Theologische Impulse T

 

Tadel

Das Zünglein an der Waage. - Man lobt oder tadelt, je nachdem das eine oder das andre mehr Gelegenheit gibt, unsere Urteilskraft leuchten zu lassen. Friedrich Nietzsche

 

Der herbste Tadel lässt sich ertragen, wenn man fühlt, dass der Tadelnde lieber loben würde. Marie von Ebner-Eschenbach

 

Die Freunde nennen sich aufrichtig; die Feinde sind es: daher man ihren Tadel zur Selbsterkenntnis benutzen sollte, als eine bittere Arznei. Arthur Schopenhauer

 

Ein vornehmer Mensch tadelt sich selbst, ein gewöhnlicher die andern. Konfuzius

 

Nur wenige sind verständig genug, den Tadel, der ihnen nützt, dem Lob vorzuziehen, das ihnen schadet. Rochefoucauld

 

Tadele Gott nicht, weil er den Tiger geschaffen hat! Danke ihm dafür, dass er dem Tiger keine Flügel verlieh! Aus Abessinien

 

Wir sind leicht bereit, uns selbst zu tadeln, unter der Bedingung, dass niemand einstimmt. Marie von Ebner-Eschenbach

 

Wir tadeln an anderen nur die Fehler, von welchen wir keinen Nutzen ziehen. Alexandre Dumas

 

Vielmehr ist ganz gewiss, dass jeder Vorwurf nur in dem Maße, als er trifft, verletzen kann. Arthur Schopenhauer

 

TÄGLICHES BROT

Gott gibt auch ohne unser Bitten in großer Milde und Geduld. Und doch folgt daraus nicht, das Bitten sei entbehrlich, denn es lehrt uns die Gott entsprechende Haltung. In jeder Bitte steckt das Eingeständnis, dass ich nicht fordern kann. Und die Zumutung darin darf man nicht übersehen – täglich bitten heißt zugeben, dass man nicht bloß vorübergehend abhängig ist, sondern prinzipiell! Aber das ist in Wahrheit kein Unglück. Denn Gott kennt unsere Bedürfnisse. Wir dürfen nach ihm schreien wie der Säugling nach der Mutter Brust – und werden nicht vergessen. 

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Talent

Einige haben Genie zur Wahrheit; viele haben Talent zum Irren. Athenäum-Fragmente

 

Ich habe viel Talent zum Leben, – wenn das Leben nur mehr Talent zu mir hätte. Christian Morgenstern

 

Nutze die Talente, die Du hast. Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen. Henry van Dyke

 

Tanzen

Ein Chassid tanzt lustig und singt dazu ein Lied: „Der Mensch ist aus Staub, und zu Staub wird er wieder werden.“ Ein Nachbar kommt herzu und wundert sich: „Darüber tanzt du? Das ist doch zum Weinen!“ Der Chassid erwidert: „Wieso zum Weinen? Wäre der Mensch aus Gold und würde zu Dreck - das wäre zum Weinen. Aber so: am Anfang Dreck, am Ende Dreck und in der Mitte ein wenig Schnaps - da soll man nicht tanzen?“

 

Tapferkeit

Tapferkeit ist stets ein Widerspruch in sich. Sie ist der mächtige Wille, am Leben zu bleiben, gekleidet in die Bereitschaft zu sterben. G. K. Chesterton

 

Tat

Die Tat legt das Wort aus. Martin Luther

 

Ein jeder handle so, als wollte Gott eine große Tat durch ihn vollbringen. Martin Luther

 

Konfuzius sprach: „Der Edle schämt sich, wenn seine Worte seine Taten übertreffen.“ „Gespräche“ des Konfuzius

 

Nicht der Täter wird unrein durch die Tat; nur die Tat durch den Täter. Hugo von Hofmannsthal

 

Was aus Liebe geschieht, das ist groß, bringt große Frucht, so gering und ungeachtet es in den Augen des Menschen auch immer sein mag. Denn auf der Waage Gottes wiegt das, was dich zum Tun treibt, ungleich mehr als die Tat selber. Thomas von Kempen

 

Wir müssten uns oft unserer größten Taten schämen, wenn die Beweggründe dazu ans Licht kämen. La Rochefoucauld

 

TAUFE

1.

Die Taufe ist ein Herrschaftswechsel, durch den ein Mensch dem Machtbereich des Bösen entnommen und in das Eigentum Gottes überführt wird. Als Heide wird er im Taufwasser „ersäuft“. Und als Christ geht er aus dem Taufwasser hervor: Eine neue Kreatur, die zwar noch nicht vollendet, aber doch unzweifelhaft zur Vollendung bestimmt ist. Wenn er die in der Taufe zugesagte Gnade durch den Glauben annimmt, wird nichts und niemand mehr die heilvolle Bindung an Christus durchbrechen können.

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2.

Die Taufe ist keine nette Kindersegnung. Sie verkoppelt und verbindet den Getauften so sehr mit Jesus Christus, dass er zu einem Glied seines Leibes wird und – das gesamte Schicksal seines Herrn teilend – durch den Tod ins Leben geht. Mitgefangen mit Christus, heißt mitgehangen – heißt aber auch mit auferstanden. Der Getaufte wird Satan entzogen, wird seines Lebens enteignet und für Gott rekrutiert. Er gehört nie mehr sich selbst. Doch ist genau das zu seinem Vorteil, weil er nur so eingesenkt und einverleibt werden kann in das Leben Jesu Christi.

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3.

Die Taufe und der Glaube gehören sachlich zusammen, scheinen aber zeitlich auseinanderzutreten, wo man Säuglinge tauft. Damit dort zur Taufe ein nicht nur keimhafter, sondern entwickelter und bewusster Glaube hinzutreten kann, schuldet man den Kindern eine christliche Erziehung, durch die sie befähigt und ermutigt werden, jene Taufgnade, die ihrer bewussten Stellungnahme zuvorkam, eigenverantwortlich zu bejahen. Tun sie dies, so werden ihnen durch die Konfirmation die vollen Rechte und Pflichten eines mündigen Christen zuerkannt.

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4.

Als Christus befahl, alle Völker zu Jüngern zu machen und sie zu taufen, hat er die Kinder davon nicht ausgenommen. Aber haben sie auch den Glauben, der nötig ist, um die Taufe anzueignen? Ja! Wer den Glauben von seinen „erwachsenen“ Äußerungen unterscheidet, kann zuversichtlich sein, dass der Hl. Geist durch das Sakrament bei Vollzug desselben auch den Glauben wirkt, der nötig ist, um das dargebotene Heil zu ergreifen. Die Taufe ist also kein Scheck, der warten muss, bis wir ihn einlösen. Sie wirkt, was sie zeigt – sie verheißt es nicht bloß!

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„Die Taufe ist die von Gott eingesetzte Handlung, in welcher ein Sünder im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heil. Geistes ins Wasser getaucht oder mit Wasser besprengt wird, damit er also wiedergeboren und der Vergebung der Sünden und des ewigen Lebens teilhaftig werde.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Was ist die Taufe? Die Taufe ist nicht allein schlecht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasst, und mit Gottes Wort verbunden.“ (Kl. Katech. zitiert nach L. Hutter)

 

„Die heilige Taufe ist ein Sakrament, dadurch Gott der Herr die Menschen durch Wasser und Geist zu geistlichen Leuten von neuem gebiert, von Sünden reinigt, zu seinen Kindern aufnimmt und einen Gnadenbund mit ihnen aufrichtet, mit der Versicherung, wo sie mit beständigem Glauben darin beharren werden, dass sie die ewige Seligkeit ererben sollen.“ (Nikolaus Hunnius)

 

„Soll man auch die jungen Kinder taufen? Ja, denn weil sie wie die Alten in den Bund Gottes und seine Gemeinde gehören und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von Sünden und der heilige Geist, der den Glauben wirkt, nicht weniger als den Alten zugesagt wird; so sollen sie auch durch die Taufe als Zeichen des Bundes der christlichen Kirche eingeleibt und von den Kindern der Ungläubigen unterschieden werden, wie es im alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist, an deren Stelle im neuen Testament die Taufe eingesetzt ist.“ (Heidelberger Katechismus)

 

„Der nächste Endzweck der Taufe ist endlich der, in dem Menschen die Heilsgnade zu wirken: weil aber auch das Wort Gottes die gleiche Aufgabe hat, so wird die Taufe nur da diese Aufgabe zu vollziehen haben, wo sie früher als das Wort an den Menschen kommt: dies geschieht bei den Kindern, welche für die Predigt des Evangeliums noch nicht empfänglich sind. Bei Erwachsenen aber, welche bei bereits entwickelter Vernunft die Predigt des Evangeliums vernehmen können, geht das Wort voran und übt seine Wirkung vor dem Sakrament. Dieses aber dient alsdann dazu, die durch das Wort bereits hervorgebrachte Wirkung zu versiegeln und zu befestigen. Bei den Erwachsenen, an denen die Taufe noch erst vollzogen werden soll, wird daher auch der Glaube als die Bedingung, unter der die Taufe eine gesegnete Wirkung haben soll, in Anspruch genommen, was bei Kindern nicht geschehen kann, woraus aber für letztere in keiner Weise folgt, dass ihnen darum die Taufe noch vorenthalten werden darf, denn sie sind gleich sehr wie die Erwachsenen der Gnade bedürftig und von Gott zu derselben eingeladen, und ihnen dient eben die Taufe dazu, diesen Glauben in ihnen zu wirken.“ (Heinrich Schmid)

 

„Dir, o ewiger und barmherziger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, sage ich demütigen Dank, dass du mich durch das heilige Bad der Taufe von allen Sünden abgewaschen, in den Bund der Gnade, aufgenommen und zum Erben des ewigen Lebens eingesetzt hast. Ich erkenne es als dein Geschenk an, dass ich von christlichen Eltern geboren und durch dieselben zu jener himmlischen Quelle gebracht worden bin. Wie viele Millionen Kinder werden fern im Heidentum geboren, welche ohne dieses heilsame Sakrament in ihren Sünden sterben! Von jenen hat mich nicht die Natur abgesondert, sondern allein deine überschwängliche Gnade. Ich war ihnen durch die Gemeinschaft der Schuld verbunden, aber durch die Mitteilung deiner Gnade bin ich von ihnen abgesondert worden. Wie groß ist diese deine Güte, dass du den gefunden hast, der dich noch nicht suchte, dass du den erhört hast, der dich noch nicht bat, dass du dem aufgetan hast, der noch nicht anklopfte! Diese deine Barmherzigkeit kann nicht genug gepriesen, ja auch nicht genug bewundert werden. Ich bin in deinem heiligen Namen getauft, dein Name ist über mich angerufen worden; ich bin also wirklich in die himmlische Familie aufgenommen, zu einem Sohne des himmlischen Vaters, zu einem Bruder Christi, und zu einem Tempel des heiligen Geistes gemacht worden. Heilig und himmlisch ist dieses Bad; ich bin also wirklich in demselben von allen Unreinigkeiten abgewaschen und gereinigt worden. Es ist ein Bad der Wiedergeburt und Erneuerung; ich bin also wirklich mittelst desselben durch des heiligen Geistes Gnade wiedergeboren und erneuert worden. Was Christus, mein Heiland, durch seinen allerheiligsten Gehorsam und durch die Vergiessung seines kostbarsten Blutes verdient hat, das hat er alles in die heilsame Quelle der Taufe gleichsam niedergelegt. Die Mitteilung der Taufe ist daher eine Besprengung mit dem Blute Christi. Jenes kostbare Blut Christi reinigt mich von allen Sünden, und macht mich schneeweiß in Gottes Augen. Einen ewigen Bund hast du, o ewiger Gott, durch die Taufe mit mir aufgerichtet, zu dem mir durch wahre und ernstliche Buße immer die Rückkehr offen steht. Du hast mich mit dir verlobt in Ewigkeit, in Gerechtigkeit und Gericht, in Gnade und Barmherzigkeit; du hast mir in der Taufe das Angeld und Pfand des Geistes gegeben; also wirst du mich nicht von deinem Angesichte verwerfen, sondern eingedenk deiner Verheißung wirst du mich zur Freude der himmlischen Hochzeit führen. Wie bei der Taufe Christi, meines Mittlers und Hauptes, sich die Himmel auftaten, so hast du mir durch die Teilnahme an seiner Taufe die Türe des Paradieses geöffnet. Wie bei der Taufe Christi der heilige Geist auf ihn herabfuhr und die Stimme des himmlischen Vaters versicherte, dass dies sein lieber Sohn sei, so bin ich durch die Teilnahme an seiner Taufe des heiligen Geistes teilhaftig und zu einem Sohne Gottes angenommen worden. Für diese unermessliche Wohltat danke ich dir, mein Gott, in Ewigkeit! Amen.“ (Johann Gerhard)

 

„Die Gewissheit des Glaubens beruht nicht darauf, dass das Christentum allgemeingültige Wahrheiten enthüllt, die man nur zu kennen braucht, um zu wissen: das ist die Wahrheit. Woher weiß ich das? Es könnte ja sehr wohl sein, dass es Menschen gäbe, die um ihren Glauben zu beneiden wären, ich aber dürfte nicht glauben. Denn was berechtigt mich zu glauben? Nur die Gewissheit, dass die göttliche Erwählung (ekloge) auch mich betroffen, ist Glaube. Und diese Gewissheit ist Gewissheit nicht einer allgemeingültigen Wahrheit, sondern einer geschichtlichen Tatsache, und zwar einer Tatsache meines Lebens. Wann ist diese Tatsache eingetreten? In meiner Taufe!“

(Hermann Cremer)

 

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Wenn das letzte Stündlein kommt, so wollen wir das Taufkleid anziehen und uns der Absolution freuen. Martin Luther

 

TÄUSCHUNG

Wer die ihn umgebende Welt zutreffend erkennt, kann sich auf sie einstellen, während der, der über die Gegebenheiten schlecht informiert ist, wie blind durchs Leben stolpert. Auf das, was man falsch sieht, kann man nicht richtig reagieren! Darum ist die Wahrheit ein kostbares „Lebensmittel“. Und wer sie einem Mitmenschen verschweigt oder ihn bewusst täuscht, nimmt ihm die Möglichkeit, sich angemessen zu verhalten. Die Liebe zum Nächsten gebietet darum, die erkannte Wahrheit freigiebig mit ihm zu teilen.

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Es ist ebenso leicht, sich selbst zu täuschen, ohne dass man es bemerkt, wie es schwer ist, andere zu täuschen, ohne dass sie es bemerken. Rochefoucauld

 

Ich glaube von jedem Menschen das Schlechteste, selbst von mir, und ich hab' mich noch selten getäuscht. Johann Nepomuk Nestroy

 

Weil die große Menge immer gleich elend bleibt, bleibt sie nie lange demselben Aberglauben ergeben, vielmehr wird sie immer wieder von einem neuen Aberglauben angezogen, von welchem sie noch niemals getäuscht worden ist. Spinoza

 

Zi-lu fragte, wie man dein Herrscher dienen solle. Konfuzius antwortete: „Den Herrscher niemals täuschen. Sollte es erforderlich sein, sich ihm offen widersetzen.“ „Gespräche“ des Konfuzius

 

Von Thomas von Aquin, dem großen Kirchenlehrer des Mittelalters, wird erzählt, es sei leicht gewesen, ihm einen Bären aufzubinden, und so habe ein Mitbruder ihn überrascht, indem er plötzlich zum Himmel zeigte und rief: „Schau, da fliegt ein Ochse!“ Thomas drehte den Kopf in die angegebene Richtung und schaute, aber sein Mitbruder lachte: „Wie kannst Du nur glauben, dass ein Ochse wirklich fliegt?“ Thomas aber antwortete: „Mein Freund, ich glaube eher, dass ein Ochse fliegen kann, als dass ein Mitbruder mich in die Irre führt.“

 

Wer erwartet, dass in der Welt die Teufel mit Hörnern und die Narren mit Schellen einhergehen, wird stets ihre Beute oder ihr Spiel sein. Arthur Schopenhauer

 

TEILEN

Gottes schöne Erde ist so reich an Gütern, dass jeder satt werden könnte. Doch ist ein rücksichtsloser Streit entbrannt, weil jeder rafft und hortet, so viel er kann. Die Cleveren machen sich die Taschen voll, die weniger Geschickten kommen unter die Räder. Doch gibt es zum großen Verteilungskampf einen christlichen Gegenentwurf, weil ein Christ im Streben nach den Gaben nie den Geber vergisst. So sehr er der Güter bedarf, wird er sie doch nie anders als im Sinne des Spenders gebrauchen. Der hat sie nicht geschaffen, um einzelne reich, sondern um alle satt zu machen. Und dementsprechend gilt es zu handeln. Denn Gott selbst ist des Christen Glück und Ziel – die Güter der Erde sind es nicht.

