Das französische Glaubensbekenntnis

 

Wiedergabe nach Ernst Böckel, Die Bekenntnisschriften der evangelisch-reformierten Kirche, Leipzig 1847, allerdings ohne die dort im Übermaß beigegebenen Anmerkungen und biblischen Verweise. Die Rechtschreibung wurde der heutigen angenähert.

 

DAS FRANZÖSISCHE GLAUBENSBEKENNTNIS 

( CONFESSIO GALLICANA 1559 )

 

Glaubensbekenntnis, einstimmig abgefasst von den Franzosen, welche nach dem reinen Evangelium unseres Herrn, Jesu Christi, zu leben begehren.

 

DER 1. ARTIKEL.

Wir glauben und bekennen, dass ein einiger Gott sei, ein einiges und einfaches Wesen, geistig, ewig, unsichtbar, unveränderlich, unendlich, unbegreiflich, unaussprechlich, welches alles vermag, allweise, allgütig, allgerecht, und allbarmherzig ist.

 

DER 2. ARTIKEL.

Dieser Gott offenbart sich als solchen den Menschen zuerst durch seine Werke, sowohl durch die Schöpfung, als durch die Erhaltung und Regierung derselben, zweitens und deutlicher durch sein Wort, welches er Anfangs durch ein Orakel aussprach, welches aber nachher niedergeschrieben ward in den Büchern, welche wir die heilige Schrift nennen.

 

DER 3. ARTIKEL.

Diese ganze heilige Schrift ist enthalten in den kanonischen Büchern des alten und neuen Testaments, deren Anzahl hier folgt: Die fünf Bücher Mosis, nämlich Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri, Deuteronomium, ferner das Buch Josua, das Buch der Richter, das Buch Ruth, das erste und zweite Buch Samuels, das erste und zweite Buch der Könige, das erste und zweite Buch der Chronik, sonst auch Paralipomenon genannt, das erste Buch Esras, ferner Nehemias, das Buch Esther, Hiob, die Psalmen Davids, die Sprichwörter oder Denksprüche Salomo‘s, der Prediger, das hohe Lied Salomo‘s, ferner die Bücher des Jesaias, Jeremias, die Klagelieder des Jeremias, Ezechiel, Daniel, Hoseas, Joel, Amos, Abdias, Jonas, Micha, Nahum, Habakuk, Sophonias, Haggai, Zacharias, Malachias, ferner das heilige Evangelium nach dem heiligen Matthäus, nach dem heiligen Markus, nach dem heiligen Lukas, nach dem heiligen Johannes, ferner das zweite Buch des heiligen Lukas, sonst Geschichte der Apostel genannt, ferner die Briefe des heiligen Paulus, an die Römer einer, an die Korinther zwei, an die Galater einer, an die Epheser einer, an die Philipper einer, an die Kolosser einer, an die Thessalonicher zwei, an Timotheus zwei, an Titus einer, an Philemon einer, ferner der Brief an die Hebräer, der Brief des heiligen Jakobus, der erste und zweite Brief des heiligen Petrus, der erste, zweite und dritte Brief des heiligen Johannes, der Brief des heiligen Judas, ferner die Apokalypse oder Offenbarung des heiligen Johannes.

 

DER 4. ARTIKEL. 

Wir erkennen an, dass diese Bücher kanonisch sind und die sichere Regel unsres Glaubens, nicht sowohl durch die allgemeine Zustimmung der Kirche, als durch das Zeugnis und die innere Versicherung des heiligen Geistes, der sie uns von den übrigen kirchlichen Büchern unterscheiden lehrt, auf die man, obgleich sie nützlich sind, doch keinen Glaubensartikel bauen kann.

 

DER 5. ARTIKEL.

Wir glauben, dass das in diesen Büchern enthaltene Wort von Gott ausgegangen ist, und dass es von ihm allein sein Ansehen herleitet, und nicht von Menschen. Und weil es der Inbegriff der gesamten Wahrheit ist, und alles enthält, was zum Dienste Gottes und zu unsrem Heile nötig ist, so ist es den Menschen nicht erlaubt, selbst nicht den Engeln, etwas hinzuzufügen, abzunehmen oder zu ändern. Daraus folgt, dass weder das Altertum, noch die Gewohnheiten, noch die Menge, noch die Weisheit der Menschen, noch die Urteile, noch die Befehle, noch die Edikte, noch die Beschlüsse, noch die Kirchenversammlungen, noch die Erscheinungen, noch die Wunder dieser heiligen Schrift entgegengesetzt werden dürfen, vielmehr alles nach ihr geprüft, geordnet und verbessert werden muss. In Folge dessen nehmen wir auch die drei Symbole, das apostolische, nicänische und athanasische an, weil sie mit dem Worte Gottes übereinstimmen.

