II.

DAS FREUDIGE DARIN, DASS DIE TRÜBSAL

EINEM DIE HOFFNUNG NICHT RAUBT,

SONDERN SCHAFFT.

 

Wunderliches Gewerbe, auf diese Weise Hoffnung zu erwerben! Ist es nicht ebenso wunderlich, wie wenn ein Kaufmann dadurch reich würde, daß keiner in seinen Laden kommt, oder daß ein Reisender dadurch zu seiner Bestimmung käme, daß einer ihm einen verkehrten Weg zeigt? Man klagt oft darüber, daß das Leben so unbedeutend, so nichtssagend sei, ja gänzlich der Unterhaltung ent-behre: Ich meine, daß in diesem einen Gedanken Unterhaltung genug für eine Ewigkeit ist! Man klagt so oft darüber, daß das Leben so leer sei, so einförmig, daß es einen zerstreut mache: Ich meine, daß in diesem einen Gedanken Spannung genug vorhanden ist für eine Ewigkeit! Ein Dichter stellt gern in seinen Erzählungen eine vermummte Person dar, die im entscheidenden Augenblick sich als etwas ganz anderes erweist, als sie zu sein schien. Ich meine in diesem Betracht, aller Dichter Erfindungen zusammengenommen sind einem Kinderspiel gleich gegenüber der von der Ewigkeit erfundenen Vermummung, daß es näm-lich die Trübsal sein soll, die es übernimmt, einem Hoffnung zu schaffen! Oder kommt es denn in irgend einem Märchen, in irgend einem Gedicht vor, daß einer, der böse sein soll (und doch im Grunde gut ist!), so schrecklich aussieht wie „Trübsal!“ und daß es dennoch die Trübsal ist, die Hoffnung schafft? Kann ein Räuber über die Wirkung seines Stoßes sicherer sein, wenn er gerade ins Herz zielt, als „das Ziel der Trübsal“ der Hoffnung ans Leben zu gehen scheint? Und doch ist es gerade die Trübsal, die Hoffnung schafft! Wunderbar, sie gibt nicht Hoffnung, sondern sie schafft Hoffnung. Nicht in einem entscheidenden Augen-blick wirft also die Trübsal die Verkleidung von sich und sagt: „Ich wollte dich nur schrecken, hier hast du die Hoffnung“ – nein, sie schafft erst Hoffnung! Also das ist es, woran sie die ganze Zeit über, die sie dauerte, arbeitete; mit aller Lang-samkeit arbeitete sie einzig und allein daran, dem Leidenden die Hoffnung zu verschaffen.

Ja, laß uns so recht von Herzen darüber staunen! Hat man etwas in unserer Zeit vergessen, so ist es dies, – zu staunen, sich zu verwundern, darum auch – zu glauben, zu hoffen und zu lieben! Das Höchste wird verkündigt, das Wunderbar-ste, aber keiner verwundert sich! Es wird verkündigt, daß es Sündenvergebung gibt, aber keiner sagt: „Das ist unmöglich!“ Kaum wendet sich jemand geärgert ab und sagt: „Es ist unmöglich.“ Noch weniger sagt das einer in Verwunderung oder so, wie derjenige, der es doch nicht fahren lassen will, sondern wie ein unglücklich Liebender diese Aussage lieb hat, an die er doch nicht glauben darf! Ja, noch weniger sagt es einer, der gerade daran glaubt und dessen Reue in stille Trauer gemildert und alsdann zu seliger Freude verklärt wurde, einer, der nun seinen unaussprechlichen Dank Gott darbringt und seine Seele damit erquickt, daß er glückselig ein Mal über das andere wiederholt: „Es ist unmöglich, es ist unmöglich!“ O selige Erquickung, wenn der, der der Verzweiflung nahe war, weil es unmöglich schien, nun daran glaubt, glückselig daran glaubt, aber in der Verwunderung seiner Seele fortfährt zu sagen: „Es ist unmöglich!“ Sieh, wir wissen ja alle, was von einem Manne erzählt wird, der eine Geschichte gehört hatte, über die alle lachten, als sie erzählt wurde, wie über sie aber jetzt keiner lachte, als er sie erzählte, weil er das Wichtigste ausgelassen hatte. Denke dir aber einen Apostel in der Jetztzeit, einen Apostel, der die Geschichte des Wunderbaren wohl richtig zu erzählen verstände, denke dir seine Betrübnis, oder des heiligen Geistes Betrübnis in ihm! Wenn er nun sagen müßte: „Es ist keiner da, der sich verwundert, sie hören so gleichgültig zu, als wäre es das Allergleich-gültigste, als gäbe es keinen, den es anginge, keinen, dem es wichtig, ungeheuer wichtig wäre, ob es möglich oder unmöglich, ob es so oder so, ob es wahr oder ob es eine Lüge ist!“

