Lieder: Christi Leiden und Sterben

 

1.

Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, 

dass man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? 

Was ist die Schuld? In was für Missetaten 

bist du geraten? 

2.

Du wirst verspeit, geschlagen und verhöhnet, 

gegeißelt und mit Dornen scharf gekrönet, 

mit Essig, als man dich ans Kreuz gehenket, 

wirst du getränket. 

3.

Was ist die Ursach aller solcher Plagen? 

Ach, meine Sünden haben dich geschlagen! 

Ich, ach Herr Jesu, habe dies verschuldet, 

was du erduldet. 

4.

Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! 

Der gute Hirte leidet für die Schafe, 

die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, 

für seine Knechte. 

5.

Der Fromme stirbt, so recht und richtig wandelt; 

der Böse lebt, so wider Gott misshandelt; 

der Mensch verwirkt den Tod und ist entgangen, 

Gott wird gefangen. 

6.

Ich war von Fuß auf voller Schand und Sünden, 

bis zu der Scheitel war nichts Guts zu finden, 

dafür hätt ich dort in der Höllen müssen 

ewiglich büßen. 

7.

O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße, 

die dich gebracht auf diese Marterstraße! 

Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, 

und du musst leiden. 

 

Johann Heermann, 1630.

 

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1.

Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld

Der Welt und ihrer Kinder,

Es geht und büßet in Geduld

Die Sünden aller Sünder,

Es geht dahin, wird matt und krank,

Ergibt sich auf die Würgebank,

Verzeiht sich aller Freuden,

Es nimmet an Schmach, Hohn und Spott,

Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod,

Und spricht: „Ich will’s gern leiden.“

2.

Das Lämmlein ist der große Freund

Und Heiland meiner Seelen,

Den, den hat Gott zum Sündenfeind

Und Sühner wollen wählen:

„Geh hin, mein Kind, und nimm dich an

Der Kinder, die ich ausgetan

Zur Straf und Zornesruten:

Die Straf ist schwer, der Zorn ist groß;

Du kannst und sollst sie machen los

Durch Sterben und durch Bluten.“

3.

„Ja, Vater, ja, von Herzensgrund,

Leg auf, ich will dir’s tragen.

Mein Wollen hängt an deinem Mund,

Mein Wirken ist dein Sagen.“

O Wunderlieb! O Liebesmacht!

Du kannst, was nie kein Mensch gedacht,

Gott seinen Sohn abzwingen.

O Liebe! Liebe! du bist stark,

Du streckest den ins Grab und Sarg,

Vor dem die Felsen springen.

4.

Du marterst ihn am Kreuzesstamm

Mit Nägeln und mit Spießen,

Du schlachtest ihn als wie ein Lamm,

Machst Herz und Adern fließen,

Das Herze mit der Seufzer Kraft,

Die Adern mit dem edlen Saft

Des purpurroten Blutes.

O süßes Lamm! was soll ich dir

Erweisen dafür, dass du mir

Erzeigest so viel Gutes!

5.

Mein Lebetage will ich dich

Aus meinem Sinn nicht lassen,

Dich will ich stets, gleichwie du mich,

Mit Liebesarmen fassen.

Du sollt sein meines Herzens Licht,

Und wenn mein Herz in Stücken bricht

Sollt du mein Herze bleiben.

Ich will mich dir, mein höchster Ruhm,

Hiermit zu deinem Eigentum

Beständiglich verschreiben.

6.

Ich will von deiner Lieblichkeit

Bei Nacht und Tage singen,

Mich selbst auch dir zu aller Zeit

Zum Freudenopfer bringen.

Mein Bach des Lebens soll sich dir

Und deinem Namen für und für

In Dankbarkeit ergießen;

Und was du mir zu gut getan,

Das will ich stets, so tief ich kann,

In mein Gedächtnis schließen.

7.

Erweitre dich, mein Herzensschrein,

Du sollt ein Schatzhaus werden

Der Schätze, die viel größer sein

Als Himmel, Meer und Erden.

