Erstes Hauptstück

 

IN JESU NAMEN! AMEN.

 

1. WAS SOLL UNSERE ALLERGRÖSSTE UND BESTÄNDIGE SORGE SEIN?

 

Dass wir mögen im Leben, Sterben und nach dem Tod, und also in Zeit und Ewigkeit, mit Gott, als unserem alleinigen höchsten Gut unzertrennlich vereiniget sein. 

 

Joh. 17,20.21: Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden; auf dass sie alle eins seien, gleich wie du, Vater, in mir, und ich in dir; dass auch sie in uns eins seien, auf dass die Welt glaube, du habest mich gesandt. 

 

2. WER ZEIGET UNS DEN WEG ZU SOLCHER VEREINIGUNG?

 

Nicht unsere Vernunft, welche bei allen Menschen verderbt, und in geistlichen Dingen voller Blindheit und Ungewissheit ist, sondern allein Gottes heiliges geoffenbartes Wort. 

 

Eph. 4,18 stehet von den Heiden, dergleichen aber alle Menschen von Natur sind: Welcher Verstand verfinstert ist, und sind entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist, durch die Blindheit ihres Herzens. 

 

3. WO FINDEN WIR GOTTES WORT?

 

Allein in der Heil. Schrift Alten und Neuen Testaments. 

 

4. WOBEI ERKENNEN WIR SICHERLICH, DASS DIESE SCHRIFT DAS EIGENTLICHE WORT GOTTES IN SICH BEGREIFT?

 

Dabei: 1. Weil dieselbige von den Propheten und Aposteln aus Eingeben des Heil. Geistes verfasst ist. 2 Petr. 1,21: Die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem Heil. Geist. 2 Tim. 3,16.17: Alle Schrift von Gott eingegeben ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, dass ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt. 2. Weil sie neben dem, dass sie von künftigen Dingen solche ausführliche Weissagungen, die viele hundert Jahre vor der Erfüllung geschehen sind, in sich fasst, auch sonst von den Geheimnissen, die Fleisch und Blut nicht offenbaren konnte, herrlich, einmütig, deutlich, kräftig und zur Überzeugung des menschlichen Herzens handelt. Sie lehret bei ihrer Einfalt kräftiger, als keine Weltweisheit, den innersten Grund der Seele reinigen, und zu Gott, der höchsten Vollkommenheit, seliglich zu kehren, verspricht die ewigen Güter nach diesem Leben, zeiget und gibt auch die göttlichen Mittel dazu, welche außer der Schrift nicht bekannt sein könnten. 3. Weil der Heil. Geist in den Herzen derjenigen, welche dieselbe mit Andacht, ohne Widerstand, und mit gottseligem Gehorsam lesen, kräftig derselben Wahrheit versiegelt. 1 Joh. 5,6: Der Geist ists, der da zeuget, dass Geist Wahrheit ist. 4. Weil sie das Zeugnis der christlichen Kirche vom Anfang her gehabt hat, und derselben Wahrheit mit vieler tausend Märtyrer Blut bestätiget worden ist. 

 

5. WER SOLL DENN IN DER HEIL. SCHRIFT LESEN?

 

Alle die ihres Heils und gewisser Erkenntnis des göttlichen Willens, und also endlich mit Gott, ihrem höchsten Gut, vereiniget zu werden begierig sind. Joh. 5,39: Suchet in der Schrift, denn ihr meinet ihr habt das ewige Leben darinnen; und sie ists, die von mir zeuget. 

 

6. GEHET SOLCHES VIELLEICHT NUR DIE LEHRER AN?

 

Nein, sondern auch die Zuhörer, auf dass sie ihrer Prediger Lehre gegen die Schrift halten und prüfen. Apostg: 17,11 stehet von denen zu Beroen: Sie nahmen das Wort auf ganz williglich, und forschten täglich in der Schrift, ob sichs also hielte. 

 

7. IST ABER NICHT DIE SCHRIFT DEN EINFÄLTIGEN ZU HOCH?

 

Nein: denn auch schon das göttliche Wort in dem Alten Testament dazu gegeben ist worden, dass es die Einfältigen unterweise (A), und dass die Väter es ihren Kindern einschärften, und davon redeten, wenn sie aufstehen (B): nun ist das Licht des neuen Testamentes noch viel klarer. So hat Christus seine Lehre nicht gerichtet auf die Weisen und Klugen dieser Welt, sondern auf die Einfältigen (C). Ja, wer Christum verstehen will, der muss mit Hintansetzung aller Weisheit, ein Kind werden (D). Paulus und alle anderen Apostel sind auch nicht ausgegangen mit hohen Worten, sondern in der Kraft Gottes, welche den Weisen verborgen, aber den Unmündigen geoffenbaret ist, nach der unerforschlichen Weisheit Gottes, welcher durch törichte Predigt zerstreuet alle Höhe, die sich erhöhet wider seine heilige Lehre vom Kreuz Christi (E). So haben auch die Apostel ihre Episteln oder Briefe an ungelehrte einfältige Leute geschrieben, welche den Verstand derselben nicht aus heidnischen Wissenschaften hätten lernen können, vielmehr haben sie vor heidnischem Schulgezänk und Wortkriegen gewarnet (F). 

