselbe Gefühl. Lässt sich Jehovah herab, gleich einer Mutter zu handeln? Dies ist in der Tat Güte. Wir können leicht wahrnehmen, wie er ein Vater ist, aber will er auch gleich einer Mutter sein? Fordert dies uns nicht zu heiliger Vertraulichkeit, zu rückhaltlosem Vertrauen, zu geweihter Ruhe auf? Wenn Gott selbst „der Tröster“ wird, so kann kein Schmerz lange währen. Lasst uns ihm unsre Not darlegen, ob wir auch nicht viel mehr als Schluchzen und Seufzen hervorbringen. Er wird uns nicht um unsrer Tränen willen verachten, unsre Mutter tat es nicht. Er wird unsre Schwachheit ansehen, wie sie es tat, und er wird unsre Fehler abtun, nur in einer sichereren, völligeren Weise, als unsre Mutter es konnte.“ (Charles H. Spurgeon)

 

TROSTLOSIGKEIT

„Was ist denn Trostlosigkeit? Nicht so sehr des Schmerzes wildester Schrei, nicht die Vermessenheit der Verzweiflung, so fürchterlich das auch ist, ist Trostlosigkeit. Sondern jene in ausgestorbener Stille getroffene Übereinkunft mit sich selbst, dass alles Höhere verloren ist, während man doch noch leben kann, wenn nur nichts einen daran erinnert, – das ist Trostlosigkeit. Auch nicht das, trostlos zu trauern, sondern das, zu trauern ganz aufgehört zu haben, ist Trostlosigkeit. Gott so verlieren zu können, dass man ganz und gar gleichgültig geworden ist und doch auch das Leben nicht unerträglich findet, das ist Trostlosigkeit. Und das ist zugleich die entsetzlichste Art von Ungehorsam, entsetzlicher als jeder Trotz; nicht Gott zu hassen, nicht ihn zu verwünschen ist so entsetzlich als ihn so zu verlieren, oder, was dasselbe ist, so sich selbst zu verlieren. Eine Kleinigkeit so zu verlieren, dass man sie nicht aufheben mag, nun, das ist vielleicht in der Ordnung. Aber sein eigenes Selbst so zu verlieren (d. i. Gott zu verlieren!), dass man sich auch nicht bücken mag um es aufzuheben, oder so, dass es einem ganz entgeht, dass man es verloren hat – o entsetzliches Verderben!“ (Sören Kierkegaard)

 

TRÜBSAL

„In der Welt habt ihr Trübsal, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Joh. 16,33. Meines Herrn Worte über die Trübsal sind wahr. Ich habe meinen Anteil daran ohne allen Zweifel. Der Dreschflegel ist nicht aufgehangen, und ich kann nicht hoffen, dass er beiseite gelegt wird, so lange ich auf der Dreschtenne liege. Wie kann ich erwarten, in des Feindes Lande daheim zu sein, fröhlich in der Verbannung oder behaglich in der Wüste? Hier ist nicht meine Ruhe. Hier ist der Ort des Schmelzofens, der Schmiede und des Hammers. Meine Erfahrung stimmt mit den Worten meines Herrn überein. Ich beachte, wie er mich „getrost sein“ heißt. Ach, ich bin viel zu geneigt, niedergeschlagen zu sein. Mein Mut sinkt bald, wenn ich schwer geprüft werde. Aber ich muss diesem Gefühl nicht nachgeben. Wenn mein Herr mich getrost sein heißt, so darf ich nicht wagen, niedergedrückt zu sein. Was ist der Grund, den er zu meiner Ermutigung gebraucht? Nun, es ist sein eigner Sieg. Er sagt: „ich habe die Welt überwunden.“ Sein Kampf war viel schwerer als der meine. Ich habe noch nicht bis aufs Blut widerstanden. Warum verzweifle ich daran, zu überwinden? Siehe, meine Seele, der Feind ist schon einmal überwunden worden. Ich streite mit einem geschlagenen Feind. O Welt, Jesus hat dich schon besiegt; und in mir wird er dich durch seine Gnade wiederum überwinden. Deshalb bin ich getrost und singe meinem siegreichen Herrn ein Lied.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Warum fürchten wir denn die Wolken, welche jetzt unsren Himmel verdunkeln? Zwar verbergen sie auf eine Weile die Sonne, aber die Sonne ist nicht ausgelöscht; sie wird binnen kurzem wieder scheinen. Mittlerweile sind diese schwarzen Wolken mit Regen gefüllt; und je schwärzer sie sind, desto wahrscheinlicher ist’s, dass sie reichliche Schauer geben werden. Wie können wir Regen ohne Wolken haben? Unsre Leiden haben uns stets Segnungen gebracht und werden es stets tun. Sie sind die dunklen Wagen der hellen Gnade. Nicht lange, so werden diese Wolken sich entleeren, und jede zarte Pflanze wird durch den Regen um so fröhlicher gemacht. Unser Gott mag uns mit Leiden tränken, aber er wird uns nicht im Zorn ertränken; nein, er will uns in Barmherzigkeit erquicken. Unsres Herrn Liebesbriefe kommen häufig in schwarzgeränderten Umschlägen. Seine Wagen rumpeln, aber sie sind mit Wohltaten beladen.“ (Charles H. Spurgeon)

 

TUGEND

„Die Tugend ist nichts anderes als eine beherrschte und maßvolle Liebe, die ganz zu Gott um Seiner selbst willen gerichtet ist. Denn Er selbst ist so sehr der ausschließliche Grund aller Tugenden, dass eine Tugend unvollkommen bleibt, wenn sich jemand zu ihrer Verwirklichung gedrängt fühlt durch einen zusätzlichen Grund außer Gott, selbst wenn dieser der Hauptgrund bleibt.“ (Die Wolke des Nichtwissens, anonym, 14. Jh.)

 

„Gott ist nichts als eitel Gnade, Liebe, Freundlichkeit, Geduld, Treue, Wahrheit, Trost, Friede, Freude, Leben und Seligkeit. Und das hat er alles in Christum gelegt: wer den hat, der hat dieses alles; und wer Gott liebt, der hat Gottes Wahrheit, Barmherzigkeit, Gütigkeit und alle Tugenden lieb. Denn ein rechter Liebhaber Gottes hat alles das lieb, was Gott lieb hat, und hat einen Verdruss an alle dem, was Gott verdrießt. Darum soll man die Gerechtigkeit lieb haben, denn Gott ist selbst die Gerechtigkeit; darum soll man die Wahrheit lieb haben, denn Gott ist selbst die Wahrheit; darum soll man lieb haben die Barmherzigkeit, weil Gott selbst ist die Barmherzigkeit; darum soll man die Sanftmut und Demut lieb haben, um des sanftmütigen und demütigen Herzens Christi willen. Hinwieder hasset ein wahrer Liebhaber Gottes alle Untugend, denn sie ist Gott zuwider und Gottes Feind, und ein Werk des Teufels.“ (Johann Arndt)

 

„Sei einfach, besonnen und treu in der Arbeit, welche dir obliegt. Lüge nicht, schwöre nicht, betrübe, bedrücke, verachte, beneide keinen, täusche niemanden mit Worten oder Werken, urteile nicht voreilig, verkleinere niemandes Ehre, maße dir nichts an, hüte dich vor beißender Rede und räche dich nicht. Liebe vielmehr alle, und lass dich gern überwinden. Die, mit denen du lebst, belehre durch gute Worte, noch mehr durch ein gutes Beispiel. Beleidigt dich jemand, so vergib ihm sofort von Herzen, wenn er es auch nicht begehrt, zeige dich gegen ihn so freundlich, dass er sich vor Gott und vor dir schämen muss. Fliehe allen Heuchelschein und alle Verstellung, gehe nicht darauf aus, von andern bewundert und für besonders heilig gehalten zu werden, sondern schließe dich der gewöhnlichen Umgangsweise an, und sei immer bereit, allen, die deinen Beistand suchen, zu dienen.“ 

Ruysbroek (+1381) 

 

UNBEGREIFLICHKEIT GOTTES

„Die vier Rabbiner, Asai, Elisa, Simon und Akiba, waren eifrig bemüht, Gott zu erkennen. Lange studierten sie mystische Schriften, um in Gottes Geheimnis einzudringen. Eines Tages aber gelang es ihnen und es tat sich ihnen das Tor des Paradieses auf. Gemeinsam schritten sie in den Himmel hinein und näherten sich der unbegreiflichen und furchtbaren Nähe Gottes. Als sie aber wiederkamen, war es schon Abend. Sie schritten riesengroß und dunkel aus der Glut des Westhimmels hervor in schwerem Schweigen. Die anderen Rabbiner aber, die ihnen neugierig entgegengingen, erschraken vor der Verstörung auf ihren Gesichtern. Rabbi Asai ging einfach schweigend in sein Haus und warf sich auf sein Lager, denn er konnte dem Zittern seiner Glieder nicht mehr Einhalt gebieten. Er kehrte sein bleiches Gesicht stumm zur Wand. Er verweigerte Speise und Trank. Sein Gesicht verfiel. Und seine erloschenen Augen harrten dem Tod entgegen. Da ging Rabbi Simon hinweg von seinem sterbenden Freund und sah sich um, und siehe: Die Welt hatte für ihn alles Maß verloren. Kein Ding stand mehr in einem Größenverhältnis zum andern. Alle Umrisse zerflossen und wälzten sich gegen ihn, wie um ihn auszulöschen. Zeit und Raum waren verschwunden, und alles stürzte in furchtbarer Gleichzeitigkeit und Allgegenwart gegen seine Augen. Da warf er sich zu Boden und hielt sich die Augen zu, aber er konnte sein Schauen nicht verhindern, und er schrie laut und schlug mit dem Kopf gegen die Steine, um den eindringenden Bildern einen Ausweg zu schaffen. Als aber die anderen Rabbiner auf sein entsetzliches Schreien hin herbeigeeilt kamen, da fanden sie ihn in Qualen des Wahnsinns. Da sprach Rabbi Elisa: „Uns ist das Maß genommen durch das Maßlose, das wir gesehen haben, und die Welt ist uns verwandelt. Alle Weisheit, der wir bisher unser Leben gewidmet haben, was ist sie anderes als ein vom großen Sinn abgesplittertes Stück Sinnlosigkeit, ein vom Ewigen abgebrochenes Stück Vergänglichkeit, eine vom Unendlichen abgetrennte Nichtigkeit! All unsere guten Werke, wiegen nicht mehr als ein Sandkorn. All unsere Frömmigkeit ist noch nicht mal eine halbe Stufe aufwärts zum Göttlichen. Was mühen wir uns so vergeblich unter der nutzlosen Last!“ Da trennte sich Elisa von den anderen Rabbinern und warf sich den Sünden der Welt und der Verzweiflung des Unglaubens in die Arme. Da erschraken die Verbliebenen und blickten auf Rabbi Akiba, ob sie wohl auch ihn auf so schreckliche Weise verlieren müssten. Und auch er verbarg sein verstörtes Gesicht in den Händen. Als er aber nach langer Zeit Herr über seine Gesichtszüge wurde und aufschaute, da sah er die Bestürzung um ihn her, und er sprach: „Weh uns! Wie tot sind wir, gemessen am Lebendigen! Wie eng sind wir, gemessen am Unendlichen! Wie töricht sind wir, gemessen an der ewigen Weisheit! Aber Gottes Hand ist über uns, und er hat uns diese Form gegeben. An uns ist’s, dass wir uns demütig fügen in unsere Gestalt und darin wirken.“ Und Rabbi Akiba stand entschlossen auf und ging ins Lehrhaus, um zu lehren Ewiges in den armen Formen der Erde. Und er wurde der größte Lehrer seines Zeitalters...“

 

UNDANK

„So schändlich lebt keine Sau, wie die Welt lebt. Denn eine Sau kennt doch die Frau oder Magd, von der sie Treber, Kleie oder das Futter zu fressen kriegt, läuft ihr nach und schreit ihr nach. Aber die Welt kennt und achtet Gott gar nicht, der ihr so reichlich und überschwänglich Gutes tut, geschweige denn, dass sie ihm dafür danken und ihn loben würde!” (Martin Luther)

 

UNRUHE

„Es gibt nichts Flüchtigeres, als das Herz des natürlichen Menschen. Es ist eitel, unstet und unbeständig; es kann in sich nicht stillstehen, sondern schneller als alle Schnelligkeit zerteilt es sich ins Unendliche und läuft nach allen Seiten auseinander. Bei der Arbeit bleibt es gedrückt, nach der Ruhe leer; es ist uneins in sich, flieht sich, wechselt die Pläne, ändert die Entschlüsse, baut auf, reißt nieder, baut das Niedergerissene neu auf, vertauscht das eine immer wieder mit dem andern, weil es will und auch nicht will, und bleibt daher niemals in demselben Zustande. Von einem Gedanken geht es schnell zum andern über, um vielleicht durch die Menge der Gegenstände satt zu werden, an deren Beschaffenheit es sich nicht sättigen kann. So elend ist ein Herz, das Gott nicht gefunden hat.“ 

Meditationes (Augustini) 

 

UNERFORSCHLICHKEIT GOTTES 

„Menschliche Vernunft und Natur kann Gott in seiner Majestät nicht begreifen, darum sollen wir nicht weiter suchen noch forschen, was Gottes Wille, Wesen und Natur sei, denn so fern er's uns befohlen hat. Sein Wort hat er uns gegeben, darin er reichlich offenbaret hat, was wir von ihm wissen, halten, glauben, und weß wir uns zu ihm versehen sollen: nach demselben sollen wir uns richten, so können wir nicht irren. Wer aber von Gottes Willen, Natur und Wesen Gedanken hat außer dem Wort, will‘s mit menschlicher Vernunft und Weisheit aussinnen, der macht ihm viel vergeblicher Unruhe und Arbeit, und fehlet weit; denn „die Welt“, spricht St. Paulus, „durch ihre Weisheit erkennet Gott nicht in seiner Weisheit“, 1 Kor. 1,21. Auch werden die nimmermehr lernen noch erkennen, wie Gott gegen ihnen gesinnet sei, die sich damit vergeblich bekümmern, ob sie versehen oder auserwählet seien. Welche nun in diese Gedanken geraten, denen gehet ein Feuer im Herzen an, das sie nicht löschen können, also, dass ihr Gewissen nicht zufrieden wird, und müssen endlich verzweifeln. Wer nun diesem Unglück und ewiger Gefahr entgehen will, der halte sich an das Wort, so wird er finden, dass unser lieber Gott einen starken, festen Grund gemacht und geleget, darauf wir sicher und gewiss fußen mögen, nämlich Jesum Christum, unsern Herrn, 1 Kor. 3,11., durch welchen allein, umsonst, durch kein ander Mittel, wir ins Himmelreich müssen kommen; denn er, und sonst niemand, „ist der Weg, die Wahrheit und das Leben“, Joh. 14,6. Sollen wir nun Gott in seinem göttlichen Wesen, und wie er gegen uns gesinnet ist, recht und wahrhaftig erkennen, so muss es durch sein Wort geschehen. Und eben darum hat Gott der Vater seinen eingebornen Sohn in die Welt gesandt, dass er sollte Mensch werden, aller Dinge uns gleich, doch ohne Sünde, unter uns wohnen, und des Vaters Herz und Willen uns offenbaren; wie ihn denn der Vater uns zum Lehrer geordnet und gesetzt hat, da er vom Himmel rufet: „Dies ist mein lieber Sohn, … den sollt ihr hören“, Matth. 17,5. Als wollte er sagen: Es ist vergebens und umsonst, was Menschen vornehmen, meine göttliche Majestät zu forschen; menschliche Vernunft und Weisheit kann mich nicht ergreifen, ich bin ihr viel zu hoch und groß. Nun, ich will mich klein genug machen, dass sie mich ergreifen und fassen kann: ich will ihr meinen eingebornen Sohn geben, und also geben, dass er soll ein Opfer, ja, eine Sünde und Fluch für sie werden, und soll mir hierin Gehorsam leisten bis zum Tode, ja, zum Tode am Kreuz. Das will ich hernach predigen lassen in aller Welt, und die daran glauben, sollen selig werden. Das meinet St. Paulus, da er spricht 1 Kor. 1,21.: „Weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben.“ Das heißet ja die göttliche Majestät klein und begreiflich werden, dass nun niemand billig klagen soll noch kann, er wisse nicht, wie er mit Gott daran sei, weß er sich zu ihm versehen solle. Aber die Welt ist blind und taub, die weder siehet noch höret, was Gott redet und tut durch seinen Sohn; darum wird er‘s auch von ihnen fordern, 5 Mos. 18,19. Man kann die schwere Anfechtung von der ewigen Versehung oder Auserwählung, die viel Leute hoch betrübet, nirgend besser suchen, ja, finden und verstehen, denn in den Wunden Christi, von welchem der Vater gesagt und uns befohlen hat: „Den sollt ihr hören“, Matth. 17,5. Der Vater in seiner göttlichen Majestät ist uns zu hoch und groß, dass wir ihn nicht ergreifen können, darum weiset er uns den richtigen Weg, darauf wir gewisslich zu ihm kommen mögen, nämlich Christum, und spricht: Glaubet ihr an den, und hänget euch an ihn; so wird sich‘s fein finden, wer ich bin, was mein Wesen und Wille ist. Das tun aber die Weisen, Mächtigen, Hochgelehrten, Heiligen und der größte Haufe durchaus in aller Welt nicht. Darum ist und bleibet ihnen Gott unbekannt, ob sie gleich viel Gedanken von ihm haben, disputieren und reden: denn es ist kurzum beschlossen, dass außer Christo Gott unbekannt und ungefasset will sein.“ (Martin Luther)

