DAS ERSTE TESTAMENT.

 

Im Namen der heiligen, hochgelobten Dreifaltigkeit, Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes, und Gottes des heiligen Geistes, Amen! Nachdem ich, Johann Arndt, Pfarrer der Kirche St. Andreä zu Eisleben, bei mir ernstlich betrachtet, dass ich ein sterblicher Mensch bin und auch hingehen werde den Weg aller Welt, und dass der Tod nicht säumet, sondern allen Menschen auf der Ferse nachschleichet, auch zum öftern uns arme Menschen schnell und plötzlich über-eilet, dass unser Leben abgerissen wird wie eine Weberspule, als der König Hiskia, Jes. 38. klaget; so habe ich bei Zeiten wollen darauf bedacht sein, wie ich mein Haus bestelle, auf dass ich hernach mit Frieden und unbekümmertem Gemüt des Zeitlichen halben wohl abscheiden möge. Und weil zu einem fried-samen Abschied aus dieser betrübten Welt auch gehöret die Verordnung des letzten Willens, wie der Prophet Jes. 38. zum König Hiskias sagt: So spricht der Herr: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben! so habe ich demselben auch bei Zeiten, ehe und für dem ich mit Leibesschwäche übereilet würde, bei guter Gesundheit, guter Vernunft und vollem Verstande nachkommen, und meinen letzten Willen nicht allein anordnen, sondern auch selbsten mit eigener Hand aufsetzen und verzeichnen, wie denn auch mit meinem gewöhnlichen Siegel bekräftigen wollen. Und weil ich ein Diener des göttlichen Worts und der Kirche Christi bin, und im Jahr 1588 von dem weiland Durchlaucht. Hochgebornen Fürsten und Herrn, Herrn Joachim Ernsten, Fürsten und Herrn zu Anhalt, hoch-löblicher Gedächtnis, zum Predigtamt berufen, und am 30. Okt. desselben Jahres zu Bernburg, im Fürstentum Anhalt, ordinieret. So bezeuge und bekenne ich hiemit vor Gott, dass ich mein Lehramt allezeit allen Orten und in den Kirchen, denen ich unwürdig gedienet, als im Fürstentum Anhalt, meinem lieben Vater-lande, zu Ballenstätt und Badeborn anfänglich 7 Jahre, hernach zu Quedlinburg zu St. Nicolai in der Neustadt 9 Jahre, darnach zu Braunschweig zu St. Martin zehenthalb Jahre, so 27 Jahre tun, nach der Richtschnur des heiligen göttlichen Worts, nach den Schriften der Propheten und Apostel, rein und lauter geführet, auch nach der ersten ungeänderten Augsburgischen Confession und Formula Concordiä, wie mir obgedachte Kirchen dessen werden klare Zeugnisse geben, auch dessen schriftliche Urkunden und Zeugnis gegeben haben. Bekenne und bezeuge demnach hiemit nochmals vor Gott, meinem himmlischen Vater, vor meinem Erlöser und Seligmacher Jesu Christo, vor Gott dem heiligen Geiste, meinem einigen und wahren Tröster, vor der heiligen christlichen Kirche, und vor allen heiligen Engeln, dass ich nie einem einigen Irrtum, so Gottes Wort zuwider ist, zugetan gewesen, habe mich auch allezeit zur ersten ungeänderten Augs-burgischen Confession und Formula Concordiä wissentlich und wohlbedächtig bekannt, tue mich auch anjetzt noch beständiglich dazu bekennen, und bin nimmermehr gemeinet noch gesinnet, eine andere Lehre anzunehmen und zu propagieren, sondern bei dem reinen klaren lautern Wort Gottes, bei den Schrif-ten der Propheten und Aposteln, und bei den symbolischen Lehren der Augs-burgischen Confession, beständig bis an mein seliges Ende, durch Gottes Gnade, zu verharren. Denn ich weiß und habe es in vielem Kreuz, Anfechtungen und Verfolgungen erfahren, dass obgedachtes mein Bekenntnis die reine, lautere, unbetrügliche Wahrheit ist, und bitte den hochgetreuen Gott, meinen lieben Vater im Himmel, und meinen Erlöser Jesum Christum, er wolle in Kraft des heiligen Geistes mich in solcher Lehre, Glauben, Erkenntnis und Bekenntnis gnädiglich bis an mein letztes Seufzen erhalten. Und befehle hierauf im wahren Glauben und beständiger Hoffnung meine Seele meinem allerliebsten getreuen Heilande, Erlöser und Seligmacher Jesu Christo, und bitte denselben herzlich und demütig, er wolle mir um seines heiligen, hohen Verdienstes willen gnädig sein, mir alle meine Sünden aus Gnaden vergeben, und derselben nimmermehr gedenken, mir einen seligen Abschied und Friedensfahrt aus diesem Jammertal gnädiglich verleihen, und ins Reich seiner ewigen Herrlichkeit aufnehmen. Mei-nen Leib aber verordne ich ehrlich von meinem hinterlassenen Vermögen zur Erde bestatten, ungezweifelter Hoffnung, mein Erlöser Jesus Christus, welchen ich weiß, dass er lebet, werde denselben am jüngsten Tage zur ewigen Freude und Herrlichkeit auferwecken. Mein zeitliches hinterlassenes Vermögen aber etc. Geschehen Eisleben am Sonntage Misericordias Domini, den 22. April, im Jahr 1610.