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TEILHABE AN CHRISTUS

1.

Die Taufe begründet zwischen dem Christen und Jesus Christus eine enge Schicksalsgemeinschaft, die durch den Begriff der „Nachfolge“ charakterisiert wird: Die heutigen „Nachfolger“ und „Jünger“ Jesu teilen mit ihrem Herrn nicht mehr die staubigen Straßen Galiläas. Aber wie Christi Weg ins Leid führte, so bekommt auch der Christ sein Kreuz zu tragen. Und wie Christi Weg durchs Leid hindurch zum Triumph führte, so gewinnt auch der Christ Anteil an der Auferstehung.

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2.

Die Taufe ist keine nette Kindersegnung. Sie verkoppelt und verbindet den Getauften so sehr mit Jesus Christus, dass er zu einem Glied seines Leibes wird und – das gesamte Schicksal seines Herrn teilend – durch den Tod ins Leben geht. Mitgefangen mit Christus, heißt mitgehangen – heißt aber auch mit auferstanden. Der Getaufte wird Satan entzogen, wird seines Lebens enteignet und für Gott rekrutiert. Er gehört nie mehr sich selbst. Doch ist genau das zu seinem Vorteil, weil er nur so eingesenkt und einverleibt werden kann in das Leben Jesu Christi.

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3.

Die Bibel misst dem Glauben so große Bedeutung bei, weil er den Gläubigen und den, an den geglaubt wird, zu einer Einheit verbindet. Alles, was der Gläubige begangen hat, wird Christus zu Eigen. Alles aber, was Christus besitzt und vollbringt, wird dem Gläubigen zu Eigen. Wie bei einem armen Mädchen, das einen reichen Prinzen heiratet, ist diese Gütergemeinschaft für den Menschen höchst vorteilhaft: Er überlässt Christus seine Vergänglichkeit und Schuld und empfängt dafür Christi Ewigkeit und Gerechtigkeit. 

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4.

Der Glaube behauptet sich nicht, indem er sagt „ich habe Macht“, sondern „der Herr ist meine Macht“ (Ps 118,14), so dass er nicht etwa durch Gott reich ist an Irdischem, sondern reich ist an Gott. Der Gläubige will nichts sein, auf dass Gott in ihm alles sei – und wird dadurch geistlich unangreifbar: Christi Gerechtigkeit ist die einzige, deren er sich rühmt, und seine gesamte Schuld hat er an Christus abgegeben. Gottes Wort ist seine Wahrheit, und Christus sein Leben. Weil ihm all das aber nicht „gehört“, kann‘s ihm auch niemand rauben. Wo immer der Feind ihn greifen will, trifft er auf Christus – und der Schlag geht ins Leere.

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5.

Es ist die Bestimmung des Menschen, mit Gott in Gemeinschaft zu stehen. Doch von eben dieser Gemeinschaft schließt ihn seine Sünde aus. Und neue Gemeinschaft erlangt er nur durch die Teilhabe an Christus im Glauben. Christus integriert die Verlorenen in den Leib Christi, den wir „Kirche“ nennen. Und da die ursprüngliche Gemeinschaft mit Gott an übergriffigem Verhalten zerbrach, lebt die neue nun von tiefem Respekt. Wir sind mit Gott genau darin einig, dass wir unterschieden bleiben – nur so werden wir ihm gerecht und wahren die Gemeinschaft, in der unsere Bestimmung liegt. „Kirche“ ist die Gemeinschaft derer, die mit Gott auf eben diese Weise Gemeinschaft haben. 

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Testament

Ein alter, reicher Geizkragen liegt im Sterben. Er diktiert einem Notar sein Testament: „Hunderttausend Gulden fürs Witwenheim, zweihundert­tausend Gulden fürs Waisenhaus, fünfzigtausend Gulden fürs Tierheim ...“ Im Hintergrund hören zwei entfernte Verwandte die Ver­fügung des Sterbenden. Sagt der eine: „Schau, jetzt, das ans Sterben geht, wird der alte Geizkra­gen plötzlich großzügig.“ „Aber wieso denn? Verschenkt er denn sein Geld? Er ver­schenkt das seiner Erben!“

 

Wenn Du willst, dass sie trauern, hinterlässt Du ihnen am besten gar nichts. Martial

 

Wir müssen das Evangelium nicht lesen wie ein Notar ein Testament liest, sondern so, wie es der rechtmäßige Erbe liest. Der Erbe: Er sagt sich bei jedem Satz voller Freude und Jubel: Das ist für mich, das ist alles für mich. Isaac Newton

 

TEUFEL, SATAN

1.

Man sollte den Teufel weder unterschätzen noch überschätzen – denn beides wäre ihm willkommen. Wo man ihn nicht ernst nimmt, weil man ihn für ein Fabelwesen hält, da hat er leichtes Spiel. Wo man ihn aber zu ernst nehmen wollte, da täte man ihm zu große Ehre an, die der ewige Verlierer nicht verdient. Halten wir uns besser in der Mitte. Und halten wir uns vor allem nahe bei Christus. Denn eine Gefahr ist er nur, wo wir uns von Christus entfernen. Satan will versuchen, verklagen und verderben. Christus aber ist des Teufels Teufel.

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2.

„Sondern erlöse uns von dem Bösen...“ Es ist leicht, dieser Bitte zuzustimmen, wenn man nur an das Böse denkt, das man bei anderen sieht oder von ihnen erleidet. Doch was ist mit dem Bösen, das wir in uns selbst tragen? Oft verweigern wir den Sinneswandel, ohne den sich die Bitte nicht erfüllen kann. Doch sobald der Betende die Bitte von Herzen bejaht, verneint er den Teil seiner selbst, den auch Gott verneint – und schon beginnt sich sein Wunsch zu erfüllen. Denn wer sich vom Bösen distanziert, hat den Guten zu Hilfe gerufen, der mächtiger ist, und die Erlösung ist schon im Schwange.

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3.

Wer Hassgefühle nicht unterdrücken kann, sollte ihnen die angemessene Richtung geben und von Herzen den Satan hassen, nicht aber die Menschen, in denen seine Bosheit Gestalt gewinnt. Wer den Puppenspieler treffen will, darf nicht auf die Puppen zielen. Denn gerade das entspräche seinem teuflischen Plan: Sobald ein Bruder im anderen den Teufel sieht, wird er versuchen den Teufel im Bruder zu erschlagen, den Bruder dabei töten, den Teufel aber verfehlen. Darum gilt es sorgsam zu unterscheiden: Nicht gegen „Fleisch und Blut“ haben wir zu kämpfen (Eph 6,11-12), sondern gegen den Grundbösen, der sich der Menschen bedient. Und ihn treffen wir nicht, indem wir seine Marionetten zerschlagen.

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4.

Es ist üblich geworden, die im Neuen Testament beschriebenen Dämonen als natürliche Erscheinungen zu erklären – oder sie für einen überwundenen Aberglauben zu halten. Aber sind sie aus unserer Erfahrungswelt wirklich verschwunden? Paul Tillich sagt: „Der Anspruch eines Endlichen, unendlich und von göttlicher Größe zu sein, ist das Charakteristikum des Dämonischen.“ Und so gesehen ist Dämonie etwas sehr Alltägliches. Es geht immer um Vorläufiges, das sich als letztgültig ausgibt. Etwas, das nicht Gott ist, übernimmt Gottes Rolle. Entsprechend fehlgesteuerte Menschen ruinieren sich selbst. Und schon freuen sich die gefallenen Engel, einen weiteren Menschen fallen zu sehen. 

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„Und mag der Teufel mit seinem großen Ungestüm gegen den Gläubigen anrennen, um ihn mit den Schrecken der ganzen Welt zu überschütten, so fasst der Gläubige doch mitten in den Schreckensfluten Hoffnung und spricht: Herr Teufel, wolle nicht so wüten, sondern mäßigt euch, denn es ist einer, der Christus genannt wird; an den glaube ich. Der hat das Gesetz abgetan, die Sünde verdammt, den Tod abgetan und die Hölle zerstört. Der ist, Teufel, dein Teufel; denn dich hat er gefangen genommen und besiegt, so dass du mir und allen Gläubigen nicht weiter schaden kannst.“ (Martin Luther)

 

„Als Luther am späten Abend in seinem Arbeitszimmer studierte, soll einst der Teufel durch Wittenberg geschlichen sein. Er wollte den Reformator bei der Arbeit stören, stellte sich darum unter das Fenster seines Arbeitszimmers und rief nach oben: „Wohnt hier der Doktor Martinus Luther?“ Luther erkannte die Stimme des Teufels, sprang zum Fenster, riss die Läden auf und rief hinunter: „Nein, der Martin Luther, der ist längst gestorben. Hier wohnt jetzt Jesus Christus!“ Da zog der Teufel den Schwanz ein und floh.“

 

„Darin hat der Herr „seinen Heiligen wunderbar geführet“ (Ps. 4,4) (...), dass er den Teufel nicht mit Gottes Werk zunichte gemacht hat, sondern mit seinem, des Teufels, eignem Werk (…). Denn also bringt Gott sein Werk voran und erfüllet es durch das fremde Werk und zwingt mit wunderbarer Weisheit den Teufel, durch den Tod nichts andres zu wirken als das Leben. Also dass er, wo er am meisten wider Gottes Werk arbeitet, mit seinem eignen Werk arbeitet für Gottes Werk und wider sein eigen Werk. Denn also hat er (der Teufel) den Tod in Christus gewirkt, welchen Christus durch die Unsterblichkeit seiner Gottheit ganz und gar verschlungen hat in sich selber und ist herrlich auferstanden (…). Gleichwie somit in dem Herzog der Seligkeit, in dem Heiligen der Heiligen, in Christus unserm Haupte, der Tod und alle Werke des Teufels zunichte worden sind, gleichermaßen soll und muss es in jeglichem seiner Glieder geschehen. Denn gleichwie Christus zugleich sterbliche und unsterbliche Person gewesen ist, und er ist wohl dem Tod unterworfen durch seine Menschheit, aber weil die ganze Person nicht konnte getötet werden, ists geschehen, dass der Tod nicht Macht hatte und der Teufel im Töten verlor, und also ist der Tod ganz und gar verschlungen in das Leben, und desgleichen der Fluch in den Segen, die Traurigkeit in die Freude, und alle andern Übel in das höchste Gut hinein verschlungen und darüber triumphiert, – gleich also gefällt es nun dem allerfrömmsten Gotte, auch in uns den Tod und die Werke des Teufels zu zerstören durch Christus. Denn gleichwie es unmöglich ist, dass, der den Tod besiegt hat, Christus, fürderhin sterbe, also ists unmöglich, dass, wer an ihn glaubt, sterbe (…). Darum predigt auch der Apostel Paulus allenthalben mit solcher großen Freude die Auferstehung Christi, dass durch sie Gesetz und Sünde und Tod und Hölle und Teufel, Welt und Fleisch und alles überwunden sei allen denen, die an ihn glauben und ihn anrufen…“ (Martin Luther)

 

„Da der Teufel von Gott erschaffen ist, so haben wir zu bedenken, dass die Boshaftigkeit seiner Natur nicht durch die Erschaffung, sondern durch Verderbnis entstanden sei. Denn, was er Verdammliches an sich hat, hat er durch Abfall und Empörung sich zugezogen. Dies lehrt uns die Schrift, damit wir nicht, meinend er sei also durch Gott hervorgegangen, Gott selbst zuschreiben, was durchaus von ihm entfernt ist. Aus diesem Grunde sagt Christus, der Satan rede aus seinem Eigenen, wenn er Lügen redet, und setzt die Ursache hinzu: weil er nicht bestanden ist in der Wahrheit. Joh. 8,44. Wenn Christus sagt, er sei nicht in der Wahrheit bestanden, so deutet er dadurch an, dass er zuvor darin gewesen, und wenn er ihn zum Vater der Lügen macht, so benimmt er ihm, diese Verderbtheit, die er sich selber verursachte, Gott zuzuschreiben. Obwohl kurz und minder deutlich reicht doch dieser Ausspruch vollkommen hin, Gottes Herrlichkeit gegen jeglichen Vorwurf zu sichern. Und was liegt uns daran, mehreres oder zu andern Zwecken von den Teufeln zu wissen? Einige murren, dass die Schrift seinen Fall, dessen Ursache, Zeit, Art und Weise nicht an mehreren Stellen entwickele. Aber weil solches uns nicht angehet, war es besser, es wo nicht ganz zu verschweigen, doch nur leicht zu berühren, weil es des heiligen Geistes unwürdig sein würde, mit unnützen Geschichten unsere Neugier zu befriedigen; und wir sehen, dass des Herrn Zweck war, in seinen heiligen Offenbarungen uns nichts zu lehren, was nicht zu unserer Erbauung gereichen könnte. Also geziemt uns, an dem uns genügen zu lassen, was uns in der Kürze von dem Wesen der Teufel offenbaret ist, dass sie anfangs zu Engeln Gottes erschaffen, aber durch Entartung verderbt, und Andern Werkzeuge des Verderbens geworden sind. Dieses, weil es nützlich zu wissen, lehren deutlich Petrus und Judas, 2 Pet. 2,4. Jud. 6: „Der Engel, sagen sie, welche gesündigt und ihren Ursprung nicht behauptet, sondern ihre Behausung verlassen haben, hat Gott nicht geschont.“ Und wenn Paulus von auserwählten Engeln redet, 1 Tim. 5,21., setzt er ihnen ohne Zweifel die Verworfenen stillschweigend entgegen.“ (Johannes Calvin)

 