 

UNGLAUBE

„Wer ungläubig ist, der bleibt im Fluch, und so er im Unglauben beharrt, ist ihm sein Teil bereit im Pfuhl, der brennt vom Schwefel und Pech, Offenb. 21,8. Joh. 3,36: „wer dem Sohn nicht glaubet, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibet über ihm“.“ (Nikolaus Hunnius)

 

UNVERÄNDERLICHKEIT GOTTES 

„Wenn wir von Gott die Unveränderlichkeit aussagen, so behaupten wir damit, dass Gottes Wesen samt allen darin begriffenen Vollkommenheiten ewig eins und dasselbe und sich selbst gleich bleibe, und dass jeder Wechsel des Seins, Wollens und Denkens in Gott ausgeschlossen sei.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Der Mensch denkt sich Gott so, wie er ihn sich wünscht; aber Gott bleibt immer so, wie er ist.“ (Franziskus von Assisi)

 

VERBORGENHEIT GOTTES 

„Man muss anders reden von Gotte oder dem Willen Gottes, der uns gepredigt wird, der uns offenbart ist, der uns angeboten wird, mit dem wir uns beschäftigen, als von dem Gotte, der nicht gepredigt wird, nicht offenbart, nicht angeboten worden ist, mit dem wir nichts zu schaffen haben. Darum, so fern Gott sich verbirgt und von uns nicht erkannt sein will, geht er uns nichts an. Denn hierher gehört in Wahrheit das Wort: Was über uns ist, ist nicht für uns. Und damit niemand glaube, dass dies meine Unterscheidung sei, folge ich dem Paulus, der an die Thessalonicher vom Antichrist schreibt (2. Ep. 2,4.), dass er sich erheben werde über jeden gepredigten und verehrten Gott, und zeigt deutlich an, dass sich jemand über Gott erheben kann, sofern er gepredigt und ihm gedient wird, das heißt, über das Wort und den Dienst, nach welchem Gott uns bekannt ist und mit uns Verkehr hat. Aber über den Gott, der nicht verehrt noch gepredigt wird, wie er in seinem Wesen und seiner Majestät ist, kann nichts sich überheben, sondern alles ist unter seiner mächtigen Hand. Wir müssen daher Gott in seiner Majestät und in seinem Wesen ungeforscht lassen, denn darin haben wir nichts mit ihm zu schaffen und er will auch nicht, dass wir in der Weise mit ihm zu tun haben sollen, sondern, sofern er in sein Wort gekleidet ist und sich durch dasselbe an den Tag gegeben hat, dadurch er sich uns angeboten hat, handeln mir mit ihm. Das ist sein Schmuck und sein Ruhm, womit, wie der Psalmist (Ps. 21,6.) rühmt, er gekleidet ist. So sagen wir, der heilige Gott beklagt nicht den Tod des Volkes, den er in ihm wirkt, sondern er beklagt den Tod, den er im Volke findet und wegzuschaffen sich bemüht. Denn damit geht der gepredigte Gott um, dass er die Sünde und den Tod wegnehme und wir selig werden möchten. Denn (Ps. 107,20.): „Er hat sein Wort gesendet und sie gesund gemacht.“ Dagegen Gott, wie er verborgen ist in der Majestät, trauert nicht, nimmt auch den Tod nicht weg, sondern wirkt das Leben, den Tod und alles in allen. Denn da hat sich Gott nicht durch sein Wort eingegrenzt, sondern hat sich frei erhalten über alles.“ (Martin Luther)

 

„Wir sagen, wie wir schon vorher gesagt haben, über den geheimen Willen der (göttlichen) Majestät dürfe man nicht disputieren, und die menschliche Vermessenheit, welche, wie sie ja immer verkehrt ist und das Notwendige anstehen lässt, sich stets daran macht und zu erforschen strebt, müsse davon abgehalten und abgezogen werden, damit sie sich nicht mit der Erforschung jener Geheimnisse der Majestät beschäftige, welche zu erlangen unmöglich ist, da sie „wohnt in einem Lichte, da niemand zukommen kann“, wie Paulus bezeugt (1 Tim. 6,16.). (Der Mensch) beschäftige sich aber mit dem menschgewordenen Gotte, oder (wie Paulus (Kol. 2,3.) redet) mit Jesu, dem Gekreuzigten, „in welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis sind“, aber „verborgen“; denn durch den hat er reichlich, was er wissen und nicht wissen soll.“ (Martin Luther)

 

VERDAMMNIS 

„Unter ewiger Verdammnis der Gottlosen versteht die Schrift dies, dass diejenigen, welche um des finalen Unglaubens willen im Jüngsten Gericht verworfen sind, einesteils des Genusses alles Guten beraubt, und andernteils der Peinigung durch eine Fülle der allerschrecklichsten Übel nach Leib und Seele in Ewigkeit ausgesetzt sind.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Es wird zwar die verdammte Seele das Licht wünschen; aber außer Gott ist kein Licht, sondern es sind und werden bleiben greuliche und ewige Finsternisse. Sie wird zwar die Ruhe wünschen; aber außer Gott ist keine Ruhe der Seelen, sondern eitel Schrecken und Grausen. Sie wird Freude wünschen; aber außer Gott ist eine ewige Traurigkeit. Sie wird Erquickung wünschen; aber außer Gott ist keine Erquickung, sondern Angst und Betrübnis. Sie wird Trost suchen; aber außer Gott ist kein Trost, sondern stetige Marter und Pein, und unaufhörlicher Höllenbiss. Die Teufel werden in den Gottlosen wohnen, und sie erfüllen mit aller teuflischen Fülle, mit Marter, Lästerung, Unsinnigkeit, Schrecken, Grausen, bösen Geistern, Schlangenstichen, Angst, Schmerzen, Finsternis, Schande und ewiger Verzweiflung. Darum wenn des Menschen Seele, so mit dem Teufel verunreiniget ist, vom Leibe abscheidet, so wird sie mit ihm vereiniget bleiben in alle Ewigkeit. Denn der Teufel wird in den Verdammten wohnen.“ (Johann Arndt)

 

„Die Verdammten werden in Ewigkeit nicht erlangen, was sie wollen, und was sie nicht wollen, das werden sie in Ewigkeit sich gefallen lassen müssen. Wenn der Zorn Gottes aufhören wird, dann wird auch die Strafe der Verdammten aufhören: aber der Zorn ist ewig, darum ist auch die Strafe ewig. Wenn die Verdammten wahre Buße tun werden, dann werden sie auch von ihren Sünden erlöst werden können; aber die Zeit der Buße ist geschlossen, darum gibt es auch keine Hoffnung der Vergebung mehr. Wenn die Teufel aufhören werden zu quälen, dann werden auch die Verdammten aufhören gequält zu werden; aber nie wird die Wut des Teufels ablassen, darum werden auch die Peinigungen des verdammten Menschen niemals ablassen. Wenn die Gerechtigkeit Gottes sich ändern wird, dann werden auch die Strafen der Verdammten sich ändern; aber unveränderlich ist Gottes Gerechtigkeit, ewig werden darum auch die Strafen der Verdammten sein. Zum Urteilsspruch des ernsten Gerichts gehört es, dass die niemals frei von Strafe sind, welche in diesem Leben niemals von der Sünde haben lassen wollen. Es ist billig, dass dem Verdammten kein Ziel der Rache gestellt wird, der, so lange er gekonnt hat, kein Ziel des Verbrechens hat haben wollen. Die Verdammten haben in ihrer Ewigkeit, das ist, so lange sie gelebt haben, gesündigt; es ist gerecht, dass sie in dem ewigen Gott gestraft werden: ihr Verbrechen hat ein Ende gehabt, weil ihr Leben ein Ende gehabt hat; sie hätten aber unbezweifelt lieber ohne Ende verbrechen wollen, wenn sie ohne Ende hätten leben können, um ohne Ende sündigen zu können. Ewig ist auch der Stoff des höllischen Feuers, nämlich die Flecken der Sünde; mit Recht ist daher auch die Strafe ewig.“ (Johann Gerhard)

 

VERDERBNIS DES MENSCHEN

„Der Mensch ist von Anbeginn nach dem Bilde Gottes geschaffen, in seinem Verstande mit einer wahren und seligen Erkenntnis seines Schöpfers und anderer geistlicher Dinge geschmückt, in seinem Willen und Herzen mit Gerechtigkeit, in all seinen Neigungen mit Reinheit, und war demgemäß ganz heilig. Aber auf Anstiftung des Teufels und nach seinem freien Willen sich von Gott abwendend beraubte er sich selbst dieser vortrefflichen Gaben und holte dagegen an deren Stelle Blindheit, fürchterliche Finsternis, Eitelkeit und Verkehrtheit des Urteils in seinem Verstande, Bosheit, Widersetzlichkeit und Verhärtung in seinem Willen wie auch Unreinheit in all seinen Neigungen über sich. Wie der Mensch nun nach dem Fall beschaffen war, solche Kinder zeugte er auch, nämlich als ein Verderbter verderbte, also, dass die Verderbnis nach Gottes gerechtem Urteil von Adam auf alle seine Nachkommen (Christus allein ausgenommen) gekommen ist (…). So werden denn alle Menschen in Sünden empfangen und als Kinder des Zorns geboren, untüchtig zu allem seligmachenden Guten, geneigt zum Bösen, tot in Sünden und als Sklaven der Sünde. Sie wollen und können weder zu Gott zurückkehren noch ihre verderbte Natur bessern oder sich zu deren Besserung bereit finden ohne die Gnade des wiedergebärenden Heiligen Geistes.“ (Lehrregel von Dordrecht)

 

VERDIENST CHRISTI

„Ich verstehe darunter den Gehorsam Christi: nicht allein den, mit welchem er dem Vater gehorsam war durch sein ganzes Leiden und den Tod, sondern auch den, mit welchem er sich, um unsertwillen, dem Gesetz Gottes freiwillig unterwarf, und dasselbe durch solchen seinen Gehorsam erfüllte: so dass Gott wegen des ganzen Gehorsams Christi, welchen er im Tun und Leiden für uns geleistet hat, uns die Sünden vergibt, für gut und gerecht uns erklärt, und mit ewigem Heil beschenkt.“ (Leonhard Hutter)

 

VERGÄNGLICHKEIT

„Wie kann etwas von dem Gegenwärtigen uns zur Ergötzung gereichen, da, während alles vergeht, doch das nicht vergeht, was uns bedroht; da das ganz zu seinem Ende kommt, was wir lieben, und das immer näher rückt, wo der Schmerz niemals aufhört? Der Gewinn eines längern Lebens ist für uns der, dass wir mehr Böses tun, mehr Böses sehen, mehr Böses leiden: das nützt uns ein längeres Leben, dass im letzten Gerichte die Anklage der Sünden größer ist. Was ist der Mensch? Eine Beute des Todes, ein Wanderer, der herberget, leichter als eine Wasserblase, kürzer als ein Augenblick, eitler als ein Bild, geringer als ein Schall, zerbrechlicher als das Glas, veränderlicher als der Wind, flüchtiger als ein Schatten, trügerischer als ein Traum. Was ist dieses Leben? Ein Warten auf den Tod, ein Schauplatz von Missgeschick, ein Meer von Elend, ein Nöselchen Bluts, das jeder beliebige Zufall erschüttert, jedes noch so geringe Fieber zersprengt. Der Lauf des Lebens ist ein Irrgang; in denselben treten wir ein, so wie wir aus der Mutter Leibe kommen, aus ihm treten wir heraus, wenn wir die Schwelle des Todes überschreiten. Wir sind nichts als Erde, die Erde aber ist nichts als Rauch; der Rauch aber ist nichts, darum sind wir nichts. Dieses Leben ist zerbrechlich wie Glas, dahin eilend wie ein Strom, elend wie ein Streit, und doch erscheint es vielen sehr begehrenswert. Eine wertvolle Nuss scheint dieses Leben dem Äußern nach zu sein, aber wenn du sie mit dem Messer der Wahrheit öffnest, so wirst du sehen, dass sie nichts in ihrem Innern birgt als Würmer und Verwesung. Um die Gegend herum, wo sonst Sodom stand, reifen Äpfel, welche durch äußere Schönheit ergötzen, aber, wenn man sie zerdrückt, in Staub vergehen: das Glück dieses Lebens ergötzt äußerlich, betrachtest du es aber ernst und nüchtern, so wird es dem Rauche und Staube ähnlich erscheinen. Darum, andächtige Seele, wolle nicht den Hauptinhalt deiner Gedanken auf dieses Leben beziehen, sondern sehne dich immer mit deiner Seele nach der ewigen Freude. Vergleiche den so kurzen Raum von Zeit, der in diesem Leben uns vergönnt wird, mit den unbegrenzten und niemals zu beschränkenden Jahrhunderten der Ewigkeit, und es wird offenbar werden, wie töricht es ist, diesem so flüchtigen Leben anzuhangen, das ewige aber nichts zu achten.“ (Johann Gerhard)

 

„Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden. / Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein; / wo jetzund Städte stehn, wird eine Wiese sein, / auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden; / was jetzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden; / was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein; / nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein. / Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden. / Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn. / Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn? / Ach, was ist alles dies, was wir vor köstlich achten, / als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind, / als eine Wiesenblum, die man nicht wieder find't! / Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.“ (Andreas Gryphius)

 

