Viertes Hauptstück

 

Das vierte Hauptstück.

 

953. WODURCH WIRD UNSER GLAUBE FERNER ERWECKET UND GESTÄRKET, ALS DURCH DAS GÖTTLICHE WORT?

 

Durch die heiligen Sakramente, die des Worts der Gnaden Siegel sind. 

 

S. Röm. 4,11: s. unten bei Fr. 962. b). 

 

954. WAS NENNET DIE CHRISTLICHE KIRCHE DIE SAKRAMENTE?

 

Sie nennet mit diesem Namen diejenigen heiligen Handlungen, welche Gott darzu eingesetzet hat, dass er durch sichtbare Mittel seine unsichtbare himmlische Gnade und Güter darreiche, und damit teils seine Verheißungen, teils unsern Glauben versiegele. 

 

955. WER KANN DENN SAKRAMENTE EINSETZEN?

 

Allein Gott der Herr, denn die Gnade kommt allein von ihm, so ist also er auch derjenige, der die Mittel verordnen kann, durch welche sie empfangen werden. Daher müssen wir bei jeglichem Sakrament ein Wort der Einsetzung, des Befehls und der Verheißung haben. 

 

Matth. 28,18.19: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden; darum gehet hin, und lehret alle Völker, und taufet sie u.s.w. 

 

956. WAS GEHÖRET ZU JEGLICHEM SAKRAMENT?

 

Zwei Stücke: etwas Sichtbares und Irdisches, und etwas Unsichtbares und Himmlisches.

 

957. SIND ABER SOLCHE BEIDE BEI EINANDER?

 

Ja, sie werden mit einander wahrhaftig vereiniget, und sind bei einander, als lange das Sakrament gebrauchet wird, dass also allezeit das Himmlische vermittelst und durch das Irdische gegeben wird. 

 

958. WAS IST DER NUTZEN DER SAKRAMENTE?

 

Dass sie den Glauben stärken und versiegelen, und die göttlichen allgemeinen Verheißungen einem jeglichen absonderlich zueignen: sodann, dass sie die versprochenen himmlischen Schätze wirklich überreichen, worinnen der Glaube die seligmachende Gnade ergreift. 

 

959. NÜTZEN DIE SAKRAMENTE AUCH JEMAND OHNE DEN GLAUBEN?

 

Nein: denn obwohl das Sakrament in seinem Wesen bleibet, der Mensch glaube oder glaube nicht, und unser Unglaube Gottes Glauben nicht aufhebet, Röm. 3,3., so erlanget gleichwohl keiner die geistliche Gnade der Seligkeit, die das Sakrament anerbeut, ohne den Glauben. 

 

Röm. 2,28.29: Das ist nicht ein Jude, der auswendig ein Jude ist; auch ist das nicht eine Beschneidung, die auswendig an dem Fleisch geschiehet; sondern das ist ein Jude, der inwendig verborgen ist, und die Beschneidung des Herzens ist eine Beschneidung die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht. Welches Lob ist nicht aus dem Menschen, sondern aus Gott. 

1 Kor. 10,1-6: Ich will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, dass unsere Väter sind alle unter der Wolke gewesen, und sind alle durchs Meer gegangen; und sind alle unter Mose getauft mit der Wolke und dem Meere; und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen, und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken; sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mit folgte, welcher war Christus. Aber an ihrer vielen hatte Gott kein Wohlgefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste. Das ist aber uns zum Vorbilde geschehen, u.s.w. 

 

960. WIE VIELERLEI SIND DIE SAKRAMENTE?

 

Zweierlei: des Alten und Neuen Testaments. 

 

961. WIE VIEL WAREN SAKRAMENTE IN DEM ALTEN TESTAMENT?

 

Zwei: die Beschneidung und das Osterlamm. 

 

962. WAS HATTE ES FÜR EINE BESCHAFFENHEIT MIT DER BESCHNEIDUNG?

 

Gott hatte mit dem Abraham einen Gnadenbund gemacht, und zu Bekräftigung dessen befohlen (A), dass er und sein Haus und Nachkommen, sobald ein Knäblein acht Tage alt wäre, sollten an der Vorhaut ihres Fleisches beschnitten werden, zum Zeugnis, dass sie ein von allen andern Völkern abgesondertes Volk, und Gottes Eigentum wären, aus dessen Samen der Welt Heiland dermaleins nach Gottes Verheißung sollte geboren werden, darum auch, und in Ansehung des göttlichen Bundes und künftigen Heilandes, die Beschneidung ein Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens war (B). 

 

(A)

1 Mos. 17,7-13: Ich will aufrichten meinen Bund zwischen mir und dir, und deinem Samen nach dir, bei ihren Nachkommen, dass es ein ewiger Bund sei, also, dass ich dein Gott sei, und deines Samens nach dir. Und ich will dir und deinem Samen nach dir geben das Land, da du ein Fremdling inne bist, nämlich das Land Kanaan, zu ewiger Besitzung; und will ihr Gott sein. Und Gott sprach zu Abraham: So halte nun meinen Bund, du und dein Same nach dir, bei ihren Nachkommen. Das ist aber mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch, und deinem Samen nach dir: Alles was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden. Ihr sollt aber die Vorhaut an eurem Fleisch beschneiden; dasselbe soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch. Ein jegliches Knäblein wenns acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen; desselben gleichen auch alles was Gesindes daheim geboren, oder erkauft ist von allerlei Fremden, die nicht eures Samens sind. Also soll mein Bund an eurem Fleische sein zum ewigen Bunde. 

 

(B)

Röm. 4,11: Das Zeichen der Beschneidung empfing er zum Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, welchen er noch in der Vorhaut hatte; auf dass er würde ein Vater aller, die da glauben in der Vorhaut, dass denselben solches auch gerechnet werde zur Gerechtigkeit. 

 

963. WARS ABER MIT DER ÄUSSERLICHEN BESCHNEIDUNG GENUG?

 

Nein: sondern solche war das Zeichen und Mittel, dass, gleichwie damit der Mensch um des Messias willen, welcher künftig aus den Beschnittenen geboren werden sollte, in Gottes Gnadenbund aufgenommen würde, also zugleich auch sein Herz beschnitten, und eine neue Kraft gegeben würde, zu glauben und in den Wegen Gottes einher zu gehen. Welches die geistliche Beschneidung genannt wird, und sich öfters nicht mehr bei denjenigen befand, welche an dem Fleisch beschnitten waren. 

 

Röm. 8,28.29. S. oben Fr. 959. 

5 Mos. 30,6: Der Herr dein Gott wird dein Herz beschneiden, und das Herz deines Samens, dass du den Herrn deinen Gott liebest von ganzem Herzen und von ganzer Seele, auf dass du leben mögest. 

Jer. 9,26: Alle Heiden haben unbeschnittene Vorhaut; aber das ganze Haus Israel hat ein unbeschnitten Herz. 

 

964. WÄHRET DIESES SAKRAMENT NOCH?

 

Nein, nachdem die Scheidewand zwischen Juden und Heiden aufgehoben worden, und Christus, auf welchen die Beschneidung gesehen, und der die Beschneidung selbst angenommen (A), gekommen ist, hat solches aufgehöret (B). 

 

(A)

Luk. 2,21: Da acht Tage um waren, dass das Kind beschnitten würde. 

 

(B)

Gal. 5,2-4: Siehe, ich Paulus sage euch: Wo ihr euch beschneiden lasset, so ist euch Christus kein nütze. Ich zeuge abermal einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er noch das ganze Gesetz schuldig ist zu tun. Ihr habt Christum verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid von der Gnade gefallen. 

 

965. WAS WAR DENN DAS SAKRAMENT DES PASCHA ODER OSTERLAMMS?

 

Als die Kinder Israel aus Ägypten zogen, befahl (A) ihnen Gott, zum Gedächtnis solchen Auszugs, auf ihr Osterfest mit gewissen Zeremonien ein Lamm zu schlachten, zu braten und zu essen, damit auch ihr Glaube auf den künftigen Messias, der sich als ein Lamm sollte schlachten lassen, versiegelt würde (B). 

 

(A)

2 Mos. 12,2ff. 

 

(B)

1 Kor. 5,7: Wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert. Hebr. 11,28: Durch den Glauben hielt er die Ostern und das Blutvergießen. 

 

966. WÄHRET SOLCHES SAKRAMENT NOCH?

 

Nein, eben deswegen, weil es ein Vorbild war des rechten Osterlamms, so musste, als das Wesen selbst kam, das Schattenwerk weichen. 

 

967. WIE VIEL SIND SAKRAMENTE DES NEUEN TESTAMENTS?

 

Auch zwei: die Taufe und das heilige Abendmahl. 

 

968. SIND DENN NICHT SIEBEN SAKRAMENTE?

 

Es lehret zwar die päpstliche Kirche also, weil sie die Firmelung, Buße, letzte Ölung, Priesterweihe und Ehestand zu den rechten Sakramenten beisetzen. 