 

(A)

Ps. 19,8: Das Zeugnis des Herrn ist gewiss, und macht die Albernen weise. 

Ps. 119,130: Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreuet es, und machet klug die Einfältigen. 

 

(B)

5 Mos. 6,6.7: Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen, und sollst sie deinen Kindern einschärfen, und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzest, oder auf dem Wege gehest, wenn du dich niederlegest oder aufstehest. 

 

(C)

Matth. 11,25.26: Zu derselben Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erden, dass du solches den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den Unmündigen geoffenbaret. Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. 

 

(D)

Matth. 18,3: Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, dass ihr euch umkehret, und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Luk. 18,17: Wahrlich, ich sage euch, wer nicht das Reich Gottes nimmt als ein Kind, der wird nicht hineinkommen. 

 

(E)

1 Kor. 2,1.2: Ich, lieben Brüder, da ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch zu verkündigen die göttliche Predigt. Denn ich hielt mich nicht dafür, dass ich etwas wüsste unter euch, ohne allein Jesum Christum den Gekreuzigten. V. 4.5: Mein Wort und meine Predigt war nicht in vernünftigen Reden menschlicher Weisheit, sondern in Beweisung des Geistes und der Kraft. Auf dass euer Glaube bestehe nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft. 

2 Kor. 10,4.5: Die Waffen unserer Ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern mächtig vor Gott, zu verstören die Befestigungen, damit wir verstören die Anschläge, und alle Höhe, die sich erhebt wider das Erkenntnis Gottes, und nehmen gefangen alle Vernunft unter den Gehorsam Christi. 

 

(F)

Kol. 2,8: Sehet zu, dass euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach der Menschen Lehre, und nach der Welt Satzungen, und nicht nach Christo. 

1 Tim. 6,3-5: So jemand anders lehrt, und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unseres Herrn Jesu Christi, und bei der Lehre von der Gottseligkeit, der ist verdüstert, und weiß nichts, sondern ist seuchtig in Fragen und Wortkriegen, aus welchen entspringt Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn, Schulgezänke solcher Menschen, die zerrüttete Sinne haben, und der Wahrheit beraubt sind, die da meinen, Gottseligkeit sei ein Gewerbe. Tue dich von solchen. 

2 Tim. 3,7: Sie lernen immerdar, und können nimmer zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 

 

8. IST DIE SCHRIFT NICHT DUNKEL UND UNVERSTÄNDLICH?

 

Obschon unserem noch verfinsterten Verstand vieles in derselben dunkel und schwer vorkommt, wird doch solche durch des Heil. Geistes Erleuchtung endlich so klar, deutlich und verständlich, dass alle Menschen den Rat von ihrer Seligkeit daraus genugsam erkennen können, und dazu keines menschlichen Lehrers, dessen Auslegung sie um seinetwillen glauben müssten, bedürfen. 

 

Ps. 119,105: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte, und ein Licht auf meinem Wege.

2 Petr. 1,19: Wir haben ein festes prophetisches Wort, und ihr tut wohl, dass ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. 

 

9. SO ES ABER ÜBER DER SCHRIFT SELBST EINIGEN STREIT GIBT, WER SOLL DA RICHTEN?

 

Die Schrift selbst. Denn so unser Heiland zu seiner Zeit die Leute an Mosen und die Propheten verwiesen hat (A), so wird man wohl auch heutzutage keinen bessern Richter erwählen können, vornehmlich da ihre ersten Bücher durch Christum selbst und seine Jünger sind ausgelegt worden (B). 

 

(A)

Joh. 5,39: Suchet in der Schrift etc. Luk. 16,29.31: Sie haben Mosen und die Propheten etc.

 

(B)

Luk. 24,27: Und fing an von Mose und allen Propheten etc. 

 

10. WAS WIRD ABER DAZU ERFORDERT, DASS WIR DIE SCHRIFT, DIE WIR LESEN, AUCH RECHT VERSTEHEN MÖGEN?

 

1. Andächtiges Gebet um des Heil. Geistes Gnade, ohne die wir die göttliche Weisheit der Schrift nicht verstehen können (A). 2. Fleißige Aufmerksamkeit auf alle Worte der Schrift: sonderlich, dass man das Vorhergehende mit dem Nachfolgenden wohl überlege, mit Betrachtung der Umstände, welche eben an selbigem Orte aufgezeichnet sind (B). 3. Herzliche Begierde, von Gott die Wahrheit einfältig zu lernen (C). 4. Eifriger Vorsatz, den Willen Gottes, den wir in der Schrift erkennen, auch in das Werk zu setzen, und auf solchen auch wirklicher Gehorsam, wo wir ihn zu erkennen angefangen haben (D). 5. Zueignung auf sich selbst desjenigen, was man liest, als sei es von Gott zu uns geredet. Wie denn weder Lehre, noch Befehl, noch Vermahnung, noch Warnung, noch Trost in der Schrift gefunden wird, die nicht in gewisser Ordnung einen jeglichen mitangehen, dass also das Lesen in derselben ein lauteres Gespräch mit Gott und Vernehmung seiner Antwort sein muss (E). 

