Schlange, Hut und Sakrament
Mögen sie Schlangen? Ich vermute, nur wenige werden das bejahen. Und auch ich selbst möchte mit Schlangen nichts zu tun haben. Trotzdem fasziniert mich aber die seltsame Geschichte im 4. Buch Mose, die von einer Schlangenplage erzählt: Das Volk Israel ist aus Ägypten ausgezogen. Auf dem Weg ins gelobte Land wandert es in der Wüste herum. Und wie so oft ist das Volk missmutig und schlecht gelaunt. Die Sonne brennt, der Weg ist staubig, die Füße tun weh – und irgendwie hat keiner mehr Kraft oder Lust. Was tun sie also? Sie meckern herum, stellen Gottes Projekt grundsätzlich in Frage und beschweren sich bei Mose: „Warum hast du uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier und uns ekelt vor dieser mageren Speise“ (4. Mose 21,5). Das ist ein höchst undankbares Gerede, denn natürlich hat Gott sein Volk in der Wüste ausreichend ernährt. Und dass sie trotzdem nörgeln, weckt nun seinen gerechten Zorn. Er sendet feurige Schlangen unter das Volk. Die kriechen überall herum, beißen die Leute – und wer gebissen wurde, muss unweigerlich sterben. Das ist Gottes Antwort für die, die ewig meckern und kein Vertrauen haben. Während aber einer nach dem anderen gebissen wird, anschwillt und stirbt, besinnt sich das Volk eines Besseren. Sie laufen zu Mose und sagen: „Wir haben gesündigt, dass wir wider den Herrn und wider dich geredet haben. Bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns nehme“ (4. Mose 21,7). Mose gibt den Wunsch weiter, und Gott hat ein Einsehen. Er nimmt die Schlangen aber nicht einfach weg, sondern trifft eine Regelung, wie man vor ihrem Gift bewahrt werden kann. Mose soll eine „eherne“ Schlange anfertigen, also eine Schlangenfigur aus Eisen, Kupfer oder Bronze. Die wird oben an einer Stange befestigt und über dem Lager aufgerichtet, so dass man sie von überall sehen kann. Und wer von einer Schlange gebissen wird, und schaut auf diese eherne Schlange, der bleibt am Leben, und das Gift in seinen Adern kann ihm nicht schaden. So geht die Plage irgendwann vorüber, und Israel zieht weiter. Der Bibelleser bleibt aber etwas ratlos zurück und hat viele Fragen. Denn hätte Gott nicht auch ganz anders retten können? Hätte es nicht genügt, dass die Schlangen einfach so verschwinden, wie sie gekommen sind? Warum wählt Gott ein derart kompliziertes Verfahren, dem auch nicht alle Menschen folgen, sondern nur manche? Wieso hilft überhaupt das Anschauen einer toten Schlange gegen den Biss einer lebenden? Und was nützt das bloße Hinschauen, wenn man oben an der Stange doch nur dasselbe sieht, was man auch kriechend vor den Füßen hat? Wozu dieser Blick in die Luft, der doch nichts bringt, außer dass er das Schreckensbild lebendiger Schlangen noch einmal verdoppelt durch eine Nachbildung aus Metall? Das Hinsehen und Anstarren macht doch auch niemanden klüger. Man erkennt da nichts, was man nicht schon wüsste! Ist es also der reine Akt des Gehorsams, der die Menschen gesunden lässt? Und überhaupt: Warum schickt Gott eine Plage, nur um bald darauf ein Mittel zu verraten, wie man ihr entgehen kann? Ist es vielleicht ein Test, ob die Israeliten nun auch all das befolgen, was sie nicht verstehen? Tatsächlich geht Gottes Anweisung gegen alle normale Intuition. Denn wenn ich weiß, dass es um mich her giftige Schlangen gibt, schaue ich sicher nicht in der Luft herum, sondern blicke konzentriert auf den Boden. Je eher ich die Schlange sehe, die auf mich zukriecht, desto schneller kann ich ihr ausweichen. Ich starre also