 

969. SIND DENN SOLCHE STÜCKE NICHT RECHTE SAKRAMENTE?

 

Nein, denn etliche davon, als die Firmelung und letzte Ölung, haben allerdings keinen Grund in der Schrift, und sind, wie sie pflegen verrichtet zu werden, Menschen-Fünde: die übrigen, ob sie wohl in der Schrift Grund haben, sind sie doch nicht als Sakramente von Gott eingesetzet, haben kein sichtbares Zeichen und Mittel, und teils keine Verheißung geistlicher seligmachender Gnade.

 

970. WOHER ERWEISEN WIR DENN, DASS NUR ZWEI SAKRAMENTE SEIEN?

 

Weil die zwei, die Taufe und das heilige Abendmahl, alles solches haben, was zu einem Sakrament erfordert wird, und in der ganzen Schrift keine andere solche Dinge zu finden sind, welche von Christo eingesetzt wären, und solche Stücke an sich hätten, so zu den Sakramenten gehören. So erkennet Johannes nicht mehr als drei Zeugen unsers Heils auf Erden, unter welchen einer, der Geist, bekanntlich kein Sakrament ist, können also nicht mehr als zwei Sakramente sein; denn wo deren mehr wären, so wären auch der Zeugen mehr; wie auch die lieben Alten dieselben unter dem Wasser und Blut, so aus Christi Seiten an dem Kreuz geflossen, abzubilden und zu erkennen pflegten. Joh. 19,34. 

 

1 Joh. 5,8: Drei sind, die da zeugen auf Erden, der Geist, und das Wasser, und das Blut; und die drei sind beisammen. 

 

971. WAS IST DIE TAUFE?

 

Die Taufe ist nicht allein schlecht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot verfasset, und mit Gottes Wort verbunden. 

 

972. WARUM EBEN IN GOTTES GEBOT VERFASSET, UND MIT GOTTES WORT VERBUNDEN?

 

Weil Christus nicht nur einmal solche Taufe eingesetzt, und davon seine Verheißung getan hat, sondern weil auch allezeit, so oft die Taufe verrichtet wird, solches Gebot und Wort Gottes in dem Sakrament kräftig ist, dasjenige uns zu leisten, wozu es eingesetzet worden. 

 

973. WELCHES IST DENN SOLCH WORT GOTTES?

 

Da unser Herr Christus spricht Matthäi am letzten: Gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. 

 

974. WER HAT DIE TAUFE EINGESETZT?

 

Gott, als aus dessen Befehl Johannes der Täufer sie erstlich angefangen (A): nachdem haben auch die Jünger Christi aus ihres Herrn Befehl, als er vorhin selbst sich von Johannes hatte taufen lassen, und mit seinem eigenen Exempel solches Werk geheiliget hatte (B), diejenigen, die dem Herrn nachfolgeten, getaufet (C): endlich hat er, der Herr, vor seiner Himmelfahrt seinen Jüngern, die er in die ganze Welt ausgesendet, solche Taufe befohlen (D).

 

(A)

Luk. 3,2.3: Es geschah der Befehl Gottes zu Johannes, Zachariä Sohn, in der Wüste; und er kam in alle Gegend um den Jordan, und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. 

 

(B)

Joh. 4,1.2: Jesus machte mehr Jünger und taufte, denn Johannes; wiewohl Jesus selber nicht taufte, sondern seine Jünger. 

 

(C)

Matth. 3,13. Mark. 1,9. Luk. 3,21. 

 

(D)

Matth. 28,19: S. oben Fr. 973. 

 

975. WER SOLL DIE TAUFE VERRICHTEN?

 

Ordentlicher Weise die Prediger, denen das Evangelium, darzu die Taufe als ein Siegel gehöret, zu verkündigen anbefohlen ist, und die Haushalter sind über Gottes Geheimnisse, 1 Kor. 4,1. 

 

976. TUT DES TAUFENDEN WÜRDIGKEIT ODER MEINUNG ETWAS ZU DER TAUFE?

 

Nein, sondern der Prediger sei fromm oder gottlos, er habe die rechte Meinung und Andacht dabei oder nicht, wo die Taufe nur nach Christi Ordnung verrichtet wird, so ist sie kräftig, als deren Kraft an Gottes Einsetzung, nicht aber an den Menschen gelegen ist. 

 

Röm. 3,3: Sollte ihr Unglaube Gottes Glauben aufheben? Das sei ferne! 

 

977. WO ABER KEIN PREDIGER VORHANDEN, IN DEM NOTFALL EIN KIND ZU TAUFEN, WAS IST DA ZU TUN?

 

Da mag eine jede christliche Mannsperson, oder auch in Ermangelung derer, eine Weibsperson taufen: soferne auch in dem Alten Testament, da doch die Weiber noch mehr von dem Gottesdienst ausgeschlossen, und selber nicht beschnitten waren, Zipora und andere Mütter ihre Kinder in der Not beschnitten (A), und um so viel mehr, weil in dem Neuen Testament das geistliche Priesterrecht allen Christen gemein ist (B). 

 

(A)

2 Mos. 4,25: Da nahm Zipora einen Stein, und beschnitt ihrem Sohne die Vorhaut. 

1 Makk. 1,63: Die Weiber, welche ihre Kinder beschnitten, wurden getötet. Makk. 6,10. 

 

(B)

Gal. 3,28: Hie ist kein Jude noch Grieche, hie ist kein Knecht noch Freier, hie ist kein Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christo Jesu. 

 

978. WIE SOLLTE DIESES EINEM WEIBE MÖGEN ERLAUBT WERDEN, DA SIE DOCH NICHT LEHREN DÜRFEN? 1 TIM. 2,12. 1 KOR. 14,34. 

 

Wie ihnen das Lehren verboten ist, nämlich öffentlich in der Gemeinde, also auch das Taufen. Wie aber ihnen das Lehren in ihren Häusern, unter den Ihrigen nicht verboten ist, also auch nicht die Taufe, verstehe in solchem Notfall, in Ermangelung der Mannsperson. 

 

979. WORAUS BESTEHET DIE TAUFE?

 

Aus zweien Stücken, einem irdischen sichtbaren und einem himmlischen unsichtbaren. 

 

980. WAS IST DAS IRDISCHE UND SICHTBARE IN DER TAUFE?

 

Das Wasser, welches notwendig bei der Taufe sein muss, und mit nichts anderem verwechselt werden darf. 

 

Joh. 3,5: Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, dass jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. 

Eph. 5,26: Auf dass er sie heiligte, und hat sie gereiniget durch das Wasserbad im Wort. 

1 Petr. 3,20.21: Durch das Wasser, welches nun auch uns selig macht in der Taufe, die durch jenes bedeutet ist. 

 

981. WAS SOLL ES ABER FÜR WASSER SEIN?

 

Da ist nichts absonderlich befohlen, sondern alles wahrhaftige natürliche, nicht aber gekünstelte Wasser ist darzu dienlich. 

 

982. IST ABER NICHTS ANDERS IN DER TAUFE ALS SCHLECHT WASSER?

 

Ja freilich: denn es ist auch noch das Himmlische darbei, das ist, die heilige Dreieinigkeit ist bei solchem Werk, als in dero Namen die Taufe verrichtet wird, ja die selbst durch den Prediger die Taufe verrichtet; besonders aber ist der Heilige Geist da, welcher sich hierinnen absonderlich offenbaret, und mit dem Wasser vereiniget. 

 

Joh. 3,5: Aus dem Wasser und Geist. 

Tit. 3,6: Welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Heiland. 

 

983. WIE KOMMT ABER DER HEILIGE GEIST ZU DEM TAUFWASSER?

 

Vermittels der Verordnung Christi und göttlichen Worts, ohne welches kein Sakrament ist. 

 

984. WEN SOLL MAN TAUFEN?

 

Die Taufe ist eingesetzt nur allein für die Menschen, aber für alle Menschen, welche in den Gnadenbund Gottes sollen aufgenommen werden.

 

Matth. 28,19: Darum gehet hin, und lehret alle Völker, und taufet sie u.s.w. 

 

985. DARF MAN AUCH DIE JUNGEN KINDER TAUFEN?

 

Obwohl die Wiedertäufer solchen die Taufe nicht eher wollen zukommen lassen, als bis sie selbst ihres Glaubens Bekenntnis zu tun vermögen, welches wir auch bei Erwachsenen nötig zu sein erkennen, so ists doch unrecht, wo man der Christen Kindern solche versagen will, indem solche ein Recht darzu haben. 

 

986. WOHER IST ABER ZU ERWEISEN, DASS DEN KINDERN AUCH DIE TAUFE GEHÖRE?

 

1. Weil Gottes Bund bei denjenigen, die er darein aufnimmt, sich nicht nur auf sie, sondern auch ihre Kinder erstrecket (A): daher denjenigen, die der Bund angehet, auch dessen Mittel nicht versagt werden kann. 2. Weil sie der Wiedergeburt bedürfen, als die auch Fleisch aus Fleisch geboren sind (B), und aber Gott ihnen die Seligkeit verspricht (C), so sind wir denn schuldig, ihnen die ordentlichen Mittel der Seligkeit und Wiedergeburt zu erteilen. 3. Weil sie Christus heißt zu sich bringen (D): welches wir denn auf allerlei Arten zu tun haben, die der Natur wegen nicht unmöglich, und in der Schrift nicht verboten sind. Daher 4. die Apostel auch ganze Haushaltungen, und also jung und alt zugleich getauft haben (E). 