Es ist des Herrn Wille. Der hat‘s getan. Was quälst du dich denn? Dich trifft schweres Leiden, du wirst unruhig und sprichst: So rollt mich der Teufel mit seinen Schuppen. Was? Teufel und seine Schuppen? Bist du nicht ein Kind Gottes? Die Macht muss fürwahr der Teufel nicht haben, dass er einem Kinde Gottes ein Härlein krümmen dürfte. Gott hat‘s getan, dem verkaufst du ja täglich deinen Willen im Gebet des Herrn und sprichst: Dein Wille geschehe. Was murrst du denn? Die Geduld Hiobs hast du ja gehört. Da ihm ein böser Bote nach dem andern kommt, stellt er sich nicht ungebärdig, ja, wird sogar nicht ungeduldig, dass er vielmehr aufsteht von seinem königlichen Thron und sagt mit freudigem Mut: Der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat‘s genommen, der Name des Herrn sei gelobt! Hiob 1,21. Und obgleich der Schmerz bei ihm zunahm, murrte er dennoch nicht wider Gott, sondern sprach: Haben wir Gutes empfangen von der Hand des Herrn, warum sollten wir das Böse nicht auch annehmen? Kap. 2,10. Was macht‘s? Er wusste wohl, dass aus deiner Hand beides käme, Gutes und Böses, dass ihm kein böser Aspekt der Sterne, kein Gift, kein Mensch noch Teufel könnte Schaden zufügen, wo es Gott nicht zuließe. Drum schreibt er alles allein Gott zu, wie ihn desfalls gewaltig rühmt der heil. Augustinus, und seinen Zuhörern als ein Exempel vorstellt, da er unter andern von ihm also schreibt: Er sagt nicht, Gott hat‘s gegeben, der Teufel aber hat‘s wieder geholt. Wendet sich darauf zu seinen Zuhörern und ermahnt sie: Eure Liebe hüte sich ja, dass sie nicht sage, der Teufel hat mir dieses oder jenes zugefügt, sondern erkenne vielmehr, dass alle Strafruten von Gott kommen, denn der Teufel kann uns nichts tun, er habe denn Erlaubnis von oben her, entweder zur Strafe den Bösen, oder zur Züchtigung den Frommen. Hiob sagt: Wie es dem Herrn gefallen hat, so ist‘s geschehen. Das ist, schreibt Augustinus: Weil‘s Gott gefällt, so gefällt‘s mir auch. Was dem Herrn gefallen hat, das kann dem Knecht nicht missfallen; was dem Arzt gefällig gewesen, damit nimmt der Patient auch gern vorlieb. Hiob spricht: Der Name des Herrn sei gelobt. Das ist des Glaubens größtes Kunststück, dass er für seinen Schaden ein Loblied singt und seinem Gott für die Zuchtrute dankt. Das heißt recht dem Teufel trotzen und dem Unglück den Kopf bieten, wenn man‘s ansieht als ein Glück und dafür dankt. Mein Herz, tue weder deinem Gott die Schande, noch dem Teufel die Ehre an, dass du dich vor ihm fürchten wolltest, als könnte er dir Leid tun. Er hat keine Macht über eine Mücke, viel weniger eine Seele, die Gottes Eigen ist. Das Wollen hat er, das Vermögen fehlt ihm. Er wollte gern Schaden anrichten, er kann aber nicht ohne Gottes Zulassung. Jener Eremit wusste dies wohl! Drum, da der Teufel einmal heftig auf ihn zudrang, redete er ihn getrost an und sprach: Ist dir‘s von Gott dem Allmächtigen zugelassen, so schlag nur freudig her, ich will die Streiche geduldig ausstehen, denn ich weiß, dass ich nicht von dir, sondern von Gott, der dir‘s geheißen, geschlagen werde. Ihm still zu halten, bin ich so willig, als schuldig, weil denen, die ihn lieben, alles muss zum Besten dienen. Ist dir‘s aber von Gott nicht zugelassen, so wirst du mir nicht ein Härlein krümmen, wenn du dich gleich in tausend Stücke rissest. Nur beherzt, liebe Seele, der Teufel tut‘s nicht, er ist viel zu schwach dazu. Und tut‘s Gott, so ist alles wohl getan. Des Herrn Name sei gelobt!

(Heinrich Müller)

 

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Das Gebet ist ein Rauchwerk, das dem Teufel Kopfweh macht. Sprichwort

 

Der Name ist heutzutage das einzige, welches die Menschen am Teufel nicht mögen. Friedrich Hebbel

 

Der Teufel ist der Affe Gottes. Martin Luther

 

Der Teufel ist ein Optimist, wenn er glaubt, dass er die Menschen schlechter machen kann. Karl Kraus

 

Ein Mann kam zur Beichte und zog eine recht zuversichtliche Bilanz seines Lebens: „Ich habe viel geflucht“ sprach er, „habe dafür aber auch viel gebetet – das gleicht sich aus. Ich habe viel getrunken, aber auch oft gefastet – das gleicht sich ebenfalls aus. Ich habe viel gestohlen, aber auch viel verschenkt – das gleicht sich auch aus.“ „Mein Lieber“ unterbrach ihn der Beichtvater, „ihr Fall ist ganz einfach: Gott hat sie erschaffen, und der Teufel wird sie holen – das gleicht sich ebenfalls aus.“

 

Gott hat das Leben lieb, der Teufel den Tod. Martin Luther

 

Man möge bedenken, dass man andere ertragen soll, wie man selbst ertragen zu werden wünscht. Aber das ist eben der Teufel der Menschen, dass selten jemand glaubt, dass die anderen auch etwas an ihm zu ertragen hätten. Jeremias Gotthelf

 

Was man Gott nimmt, das holt der Teufel wieder. Sprichwort

 

Wenn die Menschen auf ihr Alter tugendhaft werden, opfern sie Gott nur die Überbleibsel vom Teufel. Alexander Pope

 

Wer erwartet, dass in der Welt die Teufel mit Hörnern und die Narren mit Schellen einhergehen, wird stets ihre Beute oder ihr Spiel sein. Arthur Schopenhauer

 

Was für Mühe muss es Gott und seinem Geist geben, um den Schutt bloß aus dem Wege zu räumen, worunter der Satan unsre Seelen vergräbt, wenn wir mit ihm an selbigen zu bauen gedenken. Johann Georg Hamann

 

Wer mit dem Kaminkehrer ringt, wird schwarz, unabhängig davon, ob er gewinnt oder verliert. Aus den USA

 

THEODIZEE

1.

Der Vorwurf, Gott tue nichts gegen das Leid dieser Welt, ist unberechtigt, denn er tut sehr viel gegen die menschliche Sünde, aus der das Leid resultiert. Die Bibel redet von nichts anderem! Nur setzt Gott nicht bei dem Bösen an, das den Sünder stört, sondern bei dem Bösen, der der Sünder ist. Gottes Evangelium bekämpft das Übel, wo es entsteht: im menschlichen Herzen. Wenn der Mensch aber nicht einverstanden ist mit der Weise, auf die ihm Gott zu helfen gedenkt, so wiederlegt das nicht Gottes Existenz oder Gottes Liebe, sondern beweist nur, dass Gott nicht ist, wie der Mensch ihn gerne hätte.

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2.

Das Theodizeeproblem ergibt sich aus fünf Voraussetzungen, an denen man nicht gleichzeitig und uneingeschränkt festhalten kann, ohne in Widersprüche zu geraten. Prüft man diese Voraussetzungen allerdings am biblischen Zeugnis von Gott, so gilt keine in dem Sinne, den die Religionskritik unterstellt. Die Theodizeefrage als logisches Paradox löst sich auf, weil sie auf halbwahren Prämissen beruht. Eine existentielle Herausforderung für die Gläubigen wird sie aber bleiben, bis (nicht kluge Theologie, sondern) Gott selbst für Aufklärung sorgt.

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3.

Gut ist, was Gott will, und böse ist, was Gott nicht will. Doch will er das Gute nicht, weil es „an sich“ schon gut wäre. Sondern, was Gott will, wird dadurch „gut“, dass er es will, und es ist auch allein darum „gut“, weil er es will. Gott hält sich also an keine Norm, Gott ist die Norm. Er folgt keiner Ordnung, sein Wille ist die Ordnung. Gott respektiert nicht einen vorgegebenen Unterschied von „gut“ und „böse“, sondern indem er handelt und gebietet setzt er diesen Unterschied in Kraft.

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4.

Gottes Gnade überwindet ein bestehendes Gefälle durch die freie Initiative des Überlegenen, der eine Gemeinschaft sucht, die nur dem Unterlegenen nützt, d.h. konkret: Gott lässt Gnade walten in der Form einer durch Christus bestimmten Gottesbeziehung – und anders nicht. Seine Gnade lässt sich weder von dem Tun ablösen, in dem er sie erweisen will, noch lässt sich daraus ein „Lehrsatz“ bilden, den man umstandslos verallgemeinern dürfte. Gottes Gnade führt in die Gemeinschaft mit ihm und kennt keinen anderen Ausdruck, weil Gott mit seiner Gnade nicht irgendetwas, sondern sich selbst schenkt. 

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„Nun, die Vernunft will allezeit Gott hofmeistern, ob er Fug und Recht habe, will Gott messen nach ihrem Gesetze und Gedanken. Gott sollte säuberlicher handeln und nicht also erschrecken, sondern auf die und jene Weise es machen, und stellt Gott also ein Gesetz vor. Aber das musst du aus deinem Kopfe lassen, wenn du von Gott reden willst, dass du kein Gesetz oder Maß auf Gott gebest; denn er ist nicht eine Kreatur, er ist unermesslich. Dem Menschen ist ein Maß gesetzt, ich soll so und so tun; mein Leben ist endlich, es kann gefasset werden, und hat eine Regel, Maß, Weise und Gesetz. Da du mit Gott also auch handeln wolltest, so hast du Gottes gefehlt. Denn was da mit Gott vorgenommen wird nach Gesetz, Maß und Ziel, das trifft nicht zu. Die Vernunft kann nicht höher, denn dass sie gedenkt: Also, und nicht anders sollte Gott es machen, und urteilt bald also, spricht: Ist es doch nicht gut, dass man verstockt? Und macht ihm also ein Maß; sie meint, Gott sei wie ein Mensch, dass man von Gott als von Menschen urteile. Also versteht es die Vernunft nicht, und will doch klug sein und von Gott richten. Aber Gott gibt dir Gesetze, und nimmt von dir keines; er steckt dir ein Ziel, und du nicht ihm. Darum ist es nicht recht, dass du es also willst, und also für recht und gut ansiehst, sondern wisse, dass er es also will haben und also gebeut; sein Wille ist gesetzt über alle Gesetze. Wenn er spricht: Ich will es also haben, dann so ist es über alle Gesetze, denn er ist ein unendlicher Gott, und hat es Macht und Fug. Sagt man aber: Ja, ich verstehe es nicht, dass es gut sei, dass er verstockt. Ja, Lieber, vor deinen Augen ist es böse; meinst du, dass du Gott seiest? Gott hat kein Maß, Gesetz oder Ziel (wie gesagt), darum so kann er dawider nicht tun, er kann wider Gesetz nicht sündigen, dieweil ihm keines vorgestellt. Derhalben ist es gut alles, was er tut.“ (Martin Luther)

 

THEOLOGIE

1.

Theologie gibt Rechenschaft vom Glauben nach „außen“ hin, indem sie sich erklärend und argumentierend den kritischen Fragen der Nicht-Gläubigen stellt. Und sie verantwortet den Glauben genauso nach „innen“, indem sie den Gläubigen hilft, sich ihrer Glaubensgrundlagen immer wieder zu vergewissern. Um diese Aufgaben zu erfüllen muss Theologie (1.) „schriftgemäß“ sein, (2.) „zeitbezogen“ und (3.) „widerspruchsfrei“. Geht sie aber fehl und verrennt sich, so hilft nur eine Rückkehr zu den neutestamentlichen Quellen, wie sie schon die Reformatoren vollzogen haben.

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2.

Ein Theologe ist ein Wissenschaftler, den seine Materie beherrscht. Er hat sein Wissen nicht, ohne dass es ihn hat. Und er begreift nicht, ohne in das Begriffene mit Haut und Haar inbegriffen zu sein. Denn das Objekt seiner Studien ist das Subjekt seines Lebens. Nicht er hat sich des Themas, das Thema hat sich seiner bemächtigt – und während er urteilt, weiß er sich beurteilt. Anders können Theologen der tatsächlichen Rollenverteilung zwischen Gott und Mensch nicht entsprechen. Nutzt einer aber die reflexive Distanz, um den christlichen Standpunkt (unter ständigem Beschreiben, Erwägen, Würdigen, Umkreisen) niemals einzunehmen, so mag der sein, was er will – ein Theologe ist er nicht.

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3.

Weil Gott den menschlichen Horizont überschreitet, wissen wir von ihm nur, was er uns hat wissen lassen in seiner Offenbarung. Sie geschah, als Gott in den menschlichen Gesichtskreis trat und Mensch wurde. Darum ist Jesus Christus Grund und Grenze aller christlichen Rede von Gott: Wir dürfen nicht mehr von Gott sagen, als wir am Leben, Sterben und Auferstehen seines Sohnes ablesen können – aber auch nicht weniger.

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4.

Imponiergehabe bewährt sich Gott gegenüber nicht. Denn er ist von unseren Leistungen nicht beeindruckt und für unseren Verstand nicht zu erreichen. Der Mensch „auf der Höhe“ und Gott in seiner Majestät finden nicht zusammen. „Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben“ (1. Kor 1,21). Gott ist für aufgeblasene Menschen prinzipiell nicht mehr zu sprechen, sondern nur noch für demütige. Nicht wir erheben uns zu ihm, sondern er beugt sich zu uns herab. Wir begegnen ihm nicht im Zugriff unserer Weisheit auf seine Hoheit, sondern im Zugriff des Gekreuzigten auf unser Elend.

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5.

Wie die Reformation zeigt, bleibt der Glaube nur gesund, wenn er sich regelmäßig daraufhin prüft, ob das, was er vertritt, dem Neuen Testament entspricht und sich der Vernunft erschließt. Was beiden Kriterien nicht genügt, ist nach eingehender Prüfung zu verwerfen. Und was beiden Kriterien genügt, ist umso nachdrücklicher beizubehalten. Was nur der Vernunft einleuchtet, während die Hl. Schrift dazu schweigt, kann als nützlich beibehalten werden, darf aber nicht in den Rang eines Glaubensgegenstandes erhoben werden. Und was geschrieben steht, ohne dass es sich der Vernunft erschlösse, ist dennoch als Gottes Wort zu ehren, denn der Fehler liegt sicher bei unsrer beschränkten Vernunft – und nicht bei Gottes Offenbarung.

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6.

Blinde Blindenführer

Erg.