Weg mit dem Gold Arabia,

Weg Calmus, Myrrhen, Casia,

Ich hab ein Bessers funden:

Mein großer Schatz, Herr Jesu Christ,

Ist dieses, was geflossen ist

Aus deines Leibes Wunden.

8.

Das soll und will ich mir zu Nutz

Zu allen Zeiten machen,

Im Streite soll es sein mein Schutz,

In Traurigkeit mein Lachen,

In Fröhlichkeit mein Saitenspiel,

Und wann mir nichts mehr schmecken will,

Soll mich dies Manna speisen;

Im Durst soll’s sein mein Wasserquell,

In Einsamkeit mein Sprachgesell

Zu Haus und auch auf Reisen.

9.

Was schadet mir des Todes Gift?

Dein Blut, das ist mein Leben.

Wann mich der Sonne Hitze trifft,

So kann mir’s Schatten geben.

Setzt mir des Wehmuts Schmerzen zu,

So find ich bei dir meine Ruh

Als auf dem Bett ein Kranker.

Und wann des Kreuzes Ungestüm

Mein Schifflein treibet um und um

So bist du dann mein Anker.

10.

Wann endlich ich soll treten ein

In deines Reiches Freuden,

So soll dies Blut mein Purpur sein,

Ich will mich darin kleiden;

Es soll sein meines Hauptes Kron

In welcher ich will vor den Thron

Des höchsten Vaters gehen,

Und dir, dem er mich anvertraut,

Als eine wohlgeschmückte Braut

An deiner Seite stehen.

 

Paul Gerhardt +1676.

Mel.: An Wasserflüssen Babylon.

 

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1. 

Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,

mich in das Meer der Liebe zu versenken,

die dich bewog, von aller Schuld des Bösen

uns zu erlösen.

2. 

Du wolltest, Herr, ein Mensch gleich uns auf Erden

und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden;

an unsrer Statt gemartert und zerschlagen

die Sünde tragen.

3. 

Welch wundervoll hochheiliges Geschäfte!

Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte,

mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde

den Fluch der Sünde.

4. 

Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;

Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen:

Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken

am Kreuz erblicken.

5. 

Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder;

es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder,

lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde

zu Gottes Freunde.

6.

O Herr, mein Heil, an dessen Blut ich glaube,

ich liege hier vor dir gebückt im Staube,

verliere mich mit dankendem Gemüte

in deine Güte.

7.

Sie übersteigt die menschlichen Gedanken;

allein, sollt ich darum im Glauben wanken?

Ich bin ein Mensch: darf der sich unterwinden,

Gott zu ergründen?

8.

Das Größt in Gott ist Gnad und Lieb erweisen;

uns kommt es zu, sie demutsvoll zu preisen,

zu sehn, wie hoch, wenn Gott uns Gnad erzeiget,

die Gnade steiget.

9.

Unendlich Glück! du littest uns zu gute:

Ich bin versöhnt in deinem teuren Blute;

du hast mein Heil, da du für mich gestorben,

am Kreuz erworben.

10.

So bin ich denn schon selig hier im Glauben,

so wird mir nichts, nichts meine Krone rauben,

so wird ich dort, von Herrlichkeit umgeben,

einst ewig leben.

 

Chr. F. Gellert, + 1769.

Mel. Herzliebster Jesu was hast du verbrochen.

 

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1.

O Welt, sieh hier dein Leben

Am Stamm des Kreuzes schweben,

Dein Heil sinkt in den Tod!

Der große Fürst der Ehren

Lässt willig sich beschweren

Mit Schlägen, Hohn und großem Spott.

2.

Tritt her, und schau mit Fleiße,

Sein Leib ist ganz mit Schweiße

Des Blutes überfüllt.

Aus seinem edlen Herzen,

Vor unerschöpftem Schmerzen,

Ein Seufzer nach dem andern quillt.

3.

Wer hat dich so geschlagen,

Mein Heil, und dich mit Plagen

So übel zugericht’?

Du bist ja nicht ein Sünder

Wie wir und unsre Kinder,

Von Übeltaten weißt du nicht.

4.