 

(A)

1 Mos. 17,7: Ich will aufrichten meinen Bund zwischen mir und dir und deinem Samen nach dir bei ihren Nachkommen. 

Apg. 2,39: Euer und eurer Kinder ist diese Verheißung. 

1 Kor. 7,14: Der ungläubige Mann ist geheiliget durch das Weib, und das ungläubige Weib wird geheiliget durch den Mann; sonst wären eure Kinder unrein; nun aber sind sie heilig. 

 

(B)

Joh. 3,6: Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. 

 

(C)

und (D)

Matth. 19,14: Lasset die Kindlein, und wehret ihnen nicht zu mir zu kommen; denn solcher ist das Himmelreich. Mark. 10,13ff. 

 

(E)

Apg. 16,15: Als sie aber und ihr Haus getauft ward. V. 33: Er ließ sich taufen, und alle die Seinen alsobald. 

 

987. HINDERT DAS ABER NICHT DARAN, DASS DIE KINDER DEN VÖLLIGEN GEBRAUCH DES VERSTANDES NOCH NICHT HABEN?

 

Nein; so wenig solches hat hindern können, dass die Kinder des Alten Testaments in ihrer zartesten Kindheit das Sakrament der Beschneidung empfingen, so wenig mag solches auch der Taufe, die an jener Stelle gekommen, hinderlich sein. Wie denn alles, was wider die Taufe aufgebracht wird, auch wider die Beschneidung würde gültig sein. 

 

Kol. 2,11.12: In welchem ihr auch beschnitten seid mit der Beschneidung ohne Hände, durch Ablegung des sündlichen Leibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi; in dem, dass ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe. 

 

988. KÖNNEN DENN DIE KINDER AUCH GLAUBEN?

 

Von Natur haben sie den Glauben nicht, aber Gott kann ihn eben sowohl in ihnen wirken durch den Heiligen Geist, welches er in dem Alten Testament durch die Beschneidung tat, jetzo aber durch die Taufe. 

 

989. WOHER ERWEISEN WIR, DASS DIE KINDER AUCH DES GLAUBENS UND GÖTTLICHER WIRKUNGEN FÄHIG SIND?

 

Nicht nur, weil von Christo dergleichen gesagt wird (A), sodann Johannes der Täufer im Mutterleib mit dem heiligen Geist außerordentlich erfüllet ist worden (B), sondern weil auch ausdrücklich von ihnen gesagt wird, dass sie glauben (C), sodann, dass sie selig werden (D), welches ohne Glauben nicht geschehen könnte (E). 

 

(A)

Ps. 22,10.11: Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; du warest meine Zuversicht, da ich noch an meiner Mutter Brüsten war. Auf dich bin ich geworfen aus Mutterleibe; du bist mein Gott von meiner Mutter Leibe an. 

 

(B)

Luk. 1,44: Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte mit Freuden das Kind in meinem Leibe. 

 

(C)

Ps. 8,3: Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet. Matth. 21,16. 

Matth. 18,6: Wer ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben. 

 

(D)

Matth. 19,14: Denn solcher ist das Himmelreich. 

 

(E)

Mark. 16,16: Wer nicht glaubet, der wird verdammt werden. 

 

990. WOHER KOMMT SOLCHER GLAUBE?

 

Nicht von der Vernunft, deren Gebrauch sie noch nicht haben, und ohnedies dieselbige an dem Glauben mehr hindert als fördert, sondern aus Wirkung des Heiligen Geistes.

 

991. WO ABER DIE KINDER VOR EMPFANGENER TAUFE DAHIN STERBEN, SIND SIE DESWEGEN VERDAMMT?

 

Nein, denn solches ohne ihre Schuld geschiehet, und verdammet nicht der Mangel, sondern die Verachtung des Sakraments. So werden solche Kinder, die nicht durch die Taufe zum Herrn gebracht werden, ihm gleichwohl durch das Gebet der Eltern und ganzen Kirche vorgetragen. Auch hat Gott uns, nicht aber sich selbst an die Mittel verbunden, und wirket auf unerforschliche Weise, was zu der Seligkeit vonnöten ist, wo die Mittel nicht Platz haben: weil Christus, alles verlorne wieder zu bringen, gekommen ist. 

 

Matth. 18,11: Des Menschen Sohn ist gekommen, selig zu machen, das verloren ist. 

 

992. WAS GIBT ODER NÜTZT DIE TAUFE?

 

Sie wirket Vergebung der Sünden, erlöset vom Tod und Teufel, und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißung Gottes lauten. 

 

993. WELCHES SIND DENN SOLCHE WORTE UND VERHEISSUNG GOTTES?

 

Da unser Herr Christus spricht Marci am letzten: Wer glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. 

 

994. WIE VIELERLEI IST DER NUTZEN DER TAUFE?

 

Zweierlei: dass sie das Böse von uns wegnimmt, und uns die Seligkeit gibt. 

 

995. WIE VIELERLEI IST DAS BÖSE, DAVON SIE UNS BEFREIET?

 

Dreierlei: die Sünde, der Tod, und die Gewalt des Teufels. 

 

996. ERLÖSET UNS DENN DIE TAUFE VON SÜNDEN?

 

Ja. 

 

997. WIE ABER?

 

Indem uns die Vergebung derselben in der Taufe geschenket (A), sodann die Macht der Sünden also darinnen gebrochen wird, dass sie ferner nicht mehr in uns wider unsern Willen herrschen mögen (B). 

 

(A)

Apg. 2,38: Tut Buße, und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi, zur Vergebung der Sünden. Kap. 22,10: Stehe auf, und laß dich taufen, und abwaschen deine Sünde. 

Eph. 5,26: Auf dass er sie heiligte, und hat sie gereiniget durch das Wasserbad im Wort. 

 

(B)

Röm. 6,3-6: Wisset ihr nicht, dass alle, die wir in Jesum Christum getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, gleichwie Christus ist von den Toten auferwecket durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber samt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein, dieweil wir wissen, dass unser alter Mensch samt ihm gekreuziget ist, auf dass der sündliche Leib aufhöre, dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. 

 

998. WELCHE SÜNDEN ABER WERDEN IN DER TAUFE VERGEBEN?

 

Alle Sünden des ganzen Lebens, weil die Vergebung herkommt aus der Kraft des Blutes Christi, welches für alle Sünden vergossen ist; daher, was für Sünden noch nach der Taufe die Lebzeit über vergeben werden, geschiehet alles solches kraft des einmaligen Taufbundes. 

 

1 Joh. 1,7: Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, machet uns rein von aller Sünde. Hebr. 9,12: Christus ist durch sein eigen Blut Einmal in das Heilige eingegangen, und hat eine ewige Erlösung erfunden. 

 

999, HABEN DENN DIE GETAUFTEN KEINE SÜNDE MEHR AN SICH?

 

Freilich haben sie noch die Erbsünde an sich, welche in viel wirklichen Sünden sich heraus lässet (A), aber so lange sie in ihrem Taufbunde stehen, sollen sie ihnen nicht verdammlich sein, noch sie ganz übermögen (B). 

 

(A)

Röm. 7,15-20: Ich weiß nicht, was ich tue; denn ich tue nicht, das ich will, sondern das ich hasse, das tue ich. So ich aber das tue, das ich nicht will, so willige ich, dass das Gesetz gut sei. So tue ich dasselbige nicht, sondern die Sünde die in mir wohnet; denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleische wohnet nichts Gutes; wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. So ich aber tue, das ich nicht will, so tue Ich dasselbe nicht, sondern die Sünde, die in mir wohnet. 

 

(B)

Röm. 8,1: So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. 

 

1000. WIE ERLÖSET DIE TAUFE VON DEM TOD?

 

Dass alles Leiden hier in der Welt, und der letzte Abschied aus derselben, welche die getauften Gläubigen noch betreffen, ihnen keine Strafe, noch schädlich, sondern ein gesegnetes heilsames Kreuz und Durchgang in das ewige Leben seien: sodann, dass der ewige Tod an denselben kein Recht hat. 

 

1001. WIE ABER VON DES TEUFELS GEWALT?

 

Zuvor hatte der Teufel über uns, in der Sünden Dienstbarkeit geborne, und dadurch verderbte Menschen, solche Gewalt, dass er uns aus einer Sünde in die andere ziehen, oder sonsten plagen, und bei Gott verklagen durfte, als die wir ihm gedienet hätten, und mit ihm gleichen Lohn empfangen müssten: nun aber ist ihm durch die Taufe alle solche Gewalt benommen, also, dass wir seinen Versuchungen in dem Glauben widerstehen mögen, und er ohne unsers himmlischen Vaters Willen uns kein Leids zufügen kann, auch alle seine Anklage gegen uns umsonst und vergebens ist. 

