Aufklärung durch Gottes Geist

Erkenntnis „sola gratia“

 

Sind sie ein Kind der Aufklärung und ein „kritischer Geist“? Ich nehme an, dass wir alle diese Frage bejahen. Denn schließlich will niemand ein leichtgläubiger Trottel sein, der sich bevormunden lässt oder fremde Meinungen ungeprüft übernimmt. Jeder meint, er habe genug Verstand, um sich selbst ein Urteil zu bilden und vermeintliche Autoritäten zu hinterfragen. Kritisch zu sein ist nicht nur ein Recht – wir empfinden es beinahe als Pflicht. Für mündige Menschen ist es „Ehrensache“, nicht etwa andere für sich denken zu lassen, sondern es selbst zu tun. Denn genau das hat uns Immanuel Kant als Definition der aufgeklärten Geisteshaltung ins Stammbuch geschrieben: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ 

Darin liegt die geistige Autonomie des freien Bürgers, der sich nicht von anderen sagen lässt, was er zu denken hat, sondern selbst prüft und zweifelt, selbst Argumente abwägt – und dann jenseits aller Fremdbestimmung zu eigenen Überzeugungen gelangt. Das ist eine Errungenschaft! Und von christlicher Seite ist dagegen wahrlich nichts einzuwenden, denn der Mensch hat seinen Verstand schließlich bekommen, um ihn zu benutzen. Die Fähigkeit, Dinge gründlich zu hinterfragen, ist eine Gottesgabe! Nur bleibt offen, wie sich solche „Aufgeklärtheit“ eigentlich zum „Vertrauen“ verhält, das ja auch eine wichtige Fähigkeit ist. Oder sollte sich alles Vertrauen durch verstandesmäßige Kontrolle ersetzen lassen? Der aufgeklärte Mensch will nicht bevormundet oder getäuscht werden – das versteht sich! Er hat den Mut zum Selber-Denken. Aber ist er mit seinem Menschenverstand auch in jeder Hinsicht ein kompetenter Richter? Wer getäuscht wurde, will sich nicht mehr gern auf andere verlassen – das ist klar! Aber lässt es sich durchhalten, wenn’s doch auch für den Klügsten unter uns viele Dinge gibt, von denen er keine Ahnung hat? Immanuel Kant, dieser große Repräsentant der Aufklärung, ist sein Leben lang nicht aus Königsberg herausgekommen. Aber wenn wir uns vorstellen, er sei zu Schiff über einen Ozean gefahren: hätte er sich da in der stürmischen See auf sein eigenes Urteil verlassen, oder hätte ihm sein Verstand gesagt, dass es hier klüger ist, den Anweisungen des erfahrenen Kapitäns zu folgen? Der Seemann ist schließlich auf dem Meer zuhause – und wenn er sein Handwerk nicht verstünde, wäre er längst nicht mehr am Leben! Also gebietet gerade die Vernunft, dass eine Landratte auf See nicht ihren eigenen Ideen folgt, sondern sich der Fachkenntnis des Kundigen unterordnet und seinem Urteil mehr vertraut als dem eigenen. Wer vertraut, kann nicht kontrollieren und ist auch nicht autonom – das mag man ärgerlich finden! Aber wäre Immanuel Kant unter Führung eines Beduinen durch die Wüste gewandert: hätte er sich da bei der Suche nach Trinkwasser lieber auf seinen Verstand verlassen oder auf die Erfahrung des Beduinen? Der hat schon sein ganzes Leben in der Wüste verbracht – und ist nie verdurstet! Also ist es vernünftiger, nicht dem eigenen Urteil, sondern dem des