 

(A)

1 Kor. 2,12: Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist. 

Luk. 11,13: So ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie vielmehr wird der Vater im Himmel den Heil. Geist geben denen, die ihn bitten. Eph. 1,17.18: Dass der Gott unsers Herrn Jesu Christi, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung zu seiner selbst Erkenntnis, und erleuchtete Augen eures Verständnisses, dass ihr erkennen möget, welches da sei die Hoffnung eures Berufs, und welcher sei der Reichtum seines herrlichen Erbes an seinen Heiligen. 

 

(B)

Matth. 24,15: Wer das lieset, der merke darauf. 

 

(C)

Matth. 11,25. S. Fr. 7. 

 

(D)

Joh. 7,17: So jemand will den Willen tun (deß, der mich gesandt hat), der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede. Joh. 14,21: Wer meine Gebote hat, und hält sie, der ists, der mich liebet. Wer mich aber liebet, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben, und mich ihm offenbaren. Ps. 111,10: Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. Weish. 1,4.5: Die Weisheit kommt nicht in eine boshaftige Seele, und wohnet nicht in einem Leibe, der Sünde unterworfen. Denn der Heil. Geist, so recht lehret, fleucht die Abgöttischen, und weicht von den Ruchlosen, welche gestrafet werden mit den Sünden, die über sie verhänget werden. 

 

(E)

Röm. 15,4: Was vorhin geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. 

Röm. 4,23.24: Das ist aber nicht geschrieben allein um seinetwillen, dass es ihm zugerechnet ist, sondern auch um unsertwillen, welchen es soll zugerechnet werden. 

1 Kor. 10,11: Solches alles widerfuhr ihnen zum Vorbilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt kommen ist. 

 

11. WER KANN DENN ZU DER SCHRIFT WAHREN, LEBENDIGEN ERKENNTNIS NICHT KOMMEN?

 

Alle, welche sie ohne herzliches Gebet lesen, und durch eignen Witz fassen und auslegen wollen: welche nicht nach aller ihrer Möglichkeit auf alle Worte und den eigentlichen Sinn des Heil. Geistes Acht geben: welche nicht bei der Einfalt und Lauterkeit der göttlichen Worte bleiben, sondern ihrer Vernunft zu viel einräumen, ihren Menschentand und vorgefasste Meinungen in die Schrift bringen, und den Verstand in die Schrift vielmehr hineintragen, als daraus lernen wollen: welche, wie gelehrt und fleißig sie auch wären, durch gottloses Leben den Heil. Geist von sich treiben, und weil sie nichts anders als nur vieles zu wissen verlangen, nach Gottes Willen sich zu schicken nicht begehren, als die aus gerechtem Gericht Gottes alsdann nur soviel mehr verwirret werden. 

 

2 Petr. 3,16: In welchen (Pauli Briefen) sind etliche Dinge schwer zu verstehen, welche verwirren die Ungelehrigen und Leichtfertigen, wie auch die andern Schriften, zu ihrer eigenen Verdammnis. 

2 Kor. 4,3.4: Ist unser Evangelium verdeckt, so ists in denen, die verloren werden verdeckt; bei welchen der Gott dieser Welt der Ungläubigen Sinne verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Klarheit Christi. 

2 Thess. 2,10.11: Dafür, dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, dass sie selig würden: darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, dass sie glauben der Lüge. 

2 Petr. 1,8.9: Wo solches reichlich bei euch ist, wird es euch nicht faul noch unfruchtbar sein lassen, in der Erkenntnis unsers Herrn Jesu Christi. Welcher solches nicht hat, der ist blind, und tappet mit der Hand, und vergisst der Reinigung seiner vorigen Sünden. 

1 Joh. 2,3.4: An dem merken wir, dass wir ihn kennen, so wir seine Gebote halten. Wer da sagt, ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in solchem ist keine Wahrheit. 

1 Joh. 4,7.8: Wer lieb hat, der ist von Gott geboren, und kennet Gott; wer nicht lieb hat, der kennet Gott nicht, denn Gott ist die Liebe.

3. Joh. v. 11: Wer Gutes tut, der ist von Gott; wer Böses tut, der siehet Gott nicht. 

 

12. KANN ABER EIN CHRIST ALLES AUS DER SCHRIFT LERNEN, WAS IHM ZUR SELIGKEIT NÖTIG IST?

 

Ja: denn sie kann machen, dass ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allen guten Werken geschickt, 2 Tim. 3,17. Und wo dann das Wort Gottes, nach dem Sinn des Herrn, klüglich ausgeteilet wird, so wird es gewiss seine Kraft erweisen, dass es sei lebendig, kräftig, schärfer denn ein zweischneidig Schwert, und durchdringet, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens, Hebr. 4,12. 