 

1002. HAT ER DENN GAR KEINE MACHT MEHR AN DEN GETAUFTEN GLÄUBIGEN?

 

Gott verhänget ihm wohl, dass er sie angreifen mag (A), aber er soll sie nicht übermögen, sondern sie können ihn überwinden (B). 

 

(A)

1 Petr. 5,8.9: Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe, und suchet, welchen er verschlinge: dem widerstehet fest im Glauben, und wisset, dass eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. 

Eph. 6,11.12: Ziehet an den Harnisch Gottes, dass ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels; denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. 

 

(B)

Offenb. 12,11: Sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut. 

1 Kor. 15,55: Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? V. 57: Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch unsern Herrn Jesum Christum. 

 

1003. SO CHRISTUS UNS VON SÜNDE, TOD UND TEUFEL ERLÖSET, WIE WIRD DENN SOLCHES DER TAUFE ZUGESCHRIEBEN?

 

Christus ist freilich derselbe, der uns allein von solchen Feinden erlöset, durch seinen Gehorsam, Leiden und Tod: weil wir aber in seinen Tod getaufet werden (A), und in der Taufe Christum anziehen (B), so hat der Herr die Kraft seines Blutes, Leidens und Todes, damit er Vergebung der Sünden erworben, den Tod überwunden, und dem Teufel die Macht genommen (C), in die Taufe geleget, dass wir derselben aus der Taufe, die gleichsam mit seinem Blut angefüllet ist, teilhaftig werden. 

 

(A)

Röm. 6,3.4: S. oben Fr. 997. 

 

(B)

Gal. 3,27: Wie viele eurer getauft sind, die haben Christum angezogen. 

 

(C)

S. oben Fr. 619. 620. 621. 622. 

 

1004. WAS IST NUN DAS GUTE, SO UNS DIE TAUFE GIBT?

 

Die ewige Seligkeit. 

 

1005. WORINNEN BESTEHET SOLCHE SELIGKEIT?

 

Darinnen, dass Gott, der die wesentliche Seligkeit selbst ist, sich in der Taufe den Menschen, die auf seinen Namen getauft werden, schenket: der Vater, zu ihrem liebreichen Vater; der Sohn, zu ihrer Gerechtigkeit; der Heilige Geist, zu ihrem Tröster und Heiligmacher. Solches ewige allerhöchste Gut, Gott, besitzen, ist die ewige allerhöchste Seligkeit. 

Matth. 28,19. S. oben Fr. 973. 

 

1006. IN WAS GÜTERN WIRD ABER SOLCHE SELIGKEIT BESESSEN?

 

Der Güter der Seligkeit sind vornehmlich drei, nach der Zahl und Ordnung der dreien göttlichen Personen: die gnadenreiche Kindschaft des Vaters, die Gerechtigkeit Jesu Christi, und die kräftige Beiwohnung des Heiligen Geistes. 

 

1007. WAS IST ALSO DAS ERSTE GUT DER SELIGKEIT IN DER TAUFE?

 

Dass der himmlische Vater uns, die wir von Natur allein verlorne Adamskinder waren, in Christo zu seinen Kindern in der Taufe annimmet, und darzu wiedergebieret. 

 

Gal. 3,26.27: Ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christum Jesum; denn wie viel eurer getauft sind, die haben Christum angezogen. 

 

1008. WAS IST DAS ANDERE GUT DER SELIGKEIT?

 

Dass, weil wir Jesum Christum angezogen haben (A), er ganz unser eigen wird, wie er uns von Gott gemacht ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung (B). Also auch, dass wir ihm, als die Reben dem rechten Weinstock einverleibet werden, hinfort aus ihm allen Saft zu empfangen (C). 

 

(A)

Gal. 3,27. S. Fr. 1007. 

 

(B)

1 Kor. 1,30. 

 

(C)

Joh. 15,4: Bleibet in mir, und ich in euch. Gleichwie der Rebe kann keine Frucht bringen von ihm selber, er bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir. 

 

1009. WELCHES IST DAS DRITTE GUT?

 

Dass der Heilige Geist sich über einen Täufling reichlich ausgießet (A), und damit die Wohnung bei ihm nimmet (B), nachmal stetig bei ihm zu wohnen, und alles Gute in ihm zu wirken, als sein Lehrer, Leiter und Tröster (C). 

 

(A)

Tit. 3,6. S. unten Fr. 1019. 

 

(B)

1 Kor. 2,16: Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet?

 

(C)

S. oben Fr. 722. u. f. 

 

1010. WAS FLIESSET ABER AUS SOLCHEN HAUPTGÜTERN?

 

Unzählig viele andere. Aus der Kindschaft Gottes (A) fließet göttliche Gnade, seine väterliche Liebe, unsere notwendige Versorgung in dem Zeitlichen, Sorge für unser Heil, Geduld mit unserer Schwachheit, gnädiges Schonen in unserem ganzen Leben, je nachdem ers uns gut zu sein befindet, und das ewige Erbe: aus der Gerechtigkeit Jesu Christi (B) fließet unsere Versöhnung, ewige Vergebung der Sünden, Friede, Freiheit von dem Gesetz, Vereinigung mit ihm, als dem Haupt, Gemeinschaft aller seiner Güter und seiner Herrlichkeit: aus der Beiwohnung des heiligen Geistes (C) fließet göttliche Erkenntnis, Glaube, Freude in dem heiligen Geist, und alle übrigen desselben Früchte. 

 

(A)

1 Joh. 3,1: Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, dass wir Gottes Kinder sollen heißen!

Ps. 103,13.14: Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Denn er kennet was für ein Gemächte wir sind; er gedenket daran, dass wir Staub sind. 

Mal. 3,17: Sie sollen des Tages, den ich machen will, mein Eigentum sein; und ich will ihrer schonen, wie ein Mann seines Sohnes schonet, der ihm dienet. 

Jer. 31,20: Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn, und mein trautes Kind? Denn ich gedenke noch wohl daran, was ich ihm geredet habe; darum bricht mir mein Herz gegen ihn, dass ich mich sein erbarmen muss. 

Hebr. 12,9.10: So wir haben unsere leiblichen Väter zu Züchtigern gehabt, und sie gescheuet, sollten wir denn nicht vielmehr untertan sein dem geistlichen Vater, dass wir leben? Und jene zwar haben uns gezüchtiget wenige Tage nach ihrem Dünken, dieser aber zu Nutz, auf dass wir seine Heiligung erlangen. 

Kol. 1,12: Danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht. 

Röm. 8,17: Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben, und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf dass wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. 

Matth. 6,32: Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr deß alles bedürfet. 

 

(B)

Röm. 5,1.2: Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Friede mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, durch welchen wir auch einen Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darinnen wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll. V. 10.11: Denn so wir Gott versöhnet sind durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren, vielmehr werden wir selig werden durch sein Leben, so wir nun versöhnet sind. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes, durch unsern Herrn Jesum Christum, durch welchen wir nun die Versöhnung empfangen haben. 

Röm. 8,1.2: So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach den Fleische wandeln, sondern nach dem Geist. Denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig machet in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. 

Gal. 5,1: So bestehet nun in der Freiheit, damit uns Christus befreiet hat, und lasset euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen. 

Eph. 5,30-32: Wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinem Gebeine. Um deswillen wird ein Mensch verlassen Vater und Mutter, und seinem Weibe anhangen, und werden zwei Ein Fleisch sein. Das Geheimnis ist groß; ich sage euch aber von Christo und der Gemeine. 

Röm. 8,17: Wir sind Miterben Christi. 

Joh. 17,22: Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind. 

 

(C)

S. oben in dem dritten Artikel Fr. 708ff. und 702ff. 

 

1011. WANN BEKOMMEN WIR ABER SOLCHE GÜTER?

 

Sie werden uns in der Taufe nicht nur bedeutet, auch nicht erst aufs künftige versprochen, sondern Gott schenket sie uns in der Taufe. 

 

1012. SIND WIR DENN SCHON SELIG IN DIESEM LEBEN?

 

Ja: denn wer seinen Gott hat, und dergleichen teure Güter in und von ihm besitzet, sollte der nicht selig sein?

 

Tit. 3,5: Nach seiner Barmherzigkeit machet er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes. 

Röm. 8,24: Wir sind wohl selig, doch in der Hoffnung. 

 

1013. IST ABER DIE SELIGKEIT HIER IN DIESEM LEBEN, UND DORT IN DER EWIGKEIT EINERLEI?

 

Es ist eine einige Seligkeit, wie nur ein einiger Gott ist, aber der Besitz derselben ist anders in der Zeit, anders in der Ewigkeit. Hier in dem Reich der Gnaden ist unsere Seligkeit andern und uns ziemlichermaßen verborgen, dass wir sie nicht vollkommen verstehen, noch derselben vollkommen genießen können, sondern sie wird durch die Sünde und allerhand Kreuz sehr verdunkelt; auch sind wir hier noch etlicher Güter derselben nicht fähig, mögen auch das einmal Gehabte wiederum verlieren: dorten aber in der Ewigkeit soll uns unsere Seligkeit aufgedecket, und der ganzen Welt offenbaret, und wir in den vollkommensten Genuss derselben gesetzet, auch mit noch andern Gütern, deren wir zuvor nicht fähig waren, als da ist die Verklärung der Leiber, beseliget werden, und zwar alles außer Gefahr, dieselben wiederum zu verlieren. 