auf den Boden, damit ich weglaufen oder auf einen Felsen klettern kann, damit ich die Schlange mit einem Stock abwehren oder irgendwas nach ihr werfen kann! Und dem entgegen gibt Gott nun die absurde Anweisung, dass einer von den lebendigen Schlangen, die ihn am Boden bedrohen, wegsehen soll, um oben in der Luft eine tote Schlange zu betrachten, von der doch keine Gefahr ausgeht. Den Blick so von der Gefahrenquelle wegzuwenden, widerspricht jedem natürlichen Impuls. Und es hindert mich daran, mir selbst zu helfen. Denn wer in die Luft guckt, kann weder kämpfen noch fliehen. Aber wird es vielleicht gerade darum gefordert, weil man sich damit Gott ganz ausliefern und ihm vertrauen muss? Ist die Situation bewusst in dieser Weise gestaltet, damit man sich zwischen Selbsthilfe und Gottes Hilfe entscheiden muss? Ist es am Ende der eigentliche Sinn der Sache, dass die, die sich selbst vertrauen, dem Schlangengift erliegen, und jene, die Gott vertrauen, gerettet werden? Im Grunde scheint es ein einfaches Rezept zu sein, das keinen überfordert: Man wird gebissen, schaut auf die eherne Schlange – und bleibt am Leben! Aber eine „einfache Übung“ ist es trotzdem nicht. Denn es wird verlangt, dass man von den am Boden kriechenden Schlangen wegsieht und sich ihnen dadurch ausliefert. Wer stur nach oben schaut, kann den Schlangen am Boden nicht ausweichen. Er kann nicht auf einen Felsen klettern, er kann keiner Schlange den Kopf zertreten, er kann nicht mit einem Stock nach ihr schlagen oder davonlaufen – sondern, um die eherne Schlange anzusehen, muss er das alles bleiben lassen. Gottes Hilfe und unsre Selbsthilfe stehen da strikt in Alternative. Gehorche ich Gottes Weisung, bin ich den Schlangen ausgeliefert. Will ich mir aber selbst helfen und schlage wild um mich, kann ich Gottes Weisung nicht gehorchen. Gerettet wird folglich, wer fest davon überzeugt ist, dass Gott Wort hält, dass er alles tut, was er sagt, und alles kann, was er will. Und das heißt: Die Anweisung befolgen können nur die, die es drauf ankommen lassen und ihr Leben in Gottes Hand legen. Gehorchen werden nur die Gläubigen. Und während die dank ihrem Glauben überleben, gehen die Ungläubigen zu Grunde. Die von Gott geschaffene Situation ist genau so gestaltet, dass ihr einzig und allein die Gläubigen entkommen. Der Rest nicht. Und wenn Gott die Absicht hatte, die Gläubigen von den Ungläubigen zu trennen, hätte er kein effektiveres Verfahren und keinen geschickteren „Versuchsaufbau“ wählen können als eben diesen. Denn vom Glauben reden kostet nichts. Das kann jeder. Hier aber zeigt sich der Glaubensstand unmittelbar im Tun. Der Haftpunkt der Augen, der Fokus des Blickes verrät, was der Mensch wirklich glaubt. Und so sterben die einen in dem vergeblichen Bemühen sich selbst zu helfen – und die anderen überleben, indem sie sich Gott überlassen. Für die Gebissenen war aber der Glaube die rationalere Entscheidung. Denn wenn das Gift bereits durch meine Adern fließt, wird Weglaufen sowieso nicht helfen. Wer gebissen ist, muss unbedingt auf die eherne Schlange sehen. Dies Ansehen aber war nicht ohne Glauben möglich. Denn schließlich muss man glauben, dass Gottes Mittel hilft, und dass auf sein Wort Verlass ist (M. F. Roos). Wer davon nicht überzeugt ist, kann nicht überleben. Und wie’s aussieht, soll er das auch nicht. Wie ging es aber zu, dass ein Stück Metall an einer Stange so große Dinge tat? Wie wurde es zur Ursache solcher Wirkungen? War das Magie, war es ein seltsamer Abwehrzauber, der