 

DER 6. ARTIKEL.

Diese heilige Schrift lehrt uns, dass in dem einigen und einfachen göttlichen Wesen, welches wir bekannt haben, drei Personen sind, der Vater, der Sohn und der heilige Geist: der Vater, die erste Ursache, der Grund und Ursprung aller Dinge; der Sohn, sein ewiges Wort und seine ewige Weisheit; der heilige Geist, seine Kraft, Macht und Wirksamkeit. Der Sohn ist von Ewigkeit her von dem Vater gezeugt; der heilige Geist geht von Ewigkeit her von beiden aus; die drei Personen sind nicht vermischt, sondern unterschieden, gleichwohl nicht geteilt, sondern von gleichem Wesen, gleich ewig und mächtig. So bekennen wir das, was auf den alten Kirchenversammlungen festgestellt ist, und verdammen alle Sekten und Ketzereien, welche von den heiligen Lehrern, dem heiligen Hilarius, dem heiligen Athanasius, dem heiligen Ambrosius, dem heiligen Cyrillus verworfen sind.

 

DER 7. ARTIKEL.

Wir glauben, dass Gott in drei zugleich wirkenden Personen durch seine unbegreifliche Kraft, Weisheit und Güte alle Dinge erschaffen hat, nicht allein den Himmel, die Erde und alles, was darin enthalten ist, sondern auch die unsichtbaren Geister, von denen einige gefallen sind und sich in das Verderben gestürzt haben, andere bei ihrem Gehorsam verharret sind. Da die Ersteren sich in Bosheit verderbt haben, sind sie Feinde alles Guten, folglich der ganzen Kirche; die Letzteren, welche durch die Gnade Gottes bewahrt geblieben, sind Diener, den Namen Gottes zu verherrlichen, und die Seligkeit seiner Auserwählten zu befördern. 

 

DER 8. ARTIKEL.

Wir glauben, dass er nicht allein alle Dinge geschaffen hat, sondern dass er sie auch lenkt und regiert, indem er alles, was auf der Welt geschieht, nach seinem Willen einrichtet und ordnet; nicht so, dass er der Urheber des Bösen sei oder dass ihm die Schuld davon beigemessen werden könne; denn sein Wille ist die höchste und unfehlbare Richtschnur aller Gerechtigkeit und Billigkeit; allein ihm stehen bewundernswürdige Mittel zu Gebote, vermöge deren er sich der Teufel und der Bösen so bedient, dass er das Böse, was sie tun und wovon sie die Schuld tragen, in Gutes zu verwandeln weiß. Indem wir auf diese Weise bekennen, dass nichts geschieht ohne die Vorsehung Gottes, beten wir in Demut die Geheimnisse an, die uns verborgen sind, ohne weiter zu forschen, als uns vergönnt ist; aber desto mehr wenden wir das, was uns in der heiligen Schrift gezeigt ist, zu unsrem Besten an, um ruhig und sicher zu leben, weil Gott, dem alles untertan ist, über uns wacht mit väterlicher Fürsorge, so, dass nicht ein Haar von unsrem Haupte fällt ohne seinen Willen. Inzwischen hält er den Satan und alle unsere Feinde gefesselt, so, dass sie uns keinen Schaden zufügen können ohne seine Erlaubnis.

 

DER 9. ARTIKEL.