 

1 Joh. 3,2: Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Kol. 3,3.4: Ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit.

1 Kor. 13,12: Wir sehen jetzt durch einen Spiegel, in einem dunkeln Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich es stückweise; dann aber werde ich es erkennen, gleich wie ich erkannt bin. 

 

1014. WIE KÖNNTE DIESER UNTERSCHIED AUS EINEM GLEICHNIS BESSER VERSTANDEN WERDEN?

 

Wo wir uns vorstellen ein Kind, welches ein Erbe bereits worden aller seiner väterlichen Güter, dass sie ihm wahrhaftig zugehören, aber es verstehet solche noch nicht, wie reich es sei, kann auch seines Reichtums noch nicht völlig genießen, sondern gebrauchet allein seiner Notdurft, bis es allgemach seine Güter mehr verstehen lernet, und endlich in den völligen Besitz derselben gesetzet wird. Gleiche Bewandtnis hat es auch mit unserem Erbe der Seligkeit, so da entsprießet aus der göttlichen Kindschaft, die wir in der Taufe erlangen. 

 

1015. WAS ISTS ABER FÜR EINE SELIGKEIT?

 

Eine ewige Seligkeit, welche, ob wir sie wohl durch unsere eigene Schuld wiederum verlieren können, gleichwohl an sich selbst ewig ist, und nicht aus vergänglichen, sondern aus unvergänglichen Gütern bestehet: welche auch Gott uns nicht wieder nehmen will, da er sie einmal geschenket, es sei denn, dass wir sie selbst wegwerfen. 

 

1 Petr. 1,4: Zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. 

 

1016. WIE LANG BEHÄLT ABER DER MENSCH SOLCHE SELIGKEIT?

 

So lang er in dem Glauben bleibet, als welcher allein die Hand ist, damit wir solche Güter in der Taufe annehmen und behalten. Darum, so er in dem Glauben bis an sein Ende beharret, behält er auch solche Güter bis in Ewigkeit. 

 

2 Joh. V. 8: Sehet euch vor, dass wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangen. 

1 Petr. 1,5: Euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit, welche zubereitet ist, dass sie offenbar werde zur letzten Zeit. 

 

1017. TUT ABER DIE TAUFE AUCH ETWAS ZU DEM GLAUBEN?

 

Ja, indem bei denjenigen, wo der Glaube bereits gewesen, die Taufe denselben stärket und versiegelt; bei jungen Kindern aber wirket sie den Glauben: denn weil der Heilige Geist über sie in der Taufe ausgegossen wird, sie kräftig wiedergebieret, und bei den Täuflingen seine Wohnung nimmet, so ist der Glaube die Seele solcher neuen wiedergebornen Menschen. 

 

1018. SO NUN DER MENSCH DEN GLAUBEN WIEDERUM DURCH ABFALL UND RUCHLOSIGKEIT VERSTÖSSET, BLEIBET IHM DANN NOCH SEINE SELIGKEIT?

 

Es bleibet zwar dieselbe, und also in derselben der Bund von Gottes Seiten fest stehen, daher er auch noch den Weg, so lang er in der Zeit der Gnaden ist, zur Buße und Rückkehr offen hat, und ist die Buße nichts anders, als ein neuer Eintritt in den alten Bund: aber von seiner Seite, in solchem unbußfertigen Stande, hat er von solcher Seligkeit nichts mehrers zu genießen, als diejenigen, die niemals getaufet worden, ja noch so viel schwerere Verdammnis, weil er solche teuere Güter verschmähet hat. 

 

Röm. 3,3: Sollte ihr Unglaube Gottes Glauben aufheben? Das sei ferne! 

2 Tim. 2,13: Glauben wir nicht, so bleibet er getreu; er kann sich selbst nicht leugnen. 

Röm. 11,29: Gottes Gaben und Berufung mögen ihn nicht gereuen. 

 

1019. WIE KANN ABER WASSER SOLCHE GROSSE DINGE TUN, DIE SELIGKEIT ZU SCHENKEN?

 

Wasser tuts freilich nicht, sondern das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, so solchem Worte Gottes im Wasser trauet: denn ohne Gottes Wort ist das Wasser schlecht Wasser und keine Taufe, aber mit dem Worte Gottes ist es eine Taufe, das ist, ein gnadenreich Wasser des Lebens, und ein Bad der neuen Geburt im heiligen Geist, wie St. Paulus sagt zum Titus Kap. 3: Er macht uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum unsern Heiland, auf dass wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens, nach der Hoffnung; das ist gewisslich wahr. 

 

1020. IST DENN DAS WASSER AN SICH SELBST SO KRÄFTIG?

 

Nein, es ist in seiner Natur kein ander oder kräftiger Wasser als sonsten gemein Wasser, sondern alle Kraft kommt her von dem göttlichen Worte, dadurch es zu einer heiligen Taufe wird, weil sich dadurch der Heilige Geist mit solchem Wasser vereiniget, und durch dasselbige dergleichen göttliche Werke verrichtet: auf unserer Seite aber ists allein der Glaube, der dieselbigen vortrefflichen Güter annimmet.

 

1021. WOZU WIRD DENN DIE TAUFE DURCH DAS WORT UND DEN HEILIGEN GEIST?

 

Zu einem Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes. 

 

1022. IST ABER DIE ÄUSSERLICHE WASSERTAUFE ODER SONSTEN EINE ANDERE ALLEIN INNERLICHE TAUFE SOLCHES BAD DER WIEDERGEBURT?

 

Gott hat die Wassertaufe darzu geheiliget, dass sie aus seiner Ordnung zu einer solchen nicht nur äußerlichen Abwaschung, sondern innerlichem geistlichen Bad der Wiedergeburt wird. 

 

Eph. 5,26: Auf dass er sie heiligte, und hat sie gereiniget durch das Wasserbad im Wort. 

1 Petr. 3,21: Durch das Wasser, welches nun auch uns selig machet in der Taufe, die durch jenes bedeutet ist; nicht das Abtun des Unflats am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott, durch die Auferstehung Jesu Christi. 

 

1023. WER WIEDERGEBIERET UNS DENN?

 

Die ganze heilige Dreifaltigkeit. Der Vater, als der rechte Vater über alles, das Kinder heißt im Himmel und auf Erden (A): der Sohn, der ein ewiger Vater ist, und da er uns zu Brüdern, auch zugleich zu Gottes Kindern gemacht hat (B); deswegen er auch der andere Adam ist, von dem wir unsere Abkunft sowohl in dem himmlischen Leben haben, als von dem ersten Adam das zeitliche Leben (C): der Heilige Geist, welcher sich sonderlich in solchem Werk geoffenbaret (D), aus dem wir geboren werden (E). 

 

(A)

Eph. 3,15. 

Jak. 1,17.18: Alle gute Gabe, und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und der Finsternis. Er hat uns gezeuget nach seinem Willen, durch das Wort der Wahrheit, auf dass wir wären Erstlinge seiner Kreaturen. 

Gal. 4,4.5: Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Gesetz getan, auf dass er die, so unter dem Gesetz waren, erlösete, und wir die Kindschaft empfingen. 

1 Petr. 1,3: Gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 

 

(B)

Jes. 9,6: Er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held, ewiger Vater, Friedefürst. 

Jes. 8,18: Siehe, hie bin ich, und die Kinder, die du mir gegeben hast. Hebr. 2,13. 

 

Joh. 1,12: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben. 

 

(C)

1 Kor. 15,45-47: Wie es geschrieben stehet: Der erste Mensch Adam ist gemacht ins natürliche Leben, und der letzte Adam ins geistliche Leben; aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche, darnach der geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde, und irdisch; der andere Mensch ist der Herr vom Himmel. 

Röm. 5,17: So um des einigen Sünde willen der Tod geherrschet hat durch den einen, vielmehr werden die, so da empfahen die Fülle der Gnaden und der Gaben zur Gerechtigkeit herrschen im Leben durch einen Jesum Christum. 

 

(D)

Tit. 3,5.6. S. oben Fr. 1019. 

 

(E)

Joh. 3,6: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. 

Joh. 5,4: Alles, was von (aus) Gott geboren ist, überwindet die Welt. 

 

1024. SINDS ABER NICHT AUCH DIE PREDIGER, WELCHE DIE MENSCHEN WIEDERGEBÄREN?

 

Sie sind nichts anders, als des heiligen Geistes Werkzeuge, durch welche er kräftig wirket; daher ihnen auch das Werk zugeschrieben wird. 

 

1 Kor. 4,15: Ich habe euch gezeuget in Christo Jesu durch das Evangelium. 

Gal. 4,19: Meine lieben Kinder, welche ich abermal mit Ängsten gebäre, bis dass Christus in euch eine Gestalt gewinne.