 

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„Niemand hat allein für sich die Theologie; wer sie hat, hat sie nur mit Andern und für Andere. Eine weltliche Wissenschaft kann der Inhaber derselben auch wohl für sich besitzen: der Bibliophile kann seine Bücher und die Exzerpte aus denselben hüten und, wie ein Drache den Schatz, vor fremdem Auge, geschweige denn vor fremder Benutzung, sorgfältig bewahren; der Philosoph kann seine Esoterika für sich und wenige Vertraute behalten, und darf in Zorn entbrennen, wenn man sie ihm publiziert; der Eine wie der Andere bleibt dennoch ein Mann der Wissenschaft, vielleicht ein angesehener, und nicht mit Unrecht. Ein Theolog, welcher seine Theologie für sich behält, allein für sich hat, ist ein Widerspruch mit sich selbst; er ist kein Theolog, er hat keine Theologie; denn die Theologie, und wäre sie nur ein Wissen von Gott, ist der unbedingteste Gegensatz des Egoismus, des abgeschlossenen Fürsichseins, der Esoterik. Das Wissen von Gott welches sich Theologie nennt, ist zugleich ein Reden von Gott. Und das Reden von Gott geht hinaus in die Welt, in das Leben der Menschen. Die Theologie dient dem wirklichen Leben, dem wirklichen Leben in dieser Welt und in der Ewigkeit, und jeder Blick, welchen der Theolog neben dem wirklichen Leben vorbei tut, ist ein falscher Blick, ein Augenverdrehen, ein Schielen; jeder Tritt welchen die Theologie neben das wirkliche Leben tut, ist ein Fehltritt, welcher zum Falle und endlich unfehlbar zum Zerschellen führt, falls er wiederholt wird. Die Theologie teilt mit was sie hat, ganz und unverkürzt, kann nicht leben ohne diese Mitteilung ihres ganzen und vollen Inhalts, und lebt wiederum selbst von der Rückwirkung dieser Mitteilung, von dem Empfangen der Empfangenden, aber dies alles darum, weil dieser Inhalt für die Empfangenden die Lebensluft, die unentbehrliche Nahrung ist, nicht anders wie Luft und Sonnenlicht und Brot…“ (August Vilmar)

 

„Unter Theologie versteht man der Etymologie nach Wissen oder Lehre von Gott; dann wird das Wort im weiteren Sprachgebrauch genommen für Wissen von allen göttlichen Dingen, welche uns zu wissen Not tun, damit wir den Weg zum Heile finden. Ein solches Wissen kommt uns zu teils auf dem natürlichen Wege vernünftiger Betrachtung, teils auf übernatürlichem Wege durch besondere Offenbarung und darnach zerfällt die Theologie in theologia naturalis et revelata. In beiden Fällen ist aber die Theologie kein bloßes äußeres Wissen, durch welches nur der Verstand bereichert wird, sondern ein solches, welches den ganzen Menschen wahrhaft weise macht, indem es ihm die rechte innerliche Erfahrung von Gott und göttlichen Dingen vermittelt, und ihm den Weg zeigt, auf dem er zum Heile gelangen kann…“ (Heinrich Schmid)

 

„Viele meinen, die Theologie sei nur eine bloße Wissenschaft und Wortkunst, da sie doch eine lebendige Erfahrung und Übung ist. Jedermann studieret jetzt, wie er hoch und berühmt in der Welt werden möge, aber fromm sein, will niemand lernen. Jedermann sucht jetzt hochgelehrte Leute, von denen er Kunst, Sprachen und Weisheit lernen möge, aber von unserm einzigen Doktor, Jesu Christo, will niemand lernen Sanftmut und herzliche Demut, da doch sein heiliges, lebendiges Beispiel die rechte Richtschnur unsers Lebens ist, ja die höchste Weisheit und Kunst, dass wir billig sagen: Christi reines Leben, kann uns Allen Lehre geben.“ (Johann Gerhardt)

 

„Bei einem Jubiläum Alexander Schweizers, des berühmten Züricher Theologen, ward ein Festessen abgehalten. Nach vielen anderen Reden erhob sich Gottfried Keller und alle warteten gespannt, was der Dichter sagen werde. Seine Rede war kurz: „Meine Herren, es gibt, soviel ich sehe, zwei Sorten von Theologen, solche, die über dem lieben Gott, und solche, die unter ihm stehen. Alexander Schweizer hat sein Leben lang zu den letzteren gehört. Er lebe hoch!“ (Euthymius Haas)

 

„Ihrer viele meinen, es sei gar genug und überflüssig zu ihrem Christentum, wenn sie Christum ergreifen mit ihrem Verstand, durch Lesen und Disputieren, welches jetzt das gemeine Studium Theologium ist, und in bloßer Theoria und Wissenschaft bestehet, und bedenken nicht, dass die andere fürnehme Kraft der Seele, nämlich, der Wille und die herzliche Liebe auch dazu gehöre. Beide musst du Gott und Christo geben, so hast du ihm deine ganze Seele gegeben. Denn es ist ein großer Unterschied unter dem Verstand, womit man Christum erkennet, und unter dem Willen womit man ihn liebet. Denn wir erkennen Christum, so viel wir können; wir lieben ihn aber, wie er ist. Christum durch bloße Wissenschaft erkennen und nicht liebhaben, ist nichts nütze. Ist demnach tausendmal besser, Christum lieb haben, denn viel von ihm reden und disputieren können, Ephes. 3,19. Derohalben sollen wir Christum mit unserm Verstande also suchen, dass wir ihn auch mit herzlichem Willen und Wohlgefallen lieben.“ (Johann Arndt)

 

„Es ist nicht Aufgabe der Theologie, Gottes Geheimnisse so lange zu beschneiden und zu verkürzen, bis sie in die Enge des menschlichen Geistes passen, sondern diesen Geist so zu weiten und zu dehnen, bis er die göttlichen Geheimnisse in ihrer Größe zu fassen vermag.“

(nach einem Wort von Roger Bacon)

 

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Bei einem Jubiläum Alexander Schweizers, des berühmten Züricher Theologen, ward ein Festessen abgehalten. Nach vielen anderen Reden erhob sich Gottfried Keller und alle warteten gespannt, was der Dichter sagen werde. Seine Rede war kurz: „Meine Herren, es gibt, soviel ich sehe, zwei Sorten von Theologen, solche, die über dem lieben Gott, und solche, die unter ihm stehen. Alexander Schweizer hat sein Leben lang zu den letzteren gehört. Er lebe hoch!“ Euthymius Haas

 

Ein Offizier erklärte einem Geistlichen: „Wenn ich einen recht unbegabten Sohn hätte, würde ich ihn Theologie studieren lassen.“ Der Pfarrer erwiderte: „Ihr Herr Vater ist anderer Ansicht gewesen.“

 

Es gibt nichts Neues in der Theologie - ausgenommen das, was falsch ist. C. H. Spurgeon

 

THEOLOGIE DER TATSACHEN

Die Bibel gebraucht Gleichnisse, Analogien und Bilder. Doch was sie in „uneigentlicher“ Rede sagt, ist deswegen nicht weniger wirklich. Sie beschreibt es metaphorisch. Aber was sie beschreibt, ist keine Metapher. Denn die biblischen Symbole stehen für Gottes Wirklichkeit, die weit „substanzieller“ und „realer“ ist als unsere. Christlicher Glaube bekennt sich zu ihr als zu einer Tatsache – und muss das auch. Denn Menschen sündigen und sterben nicht bildlich oder symbolisch, sondern wirklich. Und ihnen ist daher auch nicht mit bildlicher oder symbolischer, sondern nur mit wirklicher Erlösung geholfen. 

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THEORIE UND PRAXIS

„Wenn ein Wanderer zur Mittagszeit, da die Sonnenstrahlen am heißesten aufs Haupt brennen, an eine Quelle kommt, deren Wasser klar und hell ist, wird er dann etwa sich am Wasser niedersetzen und über seine Natur philosophieren und nachforschen, woher und wie und durch wen es gekommen ist? ... Oder wird er nicht das alles auf sich beruhen lassen und sich zur Quelle niederbücken, seine Lippen an sie setzen, seinen Durst stillen und seine Zunge befeuchten, seiner Müdigkeit Ruhe schaffen und dem danken, der ihm diese Gnade geschenkt hat? So ahme denn auch du den Dürstenden nach.“

(Gregor von Nyssa)

 

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Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie. Immanuel Kant

 

Tiefe

Du kannst dein Leben nicht verlängern, nicht verbreitern, nur vertiefen. Gorch Fock

 

Ein Schein von Tiefe entsteht oft dadurch, dass ein Flachkopf zugleich ein Wirrkopf ist. Karl Kraus

 

Es ist vielleicht wichtiger, das Leben zu vertiefen, als es zu verlängern und auszudehnen. Carl Ludwig Schleich

 

Gottes Ewigkeit ist Seine Länge, die Liebe Seine Breite, die Macht Seine Höhe und die Weisheit Seine Tiefe. Die Wolke des Nichtwissens (Anonym, 14. Jh.)

 

Ich habe keine Tiefe, als meinen unaufhörlichen Trieb zur Tiefe. Christian Morgenstern

 

Man kann studieren und sich tief in den Irrtum hineinstudieren. G. E. Lessing

 

Mein einziges Gebet ist das um Vertiefung. Durch sie allein kann ich wieder zu Gott gelangen. Vertiefung! Vertiefung! Christian Morgenstern

 

So wie das Wasser die Höhe meidet und in die Tiefe fließt, so ist auch die Weisheit nur bei den Demütigen. Talmud

 

Wenn das Meer alle seine Kraft anstrengt, so kann es das Bild des Himmels gerade nicht widerspiegeln; doch wenn es stille wird und tief, senkt sich das Bild des Himmels in sein Nichts. Sören Kierkegaard

 

Wer nicht auch böse sein kann – kann der wirklich tief sein? Christian Morgenstern

 

Tier

Der Mensch hat mit vielen Tieren Ähnlichkeit hinsichtlich Fraß, Zorn, Hass und Faulheit. Aber im Laster der Lüge übertrifft er sie alle. Martin Luther

 

Der Mensch ist weder Tier noch Engel, und das Unglück will, dass, wer einen Engel aus ihm machen will, ein Tier aus ihm macht. Platon

 

Ihr fragt oft, wie ihr leben sollt. Das sollt ihr hier mit Fleiß erkennen... Du sollst aus Gott sein und sollst für Gott sein und sollst nicht dein sein und nicht für dich sein und sollst niemandem gehören. Nehmt den Hund als Gleichnis dafür, der ein unver­nünftiges Tier ist. Der ist seinem Herrn völlig treu. Und wäre es möglich, dass der Hund seinem Herrn mit der Hälfte seines Wesens untreu wäre, so hasste er sich mit der anderen Hälfte. Meister Eckhart

 

Tischgebet

Der englische Staatsmann Oliver Cromwell (1599-1658) sprach einmal folgendes Tischgebet: „Manche haben Hunger, aber nichts zu essen. Andere haben Speise, aber keinen Hunger. Ich habe beides. Der Name des Herrn sei gelobt!“

 

TOD

1.

Der Tod hat mehr als ein Gesicht: Er ist für alle Geschöpfe die natürliche, vom Schöpfer gesetzte Grenze ihres Daseins. Für Sünder ist er zugleich ein Gerichtsakt, durch den Gott das ihn Verneinende verneint und das Nicht-sein-sollende ins Nicht-Sein befördert. Für begnadigte Sünder aber ist er außerdem auch noch das Tor in den Himmel, die Durchgangsstation in die ungetrübte Gemeinschaft mit Gott. Christen müssen den Tod darum nicht fürchten: Für sie ist das Sterben nicht Vernichtung, sondern Vollendung.

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2.

Man hat Christus nach allen Regeln der Kunst beseitigt. Doch der Tod wurde seiner nicht Herr. Gott bekannte sich zu seinem Sohn, indem er ihn auferweckte. Und aus der scheinbaren Niederlage des Kreuzes wurde so ein großer Sieg. Denn die Macht des Todes beruhte einzig und allein auf der Schuld des Menschen. Hat Christus aber stellvertretend für die Sünder ihre Strafe getragen, so ist damit ihre Rechnung beglichen, die Rechtsgrundlage des Todes entfallen – und infolgedessen wird Auferstehung nicht nur für Jesus möglich, sondern für alle, die zu ihm gehören. Das ist wunderbarer, großer Trost. Denn unter österlichem Vorzeichen stirbt nun nicht mehr der Christ, sondern, wenn’s zu Ende geht, stirbt nur noch sein Elend. 

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3.

Für einen Christen ist der Tod der ultimative Ruhestand, den er bei Gott verbringen darf. Und das irdische Getümmel zu verlassen, in dem sich alle von Gier und Angst getrieben um ein bisschen Glück raufen, muss ihn nicht sehr betrüben. Denn er macht einen guten Tausch. Man nennt ihn „entschlafen“, aber in Wahrheit ist er aufgewacht. Man meint, er hätte alles verloren, dabei hat er alles gewonnen. Man weint um ihn, er aber hat gut lachen: Gott hat ihn aus der irdischen Bedrängnis herausgeholt und in die himmlische Freiheit entlassen. Und deshalb muss man ihn wahrlich nicht bedauern. Oder beweint man jemand, der das Ziel seines Weges glücklich erreicht hat? Gratuliert man ihm nicht eher?

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4.

Die menschliche Seele verdankt ihre Unsterblichkeit nicht einem eigenen Beharrungsvermögen, durch das sie „unzerstörbar“ wäre, sondern verdankt sie allein der Treue und Beharrlichkeit Gottes, der die Toten nicht vergisst und aus der Beziehung zu ihm nicht entlässt. Es irren darum auch jene, die meinen, mit ihrem Tod sei „alles aus“. Gott hat nicht vor, sie aus ihrer Verantwortung ins Dunkel des Nicht-Seins entwischen zu lassen. Mancher wird sich wünschen, er könnte sich die Bettdecke des Todes über beide Ohren ziehen. Aber es wird keinem gelingen.

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5.

Mit dem Tod endet nur unseres Lebens erster Teil, denn nach der Auferstehung und dem Jüngsten Gericht werden die Gläubigen gereinigt, runderneuert und vollendet in Gottes Reich eingehen. „Herrlichkeit“ wird dafür ein viel zu kleines Wort sein! Doch sollte man sich den Himmel nicht zu sehr in Kategorien des Konsums vorstellen. Unsere Seligkeit wird nicht darin bestehen, dies und jenes zu genießen (im Sinne eines Schlaraffenlandes), sondern dass wir Gott schauen und Gott genießen. Seine Nähe wird uns beglücken und wir werden Gottes voll sein.

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6.

Der Blick auf unser Versagen, auf Schuld und unerfüllte Wünsche, macht das Sterben schwer. Darum gelingt getrostes Sterben nur, wo wir den Blick auf Christus richten. Er ist bereit, unsere Defizite auszugleichen, wenn wir uns seiner Gnade überlassen. Und Christus zu ergreifen, ist auch ein schwacher Glaube stark genug. Fürchtet aber jemand Gottes Strenge, soll er umso entschlossener zu Christus hin flüchten und ihn bitten, im Gericht sein Fürsprecher zu sein: So einer wird durch den Tod keineswegs vernichtet, sondern durch den Tod hindurch vollendet.