Wir glauben, dass der Mensch, rein und vollkommen und nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen, durch seine eigene Schuld aus der Gnade gefallen ist, welche er besaß, und so sich entfernt hat von Gott, dem Quell der Gerechtigkeit und alles Guten, so, dass seine Natur gänzlich verdorben ist, und er, blind am Verstande, verdorben am Herzen, seine ganze Vollkommenheit bis auf den letzten Rest verloren hat. Obgleich er noch einiger Maßen das Gute und Böse unterscheidet; so behaupten wir deß ungeachtet, dass alles Licht, das er besitzt, sich in Finsternis verwandelt, wenn es darauf ankommt, Gott zu suchen, so, dass er durch seine eigene Einsicht und Vernunft sich ihm nicht nähern kann. Und obgleich er einen Willen hat, der ihn antreibt, dies oder das zu tun, so ist er doch gänzlich gefangen unter die Sünde, so, dass er keine Freiheit zum Guten hat, als die Gott ihm gibt.

 

DER 10. ARTIKEL.

Wir glauben, dass die ganze Nachkommenschaft Adams von diesem Verderben angesteckt ist, welches die Erbsünde heißt, ein Gebrechen, das sich forterbt, und nicht eine bloße Nachahmung, wie die Pelagianer haben behaupten wollen; wir verdammen sie in ihren Irrtümern. Wir halten es auch für nötig, zu untersuchen, wie die Sünde von einem Menschen auf den andern übergeht; denn es ist genug, dass das, was Gott dem Adam gegeben hatte, nicht für ihn allein bestimmt war, sondern für seine ganze Nachkommenschaft; folglich sind wir in seiner Person aller Güter beraubt worden, und ganz und gar in Mangel und in Fluch gestürzt.

 

DER 11. ARTIKEL.

Wir glauben auch, dass dieses Gebrechen wirklich Sünde ist, welche hinreicht, das ganze Menschengeschlecht zu verdammen, bis auf die kleinen Kinder vom Mutterleibe an, und dass es bei Gott dafür gilt, dass es selbst nach der Taufe wirklich Sünde ist, was die Schuld betrifft, obgleich die Verdammnis von den Kindern Gottes hinweggenommen ist, indem er sie ihnen nach seiner freien Gnade nicht zurechnet; dass es überdies eine Verderbtheit ist, welche immer Früchte der Bosheit und des Aufruhrs hervorbringt, so, dass selbst die Gesündesten, obgleich sie widerstehen, doch von Schwachheiten und Fehlern angesteckt bleiben, so lange sie auf dieser Welt wohnen.

 

DER 12. ARTIKEL.

Wir glauben, dass Gott dieser allgemeinen Verderbnis und Verdammnis, in die alle Menschen geraten sind, diejenigen entreißt, welche er nach seinem ewigen und unveränderlichen Ratschluss erwählt hat, allein durch seine Güte und Barmherzigkeit in unsrem Herrn, Jesu Christo, ohne Rücksicht auf ihre Werke, indem er die Anderen in jener Verderbnis und Verdammnis lässt, um an ihnen seine Gerechtigkeit zu beweisen, wie er an den Ersteren den Reichtum seiner Barmherzigkeit erscheinen lässt. Denn diese sind nicht besser, als jene, bis Gott sie von einander scheidet nach seinem unveränderlichen Ratschluss, den er in Jesu Christo gefasst hat vor Erschaffung der Welt, und niemand könnte sich den Weg zu einem solchen Glücke bahnen durch seine eigne Kraft, da wir von Natur nicht eine gute Regung haben können, noch eine Empfindung oder einen guten Gedanken, bis Gott uns zuvorkommt und uns dazu in den Stand setzt.

 

DER 13. ARTIKEL.

Wir glauben, dass uns in Jesu Christo alles, was zu unsrem Heil erforderlich war, dargeboten und mitgeteilt ist. Da er uns zum Heil gegeben ist, so ist er uns auch gemacht zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung, so, dass man, wenn man sich von ihm entfernt, auf die Barmherzigkeit des Vaters verzichtet, zu der wir unsre alleinige Zuflucht haben. 

 

DER 14. ARTIKEL.

Wir glauben, dass Jesus Christus, die Weisheit Gottes und sein ewiger Sohn, unser Fleisch angenommen hat, um Gott und Mensch in einer Person zu sein, nämlich als Mensch uns gleich, empfindend dem Leibe und der Seele nach, ausgenommen, dass er ohne alle Flecken war. In Ansehung seiner Menschheit ist er der wahre Samen Abraham‘s und David‘s gewesen, obgleich er empfangen ist durch die Kraft des heiligen Geistes. Daher verdammen wir alle Ketzereien, welche vor Alters die Kirchen beunruhigt haben, und namentlich die teuflischen Einbildungen des Servetus, der dem Herrn Jesus eine Scheingottheit beilegt, indem er sagt, er sei die Idee und das Bild aller Dinge, und ihn den personifizierten oder figürlichen Sohn Gottes nennt, und ihm endlich einen Leib aus drei unerschaffenen Elementen bildet, und auf diese Weise beide Naturen vermischt und vernichtet.