 

1025. WAS SIND DIE MITTEL SOLCHER WIEDERGEBURT?

 

Das göttliche Wort, als der lebendige Same Gottes (A), und die heilige Taufe (B), darinnen selbst das göttliche Wort in dem Wasser kräftig ist; von des Menschen Seite aber ists der Glaube (C). 

 

(A)

Jak. 1,18. S. oben Fr. 1023. 

1 Petr. 1,23: Als die da wiederum geboren sind, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das ewiglich bleibet. 

 

(B)

Joh. 3,6. S. oben Fr. 1023. 

 

(C)

Joh. 1,12. S. oben Fr. 1023. 

 

1026. WER WIRD WIEDERGEBOREN?

 

Der Mensch, der solche göttliche Mittel und deren Wirkung an sich kräftig sein lässet. 

 

1027. WAS WIRD AN DEM MENSCHEN WIEDERGEBOREN?

 

Wie der ganze Mensch Fleisch vom Fleisch geboren und verderbet ist, also muss auch der ganze Mensch durch die Wiedergeburt zu einem Kinde Gottes werden. 

 

1028. WIE GESCHIEHET ABER SOLCHE WIEDERGEBURT?

 

Dass Gott den Menschen aus Gnaden zu seinem Kind annimmet, und alsdann auf unaussprechliche Weise den Geist und neuen Menschen in ihm schafft, und damit den ganzen Menschen zu einer andern Natur verändert, dass er nunmehr aus solcher Wiedergeburt ein geistliches Leben und neue Kräfte hat, auch Gutes tun kann; welches, ob es wohl schwach und unvollkommen ist, dennoch Gott wohlgefället, weil es aus seiner Wirkung herkommet. 

 

2 Kor. 5,17: Ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur. 

Gal. 6,15: In Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern eine neue Kreatur. 

Eph. 2,10: Wir sind Gottes Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, dass wir darinnen wandeln sollen. 

 

1029. WAS FOLGET AUF DIE WIEDERGEBURT?

 

Die Erneuerung, dass, da der Mensch einmal ein geistliches Leben empfangen, dasselbige in der Erneuerung immer fortgesetzet, und noch das übrige Böse samt aller Unart mehr und mehr abgeleget wird. 

 

1 Petr. 2,1: So leget nun ab alle Bosheit, und allen Betrug und Heuchelei, und Neid, und alles Afterreden, und seid begierig nach der vernünftigen lautern Milch, als die jetzt gebornen Kindlein, auf dass ihr durch dieselbe zunehmet. 

 

1030. WIE WERDEN ALSO DIE WIEDERGEBURT UND DIE ERNEUERUNG VON EINANDER UNTERSCHIEDEN?

 

Dass jene der Anfang des geistlichen Lebens, diese aber die Fortsetzung ist: jene ist vollkommen, denn wir werden ganz zu Gottes Kindern geboren, diese aber ist unvollkommen; jene geschiehet auf einmal, an dieser hat man täglich noch zu arbeiten; durch jene erlangen, durch diese erweisen wir den Glauben; die erste geschiehet blos allein durch Gott und seine Gnade, die andere zugleich durch des Menschen geschenkte neue Kräfte. 

 

2 Thess. 1,3: Euer Glaube wächset sehr, und die Liebe eines jeglichen unter euch allen nimmt zu gegen einander. 

 

1031. WEIL DER MENSCH WIEDERGEBOREN WIRD, IST DAMIT DENN DIE ALTE GEBURT GANZ ABGETAN?

 

Ach nein, sondern es ist alsdann in einem Wiedergebornen zweierlei Natur. Es ist noch der alte Mensch aus der natürlichen Verderbnis übrig, der erst mit dem Tode abgeleget wird; hingegen ist auch der neue und innere Mensch vorhanden, welcher aus Gott geboren ist. 

 

2 Kor. 4,16: Ob unser äußerlicher Mensch verweset, so wird doch der innerliche von Tage zu Tage verneuert. 

 

1032. WIE KÖNNEN ABER SOLCHE BEISAMMEN STEHEN?

 

Sie sind einander ganz entgegen. Der alte Mensch folget seiner Vernunft, der neue will sie gefangen nehmen unter den Gehorsam Christi; der alte Mensch hat nur Lust zu dem Bösen, und einen Ekel an dem Guten, der neue aber hasset das Böse, und hat Belieben an dem Guten; der alte Mensch suchet sich in allen Dingen, der neue verleugnet sich selbst, und suchet seines Gottes Ehre und des Nebenmenschen Bestes; der alte setzet sein Wesen auf das Irdische und Zeitliche, der neue strebet allein nach dem Geistlichen und Ewigen, und erkennt in demselbigen sein Heil. Daher ist ein steter Kampf in den Wiedergebornen, dass den Geist (oder neuen Menschen) gelüstet wider das Fleisch (den alten Menschen), und das Fleisch wider den Geist. Also hindert das Fleisch, dass das Gute, was der innere Mensch zu tun sich unterstehet, nicht so vollkommen sei, als es sein sollte und er wünschet: aber dieser hindert auch, dass das Fleisch seine Lüste nicht vollbringen muss. 

 

Gal. 5,16.17: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringen; denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch; dieselbigen sind wider einander, dass ihr nicht tut, was ihr wollet. 

Röm. 7,21-25: So finde ich in mir nun ein Gesetz, der ich will das Gute tun, dass mir das Böse anhanget. Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz, nach dem inwendigen Menschen; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte, und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern. Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes? Ich danke Gott, durch Jesum Christum, unsern Herrn. So diene ich nun mit dem Gemüte dem Gesetze Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünden. 

 

S. oben Fr. 732. 

 

1033. KANN DIE WIEDERGEBURT WIEDER VERLOREN WERDEN?

 

Ja, wo der Heilige Geist und Glaube verstoßen werden, so fället die Wiedergeburt dahin, und ist bei dem Menschen nichts mehr als seine alte Geburt übrig. 

 

1034. KANN ABER EIN SOLCHER MENSCH NOCHMALS WIEDERGEBOREN WERDEN?

 

Ja, wo er aus solchem geistlichen Tod wieder auferwecket wird, so ists keine bloße Erneuerung, sondern eine Wiedergeburt. 

 

Gal. 4,19. S. oben Fr. 1024. 

 

1035. WORAN WIRD ABER DIE WIEDERGEBURT, UND DASS DER MENSCH NOCH IN DERSELBEN STEHE, ERKANNT?

 

An dem, wo der Mensch alles Vertrauen seiner eigenen Gerechtigkeit fahren lässet, und in der Gerechtigkeit Jesu Christi, die ihm in der Wiedergeburt geschenket worden, seine Seligkeit erkennet (A). Sodann, wo er sein Leben nicht mehr nach den Lüsten des Fleisches und der Welt, sondern nach dem Willen Gottes zu führen trachtet, sich nicht allein äußerlicher guter Werke befleißet, sondern auch in dem Innern zuzunehmen angelegen sein lässet (B): sonderlich aber das Leben seines Jesu zu einer Richtschnur seines ganzen Lebens sich vorstellet, und solchem nachleben will (C). 

 

(A)

Gal. 2,19-21: Ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, auf dass ich Gott lebe; ich bin mit Christo gekreuziget. Ich lebe, aber doch nun nicht Ich, sondern Christus lebet in mir; denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat, und sich selbst für mich dargegeben. Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn so durch das Gesetz die Gerechtigkeit kommt, so ist Christus vergeblich gestorben. 

Phil. 3,7-9: Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet; denn ich achte es alles für Schaden gegen die überschwängliche Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn; um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet, und achte es für Kot, auf dass ich Christum gewinne, und in ihm erfunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christum kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. 

 

(B)

Gal. 5,25: So wir im Geist leben, so lasset uns auch im Geist wandeln. 

Röm. 12,2: Verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gottes Wille.

1 Petr. 1,13-17: Darum so begürtet die Lenden eures Gemüts; seid nüchtern, und setzet eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird durch die Offenbarung Jesu Christi, als die gehorsamen Kinder, und stellet euch nicht gleich wie vor hin, da ihr in der Unwissenheit nach den Lüsten lebtet, sondern nach dem, der euch berufen hat, und heilig ist, seid auch ihr heilig in all eurem Wandel; denn es stehet geschrieben: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig. Und sintemal ihr den zum Vater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet, nach eines jeglichen Werk, so führet euren Wandel, so lange ihr hie wallet, mit Furcht. 

 

(C)

Eph. 5,1.2: So seid nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder; und wandelt in der Liebe, gleich wie Christus uns hat geliebet, und sich selbst dargegeben für uns zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. 

 

1036. WAS BEDEUTET DAS WASSERTAUFEN?

 

Es bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden, und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten; und wiederum täglich heraus kommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe. 

 

1037. WO STEHET DAS GESCHRIEBEN?

 

St. Paulus zu den Römern am 6. spricht: Wir sind samt Christo durch die Taufe begraben in den Tod, auf dass, gleich wie Christus ist von den Toten auferwecket durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. 