VERGEBUNG

„Der Glaube ist eine herzliche Zuversicht und ungezweifeltes Vertrauen auf Gottes Gnade in Christo verheißen, von Vergebung der Sünden und ewigem Leben, durch das Wort Gottes und den heil. Geist angezündet. Durch diesen Glauben erlangen wir Vergebung der Sünden ganz umsonst, ohne alles unsere Verdienst, aus lauter Gnade, Eph. 2,8. um des Verdienstes Christi willen, auf dass unser Glaube einen gewissen Grund habe und nicht wanke. Und diese Vergebung der Sünden ist unsere Gerechtigkeit, die wahrhaftig, beständig und ewig ist vor Gott. Denn es ist nicht eines Engels Gerechtigkeit, sondern des Gehorsams, Verdienstes und Blutes Christi, und wird unser eigen durch den Glauben. Ob nun dies wohl in großer Schwachheit zugehet, und wir noch mit vielen übrigen Sünden behaftet sind, dennoch werden dieselben zugedecket, aus Gnaden, um Christi willen, Ps. 32,2.“ (Johann Arndt)

 

VERHEISSUNG

„Soll auch Gottes Verheißung und ewige Wahrheit unsere Geduld stärken, und unser Herz befestigen, dass es nicht wanke, wie Jak. 5,8. spricht: Denn, wie man ein kleines Bäumlein an einen Stecken bindet, dass es der Wind nicht zerbreche, oder im Ungestüme des Meeres Anker auswirft, woran sich das Schiff halte, also müssen wir unser wankendes Herz an den Stab göttlichen Worts und Wahrheit binden, und das sinkende Schifflein des Herzens mit dem Anker der Hoffnung befestigen, dass es nicht versinke, Hebr. 6,19.“ (Johann Arndt)

 

„Was ist denn der wahre und eigentliche Gegenstand des rechtfertigenden Glaubens? Es ist die eigentliche Verheißung des Evangeliums von der gnädigen Vergebung der Sünden durch und wegen des Verdienstes Christi mit festem Vertrauen ergriffen; oder was ebendahin ausgeht: der Gegenstand des rechtfertigenden Glaubens ist das Verdienst Christi, welches in der Verheißung des Evangeliums dargeboten wird.“ (Leonhard Hutter)

 

„Man kann eine Verheißung Gottes in sehr lehrreicher Weise einem an Ordre zahlbaren Scheck vergleichen. Sie wird dem Gläubigen in der Absicht gegeben, ihm dadurch etwas Gutes zu erweisen. Es ist nicht die Meinung, dass er sie ruhig überlesen und dann liegen lassen solle. Nein, er soll die Verheißung als etwas Wirkliches behandeln, wie ein Mann einen Scheck behandelt. Er soll die Verheißung nehmen und sie mit seinem eignen Namen indossieren, indem er persönlich sie als wahr annimmt. Er muss sie durch den Glauben als sein eigen akzeptieren. Er drückt sein Siegel darauf, dass Gott wahrhaftig ist, und wahrhaftig in Bezug auf dies besondere Verheißungswort. Er geht weiter und glaubt, dass er den Segen hat, weil er die gewisse Verheißung desselben hat, und darum setzt er seinen Namen darauf, um den Empfang des Segens zu bezeugen. Wenn dies geschehen, muss er die Verheißung dem Herrn gläubig vorzeigen, wie man einen Scheck am Zahltisch der Bank vorzeigt. Er muss sie durch Gebet geltend machen in der Erwartung, sie erfüllt zu sehen. Wenn er im rechten Zeitpunkt zu der Himmelsbank kommt, wird er den verheißenen Betrag sofort erhalten. Sollte das Datum ein späteres sein, so muss er geduldig bis dahin warten; mittlerweile mag er indes die Verheißung als Geld rechnen, denn die Bank zahlt sicherlich, sobald die rechte Zeit gekommen ist. Manche versäumen, das Indossement des Glaubens auf den Scheck zu setzen und erhalten deshalb nichts; andre sind saumselig im Vorzeigen, und auch diese empfangen nichts. Dies ist nicht der Fehler der Verheißung, sondern derjenigen, die nicht in verständiger, geschäftsmäßiger Weise damit verfahren. Gott hat kein Pfand gegeben, das er nicht einlösen will, und zu keiner Hoffnung ermutigt, die er nicht erfüllen will.“ (Charles H. Spurgeon)

 

VERKÜNDIGUNG

„Die Verkündigung der Boten ist kurz und klar. Sie melden den Anbruch des Gottesreiches, sie rufen zur Umkehr und zum Glauben. Sie kommen in der Vollmacht des Jesus von Nazareth. Ein Befehl wird ausgerichtet, und ein Angebot wird gemacht in höchster Autorisierung. Damit ist alles geschehen. Weil alles von größter Einfachheit und Klarheit ist und weil die Sache keinen Aufschub leidet, darum bedarf es keiner weiteren Vorbereitung, Diskussion, Werbung. Ein König steht vor der Tür, jeden Augenblick kann er kommen: Wollt ihr euch unterwerfen und ihn demütig empfangen, oder wollt ihr, dass er euch in seinem Zorn vernichte und töte? Wer hören will, der hat hier alles gehört; der kann auch den Boten nicht aufhalten wollen, denn der muss weiter in die nächste Stadt. Wer aber nicht hören will, für den ist die Gnadenzeit vorüber, er hat sich selbst das Gericht gesprochen. „Heute, so ihr seine Stimme höret, so verstocket eure Herzen nicht!“ (Hebr. 4,7). Das ist evangelische Predigt. Ist das unbarmherzige Hast? Nichts ist unbarmherziger als den Menschen vorzuspiegeln, dass sie noch Zeit hätten zur Umkehr. Nichts ist barmherziger, nichts ist frohere Botschaft als dies, dass die Sache eilt, dass das Reich sehr nahe ist. Der Bote kann nicht warten, bis es jedem immer wieder und jedem in seiner Sprache gesagt ist. Gottes Sprache ist klar genug. Der Bote verfügt auch nicht darüber, wer hören wird und wer nicht. Gott allein kennt die, „die es wert sind“. Diese aber werden das Wort hören, so wie es von den Jüngern gesagt wird. Wehe aber der Stadt und dem Haus, da der Bote Jesu nicht aufgenommen wird!“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

VERNUNFT 

„Sie (die Vernunft) weiß, dass Gott ist, aber wer oder welcher es sei, der da recht Gott heißt, das weiß sie nicht, und geschieht ihr eben, als den Juden geschah, da Christus auf Erden ging, und von dem Täufer Johanne bezeugt war, dass er vorhanden wäre. Da stund ihr Herz also, dass sie wussten, Christus wäre unter ihnen, und ginge unter den Leuten; aber welcher die Person wäre, das wussten sie nicht. Denn dass Jesus von Nazareth wäre Christus, konnte niemand gedenken. Also spielt auch die Vernunft der blinden Kuh mit Gott, und tut eitel Fehlgriffe, und schlägt immer nebenhin, dass sie das Gott heißt, das nicht Gott ist; und wiederum, nicht Gott heißt, das Gott ist; welcher sie keines täte, wo sie nicht wüsste, dass Gott wäre, oder wüsste eben, welches oder was Gott wäre. Darum plumpt sie so herein, und gibt den Namen und göttliche Ehre, und heißt Gott, was sie dünkt, das Gott sei, und trifft also nimmermehr den rechten Gott, sondern allewege den Teufel oder ihren eigenen Dünkel, den der Teufel regiert. Darum ist es gar ein großer Unterschied, wissen, dass ein Gott ist, und wissen, was oder wer Gott ist. Das erste weiß die Natur, und ist in allen Herzen geschrieben, das andere lehrt allein der Heilige Geist.“ (Martin Luther)

 

„…man versteht unter Vernunft die natürliche Erkenntnis und Einsicht in die Dinge und das Vermögen, auf Grund derselben hin zu urteilen. In letzterer Bedeutung ist die Vernunft wohl Erkenntnisprinzip für natürliche Dinge, nicht aber für die Theologie, welche sich mit den göttlichen Dingen beschäftigt. Mit diesen ist nun zwar die Vernunft, so lange der Mensch nicht gefallen war, in keinen Widerspruch getreten, wie überhaupt die Vernunft an und für sich betrachtet, in keinem Widerspruch mit ihnen steht, denn als solche ist sie sich der Grenzen ihres Gebietes bewusst, will sie göttliche Dinge nicht nach dem Maßstab ihrer natürlichen Erkenntnis messen und weiß sie, dass es Wahrheiten gibt, welche der bloßen Vernunft zwar nicht zuwider sind, aber doch über dieselbe hinausgehen. Nach dem Fall des Menschen aber verhält es sich anders: da tritt die Vernunft in Widerspruch mit der göttlichen Wahrheit. Sie hat darum auch nicht das Recht, die Wahrheiten der Offenbarung zu prüfen, noch weniger das, was mit ihrer Erkenntnis nicht zu stimmen scheint, zu verwerfen, vielmehr ist ihre Pflicht die, sich der Offenbarung zu unterwerfen und von ihr zu lernen. In letzterem Falle wird auch ihr wieder vieles einleuchtend werden, was ihr zuvor widersprechend schien und wird sie sich wieder mehr dem Zustande nähern, in welchem sie sich vor dem Falle befand.“ (Heinrich Schmid)

 

„Wenn des Tages Licht hinwegweicht, so gehet die Nacht und die Finsternis an, und gehet das finstere Licht, der Mond, auf, als das Nachtlicht; also ist außer Christo eitel Finsternis, und das rechte Nachtlicht der Vernunft verfinstert den Verstand. Gleichwie nun diejenigen närrisch tun, die mehr von dem Mond erleuchtet werden wollen, als von der Sonne; also tun die viel närrischer, so mehr wollen erleuchtet werden von der Weltweisheit, als von Christo, der göttlichen ewigen Weisheit. So närrisch ist es, wenn einer des Tages bei einem Licht besser sehen wollte, als bei der Sonne; ebenso närrisch ist es, wenn einer durch die Weltweisheit besser sehen und klüger sein wollte, als durch die Weisheit Gottes; welche ist Christus. O Torheit! wenn einer meinet, mehr erleuchtet zu werden durch die Kreatur, als durch den Schöpfer.“ (Johann Arndt)

 

„Der Doktor (Luther) ward gefragt, ob die Vernunft in den Christen etwas vermöchte, da sie in den Artikeln des Glaubens uns versperrt werden müsse? Antwortete er: Die Vernunft sei vor dem Glauben und der Erkenntnis Gottes Finsternis, doch in den Gläubigen ein gar treffliches Werkzeug. Denn gleichwie alle natürlichen Gaben und Werkzeuge in den Gottlosen gottlos sind, also sind sie in den Frommen heilsam. Da wird der Glaube durch Vernunft, Beredsamkeit, und Sprache vorangebracht, die ehezuvor den Glauben nur hinderten. Erleucht’te Vernunft, vom Glauben eingenommen, empfähet Lehen vom Glauben, sie ist ertötet und wiederum lebendig worden (…). Die Vernunft ist der Eitelkeit unterworfen, gleich als auch alle andern Kreaturen Gottes der Eitelkeit, d. i. dem Narrenwerk, unterworfen sind. Aber der Glaube trennet das Wesen von der Eitelkeit (...). Also soll die Eitelkeit verworfen werden, nicht das Wesen (…). So sind denn Vernunft, Sprache und alle Gaben und Kreaturen andre in den Frommen und Christen denn in den Unfrommen.“ (Martin Luther)

 

„Der Glaube ist kein Werk der Vernunft und kann daher auch keinem Angriff derselben unterliegen; weil Glauben so wenig durch Gründe geschieht als Schmecken und Sehen.“ (Johann Georg Hamann)

 

VERSÖHNUNG

„Wenn der Zorn Gottes, welcher auf den Menschen um ihrer Sünden willen ruht, samt allen seinen Folgen, ein gerechter und heiliger ist, so ist es auch mit Gottes Gerechtigkeit und Heiligkeit nicht verträglich, dass er so schlechthin und ungestraft den Menschen ihre Sünden vergibt, und allen Zorn samt seinen Folgen aufgibt: nicht mit seiner Gerechtigkeit, denn diese verlangt, dass er sich zu den Sündern anders verhalte als zu den Frommen, und dass er über die ersteren Strafe verhänge: nicht mit seiner Heiligkeit, denn der zufolge hasst er das Böse: endlich ist es auch nicht mit seiner Wahrhaftigkeit verträglich, denn er hat zuvor den Übertretern seines heiligen Gesetzes Strafe angedroht. Wenn Gott darum doch wieder in ein Gnadenverhältnis mit den Menschen treten soll, so muss zuvor etwas geschehen, was macht, dass er unbeschadet seiner Gerechtigkeit und Heiligkeit es tun kann; es muss die Schuld, welche die Menschen durch ihre Sünden auf sich geladen haben, abgetragen werden, es muss ein Lösegeld bezahlt, es muss ein Ersatz geleistet werden für die Beleidigung, welche Gott ist angetan worden, oder was gleichbedeutend ist, es muss eine Genugtuung geleistet werden. Da nun eine solche zu leisten uns, den Menschen, unmöglich ist, so haben wir es als einen besondern Akt des göttlichen Erbarmens zu preisen, dass Gott eine solche durch Christum hat möglich zu machen gewusst, und dass er zu diesem Endzweck den Entschluss gefasst hat, Christum Mensch werden zu lassen, damit dieser die Genugtuung an unserer Statt leiste (…..). In Christo, dem Gott-Menschen ist daher alles Vermögen, eine solche Leistung zu vollbringen, welche einen Ersatz leistet für die Gott angetane Beleidigung: in ihm ist aber auch der Wille, für uns einzustehen, unser Bürge zu werden, unsere Schuld auf sich zu nehmen und Gott damit Genugtuung zu leisten. Diese zu leistende Genugtuung muss aber, wenn sie erfolgreich sein soll, von doppelter Wirkung sein: sie muss einmal bewirken, dass Gott aufhört, die Menschen als solche zu betrachten, welche den Forderungen des heiligen Gesetzes nicht genügt haben, welches dann geschieht, wenn der, welcher genugtun will, an der Menschen Statt das ganze Gesetz so erfüllt, dass von ihm jetzt geleistet ist, was von den Menschen unterlassen worden war. Dann muss die Genugtuung bewirken, dass auf den Menschen keine Schuld mehr ruht, um deretwillen sie Strafe verdienen, und dieses geschieht, wenn der für die Menschen Genugtuende die Strafen auf sich nimmt. Beides aber hat Christus bewirkt (..…). Indem Christus aber auf die beschriebene Weise genuggetan hat, hat er dadurch uns die Vergebung der Sünden und das ewige Heil erworben, welches wir sein Verdienst nennen, das uns zu Gut kommt.“ (Heinrich Schmid)

 

VERSTOCKUNG

„Unter Verstockung verstehen wir denjenigen Zustand eines Sünders, da weder die Predigt des Gesetzes, noch des Evangeliums einen Eindruck auf sein Herz macht.“ (Adolf Hoenecke)

 

