DER DREIEINIGE GOTT

 

 24 • Atheismus und Existenz Gottes

Gibt es Gott überhaupt?

Gott ist als Bestandteil des Universums nicht auffind- und nicht nachweisbar, weil

er kein Teil des Universums ist, sondern ihm als Schöpfer gegenübersteht (Man

sucht ja auch nicht den Komponisten zwischen den Noten). Dass Gottes Existenz

nicht „nachweisbar“ ist, muss den Gläubigen aber nicht verunsichern: Er bleibt

in jedem Falle, was er ist. Auch ein Fisch, dem man bewiese, dass es das Meer

nicht gibt, würde deswegen ja nicht zum Vogel.

 

25 • Gottes Majestät und Unbegreiflichkeit

Ist es gefährlich, Gott zu nahe zu treten?

Was der Kirche heute fehlt, ist nicht die oft geforderte „Lässigkeit“, sondern eine

neue Scheu vor dem Heiligen. Denn wo die Ehrfurcht fehlt, wird aus berechtigtem

Gott-Vertrauen schnell eine plumpe Vertraulichkeit, die dem „Gegenüber“ des

Glaubens nicht gerecht wird. Gemessen an seiner Lebendigkeit sind wir tot.

Gemessen an seiner Unendlichkeit sind wir eng. Gemessen an seiner Weisheit sind wir töricht. Das aber spüren und akzeptieren zu können, gehört zum Glauben unbedingt dazu. Denn nur wer bereit ist, die Schuhe auszuziehen, wird den Dornbusch brennen sehen.

 

26 • Gottes Wesen und Eigenschaften

Wie ist Gott?

Die wichtigsten Eigenschaften Gottes sind: Von-sich-selbst-sein, Unveränderlichkeit, Unermesslichkeit, Ewigkeit, Allgegenwart, Lebendigkeit,

Vollkommenheit, Unbegreiflichkeit, Allwissenheit, Allmacht, Weisheit,

Heiligkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Güte. Es ist aber zu beachten,

dass Eigenschaftsbegriffe nicht in derselben Weise auf Gott angewandt werden

können wie auf Menschen oder Dinge, denn Gott ist immer größer als alles, was

in menschlichen Worten eingefangen und ausgesagt werden kann.

 

27 • Gottes Ort und Gottes Haus

Wo ist Gott?

Die Frage, wo Gott ist, kann nicht mehr mit dem Hinweis auf den „Himmel“

beantwortet werden, seit Luft- und Raumfahrt den „Himmel“ erschlossen haben.

Gott ist allgegenwärtig, d.h.: Er ist in allem, alles ist in ihm und nichts ist

außerhalb von ihm, denn er ist nirgends nicht. Weil wir aber dazu neigen,

„überall“ und „nirgends“ gleichzusetzen, ist es wichtig, den Ort zu kennen, an

dem Gott in besonderer Weise gegenwärtig ist: Nämlich dort, wo zwei oder drei im Namen Christi versammelt sind.

 

28 • Unsere Zeit und Gottes Ewigkeit

Wie lang ist eigentlich ewig?

Gottes Ewigkeit ist keine ins Endlose gedehnte Zeitlichkeit, sondern eine aller

Zeitlichkeit enthobene Freiheit gegenüber der Zeit. Gottes Ewigkeit ist also

keine quantitative Steigerung der Zeit, sondern eine ganz andere Qualität.

Umso erstaunlicher ist es, dass der Ungewordene und Unvergängliche als Jesus

Christus in die Zeit einging, um uns vergänglichen Kreaturen Anteil an seiner

Ewigkeit zu gewähren.

 

29 • Gottes Allmacht

Kann Gott alles, was er will?

Die Bibel bezeugt vielfach, dass Gott, wenn er etwas will, durch nichts daran

gehindert werden kann. Denn Gott ist einer, der, was er will, auch kann. Und

das ist ein großes Glück, weil er die Macht in Jesus und hinter Jesus ist. Nur

Gottes Allmacht bietet Gewähr dafür, dass Jesu Verheißungen wahr werden. Jesu Liebe wäre hilflos, wenn nicht das Durchsetzungsvermögen des Allmächtigen ihren Hintergrund bildete. So aber dürfen wir zuversichtlich erwarten, dass am Ende der Weltgeschichte alle Macht liebevolle Macht –

und alle Liebe mächtige Liebe sein wird.

 

30 • Gottes Güte

Wenn Gott gut ist – was ist dann böse?

Gut ist, was Gott will, und böse ist, was Gott nicht will. Doch will er das Gute

nicht, weil es „an sich“ schon gut wäre. Sondern, was Gott will, wird dadurch

„gut“, dass er es will, und es ist auch allein darum „gut“, weil er es will.