 

13. WIE WIRD DIE SCHRIFT ABGETEILET?

 

In zwei Teile: nämlich in das Alte und Neue Testament. 

 

14. WAS BEGREIFT DAS ALTE TESTAMENT?

 

Die Schriften der Propheten, darinnen verfasst ist, was Gottes Wille gewesen ist, den er an sein Volk vor der Zukunft Christi hat ergehen lassen; ingleichen, wie er selbiges regieret, und was er den Gläubigen Neuen Testaments vorher verheißen hat. 

 

15. WAS BEGREIFT DAS NEUE TESTAMENT?

 

Die Schriften der Apostel und Evangelisten, darinnen die Historie von Christo und der Aufrichtung seiner Kirche, die Lehre von der teuern Gnade in Christo, und Gottes Willen an seine Christen enthalten ist. 

 

16. WIE WIRD SONST DER INHALT DER GANZEN SCHRIFT, ODER ALLES, WAS IN DER SCHRIFT IST, NOCH ANDERS ABGETEILET?

 

In Gesetz und Evangelium. 

 

17. WAS IST DAS GESETZ?

 

Die Lehre, die uns vorhält, was Gott von uns fordert, wie wir sein, und was wir tun sollen, darüber er denjenigen, die solches vollkommen halten werden, ewigen Segen und die Seligkeit verspricht, allen aber, die es nicht vollkommen erfüllen, den Fluch und die ewige Verdammnis drohet. 

 

Gal. 3,10: Die mit des Gesetzes Werken umgehen, die sind unter dem Fluch; denn es stehet geschrieben: Verflucht sei jedermann, der nicht bleibet in allem dem, was geschrieben stehet im Buche des Gesetzes, dass ers tue. 

 

18. WAS IST DAS EVANGELIUM?

 

Die Lehre von der Gnade Jesu Christi, welcher das Gesetz zu unserer Seligkeit für uns erfüllet hat, und noch in uns erfüllet (A): wie auch die Lehre von dem Glauben, durch welchen wir dieser Gnade teilhaftig werden, und den verordneten Glaubensmitteln (B). 

 

(A)

Röm. 8,3.4. Das dem Gesetz unmöglich war, (sintemal es durch das Fleisch geschwächt ward) das tat Gott, und sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches, und verdammete die Sünde im Fleisch durch Sünde, auf dass die Gerechtigkeit vom Gesetz erfordert, in uns erfüllet würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. 

 

(B)

Gal: 3,21.22: Wenn ein Gesetz gegeben wäre, das da könnte lebendig machen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesetze. Aber die Schrift hat es alles beschlossen unter die Sünde, auf dass die Verheißung käme durch den Glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. 

 

19. WAS IST DER KATECHISMUS?

 

Ein kurzer Auszug der nötigsten Lehrstücke in der Schrift, so einem Christen zu verstehen geziemen, in Frag und Antwort gestellet, dass er durch lebendige Stimme vorgetragen würde. 

 

20. WOHER HAT DER KATECHISMUS SEINE GÜLTIGKEIT?

 

Aus der Schrift selbst, aus der er gezogen ist. 

 

21. WIE WIRD ALLES, DAS AUCH IN DEM KATECHISMO BEFINDLICH IST, ABGETEILET?

 

Wiederum in Gesetz und Evangelium. Von dem ersten handeln die zehn Gebote, und der Anhang derselben, die Haustafel: von dem Evangelio die übrigen vier Hauptstücke. 

 

VON DEM GESETZ.

 

22. WIE VIELERLEI IST DAS GESETZ?

 

Wir haben in der Schrift dreierlei Gesetz: 1. Der Juden Kirchengesetz, da Gott seinem Volk vor allen andern Völkern eine gewisse Art seines äußerlichen Dienstes, in Opfern, Fasten und allerhand Zeremonien eingesetzt hat. 2. Des jüdischen Volks weltliches Gesetz, oder Polizeiordnung, wie dasselbige sollte in dem Lande seines Erbteils regieret werden, und sich in solcher Polizei einer gegen den andern verhalten. 3. Das Zuchtgesetz, oder die Lehre von der Pflicht und Schuldigkeit aller Menschen, dessen kurzer Auszug in den zehn Geboten anzutreffen. 

 

23. GEHET UNS DAS JÜDISCHE KIRCHENGESETZ NOCH AN?

 

Nein: dieweil es hat aufhören sollen, wann durch Christum solches alten Gottesdienstes Schattenwerk würde erfüllet, und der Unterschied zwischen Juden und Heiden aufgehoben sein, also dass die Heiden zu der Gemeinschaft des Reichs Gottes aufgenommen würden. Denn da der Leib kam, da musste das Schattenwerk aufhören (A), und bedurfte es keine absonderliche Art des vorigen äußerlichen Dienstes, der sich auf solchen Unterschied gründete (B). 