VERSUCHUNG 

„Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Bösen. Diese Bitte passt zu der Verheißung, dass Gott sein Gesetz in unsere Herzen schreiben wolle. Weil wir aber in unserm Gehorsam gegen Gott einen beständigen und harten Kampf aushalten müssen, so bitten wir hier, dass er uns mit Waffen ausrüsten und mit seiner Kraft beschirmen wolle, damit wir den Sieg davon tragen mögen. Hiedurch werden wir erinnert, dass uns nicht allein die Gnade des Geistes nötig sei, die unsere Herzen innerlich erweiche und zum Gehorsam gegen Gott lenke, sondern auch sein Beistand, damit er uns standhaft mache wider alle List und Anfechtungen des Satans. Nun sind aber der Versuchungen viele und mancherlei. Denn eines Teils gehören dazu die bösen Gedanken, die uns zur Übertretung des Gesetzes reizen, welche entweder unsere verderbte Lust uns eingibt, oder der Teufel erregt; andern Teils werden auch Versuchungen für uns die Dinge, welche zwar an sich selbst nicht böse sind, aber durch des Teufels Kunst gemissbraucht werden, wenn sie nämlich unsern Augen sich so eindrücken, dass wir durch den Anblick derselben von Gott abgeführt werden (…). Auf der einen Seite sind es: Reichtum, Gewalt, Ehre, welche gemeiniglich mit ihrem Glanz den Leuten die Augen verblenden, oder sie ins Wohlleben stürzen, so dass sie ihres Gottes vergessen; anderseits sind es: Armut, Schmach, Verachtung, Trübsal, durch deren Last darniedergedrückt sie den Glauben und die Hoffnung sinken lassen, und endlich von Gott ganz und gar abtrünnig werden. Wir bitten nun Gott unsern Vater, dass er uns in dieser doppelten Art von Versuchungen nicht unterliegen lasse, sondern vielmehr mit seiner Hand aufrichte: damit wir durch seine Kraft gestärkt wider alle Angriffe des bösen Feindes Stand halten können, und weder im Glück aufgeblasen werden, noch im Unglück verzagen. Jedoch begehren wir hier nicht, ohne alle Anfechtungen zu bleiben; denn wir haben ihrer hoch vonnöten, damit wir dadurch, desto wachsamer gemacht, und vor der fleischlichen Sicherheit bewahrt werden. Der Herr versucht auch seine Auserwählten täglich, indem er sie durch Schmach, Kreuz und Trübsal züchtigt (…). Aber auf eine andere Weise versucht Gott und auf eine andere Weise der Teufel; dieser, dass er verderbe und ins Elend stürze, Gott aber, dass er durch Prüfungen die seinen erforsche, ihre Aufrichtigkeit erprobe und durch Übung stärke, ihr Fleisch töte und kreuzige, damit es nicht mutwillig und geil werde. Zudem überfällt der Satan die Wehrlosen und Ungerüsteten, damit er sie unvermutet unterdrücke: Gott aber gibt mit der Versuchung auch die Ausdauer, dass die Seinen geduldig ertragen können, was er ihnen zuschickt (…). So ist denn hier das unser Begehren, dass wir von keinerlei Versuchungen überwunden werden, sondern durch des Herrn Kraft wider alle Kraft des Feindes feststehen: welches heißt, in den Versuchungen nicht unterliegen.“ (Johannes Calvin)

 

VERZWEIFLUNG 

„Denn du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen, und nicht zugeben, dass dein Heiliger verwese.“ Ps. 16,10. (…). Wir mögen in tiefe Schwermut sinken, bis es scheint, als wären wir in den Abgrund der Hölle gestürzt; aber wir sollen nicht da gelassen werden. Es mag scheinen, als wären wir an des Todes Pforte in Herz und Seele und Bewusstsein; aber wir können nicht da bleiben. Der Tod der Freude und Hoffnung in unsrem Innern mag sehr weit gehen, aber er kann nicht zu den äußersten Folgen fortschreiten, so dass er die völlige Verwesung schwarzer Verzweiflung erreichte. Wir mögen sehr tief sinken, aber nicht tiefer, als der Herr zulässt; wir mögen in dem tiefsten Kerker des Zweifels eine Zeitlang bleiben, aber wir sollen dort nicht umkommen. Der Hoffnungsstern ist immer noch am Himmel, wenn die Nacht am schwärzesten ist. Der Herr wird uns nicht vergessen und uns nicht dem Feinde überliefern. Lasst uns in Hoffnung ruhen. Wir haben es mit einem zu tun, dessen Barmherzigkeit ewiglich währet. Gewiss, aus Tod und Finsternis und Verzweiflung werden wir noch zu Leben, Licht und Freiheit auferstehen.“ (Charles H. Spurgeon)

 

VOLK GOTTES 

„Wir reden aber von dem äußerlichen Wort, durch Menschen, als durch dich und mich, mündlich gepredigt. Denn solches hat Christus hinter sich gelassen, als ein äußerlich Zeichen, dabei man sollte erkennen seine Kirche, oder sein christlich heilig Volk in der Welt. Auch reden wir von solchem mündlichen Wort, da es mit Ernst geglaubt, und öffentlich bekannt wird vor der Welt, wie er spricht (Matth. 10,32.33. Luc. 12,8.): „Wer mich bekennet vor den Leuten, den will ich bekennen vor meinem Vater und seinen Engeln.“ (…). Wo du nun solch Wort hörest oder siehest predigen, glauben, bekennen und darnach tun, da habe keinen Zweifel, dass gewisslich daselbst sein muss eine rechte Ecclesia sancta catholica, ein christlich heilig Volk (1 Petr. 2,9.), wenn ihrer gleich sehr wenig sind. Denn Gottes Wort gehet nicht ledig ab, Jes. 55,11., sondern muss zum wenigsten ein Vierteil oder Stück vom Acker haben. Und wenn sonst kein Zeichen wäre, denn dies allein, so wäre es dennoch genugsam zu weisen, dass daselbst müsste sein ein christlich heilig Volk. Denn Gottes Wort kann nicht ohne Gottes Volk sein. Wiederum, Gottes Volk kann nicht ohne Gottes Wort sein. Wer wollte es sonst predigen oder predigen hören, wo kein Volk Gottes da wäre? Und was könnte oder wollte Gottes Volk glauben, wo Gottes Wort nicht da wäre?“ (Martin Luther)

 

VOLLKOMMENHEIT

„Gleichwie der Mensch durch den Abfall von Gott, das ist, durch eigene Liebe und eigene Ehre von Gott gerissen worden, und seine angeschaffene Vollkommenheit verloren hat, also muss er durch die Vereinigung mit Gott wieder zu seiner vollkommenen Ruhe und Seligkeit kommen. Denn des Menschen Vollkommenheit bestehet in der Vereinigung mit Gott. Darum musste Gottes Sohn Mensch werden, auf dass die menschliche Natur wieder mit Gott vereinigt, und also wieder zu ihrer Vollkommenheit gebracht würde. Denn gleichwie göttliche und menschliche Natur in Christo persönlich vereiniget ist, also müssen wir alle mit Christo durch den Glauben aus Gnaden vereiniget werden, auf dass die tiefe Verderbung unserer sündlichen Natur verbessert werde, als mit dem höchsten ewigen Gute.“ (Johann Arndt)

 

VOLLMACHT

„Ein Amt aber, welches mit Unsicherheit und Zweifel ausgeübt wird, ist nicht Christi Amt, ist kein Amt zur Seligkeit, sondern ein Amt des Fluches und der Verdammnis, denn der Kern alles Fluches und aller Verdammnis ist die Ungewissheit und der Zweifel (…). Diener jener Theorien sind bei der sonst löblichsten christlichen Gesinnung und dem ernstesten menschlichen Willen allezeit in Ungewissheit ob sie in konkreten Fällen göttliche Drohungen auszusprechen und geltend zu machen hätten, ob sie Gottes Gerichte für besondere Zustände in der Gemeinde verkündigen dürften, ob sie den Beruf besäßen, die Gemeinde um sich zu sammeln, ob sie mit Erfolg segnen könnten, ob sie die Sündenvergebung mitzuteilen oder bloß zu verkündigen hätten u. s. w., und viele unter ihnen, welche an sich das Charisma der Gewalt über die Geister besitzen, werden durch diese Unsicherheit sogar in der Anwendung dieser Gabe geschwächt. Wenn sie nun aber Drohungen und Gerichte verkündigen, die Gemeinde rufen, Segen sprechen, absolvieren, und dies nur mit dem leisesten Gedanken daran tun, ob sie das Recht oder die Macht dazu haben, oder auch nur, woher sie ihr Recht und ihre Macht zu leiten haben, ob daher oder dorther, so sind diese Dinge fast allesamt unkräftig, gewiss aber allesamt, ohne Ausnahme, dem, der sie handhabt, zum Gericht – er fängt notwendig an, das Wort an die Stelle der Tat zusetzen, er fängt an Phrasen zu machen, er schreitet fort zur Heuchelei und endigt mit der Lüge. Wohl dem, welcher in Zeiten zurechtgesetzt und auf seinem Irrwege umgewendet wird, wie es einem sonst redlichen Zweifler meiner Bekanntschaft einst widerfuhr: er wurde als Geistlicher an das Todbett eines schweren Sünders gerufen, welcher in der Bekehrung begriffen war, und Vergebung der Sünden begehrte. Noch im Dienste der Theorie von dem Amte welches aus der Gemeinde komme, folglich auch der, dass er die Sündenvergebung nur zu verkündigen habe, befangen, begann er seine „Verkündigung“. Aber der Kranke rief ihm entgegen: „Die Verkündigung kenne ich längst, und ist mir von andern noch kürzlich oftmals vorgehalten worden; ich will nicht die Sünden mit allen andern Sünden vergeben haben, ich will meine Sünden vergeben haben; ich will wissen, ob Sie Recht und Macht haben, mir diese Sünden zu vergeben“. Damit, sagte er, seien ihm die Schuppen von den Augen gefallen, und er habe dasmal und seitdem allezeit die Vergebung der Sünden nicht verkündigt, sondern im Namen des Herrn Christi erteilt.“ (August F. C. Vilmar)

 

VORSEHUNG

„Die Vorsehung Gottes im strengen Sinne ist die auf der Liebe sowie auf dem Vorwissen und dem Vorsatz Gottes ruhende Fürsorge, kraft deren alles Geschaffene erhalten, durchdrungen und geleitet wird, entsprechend dem Ziele, welches die Verherrlichung Gottes und das Wohl der Menschheit ist.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die Vorsehung ist eine solche Handlung Gottes, nach welcher Gott nicht nur schlechthin alles, sowohl das Gute, als das Böse, was geschieht und getan wird, weiß: sondern auch, mit welcher er alle Dinge, die er geschaffen hat, trägt und erhält, besonders aber für das Heil derer sorgt, die selig werden: die guten Taten der Menschen befiehlt, unterstützt, befördert, die bösen verhütet und verabscheut: und sie entweder verhindert, oder so zulässt, dass er sie, im Bezug auf ihr Ende, auch wider des Teufels und der Gottlosen Willen, zu seiner Verherrlichung und der Auserwählten Heil lenket.“ (Hunnius zitiert nach L. Hutter)

 

„Gott, der große Schöpfer aller Dinge, erhält, lenkt, verfügt und regiert über alle Kreaturen, Handlungen und Dinge – von den größten bis hin zu den geringsten – durch seine vollkommen weise und heilige Vorsehung, nach dem unfehlbaren Vorauswissen und dem freien und unveränderlichen Ratschluss seines eigenen Willens zum Lob seiner herrlichen Weisheit, Macht, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.“ (Westminster Bekenntnis)

 

„Gott ist nicht ein Werkmeister, der sein Werk, wenn er es gemacht hat, sich selbst überlässt und davon geht: sondern wie er dasselbe, die Welt, gemacht hat, so erhält er sie auch und trägt immerwährend Sorge um sie; darum spricht auch die hl. Schrift nie von der Schöpfung, ohne zugleich auch der über der Welt waltenden Fürsorge zu gedenken und eben darin liegt der höchste Trost des Christen, dass er sich Gott als einen in der Welt stets gegenwärtigen denken darf, der Sorge trägt für das Größte wie für das Kleinste und durch nichts gehindert ist, diese Sorge zu üben. Schon die natürliche Betrachtung der Welt und Beobachtung ihres Laufes legt uns diesen Trost nahe, doch vermögen wir denselben erst durch die Gewissheit, welche uns die Offenbarung hierüber gegeben hat, unwandelbar festzuhalten. Die Vorsehung Gottes erweist sich aber darin, dass Gott I. das in der Welt bereits Geschaffene erhält, dass er II. bei allem, was geschieht, mitwirkt, und III. alles in der Welt lenkt und leitet.“ (Heinrich Schmid)

 

WACHSTUM IM GLAUBEN

„Gott strebt danach, dass er sich uns völlig gebe. In gleicher Weise, wie wenn das Feuer das Holz in sich ziehen will und sich wiederum in das Holz; dann befindet es das Holz als ihm ungleich. Darum bedarf es der Zeit. Zuerst macht das Feuer das Holz warm und heiß; dann raucht es und kracht, weil das Holz ihm ungleich ist. Und je heißer das Holz dann wird, desto stiller und ruhiger wird es, und je gleicher das Holz dem Feuer ist, desto friedlicher ist es, bis es ganz und gar Feuer wird.“ (Meister Eckhart)

 

„Also ist dies Leben nicht eine Frommheit, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Wesen, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind’s noch nicht, wir werdens aber; es ist noch nicht getan und geschehen, es ist aber im Gang und Schwang. Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg; es glühet und glimmt noch nicht alles, es reinigt sich aber alles.“ (Martin Luther)

 

WAHRHEIT

„Weil wir nun den Geist und Brunnen der Wahrheit verlassen, und auf so viele Bücher fallen, auch ganz und gar vom Leben Christi abweichen, dass nichts mehr vom wahren Christentum fast übrig ist, denn der bloße Name, wie kann doch denn das wahre Licht bei uns bleiben? Und gehet uns wegen der vielen Bücher, wie St. Paulus spricht: 2 Tim. 3,7. Lernen immerdar und können nimmermehr zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn je mehr Bücher, je mehr Lernens. Und das heißt: immerdar Lernende. Nun aber ist die Wahrheit einig, und was einig ist, bedarf ja nicht vieler Bücher; und weil nun die Wahrheit einig ist, so muss auch zu dem einigen ein einiger Weg sein. Die einige Wahrheit aber ist Christus selbst, und er selbst ist auch der einige Weg dazu. Dieser einige Weg ist nun sein Leben, wer diesen Weg gehet, der kommt zu der einigen Wahrheit, d. i. zu Christo selbst, wie der Herr Christus, Joh. 14,6. spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Da meldet der Herr, dass er selbst die Wahrheit sei, und sei der Weg dazu. Gingen wir nun diesen Weg, und folgten dem Herrn Christo im Leben nach, wir bedürften nicht viel Bücher und Wegweiser, und wäre uns das einige Leben Christi anstatt vieler tausend Bücher, und Christus, das ewige Licht, würde uns bald erleuchten, und im Glauben einig machen.“ (Johann Arndt)

 

