79 • Gotteserkenntnis, Zweifel und Bekehrung

Wie schafft mir Gott Gewissheit – ohne Beweise?           Dieser Text als Video  

 

Was der Heilige Geist im Menschen bewirkt, ist erstaunlich. Denn das Instrumentarium menschlichen Erkennens reicht nicht aus, um Erkenntnis Gottes und Gewissheit des Glaubens zu begründen. Wenn Gewissheit trotzdem für viele Menschen eine Gegebenheit ist, muss irgendetwas im Glaubenden klüger sein als sein Kopf. Doch wie ist mit diesem paradoxen Befund umzugehen? Und wie geht das zu? Tatsächlich verdankt sich Glaubensgewissheit nicht dem Beobachten, Argumentieren, Fühlen und Experimentieren des Menschen, sondern dem freien Entschluss dessen, auf den sich der Glaube richtet. Sie ist ein Werk, das Gottes Geist am menschlichen Geist vollbringt, so dass der Mensch nicht durch sein eigenes Tun und Wollen, sondern durch Gottes Tun und Wollen Gottes gewiss wird. Es ist eine Gewissheit ohne rationalen Beweis. Doch, Gewissheit ohne Beweis – ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Man muss sich an diesem Punkt bewusst machen, dass Gewissheit nicht nur dann entsteht, wenn Beweise auftauchen, sondern auch, wenn Zweifel verschwinden. Denn was nennen wir „Gewissheit“? Als „ungewiss“ bezeichnen wir den Teil unserer Ansichten und Überzeugungen, den wir bewusst unter den Vorbehalt des Vorläufigen und Prüfungsbedürftigen stellen. Den anderen Teil aber – diejenigen Überzeugungen an denen wir nicht (oder nicht mehr) zweifeln – bezeichnen wir als „gewiss“. Doch wenn sich das Empfinden von Gewissheit der Abwesenheit der Zweifel verdankt, muss die Ursache nicht unbedingt darin liegen, dass „Beweise“ aufgetaucht sind. Es kann auch einfach der Grund des Zweifels entfallen sein. Denn durch das Wirken des Heiligen Geistes verliert der Mensch:

 

- Die Angst, von Gott getäuscht zu werden

- Der Wunsch, in der Beziehung zu ihm unbedingt die Kontrolle zu behalten

- Die Illusion, man könne oder müsse sich ihm gegenüber behaupten

- Die Vorstellung, Gott müsse sich dem Menschen beweisen

- Der Zwang, Gott durch Zweifel auf Distanz zu halten

- Die Neugier auf weltanschauliche Alternativen

- Die Überzeugung, man könne nur dem eigenen Denken vertrauen

 

Aus der Begegnung mit Gott geht der Mensch demnach nicht bloß mit einer anderen Meinung hervor – sondern als ein anderer Mensch. Es ändern sich nicht nur Urteile. Es ändert sich der Urteilende. Und eine Kettenreaktion ist die Folge, in der der Mensch nicht nur die oben genannten Ängste, Wünsche und Illusionen einbüßt, sondern ganz allgemein die Deutungshoheit über sein Leben zurückgibt an den Schöpfer, dem sie zusteht.

Dem Skeptiker mag das unerträglich scheinen, weil die menschliche Vernunft dabei nicht das letzte Wort behält. Es wird ihr zugemutet, sich selbst zu relativieren. Doch für den Glaubenden ist genau das „vernünftig“ – und ist der Anfang eines neuen geistigen Lebens. Denn Irrtumsangst, Misstrauen und Kontrollzwang lässt er gern hinter sich und verliert sie, wie man Ballast verliert. Wer sich aber nicht erklären kann, wie aus diesen „Verlusten“ ein neuer Mensch hervorgehen soll, stelle sich einen unförmigen Marmorblock vor, der unter den präzisen Schlägen des Bildhauers nach und nach zur Statue wird. Auch so ein Marmorblock erleidet nichts als „Verluste“. Es geht ihm viel Material verloren, das ursprünglich zu ihm gehörte. Und doch wird er – einzig und allein durch den Verlust des Störenden! – zum Kunstwerk. Ängste, Zweifel, Illusionen und Zwänge fallen von ihm ab, und er macht neue Erfahrungen, weil er mit unverstelltem Blick die Welt anders zu sehen vermag.