So laßt zum Anfang darüber uns verwundern, daß die Trübsal Hoffnung schafft, laßt die Seele zur Verwunderung gestimmt werden, laßt uns ausrufen, wie der Psalmist seiner Seele zuruft: „Wacht auf, Psalter und Harfe wacht auf!“ und laßt uns dann reden über:

 

Das Freudige darin, daß die Trübsal einem die Hoffnung nicht raubt, sondern schafft!

 

Wollte man mit einem Wort das Eigentümliche des Lebens in der Kindheit und Jugend bezeichnen, so würde man wohl sagen müssen, es ist ein Traumleben! Wie oft, um bloß dies zu nennen, wird es nicht von einem Erwachsenen wieder-holt, jenes wehmütige Wort: „Sie schwanden dahin, der Kindheit und der Jugend Träume!“ Sie schwanden – wahrscheinlich weil der Träumer verschwand, fort-blieb; denn wie sollte es wohl Träume geben, wenn es keinen Träumer mehr gibt? Aber mit welchem Recht nennen wir das ein Traumleben; dann bezeichnen wir also das Kind und den Jüngling als Schlafende, als Nachtwandler? In einem andern Sinn ist ja das Kind wach, wie kein Erwachsener es ist, seine Sinne für jeden Eindruck offen, das Kind ist eitel Leben und Bewegung, lauter Aufmerk-samkeit so lange der Tag währt. Und der Jüngling ist wach wie ein Erwachsener es kaum ist, sein Sinn ruhelos früh und spät, in Leidenschaft bewegt, so daß er öfters kaum einschlafen kann. Und doch ist das Leben der Kindheit und das Leben der Jugend ein Traumleben, denn das Innerste, das, was im eigentlichsten Sinne der Mensch ist – schlummert! Das Kind ist ganz nach außen gekehrt, seine Innerlichkeit Nach-außen-Gekehrtheit und insofern ganz wach: Aber für einen Menschen ist gerade das, ewig nach innen gekehrt zu sein in Innerlichkeit, – wach sein, also träumt das Kind! Es träumt sich sinnlich zusammen mit allem, so daß es sich ja mit dem Sinneneindruck verwechselt. Der Jüngling ist im Verhält-nis zum Kinde in sich gekehrter, aber in Phantasie; er träumt, oder es ist ihm als träumte alles um ihn herum. Derjenige dagegen, der im Ewigkeitssinn in sich gekehrt ist, er faßt nur, was des Geistes ist, und ist gegenüber dem Begriffe von Fleisch und Blut, von Zeitlichkeit und Phantasie, wie ein Schlafender, ein Ab-wesender, ein Gestorbener; in ihm wacht der Geist, das Niedere schläft: darum ist er wach!

Aber derjenige, der träumt, muß ja geweckt werden. Und je tiefer das ist, was da schlummert, oder je tiefer es schlummert, desto wichtiger ist es, daß es geweckt werde, und desto stärker, lauter muß es ja geweckt werden. Wenn nichts den Jüngling weckt, so wird dieses Leben im Mannesalter fortgesetzt. Er glaubt allerdings dann nicht mehr zu träumen, in einem gewissen Sinne tut er es auch nicht mehr; er spricht vielleicht verächtlich von den Jugendträumen, aber dies zeigt es gerade, das sein Leben verfehlt ist. Er ist in gewissem Sinne wach, doch ist er nicht im ewigen oder tiefsten Sinne wach. Also ist sein Leben etwas weit Geringeres als dasjenige des Jünglings, es ist verächtlich; denn er ist ein un-fruchtbarer Baum geworden oder wie ein Baum, der ausgegangen ist, während das Jugendleben wahrlich nicht zu verachten ist. Das Leben der Kindheit und Jugend ist die Blütezeit, aber im Verhältnis zu einem Baume, der Frucht tragen soll, ist ja doch auch die Blütezeit eine Unreife. Wohl sieht es wie ein Rückgang aus, wenn der Baum, der einst nackt dastand, darauf voller Blüten war, seine Blüten abwirft, – es kann aber auch ein Fortschritt sein. Schön ist die Blütezeit, und schön ist im Kinde und Jünglinge die blühende Hoffnung; das ist aber dennoch eine Unreife!