 

DER 15. ARTIKEL.

Wir glauben, dass in einer und derselben Person, nämlich in Jesu Christo, die beiden Naturen wahrhaft und unzertrennlich verbunden und vereinigt sind, obgleich jede Natur ihre Eigentümlichkeit behält, dergestalt, dass, wie in dieser Vereinigung die göttliche Natur, ihre Eigentümlichkeit behaltend, unerschaffen, unendlich und alle Dinge erfüllend bleibt, auch die menschliche Natur endlich geblieben ist, und ihre Gestalt, ihr Maß und ihre Eigentümlichkeit hat, und, obgleich Jesus Christus bei seiner Auferstehung seinem Leibe die Unsterblichkeit gegeben, er ihm doch nicht seine wahre Natur genommen hat. So betrachten wir ihn in seiner Gottheit, ohne ihn seiner Menschheit zu berauben.

 

DER 16. ARTIKEL.

Wir glauben, dass Gott, indem er seinen Sohn sandte, seine unermessliche Liebe und Güte gegen uns hat zeigen wollen, indem er ihn in den Tod gab, und ihn auferweckte, um alle Gerechtigkeit zu erfüllen, und uns das himmlische Leben zu erwerben.

 

DER 17. ARTIKEL.

Wir glauben, dass durch das einige Opfer, welches der Herr Jesus am Kreuz dargebracht hat, wir mit Gott versöhnt sind, so, dass wir vor ihm als gerecht angesehen werden und gelten, weil wir ihm selbst nicht angenehm sein, noch seine Kinder werden können, als wenn er uns unsre Sünden vergibt und sie begräbt. So bezeugen wir auch, dass Jesus Christus unsre gänzliche und vollkommene Reinigung ist, dass wir durch seinen Tod völlige Genugtuung haben, um befreit zu werden von unsren Missetaten und Sünden, deren wir schuldig sind, und dass wir nur durch dieses Mittel frei werden können.

 

DER 18. ARTIKEL.

Wir glauben, dass unsre ganze Gerechtigkeit sich gründe auf Vergebung unsrer Sünden, wie denn auch dies unsre einzige Glückseligkeit ist, wie David sagt. Daher verwerfen wir alle anderen Mittel, uns zu rechtfertigen vor Gott, und ohne uns Tugenden und Verdienste anzumaßen, halten wir uns allein an den Gehorsam Jesu Christi, welcher uns zugerechnet wird, sowohl, um unsre Fehler zu bedecken, als um uns Gnade und Huld finden zu lassen vor Gott. Wir glauben in der Tat, dass, wenn wir auch noch so wenig von diesem Grunde abwichen, wir nirgend sonst Ruhe finden könnten, sondern immer voll Unruhe sein würden, weil wir niemals Frieden hätten mit Gott, bis wir die Versicherung hätten, dass wir geliebt seien in Jesu Christo, da wir an uns selbst des Hasses würdig sind. 

 

DER 19. ARTIKEL. 

Wir glauben, dass wir durch dieses Mittel die Freiheit und das Recht haben, Gott anzurufen, mit dem vollen Vertrauen, dass er sich uns als unser Vater zeigen werde. Denn wir hätten keinen Zugang zum Vater, wenn wir nicht an diesen Mittler gewiesen wären, und um in seinem Namen erhört zu werden, müssen wir unser Leben führen, wie er, unser Haupt.

 

DER 20. ARTIKEL. 