durch das bloße Anschauen in spukhafter Fernwirkung irgendwelche verborgenen Kräfte von dem Bild auf den Anschauenden übertrug? Nein, Unsinn. Denn das mit der Schlange war ein sakramentales Geschehen, wie wir es auch heute von der Taufe und vom Abendmahl kennen. Es gab ein sichtbares Zeichen und einen darauf bezogenen göttlichen Befehl. Mächtig war aber nicht das materielle Zeichen als solches, sondern mächtig war es nur durch die damit verbundene Verheißung Gottes. Denn was kann schon eine eiserne Schlange, die irgendein Schmied auf die Schnelle gedengelt hat? Die kann einem auf die Füße fallen. Sie kann rosten. Und wenn man dranschlägt, wird sie wohl scheppern. Weitere Bedeutung hat dieses Stück Metall aber nur, wenn Gott ihm lebensrettende Bedeutung verleiht. Und das heißt: Erforderlich war hier nicht der Glaube, dass ein Stück Metall an einer Stange eine magische Fernwirkung haben könnte auf das Schlangengift im Körper eines Menschen. Sondern erforderlich war der Glaube, dass der Befehl Gottes, den er bezüglich dieses Stück Metalls gegeben hat, solche Wirkung haben kann. Bei der Schlange ging es ebenso wenig um „Zauberei“, wie bei unseren Sakramenten heute. Und nicht zuletzt um dieser Einsicht willen, ist die Geschichte wertvoll. Denn hier wie dort ist nicht das sichtbare Ding mächtig, sondern der damit verknüpfte Wille Gottes. Das Taufwasser, das wir verwenden, ist gewöhnliches Leitungswasser. Und so staunen wir, dass es soviel mehr bewirken soll als gewöhnliches Wasser. Das Abendmahl schmeckt nicht viel anders als Brot und Wein auch sonst schmecken. Es sind ganz normale Lebensmittel. Und auch der Pfarrer, der Absolution erteilt, ist nur ein Mensch von der üblichen Sorte. Die Bibel, aus der wir lesen, scheint bloß ein Buch zu sein, ein Stück antiker Literatur. Und auch der Glaube, der sich an das Gelesene hält, ist ein mentaler Zustand, der sich mit Mitteln der Psychologie beschreiben lässt. Da denkt mancher: Das ist doch wohl zu wenig! Wie sollte mir das helfen oder eine große Wirkungen haben? Das sind doch ebenso natürliche Dinge wie eine Schlangenfigur aus Metall, die jemand an einer Stange befestigt! Doch hier wie dort ist nicht das Zeichen mächtig, das uns so irdisch und gewöhnlich vorkommt. Sondern mächtig ist Gott, der die Dinge zu seinen Instrumenten macht und sie dadurch über das Alltägliche erhebt. Ein Ausleger sagt zu unsrem Text: „Die kupferne Schlange tat‘s freilich nicht, sondern Gott durch dieselbe“ (G. D. Krummacher). Und das erinnert an Luther, der über das Taufwasser sehr ähnliches sagt: „Wasser tut‘s freilich nicht, sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der solchem Worte Gottes im Wasser traut.“ Ganz entsprechend sagt Luther zum Abendmahl: „Essen und Trinken tut‘s freilich nicht, sondern die Worte, die da stehen: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden.“ Das Taufwasser auf sich gesehen ist und kann genauso wenig, wie das Brot und der Wein, die Bibel, die Absolution oder der Glaube. All das hat nur darum heilende und rettende Kraft, weil Gottes es in seinen Willen aufgenommen, weil er‘s zu seinem Werkzeug erhoben und ausdrückliche Befehle und Verheißungen damit verbunden hat. Nicht das Wasser macht die Taufe, sondern Gott, der sich des Wassers bedient. Nicht das biblische Buch rettet, sondern der Gott, der sich darin mitteilt. Nicht der Glaube ist mächtig, sondern der Gott, auf den sich der Glaube richtet. Hätte Gott keine besondere Beziehung zu diesen Dingen, müssten wir auch keine