So kommt denn die Trübsal, um den Träumenden zu wecken, die Trübsal, die wie ein Sturm die Blüten abreißt, die Trübsal, die dennoch die Hoffnung nicht raubt, sondern schafft!

Wo ist dann die Hoffnung? Ist sie im einherfahrenden Sturmwetter der Trübsal?

O nein, so wenig Gottes Stimme im einherfahrenden Wetter war, sondern im leisen Sausen! So ist die Hoffnung, der Ewigkeit Hoffnung, wie ein leises Sausen, wie ein Flüstern im Innersten des Menschen, nur zu leicht zu überhören. Aber was will denn die Trübsal? Sie will dieses Flüstern im Innersten hervorbringen! Aber arbeitet denn die Trübsal sich selbst nicht entgegen, muß nicht eben ihr Sturm diese Stimme übertäuben? Nein; die Trübsal kann jede irdische Stimme übertäuben, und das soll sie gerade, aber diese Ewigkeitsstimme da drinnen kann sie nicht übertäuben. Oder umgekehrt! Es ist die Stimme der Ewigkeit dadrin, die gehört werden will, und um sich Gehör zu schaffen, braucht sie der Trübsal Lärm. Wenn nun mit Hilfe der Trübsal alle ungehörigen Stimmen zum Verstummen gebracht sind, so kann sie gehört werden, diese Stimme dadrinnen!

O du Leidender, wer du auch seist, laß dir’s doch sagen! Man meint immer, daß die Welt, die Umgebung, die Umstände, die Verhältnisse es sind, die einem im Wege stehen, im Wege zum Glück, zu Freude und Frieden. Und im Grunde ist es allezeit der Mensch selbst, der sich im Wege steht; der Mensch selbst, der zu sehr zusammenhängt mit der Welt und der Umgebung und den Umständen und den Verhältnissen, so daß er nicht zu sich selbst, nicht zur Ruhe, nicht zum Hoffen kommen kann. Er ist stets zu sehr nach außen gekehrt, statt nach innen gekehrt zu sein; darum ist alles, was er sagt, nur „wahr“ in der Art eines Sinnen-betruges. Der Mensch selbst unterhält die Verbindung mit den Feinden und die Verbindung ist – jugendliches Hoffen!

„Aber die Trübsal raubt einem diese Hoffnung!“ Ja, nicht wahr, das hast du selbst genugsam erfahren, wenn du die Beziehung zu dieser doppelsinnigen Erfahrung noch nicht aufgegeben hast. Du hofftest, daß, wenn es dir auch diesmal nicht glückte, so doch das nächste Mal, wenn nicht dieses, so doch jenes. Du hofftest, zum Ersatz für deine vielen Mißerfolge doch das nächste Mal eine kleine Auf-munterung zu bekommen. Du hofftest, daß es doch möglich wäre, daß eine unerwartete Hilfe käme, wie sie doch für denjenigen kam, der achtunddreißig Jahre gichtbrüchig gelegen hatte, seinem Heil so nahe, daß stets nur ein anderer vor ihm hineinkam. Du hofftest, da du alle anderen Freunde aufgegeben hattest, doch zuletzt auf den Freund – aber die Trübsal blieb!