 

Johann Arndt, Prediger daselbst zu St. Andreas.

 

 

DAS ANDERE TESTAMENT.

 

Im Namen der heiligen hochgelobten Dreifaltigkeit, Gottes des Vaters, des Sohnes, Gottes des heiligen Geistes, Amen! Ich Johann Arndt, des Fürstentum Lüneburg General-Superintendent, habe bei mir bedacht und erwogen, nachdem ich ein ziemliches Alter, durch Gottes besondere Gnade und Barmherzigkeit, erreichet, und von meinem Geburtstage an, welcher ist der Tag Johannis Evan-gelistä, Anno 1555, ins 61. Jahr meines Alters, Gott Lob und Dank! getreten bin, dass mein Leben in Kürze zu Ende laufen möchte, und ich, wie alle andere sterbliche Menschen, den Weg aller Welt gehen werde, habe demnach mein Testament und letzten Willen bei guter Gesundheit und Vernunft, mit dieser meiner eigenen Handschrift, im Jahre und Tage, wie unten gemeldet, aufsetzen und verzeichnen wollen, tue das hiemit wissentlich und beständiglich, dergestalt und also: Daß, was meinen Glauben, Lehre und Amt betrifft, ich durch Gottes Gnade, gedenke beständig bis an mein seliges Ende zu verharren bei dem reinen, unverfälschten heiligen Worte Gottes, so in der heiligen Bibel, in den Schriften der Propheten und Aposteln verfasset, und dem menschlichen Ge-schlechte zum ewigen Heil und Seligkeit von Gott gnädiglich offenbaret ist. Und weil viele Rotten und Sekten zu dieser Zeit eingerissen sein, derer Lehre wider die heilige Schrift streitet; so tue ich dieselbe hiemit, als falsche Lehre, so dem Worte Gottes zuwider läuft, ausdrücklich verwerfen, wie meine ausgegangene öffentliche Schriften, die Postille, der Psalter und Katechismus, genugsam und überflüßig bezeugen. Bei welchem Erkenntnis und Bekenntnis ich, durch Gottes Gnade, bis in mein letztes seliges Stündlein, festiglich zu verbleiben gedenke. Danke Gott, meinem himmlischen Vater, für seine Gnade, väterliche Liebe und göttliches Erkenntnis; danke auch Gott dem Sohne für seine teure Erlösung, Genugtuung und Bezahlung für meine Sünden; danke auch Gott dem heiligen Geiste für seine Heiligung, Erleuchtung, ewigen und lebendigen Trost, und für alle Wohltaten, so mir der hochgetreue Gott von Mutterleibe an, und von Kindheit auf, an Leib und Seele gnädiglich und väterlich erzeiget hat. Und befehle meine Seele meinem Erlöser, Jesu Christo, in seine gnädige allmächtige Hände, und meinen nichtigen Leib der Erde in der Stadtkirche allhier zu Zelle, christlich und ehrlich zu bestatten und zu begraben, zur sanften Ruhe und fröhlichen Aufer-stehung, an dem großen Tage der Erscheinung unsers Herrn Jesu Christi in seiner Herrlichkeit, und zur himmlischen Verklärung, zum ewigen Leben, Amen. Damit mein zeitliches verlassenes Vermögen halber etc.

 

Geschehen zu Zelle, am 28. Januar,

war der Sonntag Septuagesimä, im Jahr 1616.

Johann Arndt, manu propria.