 

1038. WIE PFLEGTEN DIE ALTEN CHRISTEN IN DER ERSTEN KIRCHE ZU TAUFEN?

 

Also, dass der Mensch allerdings unter dem Wasser getaucht, und nachmal wieder herausgezogen wurde, nicht anders, ob würde er ersäuft, und wiederum hervor gezogen, worauf diese Bedeutung siehet. Es ist aber nachmal solche Zeremonie, sonderlich in den Abend- und mitternächtlichen Ländern, wo es wegen der Kälte nicht wohl geschehen konnte, geändert, und das bloße Begießen, welches gleichwohl auch taufen heißet, eingeführet worden. 

 

1039. WAS IST DENN DIE BEDEUTUNG SELBST?

 

Das Untertauchen bedeutet die Tötung des alten Adams, das Herausziehen das neue Leben, oder Herauskommen des neuen Menschen. 

1040. WER SOLL NUN GETÖTET WERDEN?

 

Der alte Adam, das ist, die in uns wohnende Erbsünde mit allen ihren Lüsten und sündlichen Bewegungen. 

 

Gal. 5,24: Welche Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden. 

 

1041. WODURCH GESCHIEHET SOLCHES TÖTEN?

 

Durch tägliche Reue und Buße. 

 

1042. WIE IST DIESES ZU VERSTEHEN?

 

Es ist unser alter Adam, als ein böses schädliches Tier, zuerst in der Taufe untergetaucht, der Anfang an seinem Töten gemacht, und ihm die Herrschaft genommen worden: weil er aber nicht ganz tot ist, sondern die bösen Neigungen annoch sich in uns regen, und bald zu diesem, bald jenem Bösen uns reizen, so stößet er, so zu reden, allemal den Kopf wiederum aufs neue hervor, und schöpfet Luft; da ist unsere Gebühr, dass wir ihn gleichsam wiederum hinab stoßen durch Reue und Buße, dass wir nämlich alsobald erkennen, diese und jene böse Neigung und Reizung sei eine Bewegung unseres alten Adams, worüber wir uns billig zu betrüben haben, dass solcher noch so viel Gewalt an uns haben solle, uns zu dem Bösen zu treiben; auch gleich solchen Lüsten widerstehen, und sie nicht ins Werk setzen, oder wo wir ja wären damit übereilet worden, uns solche Sünde lassen herzlich leid sein, darüber betrübt und ihr feind werden, sie Gott abbitten, und alsobald den heiligen Vorsatz fassen, in der Kraft Christi solcher Sünde ins künftige so viel ernstlicher zu widerstehen, und sie nimmermehr mit Willen zu begehen. Damit töten wir bald diese bald jene böse Lust des alten Adams, bis wir endlich mit dem Ende dieses sündlichen Lebens seiner ganz los werden. 

S. oben Fr. 318. 323. 

 

1043. WANN HABEN WIR SOLCHEN ALTEN ADAM ZU TÖTEN?

 

Alle Tage unseres Lebens: denn ob wir wohl nicht alle Tage wirklich seine Lüste tun, so fühlen wir sie doch täglich in uns. Daher eines Christen Leben eine tägliche Übung seiner Taufe, und also eine stete Buße sein soll. 

 

1044. WAS SIND ABER DIE MITTEL SOLCHER TÖTUNG?

 

Alle diejenigen, welche die Buße befördern, als: 1. das göttliche Gesetz, und aus demselben die Erkenntnis der Sünde, und göttlichen Zorns wider dieselbe, welchen wir durch Vollbringung der Sünde auf uns geladen haben. 2. Die Betrachtung der göttlichen Wohltaten aus dem Evangelio, damit daraus eine Liebe gegen Gott, und aus derselben eine Scham und Betrübnis, dass wir ihn mit Sünden beleidiget haben, erweckt werde. Sodann 3. allerhand von Gott zukommendes Kreuz, welches, wie es dem äußerlichen Menschen wehe tut, also ein treffliches Mittel ist, den alten Adam auch geistlicher Weise mehr und mehr zu kreuzigen. Hierher gehören von des Menschen Seite fleißige und tägliche Forschung seines Lebens nach solchem Gesetz und Evangelio, wie man immer vor Gott stehe, Beobachtung seines Lebens und des alten Adams Bewegungen, Lesung göttlichen Worts, Gebrauch des heiligen Abendmahls, willige Übernehmung des Kreuzes, und dergleichen. 

 

1045. VERMÖGEN WIR SOLCHES ZU TUN?

 

Für uns selbst vermögen wir solches nicht; weil aber unser Heiland die Kraft seines Leidens und Todes in die Taufe geleget hat, so gibt sie uns die Kraft, und tötet der Tod Christi unseren alten Adam. 

 

1046. WAS BEDEUTET ABER DIE HERAUSZIEHUNG ODER AUFERSTEHUNG AUS DER TAUFE?

 

Die Herauskunft des neuen Menschen. 

 

1047. WIE GESCHIEHET SOLCHE?

 

Wo wir nicht nur uns befleißen, das Fleisch und seine Lüste zu kreuzigen, sondern auch emsig sind, in dem Geiste gestärkt zu werden, und dessen Früchte reichlicher zu bringen, auch mit Willen keine Gelegenheit des Guten zu versäumen, hingegen immerfort völliger zu werden, 1 Thess. 4,1. 

 

1048. VERMÖGEN WIR ABER SOLCHES ZU TUN?

 

Auch dieses vermögen wir nicht aus uns selbst; weil aber die Kraft der Auferstehung Christi eben so wohl auch in die Taufe geleget ist, so erlangen wir aus derselben täglich neue Kraft und Geist, in dem neuen Leben nicht still zu stehen, sondern mit Eifer fort zu wandeln. 

 

Kol. 2,12: Ihr seid mit Christo begraben durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden, durch den Glauben, den Gott wirket, welcher ihn auferwecket hat von den Toten. 

 

1049. AUF WIE LANGE ERSTRECKET SICH DIE KRAFT DER TAUFE?

 

Gott schenket uns seine Güter in derselben auf ewig, der Mensch aber behält sie hie in diesem Leben, so lang er in dem Glauben bleibet. Daher gehet die Taufe nicht allein auf die Kindheit, sondern auf das ganze Leben. 

 

1050. WIE GEHET DENN DIE TAUFE AUF DAS GANZE LEBEN?

 

Nicht, dass man zum öftern müsste getauft, und solches Sakrament so oft wiederholet werden, als wir den Glauben durch herrschende Sünden verloren haben, da die Wiederkehr in den Taufbund durch wahre Buße und Bekehrung, ohne solche Wiederholung, genug ist, sondern weil wir uns der Taufe in dem ganzen Leben zu gebrauchen haben. 

 

1051. WAS IST ABER DER GEBRAUCH DER TAUFE IN UNSEREM LEBEN?

 

Ein doppelter Gebrauch, dass derselben stetige Betrachtung das gottselige Leben befördert, in Abhaltung von allem Bösen, und Antrieb zu dem Guten, und dann, dass sie uns einen steten lebendigen Trost gibet. 

 

1052. WIE HÄLT UNS NUN DIE BETRACHTUNG DER TAUFE VON ALLEM BÖSEN AB, UND ZU DEM GUTEN AN?

 

Wenn wir erwägen unseren mit Gott gemachten Bund, die Güter, die wir in der Taufe empfangen haben, den Schaden, welcher aus der Versäumnis, und den Nutzen, der aus der Beobachtung unserer Schuldigkeit entstehen würde. 

 

1053. WAS HABEN WIR DENN FÜR EINEN BUND IN DER TAUFE MIT GOTT GEMACHT?

 

Dass uns Gott die Seligkeit versprochen, und bereits wirklich geschenket hat: dagegen wir ihm Glauben und Gehorsam versprochen haben. 

 

1 Petr. 3,21: Nicht das Abtun des Unflats am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott, durch die Auferstehung Jesu Christi. 

 

1054. WIE, HABEN WIR DENN GOTT ETWAS VERSPROCHEN?

 

Ja, indem von uns, oder in unserm Namen das Bekenntnis geschehen, dass wir dem Teufel und allen seinen Werken, samt der weltlichen Üppigkeit entsagen, hingegen an Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist glauben. 

 

1055. SIND WIR AN SOLCHEN BUND GEHALTEN?

 

Ja freilich: wie Gott seinen Bund unverbrüchlich hält, also sollen wir auch uns lassen angelegen sein, den unsrigen zu halten: daher, so oft wir zu Sünden gereizet werden, oder Gelegenheit zu dem Guten sehen, solchen Bund erwägen, und aus Ansehung dessen Gott gehorsam bleiben. 

 

1056. WIE MÖGEN UNS DIE EMPFANGENEN GÜTER ZUR GOTTSELIGKEIT ANTREIBEN?

 

Die göttliche Kindschaft treibet uns also, dass wir gedenken, wir seien nicht Kinder des Satans, dessen Werk wir tun müssten, noch bloße Adamskinder, die zu dem Guten untüchtig wären, sondern wir seien Kinder Gottes; daher wir unseren himmlischen Vater lieben und ehren (A), ihm und seinem Exempel nachfolgen (B), von seinem Geist uns regieren lassen (C), und unsern hohen Adel mit unziemlichen Leben nicht beflecken (D), noch verursachen sollen, dass sich der himmlische Vater seiner Kinder schämen müsse. 