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„Der zeitliche Tod ist die Trennung des Leibes und der Seele und Beraubung des natürlichen Lebens.“ (Adolf Hoenecke)

„Wir sind alle zum Tode gefordert, und wird keiner für den andern sterben; sondern ein jeglicher in eigener Person muss geharnischt und gerüstet sein, für sich selbst mit dem Teufel und Tode zu kämpfen. Hebr. 9,27. In die Ohren können wir wohl einer dem andern schreien, ihn trösten und vermahnen zur Geduld, zum Streit und Kampf; aber für ihn können wir nicht kämpfen noch streiten, es muss ein jeglicher allda auf seine Schanze selbst sehen und sich mit den Feinden, mit dem Teufel und Tode, selbst einlegen und allein mit ihnen im Kampfe liegen. Ich werde dann nicht bei dir sein, noch du bei mir. Derhalben so muss ein jedermann selbst die Hauptstücke, so einen Christenmenschen belangen, wohl wissen, dadurch er in diesem ernsten Kampfe gerüstet komme, welche die sind, die eure Liebe nun oft hat von mir gehört.“ (Martin Luther)

 

„Der Tod kann nicht überwunden sein, wo die Sünde nicht überwunden wird; und ist nicht möglich, dass Tod ohne Sünde oder Sünde ohne Tod sein sollte. Darum auch der Tod über Christum nicht bleiben konnte, ob er wohl eine Zeit ihn hielt um unsertwillen; denn in Christo war keine Sünde, die er auf sich nahm. Also auch kann er nicht bleiben über den Christen, weil sie nun gerecht sind in Christo und keine Sünden haben, ob er wohl eine kurze Zeit sie aufhält. Denn das heißt meisterlich den Tod und Sünde überwunden: nicht, dass man sie mit Gewalt bald im Augenblick wegtue und nimmer fühle; sondern dass man ihnen zuerst das Recht und Macht nimmt, und verdammt sie mit Urteil und Recht, dass sie sollen zunichte werden. Ob sie nun indeß noch toben und sich fühlen lassen, ehe sie zerbrochen werden, da liegt nicht an: das Urteil ist doch über sie gangen, dass sie deß kein Recht noch Macht haben, sollen aber und müssen bald aufhören und ihr Ende haben; gleichwie man einem mächtigen Feinde tut: wenn er gefangen ist, tut man ihn nicht so bald ab, sondern lässt ihn leben, bis er vor Gericht verdammt und alsdann durchs Urteil getötet wird. Nun, sein Leben, das er lebt im Gefängnis, ist auch ein Leben, aber ein arm Leben, das nun weder Recht noch Macht hat zu schaden, zu herrschen, zu drücken seine Widersacher; sondern ist verwahret zum Tode, und lebt nun nicht mehr, dass er herrschen solle, sondern dass er verdammt und abgetan soll werden. Also geht es dem Tode und der Sünde auch. Christus hat sie gewonnen und gefangen, dass sie nicht mehr herrschen oder siegen können über uns wie zuvor (…). Was schadets mir nun, ob ich den Tod oder Sünde fühle eine kleine Zeit, als herrschten sie, so ich weiß, dass sie nicht herrschen, sondern verdammt sind, und ihr Regen und Fühlen nichts anderes ist, denn ein Zappeln und Zittern vor ihrem Galgen, da sie sollen abgetan werden. Gleich wiederum, was hülfs die, so die Sünde und Tod eine kurze Zeit nicht fühlen, als sei der Tod mit Gewalt weggetan; so doch beide Sünde und Tod Recht und Macht über sie behält, und bald über sie kommen und ewiglich herrschen wird? Das ists, dass beide Jesaias und St. Paulus solcher Worte brauchen, die da anzeigen, wie Sünde und Tod das Recht und Macht verloren haben und bald ihr Ende haben sollen, ob sie wohl noch eine kleine Zeit sich regen, als herrschten sie. Denn St. Paulus spricht nicht: Tod, wo bist du? Hölle, wo bist du? sondern also: „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ Als sollte er sagen: Lieber Tod und Hölle, ihr seid wohl noch eine kleine Zeit da, doch nicht lange; aber das Recht, Macht, Sieg, Stachel und alle Kraft habt ihr verloren. Zornig seid ihr; aber, Lieber, beißt mich nicht, versenget uns die Rüben nicht. Ich fühle euch wohl, aber ich fürchte mich nicht vor euch; denn ihr könnt nicht mehr und müsst dazu auch bald an den Galgen und zunichte werden.“ (Martin Luther)

 

„Den ersten Tod müssen wir erdulden, falls nicht der Herr plötzlich zu seinem Tempel kommen sollte. Lasst uns in Bereitschaft bleiben und ihn ohne Furcht erwarten, da Jesus den Tod aus einer finstern Höhle in einen Durchgang zur Herrlichkeit verwandelt hat. Das, was zu fürchten, ist nicht der erste, sondern der zweite Tod; nicht das Scheiden der Seele vom Körper, sondern die schließliche Trennung des ganzen Menschen von Gott. Dies ist der wahre Tod. Dieser Tod tötet Frieden, Freude, Glück und Hoffnung. Wenn Gott geschwunden ist, so ist alles geschwunden. Solch ein Tod ist weit schlimmer als aufhören zu sein: es ist Dasein ohne das Leben, welches das Dasein des Habens wert macht. Nun, wenn wir durch Gottes Gnade bis zum Ende streiten und überwinden in dem glorreichen Kampfe, so kann kein zweiter Tod seinen kalten Finger auf uns legen. Wir werden keine Furcht vor Tod und Hölle haben, denn wir sollen eine unverwelkliche Krone des Lebens empfangen.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Und wer da lebet, und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?“ Joh. 11,26. Ja, Herr, wir glauben es; wir werden nimmermehr sterben. Unsre Seele mag von unsrem Leibe getrennt werden, und dies ist eine Art von Tod; aber unsre Seele soll nie von Gott getrennt werden, was der wahre Tod ist – der Tod, welcher der Sünde gedroht war – die Todesstrafe, welche die schlimmste ist, die verhängt werden kann. Wir glauben dieses ganz gewiss, denn wer mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu, unsrem Herrn, ist? Wir sind Glieder des Leibes Christi; wird Christus Teile seines Leibes verlieren? Wir sind mit Christo vermählt; kann er seiner Braut beraubt und verwitwet werden? Es ist nicht möglich. Es ist ein Leben in uns, das nicht fähig ist, von Gott geschieden zu werden: ja, und der Heilige Geist wohnt in uns, und wie könnten wir dann sterben? Jesus selber ist unser Leben, und deshalb gibt es für uns kein Sterben, denn er kann nicht wiederum sterben. In ihm sterben wir der Sünde einmal, und das Todesurteil kann nicht zum zweitenmal vollzogen werden. Nun leben wir und leben auf immer. Der Lohn der Gerechtigkeit ist das ewige Leben, und wir haben nichts Geringeres, als die Gerechtigkeit Gottes und können deshalb den höchsten Lohn beanspruchen. Lebend und glaubend, glauben wir, dass wir leben und uns freuen werden.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Komm, Herr Jesu, und nimm mich hinweg aus dem fremden Lande, hole mich ins Vaterland und bringe mich in das verlorene Paradies zurück. Komm, mein Erlöser, und lass mich Teil nehmen an deiner ewigen Herrlichkeit. Zeit ist es, dass ich zu dir gelange, Zeit, dass du meinen Leib der Erde schenkst, von der er genommen ist. Ich sorge nicht sehr, wo man ihn hinlegen und wie man ihn behandeln mag; wenn nur der Geist wohlbehalten zu dir kommt. Herr, in deine Hände befehle ich meinen Geist; mein Fleisch mag in Hoffnung ruhen, bis du es am jüngsten Tag erwecken wirst. O erwünschter Tag, o gesegnete Stunde, da ich dein Antlitz schauen soll! O Sohn Gottes, der du mich durch dein heiliges Blut erlöst hast, nimm mich nun auf in dein Reich; denn es verlangt mich herzlich, mit dir Ostern zu feiern!“

Thomas von Kempen (+1471)

 

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Alles Glücklichsein ist das eines Kindes im Theater. Das Alter weiß, wie die Dekoration von hinten aussieht und der Schauspieler zu Hause. Freilich bleiben die meisten bis zu ihrem Tode große Kinder. Wilhelm Raabe

 

Als Abraham vom Todesengel gerufen wurde, weigerte er sich, ihm zu folgen, weil er nicht glauben konnte, dass Gott jemanden töten würde, der ihn so sehr geliebt hatte. Aber er vernahm das Wort: „Hast du je einen Liebenden gesehen, der sich weigert, zu seinem Geliebten zu gehen?“ Als er das hörte, übergab er seine Seele freudig dem Engel. nach A. Schimmel

 

Da man morgen mit den gleichen Eigenschaften auferstehen wird, möge Gott niemandem übles Wesen geben in der Welt, denn das wird für ihn nach dem Tode zu ernten sein, was er auf dem Felde dieser Welt gesät hat. Abdur Rahman

 

Da die Menschen nicht Tod, Elend und Unwissenheit heilen konnten, sind sie, um sich glücklich zu machen, auf den Einfall gekommen, nicht daran zu denken. Blaise Pascal

 

Den Tod fürchten die am wenigsten, deren Leben den meisten Wert hat. Immanuel Kant

 

Den Tod fürchten, das heißt dem Leben zu viel Ehre erweisen. Théodore Simon Jouffroy

 

Der Lebenslauf des Menschen besteht darin, dass er, von der Hoffnung genarrt, dem Tod in die Arme tanzt. Arthur Schopenhauer

 

Der Schlaf sei das Abbild des Todes, sagt Ihr; und ich sage, dass er vielmehr das Abbild des Lebens ist. Blaise Pascal

 

Der Tod eines heißgeliebten Menschen ist die eigentliche Weihe für eine höhere Welt. Man muss auf Erden etwas verlieren, damit man in jenen Sphären etwas zu suchen habe. Friedrich Hebbel

 

Der Tod, den die Menschen fürchten, ist die Trennung der Seele vom Körper. Den Tod aber, den die Menschen nicht fürchten, ist die Trennung von Gott. Augustin

 

Es gibt für die Menschen, wie sie heute sind, nur eine radikale Neuigkeit - und das ist immer die gleiche: der Tod. Walter Benjamin

 

Es gibt Väter, deren ganzes Leben damit erfüllt ist, ihren Kindern Gründe zu verschaffen, sich über ihren Tod zu trösten. Jean de La Bruyère

 

Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Selbstmord treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten. Bert Brecht

 

Es ist viel dringender erforderlich, die Seele als den Körper zu heilen, denn Tod ist besser als ein schlechtes Leben. Epiktet

 

Gott hat das Leben lieb, der Teufel den Tod. Martin Luther

 

In Gefahr und großer Not bringt der Mittelweg den Tod. Friedrich Freiherr von Logau

 

Jeder ist für sich selbst alles, denn bei seinem Tode ist für ihn alles tot. Und daher kommt es, dass jeder glaubt, allen alles zu sein. Blaise Pascal

 

Liebe ist Qual, Lieblosigkeit ist Tod. Marie von Ebner-Eschenbach

 

Mit dem Tode umzugehen ist die Schule des Glaubens. Martin Luther

 

Nur wenn es eine Antwort auf den Tod gibt, hat der Mensch überhaupt etwas zu lachen. Blaise Pascal

 

Schmerzlicher als der Verlust durch den Tod ist der Verlust durch das Leben. Heinrich Heine

 

Und dass es mit dem Tode ernst sei, ließe sich schon daraus abnehmen, dass es mit dem Leben, wie jeder weiß, kein Spaß ist. Wir müssen wohl nichts Besseres als diese Leiden wert sein. Arthur Schopenhauer

 

Vor dem, welchem seine Sache gut zu stehen scheint, hüte dich wie vor dem ewigen Tod. Johannes Tauler

 

Vorm Tode brauchst du nicht zu fliehen an zwei Tagen: wenn er dir nicht bestimmt, und wenn die Stund’ geschlagen. Am Tag, da er bestimmt, nützt es dir nichts zu fliehen, und ist er nicht bestimmt, kann er dich nicht erjagen. Pindar-i Razi

 

Wäre der Tod nicht, es würde keiner das Leben schätzen. Man hätte vielleicht nicht einmal einen Namen dafür. Jakob Bosshart

 

Wenn ein Mensch plötzlich krank wird, eilen sogleich die Wohlwollenden zu Hilfe; bekämen sie alle zusammen Erlaubnis, ihre Ratschläge auszuführen, so wäre wohl der Tod des Kranken sicher. Sören Kierkegaard

 

Wie glücklich und klug ist doch der Mensch, der keine andere Sorge kennt, als zu leben, wie er im Tod wünschen wird, gelebt zu haben! Thomas von Kempen

 

TOLERANZ

„Diese ganze Frage hängt mit der anderen zusammen, wie weit der christliche Glaube tolerant ist. Die Antwort darauf hängt aber davon ab, was man unter Toleranz versteht. Im Allgemeinen versteht man darunter die Duldsamkeit anders denkenden gegenüber, den friedliebenden Sinn, der sich gern damit abfindet, dass andere Anschauungen haben, die sich von den eigenen unterscheiden. Wenn dagegen ein Mensch von der Richtigkeit seiner eigenen religiösen oder sittlichen Anschauung so überzeugt ist, dass er andere, die davon abweichen, bekämpft, gilt das als Beweis für ein unentwickeltes sittliches Bewusstsein oder als Zeichen von Beschränktheit. Der rechte Freisinn, sagt man, zeige sich darin, dass er anderen Menschen ihre Lebensanschauung ruhig so lange lässt, bis sie sich vielleicht selbst eine neue suchen. Die Fragen nach der wahren Religion und nach der richtigen Sittlichkeit könnten nie zu einer endgültigen Lösung kommen, und wenn man dogmatisch behaupten wollte, man kenne die Antwort, und deswegen andere bekämpfte, so würden nur Leidenschaft und liebloser Fanatismus das Ergebnis sein. Die fortschreitende Kultur werde bewirken, dass es mit der Zeit um diese Frage stille wird, weil man einsehen werde, dass man sie nicht beantworten kann, und die Proselytenmacherei und der fanatische Bekehrungseifer früherer Zeiten würden verschwinden. Besonders in unseren Tagen, in denen sich Skepsis und Relativismus breitmachen, wird eine solche Einstellung in weiten Kreisen als selbstverständlich angesehen.

Wenn das wirklich Toleranz ist, dann ist der christliche Glaube allerdings schroff und ausgesprochen intolerant. Er weiß nämlich, dass er die Wahrheit besitzt, da sie ihm durch Jesus Christus gegeben worden ist (siehe z.B. Joh 1,17). Er weiß zugleich, dass es von ewiger Bedeutung ist, ob Menschen sich dieser Wahrheit stellen und sich vor ihr beugen. Deswegen kann er keine andere Einstellung zum Leben neben sich dulden, ohne in Kampf mit ihr zu geraten. Wenn das als Lieblosigkeit bezeichnet wird, muss der Christ antworten, dass er es vielmehr als tiefste Lieblosigkeit ansehen müsste, wenn er andere nicht nach Kräften mit der rettenden Wahrheit in Verbindung bringen würde. Schon ein Nichtchrist wie Goethe konnte sagen: „Was hat der Mensch den Menschen Größeres zu geben als die Wahrheit!“ Wieviel mehr muss der Christ so sprechen, wenn er weiß, dass die in Christus gegebene Wahrheit Gottes rettende Gabe an die Menschheit ist. Darum war auch schon die Religion Israels, wie die Propheten sie verkündet haben, intolerant. Sie ließ kein „Hinken“ zwischen Jahwe und Baal zu. Und im NT begegnen wir überall dieser Intoleranz, die Paulus sagen lässt, er reiße alle Gedankengebäude und alles Hohe ein, das sich wider die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehme alle Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi und sei bereit, allen Ungehorsam zu strafen (2. Kor 10,5f.). Mitten in einer Zeit des Synkretismus fiel der christliche Glaube auf mit seinem unerbittlichen Nein gegenüber jeder anderen Lebensauffassung. Diese Intoleranz kann der christliche Glaube nicht aufgeben, ohne sich selber zu verlieren.“

(N. H. Søe)

 

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Wenn ein Mensch nicht im selben Takt geht wie alle anderen, beruht das vielleicht darauf, dass er einen anderen Trommler hört. Lass ihn wandern im Takt der Musik, die er hört. Henry David Thoreau

 

Der Tolerante erlebt sich selbst als souverän; doch häufig ist die Toleranz die Tugend des Mannes, der keine Überzeugung hat. G. K. Chesterton

 

Toleranz ist ein Beweis des Misstrauens gegen ein eigenes Ideal. Nietzsche

 

Tor, töricht

Shibli sah jemanden weinen, weil seine Geliebte gestorben war, und tadelte ihn: „O Tor, warum liebst du jemand, der sterben kann?“ nach A. Schimmel

 

Im Allgemeinen freilich haben die Weisen aller Zeiten immer dasselbe gesagt, und die Toren, d. h. die unermessliche Majorität aller Zeiten, haben immer dasselbe, nämlich das Gegenteil getan. Und so wird es denn auch ferner bleiben. Arthur Schopenhauer

 

Manche verdanken den Büchern ihre Weisheit, manche ihre Torheit. Plinius der Ältere

 

Siehst du jemanden antworten auf alles, was man ihn fragt, aussprechen alles, was er bemerkt, erwähnen alles, was er gelernt – so schließe daraus: Er ist ein Tor. Ibn Ata Allah

 

Toren und gescheite Leute sind gleich unschädlich. Nur die Halbnarren und Halbweisen, das sind die Gefährlichsten. Goethe

 

Wenig genügt, um den Weisen, und nichts, um den Toren glücklich zu machen. Deshalb sind fast alle Menschen unglücklich. Rochefoucauld

 

Wenn die Menschen unter das Getümmel ihrer Ge­schäfte und Zerstreuungen gewohnt wären, biswei­len ernsthafte Augenblicke der lehrreichen Betrach­tungen zu mengen, dazu sie das tägliche Beispiel der Eitelkeit unserer Absichten in dem Schicksale ihrer Mitbürger auffordert: so würden ihre Freuden viel­leicht weniger rauschend sein, aber die Stelle der­selben würde eine ruhige Heiterkeit der Seele ein­nehmen, der keine Zufälle mehr unerwartet sind, und selbst die sanfte Schwermut, dieses zärtliche Ge­fühl, davon ein edles Herz aufschwillt, wenn es in einsamer Stille die Nichtswürdigkeit desjenigen er­wägt, was bei uns gemeiniglich für groß und wichtig gilt, würde mehr wahre Glückseligkeit enthalten als die ungestüme Belustigung des Leichtsinnigen und das laute Lachen des Toren. Immanuel Kant

 

Alle menschlichen Torheiten sind uns nur so lange offenkundig, als wir selbst nicht daran beteiligt sind. Ist dies dagegen der Fall, scheint uns, alles könne es gar nicht anders sein. Leo Tolstoi

 

TORHEIT UND WEISHEIT

1.