Beduinen zu folgen! Und hätte Kant als Flachlandbewohner den Gipfel eines 6000er besteigen wollen, hätte er sich auch dabei nicht auf die eigene Intuition verlassen, sondern auf einen Bergführer, der schon zehn mal auf dem Gipfel war – und immer wieder heil herunterkam. Wo man selbst sich nicht auskennt, macht es keinen Sinn, die eigene Vernunft gegen das Vertrauen auszuspielen, sondern dort ist gerade das Vertrauen vernünftig. Kant wäre natürlich trotzdem neugierig gewesen und hätte beobachtet, was sein Bergführer tut, um zu verstehen, warum der das wohl tut! Aber der Philosoph hätte sicher auch Anweisungen befolgt, die er nicht verstand, und hätte das keineswegs als „Fremdbestimmung“ von sich gewiesen, weil ihn doch gerade seine Vernunft dazu bestimmt, auf unbekanntem Gelände dem Erfahrenen zu folgen. Kann darin also der Sinn von „Aufklärung“ liegen, dass man rundheraus jedem misstraut – außer dem eigenen Verstand? Ist es wirklich rational, sich so ausschließlich auf den eigenen Verstand zu verlassen, dass man ihm auch dort folgt, wo er überfordert ist? „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Das ist schon recht. Und nichts liegt mir ferner, als geistige Trägheit zu entschuldigen! Doch wenn sich unser Verstand nicht manchmal von anderen leiten ließe – hätten wir dann je lesen, schreiben oder rechnen gelernt? Keiner kommt schon klug auf die Welt. Wir sind ständig darauf angewiesen, dass ein anderer uns an dem teilhaben lässt, was er verstanden hat. Und dies vertrauensvoll zuzulassen, heißt durchaus nicht „bevormundet“ zu werden... 

Doch warum betone ich das so? Natürlich weil auch der christlicher Glaube ein Art von Vertrauen ist. Und weil heute viele Menschen vor lauter Aufgeklärtheit und „kritischer Vernunft“ meinen, nicht glauben zu können. Sie denken, als gebildete Menschen seien sie es sich schuldig, immer nur gelten zu lassen, was ihr eigener Verstand überprüft hat. Sie meinen, es beleidige ihre Intelligenz, etwas zu glauben, bloß weil Gottes Wort das sagt. Sie wollen nicht als „naiv“ gelten, weil sie etwas für wahr halten, das sich ihrer Kontrolle entzieht. Ihr Verstand gilt ihnen als höchste Autorität – und was außer seiner Reichweite liegt, soll entweder nicht wahr oder nicht relevant sein. Doch damit stehen sie sich selbst im Weg. Denn wenn einer meint, er dürfe nicht vertrauen, wird er natürlich auch auf keinem Bergführer hören – und folglich keinen Gipfel erreichen. Wer nicht vertraut, wird weder über das Meer, noch lebend durch die Wüste kommen. Und was noch tragischer ist: er wird aufgrund dieser Blockade auch nicht zu Gott gelangen. Denn in alledem, was Gott betrifft, ist unsere Vernunft so inkompetent wie ein Philosoph in der Wüste und eine Landratte auf hoher See. Was Gott betrifft, ist nicht unser Alltagsverstand, sondern was Gott betrifft, ist nur Gott selbst kompetent! Und nur dann lernen wir ihn kennen, wenn Gott uns an dem teilhaben lässt, was er über sich selbst weiß. Denn das Neue Testament sagt: „...niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will“ (Mt 11,27).