Wir glauben, dass wir dieser Gerechtigkeit teilhaft geworden sind allein durch den Glauben, wie geschrieben steht, dass er gelitten hat, um uns die Seligkeit zu erwerben, damit, wer an ihn glaubt, nicht verloren gehe, und dass dies geschieht, weil die Verheißungen des Lebens, die uns in ihm gegeben sind, zu unsrem Besten dienen, und wir die Wirkung davon empfinden, wenn wir sie annehmen, nicht zweifelnd, dass wir dessen nicht verlustig gehen werden, was uns der Mund Gottes zugesagt hat. So beruht die Gerechtigkeit, welche wir durch den Glauben erlangen, nur auf den freiwilligen Verheißungen, durch welche Gott uns erklärt und bezeugt, dass er uns liebt. 

 

DER 21. ARTIKEL. 

Wir glauben, dass wir erleuchtet werden im Glauben durch die geheimnisvolle Gnade des heiligen Geistes, und es ein besonderes Gnadengeschenk ist, welches Gott zuteilt, wem er will, so, dass die Gläubigen keine Ursache haben, sich zu rühmen, sondern vielmehr zwiefach verpflichtet sind dafür, dass sie anderen vorgezogen werden, selbst, dass der Glaube den Auserwählten nicht für ein mal gegeben werde, um sie auf den guten Weg zu führen, sondern um zu machen, dass sie darauf verharren bis an das Ziel. Denn so wie Gott den Anfang gibt, so gibt er auch die Vollendung. 

 

DER 22. ARTIKEL.

Wir glauben, dass wir durch diesen Glauben wiedergeboren werden zu einem neuen Leben, da wir von Natur der Sünde dienstbar waren. Nun aber empfangen wir durch den Glauben die Gnade, heilig zu leben und in der Furcht Gottes, indem wir die Verheißung annehmen, die uns durch das Evangelium gegeben wird, nämlich, dass Gott uns seinen heiligen Geist geben werde. So wird der Eifer, gut und heilig zu leben, durch den Glauben nicht nur nicht geschwächt, sondern vielmehr in uns erzeugt und erweckt, indem er notwendiger Weise gute Werke hervorbringt. Obgleich uns übrigens Gott wiedergebiert, um unsre Seligkeit zu vollenden, indem er uns zur Frömmigkeit bildet; so bekennen wir doch, dass die guten Werke, die wir unter der Leitung des heiligen Geistes vollbringen, nicht so angesehen werden, als würden wir durch sie gerechtfertigt, oder als verdienten wir, dass Gott uns als seine Kinder betrachte, weil wir immerfort in Zweifel und Ungewissheit schweben würden, wenn unser Gewissen sich nicht der Genugtuung tröstete, durch welche Christus uns erlöset hat.

 

DER 23. ARTIKEL.

Wir glauben, dass alle Vorbilder des Gesetzes ihr Ende gefunden haben durch die Erscheinung Jesu Christi. Aber obgleich die Zeremonien nicht mehr im Gebrauche sind, so wird ihr Wesen und ihre Wahrheit doch für uns aufrecht erhalten durch die Person dessen, auf dem die Erfüllung derselben beruht. Überdies müssen wir das Gesetz und die Propheten gebrauchen, sowohl um unser Leben danach einzurichten, als um darin eine Bestätigung der Verheißungen des Evangeliums zu finden.

 

DER 24. ARTIKEL.

Wir glauben, da Jesus Christus uns als alleiniger Fürsprecher gegeben ist, und weil er uns gebietet, uns ausschließlich in seinem Namen an den Vater zu wenden, und es uns nicht erlaubt ist, anders zu beten, als nach der Vorschrift, welche Gott uns in seinem Worte gegeben hat, dass alles, was die Menschen ersonnen haben von der Fürbitte der verstorbenen Heiligen, nichts anderes ist, als Täuschung und Betrug des Satans, um die Menschen abzubringen von der rechten Weise zu beten. Wir verwerfen auch alle anderen Mittel, welche die Menschen zu besitzen glauben, um sich mit Gott zu versöhnen, weil dadurch das Opfer des Leidens und Sterbens Jesu Christi herabgewürdigt wird. Endlich halten wir das Fegefeuer für eine Erdichtung, die aus derselben Werkstatt kommt, aus der die Mönchsgelübde, die Wallfahrten, das Verbot der Ehe und des Fleischessens, die gottesdienstliche Feier gewisser Tage, die Ohrenbeichte, der Ablass und alle anderen Dinge der Art hervorgegangen sind, durch welche man Gnade und Seligkeit zu erlangen glaubt. Diese Dinge verwerfen wir nicht allein wegen der falschen Meinung von Verdienstlichkeit, sondern auch, weil es menschliche Erfindungen sind, welche dem Gewissen ein Joch auflegen. 