Zum Glauben zu kommen, ist insofern wie Lesen-Lernen. Denn auch beim Lesen-Lernen kommt die Veränderung nicht durch eine Veränderung des Buches zustande, sondern durch die des Lesers: Ist ein Mensch des Lesens nicht kundig, so wird sich ihm bei der Betrachtung eines Buches die darin enthaltene Botschaft nicht erschließen. Und wenn es ihm nicht gesagt wird, kann er nicht einmal wissen, dass das Buch eine Botschaft hat. Ein Kind könnte inmitten einer Bibliothek aufwachsen und die Bücher allein würden es doch nicht lesen lehren. Denn die Bücher zwingen ihre Botschaft nicht auf. Sie sagen nicht, dass und wie sie gelesen werden müssen. Und wer „naiv“ an sie herangeht, kann sie als Bauklötze benutzen, als Wurfgeschosse oder als Brennmaterial. Denn zum Lesen bedarf es der Kenntnis von Verknüpfungsregeln, die sich nicht aus der Betrachtung des Textes ergeben. Nur wer diese Regeln vermittelt bekam, und sich mit Hilfe dieser Regeln der Lektüre nähert – dem erschließt sich der Sinn des Textes. Und je mehr er lesend versteht, umso mehr findet er die Leseregeln bestätigt. Sie bewähren sich im Vollzug. Und der Mensch kann dann nicht mehr daran zweifeln, dass das Buch genau auf diese Weise gelesen und verstanden werden will.

Die Welt ist diesem Buch zu vergleichen. Und der Glaube entspricht den Verknüpfungsregeln. Ein Skeptiker kann darauf verweisen, dass sich die Verknüpfungsregeln nicht aus der Welt ergeben. Und er hat Recht. Er kann die Verknüpfungsregeln des Glaubens als „unwissenschaftlich“ und als „unbeweisbar“ ablehnen, weil sie ihm wie ein weltanschauliches Vorurteil von außen an die Welt herangetragen scheinen. Tatsächlich zwingt die Welt den Zweifler nicht zum Glauben, so wie das Buch den Analphabeten nicht zum Lesen zwingt. Und trotzdem erlebt der Gläubige seinen Glauben als völlig evident. Denn sobald er die Welt vom Glauben her zu lesen beginnt, erschließt sich ihr Sinn. Er sieht sie nun mit anderen Augen. Aber verändert hat sich nicht die Welt, sondern das Auge des Betrachters. Sobald der Glaube Raum greift, macht der Mensch viele neue Erfahrungen, die seinen Glauben bestätigen. Doch muss man festhalten, dass nicht die religiösen Erfahrungen den Glauben hervorbringen, sondern der Glaube die religiösen Erfahrungen. Denn der neue Blick auf die Welt ist nicht Ursache, sondern Wirkung der Glaubensgewissheit, die Gottes Geist unserem Geist schenkt!