Ich, ich, und meine Sünden,

Die sich wie Körnlein finden

Des Sandes an dem Meer,

Die haben dir erreget

Das Elend, das dich schläget,

Und das betrübte Marterheer.

5.

Ich bin’s, ich sollte büßen

An Händen und an Füßen

Gebunden in der Höll.

Die Geißeln und die Banden

Und was du ausgestanden,

Das hat verdienet meine Seel.

6.

Du nimmst auf deinen Rücken

Die Lasten, die mich drücken

Viel schwerer als ein Stein.

Du wirst ein Fluch, dagegen

Verehrst du mir den Segen,

Dein Schmerzen muss mein Labsal sein.

7.

Du setzest dich zum Bürgen,

Ja lässest dich gar würgen

Für mich und meine Schuld.

Mir lässest du dich krönen

Mit Dornen, die dich höhnen,

Und leidest alles mit Geduld.

8.

Du springst ins Todes Rachen,

Mich frei und los zu machen

Von solchem Ungeheur.

Mein Sterben nimmst du abe,

Vergräbst es in dem Grabe:

O unerhörtes Liebesfeur!

9.

Ich bin, mein Heil, verbunden

All Augenblick und Stunden

Dir überhoch und sehr.

Was Leib und Seel vermögen,

Das soll ich billig legen

Allzeit an deinen Dienst und Ehr.

10.

Nun, ich kann nicht viel geben

In diesem armen Leben,

Eins aber will ich tun:

Es soll dein Tod und Leiden

Bis Leib und Seele scheiden

Mir stets in meinem Herzen ruhn.

11.

Ich will’s vor Augen setzen,

Mich stets daran ergötzen,

Ich sei auch, wo ich sei.

Es soll mir sein ein Spiegel

Der Unschuld und ein Siegel

Der Lieb und unverfälschten Treu.

12.

Wie heftig unsre Sünden

Den frommen Gott entzünden,

Wie Rach und Eifer gehn,

Wie grausam seine Ruten,

Wie zornig seine Fluten,

Will ich aus deinem Leiden sehn.

13.

Ich will daraus studieren,

Wie ich mein Herz soll zieren

Mit stillem sanftem Mut,

Und wie ich die soll lieben,

Die mich doch sehr betrüben

Mit Werken, so die Bosheit tut.

14.

Wenn böse Zungen stechen,

Mir Glimpf und Namen brechen,

So will ich zähmen mich;

Das Unrecht will ich dulden,

Dem Nächsten seine Schulden

Verzeihen gern und williglich.

15.

Ich will mich mit dir schlagen

Ans Kreuz, und dem absagen

Was meinem Fleisch gelüst’.

Was deine Augen hassen,

Das will ich fliehn und lassen,

So viel mir immer möglich ist.

16.

Dein Seufzen und dein Stöhnen

Und die viel tausend Tränen,

Die dir geflossen zu,

Die sollen mich am Ende

In deinen Schoß und Hände

Begleiten zu der ew’gen Ruh.

 

Paul Gerhardt +1676.

Mel.: 

O Welt, ich muss dich lassen. 

Nun ruhen alle Wälder.

 

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1.

Jesu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, 

der du dich für mich gegeben in die tiefste Seelennot, 

in das äußerste Verderben, nur dass ich nicht möchte sterben, 

tauend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 

2.

Du, ach, du hast ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, 

Speichel, Schläge, Strick und Banden, du gerechter Gottessohn! 

mich Elenden zu erretten von des Teufels Sündenketten. 

Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 

3.

Du hast lassen Wunden schlagen, dich erbärmlich richten zu, 

um zu heilen meine Plagen und zu setzen mich in Ruh: 

ach, du hast zu meinem Segen lassen dich mit Fluch belegen. 

Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 

4.

Man hat dich sehr hart verhöhnet, dich mit großem Schimpf belegt 

und mit Dornen gar gekrönet: was hat dich dazu bewegt? 

Dass du möchtest mich ergötzen, mir die Ehrenkron aufsetzen. 

Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 

5.