 

DER 25. ARTIKEL.

Da wir aber Christi nur durch das Evangelium teilhaft werden, so glauben wir, dass die Ordnung der Kirche, die in seinem Namen gestiftet ist, heilig und unverletzlich sein müsse. Und da die Kirche nicht bestehen kann, wenn nicht Pfarrer vorhanden sind, welche das Lehramt haben, so muss man sie hochachten und mit Ehrfurcht anhören, wenn sie rechtmäßig berufen sind und ihre Pflicht tun; nicht, als wäre Gott an solche untergeordnete Mittel gebunden, sondern weil es ihm gefällt, uns durch dieses Amt und durch diese Zügel zu leiten. Daher verabscheuen wir alle Schwärmer, die, so viel an ihnen ist, das Predigtamt, die Verkündigung des göttlichen Wortes und die Sakramente, abschaffen möchten.

 

DER 26. ARTIKEL.

Wir glauben daher, dass niemand sich zurückziehen und auf sich selbst beschränken darf, sondern dass alle gemeinschaftlich die Einheit der Kirche schützen und erhalten müssen, indem sie sich der allgemeinen Bestimmung und dem Joche Jesu Christi unterwerfen, und zwar an jedem Orte, wo Gott eine wahre Kirchenordnung errichtet hat, selbst, wenn die obrigkeitlichen Personen und deren Vorschriften dagegen wären, und dass alle, die sich nicht danach fügen wollen oder sich davon trennen, der göttlichen Vorschrift widerstreben.

 

DER 27. ARTIKEL.

Dennoch glauben wir, dass man mit Sorgfalt und Vorsicht unterscheiden müsse, welches die wahre Kirche sei, weil man diese Benennung oftmals missbraucht. Wir behaupten also, dem Worte Gottes gemäß, dass sie die Gemeinschaft der Gläubigen ist, die sich vereinigen, diesem Worte zu folgen und der darin enthaltenen wahren Religion, welche sie die ganze Zeit ihres Lebens bekennen, wachsend und sich stärkend in der Furcht Gottes, da sie nötig haben, immer zuzunehmen und vorwärts zu schreiten, obgleich sie, so sehr sie sich auch anstrengen, unablässig ihre Zuflucht zur Vergebung ihrer Sünden nehmen müssen. Gleichwohl leugnen wir keines Weges, dass es unter den Gläubigen Heuchler und Verwerfliche gibt, deren Bosheit aber den Namen der Kirche nicht vernichten kann. 

 

DER 28. ARTIKEL.

In diesem Glauben erklären wir, dass, wo das Wort Gottes nicht aufgenommen ist und man sich demselben nicht unterwerfen und die Sakramente nicht gebrauchen will, man, eigentlich zu reden, nicht sagen kann, dass eine Kirche vorhanden sei. Daher verdammen wir die Versammlungen im Papsttum, weil die lautere göttliche Wahrheit aus denselben verbannt ist, die Sakramente darin verunstaltet, verdorben, verfälscht, oder ganz und gar vernichtet, und Aberglauben und Götzendienst im Schwange sind. Wir sind daher der Meinung, dass alle, die an solchen Handlungen Teil nehmen, sich von dem Leibe Jesu Christi trennen und losreißen. Weil jedoch im Papsttum noch eine schwache Spur der Kirche erhalten, und selbst das Wesen der Taufe übrig geblieben ist, indem die Kraft und Wirksamkeit derselben nicht von dem abhängt, der sie verrichtet; so bekennen wir, dass diejenigen, welche darin getauft sind, einer zweiten Taufe nicht bedürfen. Indeß wegen der Entstellungen, welche in dem Papsttum Statt finden, kann man die Kinder nicht zur Taufe desselben bringen, ohne sich zu beflecken.

 

DER 29. ARTIKEL. 

Was die wahre Kirche betrifft, so glauben wir, dass sie regiert werden müsse nach der von unsrem Herrn Jesu festgesetzten Ordnung, dass es nämlich Pfarrer, Vorsteher und Diakonen gebe, damit die Reinheit der Lehre bewahrt, die Laster unterdrückt und ausgerottet, und die Armen und Angefochtenen in ihrer Not unterstützt, und die Versammlungen gehalten werden im Namen Gottes, zur Erbauung der Großen und der Kleinen.