 

(A)

Hebr. 8,4ff: Die Priester, die nach dem Gesetz die Gaben opfern, dienen dem Vorbild und Schatten der himmlischen Güter; wie die göttliche Antwort zu Mose sprach, da er sollte die Hütte vollenden: Schaue zu, sprach er, dass du machest alles nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt ist. Nun aber hat er ein besser Amt erlanget, als der eines bessern Testaments Mittler ist, welches auch auf bessern Verheißungen stehet. Denn so jenes, das erste, untadelich gewesen wäre, würde nicht Raum zu einem andern gesucht. Denn er tadelt sie, und sagt: Siehe es kommen die Tage, spricht der Herr, dass ich über das Haus Israel und über das Haus Juda ein Neu Testament machen will, nicht nach dem Testament, das ich gemacht habe mit ihren Vätern, an dem Tage, da ich ihre Hand ergriff, sie auszuführen aus Ägyptenland; denn sie sind nicht blieben in meinem Testament, so habe ich ihrer auch nicht wollen achten, spricht der Herr. Denn das ist das Testament, das ich machen will mit dem Hause Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will geben mein Gesetz in ihren Sinn, und in ihr Herz will ichs schreiben, und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein; und soll nicht lehren jemand seinen Nächsten, noch jemand seinen Bruder und sagen: erkenne den Herrn; denn sie sollen mich alle erkennen, von dem Kleinsten an bis zu dem Größten; denn ich will gnädig sein ihrer Untugend und ihren Sünden, und ihrer Ungerechtigkeit will ich nicht mehr gedenken. Indem er sagt: ein neues, machet er das erste alt; was aber alt und überjahret ist, das ist nahe bei seinem Ende. Kol. 2,16.17: So lasset nun niemand euch Gewissen machen über Speise oder über Trank, oder über bestimmte Feiertage, oder Neumonden, oder Sabbather; welches ist der Schatten von dem, das zukünftig war, aber der Körper selbst ist in Christo. 

 

(B)

Joh. 4,23: Es kommt die Zeit, und ist schon jetzt, dass die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn er will auch haben, die ihn also anbeten. 

Apostg. 10,34.35: Nun erfahre ich mit der Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansiehet, sondern aus allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.

Eph. 2,11ff: Gedenket daran, dass ihr, die ihr weiland nach dem Fleisch Heiden gewesen seid, und die Vorhaut benannt wurdet von denen, die genennet sind die Beschneidung nach dem Fleisch, die mit der Hand geschieht, dass ihr zu derselben Zeit waret ohne Christum, Fremde, und außer der Bürgerschaft Israel, und Fremde von den Testamenten der Verheißung; daher ihr keine Hoffnung hattet, und waret ohne Gott in der Welt. Nun aber, die ihr in Christo Jesu seid, und weiland ferne gewesen, seid nun nahe worden, durch das Blut Christi. Denn er ist unser Friede, der aus beiden Eines hat gemacht, und hat abgebrochen den Zaun, der dazwischen war, in dem, dass er durch sein Fleisch wegnahm die Feindschaft, nämlich das Gesetz, so in Geboten gestellet war, auf dass er aus zween einen neuen Menschen ihm selber schaffte, und Friede machte, u.s.w. 

 

24. VERBINDET UNS DENN DAS JÜDISCHE WELTLICHE GESETZ NOCH?

 

Nein: denn dasselbe ist auch allein den Juden und ihrer Polizei gegeben, hat daher auch mit derselben aufgehört: jedoch dass es christlicher Obrigkeit frei stehet, dasjenige, so der weiseste Gesetzgeber seinem eigenen Volk verordnet, wo sie findet, dass ihres Orts dergleichen nützlich gebraucht werden kann, gleichermaßen einzuführen. Im Übrigen ist uns Gewissens halber anbefohlen, aller Obrigkeit, darunter wir leben, Gesetzen und Verordnungen nachzuleben. 

 

Röm. 13,1 schreibt Paulus an die Römer, so unter heidnischer Obrigkeit lebten: Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat; denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. V. 5: So seid nun aus Not untertan, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen. 1 Petr. 2,13.14: Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen: es sei dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm, zur Rache über die Übeltäter, und zu Lobe den Frommen. Matth. 22,21: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gotte, was Gottes ist. 

 

25. VON WEM KOMMT DAS ZUCHTGESETZ?

 

Allein von Gott, dem einigen und höchsten Gesetzgeber, der als der höchste Herr aller Menschen Macht hat zu befehlen, als der weiseste und gerechteste, was recht und gut sei, allein weislichst verstehet, als der mächtigste diejenigen, welche es übertreten, gewaltig strafen kann. 

 

Jak. 4,12: Es ist ein einiger Gesetzgeber, der kann selig machen und verdammen. 