Kluge Menschen haben Gott gegenüber keinen Vorteil. Denn Gott wollte nicht, dass der Glaube ein Rätsel sei, das nur die Schlauen lösen, während die Dummen mal wieder „dumm“ dastehen. Deshalb hat Gott die Wahrheit des Glaubens nicht dem Menschengeist anvertraut, sondern seinem Heiligen Geist, der sie zugänglich machen oder verweigern kann. Gott liebt die Gescheiten nicht mehr als die Trottel, und teilt sich darum der Welt mit in einem Evangelium, dem menschliche Dummheit nichts abbrechen, und dem menschliche Weisheit nichts hinzuzufügen vermag.

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2.

Weisheit ist zutreffende Erkenntnis, die der Person nicht äußerlich bleibt, sondern sie in Herz und Gemüt so erfüllt, dass es sich wie von selbst in einem der Erkenntnis entsprechenden Fühlen, Wollen und Verhalten niederschlägt. Allerdings bedarf diese formale Bestimmung einer inhaltlichen Ergänzung, weil Faktenwissen allein nicht weise macht. Es muss orientierendes Wissen um Werte, Pflichten und Ziele dazukommen, durch das der Mensch tugendhaft wird. Da das nicht ohne Gottesfurcht erlangt wird, ist diese der Anfang der Weisheit. 

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TÖTEN

1.

Der Glaube achtet den Willen des Schöpfers, indem er seine Geschöpfe schont, sie achtet und sich weigert, Lebendiges den menschlichen Verwertungsinteressen zu unterwerfen. Auch wenn die Natur ein denkbar schlechtes Vorbild gibt, sollten wir uns der Logik des „Fressen und gefressen werden“ so weit wie möglich entziehen und nach Möglichkeit Verhältnisse schaffen, in denen keiner auf Kosten anderer lebt. Gott will nicht, dass wir Hammer sind. Und er will auch nicht, dass wir Amboss sind. Sondern er will, dass seine Geschöpfe einander Helfer sind.

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2.

Der Mensch wird nicht erst durch seine Geburt zum Menschen. Er ist es schon lange zuvor. Denn in der Entwicklung einer befruchteten Eizelle gibt es keinen qualitativen Sprung, der es erlaubte „vormenschliches“ von „menschlichem“ Leben abzugrenzen. Ist das ungeborene Kind aber Mensch von Anfang an – und damit ein von Gott gewolltes Ebenbild des Höchsten –, so kommen ihm dieselbe Menschenwürde und dasselbe Lebensrecht zu wie einem geborenen Kind. Auch vom Ungeborenen gilt also: „Du sollst nicht töten“.

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3.

Nimmt man an, der Mensch sei „auch nur ein Tier“, kann man ihm kaum verdenken, dass er lebt, indem er tötet. Es erscheint dann ganz „natürlich“ – und das Lebensrecht der Schwachen ist entsprechend schwer zu begründen. Doch in Wahrheit ist der Menschen berufen, Gottes Ebenbild zu sein. Der Höchste hat ihn sich zum Gegenüber erwählt. Er gehört so wenig zu den Tieren, wie die Tiere zu den Pflanzen. Und das verleiht jedem Einzelnen ein Lebensrecht, das durch Leistungskraft nicht gesteigert und durch Schwäche nicht verringert werden kann. 

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TOTER GLAUBE

Zu den Kennzeichen lebendigen Glaubens gehört, (1.) dass er Hunger hat und beständig nach geistlicher Nahrung sucht, dass er (2.) Verletzungen, Versuchungen und Anfechtungen des Glaubens mit Schmerz registriert und dagegen ankämpft, dass sich (3.) seine Lebendigkeit durch rege Tätigkeit, Übung und Glaubenspraxis äußert, dass er (4.) ein vitales Interesse an seiner missionarischen Fortpflanzung und Vermehrung zeigt, dass er (5.) die Wärme, die Leidenschaft und den Eifer eines engagierten Herzens erkennen lässt und (6.) wie ein Baum nicht aufhört in die Tiefe und in die Höhe zu wachsen.

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Tradition

Die Tradition ist eine Ausdehnung des Wahlrechts. Tradition heißt, der unbekanntesten aller Klassen – unseren Vorfahren – Stimme zu geben. Tradition ist die Demokratie der Toten. Chesterton

 

Tradition bedeutet das Weitergeben des Feuers und nicht das Aufbewahren der Asche. Jean Jaurès

 

Trägheit

Niemand verdient seiner Güte wegen gelobt zu werden, wenn er nicht auch die Kraft hat, böse zu sein. Jede andere Güte ist meist nur Trägheit und Willensschwäche. Rochefoucauld

 

Von allen Leidenschaften kennen wir die Trägheit am wenigsten, und doch ist sie die heftigste und bösartigste, obwohl ihr Einfluss unmerklich und der von ihr angerichtete Schaden sehr verborgen ist. Wenn wir ihre Wirksamkeit aufmerksam untersuchen, so werden wir erkennen, dass sie sich bei jeder Gelegenheit zur Herrin über unsere Gefühle, unser Vorteilsstreben und unsere Freuden zu machen versteht. Sie gleicht jenem winzigen Märchenfisch, der die größten Schiffe angehalten haben soll, und gleicht der Windstille, die großen Unternehmungen gefährlicher sein kann als Sandbänke und Wirbelstürme. Die Ruhe der Trägheit ist eine heimliche Verzauberung der Seele, die plötzlich das eifrigste Streben und den festesten Entschluss aufgibt. Um schließlich eine wahre Vorstellung von dieser Leidenschaft zu geben, muss man sagen, dass sie eine Art Glückseligkeit der Seele ist, diese über alle Verluste tröstet und ihr alle Güter ersetzt. Rochefoucauld

 

Wenn wir unsere Pflicht auch oft nur aus Angst und Trägheit tun, wollen wir dies doch als Charakterstärke anerkannt sehen. Rochefoucauld

 

Tragik

Nehmen Sie das Leben nur an den richtigen Stellen tragisch. Wilhelm Raabe

 

Tränen

Christen, die nicht weinen und meinen, sie seien besonders glaubensstark, sollten sich nicht täuschen. Gott kann ihnen am Ziel nicht einmal die Tränen abwischen. Johann Albrecht Bengel

 

TRANSZENDENZ GOTTES

1.

Weil Gott den menschlichen Horizont überschreitet, wissen wir von ihm nur, was er uns hat wissen lassen in seiner Offenbarung. Sie geschah, als Gott in den menschlichen Gesichtskreis trat und Mensch wurde. Darum ist Jesus Christus Grund und Grenze aller christlichen Rede von Gott: Wir dürfen nicht mehr von Gott sagen, als wir am Leben, Sterben und Auferstehen seines Sohnes ablesen können – aber auch nicht weniger.

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2.

Gottes Geheimnis ist weder mit seiner Transzendenz noch mit seiner Verborgenheit oder einem Rätsel zu verwechseln. Vielmehr besteht Gottes „mysterion“ in seiner Menschwerdung zum Heil der Sünder, die er „vor aller Zeit“ beschlossen, dann aber erst in Christus verwirklicht hat: Gott wendet unsere Not, indem er sie mit uns teilt, und stirbt am Kreuz, damit wir leben. Das ist aber kein „Rätsel“, das uninteressant wird, sobald man die Lösung kennt, sondern je besser man versteht, desto unbegreiflicher wird es: Für Gottes Liebe gibt es keinen „vernünftigen Grund“ – und so bleibt sie ewig staunenswert.

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TRAUER

Für einen Christen ist der Tod der ultimative Ruhestand, den er bei Gott verbringen darf. Und das irdische Getümmel zu verlassen, in dem sich alle von Gier und Angst getrieben um ein bisschen Glück raufen, muss ihn nicht sehr betrüben. Denn er macht einen guten Tausch. Man nennt ihn „entschlafen“, aber in Wahrheit ist er aufgewacht. Man meint, er hätte alles verloren, dabei hat er alles gewonnen. Man weint um ihn, er aber hat gut lachen: Gott hat ihn aus der irdischen Bedrängnis herausgeholt und in die himmlische Freiheit entlassen. Und deshalb muss man ihn wahrlich nicht bedauern. Oder beweint man jemand, der das Ziel seines Weges glücklich erreicht hat? Gratuliert man ihm nicht eher?

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Alles schwindet – Herzen brechen,

Denen ihr euch hier ergabt,

Und der Mund hört auf zu sprechen,

Der mit Trost euch oft gelabt,

 

Und der Arm, der euch zum Stabe

Und zum Schilde war, erstarrt,

Und das Auge schläft im Grabe

Das euch sorgsam einst bewahrt.

 

Nur der Herr steht über’m Staube

Alles Irdischen und spricht:

Stütze dich auf mich und glaube,

Hoffe, lieb’ und fürchte nicht.

 

Darum bleibt bei dem, der bleibet,

Und der geben kann, was bleibt,

Der, wenn ihr euch ihm verschreibet,

Euch in’s Buch des Lebens schreibt!

 

(August Bomhard)

 

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An der Seite eines Trauernden hat sich der Meister niemals satt gegessen. „Gespräche“ des Konfuzius

 

Der Kummer kennt verschiedene Arten der Heuchelei. - Die eine besteht darin, dass wir unter dem Vorwand, den Verlust eines teuren Menschen zu beweinen, uns selber beweinen; wir trauern um die gute Meinung, die er von uns hatte, um die Verminderung unseres Besitzes, um unser Vergnügen, um unser Ansehen. So werden die Toten mit Tränen geehrt, die nur für Lebende fließen. Ich nenne dies deshalb Heuchelei, weil man in diesem Kummer sich selber täuscht. - Die zweite Art ist nicht so unschuldig, denn sie soll die Umwelt täuschen. Sie ist der Kummer jener Menschen, die nach dem Ruhm eines schönen und unsterblichen Schmerzes streben. Hat die Zeit, die doch alles lindert, ihrer wirklichen Trauer ein Ende gesetzt, bestehen sie trotzdem hartnäckig weiter auf Tränen, Klagen und Seufzern; sie spielen die Rolle des Schwermütigen und bemühen sich, uns durch ihr Benehmen zu überzeugen, dass ihr Schmerz erst mit ihrem Leben enden werde. Diese klägliche und ermüdende Eitelkeit findet man gewöhnlich bei geltungssüchtigen Frauen. Da ihnen ihr Geschlecht alle anderen Wege zum Ruhm versperrt, versuchen sie ihn durch Vortäuschung untröstlichen Kummers zu erzwingen. - Bei der dritten Art der Heuchelei fließen die Tränen aus seichter Quelle ebenso rasch, wie sie versiegen. Man weint, um für mitfühlend zu gelten, man weint, um bedauert zu werden, weint, um beweint zu werden, und weint schließlich, weil es eine Schande wäre, nicht zu weinen. Rochefoucauld

 

Was ist Reue? Eine große Trauer darüber, dass wir sind, wie wir sind. Marie von Ebner-Eschenbach

 

Wenn Du willst, dass sie trauern, hinterlässt Du ihnen am besten gar nichts. Martial

 

Wir kommen nie aus den Traurigkeiten heraus, wenn wir uns ständig den Puls fühlen. Martin Luther

 

Träume

Das Träumen ist der Sonntag des Denkens. Amiel

 

Denke nicht du bist arm, nur weil sich deine Träume nicht erfüllen. Arm sind die Menschen, die keine Träume haben. Marie von Ebner-Eschenbach

 

Der Mensch ist ein Blinder, der vom Sehen träumt. Hebbel

 

Was tut die Blume wohl mit Gott? Sie lässt sich Gott gefallen. In der Blume, als Blume träumt er seinen schönsten Traum, da widerstrebt ihm nichts. Christian Morgenstern

 

Ein Mensch ohne Traum von der Vollendung ist nicht weniger eine Missgeburt als ein Mensch ohne Nase.

G. K. Chesterton

 

Traurigkeit

„Die Traurigkeit dieser Welt vermeide, denn sie wirket den Tod, der entstehet aus Geiz, Neid, aus Sorge der Nahrung, aus Unglauben und Ungeduld. Die göttliche Traurigkeit, so aus Erkenntnis der Sünden kommt, und aus Betrachtung der ewigen Höllenpein, ist heilsam, und wirket eine Reue zur Seligkeit, die niemand gereuet, und gebieret Freude und Friede in Gott, 2 Kor. 7,10. Es soll kein Mensch um eines zeitlichen Dinges willen so traurig sein, als wegen seiner Sünde.“ (Johann Arndt)

 

TRAUUNG

Der viel missbrauchte Begriff der „Liebe“ muss korrigiert werden: (1.) Liebe macht nicht blind, sondern sehend, denn sie sieht den Partner so, wie ihn Gott gemeint hat. (2.) Wahre Liebe ist nicht zu verwechseln mit dem begehrlichen Konsumieren eines Partners, das beim anderen doch nur wieder sich selbst und das eigene Glück sucht. (3.) „Ich liebe dich“ heißt immer: „Ich will mit dir alt werden“ – und wenn es das nicht heißt, ist es gelogen. Eine Überforderung ist „wahre Liebe“ nur dann nicht, wenn sie sich von Gottes größerer Liebe umfangen weiß.

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Trennung

Trennung verringert die lauen Leidenschaften und steigert die großen, so wie der Wind die Kerze löscht und das Feuer anfacht. Rochefoucauld

 

Der Tod, den die Menschen fürchten, ist die Trennung der Seele vom Körper. Den Tod aber, den die Menschen nicht fürchten, ist die Trennung von Gott. Augustin

 

TREUE

Treue ist eine Grundbedingung gelingenden Lebens. Denn ohne Treue entsteht kein Vertrauen. Und ohne Vertrauen funktioniert keine Gemeinschaft. Treue besteht in der Bereitschaft, beständig zu sein im Denken, Reden und Tun – und sich dadurch für andere berechenbar zu machen, die den Treuen als stabile Größe in ihre Lebensplanung einbauen dürfen. Kommt aber in der Ehe die Liebe abhanden, ist damit keineswegs ihre „Geschäftsgrundlage“ entfallen. Denn die Ehe gründet gar nicht auf der gefühlten Liebe, sondern auf der versprochenen Treue. 