Gott hält sich also an keine Norm, Gott ist die Norm. Er folgt keiner Ordnung,

sein Wille ist die Ordnung. Gott respektiert nicht einen vorgegebenen

Unterschied von „gut“ und „böse“, sondern indem er handelt und gebietet setzt

er diesen Unterschied in Kraft.

 

31 • Dreifaltigkeit und Offenbarung Gottes

Sind Vater, Sohn und Heiliger Geist drei Götter?

Die Lehre von Gottes Dreieinigkeit ist kein Denkproblem: Fließendes Wasser, Dampf und Eis sind schließlich auch ganz verschieden - und sind doch immer nur H2O. Ebenso sind der Schöpfer, Jesus Christus und der Heilige Geist ganz verschieden - und sind doch immer nur der eine Gott. Wer Gott verstehen will, muss das wissen. Denn betrachtet man eine der drei „Personen“ isoliert, so verkennt man sie zwangsläufig. Sieht man jedoch ihre Zusammengehörigkeit, so erschließt eine die andere.

 

   Gottes Name, Gottes Wesen

   zum Text  

Zu einem Namenlosen kann man nur schlecht in Beziehung treten. Bei Gott ist aber das Problem, dass er nicht zu wenige, sondern eher zu viele Namen hat, die alle irgendwie richtig sind und zutreffen. Das ist verwirrend. Aber wenn wir Gott als den Vater Jesu Christi kennen lernen, entsteht Eindeutigkeit. Denn das ist Gottes authentische Selbstbeschreibung. In keinem anderen Namen ist Heil. Darum glauben und bezeugen Christen, dass niemand recht von Gott redet, der dabei nicht den Vater Jesu Christi meint, und dass jeder das Thema „Gott“ ver-fehlt, wenn er dabei nicht von Jesus spricht.

 

32 • Gottes Liebe

Wenn Gott Liebe ist, warum ist er dann nicht immer „lieb“?

„Gott ist die Liebe“, aber er ist nicht „lieb“ im harmlosen Sinne. Denn Gottes Liebe

ist die kraftvoll-entschlossene Weise, in der Gott das Dasein seiner Geschöpfe

bejaht. Wo dieses Dasein bedroht und gefährdet wird, dort schließt Gottes Liebe

(wie alle wirkliche Liebe) Zorn und Konfliktbereitschaft nicht aus, sondern ein: Gerade weil Gott Liebe ist, kann er nicht immer „lieb“ sein. Und er verlangt es auch nicht von uns.

 

33 • Gottes Liebe im Verhältnis zu seinem Zorn

Schließen sich Zorn und Liebe aus?

Gottes Zorn ist der Wider-Wille des Schöpfers gegen das Böse, das seine Schöpfung zu zersetzen droht. Darum kann man nicht wünschen, dass Gottes Zorn nachließe. Denn wie sollte Gott das Leben seiner Geschöpfe bejahen ohne die Sünde zu verneinen, die ihnen den Tod bringt? Es macht daher keinen Sinn, gegen Gottes Zorn zu opponieren. Es ist besser, vom Ausmaß des Zorns auf das Ausmaß seiner Liebe zu uns zu schließen - denn dann beginnt man Gott zu verstehen.

 

34 • Gottes Verborgenheit

Was, wenn Gott schweigt und sich entzieht?

Der Glaube lebt von Gottes Nähe. Doch manchmal scheint es, als sei er abwesend und fern. Diese Erfahrung ist bedrohlich. Und trotzdem gilt es, ihr standzuhalten. Man darf Gott dann nicht durch irgendetwas anderes ersetzen. Und man sollte auch nicht so tun, als käme man ohne ihn aus. Man halte einfach Gottes Platz frei und ertrage die Leere, die er uns zumutet. Denn Gott verbirgt sich, aber er verlässt uns nicht. Er bleibt der barmherzige Vater, der versprochen hat, zurückzukommen. Die Bereitschaft aber, auf ihn zu warten – das ist Glaube.

 

Gottes Handeln und „natürliche Erklärungen“

Kritiker des Glaubens unterstellen gern, Geschehnisse müssten entweder von Gott gewirkt sein (und hätten dann keine „natürlichen Ursachen“), oder sie hätten „natürliche Ursachen“ (und seien dann nicht von Gott gewirkt). Doch der Hinweis auf „natürliche Ursachen“ könnte Gottes Handeln nur ausschließen, wenn feststünde, dass Gott sie nicht als Instrumente mittelbaren Wirkens nutzt. Und dem steht das biblische Zeugnis entgegen: Gott kann ebenso gut innerhalb wie außerhalb der Naturordnung wirken. Die Folgerung, wo ein irdischer Kausalzu-sammenhang vorläge, sei (darum!) der Himmel nicht im Spiel, erweist sich damit als falsch.