Denn die Trübsal schafft gerade Hoffnung! Sie gibt nicht Hoffnung, aber sie schafft Hoffnung! Es ist der Mensch selbst, der sie erwirbt, die Ewigkeits-Hoffnung, die in ihn versenkt ist, verborgen in seinem Innersten – aber die Trübsal schafft sie. Denn die Trübsal hindert ihn erbarmungslos (ja, in kindischem Sinn erbarmungslos!) irgend eine andere Hilfe oder Linderung anzunehmen; die Trübsal zwingt ihn erbarmungslos (ja in jugendlichem Sinn erbarmungslos!) alles andere fahren zu lassen; die Trübsal nimmt ihn erbarmungslos (ja, im Sinn der Unreife erbarmungslos!) in die Schule, recht gründlich in die Schule, damit er lernen möge, das Ewige zu ergreifen und sich an das Ewige zu halten. Die Trüb-sal hilft nicht direkt, sie ist nicht in der Lage, daß sie die Hoffnung erwirbt oder kauft und sie dem Menschen schenkt. Sie hilft abstoßend, und kann auch nicht anders, gerade weil die Hoffnung im Menschen selbst ist. Die Trübsal predigt „Erweckung“. Ach, denn die Menschen sind leider oft genug nur allzu abgehärtet, so daß wenig genützt ist mit dem Entsetzen durch mächtige Gedanken. Die Trübsal kann sich besser verständlich machen; ihre Beredsamkeit ist nicht nur einmal schlagend, wie ein Witz es ist, sondern sie übt dieselbe Schlag auf Schlag, sie hat sie in sich, wie man das von einem Stock sagt, es ist eine fort-dauernde Eigenschaft bei ihr. Die Menschen wollen lieber die direkte Mitteilung haben als Versicherung und abermalige Versicherung; das ist so bequem – und am bequemsten, daß nichts daraus wird! Die Trübsal dagegen kennt keinen Spaß. Wenn die Trübsal dieses ihr Werk beginnt, Hoffnung zu schaffen, sieht es einen Augenblick ebenso unsinnig aus, wie wenn einer einen Bettler überfallen, ihm den Revolver vor die Brust halten und ihn anschreien wollte: „Dein Geld!“ Ach, denn der Leidende ist ja gerade im Begriff, an der Hoffnung (der jugend-lichen nämlich!) beinahe zu verzweifeln, die er am liebsten festhalten möchte, – und nun überfällt ihn die Trübsal und fordert von ihm – Hoffnung (– der Ewigkeit nämlich!). Die Trübsal ist kein Gratulant, der mit der Hoffnung als Geschenk kommt, die Trübsal ist die Härte, die grausam (ja in kindischem Sinn grausam!) zum Leidenden sagt: „Ich werde dir wohl Hoffnung schaffen!“ Wie es aber immer im Leben geht, daß derjenige, der aus Pflicht hart sein muß, niemals anerkannt wird, daß keiner sich die Zeit nimmt, in ihn sich hineinzuversetzen, wie ausge-zeichnet er auch das Seine tut, ohne sich durchs Seufzen und Weinen oder von einschmeichelnden Bitten rühren zu lassen: Also geht es auch der Trübsal, die stets stiefmütterlich behandelt wird! Aber so wenig der Arzt sich darum kümmert, daß der Kranke vor Schmerzen schimpft und tobt und nach ihm schlägt: so wenig kehrt sich die Trübsal daran; Gott sei Dankt sie kehrt sich nicht daran – sie schafft Hoffnung. Wie das Christentum gerade aus all’ der Verkennung, der Ver-folgung und dem Unrecht, welche die Wahrheit leiden muß, den Beweis zieht, daß es eine Gerechtigkeit geben muß (o, wunderliche Schlußfolgerung!), so ist im Äußersten der Trübsal, wenn sie am fürchterlichsten drückt, dieser Schluß, dieses „ergo“ enthalten: ergo gibt es eine Ewigkeit zu hoffen!

Denke dir mit einfacher Einfassung in einem heimlichen Behälter verborgen, in welchem der kostbarste Schatz niedergelegt ist, – eine Feder, auf die gedrückt werden muß, aber die Feder ist versteckt, und der Druck muß eine gewisse Kraft haben, so daß ein zufälliger Druck nicht genügt. Also ist die Ewigkeitshoffnung in des Menschen Innerem verborgen, und die Trübsal ist der Druck. Wenn auf die versteckte Feder gedrückt wird, stark genug gedrückt wird, so zeigt sich der In-halt in seiner ganzen Herrlichkeit.

Denke dir ein Samenkorn, in die Erde hineingestreut, was bedarf es, wenn es wachsen soll? Zuerst Platz, es muß Platz haben, darnach Druck, der Druck ge-hört dazu – das Sprießen ist gerade das sich Platzschaffen durch einen Wider-stand hindurch! Also ist der Ewigkeit Hoffnung ins Innere des Menschen einge-senkt. Aber die Trübsal schafft Platz, indem sie alles andere beiseite schafft; alles Provisorische, alles was am Zeitlichen hängt, muß im Menschen zur Verzweiflung gebracht werden – also ist der Druck der Trübsal das Hervorlockende! Denke dir, was ja auch so der Fall ist, ein Tier, das eine Waffe hat, um sich zu wehren, die es aber nur in Lebensgefahr braucht: Also ist der Ewigkeit Hoffnung im Innersten des Menschen, die Trübsal aber ist die Lebensgefahr!