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„O da wohnt doch ganz innen in jeder Menschenseele eine geheime Angst, dass auch der, welchem er am meisten traute, ihm untreu werden könnte. Keine bloß menschliche Liebe kann diese Angst ganz austreiben (…). Es ist nur Einer dessen Treue diese Angst verjagen kann, das ist Jesus Christus. Er bleibt treu; ja wenn auch alle andre Treue bräche, Er bleibt doch treu jeden Tag Deines Lebens, was Dir auch geschehen mag; Er bleibt Dir treu im Tode; Er begegnet Dir dann wieder jenseits als ein zuverlässiger Freund. Du hast in Deinem Verhältnis zu Ihm gar keine Bekümmerung hinsichtlich Seiner Untreue; es wird, ja es darf Dich niemals diese Angst besuchen, dass wenn Du Dich nun ganz hingegeben hättest, Dein ganzes Leben in Ihm hättest, dass Er Dir dann untreu werden könnte. Nein, gestärkt durch die ewige Gewissheit seiner Treue, hast Du, und das ist ja auch Seine Gabe, vermehrte Stärke um alles anzuwenden, dass Du Ihm treu bleiben möchtest. Du sollst nicht wie sonst mit bekümmerten Gedanken an zwei Stellen arbeiten; Er will durch Seine Treue, für welche Er selbst ewig bürgt, Dich unbekümmert machen, Dich beruhigen, Dich unterstützen, aber dann auch durch solche Treue Dich auffordern, Ihm treu zu bleiben.“ (Sören Kierkegaard)

 

„Glauben ist Ruhen in der Treue Gottes.“ (Hudson Taylor)

 

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Die Kinder Gottes bauen nicht auf ihre eigene Treue, sondern auf die Treue des Herrn. C. H. Spurgeon

 

Die Treue der meisten Menschen ist nur Erfindung ihrer Selbstsucht, um zuverlässig zu erscheinen. Auf diese Art erheben sie sich über andere und verleiten sie dazu, ihnen die wichtigsten Dinge anzuvertrauen. Rochefoucauld

 

Die Treue des Herrschers erzeugt und erhält die Treue seiner Diener. Otto von Bismarck

 

Es ist nicht eine der geringsten Gnade auf Erden, treue Nachbarn zu haben. Martin Luther

 

Für die partnerschaftliche Beziehung gibt es einen einfachen Test: Wenn einem die Treue Spaß macht, dann ist es Liebe. Anonym

 

Glauben ist Ruhen in der Treue Gottes. Hudson Taylor

 

Ihr fragt oft, wie ihr leben sollt. Das sollt ihr hier mit Fleiß erkennen... Du sollst aus Gott sein und sollst für Gott sein und sollst nicht dein sein und nicht für dich sein und sollst niemandem gehören. Nehmt den Hund als Gleichnis dafür, der ein unver­nünftiges Tier ist. Der ist seinem Herrn völlig treu. Und wäre es möglich, dass der Hund seinem Herrn mit der Hälfte seines Wesens untreu wäre, so hasste er sich mit der anderen Hälfte. Meister Eckhart

 

Man bleibt mitunter einer Sache nur deshalb treu, weil ihre Gegner nicht aufhören abgeschmackt zu sein. Friedrich Nietzsche

 

Wir missachten Menschen eher wegen der kleinsten Treulosigkeit gegen uns als wegen der größten gegen andere. Rochefoucauld

 

Zeng-zi sprach: „Ein Mensch, dem man ein Waisenkind genauso anvertrauen kann wie das Schicksal eines Staates und der selbst bei großen äußeren Zwängen seinen Grundsätzen treu bleibt - ist der ein Edler? Er ist ein Edler.“ „Gespräche“ des Konfuzius

 

TRINITÄT, DREIFALTIGKEIT GOTTES

1.

Die Trinitätslehre entspricht der dreifach-einfachen Selbstmitteilung Gottes im Neuen Testament und ist dem christlichen Glauben unentbehrlich. Denn wenn der Gläubige Christus und den Hl. Geist nicht für Seinsweisen Gottes, sondern bloß für Geschöpfe hielte, liefe Christ-Sein auf den absurden Versuch hinaus, nicht nur zwei, sondern drei Herren zu dienen, von denen nur einer ewig wäre. Wer das ausschließen will, darf in Christus und dem Hl. Geist nie „weniger“ oder „etwas anderes“ sehen als Gott – und kann folglich seinen Glauben nicht anders als nur trinitarisch verantworten. 

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2.

Die Lehre von Gottes Dreieinigkeit ist kein Denkproblem: Fließendes Wasser, Dampf und Eis sind schließlich auch ganz verschieden - und sind doch immer nur H2O. Ebenso sind der Schöpfer, Jesus Christus und der Heilige Geist ganz verschieden - und sind doch immer nur der eine Gott. Wer Gott verstehen will, muss das wissen. Denn betrachtet man eine der drei „Personen“ isoliert, so verkennt man sie zwangsläufig. Sieht man jedoch ihre Zusammengehörigkeit, so erschließt eine die andere.

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3.

Wenn Jesus „Gottes Sohn“ genannt wird, dann ist damit kein „Verwandtschaftsverhältnis“ gemeint. Vielmehr bringt dieses Bekenntnis zum Ausdruck, dass Vater und Sohn gleichen Wesens, gleicher Würde und gleichen Willens sind. Zwischen ihnen steht ein Gleichheitszeichen. Für den Gläubigen aber, der dieses Gleichheitszeichen sieht und anerkennt, ist es der Schlüssel zu aller wahren Gotteserkenntnis: Weil er den Sohn vom Vater, und den Vater vom Sohn her versteht, wird Gott nie mehr ein rätselhafter Unbekannter für ihn sein.

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4.

Haben Christen und Muslime denselben Gott? Oft hört man, diese Frage sei schon deshalb zu bejahen, weil es nur einen Gott gibt. Doch ist das ein Fehlschluss, der logisch klingt, ohne es zu sein. Tatsächlich beten Christen immer zum dreieinigen Gott. Muslime tun das ausdrücklich nie. Und es wäre nicht redlich, über diese Differenz hinwegzusehen. Denn man kann nur verehren, was man kennt. Wer aber den dreieinigen Gott nicht als Dreieinigen kennt, kann ihn als solchen auch nicht anbeten, sondern betet zwangsläufig zu einem Gott, der sehr „anders“ – und also höchst wahrscheinlich „ein Anderer“ ist. 

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 5.

Kirchenjahr: Trinitatis

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„Dies ist aber der rechte christliche Glaube, dass wir einen einzigen Gott in drei Personen und drei Personen in einiger Gottheit ehren, und nicht die Personen in einander mengen, noch das göttliche Wesen zertrennen. Eine andere Person ist der Vater, eine andere der Sohn, eine andere der heilige Geist. Aber Vater und Sohn und heiliger Geist ist ein einiger Gott, gleich in der Herrlichkeit, gleich in ewiger Majestät. Welcherlei der Vater ist, solcherlei ist der Sohn, solcherlei ist auch der heilige Geist. Der Vater ist nicht geschaffen, der Sohn ist nicht geschaffen, der heilige Geist ist nicht geschaffen. Der Vater ist unermesslich, der Sohn ist unermesslich, der heilige Geist ist unermesslich. Der Vater ist ewig, der Sohn ist ewig, der heilige Geist ist ewig, und sind doch nicht drei Ewige, sondern es ist ein Ewiger: Gleichwie auch nicht drei Ungeschaffene, noch drei Unermessliche, sondern es ist ein Ungeschaffener und ein Unermesslicher. So ist auch der Vater allmächtig, der Sohn ist allmächtig, der heilige Geist ist allmächtig, und sind doch nicht drei Allmächtige, sondern es ist ein Allmächtiger. So ist der Vater Gott, der Sohn ist Gott, der heilige Geist ist Gott; und sind doch nicht drei Götter, sondern es ist ein Gott. So ist der Vater der Herr, der Sohn ist der Herr, der heilige Geist ist der Herr; Und sind doch nicht drei Herren, sondern es ist ein Herr. Denn gleichwie wir nach christlicher Wahrheit eine jegliche Person für sich als Gott und Herrn bekennen müssen, so können wir im christlichen Glauben nicht drei Götter oder drei Herren nennen. Der Vater ist von niemand gemacht: weder geschaffen, noch geboren. Der Sohn ist allein vom Vater: nicht gemacht und nicht geschaffen, sondern geboren. Der heilige Geist ist vom Vater und Sohn, nicht gemacht, nicht geschaffen und nicht geboren, sondern ausgehend. So ist's nun: Ein Vater, nicht drei Väter; ein Sohn, nicht drei Söhne; ein heiliger Geist, nicht drei heilige Geister. Und unter diesen drei Personen ist keine die erste, keine die letzte, keine die größte, keine die kleinste, sondern alle drei Personen sind miteinander gleich ewig, gleich groß: damit also, wie oben gesagt ist, drei Personen in einer Gottheit und ein Gott in drei Personen geehrt werde.“ (aus dem Athanasianischem Glaubensbekenntnis)

 

„Der Vater ist die erste Person der Gottheit, die nicht geboren ist, auch nicht ausgeht: sondern welche von Ewigkeit den Sohn, ihr Ebenbild, gezeugt hat, welche schafft, trägt, erhält und regiert Alles zumal, das Sichtbare und Unsichtbare, Engel und Menschen, mit dem Sohne und dem heiligen Geiste: schickend den Sohn, dass er erlöse, und den heiligen Geist, dass er heilige.“ (Chemnitz Loc. Th. 1.)

 

„Der Sohn ist die zweite Person der Gottheit, nicht geschaffen aus Nichts: sondern von Ewigkeit geboren vom Vater, des Vaters Ebenbild und Abglanz seiner Herrlichkeit: durch welchen der Vater im heiligen Geist geschaffen hat, trägt, erhält und regiert Alles, das Sichtbare und Unsichtbare, Himmel und Erde, die Engel und die Menschen: welcher gesandt ist vom Vater in die Welt, dass er durch die angenommene menschliche Natur das Werk der Erlösung vollbringe.“ (Chemnitz Loc. Th. l.)

 

„Der heilige Geist ist die dritte Person der Gottheit, nicht gemacht, noch geschaffen, noch geboren: sondern von Ewigkeit ausgehend vom Vater und vom Sohne, in welchem der Vater durch den Sohn geschaffen hat Alles, das Sichtbare und Unsichtbare, die Engel und die Menschen, und noch schafft, trägt, erhält und regiert: der ausgegossen ist vom Vater durch den Sohn in sichtbarer Gestalt über die Apostel: und welcher noch heute unsichtbar ausgegossen wird vom Vater durch den Sohn in die Herzen der Gläubigen, dass er sie heilige durch das Wort und die Sakramente. (Chemnitz Loc. Th. 1.))

 

Trost

„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Dass ich mit Leib und Seele, beides im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines treuen Heilandes Jesu Christi Eigentum bin, der mit seinem teuren Blute für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst hat und so bewahrt, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt fallen kann, ja, mir auch alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum versichert er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen Lebens und macht mich von Herzen willig und bereit, von nun an ihm zu leben.“ (Heidelberger Katechismus)

 

„Hätte ich alles das, wonach ich zu begehren vermöchte, täte mir aber nur der Finger weh, so hätte ich's nicht alles, denn mir wäre ja doch der Finger wund, und ich hätte daher nicht ganzen Trost solange mir der Finger weh täte. Brot ist dem Menschen gar tröstlich, dafern ihn hungert; wenn ihn aber dürstet, so hätte er am Brote so wenig Trost, wie an einem Steine. Und ebenso ist es mit den Kleidern, wenn ihn friert; wenn's ihm aber zu heiß ist, so hat er keinen Trost an den Kleidern; und ebenso ist es mit allen Kreaturen, und darum ist es wahr, dass alle Kreaturen Bitterkeit in sich tragen. Wohl ist es auch wahr, dass alle Kreaturen innen etwas Trost in sich tragen, wie einen oben abgeschäumten Seim. Der Seim, das ist allzumal das in Gott, was Gutes in allen Kreaturen zusammen sein mag. (…..) Der Trost der Kreaturen aber ist nicht vollkommen, denn er trägt einen Mangel in sich. Der Trost Gottes aber ist lauter und ohne Mangel und ist völlig und ist vollkommen.“ (Meister Eckhart)

 

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Jes. 66,13. Einer Mutter Tröstung! Ach, die ist die Zärtlichkeit selber. Wie geht sie in ihres Kindes Kummer ein! Wie presst sie es an ihren Busen und versucht all seinen Schmerz in ihr eignes Herz zu nehmen! Ihr kann es alles sagen, und sie wird mit ihm fühlen, wie niemand anders es kann. Von allen Tröstern liebt das Kind am meisten seine Mutter, und selbst erwachsene Männer haben dasselbe Gefühl. Lässt sich Jehovah herab, gleich einer Mutter zu handeln? Dies ist in der Tat Güte. Wir können leicht wahrnehmen, wie er ein Vater ist, aber will er auch gleich einer Mutter sein? Fordert dies uns nicht zu heiliger Vertraulichkeit, zu rückhaltlosem Vertrauen, zu geweihter Ruhe auf? Wenn Gott selbst „der Tröster“ wird, so kann kein Schmerz lange währen. Lasst uns ihm unsre Not darlegen, ob wir auch nicht viel mehr als Schluchzen und Seufzen hervorbringen. Er wird uns nicht um unsrer Tränen willen verachten, unsre Mutter tat es nicht. Er wird unsre Schwachheit ansehen, wie sie es tat, und er wird unsre Fehler abtun, nur in einer sichereren, völligeren Weise, als unsre Mutter es konnte.“ (Charles H. Spurgeon)

 

Trostschrift in Schwermut. An einen Ungenannten. 6. Oktober 1534.

„Gnade und Friede in Christo! Ehrbarer, günstiger, lieber Freund. Es hat mir euer lieber Bruder angezeigt, wie ihr sollet fast bekümmert sein und Anfechtung der Traurigkeit leiden. Was ich nun mit ihm geredet habe, wird er euch wohl anzeigen. Aber, lieber Matthias, folget hierin nicht euren Gedanken, sondern hört, was euch andere Leute sagen. Denn Gott hat’s befohlen, dass ein Mensch den anderen trösten soll, und will auch, dass der Betrübte soll glauben solchem Trost als seiner eigenen Stimme. Denn also spricht er durch St. Paulus: „Tröstet die Kleinmütigen.“ Und Jesaia 40,8.: „Tröstet, tröstet mein Volk und sprecht ihm freundlich zu.“ Und anderswo: „Es ist mein Wille nicht, dass ein Mensch traurig sei, sondern fröhlich sollt ihr mir dienen und kein Opfer in Traurigkeit opfern“; wie das alles Moses und die Propheten oft und viel predigen. Darum er auch geboten hat, dass wir nicht sollen sorgen, sondern die Sorgen ihm befehlen, weil er für uns sorgen will, als St. Petrus, 1. Ep. 5,7., aus dem 55. Psalm, V. 23., lehrt. Weil denn Gott will, dass einer den andern trösten und ein jeder den Trost glauben soll: so lasset eure Gedanken fahren und wisset, dass euch der Teufel damit plagt, und sind nicht eure Gedanken, sondern des leidigen Teufels Eingeben, der nicht leiden kann, dass wir einen fröhlichen Gedanken haben. So höret nun, was wir in Gottes Namen zu euch sagen, nämlich, dass ihr sollet fröhlich sein in Christo, als der euer gnädiger Herr und Erlöser ist, den lasset für euch sorgen; wie er denn gewisslich für euch sorgt, ob ihr noch nicht habt, was ihr gerne hättet. Er lebt noch; und versehet euch des Besten zu ihm, das gefällt ihm, wie die Schrift sagt, als das beste Opfer. Denn kein lieblicher, angenehmer Opfer ist, als ein fröhlich Herz, das sich im Herrn freuet. Darum, wenn ihr traurig seid und will überhand nehmen, so sprecht: Auf! ich muss unserm Herrn Christo ein Lied schlagen auf dem Regal – es sei „Te Deum laudamus“ oder „Benedictus“ etc. –, denn die Schrift lehrt mich, er höre gerne fröhlichen Gesang und Saitenspiel. Und greift frisch in die Claves (Tasten) und singet drein, bis die Gedanken vergehen, wie David und Elisäus taten. Kommt der Teufel wieder und gibt euch eine Sorge und traurige Gedanken ein, so wehret euch frisch und sprecht: Aus! Teufel, ich muss jetzt meinem Herrn Christo singen und spielen. Also müsst ihr euch wahrlich wider ihn setzen lernen und nicht gestatten, wie er euch Gedanken mache. Denn wo ihr einen einlasset, so treibt er wohl zehn Gedanken hinnach, bis er euch übermanne. Darum nichts besser, denn flugs dem ersten auf die Schnauze geschlagen: und wie jener Ehemann tat, wenn seine Ehefrau anfing zu nagen und beißen, nahm er die Pfeife unter dem Gürtel hervor und pfiff getrost; da ward sie zuletzt so müde, dass sie ihn zufrieden ließ. Also greift ihr auch in’s Regal; oder nehmt gute Gesellen und singt davor, bis ihr lernt ihn verspotten. Denn wo ihr könntet glauben, dass solche Gedanken des Teufels wären, so hättet ihr schon gewonnen. Aber weil ihr noch schwach im Glauben seid, so gehorchet uns, die wir’s durch Gottes Gnade wissen, und haltet euch an unserm Stabe, bis ihr selbst lernet gehen. Und wenn euch gute Leute trösten, mein lieber Matthias, so lernt ja glauben, dass Gott solches zu euch sagt; folget und zweifelt nicht, es sei Gottes Wort gewisslich, der euch seinem Gebot nach durch Menschen tröstet. Und derselbe Herr, so mich’s hat geheissen, und ich aus Gehorsam Gottes tun muss, gebe euch das alles zu glauben und spreche das alles in euer Herz, Amen. Wittenberg, Mittwoch nach Francisci, Anno 1534.