Mit Gott dem Vater ist nur der Sohn wirklich vertraut – und derjenige, dem es Gottes Sohn durch Gottes eigenen Geist mitteilt. Wo sich unsere Vernunft nicht auskennt, muss Gottes Geist für uns die Rolle des Seemanns, des Beduinen und des Bergführers übernehmen. Und darum ist es im höchsten Maße vernünftig, in göttlichen Dingen weniger der eigenen Vernunft als Gott zu vertrauen! Weil aber so viele Zeitgenossen meinen, sie dürften sich ihres Verstandes nicht „unter Leitung eines anderen bedienen“ (und also auch nicht unter der Leitung göttlichen Geistes), darum bleibt ihnen der Weg zu Gott verschlossen. Sie ernennen ihren eigenen Verstand zum obersten Richter in Glaubensfragen und folgen seinem Urteil, obwohl er von göttlichen Dingen wenig oder nichts versteht. Und wenn ihr Verstand dann eine Weile vergeblich im Nebel gestochert hat, heißt es, ein intelligenter Mensch könne heute nicht mehr glauben. Man behauptet, das Kap Horn könne nicht umsegelt werden, nur weil man selbst es nicht vermag – und die Hilfe des erfahrenen Seemanns ablehnt. Man behauptet, der 6000er Gipfel könne nicht bestiegen werden, nur weil man es selbst nicht hinbekommt – und dem Bergführer nicht vertrauen mag. So will sich die Vernunft entweder Gottes aus eigener Kraft bemächtigen – oder gar nicht. Doch Gott wird nun mal nur durch Gott erkannt! Das Licht, das uns dazu aufgehen muss, ist keines, das sich forschender Menschengeist selbst „verschafft“, sondern eines, das Gott ihm in einem Akt freier Zuwendung schenkt. Die „Aufklärung“, auf die es da ankommt, ist nicht Werk, sondern Gnade – und das heißt: sie ist ebenso wenig ein Resultat unserer gedanklichen Tätigkeit wie unsere Rechtfertigung ein Resultat unserer moralischen Bemühungen ist, sondern beides ist unverdient und beides geht allein von Gott aus, so dass „sola gratia“ auch auf dem Gebiet der Gotteserkenntnis gilt. Wie es falsch ist, die „eigene Gerechtigkeit“ aufzurichten, um als vermeintlich „guter Mensch“ der Gnade Gottes nicht mehr zu bedürfen, so ist es auch falsch, die Vernunft einzusetzen, um alle Offenbarung Gottes entbehren zu können. Beides trennt uns von Gott. Denn wer durch sich selbst gerecht sein will, empfängt keine Vergebung. Und wer aus sich selbst klug sein will, wird taub für Gottes Wort. Nun wissen wir seit der Reformation, wo der Fehler liegt. Denn vor Gott gilt nicht die Gerechtigkeit, die aus den Werken kommt, sondern die, die aus dem Glauben kommt. Gerecht wird ein Mensch nicht durch sein moralisches Bemühen, sondern durch die Teilhabe an der Gerechtigkeit Christi. Was er aus eigener Kraft nicht erlangen kann (und doch haben muss, um selig zu werden), wird ihm geschenkt! Dasselbe ist nun aber mit demselben Nachdruck auch auf dem Feld des Erkennens geltend zu machen! Denn die Erleuchtung, auf die es ankommt, empfängt ein Mensch nicht durch eigene Grübelei, sondern durch den Heiligen Geist, der den Gläubigen an Gottes eigener Weisheit teilhaben lässt. Was der Mensch selbst nie erforschen könnte (und doch wissen muss, um selig zu werden), wird seinem Geist durch die Teilhabe an Gottes Geist geschenkt! Weil das so ist, kann sich Gott gegenüber keiner seiner Werke rühmen – und genauso wenig seiner Klugheit. Wie die Moral als Heilsweg ausfällt, so auch die Vernunft! Und doch wird keins von beiden verworfen oder entwertet. Denn so wie die Rechtfertigung aus Gnade keine Verächter der Ethik hervorbringt, sondern ganz im Gegenteil die wahrhaft guten Werke erst möglich macht, so bringt die gnadenhafte Erleuchtung des Geistes keine Verächter der Vernunft hervor, sondern ganz im Gegenteil beflügelt sie den