„Wir leben in einer Zeit, in welcher man, wie der Apostel von den Irrlehrern sagt, immerdar lernt und doch nicht zur Erkenntnis der Wahrheit kommen kann. Wir leben in einer Zeit der Gesinnung des Pilatus, welcher, als der Herr ihm bezeugte, dass er sei ein König der Wahrheit und sein Reich ein Reich der Wahrheit, spöttisch die Frage an den Herrn Christum richtete: „Was ist Wahrheit?“ – ohne aber eine Antwort abzuwarten. Der unselige Mensch dachte ohne Zweifel in seinem Herzen: „Die größten Geister haben schon Jahrtausende eine Antwort auf die Frage gesucht: Was ist Wahrheit? und haben sie nicht gefunden, und du armer Bettler, du elender Nazarener meinst, du seiest ein König der Wahrheit, und willst ein Reich stiften unwidersprechlicher, ewiger Wahrheit?“ Diese Verachtung der reinen Lehre, also der Wahrheit – denn reine Lehre ist eben nichts anderes als reines Wort Gottes, nicht etwa eine den Dogmatikern entsprechende Lehre, die angenommen worden ist von der Kirche – nein, absolut reine Lehre ist Gottes Wort – die Verachtung der reinen Lehre bezeugt es, dass wir in einer unaussprechlich traurigen Zeit leben. Denn wie spricht Gottes Wort selbst über Gottes Wort und reine Lehre? (…) Und was spricht unser lieber Herr Christus selbst? Er sagt Joh. 8,31.: „So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger, und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Ist es nun nicht schrecklich, wenn jetzt die deutschen Theologen sagen: „Ach Wahrheit! Wir streben nach Wahrheit, aber nur ein hochmütiger, selbstzufriedener Mensch wird sagen, dass er sie habe!“ So weit sind wir jetzt gesunken, dass man so redet, während der Herr ausdrücklich sagt: „und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“.“ (C. F. W. Walther)

 

„Das Gebot der völligen Wahrhaftigkeit ist nur ein anderes Wort für die Ganzheit der Nachfolge. Nur wer ein in der Nachfolge Gebundener Jesu ist, steht in der völligen Wahrhaftigkeit. Er hat vor seinem Herrn nichts zu verbergen. Er lebt aufgedeckt vor ihm. Er ist von Jesus erkannt, in die Wahrheit gestellt. Er ist als Sünder vor Jesus offenbar. Nicht er hat sich Jesus offenbart, sondern als Jesus sich ihm offenbarte in seinem Ruf, da wusste er sich von Jesus in seiner Sünde offenbart. Völlige Wahrhaftigkeit gibt es nur aus der aufgedeckten Sünde heraus, die auch von Jesus vergeben ist. Wer im Bekenntnis seiner Sünde vor Jesus in der Wahrheit steht, der allein schämt sich nicht der Wahrheit, wo auch immer sie gesagt werden muss. Die Wahrhaftigkeit, die Jesus von seinem Jünger fordert, besteht in der Selbstverleugnung, die die Sünde nicht verdeckt. Es ist alles offenbar und licht (…). Es gibt keine Wahrheit Jesus gegenüber ohne Wahrheit den Menschen gegenüber. Die Lüge zerstört die Gemeinschaft. Wahrheit aber zerschneidet falsche Gemeinschaft und begründet echte Bruderschaft. Es gibt keine Nachfolge Jesu ohne das Leben in der aufgedeckten Wahrheit vor Gott und den Menschen.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

„Der Mensch kann die Wahrheit verkennen, verachten und aufhalten; aber wie umwegs oder verkehrt er es auch treibe, so irrt er sich nur, und mitten in solchem Treiben suchet und meinet er sie. Er kann ihr‘r nicht entbehren; und es ist nicht möglich, wenn sie ihm erscheint, dass er sein Haupt nicht vor ihr beuge. Irren ist menschlich, Andres! Aber die Wahrheit ist unschuldig. Sie ist immer bereit und immer wert und wird auch wohl am Ende recht behalten. Aber es macht Dir graue Haare, schreibst Du, unsern Herrn Christus verkannt und verachtet zu sehen. – Du liebe, gerechte Seele, mag es doch; wer sie um ihn trägt, der trägt mit Ehren graues Haar. Zwar seinetwegen brauchst Du Dir keine wachsen zu lassen. Er will wohl bleiben, was er ist. So viele ihrer die Wahrheit nicht erkennen und nutzen, die haben des freilich Schaden; aber was kann es ihr schaden, ob sie erkannt und genutzt wird oder nicht? Sie bedarf keines, und es ist die Größe und Herrlichkeit ihrer Natur, dass sie immer bereit ist, von Undank nicht ermüdet wird und wie die aufgehende Sonne mit den Wolken und Dünsten ringt, um sie zu reinigen und zu vergolden. Lass sie denn ringen, Andres; und brich Dir auch, um was Du nicht ändern kannst, das Herz nicht. Wer nicht an Christus glauben will, der muss sehen, wie er ohne ihn raten kann.“ (Matthias Claudius) 

 

„Die Wahrheit währet lange. Die Zeit setzt sie auf die Probe, aber sie hält die Prüfung sehr gut aus. Wenn ich also die Wahrheit gesprochen habe und für jetzt deshalb leide, so muss ich zufrieden sein, zu warten. Wenn ich die Wahrheit Gottes glaube und mich bemühe, sie zu verkünden, so mag ich viel Widerstand finden, aber ich brauche mich nicht zu fürchten, denn zuletzt muss doch die Wahrheit obsiegen. Was für eine armselige Sache ist der zeitweilige Triumph der Falschheit! „Eine falsche Zunge währet nur einen Augenblick!“ Sie ist bloß ein Kürbis, der in einer Nacht aufwächst und in einer Nacht verdirbt; und je größer ihre Entwickelung, desto offenbarer ihr Hinwelken (…). O mein Herz, trage Sorge, dass du in allen Dingen auf Seiten der Wahrheit bist, sowohl in kleinen als in großen Dingen; aber besonders auf Seiten dessen, durch den Gnade und Wahrheit unter die Menschen gekommen ist!“ (Charles H. Spurgeon)

 

„So wie es ein Verbrechen ist, den Frieden zu stören, wo die Wahrheit herrscht, so ist es auch ein Verbrechen, im Frieden zu verharren, wenn man der Wahrheit Gewalt antut.“ (Blaise Pascal)

 

„Was will das neunte Gebot? Dass ich wider niemand falsches Zeugnis gebe, niemandes Worte verkehre, kein Nachredner und Lästerer sei, niemand ungehört und leicht verdammen helfe, sondern alle Lüge und Betrug als eigene Werke des Teufels bei schwerem Gotteszorn vermeide, in Gerichts- und allen anderen Handlungen die Wahrheit liebe, aufrichtig sage und bekenne sowie meines Nächsten Ehre und Ruf nach meinem Vermögen rette und fördere.“ (Heidelberger Katechismus)

 

WEIHNACHT 

„Es waren ein reicher Mann und eine reiche Frau. Da geschah der Frau ein Unfall, sodass sie ein Auge verlor; darüber war sie sehr traurig. Da kam der Mann zu ihr und sagte: »Herrin, warum seid Ihr so traurig? Ihr sollt nicht traurig sein, dass Ihr Euer Auge verloren habt.« Da sprach sie: »Herr, ich bin nicht traurig, weil ich ein Auge verloren habe, aber ich bin betrübt, weil ich glaube, Ihr werdet mich jetzt weniger lieb haben.« Da sagte er: »Herrin, ich habe Euch lieb.« Nicht lange danach stach er sich selbst ein Auge aus und kam zu der Frau und sprach: »Herrin, damit Ihr nun glaubt, dass ich Euch lieb habe, habe ich mich Euch gleich gemacht; ich habe nun auch nur noch ein Auge.« So ist der Mensch: der konnte kaum glauben, dass Gott ihn so lieb hatte, bis dass Gott sich selbst ein Auge ausstach und menschliche Natur annahm.“ (Meister Eckhart)

 

WEISHEIT

„O wie ist das so eine große Weisheit, wenn ein Mensch sein eigenes Nichts erkennet. Der Mensch ist nichts, gleichwie ein Schatten nichts ist. Denn ein Schatten ist ein lebloses, totes, ohnmächtiges Ding, das keinen Leib, Leben, noch Bewegung von sich selbst hat, und vergehet, wenn die Sonne hinweg ist. Also auch der Mensch, wenn Gott das Licht des Lebens entziehet. Und dies ist ein Wunder, je näher die Sonne, desto kleiner der Schatten. Also, je näher Gott mit seinen Gaben, desto kleiner ein frommer, gottesfürchtiger Mensch ist in seinen Augen und vor der Welt. Und je weiter die Sonne von uns, desto größerer Schatten. Also je weiter der Mensch von Gott ist, desto größer er wird in seinem Herzen und innerlicher Hoffart.“ (Johann Arndt)

 

WEISHEIT GOTTES 

„Die Weisheit Gottes ist die Eigenschaft, kraft deren er für die ganze Schöpfung das herrlichste Ziel gesetzt hat und dieses Ziel mit unfehlbaren und seiner Heiligkeit vollkommen entsprechenden Mitteln zu erreichen weiss.“ (Adolf Hoenecke)

 

WELT

„Wenn man das Leben der jetzigen Welt gegen Christi Lehre und Leben hält, so befindet sich augenscheinlich, dass das Leben des meisten Teils der Welt ganz wider Christum ist. Denn was ist der Menschen Leben jetzt anders, als Geiz, Sorge der Nahrung und Wucher, Fleischeslust, Augenlust, hoffärtiges Leben? Das ist das Meiste und Beste, so in der Welt ist; große Ehre auf Erden, großes Ansehen, großer Name, Ungehorsam, Zorn, Zank, Krieg, Uneinigkeit, Feindschaft, Rachgier in Worten und Werken, heimlicher Neid, Unversöhnlichkeit, Ungerechtigkeit, Unreinigkeit, Betrug, Falschheit, Verleumdung. Und in Summa, das ganze Leben der Weltkinder zu dieser Zeit ist nichts als Weltliebe, eigene Liebe, eigene Ehre, Eigennutz.“ (Johann Arndt)

 

WERKE

„Ringet danach, dass ihr durch die enge Pforte eingeht; denn viele werden, das sage ich euch, danach trachten, wie sie hinein kommen, und werden es nicht können“ (Lk 13,24). Ei, warum nicht? Darum, weil sie nicht wissen, was die enge Pforte ist. Sie ist der Glaube, der den Menschen klein, ja, ganz zunichte macht, dass er an allen seinen Werken verzagen und nur an Gottes Gnade allein haften, darüber auch alle Dinge fahren lassen muss. Aber die Heiligen von der Art des Kain meinen, die enge Pforte seien die guten Werke; darum werden sie nicht klein, verzagen nicht an denselben, ja sie sammeln sie in großen Säcken, hängen sie sich um und wollen so hindurch. Und sie werden ebenso hindurch gehen, wie das Kamel mit seinem großen Höcker durch das Nadelöhr gehen kann.“ (Martin Luther)

 

„Weil der Mensch von Natur ist unter Gottes Zorn, so sind auch alle seine natürlichen Werke unter Gottes Zorn, er tue auch so hohe Werke vor der Welt, als er immer wolle, denn er kann außer der Gnade Gottes nichts tun, das Gott wohlgefalle; ist er aber in Gnaden, so sind alle seine Werke in Gnaden, und gefallen Gott wohl, denn Gottes Gnade wirket dieselben in ihm.“ (Johann Arndt)

 

WIEDERGEBURT

„Die Wiedergeburt ist derjenige Akt des Heil. Geistes, da er einen geistlich toten Menschen geistlich lebendig macht, indem er denselben durch das Sakrament der Taufe oder durch das Wort des Evangeliums mit dem seligmachenden Glauben beschenkt.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Die bekehrten Menschen gebiert Gott von neuem nicht durch wesentliche Veränderung ihrer Natur, sondern durch Ertötung der sündlichen Art und ihrer bösen Werke, auch durch Erweckung aller menschlichen Kräfte zu heiligen Werken und einem neuen Leben.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Die neue Geburt ist ein Werk Gottes des heiligen Geistes, dadurch ein Mensch aus einem Kinde des Zorns und Verdammnis ein Kind der Gnaden und Seligkeit wird; aus einem Sünder ein Gerechter durch den Glauben, Wort und Sakrament; dadurch auch unser Herz, Sinn und Gemüt, Verstand, Willen und Affekten erneuert, erleuchtet, geheiliget werden in und nach Christo Jesu, zu einer neuen Kreatur. Denn die neue Geburt begreift zwei Hauptwohltaten in sich, die Rechtfertigung und die Heiligung oder Erneuerung, Tit. 3,5.“ (Johann Arndt)

 

„Durch diese herzliche Zuversicht und herzliches Vertrauen gibt der Mensch Gott sein Herz ganz und gar, ruhet allein in Gott, lässt sich ihm, hanget ihm allein an, vereiniget sich mit Gott, wird teilhaftig alles deß, was Gottes und Christi ist, wird ein Geist mit Gott, empfängt aus ihm neue Kräfte, neues Leben, neuen Trost, Friede und Freude, Ruhe der Seele, Gerechtigkeit und Heiligkeit, und also wird der Mensch aus Gott durch den Glauben neu geboren. Denn wo der wahre Glaube ist, da ist Christus mit aller seiner Gerechtigkeit, Heiligkeit, Erlösung, Verdienst, Gnade, Vergebung der Sünden, Kindschaft Gottes, Erbschaft des ewigen Lebens. Das ist die neue Geburt, die da kommt aus dem Glauben an Christum. Daher die Epistel an die Hebr. am 11,1. den Glauben eine Substanz nennet, oder eine ungezweifelte, wahrhaftige Zuversicht der Dinge, die man hoffet, und eine Überzeugung deß, so man nicht siehet. Denn der Trost des lebendigen Glaubens wird dermaßen im Herzen kräftig, dass er das Herz überzeuget, indem man das himmlische Gut empfindet in der Seele, nämlich Ruhe und Frieden in Gott, so gewiss und wahrhaftig, dass man auch darauf sterben kann mit freudigem Herzen. Das ist die Stärke im Geist an dem inwendigen Menschen, und die Freudigkeit des Glaubens, das ist die Freudigkeit in Gott, und die ganz ungezweifelte Gewissheit.“ (Johann Arndt)

 

WIEDERKUNFT CHRISTI

„Was tröstet dich die Wiederkunft Christi, zu richten die Lebenden und die Toten? Dass ich in aller Trübsal und Verfolgung mit aufgerichtetem Haupt eben des Richters, der sich zuvor dem Gericht Gottes für mich dargestellt und allen Fluch von mir weggenommen hat, aus dem Himmel sicher bin, dass er alle seine und meine Feinde in die ewige Verdammnis werfe, mich aber und alle Auserwählten zu sich in die himmlische Freude und Herrlichkeit nehme.“ (Heidelberger Katechismus)

 

WILLE GOTTES 

„Mir kam neulich der Gedanke: Wollte Gott nicht wie ich, so wollte ich doch wie er. Manche Leute wollen in allen Dingen ihren eigenen Willen haben; das ist böse, es steckt ein Makel darin. Die anderen sind ein wenig besser: die wollen wohl, was Gott will, und gegen seinen Willen wollen sie nichts; wären sie aber krank, so wollten sie wohl, es möchte Gottes Wille sein, dass sie gesund wären. So wollten also diese Leute lieber, dass Gott nach ihrem Willen wollte, als dass sie nach seinem Willen wollten. Man muss es hingehen lassen, es ist aber das Rechte nicht. Die Gerechten haben überhaupt keinen Willen; was Gott will, das gilt ihnen alles gleich, wie groß das Ungemach auch sei.“ (Meister Eckhart)

 