 

26. WANN HAT GOTT DAS GESETZ GEGEBEN?

 

Bereits in der Schöpfung, oder da er den Menschen zu seinem Ebenbilde erschaffen hat, dass göttliche Weisheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit (A) in ihm hervorleuchtete. Nun ist das Gesetz ein Strahl solcher göttlichen Heiligkeit und Gerechtigkeit: wie also der Mensch zu solchem Bilde erschaffen worden, so war seine dermaßen Gott gleichförmige Natur ihm selbst das Gesetz. Davon ist noch nach dem Fall übrig geblieben nicht nur das menschliche Gewissen, sondern auch etlichermaßen eine, aber nicht völlige Erkenntnis dessen, was recht oder unrecht ist, und also des Gesetzes (B). 

 

(A)

Eph. 4,24: Ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Kol. 3,10: Ziehet den neuen Menschen an, der da erneuert wird zu der Erkenntnis nach dem Ebenbild deß, der ihn geschaffen hat. 

 

(B)

Röm. 2,14.15: So die Heiden, die das (nämlich geschriebene) Gesetz nicht haben, und doch von Natur tun des Gesetzes Werk, dieselben, weil sie das Gesetz nicht haben, sind sie ihnen selbst ein Gesetz; damit, dass sie beweisen, des Gesetzes Werk sei beschrieben in ihren Herzen, sintemal ihr Gewissen sie bezeuget, dazu auch die Gedanken, die sich unter einander verklagen oder entschuldigen. 

 

27. ISTS NACH DER ZEIT NICHT FERNER ÖFFENTLICH WIEDERHOLET WORDEN?

 

Ja, damit es nicht in Vergessen gestellet würde, sonderlich weil das, so wir von Natur davon wissen, sehr unvollkommen ist, hat es Gott folglich, da er die Kinder Israel aus Ägyptenland geführet hatte, und nun in das gelobte Land, zu dem versprochenen Erbteil, sein sonderbar Volk zu sein, einweisen wollte, in den zehn Geboten, mit seinem Finger beschrieben, denselbigen durch seinen Diener Moses, auf dem Berg Sinai unter Donner und Blitzen gegeben, und es also öffentlich wiederholet. 

 

S. 2 Mos. Kap. 19 u. 20. 

 

28. WEM HAT MOSES SOLCH GESETZ GEGEBEN?

 

Den Kindern Israel, mit welchen Gott durch ihn einen sonderbaren Bund gemacht, und daher auch ihre Kirche und Polizei mit besonderen Gesetzen versehen hat. 

 

29. GEHET ES ABER ALLEIN DIE KINDER ISRAEL AN?

 

Nein, sondern es verbindet schon allbereits von Natur alle Menschen. 

 

30. VERBINDET ES UNS ABER AUCH NOCH HEUTZUTAGE IN DEM NEUEN TESTAMENT?

 

Ja freilich, indem nicht nur die natürliche Pflicht bleibt, damit wir göttlichem Willen, der in dem Gesetz geoffenbaret ist, zum Gehorsam verbunden sind, sondern auch noch durch Christum, der deswegen deutlich von den Seinigen den Gehorsam und das Tun seiner Gebote fordert (A), uns teils größere Wohltaten erwiesen worden sind, als die Alten gehabt haben, sodann auch des Heil. Geistes Gnade und Licht in mehrem Maß gegeben ist, als den Alten. Daher das erste soviel fleißigere Dankbarkeit, das andere so viel mehrern Fleiß, solcher empfangenen Gnade zu gebrauchen, von uns erfordert. Weswegen, wo wir mutwillig in Sünden beharren, wir soviel schwerere Strafe vor den Alten zu erwarten haben (B). 

 

(A)

Luk. 6,46: Was heißet ihr mich Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?

Matth. 7,21: Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.

Gal. 2,17: Sollten wir aber, die da suchen durch Christum gerecht zu werden, auch noch selbst Sünder erfunden werden, so wäre Christus ein Sündendiener. Das sei ferne! 

Joh. 14,15: Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote. 

Joh. 14,21: Wer meine Gebote hat und hält sie, der ists, der mich liebet. V. 24: Wer aber mich nicht liebet, der hält meine Worte nicht.

Joh. 15,10: So ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote halte, und bleibe in seiner Liebe. 

1 Joh. 5,3: Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer. 

Jak. 1,25: Wer durchschauet in das vollkommene Gesetz der Freiheit, und darinnen beharret, und ist nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter, derselbe wird selig sein in seiner Tat. 

Hebr. 5,9: Christus, da er ist vollendet, ist er worden allen, die ihm gehorsam sind, eine Ursache zur ewigen Seligkeit. 

 

(B)

Luk. 12,47: Der Knecht, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen getan, der wird viel Streiche leiden müssen. 

Apostg. 17,30: Gott hat die Zeit der Unwissenheit übersehen, nun aber gebeut er allen Menschen an allen Enden, Buße zu tun. 