haben – es gäbe keinen Grund! Da Gott aber beschlossen hat, nicht anders zu retten als eben durch das Wort und das Sakrament, das wir im Glauben empfangen – sollten wir diese Dinge da nicht nach der Bedeutung schätzen, die Gott ihnen verlieh? Ich will es an einem ganz profanen und negativen Beispiel verdeutlichen, das ihnen geläufig ist, wenn sie in der Schule mal „Wilhelm Tell“ lesen mussten. Da lässt der tyrannische Landvogt Gessler auf öffentlichem Platz eine Stange errichten, setzt seinen Hut auf die Spitze und verlangt von den Einwohnern der Stadt, dass sie künftig seinen Hut grüßen sollen wie ihn selbst, und bei jedem Vorübergehen vor dem Hut ihr Knie beugen sollen, um so seine Herrschaft anzuerkennen. Wer das tut, behält seine Freiheit. Wer sich aber weigert, den Hut zu ehren und zu grüßen, der landet im Gefängnis. Nun hat diese Regelung einen bösen Sinn – und unsre Sakramente haben einen guten. Der Abstand könnte nicht größer sein! Die Struktur aber, die Logik der Situation, ist durchaus ähnlich. Denn auch Gesslers Hut ist auf sich gesehen nur ein gewöhnliches Ding aus Filz mit ein paar Federn drauf. Auf sich gesehen würde niemand dem Hut Macht zuschreiben oder ihm Aufmerksamkeit schenken. Weil aber ein Mächtiger bezüglich dieses Huts nachdrücklich Weisung gegeben hat, hängt nun das Wohl und Wehe der Einwohner an ihrem Verhalten bezüglich dieses Huts. Das Kleidungsstück an sich wäre keiner Beachtung wert, wenn’s nicht dem Landvogt gehörte. So aber entscheidet der Hut über Leben und Tod. Er ist so mächtig wie der, der befahl, ihn dort hinzuhängen! Nicht anders war’s aber bei der ehernen Schlange. Und nicht anders ist es bei den Sakramenten, bei der Bibel, beim Gebet und beim Glauben. Auf sich gesehen mögen das gewöhnliche Dinge sein. Doch hat Gott Bestimmungen getroffen, die sie über alles Gewöhnliche hinausheben. Und wenn sie einer missachtet, weil er‘s nicht weiß, hat es für ihn fatale Folgen. Gewiss sind Taufwasser, Brot und Wein nicht anders „heilig“ als durch das Wort, das Gott bezüglich dieser Dinge gesprochen hat. Durch sein Wort sind sie‘s aber wirklich! Abgesehen davon, dass Gott zu ihnen in einer besonderen Beziehung steht, ist an ihnen nichts „besonders“. In dieser Beziehung sind sie’s aber sehr wohl! Ohne die Verknüpfung mit Gottes Weisungen und Zusagen, sind sie nichts. Wenn wir aber wissen, dass Gott seine Weisungen und Zusagen an diese Mittel gebunden hat und seine Gnade nicht anders als eben durch diese Mittel geben will – müssen sie uns da nicht hoch und heilig sein? Ihre Bedeutung ist ihnen nicht „von Natur aus“ zu Eigen, sie ist ihnen von Gott verliehen. Doch die verliehene Bedeutung haben sie nun tatsächlich, sind somit viel mehr als sie scheinen, und haben auch genauso konkrete und reale Wirkung, wie damals die eherne Schlange. Wenn aber Gott diesen Dingen höchsten Wert beimisst – was wäre ich für ein Narr, wenn ich’s nicht täte? Bei meinem Erlöser liegt es doch wohl, die Mittel der Erlösung zu wählen – bei mir liegt es nur, sie zu gebrauchen! Gebrauche ich sie aber nicht, obwohl Gottes Anweisung so lautet, bin ich für die Folgen selbst verantwortlich. Wie lautet nun aber Gottes Weisung für heute, da es doch jene eherne Schlange nicht mehr gibt? Nun, Jesus gibt selbst die Antwort: „Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben“ (Joh 3,14-15). So einfach ist das. Wir sind ganz in derselben Situation wie Israel damals in der Wüste. Und der gekreuzigte Christus ist unsere „eherne Schlange“. Wir sind