„Ein guter Mensch kann der nicht sein, der nicht will, was Gott in jedem besondern Falle will, denn es ist unmöglich, dass Gott irgend etwas denn Gutes wolle; und insonderheit gerade darin und dadurch, dass es Gott will, wird es und ist es notwendig gut und zugleich das Beste. Und darum lehrte unser Herr die Apostel und uns in ihnen und beten wir alle Tage darum, dass Gottes Wille geschehe. Und doch, wenn Gottes Wille kommt und geschieht, so klagen wir (…). Ein guter Mensch soll darin Gott vertrauen, ihm glauben und gewiss sein und ihn als so gut kennen, dass es Gott und seiner Güte und Liebe unmöglich ist zuzulassen, dass dem Menschen irgendein Leiden oder Leid zustoße, ohne dass er entweder dem Menschen größeres Leid dadurch verhüten oder ihn auch auf Erden schon stärker trösten oder etwas Besseres davon und daraus machen wolle, worin Gottes Ehre umfassender und stärker in Erscheinung träte. Doch, wie dem auch sei: deshalb allein, weil es Gottes Wille ist, dass es geschehe, soll des guten Menschen Wille so ganz und gar mit Gottes Willen eins und geeint sein, dass der Mensch mit Gott dasselbe wolle, selbst wenn es sein Schaden und gar seine Verdammnis wäre.“ (Meister Eckhart)

 

WILLENSFREIHEIT 

„Was belanget weltliche und äußerliche Sachen, Zucht und Ehrbarkeit, kann und vermag der Mensch etwas mit seinen natürlichen Kräften … Was aber belanget geistliche Sachen und Händel, als, was zur ganzen Bekehrung des Menschen gehöret, Buße, Glauben, neuen Gehorsam und was dem anhängig ist, anzufangen, zuwege zu bringen, zu tun und verrichten, rechtschaffen und also, wie Gottes Wort dasselbige fordert, da hat der natürliche Mensch von ihm selbst aus der ersten Geburt, wie er ist ohne Erneuerung des H. Geistes, gar keine Kräfte und Vermögen zu, ja ist demselbigen entgegen und zuwider.“ (Martin Chemnitz)

 

„In seinem Stand der Unschuld besaß der Mensch die Freiheit und Kraft, das zu wollen und zu tun, was gut und wohlgefällig vor Gott ist; dies jedoch veränderlich, sodass die Möglichkeit gegeben war, auch davon abzufallen. Durch seinen Fall in den Stand der Sünde hat der Mensch alle mit seiner Erlösung verbundene Fähigkeit verloren, das geistlich Gute zu wollen. Deshalb ist der natürliche, völlig von diesem Guten abgewandte, in Sünden tote Mensch unfähig, sich durch eigene Kraft selbst zu bekehren oder sich selbst darauf vorzubereiten.“ (Westminster Bekenntnis)

 

„Vom freien Willen wird gelehrt, dass der Mensch in gewisser Weise einen freien Willen hat, nämlich äußerlich ehrbar zu leben und unter den Dingen zu wählen, die [dem Urteil] der Vernunft zugänglich sind. Aber der Mensch vermag nicht, ohne die Gnade, Hilfe und das Wirken des Heiligen Geistes Gott wohlgefällig zu werden, Gott von Herzen zu fürchten oder zu glauben und die angeborenen bösen Lüste aus dem Herzen zu werfen. Solches geschieht vielmehr durch den Heiligen Geist, der durch Gottes Wort gegeben wird.“ (Confessio Augustana)

 

„Wenn Gott vorhergewusst hat, dass Judas der Verräter sein werde, so wurde Judas mit Notwendigkeit der Verräter, und es war nicht in der Hand des Judas oder irgend einer Kreatur, es anders zu machen oder den Willen zu ändern, wiewohl er dies, indem er es wollte, nicht gezwungen tat, aber jenes Wollen war das Werk Gottes, welches seine Allmacht bewegte, wie auch alles Andere. Denn es steht unüberwindlich und deutlich der Spruch da (Hebr. 6,18.): „Gott lügt nicht“ und fehlt auch nicht. Hier sind nicht dunkle oder zweifelhafte Worte, wenngleich die gelehrtesten Männer aller Jahrhunderte allesamt blind sein sollten, so dass sie anders hielten und sagten. Und solltest du auch viele Ausflüchte machen, so wird doch dein und aller Gewissen, überführt, gezwungen so zu sagen: Wenn Gott nicht fehlt in dem, was er vorherweiß, so ist es notwendig, dass gerade das Vorhergewusste geschehe, denn wer könnte sonst seinen Verheißungen glauben, wer seine Drohungen fürchten, wenn nicht notwendiger Weise folgt, was er verheißt oder droht, oder wie sollte er verheißen oder drohen, wenn sein Vorherwissen trügt oder durch unsere Veränderlichkeit gehindert werden kann? Es verstopft dieses überaus helle Licht der gewissen Wahrheit völlig den Mund aller, löst alle Fragen auf und hat den Sieg erlangt wider alle spitzfindigen Ausflüchte. Wir wissen freilich, dass das Vorherwissen der Menschen irrt, wir wissen, dass eine Sonnenfinsternis nicht um deß willen kommt, weil man sie vorherweiß, sondern dass man sie darum vorherweiß, weil sie kommen wird. Was haben wir mit diesem Vorherwissen zu tun? Wir disputieren von dem Vorherwissen Gottes; wenn du diesem nicht zuschreibst, dass das Vorhergewusste notwendig gewirkt werde, so hast du schon den Glauben und die Furcht Gottes weggenommen, hast alle göttlichen Verheißungen und Drohungen wankend gemacht und sogar die Gottheit selbst geleugnet.“ (Martin Luther)

 

„Denn man soll frei daran verzweifeln, dass jemand einen guten Willen, gute Meinung, guten Vorsatz habe oder machen möge. Denn, wie oben gesagt, da ist allererst ein guter Wille, da kein Wille ist. Denn wo kein Wille ist, da ist allein Gottes Wille, der allerbeste. Darum wissen solche Kläffer viel, was böser oder guter Wille ist, und fahren frei einhin, und machen, dass wir mit dem Munde sprechen: „Dein Wille geschehe“; mit dem Herzen aber: „Mein Wille geschehe“, und also Gott und uns selbst spotten. So spricht man: Ei, hat uns doch Gott einen freien Willen gegeben. Antwort: Ja, freilich hat er dir einen freien Willen gegeben; warum willst du ihn denn machen zu einem eigenen Willen, und lässt ihn nicht frei bleiben? Wenn du damit tust, was du willst, so ist er nicht frei, sondern dein eigen. Gott aber hat dir, noch niemand einen eigenen Willen gegeben; denn der eigene Wille kommt vom Teufel und Adam, die haben ihren freien Willen, von Gott empfangen, ihnen selbst zu eigen gemacht. Denn ein freier Wille ist, der nichts Eigenes will, sondern allein auf Gottes Willen schauet, dadurch er denn auch frei bleibt, nirgend anhangend oder anklebend.“ (Martin Luther)

 

WISSEN

„Laß ab von allzugroßer Wissbegierde, denn es ist viel Zerstreuung und Betrug dabei. Die viel wissen, wollen gern glänzen und für Weise gehalten werden. Es gibt viele Dinge, deren Kenntnis der Seele wenig oder nichts frommt. Und sehr töricht ist derjenige, welcher nach andern Dingen trachtet, als denen, die zu seinem Heile dienen. Viele Worte sättigen die Seele nicht, aber ein gottseliges Leben erquicket das Gemüt und ein reines Gewissen verleiht große Zuversicht auf Gott. Je größer und gründlicher dein Wissen ist, desto strenger wirst du darnach gerichtet werden, wenn du nicht um so heiliger gelebt hast. Darum erhebe dich nicht wegen irgend einer Kunst oder Wissenschaft, sondern fürchte dich vielmehr der dir verliehenen Einsicht wegen. Wenn es dir scheint, du wissest viel und verstehest es gut genug; so sollst du doch wissen, dass es noch viel mehr Dinge gibt, die du nicht weißt. Tue nicht groß mit dem Wissen, sondern bekenne lieber deine Unwissenheit. - Was willst du dich über einen Andern erheben, da es so Viele gibt, die gelehrter und im Gesetz erfahrener sind, als du? Wenn du aber etwas Nützliches wissen und lernen willst, so lerne, gern unbekannt bleiben und für nichts gehalten werden.“ (Thomas von Kempen)

 

„Was nützt es dir, über die Dreieinigkeit hochgelehrt streiten zu können, wenn du die Demut nicht hast, ohne die du der Dreieinigkeit nur missfällst?“ (Thomas von Kempen)

 

„Je mehr du weißt und je besser du’s einsiehst, desto strenger wirst du darüber gerichtet werden, wenn du nicht um so viel heiliger gelebt hast, als deine Einsicht besser war. Darum trag du den Kopf deshalb nicht höher, weil du irgendeine Kunst oder Wissenschaft besitzt. Eben dies, dass dir soviel Erkenntnis gegeben ist, soll dich mehr furchtsam als stolz machen. Denn sie ist’s eben, die dich verdammt, wenn du nicht heiliger lebst als andere, die deine Erkenntnis nicht haben.“ (Thomas von Kempen)

 

WORT GOTTES 

„Wer nicht die Heilige Schrift hat, muss sich mit seinen Gedanken begnügen. Wer keinen Kalk hat, mauert mit Dreck.“ (Martin Luther)

 

„Was ist die heilige Schrift? Sie ist das Wort Gottes, welches auf den Antrieb des heiligen Geistes von den Propheten und Aposteln niedergeschrieben ist und uns von dem Wesen und dem Willen Gottes unterweiset.“ (Leonhard Hutter)

 

„Was ist denn Gottes Wort? Es ist die heimliche, verborgene Weisheit Gottes, 1 Kor. 2, darin Gott sein Wesen und Willen durch’s Wort uns armen Menschen offenbaret, so viel uns zu wissen in diesem Leben dazu vonnöten ist, dass wir unsere Not und Elend, darein wir durch die Sünde geraten, erkennen, item, wie uns daraus geholfen werde, wie wir Gott recht erkennen und ehren, uns auch gottseliglich verhalten sollen, und was nach diesem Leben folgen werde etc.“ (Martin Chemnitz)

 

„Gottes Wort vereiniget uns mit Gott, vermählet unsere Seele mit Christo durch den Glauben, machet unser Herz zur Wohnung, Tempel und Werkstatt des heil. Geistes, mehret den Glauben, entzündet die Liebe, stärket die Hoffnung, gebieret Geduld, machet kräftig das Gebet, erwecket die Andacht, lindert die Trübsal, heilet die geistlichen Schmerzen, tröstet die Traurigkeit, besänftigt die Betrübnis erweichet die Härtigkeit des Herzens, bewegt zum Mitleiden, verschmähet der Welt Eitelkeit, wirket Demut, entdecket dem Menschen seine eigene Schwachheit, streitet wider die Anfechtung, offenbaret göttliche Geheimnisse, preiset die Werke Gottes, mildert das menschliche Elend, bessert das ganze Leben, locket herzu die heiligen Engel, gibt einen Vorgeschmack des ewigen Lebens, und gibt das Geleit ins ewige Vaterland.“ (Johann Arndt)

 

„Von Gott heißt, das nach seinem Wort und Gebot durch uns geschieht. Ohne Gott heißt, das außer seinem Wort und Gebot durch uns selber geschieht. Denn wir nun so oft gelehrt haben, dass wir nichts tun sollen, wir haben denn gewiss Gottes Wort dazu, und Gott selber auch nichts mit uns zu tun hat, noch wir mit ihm, ohne das einige Mittel, welches ist sein Wort, wodurch wir seinen Willen erkennen und uns darnach zu richten haben. Wer einen Gott hat ohne sein Wort, der hat keinen Gott, denn der rechte Gott hat unser Leben, Wesen, Stand, Amt, Reden, Tun, Lassen, Leiden und alles in sein Wort gefasst, und uns vorgebildet, dass wir außer seinem Wort nichts suchen, noch wissen dürfen noch sollen, auch von Gott selbst nicht, denn er will von uns außer seinem Wort mit unserm Dichten und Nachdenken unbegriffen, ungesucht, ungefunden sein, wie Salomo sagt, Sprichw. 25,27.: „Wer die Majestät erforschet, den wird sie unterdrücken.“ Darum gebührt uns nicht, zu tun noch zu urteilen nach dem heimlichen Rat und Willen seiner Majestät, sondern alles und allein nach dem öffentlichen Rat und Willen seines Worts.“ (Martin Luther)

 

„Wie wir glauben und bekennen, dass die Schriften Gottes hinreichend sind, um die Menschen Gottes zu belehren und vollkommen zu machen, so behaupten und bekennen wir auch, dass die Autorität derselben von Gott sei und weder von einem Menschen noch von einem Engel abhängt. Wir bezeugen daher, dass diejenigen, welche vorgeben, die Schrift habe keine Autorität, sondern das, was von der Kirche angenommen sei, Gott lästern und die wahre Kirche beleidigen, welche immer nur hört auf die Stimme ihres eigenen Bräutigams und Hirten und ihr allein gehorcht; aber sich nicht anmaßt, seine Herrin zu sein.“ (John Knox) 

 

„Wir glauben, lehren und bekennen, dass die einzige Regel und Richtschnur, nach welcher alle Lehren und alle Lehrer gerichtet und beurteilt werden sollen, allein die prophetischen und apostolischen Schriften des Alten und Neuen Testamentes sind.“ (Konkordienformel)

 

„Die Heil. Schrift oder die einzige Erkenntnisquelle der Religion, Theologie und Dogmatik ist nichts anders als das Wort Gottes, das unter Eingebung des Heil. Geistes durch die Propheten, Evangelisten und Apostel schriftlich niedergelegt ist, damit die Sünder aus demselben die Erkenntnis zum ewigen Leben gewinnen sollen.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Gott wollte, dass seine Offenbarung schriftlich aufgezeichnet würde, damit dieselbe für alle Zeiten rein und lauter erhalten werde: darum hat er sie niedergelegt in hl. Schrift A. und N. Testaments. Dieselbe wird daher definiert als das schriftlich aufgezeichnete Wort Gottes (…). Zwischen ihr und dem Worte Gottes ist dann kein realer Unterschied mehr, da sie nichts anderes mehr enthält, als eben dieses Wort Gottes, welches auch mündlich verkündigt wurde, und zugleich dieses Wort Gottes ganz und vollständig, so dass jetzt außerhalb ihrer kein Wort Gottes mehr zu finden ist. – Indem aber die hl. Schrift Gottes Wort ist, unterscheidet sie sich dadurch von allen anderen Büchern, denn sie ist damit ihrem ganzen Sinn und Inhalt nach durchaus göttlich: das aber ist sie dadurch, dass sie von Gott den Propheten und Aposteln ist eingegeben worden. Gott also ist ihr Urheber (causa principalis), und Propheten und Apostel sind nur die causa instrumentalis, deren sich Gott bei Anfertigung derselben bediente. Wir haben darnach die Entstehung der hl. Schrift einer besonderen Wirkung Gottes zuzuschreiben, vermöge welcher er die Propheten und Apostel zu Anfertigung hl. Schrift antrieb, und ihnen das zu Schreibende nach Form und Inhalt eingab. Diese Wirkung Gottes, durch welche die hl. Schrift entstanden ist, nennen wir Inspiration.“ (Heinrich Schmid)

 

„Wenn die hl. Schrift wirklich Gottes Wort ist, so folgt daraus, dass wir ihr zu unbedingtem Glauben und Gehorsam verpflichtet sind: wenn sie allein Gottes Wort ist, und es außer ihr keine Quelle der Wahrheit gibt, so muss sie dieselbe vollkommen enthalten und muss sie deutlich genug sein, damit wir aus ihr die Wahrheit wirklich schöpfen können: wenn sie endlich als Gottes Wort das einzige Mittel ist, durch welches wir zum Glauben gelangen können, so muss sie auch mächtig genug sein, diesen Glauben in uns zu wirken.“ (Heinrich Schmid)