Denke dir ein kriechendes Tier, das doch auch Flügel hat, die es brauchen kann, wenn es zum Äußersten gebracht wird, zum täglichen Gebrauch findet es das nicht der Mühe wert, sie zu benützen! Also ist die Ewigkeitshoffnung in des Men-schen Innerstem; er hat Flügel, er muß aber zum Äußersten gebracht werden, um sie zu entdecken, oder um sie zu erhalten, oder um sie zu brauchen! Denke dir einen arg verstockten Verbrecher, den das Gericht weder durch Klugheit, noch durch gute Worte zum Geständnis bringen kann, dem es aber auf der Folterbank das Geständnis abzwingt: Also ist die Ewigkeitshoffnung in des Menschen Innerstem. Der natürliche Mensch will ungern, o so ungern, auf ein Geständnis eingehen. Hoffen, wie das Kind, der Jüngling, das will er wohl. Aber das Hoffen im Ewigkeitssinne ist durch eine ungeheuer schmerzhafte Anstrengung bedingt, der der natürliche Mensch sich im Guten niemals unterwirft. Denn ein Mensch wird mit Schmerzen geboren, aber wiedergeboren zum Ewigen wird er vielleicht mit noch größeren Schmerzen – doch bedeutet das Schreien in beiden Fällen gleich wenig, da es eben das Unterstützende ist! Also muß die Trübsal hinzu-kommen, um das Geständnis, der Hoffnung Geständnis zu erzwingen! Oder denke dir einen hartnäckigen Zeugen, der keine Zeugenaussage ablegen will, (und jeder Mensch soll ja „ein Zeuge“ sein und von dem Ewigen Zeugnis ab-legen!). Die Trübsal läßt ihn nicht los, weil er sich weigert, die Aussage abzule-gen, sie erhöht ihm die Geldbuße von Tag zu Tag, bis er das Zeugnis ablegt. Oder denke dir, wie man es in Märchen liest, – eine böse Frau, die guten Rat weiß, aber boshafter Weise stets verkehrten Rat gibt – wenn sie nun auf den Scheiterhaufen kommt, alsdann kommt auch das rechte Wort heraus! Also ist der Ewigkeit Hoffnung in des natürlichen Menschen Innerstem vorhanden, er will aber nicht sein eigenes Wohl, darum will er nicht heraus mit dem Richtigen, er will es kaum von einem anderen gesagt haben, noch weniger mag er es selbst aussprechen, bis die Trübsal ihn erlöst, indem sie es ihm abzwingt!

Auf diese Weise schafft die Trübsal Hoffnung! Soll darnach aber die Trübsal wieder aufhören, ist das Ganze nur eine schmerzhafte Operation? Nein, das ist nicht nötig! Wenn die Trübsal einmal das erreicht hat, was die Ewigkeit durch dieselbe bezwecken will, dann ordnet das Verhältnis sich von selbst. Der Druck bleibt, er gibt sich aber umgekehrt stets als Hoffnung zu erkennen, er setzt sich in Hoffnung um: Im Grunde verborgen ist der Druck, das Offenbarwerdende ist die Hoffnung. Das liegt ja im Gedanken selber: Ein Druck kann drücken, aber das „Drücken“ kann auch das „Heben“ bedeuten. Du siehst den Wasserstrahl, wie er sich hoch in die Luft erhebt, du siehst nicht den Druck, oder daß dieses ein Druck ist und durch einen Druck geschieht.

Der Druck ist es, der niederdrückt, der Druck ist es aber auch, der erhöht! Nur denjenigen kann die Trübsal niederdrücken, der sich nicht ewig helfen lassen will; denjenigen, der geholfen haben will, drückt die Trübsal in die Höhe! Nur dem-jenigen kann die Trübsal die Hoffnung rauben, der der Ewigkeit Hoffnung nicht haben will; demjenigen, der diese Hoffnung haben will, schafft die Trübsal die-selbe!

Also ist es mit der Trübsal! Es gibt im Leben nur eine Gefahr, die entschieden den Untergang mit sich bringt, das ist die Sünde; denn die Sünde ist des Men-schen Verderben! Die Trübsal, ja ob sie auch so entsetzlich sei, wie kein Mensch sie je erlebt hat, die Trübsal schafft Hoffnung! 

 

- Fortsetzung -