Du hast dich hart lassen schlagen, zur Befreiung meiner Pein, 

fälschlich lassen dich anklagen, dass ich könnte sicher sein; 

dass ich möchte trostreich prangen, hast du sonder Trost gehangen. 

Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 

6.

Du hast dich in Not gestecket, hast gelitten mit Geduld, 

gar den herben Tod geschmecket, um zu büßen meine Schuld; 

dass ich würde losgezählet, hast du wollen sein gequälet. 

Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 

7.

Deine Demut hat gebüßet meinen Stolz und Übermut, 

dein Tod meinen Tod versüßet, es kömmt alles mir zu gut; 

dein Verspotten, dein Verspeien muss zu Ehren mir gedeihen. 

Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 

8.

Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesamte Not, 

für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben, bittern Tod, 

für dein Zittern, für dein Zagen, für dein tausendfaches Plagen, 

für dein Angst und tiefe Pein will ich ewig dankbar sein. 

 

Ernst Christoph Homburg, 1659

 

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1.

O Haupt voll Blut und Wunden,

Voll Schmerz und voller Hohn!

O Haupt, zum Spott gebunden

Mit einer Dornenkron!

O Haupt, sonst schön gezieret

Mit höchster Ehr und Zier,

Jetzt aber höchst schimpfieret,

Gegrüßet seist du mir!

2.

Du edles Angesichte

Davor sonst schrickt und scheut

Das große Weltgewichte,

Wie bist du so bespeit,

Wie bist du so erbleichet,

Wer hat dein Augenlicht

Dem sonst kein Licht nicht gleichet

So schändlich zugericht’?

3.

Die Farbe deiner Wangen,

Der roten Lippen Pracht

Ist hin und ganz vergangen;

Des blassen Todes Macht

Hat alles hingenommen,

Hat alles hingerafft,

Und daher bist du kommen,

Von deines Leibes Kraft.

4.

Nun was du, Herr, erduldet,

Ist alles meine Last,

Ich hab es selbst verschuldet

Was du getragen hast.

Schau her, hier steh ich Armer,

Der Zorn verdienet hat:

Gib mir, o mein Erbarmer,

Den Anblick deiner Gnad!

5.

Erkenne mich, mein Hüter,

Mein Hirte, nimm mich an!

Von dir, Quell aller Güter,

Ist mir viel Guts getan,

Dein Wund hat mich gelabet

Mit Milch und süßer Kost,

Dein Geist hat mich begabet

Mit mancher Himmelslust.

6.

Ich will hier bei dir stehen,

Verachte mich doch nicht!

Von dir will ich nicht gehen

Wann dir dein Herze bricht;

Wann dein Haupt wird erblassen

Im letzten Todesstoß,

Alsdann will ich dich fassen

In meinen Arm und Schoß.

7.

Es dient zu meinen Freuden

Und kommt mir herzlich wohl

Wenn ich in deinem Leiden,

Mein Heil, mich finden soll.

Ach! möcht ich, o mein Leben,

An deinem Kreuze hier

Mein Leben von mir geben,

Wie wohl geschähe mir!

8.

Ich danke dir von Herzen,

O Jesu, liebster Freund,

Für deines Todes Schmerzen,

Da du’s so gut gemeint.

Ach! gib, dass ich mich halte

Zu dir und deiner Treu,

Und wann ich nun erkalte

In dir mein Ende sei.

9.

Wann ich einmal soll scheiden,

So scheide nicht von mir;

Wann ich den Tod soll leiden,

So tritt du dann herfür.

Wann mir am allerbängsten

Wird um das Herze sein,

So reiß mich aus den Ängsten

Kraft deiner Angst und Pein.

10.

Erscheine mir zum Schilde

Zum Trost in meinem Tod,

Und lass mich sehn dein Bilde

In deiner Kreuzesnot.

Da will ich nach dir blicken,

Da will ich glaubensvoll

Dich fest an mein Herz drücken.

Wer so stirbt, der stirbt wohl.

 

Paul Gerhardt +1676.

Mel.: Herzlich tut mich verlangen.