von seiner Blindheit Geheilten zum steten Durchdenken der ihm gewährten Einsicht. Die Teilhabe an Christi Gerechtigkeit hindert die Heiligung nicht, sondern fördert sie. Die Teilhabe an Gottes Wahrheit stört nicht den Vernunftgebrauch, sondern spornt ihn an. Und trotzdem geschieht beides unter ganz neuem Vorzeichen und in evangelischer Freiheit, weil uns das, was Gott stellvertretend tut, die Last der Überforderung von den Schultern nimmt. Gott schafft nicht nur die Voraussetzungen der Erlösung, sondern auch die Botschaft davon, schafft das offene Ohr, dieses Evangelium zu hören, und den offenen Geist, daran zu glauben. Nachdem Gott den Weg frei gemacht hat, will er die Seinen auch alles wissen lassen, was sie wissen müssen, um diesen Weg zu gehen! Und so muss ein Christ durchaus nicht versuchen, mit Gewalt heilig oder klug zu werden, sondern darf darauf vertrauen, dass Gottes Geist, der ihn reinigt und heiligt, ihn auch hinreichend orientiert und führt. Erkennt er seine Schuld, weiß er sich angewiesen auf Christi Gerechtigkeit. Erkennt er aber seine Blindheit, weiß er sich ebenso angewiesen auf die Erleuchtung durch Gottes Geist. Und ohne sich beides gefallen zu lassen, kann keiner Christ sein. Denn Gott will sich sowohl in unserer moralischen wie in unserer geistigen Schwäche als mächtig erweisen. Ihm gebührt die Ehre, beides überwunden zu haben! Wir Nutznießer aber verhalten uns bei der Erleuchtung ebenso passiv wie beim Empfang der Gnade. Beides geschieht „in uns“, liegt aber keineswegs in unserem Ermessen oder Verfügen. Und gerade so, ist es gut geregelt. Denn wie das Projekt unserer Erlösung in Christi Händen viel besser aufgehoben ist als in unseren eigenen, so liegt das Projekt unserer Erleuchtung am besten in der Verantwortung des Heiligen Geistes, der es viel zuverlässiger erledigt, als wir es mit unserem armen Verstand je könnten. Durchblick ist Gnade! Will die aber jemand vergessen machen, um Christen das alte Joch wieder aufzulegen, indem er ein schweres Gesetz des Handelns oder des Denkens predigt, so verdient er die derbe Antwort, die schon Paulus gab. Denn was dem Menschen unter dem Gesetz als Gewinn erscheint und als geeignetes Mittel, um durch sich selbst gerecht und klug zu werden, das erachten wir um Christi willen für Schaden, Dreck und Kot (Phil 3,6-9), sparen uns alle Versuche krampfhafter Selbstrechtfertigung oder Selbsterleuchtung – und lassen stattdessen Christus für uns gerecht und den Hl. Geist für uns weise sein. Ja, um der Gnade willen pfeifen Christen auf den Menschenfleiß und die Menschenklugheit, die ihnen nicht zum Heil verhelfen. Denn nicht die eigene, sondern Gottes Liebe macht den Christen gerecht, wie ihn auch nicht der eigene, sondern Gottes Geist weise macht. 

Diese Haltung ist gewöhnungsbedürftig, denn als Kinder der Aufklärung neigen wir dazu, unsere Vernunft überall mitmischen zu lassen, und schämen uns beinahe, wenn sie irgendwo nicht beteiligt ist: „Ja wie denn“, sagen die Leute: „du glaubst etwas einfach, weil‘s in der Bibel steht? Ich dachte, du wärst ein kritischer Geist!