undankbar, kleingläubig und schuldig. Die Schlange der Sünde hat uns längst gebissen. Ihr Gift fließt bereits in unsern Adern. Und es wird uns unzweifelhaft töten, wenn keine Rettung kommt. Rettung kommt aber in der Gestalt des Gekreuzigten, der am Kreuz erhöht weithin sichtbar ist. Und Gott sagt: Wer auf ihn schaut und an ihn glaubt, den soll das Gift der Sünde nicht töten, sondern er soll um Christi willen das ewige Leben haben. Das klingt fast zu einfach! Und doch ist es heute genauso schwer, wie damals bei der ehernen Schlange. Denn der scheinbar so einfachen Weisung kann nur folgen, wer auf alle Selbsthilfe verzichtet, wer nicht mehr zappelt und nicht mehr wegläuft, sondern stehen bleibt und den Blick zum Kreuz erhebt. Gottes Versprechen steht fest: Verlass dich auf mein Wort, hefte deinen Blick an Christus, bediene dich der Bibel und der Sakramente – und du wirst leben. Anders aber wirst du nicht leben. Und auch hier ist der Glaube vorausgesetzt und nur der Glaube kann uns retten, weil er Gott beim Wort nimmt. Es ist aber nicht der Glaube an eine magische Fernwirkung des geschauten Gegenstandes, sondern es ist der Glaube, dass Gottes Befehl gegeben hat, die mit Christus Verbundenen um dieser Verbindung willen zu begnadigen und zu verschonen. Die zu Christus aufschauend sich auf Christus verlassen werden so mit ihm „vereint“ und „zusammengefasst“, dass ihre Sünde auf seinem Rücken liegt, und seine Gerechtigkeit als die ihre gilt. Auf alle Selbsthilfe verzichtend bauen sie darauf, dass Gott treu zu seinen Worten steht. Sie retten sich nicht – sie werden gerettet. Und kein Mittel scheint ihnen zu klein oder zu gewöhnlich, wenn‘s denn Gott zu ihrer Rettung bestimmt hat. Macht Gott Brot und Wein zu seinen Mitteln, ein schlichtes Gebet, eine gewöhnliche Predigt oder einen Glauben, der kleiner ist als ein Senfkorn – völlig egal! Wie er das will, so mag’s geschehen. Ich folge seiner Weisung. Denn kein Werkzeug ist zu schlecht, wenn Gott es für tauglich befindet und in die Hand nimmt. Wenn er aber nichts weiter will, als dass ich unverwandt auf Christus schaue, sollte mich das kaum überfordern. Denn von der Sünde gebissen bin ich ja schon längst – und weiß darum, dass ich ohne ein Wunder nicht gesunden kann. Um dem Verschulden auszuweichen oder mir selbst zu helfen, ist es längst zu spät. Und so brauche ich keinen Rat für Naive, die noch meinen, dass sie den Schlangen gesund entkommen könnten. Sondern ich brauche Rat für mehrfach Gebissene! Als ein solcher habe ich aber die Zuversicht, dass Gott nicht lügen kann – und schaue darum auf Christus als auf das Lamm, das der Welt Sünde trägt. So einfach ist das! Wer aber gar nicht glauben will, dass er gebissen wurde, oder nicht glaubt, dass Christus ihm helfen kann, der schaut natürlich auch nicht zu ihm hin – und dem kann Christus dann nicht helfen. Denn beim Gekreuzigten verhält es sich genau wie bei der ehernen Schlange: Die Situation ist exakt so gestaltet, dass ihr nur die Gläubigen entkommen. Und wenn Gott einen Weg suchte, um die Gläubigen von den Ungläubigen abzusondern, hätte er kein effektiveres Verfahren wählen können als dieses. Wo schauen wir also hin? Blicken wir auf den Boden und zählen die Schlangen, die uns schon gebissen haben? Versuchen wir wegzulaufen? Schlagen wir wild um uns? Oder schauen wir gen Himmel auf den einen, der uns trotz allem leben lässt? Ein jeder gebe die Antwort für sich selbst.
Bild am Seitenanfang: The Brazen Serpent
Johann König, Public domain, via Wikimedia Commons