Hebr. 2,2.3: Denn so das Wort fest worden ist, das durch die Engel geredet ist, und eine jegliche Übertretung und Ungehorsam hat empfangen seinen rechten Lohn: wie wollen wir entfliehen, so wir eine solche Seligkeit nicht achten? Kap. 10,28.29: Wenn jemand das Gesetz Mosis bricht, der muss sterben ohne Barmherzigkeit durch zween oder drei Zeugen: wie viel, meinet ihr, ärgere Strafe wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt, und das Blut des Testaments unrein achtet, durch welches er geheiliget ist, und den Geist der Gnade schmähet. 

 

31. HAT UNS DENN CHRISTUS NICHT VON DEM GESETZ ERLÖSET?

 

Von der Verbindlichkeit oder Schuldigkeit, nach dem Gesetz heiliglich zu leben, hat uns unser Heiland so gar nicht erlöset, dass uns seine Gnade so viel mehr dazu treibt (A), und das Evangelium das Gesetz nicht aufhebt (B). 

 

(A)

Tit. 2,11.12: Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen, und züchtiget uns, dass wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen, und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt. 

Röm. 13,11ff: Weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, sintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wirs glaubten: die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbei kommen: so lasset uns ablegen die Werke der Finsternis, und anlegen die Waffen des Lichts. Lasset uns ehrbar wandeln, als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid: sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ; und wartet des Leibes, doch also, dass er nicht geil werde. 

 

(B)

Matth. 5,17.18.19: Ihr sollt nicht wähnen, dass ich kommen bin, das Gesetz und die Propheten aufzulösen; ich bin nicht kommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch, wahrlich, bis dass Himmel und Erde zergehen, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Titel vom Gesetz, bis dass es alles geschehe. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöset, und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut, und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich. Röm. 3,31: Wie? heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne: sondern wir richten das Gesetz auf. 

 

32. HAT UNS DENN CHRISTUS GAR IN NICHTS VON DEM GESETZ ERLÖSET?

 

Ja, er hat uns sofern davon erlöset (A): 1. dass wir nicht dadurch gerecht werden dürften, welches uns nicht möglich gewesen wäre, sondern durch den Glauben Christi ohne das Gesetz die Gerechtigkeit erlangeten (B); 2. dass das Gesetz diejenigen nicht mehr verfluchen noch verdammen kann, welche durch den Glauben in Christo sind (C); 3. dass das Gesetz nicht mehr den Gehorsam mit Zwang und Dringen bei den Gläubigen treibet, indem sie aus eigenem Trieb des Geistes dasjenige willig tun, was sie aus göttlicher Gnade in dem Gehorsam des Gesetzes zu tun vermögen (D). 

 

(A)

Gal. 4,4.5: Da die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Gesetz getan, auf dass er die, so unter dem Gesetz waren, erlösete, dass wir die Kindschaft empfingen. 

 

(B)

Gal. 3,21.22: S. Fr. 18. 

 

(C)

Gal. 3,13.14: Christus hat uns erlöset von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns, (denn es stehet geschrieben: Verflucht ist jedermann, der am Holz hänget), auf dass der Segen Abrahams unter die Heiden käme in Christo Jesu, und wir also den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben. Röm. 8,1: So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. 

 

(D)

1 Tim. 1,8.9: Wir wissen, dass das Gesetz gut ist, so jemand sein recht brauchet und weiß solches, dass dem Gerechten kein Gesetz gegeben ist. 

 

33. WIE IST DAS GESETZ ZU VERSTEHEN?

 

Nicht nur allein von äußerlichen Werken, sondern so, dass es den Geist und das Innerste des Menschen erfordert, als welches selbst geistlich ist, Röm. 7,14. Daher wird es nicht erfüllet mit dem Gehorsam der äußerlichen Glieder, sondern will zum allervördersten in dem Herzen gehalten sein. 

 

34. WAS IST DIE GANZE SUMMA DES GESETZES?

 

Die Hauptsumma des Gebots ist: Liebe von reinem Herzen, und von gutem Gewissen, und von ungefärbtem Glauben, 1 Tim. 1,5. 

 

35. WIE WIRD DAS GESETZ ABGETEILET?

 

In zwei Teile, nach den zweien Tafeln, darin es Gott hat verfassen lassen. 

 

36. WOVON HANDELT DIE ERSTE TAFEL?

 

Von der Liebe Gottes.

 

37. WIE LAUTET DIE SUMMA DERSELBEN?

 

Matth. 22,37: Du sollst lieben Gott deinen Herrn von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte. Luk. 10,27: und von allen Kräften. Aus 5 Mos. 6,5. 

 

38. WELCHE GEBOTE GEHÖREN DAZU?

 

Die drei ersten, oder wo der Anhang des ersten Gebots vom Verbote des Bilderdienstes absonderlich gerechnet wird, die vier ersten. 

 

39. WOVON HANDELT DIE ANDERE TAFEL?

 

Von der Liebe seiner selbst und des Nächsten. 

 

40. WIE LAUTET DERSELBEN HAUPTSUMMA?

 

Matth. 22,39: Du sollst lieben deinen Nächsten als dich selbst. Aus 3 Mos. 19,18. 