Und wo bleiben nun die nachvollziehbaren Gründe, die auch einen Skeptiker überzeugen könnten? Ja, wo bleiben sie? Geht man auch zu einer jungen Mutter und fragt sie, ob sie ausreichenden Grund hat, ihr Kind zu lieben? Fragt man sie nach den Motiven und den Argumenten ihrer Liebe? Wer so fragen wollte, würde zu Recht verständnislose Blicke ernten. Denn die Liebe zum Kind ist zwar der Grund für tausend Dinge, die die Mutter tut. Die Liebe selbst aber bedarf keiner Begründung, sondern ist unmittelbar erlebte Wirklichkeit. Ja: wollte sich ein Mensch auf die Suche machen nach guten Gründen, um damit seine Liebe zu einem anderen Menschen zu stützen, so wäre das ein sicheres Indiz dafür, dass ihm die Liebe abhanden kam. Und mit Glaubensgewissheit verhält es sich ganz ähnlich: Wo sie stark ist, bedarf sie keiner argumentativen Krücken. Denn was bedeutet es, einen Impuls, ein Verhalten oder eine Überzeugung zu „begründen“? Es heißt doch immer, das zu Begründende abzuleiten von einem Anderen, das seinerseits entweder hinreichend begründet, oder aus sich selbst heraus evident sein muss. Was begründet wird, ist dabei immer abhängig von der Verlässlichkeit dessen, worauf man es zurückführt. Die Schlussfolgerung ist immer nur so stabil, wie die Voraussetzung, auf deren Stabilität die Folgerung ruht. Und weil es in der Ableitung Fehler geben kann, wird man das Abgeleitete in der Regel für weniger sicher halten als das Vorausgesetzte.

Den Glauben zu begründen, hieße demnach, ihn auf etwas zurückzuführen, was sicherer und grundlegender ist als der Glaube – und das ist ein großes Missverständnis. Denn Glaubensgewissheit ist nicht das Ergebnis religiösen Fühlens, Erfahrens und Schlussfolgerns, sondern die Voraussetzung all dessen. Glaube ist kein Impuls, den der Mensch erdenkt, sondern einer, dem er erliegt. Wer aber braucht für solches „Erliegen“ Gründe? Begründet der Surfer die Welle, die ihn mitreißt? Begründet die Mutter die Liebe zu ihrem Kind? „Gott hat die Unverschämtheit der Tatsache, nicht die Evidenz des Vernunftschlusses“, sagt N. G. Dávila. Und darum ist auch die Gewissheit des Glaubenden, nicht „begründet“ (weder schlecht noch gut), sondern ist begründend. Sie beruht nicht auf konkreten Erfahrungen, sondern liegt allem religiösen Erfahren voraus, als das, was solches Erfahren ermöglicht. Glaubensgewissheit steht also nicht als Ergebnis am Ende einer Argumentation, sondern als Voraussetzung an ihrem Anfang. Und wenn der Glaubende diese Denkvoraussetzung auch täglich bestätigt findet, weil sie sich in seinem Leben bewährt, so wird er doch aus dieser Bewährung keine „Beweise“ drechseln. Denn den Zweifler überzeugen sie nicht. Und der Glaubende braucht sie nicht.

Gewissheit entsteht also nicht, wie Suchende und Zweifelnde sich das häufig vorstellen. Sie entsteht nicht dadurch, dass der Hunger nach Beweisen eines Tages durch immer mehr Argumente, Gründe und Indizien gestillt wird. Sondern sie entsteht, wenn dieser Hunger einfach aufhört. Denn was Glaubensgewissheit ausmacht ist nicht, viele Gründe zu haben, sondern keine zu brauchen. Und eben das ist ein schöner Zustand, über den sich niemand beklagen wird. Denn was ist das Quälende und Beunruhigende an der Situation des Zweiflers? Es ist doch die Angst, man könnte nicht rechtzeitig die weltanschauliche Seite wechseln. Es ist die Furcht, man müsse vielleicht doch umschwenken, um bei denen zu sein, die Recht haben. Es ist die Sorge des Überläufers, sich falsch entschieden zu haben, und am Ende bei den Verlierern zu stehen. Ja, es handelt sich eigentlich um die Not des jungen Bräutigams, der sich vorstellt, er könnte nach seiner Hochzeit einer noch tolleren Frau begegnen und die eingegangene Bindung bereuen.