D. M. Luther, manu propria.“

(Walch 2. Ausg., Bd. 10, Sp. 1726-1727)

 

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Das Elend des Menschen liegt darin, dass er in der Gesellschaft Trost suchen muss gegen die Leiden, die ihm die Natur zufügt, und in der Natur Trost gegen die Leiden der Gesellschaft. Wie viele haben weder hier noch dort eine Erleichterung ihrer Schmerzen gefunden! Nicolas Chamfort

 

Es ist Gott und aller Welt wirklich unmöglich zu ma­chen, dass der Mensch wahren Trost finde, der Trost sucht bei den Kreaturen. Wer aber das Göttliche liebte in der Kreatur und die Kreatur allein in Gott, der fände wahren, rechten und gleichen Trost an allen Orten. Meister Eckhart

 

Konfuzius sprach: „Wer am Morgen den rechten Weg erkannt hat, könnte am Abend getrost sterben.“ „Gespräche“ des Konfuzius

 

Ohne die jenseitige Welt ist die diesseitige Welt ein trostloses Rätsel. Johan August Strindberg

 

Wohl ist es wahr, dass alle Kreaturen etwas Trost in sich tragen, wie einen abgeseihten Schaum. Der Schaum, das ist das in Gott, was an Gu­tem in allen Kreaturen enthalten ist. Meister Eckhart

 

Trostlosigkeit

„Was ist denn Trostlosigkeit? Nicht so sehr des Schmerzes wildester Schrei, nicht die Vermessenheit der Verzweiflung, so fürchterlich das auch ist, ist Trostlosigkeit. Sondern jene in ausgestorbener Stille getroffene Übereinkunft mit sich selbst, dass alles Höhere verloren ist, während man doch noch leben kann, wenn nur nichts einen daran erinnert, – das ist Trostlosigkeit. Auch nicht das, trostlos zu trauern, sondern das, zu trauern ganz aufgehört zu haben, ist Trostlosigkeit. Gott so verlieren zu können, dass man ganz und gar gleichgültig geworden ist und doch auch das Leben nicht unerträglich findet, das ist Trostlosigkeit. Und das ist zugleich die entsetzlichste Art von Ungehorsam, entsetzlicher als jeder Trotz; nicht Gott zu hassen, nicht ihn zu verwünschen ist so entsetzlich als ihn so zu verlieren, oder, was dasselbe ist, so sich selbst zu verlieren. Eine Kleinigkeit so zu verlieren, dass man sie nicht aufheben mag, nun, das ist vielleicht in der Ordnung. Aber sein eigenes Selbst so zu verlieren (d. i. Gott zu verlieren!), dass man sich auch nicht bücken mag um es aufzuheben, oder so, dass es einem ganz entgeht, dass man es verloren hat – o entsetzliches Verderben!“ (Sören Kierkegaard)

 

Trübsal

„In der Welt habt ihr Trübsal, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Joh. 16,33. Meines Herrn Worte über die Trübsal sind wahr. Ich habe meinen Anteil daran ohne allen Zweifel. Der Dreschflegel ist nicht aufgehangen, und ich kann nicht hoffen, dass er beiseite gelegt wird, so lange ich auf der Dreschtenne liege. Wie kann ich erwarten, in des Feindes Lande daheim zu sein, fröhlich in der Verbannung oder behaglich in der Wüste? Hier ist nicht meine Ruhe. Hier ist der Ort des Schmelzofens, der Schmiede und des Hammers. Meine Erfahrung stimmt mit den Worten meines Herrn überein. Ich beachte, wie er mich „getrost sein“ heißt. Ach, ich bin viel zu geneigt, niedergeschlagen zu sein. Mein Mut sinkt bald, wenn ich schwer geprüft werde. Aber ich muss diesem Gefühl nicht nachgeben. Wenn mein Herr mich getrost sein heißt, so darf ich nicht wagen, niedergedrückt zu sein. Was ist der Grund, den er zu meiner Ermutigung gebraucht? Nun, es ist sein eigner Sieg. Er sagt: „ich habe die Welt überwunden.“ Sein Kampf war viel schwerer als der meine. Ich habe noch nicht bis aufs Blut widerstanden. Warum verzweifle ich daran, zu überwinden? Siehe, meine Seele, der Feind ist schon einmal überwunden worden. Ich streite mit einem geschlagenen Feind. O Welt, Jesus hat dich schon besiegt; und in mir wird er dich durch seine Gnade wiederum überwinden. Deshalb bin ich getrost und singe meinem siegreichen Herrn ein Lied.“ (Charles H. Spurgeon)

 

„Warum fürchten wir denn die Wolken, welche jetzt unsren Himmel verdunkeln? Zwar verbergen sie auf eine Weile die Sonne, aber die Sonne ist nicht ausgelöscht; sie wird binnen kurzem wieder scheinen. Mittlerweile sind diese schwarzen Wolken mit Regen gefüllt; und je schwärzer sie sind, desto wahrscheinlicher ist’s, dass sie reichliche Schauer geben werden. Wie können wir Regen ohne Wolken haben? Unsre Leiden haben uns stets Segnungen gebracht und werden es stets tun. Sie sind die dunklen Wagen der hellen Gnade. Nicht lange, so werden diese Wolken sich entleeren, und jede zarte Pflanze wird durch den Regen um so fröhlicher gemacht. Unser Gott mag uns mit Leiden tränken, aber er wird uns nicht im Zorn ertränken; nein, er will uns in Barmherzigkeit erquicken. Unsres Herrn Liebesbriefe kommen häufig in schwarzgeränderten Umschlägen. Seine Wagen rumpeln, aber sie sind mit Wohltaten beladen.“ (Charles H. Spurgeon)

 

TRÜBSINN UND VERZAGTHEIT

Christus erhebt Einspruch

Erg.

 

TUGENDEN

Aus Gottes Eigenschaften ergeben sich auf Seiten der Gläubigen entsprechende Tugenden: 1. Allmacht / Allgegenwart - Verantwortung / Haushalterschaft 2. Autorität / Gerechtigkeit - Einwilligung / Gehorsam 3. Weisheit / Wahrhaftigkeit - Wahrhaftigkeit / Zeugnis 4. Strenge / Allwissenheit - Demut / Dienstbereitschaft 5. Güte / Barmherzigkeit - Barmherzigkeit / Nächstenliebe 6. Heiligkeit / Vollkommenheit - Heiligung / Enthaltung 7. Unveränderlichkeit / Treue - Zuversicht / Resistenz.

zum Text

 

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„Die Tugend ist nichts anderes als eine beherrschte und maßvolle Liebe, die ganz zu Gott um Seiner selbst willen gerichtet ist. Denn Er selbst ist so sehr der ausschließliche Grund aller Tugenden, dass eine Tugend unvollkommen bleibt, wenn sich jemand zu ihrer Verwirklichung gedrängt fühlt durch einen zusätzlichen Grund außer Gott, selbst wenn dieser der Hauptgrund bleibt.“ (Die Wolke des Nichtwissens, anonym, 14. Jh.)

 

„Gott ist nichts als eitel Gnade, Liebe, Freundlichkeit, Geduld, Treue, Wahrheit, Trost, Friede, Freude, Leben und Seligkeit. Und das hat er alles in Christum gelegt: wer den hat, der hat dieses alles; und wer Gott liebt, der hat Gottes Wahrheit, Barmherzigkeit, Gütigkeit und alle Tugenden lieb. Denn ein rechter Liebhaber Gottes hat alles das lieb, was Gott lieb hat, und hat einen Verdruss an alle dem, was Gott verdrießt. Darum soll man die Gerechtigkeit lieb haben, denn Gott ist selbst die Gerechtigkeit; darum soll man die Wahrheit lieb haben, denn Gott ist selbst die Wahrheit; darum soll man lieb haben die Barmherzigkeit, weil Gott selbst ist die Barmherzigkeit; darum soll man die Sanftmut und Demut lieb haben, um des sanftmütigen und demütigen Herzens Christi willen. Hinwieder hasset ein wahrer Liebhaber Gottes alle Untugend, denn sie ist Gott zuwider und Gottes Feind, und ein Werk des Teufels.“ (Johann Arndt)

 

„Sei einfach, besonnen und treu in der Arbeit, welche dir obliegt. Lüge nicht, schwöre nicht, betrübe, bedrücke, verachte, beneide keinen, täusche niemanden mit Worten oder Werken, urteile nicht voreilig, verkleinere niemandes Ehre, maße dir nichts an, hüte dich vor beißender Rede und räche dich nicht. Liebe vielmehr alle, und lass dich gern überwinden. Die, mit denen du lebst, belehre durch gute Worte, noch mehr durch ein gutes Beispiel. Beleidigt dich jemand, so vergib ihm sofort von Herzen, wenn er es auch nicht begehrt, zeige dich gegen ihn so freundlich, dass er sich vor Gott und vor dir schämen muss. Fliehe allen Heuchelschein und alle Verstellung, gehe nicht darauf aus, von andern bewundert und für besonders heilig gehalten zu werden, sondern schließe dich der gewöhnlichen Umgangsweise an, und sei immer bereit, allen, die deinen Beistand suchen, zu dienen.“

Ruysbroek (+1381)

 

„Die Tugend ist nichts anderes als eine beherrschte und maßvolle Liebe, die ganz zu Gott um seiner selbst willen gerichtet ist. Denn er selbst ist so sehr der ausschließliche Grund aller Tugenden, dass eine Tugend unvollkommen bleibt, wenn sich jemand zu ihrer Verwirklichung gedrängt fühlt durch einen zusätzlichen Grund außer Gott, selbst wenn dieser der Hauptgrund bleibt.“

(Die Wolke des Nichtwissens)

 

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Auch die Tugend ist eine Kunst, und auch ihre Anhänger teilen sich in Ausübende und bloße Liebhaber. Marie von Ebner-Eschenbach

 

Alle Tugend, die irgendwie eines Lohnes wegen geübt wird, beruht auf klugen, methodischen, weitsehenden Egoismus. Arthur Schopenhauer

 

Der Asket macht aus der Tugend eine Not. Friedrich Nietzsche

 

Der Tolerante erlebt sich selbst als souverän; doch häufig ist die Toleranz die Tugend des Mannes, der keine Überzeugung hat. G. K. Chesterton

 

Die Tugend ist nichts anderes als eine beherrschte und maßvolle Liebe, die ganz zu Gott um Seiner selbst willen gerichtet ist. Denn Er selbst ist so sehr der ausschließliche Grund aller Tugenden, dass eine Tugend unvollkommen bleibt, wenn sich jemand zu ihrer Verwirklichung gedrängt fühlt durch einen zusätzlichen Grund außer Gott, selbst wenn dieser der Hauptgrund bleibt. Die Wolke des Nichtwissens (Anonym, 14. Jh.)

 

Ein Mensch, der die Tugend liebt, verpflichtet zehn andere dazu, sich so zu verhalten, als hätten sie welche. Pierre Carlet de Marivaux

 

Folgende Gegensätze sollte man vereinen können: Tugend mit Gleichgültigkeit gegen die öffentliche Meinung, Arbeitsfreude mit Gleichgültigkeit gegen den Ruhm und die Sorge um die Gesundheit mit Gleichgültigkeit gegen das Leben. Chamfort

 

Kann derjenige wohl redlich, kann er wohl tugendhaft heißen, welcher sich gern seinen Lieblingslastern ergeben würde, wenn ihn nur keine künftige Strafe schreckte, und wird man nicht vielmehr sagen müssen, dass er zwar die Ausübung der Bosheit scheute, die lasterhafte Gesinnung aber in seiner Seele nähre, dass er den Vorteil der tugendähnlichen Handlungen liebe, die Tugend selber aber hasse? Immanuel Kant

 

Manche Tugenden kann man erwerben, indem man sie lange Zeit heuchelt. Andere zu erringen, wird man umso unfähiger, je mehr man sich den Anschein gibt, sie zu besitzen. Zu den ersten gehört der Mut, zu den zweiten die Bescheidenheit. Marie von Ebner-Eschenbach

 

Redlichkeit ist die Tugend, gut zu sein, ohne beobachtet zu werden. Unbekannt

 

Scham ist eine große Tugend. Freidank

 

Toleranz ist die Tugend des Mannes, der keine Überzeugungen hat. Chesterton

 

Tugend ist die Gesundheit der Seele. Ariston von Chios

 

Um sich bewusst zu werden, dass es einem an Tugenden fehlt, muss man erst welche haben. Pierre Carlet de Marivaux

 

Wenn die Menschen auf ihr Alter tugendhaft werden, opfern sie Gott nur die Überbleibsel vom Teufel. Alexander Pope

 

Wer nicht Gott, sondern den Menschen gefallen will, dessen Tugend leidet an Knochenfraß und geht unter. Johann Geiler von Kaysersberg

 

Wer tugendhaft lebt, wird geehrt, aber er wird nicht beneidet. Aus Persien

 

Wir machen Tugenden aus Fehlern, die wir nicht ablegen wollen. Rochefoucauld

 

TURMBAU ZU BABEL

Erg.

 

TYPEN DES GLAUBENS

Es gibt nur einen christlichen Glauben. Doch ist dieser Glaube in mehr als einer Weise auf Gott bezogen. Je nachdem, welche der sieben „Beziehungsmuster“ dominieren, entwickelt der Mensch seinen speziellen „Typ“ des Christ-Seins. Diese Vielfalt des Glaubens ist zu begrüßen, weil jeder „Typ“ seine besonderen Stärken hat. Doch liegt auch eine Gefahr darin: Wird eine Beziehungsform ganz aus dem Zusammenhang der anderen gelöst und einseitig überbetont, kommt es zu Fehlformen des Glaubens.

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