 

„Dir, Herr, mein Gott, gebührt Lob, Ehre und Dank, dass du jenes väterliche Wohlgefallen und jenen Ratschluss von unserm Heile durch die Predigt des Wortes uns offenbaren wolltest. Von Natur sind wir Finsternis; wir sitzen in Finsternis und am Ort der Schatten des Todes; du aber vertreibst durch das helle Licht des Evangeliums jene Finsternis. In deinem Lichte sehen wir das Licht; das ist, im Lichte des Wortes sehen wir jenes wahrhaftige Licht, das in diese Welt kam, um alle Menschen zu erleuchten. Welchen Nutzen hätte der verborgene Schatz gewährt, und das Licht, unter dem Scheffel versteckt? Mit dankbarem Herzen preise ich daher jene große Wohltat, dass du uns durch das Wort des Evangeliums den Schatz der Wohltaten deines Sohnes geoffenbart hast. Wie lieblich sind die Füße derer, die da Gutes predigen, Heil verkündigen! Diesen Frieden des Gewissens und dies Heil der Seele durch das Wort des Evangeliums verkündigest du uns noch heute, und rufst uns zum Reiche deines Sohnes. Ich war auf die Abwege der Irrtümer geraten, als ein elendes und schwaches Schäflein; du aber hast mich durch das Wort auf den Weg zurückgerufen. Ich war verdammt und verloren; du aber bietest mir im Wort des Evangeliums die Wohltaten Christi an; in den Wohltaten Christi deine Gnade; in deiner Gnade die Vergebung der Sünden; in der Vergebung der Sünden die Gerechtigkeit; in der Gerechtigkeit das Leben und die ewige Seligkeit. Wer kann diese deine herzliche Barmherzigkeit mit Worten würdig preisen? Ja, wer kann die Größe und den Reichtum deiner Güte ausdenken? Das Geheimnis von unserm Heile, das von Ewigkeit her verschwiegen gewesen ist, tust du uns kund durch die Offenbarung des Evangeliums; die Gedanken des Friedens, die du vor Grundlegung der Welt über uns hattest, enthüllest du uns durch die Predigt des Wortes, das unsern Füßen eine Leuchte zum ewigen Lichte ist, während sie durch dieses dunkle Tal wallen. Was hätte es uns genützt, geboren zu werden, wenn du uns nicht durch Christum befreit hättest, da wir durch die Sünde gefangen waren? Was hätte es uns genützt, erlöst zu werden, wenn du uns nicht diese unermessliche Wohltat der Erlösung durch das Wort verkündiget hättest? Du reckest deine Hände den ganzen Tag zu uns aus; du klopfest täglich an die Türe unsers Herzens, und rufst uns alle durch dein Wort zu dir, gütigster Herr! Wie viele Millionen Menschen leben in der Blindheit und den Irrtümern des Heidentums, denen kein solches Licht eines himmlischen Wortes er schienen ist, wie uns höchst Undankbaren deine Güte gestattet hat! Ach wie oft verdienen wir durch unsere Geringschätzung und Undankbarkeit, dass du den Leuchter des Wortes von uns wegnehmest; du aber bist langmütig, und übersiehst unsere Sünden, und bewahrst uns noch jene heiligste Beilage des Wortes, den kostbarsten Schatz, aus unaussprechlicher Barmherzigkeit. Für diese Wohltat sagen wir dir ewiglich Dank, und bitten dich demütig, du wollest uns denselben ferner erhalten! Amen.“ (Johann Gerhard)

 

„Einst stellte sich der Herr, als wollte er weiter gehen, um den Jüngern die Bitte zu entlocken: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden! In ganz ähnlicher Weise verfährt er noch jetzt mit der frommen Seele. Er geht vorüber, um gehalten, er entfernt sich, um zurückgerufen zu werden. Denn das ewige Wort ist kein unwiederbringliches; es geht und kommt wieder nach Wohlgefallen; es scheidet nach seiner Weisheit, es kehrt zurück nach seiner Liebe. Seine Einkehr ist geheimnisvoll und wunderbar. Man fühlt, dass es da ist, man erinnert sich, dass es dagewesen, man kann seine Ankunft zuweilen vorausempfinden, aber den Punkt, wann es ein- oder austritt, niemals bestimmen. Wer mag auch sagen, wie es in die Seele kommt. Ich fragte die Sinne, aber sie wussten nichts von dem, das nicht in die Sinne fällt, ich fragte mein Inneres, aber es antwortete: Wie kann das Gute aus mir entspringen, da in mir nichts Gutes wohnt? Ich stieg, so hoch ich konnte, aber das Wort blieb höher als ich; ich senkte mich, so tief ich es vermochte, aber das Wort blieb allezeit unter mir. Da habe ich die Wahrheit des Ausspruchs erkannt: In ihm leben, weben und sind wir! Sind aber seine Wege so unerforschlich, mag jemand einwenden, woher weißt du, dass es da ist? An seinen Werken, spreche ich. Denn lebendig und wirksam ist es; es bewegt und erweckt die schlummernde Seele, es verwundet und erweicht das harte Herz. Das Alte wird ausgerottet und niedergerissen, Neues gepflanzt und aufgebaut. Über das Dürre strömen Wasserquellen, in die Finsternis scheint Licht hinein, das Verschlossene öffnet, das Kalte erwärmt sich. Das Krumme wird gerade, das Raue eben gemacht; fleischliche Lüste gehen, gute Empfindungen kommen. Da lobt die Seele den Herrn und alles, was in ihr ist, seinen heiligen Namen.“ 

Bernhard (+1153) 

 

„Auf zweifache Weise tröstet Gott den Menschen: durch die Kreaturen und durch seine Worte; aber die Worte müssen uns mehr gelten, da sie aus dem Mund Gottes gehen, und die Kreaturen aus nichts geschaffen sind. Gleichwie die Braut sich inniger an des Bräutigams Stimme als an seinen Geschenken erfreut, wie der Untertan es höher achtet, wenn er Worte seines Monarchen zu vernehmen gewürdigt wird, als wenn er eine bloße Gabe von ihm empfängt, und wie dem guten Sohn eine Unterhaltung mit dem Vater lieber ist als eine Unterstützung von ihm; so muss der Mensch die Worte seines Gottes höher achten, als die Kreaturen, die ihm nur zum Unterpfand und Dienst gegeben sind.“ 

Raymund (+1436) 

 

WUNDER

„Mögen andere die göttliche Macht bewundern, die göttliche Gnade ist noch viel mehr zu bewundern, wenngleich in Gott die Macht und die Barmherzigkeit einander die Waage halten, nämlich beide unendlich sind. Mögen andere die Schöpfung bewundern, mir gefällt es mehr die Erlösung zu bewundern, wenngleich sowohl die Schöpfung als die Erlösung die Tat einer unendlichen Macht ist. Groß ist es, den Menschen, der nichts verdient hat, weil er noch nicht einmal da ist, zu schaffen; größer scheint es noch zu sein, den Menschen, der sich versündigt hat, zu erlösen und die Genugtuung der Schuld auf sich zu nehmen. Wundernswert ist es, dass unser Fleisch und unsere Gebeine uns von Gott gebildet sind; wundernswerter noch ist es, dass Gott selbst Fleisch von unserm Fleische, und Bein von unsern Gebeinen werden wollte Eph. 5,30. O meine Seele, danke deinem Gott, der dich geschaffen hat, da du noch nicht warest, der dich erlöst hat, da du durch die Sünde verdammt warest, der dir, weil du Christo durch den Glauben anhängest, himmlische Freuden bereitet hat!“ (Johann Gerhard)

 

ZEHN GEBOTE

„Was ist denn der erste Nutzen der zehn Gebote? Dass dieselben uns alle Sünden, nicht nur die äußerlichen, groben und handgreiflichen, sondern auch ebensowohl die innerlichen und der Vernunft unbekannten Sünden, samt ihrer Schwere und Greuel offenbaren, das Gewissen derselben überzeugen, strafen, und machen, dass wir göttlichen Zorn darüber fühlen: auf dass der Sünder, durch den Fluch des Gesetzes erschrecket, alle Hoffnung auf sein eigen Tun fallen lasse, und allein bei Christo Gnade und Seligkeit suche. Auf welche Weise sie unser Zuchtmeister auf Christum sind.“ (Philipp J. Spener)

 

ZEIT

„Kein Ding geht, ehe die Stunde gekommen ist, die Gott bestimmt hat. Daher ist alles menschliche Ratschlagen, alles Denken, Dichten, Trachten nur ein Schemen und Schatten, bloß wie Spiegelfechterei, es sei denn, die Sache ist im Himmel auch beschlossen. Es mögen Könige, Fürsten, Herren Rat halten, alles abreden, wie sie wollen; welcher Sache Stündlein gekommen ist, die geht, die andern bleiben stehn, hindern und stauen sich. Und wenn es auch so scheint, es werde jetzt geschehen, so wird doch nichts daraus, bis dass auch ihre Stunde kommt, wenn sich gleich alle Menschen auf Erden anstrengten. Kurzum, Gott will sich von den Königen, Fürsten und Herren oder Weisen auf Erden den Zeiger nicht stellen lassen. Er will ihn stellen; wir sollen ihm nicht sagen, was es geschlagen hat. Er will es uns sagen (…). Gott hat allem sein Stündlein bestimmt, reich sein, arm sein, leben, sterben usw. (Pred. 3,1-8). Verachten wir das Stündlein und meinen, es soll uns nach unserem Willen gehen, so wird nichts daraus, und wir haben nichts als Jammer davon. Darum sollen wir – jeder in seinem Stande – die befohlene Arbeit und Aufgabe tun, alle Sachen Gott anbefehlen und das, was uns Gott jetzt in die Hand gibt, fröhlich gebrauchen, das Zukünftige Gott von Herzen zu lenken anbefehlen. Die anders tun (...), die haben nichts als Unglück und Herzeleid davon und mögen zürnen und murren, solange sie wollen, Gott beachtet es nicht.“ (Martin Luther)

 

„Niemand verbringe die kostbare Zeit mit leerem Geschwätz. Das Wort fliegt und lässt sich nicht zurückrufen, die Zeit fliegt und kommt nie wieder. Ein Tor bedenkt nicht, was er verliert. Wir wollen plaudern, sagt man, bis die Stunde vorüber ist. Also bis die Stunde vergeht, welche dir der erbarmungsvolle Schöpfer noch schenkt, damit du Buße tun, Gnade finden und zur Seligkeit gelangen mögest; bis die Zeit vorübereilt, in welcher du Gottes Liebe gewinnen, zur Gemeinschaft der Engel fortschreiten, nach dem verlorenen Erbteil seufzen, den schlaffen Willen anspannen und das begangene Unrecht beweinen solltest! Siehst du denn, dass Landleute, wenn günstiges Wetter zum Säen ist, oder Winzer, wenn es not ist, den Wein zu beschneiden, sich noch freuen, wenn sie den Tag in Sorglosigkeit verbracht haben? Siehst du, dass Krämer, wenn der Jahrmarkt bevorsteht, die Hände in den Schoß legen? Suchen arme Bettler, wenn Almosen verteilt wird, etwa nach Winkeln in den Straßen, um sich zu verstecken? Und wenn es nur damit sein Bewenden hätte, dass die Zeit des Lebens verloren ginge; aber viele verlieren damit das Leben selbst, und nicht bloß dies, sie rauben es auch ihren Brüdern.“ 

Bernhard (+1153) 

 

ZORN

„Ist aller Zorn verboten? Wo der Mensch aus Bitterkeit des Herzens und eigener Rachgier zürnet, so ist aller Zorn verboten: aber wo er aus Eifer für Gott und dessen Willen, mit Liebe gegen den Nächsten, zürnet über das Unrecht und diejenigen, welche unrecht tun, sonderlich die ihm untergeben sind, so ist es ein Amts- oder sonsten rechtmäßiger Zorn, und zürnet Gott durch solchen Menschen, oder er zürnet in Gottes Namen.“ (Philipp J. Spener)

 

„Der Prophet und Sankt Paulus sagen übereinstimmend, dass wir zürnen, aber nicht sündigen sollen. Beim Zürnen sollen wir stets einen Widerwillen haben gegen all das, was Gott zuwider ist, und das auch am rechten Ort und zu rechter Stunde zeigen, wenn man es bessern kann und es uns angeht. Aber da findet man Leute, die wollen anderer Menschen Fehler bessern und fallen selbst in größere. Das sind die Leute, welche der Jähzorn und die Bitterkeit treibt, die dann harte Worte gebrauchen; sie zeigen strenges Benehmen und strenges Gesicht und bringen sich selbst und ihren Nächsten um den Frieden. Man sagt dann, sie seien im Kopf krank. Was hat aber ein anderer mit deinem kranken Kopf zu schaffen? Schmerzt dich der Kopf, so schone dich, und verschone die anderen. Und weißt du nicht, wie man zürnen soll, so zürne nicht. Zürnen können ist eine große Meisterschaft, zürnen, ohne zu sündigen, wie man uns hier heißt. Du willst das (brennende) Haus eines anderen löschen und zündest dein eigenes an! Hüte dein Haus mehr als das eines anderen! Du willst bei deinem Nächsten eine kleine Wunde heilen und schlägst ihm dabei zwei oder drei größere!“ (Johannes Tauler)

 

ZORN GOTTES 

„Ja, vor der Welt scheint es also, als wäre Gott ein lauter Gähnemaul, der das Maul nur aufsperre, oder ein Hahnrei und guter Mann, der einen andern lässt bei dem Weibe schlafen, und stellt sich, als sähe er es nicht. Wider diese Gedanken hat Moses solches geredet: So hütet euch, ihr habt einen Gott, der ist ein verzehrend Feuer, das ist, ein solcher Gott, der euch verzehrt und aufräumt, so ihr gottlos seid, eifert, frisst und macht zu Asche und Staub. Er schlingt einen hinein, und hat eine solche Lust daran, dass er aus seinem Eifer und Zorn dazu getrieben wird, die Bösen zu verzehren. Geht solches einmal an, so lässt er nicht ab.“ (Martin Luther)

 

„Das ist ihm (Luther) der Zorn: der allmächtige und ewig unversöhnliche, wirkungskräftige Unwille und Widerwille des heiligen und gerechten Gottes, seine ewige, aktive Feindschaft gegen alles Ungöttliche und Widergöttliche; eine Feindschaft, die sich an der abgefallenen Kreatur als absolut kräftige Strafgewalt und unaufhaltbar sich durchsetzender Strafwille manifestiert. Der Zorn ist also Offenbarung der göttlichen Majestät, welcher „die drei R. allein gehören: Rühmen, Richten, Rächen“ (…). Herausgefordert durch die Sünde, die Gott nicht Gott sein lassen will, bezeugt sie sich in dem Zorn nach ihrer sich bejahenden, Sünde und Welt verneinenden Seite. Denn der Zorn schließt eben jene drei R. in sich: er ist begründet in dem heiligen Eifer, kraft dessen Gott sich seinen Ruhm nimmt, wo er ihm nicht gegeben wird; er erweist sich in dem Gottesgericht und -Urteil über die Sünde, und er verwirklicht sich in der Strafe an dem Sünder (…..) …so ist nach Luther der Zorn Gottes das ewige, missfällige und verneinende Anschauen der Sünde und des Sünders von Seiten der heiligen göttlichen Majestät; ein Anschauen, das sich mächtig, wirksam und schrecklich erweist in der Strafe, als in der energischen und ewigen Opposition Gottes gegen den sündlichen Willen, mittelst Position und behufs der Affirmation seines eigenen guten und heiligen Willens. Wie die Sünde nur die eine ist, und der Zorn der eine, beide so unermesslich groß, wie die beleidigte Majestät; so ist auch die Strafe nur die eine und unermessliche, die des ewigen Todes. Alle drei korrespondieren einander und sind gleich unbegreifliche „infinita“. Demnach ist ihm der Zorn nicht Ausfluss der Liebe, sondern der heiligen Majestät, die ihre Verderben und Tod bringende Seite dem Sünder zukehrt, indem sie sich in der Strafe als solche behauptet und bewahrt, und zugleich ihre absolute, der Sünde fremde und feindliche Klarheit und Gerechtigkeit an dem Sünder selbst beweist und bewährt.“ (Theodosius Harnack)