Wann aber hört das auf? Es hört auf, wenn die Wahrheit, die sich ihm aufdrängt, so sehr ein Teil seiner Identität geworden ist, dass er auch noch daran festhielte, wenn alles dagegen spräche. Und der Zweifel verliert dann ganz von selbst an Relevanz. Er ist nicht weg und wird auch weder verboten, noch von Argumenten erdrückt. Der Zweifel bleibt immer möglich. Nur interessiert er nicht mehr. Denn wenn eine Gewissheit Teil der eigenen Identität geworden ist, warum sollte man dann über einen Wechsel nachdenken? Ist ein Wechsel aber faktisch ausgeschlossen, weil man mit einer bestimmten Überzeugung sich selbst aufgäbe, warum soll man dann noch unruhig sein? Wer seine Braut liebt, muss sie nicht ständig mit den anderen vergleichen, um sicher zu sein, dass er die Richtige liebt. Er tut es einfach.

Auf den Glauben bezogen heißt das, dass der Mensch sich irgendwann im Glauben vorfindet und feststellt, dass er nicht mehr anders kann – und auch nicht mehr anders will. Vielleicht wundert er sich selbst darüber, weil die argumentative Gemengelage gar nicht verändert scheint. Aber die vielen Gründe, die er im Stadium der Suche und der Unsicherheit brauchte, um sich zu beruhigen, braucht er plötzlich nicht mehr. Obwohl er immer noch weiß, dass er theoretisch irren könnte, lässt ihn dieses Wissen kalt. Denn mit dem Abwägen von „pro“ und „contra“ beschäftigt sich nur der, der bereit ist, bei einem ungünstigen Ergebnis den Kurs zu ändern. Wer seinen persönlichen Kurs aber so oder so beibehalten wird – was interessiert den noch das Geschäft des „Abwägens“? Vielleicht hatte er sich früher schon vielfach in diese und in andere Weltsichten „hineingedacht“, um sie danach problemlos wieder abzulegen. Eines Tages aber dachte er sich in eine hinein, und vergaß, sich wieder „hinauszudenken“. Er blieb „drin“ und sie wurde ihm zur zweiten Haut, so dass er dieser Überzeugung gemäß zu sehen, zu reden und zu handeln begann. Er verwächst so sehr mit ihr, dass Überzeugung und Identität, Weltverständnis und Selbstverständnis eine untrennbare Einheit bilden. Wer aber braucht dann noch Gründe, um er selbst zu sein? Hat einer wirklich Gewissheit erlangt, so unterliegt seine Überzeugung nicht mehr der Bedingung, sie müsse ihm das „Rechthaben“ garantieren oder auch nur wahrscheinlich machen, sondern sie ist zur bedingungslosen Überzeugung geworden, an der er festzuhalten entschlossen ist, selbst wenn dieses Festhalten zur Folge hätte, dass sein Lebensentwurf mit seiner Überzeugung widerlegt würde. „Right or wrong – my country“, sagen manche Patrioten, denn gegen das eigene Land zu stehen, würde für sie bedeuten, ihre Identität aufzugeben. Und in ähnlichem Sinne kann ein Christ zu seinem Gott sagen „Ich glaube, ich werde dir nachfolgen, selbst wenn du nicht existierst.“ (Adrian Plass).

Wo solche Gewissheit herrscht, kommt es weniger darauf an, ob man „Recht hat“, sondern auf wessen Seite man steht. Der Gläubige würde an Gott festhalten, auch wenn noch viel mehr gegen ihn spräche. Und wenn er am Ende die Wahl hätte, ob er lieber mit dem Teufel triumphieren oder mit Christus unterliegen wollte, würde er es gewiss vorziehen, mit Christus gemeinsam widerlegt zu werden. Wer sich aber nicht mehr davor fürchtet, Unrecht zu haben und zu irren, weil es ihm wichtiger ist, auf einer bestimmten Seite zu stehen – braucht der noch ein Heer guter Gründe, um seine Überzeugung zu stützen? Oder wird ihn ein ebenso großes Heer möglicher Zweifel beunruhigen? Nein. Denn das Geheimnis solcher Gewissheit ist nicht, viele Gründe zu haben, sondern keine mehr zu brauchen. Für den Glaubenden ist sein Glaube keine Meinung, die er „hat“, sondern die Mitte dessen, was er „ist“. Der Glaube ist Teil seiner Identität, so dass er ihn nicht ablegen oder aufgeben könnte, ohne damit sich selbst abzulegen und aufzugeben. Es ist ein Glaube, der sich nicht einmal von Gott selbst irritieren lässt (vgl. Hiob 19,25!).

