Reisegefährten

Reisegefährten

Travel Companions, Hugo Simberg, Public domain, via Wikimedia Commons

Dieses Bild wäre harmonischer, wenn etwas fehlte. Denn säße der Ruderer allein im Boot, würde man denken, er habe eine schöne Reise vor sich. Er trägt weiße Seglerkleidung und setzt über zu seinem Schiff, das (offenbar schon vorbereitet) auf ihn wartet. Er muss nur noch den Anker lichten und das Vorsegel setzen, dann kann die Fahrt beginnen, denn das Meer ist einladend und friedlich. Nur – zu dumm! – unser Segler hat als Reisebegleiter den Tod und den Teufel dabei. Und wie‘s aussieht, nimmt er sie nicht freiwillig mit. Er schaut jedenfalls nicht fröhlich. Und es ist kaum denkbar, dass er sich diese Begleiter selbst ausgesucht hat. Vermutlich haben sie sich ungefragt in sein Boot gesetzt. Jetzt weiß er nicht, wie er sie loswerden kann. Und darin ist das Bild ein treffendes Gleichnis unsres Lebens. Denn auch das Leben ist eine schöne Reise. Aber die Gesellschaft ist nicht immer die beste. Man würde gern drauf verzichten – aber die Möglichkeit des Todes begleitet uns von Jugend an. Wir wissen nie, wieviel Zeit wir noch haben. Immer tickt die Uhr. Und wer seine Lebenszeit nicht nutzt, kann viel verpassen. Darum beeilen wir uns. Wenn uns der Tod unterbricht, lässt sich nichts mehr nachholen! Weil wir aber unter Zeitdruck stehen, passiert es umso leichter, dass wir das Falsche tun. Denn auch der Teufel ist mit von der Partie und bringt uns auf dumme Gedanken, damit wir unser kurzes Leben mit bösem Tun vergeuden. Er möchte, dass wir unsre Lebenszeit genauso schlecht investieren wie er selbst und dabei so schuldig werden, dass er unsre Seele am Ende für sich reklamieren kann. Das hat Hugo Simberg so harmlos hingemalt, als wär‘s eine Kinderzeichnung. Es ist aber ernst. Denn, ach, wie schön wäre unsre Lebensreise ohne diese Begleiter! Da hätte der Ruderer unbegrenzt Zeit für alles Schöne und Gute – ohne jede Gefahr! Darum überlege ich, ob er nicht das Ruderboot zum Kentern bringen und schnell zum Schiff schwimmen sollte, um davonzusegeln und die überraschten Passagiere zurückzulassen. Doch im Leben funktioniert das leider nicht. Tod und Teufel lassen sich nicht abschütteln. Das Meer ist natürlich trotzdem schön – und die Reise lohnend! Wir lassen uns die Freude am Leben nicht verderben, nur weil es bedroht ist. Aber die Reisegefährten muss man doch im Auge behalten. Das Wichtige im Leben verschiebt man besser nicht auf morgen, denn der Tod reist immer mit. Und wenn der Teufel Vorschläge macht, hört man besser nicht hin. Man kann die beiden zwar nicht daran hindern, unser Leben zu begleiten. Aber man kann verhindern, dass sie es bestimmen. Man lasse sich von ihnen weder verunsichern noch beherrschen. Fröhlich soll man sein – aber nicht naiv. Gott ist mit seinen Engeln ja auch noch dabei. Und wenn unsre Zeit schon begrenzt ist, nutze man sie umso entschlossener zum Guten!