 

(A)

Mal. 1,6: Bin ich Vater, wo ist meine Ehre?

 

(B)

Eph. 5,1: So seid nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder. 

Matth. 5,48: Ihr sollt vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist. 

 

(C)

Röm. 8,14: Welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. 

 

(D)

1 Thess. 2,12: Ihr sollt wandeln würdiglich vor Gott, der euch berufen hat zu seinem Reich, und zu seiner Herrlichkeit. 

 

1057. WIE MAG UNS ABER DIE IN DER TAUFE EMPFANGENE GERECHTIGKEIT JESU CHRISTI UND VEREINIGUNG MIT IHM ZUR GOTTSELIGKEIT REIZEN?

 

Dass wir solches Ehrenkleid nicht wiederum mit mutwilligen Sünden beflecken, noch von uns werfen (A). Wir sind durch ihn versetzt in das Reich der Gerechtigkeit, und also sollen wir auch in demselben leben, und nicht der Ungerechtigkeit dienen (B): wir sind durch Christum der Sünde gestorben, so ziemet sich nicht, derselben wiederum aufs neue zu leben (C): wir sind in Christum gepflanzet, so muss er auch in uns leben, und wir aus seiner Kraft Früchte bringen (D). 

 

(A)

2 Kor. 7,1: Dieweil wir solche Verheißungen haben, meine Liebsten, so lasset uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen, und fortfahren mit der Heiligung in der Furcht Gottes. Judä V. 23: Hasset den befleckten Rock des Fleisches. 

 

(B)

Röm. 6,13: Begebet nicht eure Glieder der Sünde, zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die da aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gott, zu Waffen der Gerechtigkeit. 

 

(C)

Röm. 6,2: Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind?

 

(D)

Gal. 2,20: Ich lebe, aber doch nun nicht Ich, sondern Christus lebet in mir. 

Joh. 15,5: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben; wer in mir bleibet, und ich in ihm, der bringet viele Frucht; denn ohne mich könnet ihr nichts tun. 

1 Joh. 2,6: Wer da saget, dass er in Christo bleibet, der soll auch wandeln, gleichwie er gewandelt hat. 

 

1058. WIE REIZET UNS DIE BEIWOHNUNG DES HEILIGEN GEISTES ZU DER GOTTSELIGKEIT?

 

So, dass wir ihm seinen Tempel nicht mit Gottlosigkeit verderben (A), und ihn austreiben oder betrüben (B): dass wir ihm sein Werk in uns lassen in der Erneuerung (C); und weil er uns zu andern Menschen durch die Wiedergeburt gemacht hat, dass wir auch ganz ein ander Leben führen, und der geschenkten Kräfte uns zum Guten gebrauchen (D). 

 

(A)

1 Kor. 3,16.17: Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet? So jemand den Tempel Gottes verderbet, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig; der seid ihr. 

 

(B)

Eph. 4,30: Betrübet nicht den Heiligen Geist Gottes, damit ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung. 

 

(C)

Tit. 3,5: Das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes. 

 

(D)

1 Petr. 1,14.15: Als gehorsame Kinder, und stellet euch nicht gleichwie vorhin, da ihr in Unwissenheit nach den Lüsten lebtet, sondern nach dem, der euch berufen hat, und heilig ist, seid auch ihr heilig in all eurem Wandel. 

1 Kor. 6,11: Solche sind eurer etliche gewesen; aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiliget, ihr seid gerecht worden, durch den Namen des Herrn Jesu, und durch den Geist unsers Gottes. 

 

1059. WIE KANN UNS INSGEMEIN DIE IN DER TAUFE ERLANGTE SELIGKEIT ZUM GUTEN ANTREIBEN?

 

So, dass wir solches große Gut nicht wieder mutwillig verlieren (A), und dass wir also wandeln, dass man an unserem Leben sehe, wir erkennen und suchen unsere Seligkeit nicht in dem Irdischen, sondern in den geistlichen und ewigen Gütern, als die allhier Pilgrimme sind aus der alten Geburt, aber nach dem Vaterlande streben, zu dem wir in der Taufe wiedergeboren sind (B). 

 

(A)

2 Joh. V. 8: Sehet euch vor, dass wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfahen. 

 

(B)

1 Petr. 1,3.4: Gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. 

Hebr. 13,14: Wir haben hie keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suchen wir. 

 

1060. KANN ABER AUCH DIE TAUFE UNS ZU EINIGEM SCHADEN GEREICHEN?

 

Ja, aus unserer Schuld: wo wir, ohnerachtet derselben Pflicht und empfangenen Güter, der Sünde wiederum freventlicher Weise dienen, so sind alle unsere Sünden viel schwerer, auch die Verdammnis größer, als bei denjenigen, welche der Gnade Gottes niemals teilhaftig waren worden. 

 

2 Petr. 2,20-22: So sie entflohen sind dem Unflat der Welt durch die Erkenntnis des Herrn und Heilands Jesu Christi, werden aber wiederum in dieselbe geflochten und überwunden, ist mit ihnen das Letzte ärger worden, denn das Erste; denn es wäre ihnen besser, dass sie den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt hätten, denn dass sie ihn erkennen, und sich kehren von dem heiligen Gebote, das ihnen gegeben ist. Es ist ihnen widerfahren das wahre Sprichwort: Der Hund frisst wieder, was er gespeiet hat, und die Sau wälzet sich wieder nach der Schwemme im Kot. 

 

1061. WAS HABEN WIR ABER FÜR NUTZEN VON DER TAUFE, SO WIR DERSELBEN GEMÄSS LEBEN?

 

Vielerlei Nutzen: 1. Dass unsere Erneuerung immer wächset, und wir daher in dem Geist stärker werden, so vielmehr, als durch den täglichen Kampf das Fleisch geschwächet wird (A). 2. Dass, ob wir wohl zu der vollkommensten Erfüllung des Gesetzes doch nicht kommen mögen, gleichwohl ein gottseliges Leben uns durch die Übung je länger je leichter und möglicher werde (B). 3. Dass, obwohl sonsten Gott nach seiner Gerechtigkeit an nichts Gefallen haben kann, was nicht vollkommen gut ist, er gleichwohl wegen seines Gnadenbundes in der Taufe, um Christi willen auch an den schwachen Werken seiner Kinder Gefallen träget, und die anklebenden Schwachheiten, wider welche sie kämpfen, ihnen nicht zurechnet (C). 4. Dass wir damit unseren Beruf und Erwählung fest zu machen (2 Petr. 1,10) und der Wahrheit unsers Glaubens versichert sind. 

 

(A)

S. oben Fr. 717. 733. 

 

(B)

S. oben Fr. 529. 

 

(C)

S. oben Fr. 359. 364. 

 

1062. WELCHES IST DER ANDERE GEBRAUCH DER HEIL. TAUFE?

 

Der Trostgebrauch, dass wir wider die Sünde, Tod, Teufel und Hölle uns derselben getrösten mögen, weil die Sünde getilget, der Tod abgetan, der Teufel überwunden, und der Hölle Macht gegen die Gläubigen durch Christum, welchen wir in der Taufe angezogen, gebrochen und zerstöret worden sei. Sodann, dass wir die Seligkeit bereits erlanget haben, die wir auch nicht verlieren werden, dafern wir sie nicht selbsten mutwillig von uns stoßen, und nur auf derselben völlige Offenbarung annoch zu warten haben. 

 

1 Kor. 1,7-9: Also, dass ihr keinen Mangel habt, an irgend einer Gabe, und wartet nur auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Christi, welcher euch wird fest behalten bis ans Ende, dass ihr unsträflich seid auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi; denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn. 

 

1063. WIE LANGE WÄHRET SOLCHER TROST?

 

Das ganze Leben durch, auch in dem Tode, in welchem uns unsere Taufe herrlich tröstet, dass, ob wir wohl jetzo das natürliche Leben ablegen, so wir aus der leiblichen Geburt gehabt haben, so bleibe doch noch das geistliche und ewige Leben aus der Wiedergeburt der heiligen Taufe, und solle jetzo so viel herrlicher werden. 

 

1064. WER ABER HAT SICH SOLCHES TROSTES ANZUNEHMEN?

 

Allein die in solchem Taufbund durch den Glauben stehen bleiben, oder in wahrer Buße wiederum darein gekehret sind. 

 

1065. WAS IST DER GEVATTERN AMT BEI DER TAUFE?

 

Diejenigen, welche nach der christlichen Kirche Gewohnheit zu Gevattern erbeten werden, haben ihr Amt darinnen, dass sie Zeugen seien solches heiligen Werks, für die Kinder, weil sie es selbst nicht zu tun vermögen, das Versprechen ablegen, für sie beten, und dermaleins zu dero geistlichen Auferziehung samt den Eltern nach Vermögen mit helfen. Daher auch allein christliche, und solche Personen, die dieses zu tun tüchtig sind, darzu genommen werden sollen. 

 

- FORTSETZUNG -