Es stimmt also, was H. F. Amiel gesagt hat: „Glaube ist Gewissheit ohne Beweis“. Doch lässt sich zeigen, dass die Gewissheit des Glaubens deswegen nicht grundlos ist. „Gewiss“ ist dem Menschen, woran er nicht zweifelt. Dies Nicht-Zweifeln aber muss seinen Grund nicht darin haben, dass der Zweifel auf dem Wege des Beweises ausgeräumt wurde. Das Nicht-Zweifeln kann auch darauf beruhen, dass die Voraussetzungen des Zweifelns hinfällig werden. Und eben das geschieht im Glauben:

Der Skeptiker zweifelt, weil er fürchtet, von Gott getäuscht zu werden. Dem Gläubigen aber kommt diese Furcht schlicht abhanden. Der Skeptiker traut seinem Verstand zu, ihm mit Hilfe des Zweifels die nötige Klarheit zu schaffen. Der Gläubige hingegen erkennt die geistliche Inkompetenz seiner Erkenntnisorgane. Der Skeptiker erwartet, dass sich Gewissheit aus einer erweiterten Kenntnis der äußeren Welt ergeben müsste. Doch der Gläubige erlebt, dass Gott seine Fragen durch die innere Umwandlung des Fragenden beantwortet. Der Skeptiker macht sein Selbstverständnis von dem abhängig, was Zweifel, Kritik und Vernunft für wahrscheinlich erklären. Dem Gläubigen hingegen wäre es egal, Unrecht zu haben, wenn er nur Unrecht hätte gemeinsam mit Christus. Der Skeptiker will sich durch seinen Zweifel selbst vergewissern. Der Gläubige aber überlässt es Gottes Geist, stellvertretend für ihn zu tun, was Menschengeist nicht vermag. Die Skepsis des einen ist durch Argumente bedingt und will durch Argumente geheilt werden. Die Gewissheit des anderen ist seltsam „unbedingt“. Der Skeptiker muss die Frage seiner Identität vorläufig offen lassen. Dem Glaubenden verschmilzt seine Identität mit der von Gott gegebenen Antwort. Der Skeptiker will Gott erkennend ergreifen. Der Glaubende weiß sich ergriffen. Für den Skeptiker bleibt Gott das Objekt seines Forschens. Für den Gläubigen ist er das Subjekt seines Glaubens. Der Skeptiker stellt alles unter Vorbehalt, um seine Ansichten jederzeit korrigieren zu können. Der Glaubende vertraut vorbehaltlos dem, der ihn korrigiert hat. Dem Einen gilt die Weisheit dieser Welt als letzte Instanz. Und der Andere gibt einer höheren Autorität Rechenschaft.

Ist ein Gespräch unter so verschiedenen Voraussetzungen überhaupt möglich? Es ist deshalb so schwer, weil die Glaubensfrage sich anders klärt, als der Skeptiker es wünscht und plant. Er erwartet, dass die Klärung auf den gewohnten Wegen menschlicher Vergewisserung zu erfolgen hat – oder gar nicht. Doch Gott erlaubt sich, einfach da zu sein, und verwandelt den Menschen, ohne dass dieser dabei die Kontrolle behielte. Gott verleiht eine Gewissheit, die evident ist, ohne begründet zu werden. Das ist eindeutig nicht der Weg des Erkennens, den der Mensch sich vorgestellt hat. Denn hier bringt nicht Erkenntnis Bekehrung hervor, sondern Bekehrung Erkenntnis. Die Vernunft muss im Nachhinein feststellen, dass das Entscheidende ohne ihr Zutun geschah. Aber darf sie es übel nehmen? Darf der Mensch gebannt in eine bestimmte Richtung starren, aus der er die Wahrheit erwartet, und gekränkt sein, wenn sie von der anderen Seite angeschlendert kommt?

 

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