“ Schon schämen wir uns des scheinbar naiven Vertrauens – und suchen händeringend nach Argumenten! Doch man bedenke, dass alles, was auf kluge Argumente gebaut wird, durch ebenso kluge Gegenargumente erschüttert werden kann – und dass folglich der Glaube, wenn er sich unbedingt vernünftig begründen will, dadurch von der Vernunft und ihre Gründen abhängig wird. Sollen die das Fundament meines Glaubens bilden, weiß ich nie, wann ich genug gesammelt habe, und bin nie sicher davor, dass ein anderer Gegengründe findet. Denn was Menschengeist aufbaut, kann Menschengeist auch wieder zerlegen. Indem ich meinen Glauben stützen will, habe ich ihn in die eigenen zittrigen Hände genommen. Und gerade das ist verkehrt. Denn die wahren Gründe des Glaubens legt sich keiner zurecht, sondern der wahre und völlig hinreichende „Grund“ des Glaubens ist Gott in eigener Person. Wo er geredet hat, fällt nicht ins Gewicht, was unsere Vernunft davon hält. Denn was versteht die schon von den Tiefen der Gottheit (1. Kor 2,9-12)? Sie ist da so inkompetent wie die Landratte auf hoher See und der Philosoph in der Wüste! Der Vernunft in Glaubensfragen das Steuer anzuvertrauen ist darum unvernünftig – und viel rationaler handelt, wer Gott tun lässt, was er fürsorglich für uns tun will. Sagt der Seemann im Sturm, dass ich ein Seil kappen soll, so tue ich das. Will der Bergführer einen Umweg machen, so zögere ich nicht, ihm zu folgen. Und auch mit dem Beduinen diskutiere ich nicht lang über die Gefahren der Wüste. Denn in solchen Fällen ist es vernünftiger, dem Erfahrenen zu vertrauen, als sich selbst. Wer wollte also in Glaubensfragen klüger sein als Gott? Tatsächlich könnten wir tausend Jahre lang versuchen, mit Gott ins Reine zu kommen – und würden alles nur schlimmer machen! Darum liegt die Lösung nicht in dem krampfhaften Bemühen, besser und schlauer zu werden (bis es eines Tages vielleicht doch reicht), sondern die Lösung besteht darin, die für mich unlösbare Aufgabe in die Hand des Kompetenteren zu legen, der bereit steht, um sie mir abzunehmen. Viele Menschen leiden unter dem drückenden Gesetz, das ihnen sagt, sie müssten die Not ihrer Schuld selbst überwinden und das Rätsel ihres Daseins selbst knacken. Doch das Evangelium ist das Ende dieses Gesetzes – und verweist uns auf den, der genauso leicht Sündern vergibt wie er Blinden die Augen öffnet. Die Frage ist eben nur, ob ich ihn an meinen Schmutz und an meine blinden Augen heranlasse. Glaube ich Gott, was er mir von sich erzählt, auch wenn‘s meine Vernunft weder bestätigen noch dementieren kann? Oder glaube ich ihm nur so weit, wie es sich mit dem deckt, worauf meine Vernunft auch von selbst käme? Glaube ich Gottes Wort, weil er’s geredet, oder weil’s meine Vernunft geprüft hat? Kann ich vertrauen – oder bestehe ich auf Kontrolle? Werde ich akzeptieren, dass Gott auch in dem Recht hat, was ich nicht begreife – oder nehme ich ihm nur ab, was mir einleuchtet? Habe ich Angst, die anderen könnten mich für einfältig halten – oder stehe ich da drüber? Ich gestehe, dass ich damit selbst große Probleme hatte! Ich war lange zu stolz, um Gott für mich denken zu lassen. Aber inzwischen kommt mir das kindisch vor. Denn Wahrheit ist die Übereinstimmung des Denkens mit der Wirklichkeit. Und wenn Gottes Geist mein Denken in Übereinstimmung bringt mit dem Gott, der das Allerwirklichste ist – soll ich dieses Geschenk dann verschmähen? Soll ich mir nicht an Gottes Wahrheit genügen lassen inmitten meiner Verwirrung, wie ich mir auch an seiner Gnade genügen lasse inmitten meiner Schwäche? Gott gibt einem Christen freundlich Anteil an der Gewissheit, mit der Gott um sich selbst weiß. Sein Heiliger Geist sorgt dafür, dass die menschlichen Gedanken Gottes Wahrheit treffen. Und wir sollten dieses schöne Licht verschmähen, bloß weil’s unser Verstand nicht selbst entzündet hat? Das wäre ziemlich albern. Darum – sperren wir uns nicht gegen die Hilfe, ohne die wir nicht weiterkämen, sondern freuen wir uns lieber, dass Gott sie uns anbietet. Denn der gute Johann Gerhard hatte völlig recht: „Das Auge der Seele ist die Klugheit, das Auge der Klugheit die göttliche Gnade.“