 

DER 30. ARTIKEL. 

Wir glauben, dass alle wahren Pfarrer, in welchem Orte sie auch sein mögen, dasselbe Ansehen und gleiche Macht haben unter einem alleinigen Oberhaupte, einem alleinigen Herrn und alleinigen obersten Bischof, Jesu Christo, und das aus diesem Grunde, weil keine Kirche irgend eine Gewalt oder Herrschaft über die andere verlangen kann.

 

DER 31. ARTIKEL.

Wir glauben, dass niemand das Recht hat, eigenmächtig sich die Regierung der Kirche anzumaßen, sondern dass dies durch eine Wahl geschehen muss, so weit es möglich ist und Gott es zulässt. Diese Ausnahme fügen wir besonders darum hinzu, weil es zuweilen nötig gewesen ist, und selbst zu unsrer Zeit, da der Zustand der Kirche erschüttert ist, dass Gott außerordentliche Männer erweckte, um die Kirche, die im Verfall und in Zerrüttung war, wieder herzustellen. Aber wie dem auch sei, wir glauben, man müsse alle Zeit dieser Regel folgen, dass alle Pfarrer, Vorsteher und Diener ein Zeugnis haben des Berufes zu ihrem Amte. 

 

DER 32. ARTIKEL. 

Wir glauben auch, dass es gut und nützlich ist, wenn die, welche zu Superintendenten gewählt sind, sich mit einander beraten, welch ein Mittel sie anzuwenden haben zur Regierung des ganzen Körpers, jedoch so, dass sie niemals abweichen von dem, was unser Herr, Jesus Christus, vorgeschrieben hat. Das hindert aber nicht, dass an jedem Orte gewisse besondere Einrichtungen Statt finden, je nachdem die Bequemlichkeit es fordert.

 

DER 33. ARTIKEL.

Indessen schließen wir alle menschlichen Erfindungen und Gesetze aus, die man unter dem Vorwande des Gottesdienstes einführen möchte, um die Gewissen zu binden; wir nehmen vielmehr nur das an, was in der Absicht geschieht, um die Eintracht zu befördern, und einen jeden, vom Ersten bis zum Letzten, im Gehorsam zu erhalten. Dabei ist es unsre Pflicht, dem nachzukommen, was unser Herr in Beziehung auf den Bann angeordnet hat, von dem wir behaupten und bekennen, dass er notwendig ist, mit allem, was dazu gehört.

 

DER 34. ARTIKEL.

Wir glauben, dass die Sakramente mit den Worten verbunden sind, als weitere Bestätigung, damit sie uns Unterpfänder der göttlichen Gnade seien, und auf diese Weise unsern Glauben fördern und unterstützen, wegen unsrer Schwachheit und Unart, und dass sie äußere Zeichen davon sind, dass Gott durch sie wirkt in der Kraft seines Geistes, dass sie folglich nicht als leere Zeichen betrachtet werden müssen. Gleichwohl halten wir fest, dass ihr Wesen und ihre Wahrheit in Jesu Christo ist, und wenn man sie von ihm trennt, sie nichts sind, als Schatten und Rauch.

 

DER 35. ARTIKEL.

Wir bekennen, dass es deren nur zwei gibt, die der ganzen Kirche gemeinschaftlich sind, von denen das erste, nämlich die Taufe, uns gegeben ist zum Zeugnis unsrer Kindschaft, indem wir dadurch Christo einverleibt sind, so, dass wir gewaschen und gereinigt sind durch sein Blut, und sodann erneut in einem heiligen Leben durch seinen Geist. Wir halten ferner dafür, dass, obgleich wir nur einmal getauft sind, der uns dadurch zugesicherte Gewinn uns im Leben und im Tode bleibt, so, dass wir eine dauernde Versicherung haben, Jesus Christus werde zu aller Zeit unsre Gerechtigkeit und Heiligung sein. Obgleich es aber ein Sakrament des Glaubens und der Buße ist, so behaupten wir doch, dass, weil Gott in seiner Kirche die Kinder mit den Vätern annimmt, nach dem Befehl Christi die kleinen Kinder der Gläubigen getauft werden müssen.