 

„Jedes Geschöpf ist im Verhältnis zum Schöpfer ein Schatten, ein Traum, Nichts Ps. 39,7; unbestreitbar auch der Mensch. Aber in mehrfacherer und schwererer Weise ist der Mensch unwürdig: denn er beleidigt seinen Schöpfer durch Sünden. Gott ist an sich und seinem Wesen nach gerecht; an sich und seinem Wesen nach zürnt er also den Sünden. Was sind wir Stoppeln vor jenem verzehrenden Feuer 5 Mos. 4,24. Wie werden unsere im höchsten Grade fleckenvollen Taten Bestand haben? Wie unsere Missetaten, die du vor dich stellest, und unsere unerkannten Sünden, die du in’s Licht stellest vor deinem Angesicht? Ps. 90,9. Unendlich ist Gott und sich immer gleich, von unendlicher Gerechtigkeit und von unendlichem Zorne: wenn in allem seinen Tun, so ist Gott unbestreitbar auch im Zorn, in der Gerechtigkeit und Rache groß und durchaus staunenswürdig. Der seines Sohnes nicht verschonet hat, wird er des Gebildes seiner Hand verschonen? Der des Heiligsten nicht verschonet hat, wird er des unnützen Knechtes verschonen?“ (Johann Gerhard)

 

„Der Herr, dein Gott, ist ein verzehrend Feuer, und ein eifriger Gott.“ (5. Mose 4,24). Das „Feuer“ ist das gewaltigste und heftigste Element unter allen. Was man nicht bezwingen, fegen, zerbrechen noch ändern kann, das greift man mit Feuer an, so wird es schmeidig gemacht und gezwungen. Es kann Silber, Gold, Eisen und alle Metalle zwingen. Darum vergleicht Gott sich diesem Element. Als wollte er sagen: Ihr könnt mir nicht entlaufen, hebe ich dermaleins an Haussuchung zu tun, so kann mir niemand widerstehen. Sündigt nun jemand wider meine Gebote, so will ich ihn wohl finden, und wissen zu strafen. Darnach nennt er ihn „eifrig“, der es nicht lassen will, er muss über seinem Worte halten. Da ist beides beisammen, die Kraft und der Wille, Stärke und Macht, dass er kann und will strafen. Wenn wir solches für die Wahrheit hielten, so würden wir seine Gebote nicht so verachten; aber niemand glaubt es, dass er der sei, bis wir es erfahren. Die zu Jerusalem haben auch nicht geglaubt, dass sie wider Gott täten, und dass sie von ihm gestraft sollten werden, bis die Römer kamen und die Stadt verstörten, dass nicht ein Stein auf dem andern blieb, Luk. 19,44. Also, ein böser Mensch, der seinem Nächsten Schaden tut, stiehlt und raubt, der glaubt auch nicht, bis der Henker kommt und knüpft ihn an den Galgen. Desgleichen alle anderen Laster, Schande und Sünde, welche wider die zehn Gebote gehen, als, Gottes Verachtung, Fluchen, Mord, Ehebruch; die haben das Urteil schon über dem Hals, dass dieser Eifer, Zorn und Feuer über sie wird kommen, und sie vertilgen. Es sei denn, dass sie Buße tun, sonst wird keiner in der Welt entlaufen können, er tue was er wolle (…). Denn lebt man gottlos, so wird man der Strafe nicht entfliehen. Entgeht einer aber hier, dass er mit der Strafe verschont wird, so wird er doch sein Gericht anderswo bekommen. Darum, entgeht er an einem Orte dem Staupbesen, so bekommt er doch anderswo einen Strick dagegen. Summa Summarum: Endlich entläuft er doch diesem Feuer nicht, denn Gott spricht: „Ich bin ein verzehrend Feuer.“ Als wollte er sagen: Nimm dir es nur nicht vor, du seist auch wer du wollest, du sollst meiner Gewalt nicht entlaufen; wenn du auch gleich aus der Welt liefest (…). Entläufst du der Strafe in diesem Leben, so fährst du doch in die Hölle, und musst des ewigen Todes sterben, und also deinen verdienten Lohn dennoch empfahen.“ (Martin Luther)

 

„Ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen, denn der Geist würde vor mir dahinsinken, und die Seelen, die ich gemacht habe.“ Jes. 57,16. Unser himmlischer Vater sucht unsre Unterweisung, nicht unsren Untergang. Sein Hadern mit uns hat eine freundliche Absicht. Er will nicht immer in Waffen gegen uns sein. Wir meinen, die Züchtigung des Herrn sei eine lange, aber das ist, weil unsre Geduld eine so kurze ist. Seine Barmherzigkeit währet ewiglich, aber nicht sein Hader. Die Nacht mag sich ermüdend lange hinziehen, aber endlich muss sie einem heitern Tage weichen. Wie das Hadern nur eine Zeitlang währt, so ist der Zorn, der es verursacht hat, nur auf einen kleinen Augenblick. Der Herr liebt seine Erwählten zu sehr, um immerdar zornig auf sie zu sein. Wenn er immer mit uns handelte, wie er es zuweilen tut, so würden wir ganz ermatten und hoffnungslos zu den Pforten des Todes hinabsinken. Mut, liebes Herz! der Herr will bald sein Schelten enden. Trage es, denn der Herr will dich tragen und dich hindurch tragen. Er, der dich gemacht hat, weiß, wie schwach du bist, und wie wenig du tragen kannst. Er wird das sanft behandeln, was er so zart gemacht hat. Sei deshalb nicht bange, um der schmerzvollen Gegenwart willen, denn sie eilt zu einer glücklichen Zukunft. Er, der dich schlug, wird dich heilen; seinem kleinen Zorn sollen große Gnaden folgen.“ (Charles H. Spurgeon)

 

ZUFLUCHT

„Es verklagt mich Gott, der sehr strenge Richter, der allmächtige Vollzieher seines ewigen Gesetzes. Ihn kann ich nicht täuschen, denn er ist die Wahrheit selbst; ihm kann ich mich nicht entziehen, denn er herrschet allenthalben mit Gewalt. Wohin also soll ich fliehen? Zu dir, o lieber Christus, du unser einiger Erlöser und Seligmacher. Meine Sünden sind groß, aber deine Versöhnung ist größer; meine Ungerechtigkeit ist groß, aber deine Gerechtigkeit ist größer. Ich erkenne das an, du verzeihe; ich gestehe das, du bedecke; ich enthülle das, du verhülle; in mir ist nichts, was mir nicht zur Verdammnis gereichte; in dir ist nichts, was nicht meine Seligkeit wirkte. Ich habe vieles begangen, weshalb ich mit allem Rechte verdammt werden kann, aber du hast nichts unterlassen, wodurch du mich nach deiner Barmherzigkeit selig machen kannst. (…) Meine Sünden schreien zum Himmel, aber kräftiger schreiet dein Blut für meine Sünden vergossen. Meine Sünden sind vermögend genug, mich vor Gott zu verklagen, aber dein Leiden ist viel vermögender, mich zu schützen. Mein durch und durch ungerechtes Leben ist vermögend, mich in Verdammnis zu stürzen; aber dein Leben voller Gerechtigkeit ist vermögender, mich selig zu machen.“ (Johann Gerhard)

 

ZUFRIEDENHEIT

„Hast du Gebresten, so bitte Gott immer wieder, ob es nicht seine Ehre sei und es ihm gefalle, dass er sie dir abnehme, denn ohne ihn vermagst du nichts. Nimmt er sie dir ab, so danke ihm; tut er's aber nicht, nun, so erträgst du's um seinetwillen, jedoch nun nicht mehr als das Gebresten einer Sünde, sondern als eine große Übung, mit der du Lohn verdienen und Geduld üben sollst. Du sollst zufrieden sein, ob er dir seine Gabe gibt oder nicht. Er gibt einem jeden nach dem, was sein Bestes ist und für ihn passt. Soll man jemand einen Rock zuschneiden, so muss man ihn nach seinem Maß machen; und der dem einen passte, der passte dem andern gar nicht. Man nimmt einem jeglichen so Maß, wie's ihm passt. So auch gibt Gott einem jeglichen das Allerbeste nach dem, wie er erkennt, dass es das ihm Gemäßeste ist. Fürwahr, wer ihm darin ganz vertraut, der empfängt und besitzt im Geringsten ebensoviel wie im Allergrößten. Wollte Gott mir geben, was er Sankt Paulus gab, ich nähme es, wenn er's wünschte, gern. Da er es mir nun aber nicht geben will – denn nur bei ganz wenigen Leuten will er, dass sie in diesem Leben schon zu solchem Wissen wie Paulus gelangen – wenn mir's also Gott nicht gibt, so ist er mir darum doch ebenso lieb, und ich sage ihm ebenso großen Dank und bin ebenso völlig zufrieden darum, dass er mir's vorenthält, wie darum, dass er mir's gibt; und mir ist daran ebenso genug, und es ist mir ebenso lieb, als wenn er's mir verliehe, wenn anders es recht um mich steht.“ (Meister Eckhart)

 

ZUGANG

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ Joh. 6,37. Gibt es ein Beispiel davon, dass unser Herr einen Kommenden ausgestoßen hat? Wenn es ein solches gibt, so möchten wir es wissen; aber es hat keins gegeben und es wird nie eins geben. Unter den verlornen Seelen in der Hölle ist keine, die sagen kann: „Ich ging zu Jesu, und er wies mich ab.“ Es ist nicht möglich, dass du oder ich der erste sein könnte, dem Jesus sein Wort bräche. Lasst uns keinen so dunkeln Verdacht hegen. Gesetzt, wir gingen jetzt zu Jesu in betreff der heutigen Übel. Dessen können wir gewiss sein – er wird uns nicht das Gehör verweigern und wird uns nicht hinausstoßen. Diejenigen von uns, die oft dagewesen sind, und die, welche noch nie dahin gegangen – lasst uns zusammen gehen und wir werden sehen, dass er die Tür seiner Gnade vor keinem von uns verschließen wird. „Dieser nimmt die Sünder an,“ aber er weist keinen ab. Wir kommen in Schwachheit und Sünde zu ihm, mit zitterndem Glauben und wenig Kenntnis und geringer Hoffnung; aber er stößt uns nicht hinaus. Wir kommen im Gebet, und dies Gebet ein gebrochenes; mit Bekenntnis, und dies Bekenntnis fehlerhaft; mit Lob, und dies Lob viel zu gering für sein Verdienst; aber dennoch nimmt er uns an. Wir kommen krank, unrein, schwach und wertlos; aber er verstößt uns in keinerlei Weise.“ (Charles H. Spurgeon)

 

ZUHÖREN

„Der erste Dienst, den einer dem andern in der Gemeinschaft schuldet, besteht darin, dass er ihn anhört. Wie die Liebe zu Gott damit beginnt, dass wir sein Wort hören, so ist es der Anfang der Liebe zum Bruder, dass wir lernen, auf ihn zu hören. Es ist Gottes Liebe zu uns, dass er uns nicht nur sein Wort gibt, sondern uns auch sein Ohr leiht. So ist es sein Werk, das wir an unserem Bruder tun, wenn wir lernen, ihm zuzuhören. Christen, besonders Prediger, meinen so oft, sie müssten immer, wenn sie mit andern Menschen zusammen sind, etwas „bieten“, das sei ihr einziger Dienst. Sie vergessen, dass Zuhören ein größerer Dienst sein kann als Reden. Viele Menschen suchen ein Ohr, das ihnen zuhört, und sie finden es unter den Christen nicht, weil diese auch dort reden, wo sie hören sollten. Wer aber seinem Bruder nicht mehr zuhören kann, der wird auch bald Gott nicht mehr zuhören, sondern er wird auch vor Gott immer nur reden. Hier fängt der Tod des geistlichen Lebens an, und zuletzt bleibt nur noch das geistliche Geschwätz, die pfäffische Herablassung, die in frommen Worten erstickt. Wer nicht lange und geduldig zuhören kann, der wird am Andern immer vorbeireden und es selbst schließlich gar nicht mehr merken. Wer meint, seine Zeit sei zu kostbar, als dass er sie mit Zuhören verbringen dürfte, der wird nie wirklich Zeit haben für Gott und den Bruder, sondern nur immer für sich selbst, für seine eigenen Worte und Pläne. Brüderliche Seelsorge unterscheidet sich von der Predigt wesentlich dadurch, dass zum Auftrag des Wortes hier der Auftrag zum Hören hinzutritt. Es gibt auch ein Zuhören mit halben Ohren, in dem Bewusstsein, doch schon zu wissen, was der Andere zu sagen hat. Es ist das ungeduldige, unaufmerksame Zuhören, das den Bruder verachtet und nur darauf wartet, bis man endlich selbst zu Worte kommt und damit den Andern los wird. Das ist keine Erfüllung unseres Auftrages, und es ist gewiss, dass sich auch hier in unserer Stellung zum Bruder nur unser Verhältnis zu Gott widerspiegelt. Es ist kein Wunder, dass wir den größten Dienst des Zuhörens, den Gott uns aufgetragen hat, nämlich das Hören der Beichte des Bruders, nicht mehr zu tun vermögen, wenn wir in geringeren Dingen dem Bruder unser Ohr versagen. Die heidnische Welt weiß heute etwas davon, dass einem Menschen oft allein dadurch geholfen werden kann, dass man ihm ernsthaft zuhört, sie hat auf dieser Erkenntnis eine eigene säkulare Seelsorge aufgebaut, die den Zustrom der Menschen, auch der Christen findet. Die Christen aber haben vergessen, dass ihnen das Amt des Hörens von dem aufgetragen ist, der selbst der große Zuhörer ist und an dessen Werk sie teilhaben sollen. Mit den Ohren Gottes sollen wir hören, damit wir mit dem Worte Gottes reden können.“ (Dietrich Bonhoeffer)

 

ZUVERSICHT 

„Die Festigkeit des Herzens, wovon der Psalmist redet, sollte fleißig gesucht werden. Sie ist nicht der Glaube an diese oder jene Verheißung des Herrn, sondern der allgemeine Zustand nicht wankenden Vertrauens auf unsren Gott, die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass er uns weder selber Böses tun will, noch irgend einem andren gestatten, uns zu schaden. Diese beständige Zuversicht ist sowohl betreffs des Unbekannten als des Bekannten in unsrem Leben. Laß den morgenden Tag sein, was er will, unser Gott ist der Gott des morgenden Tages.“ (Charles H. Spurgeon)

 

ZWEIFEL

„Der Heilige Geist ist kein Skeptiker, nicht Zweifel oder subjektive Ansichten hat er in unsere Herzen geschrieben, sondern verbindliche Aussagen, die gewisser und unerschütterlicher sind als das Leben selbst und alle Erfahrung.“ (Martin Luther)

 

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