 

DER 36. ARTIKEL.

Wir bekennen, dass das heilige Abendmahl, welches das zweite Sakrament ist, uns ein Zeugnis ist unsrer Gemeinschaft mit Jesu Christo, weil er nicht nur ein mal für uns gestorben und auferweckt ist, sondern uns auch wahrhaft weidet und nährt mit seinem Fleisch und Blut, auf dass wir eins mit ihm seien und sein Leben sich uns mitteile. Allein obgleich er im Himmel ist, bis er kommen wird, die Welt zu richten, so glauben wir dennoch, dass er uns durch die geheime und unbegreifliche Kraft seines Geistes mit seinem wesentlichen Leibe und Blute ernährt und lebendig macht. Wir halten aber dafür, dass dies auf geistige Weise geschieht, nicht so, dass wir an die Stelle der Wirksamkeit und Wahrheit nur Einbildung oder Gedanken setzen, sondern weil dies Geheimnis in seiner Erhabenheit das Maß unsrer Einsicht und die ganze Ordnung der Natur weit übersteigt. Kurz, weil es himmlisch ist, kann es nur durch den Glauben erfasst werden.

 

DER 37. ARTIKEL.

Wir glauben, wie schon vorhin gesagt ist, dass Gott uns im Abendmahl, wie in der Taufe, wahrhaft und wirksam das gibt, was darin abgebildet wird, und daher verbinden wir mit den Zeichen den wahren Besitz und Genuss dessen, was uns dargeboten wird. Folglich empfangen die, welche zu dem geheiligten Tische Christi einen reinen Glauben mitbringen, wie ein Gefäß, wahrhaft dasjenige, was die Zeichen bezeugen, und der Leib und das Blut Jesu Christi ist nicht weniger Speise und Trank der Seele, als das Brot und der Wein es für den Körper ist.

 

DER 38. ARTIKEL.

Wir halten also dafür, dass das Wasser, ein schwaches Element, uns nichts desto weniger in Wahrheit das inwendige Bad unsrer Seele in dem Blute Jesu Christi durch die Kraft seines Geistes bezeugt, und dass Brot und Wein, die im Abendmahl uns gegeben werden, uns in Wahrheit als geistige Nahrung dienen, indem sie uns gleichsam augenscheinlich sehen lassen, dass das Fleisch Jesu Christi unsre Speise ist und sein Blut unser Trank. Wir verwerfen die Schwärmer und Sakramentierer, welche solche Zeichen nicht annehmen wollen; denn Jesus spricht: das ist mein Leib, und dieser Kelch ist mein Blut.

 

DER 39. ARTIKEL.

Wir glauben, Gott wolle, dass die Welt durch Gesetze und Obrigkeiten regiert werde, damit die unordentlichen Neigungen der Welt im Zügel gehalten werden. Daher hat er Königreiche, Republiken und alle andern Regierungsarten, sie mögen erblich sein oder nicht, eingesetzt, und alles, was zur Gerechtigkeitspflege gehört, und er will, dass man ihn als den Urheber davon betrachte. Aus diesem Grunde hat er der Obrigkeit das Schwert in die Hand gegeben, um den Sünden, nicht nur gegen die zweite, sondern auch gegen die erste Tafel der Gebote Gottes, zu steuern. Um des Gesetzes willen soll man es also nicht nur dulden, dass die Obrigkeit herrsche, sondern man soll sie ehren und ihr alle Hochachtung beweisen, und sie für seine Stellvertreter und Diener halten, die er beauftragt hat, ein gesetzliches und heiliges Amt zu verwalten.

 

DER 40. ARTIKEL.

Wir halten also dafür, dass man ihren Gesetzen und Verordnungen gehorchen, die Steuern, Abgaben und anderen Auflagen entrichten, und mit gutem und freiem Willen das Joch des Gehorsams tragen müsse, auch wenn sie ungläubig wären, wenn nur das unabhängige Reich Gottes unverletzt bleibt. Deshalb verwerfen wir diejenigen, welche die Obrigkeit verwerfen, Gemeinschaft und Verwirrung der Güter verlangen und die Ordnung des Rechts umstoßen wollen.