 

41. WIE VIEL GEBOTE GEHÖREN ZU DERSELBEN?

 

Die letzten sieben, oder da das neunte und zehnte zusammengezogen werden, die letzten sechs. 

 

42. WORAUF IST IN JEDEM GEBOTE ACHT ZU GEBEN?

 

Auf zwei Stücke: auf das Böse, so Gott darinnen verboten, und dann auf das Gute, so er geboten hat. 

 

43. WIE LAUTET DAS ERSTE GEBOT?

 

Ich bin der Herr dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben. 

 

44. WAS IST DAS?

 

Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen. 

 

45. WAS IST IN DIESEM GEBOTE GEBOTEN?

 

Dass wir den Herrn allein für unsern Gott halten und haben, und also Ihn über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen sollen. 

 

46. WER IST DERJENIGE, DER IN DIESEM GEBOTE REDET?

 

Der Dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist: dem also einerlei Ehre zu erweisen ist, wie drunten folgen wird. 

 

47. WESSEN GOTT IST DENN DER HERR?

 

Aller Menschen, aus dem Recht der Schöpfung und Erhaltung, indem, was im Himmel und auf Erden ist, sein Geschöpf, und Er über alles Herr ist (A): sodann auch, indem Er sich allen durch die Natur und Werke der Schöpfung geoffenbaret hat (B). 

 

(A)

Ps. 95,3ff: Der Herr ist ein großer Gott, und ein großer König über alle Götter. Denn in seiner Hand ist, was die Erde bringet, und die Höhen der Berge sind auch sein. Denn sein ist das Meer, und Er hats gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet. Kommt, lasst uns anbeten, und knien, und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat. Denn Er ist unser Gott, und wir das Volk seiner Weide, und Schafe seiner Herde.

 

(B)

Apostg. 14,17: Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat uns viel Gutes getan, und vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, und unsere Herzen erfüllet mit Speise und Freude. 

Röm. 1,19.20.21: Denn dass man weiß, dass Gott sei, ist ihnen offenbar, denn Gott hat es ihnen offenbaret, damit, dass Gottes unsichtbares Wesen, das ist, seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen, so man deß wahrnimmt an den Werken, nämlich an der Schöpfung der Welt: also dass sie keine Entschuldigung haben. Dieweil sie wussten, dass ein Gott ist, und haben ihn nicht gepreiset als einen Gott, noch gedanket, sondern sind in ihrem Dichten eitel worden, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. 

 

48. WESSEN GOTT IST DER HERR ABSONDERLICH?

 

Derjenigen, mit welchen er einen sonderbaren Bund gemacht, als da sind in dem Alten Testament die Väter (A), und nachmals das Volk Israel gewesen (B), denen er sich durch sonderbare Wohltaten und Verheißungen geoffenbaret: in dem Neuen Testament aber seine gläubige, aus allerhand Volk zu Christo versammelte Kirche (C). 

 

(A)

Daher heißt er der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, und der Gott Jakobs, 2 Mos. 3,6 und an vielen Orten mehr. 2 Mos. 6,2.3: Ich bin der Herr, und bin erschienen Abraham, Isaak und Jakob, dass ich ihr allmächtiger Gott sein wollte. 

 

(B)

Ps. 147,19.20: Er zeiget Jakob sein Wort, Israel seine Sitten und Rechte. So tut er keinen Heiden, noch lässet sie wissen seine Rechte. 

5 Mos. 7,6.7.8: Denn du bist ein heilig Volk Gott, deinem Herrn. Dich hat Gott, dein Herr, erwählet zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der Herr angenommen, und euch erwählet, dass eurer mehr wäre, denn alle Völker; denn du bist das wenigste unter allen Völkern: Sondern dass er euch geliebet hat, und dass er seinen Eid hielt, den er euren Vätern geschworen hat, hat er euch ausgeführet mit mächtiger Hand, und hat dich erlöset von dem Hause des Dienstes, aus der Hand Pharao, des Königs in Ägypten. 

5 Mos. 5,2.3: Der Herr unser Gott hat einen Bund mit uns gemacht zu Horeb; und hat nicht mit unsern Vätern diesen Bund gemacht, sondern mit uns, die wir hie sind heutiges Tages, und alle leben. 

2 Mos. 19,5.6: Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen, und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern, denn die ganze Erde ist mein; und ihr sollt mir ein priesterlich Königreich und ein heiliges Volk sein. 

 

(C)

Eph. 2,13ff: Nun aber, die ihr in Christo Jesu seid, und weiland ferne gewesen, seid nun nahe worden durch das Blut Christi. Denn er ist unser Friede, der aus beiden Eines hat gemacht, und hat abgebrochen den Zaun, der dazwischen war, in dem, dass er durch sein Fleisch wegnahm die Feindschaft, nämlich das Gesetz, so in Geboten gestellet war, auf dass er aus zweien Einen neuen Menschen in ihm selber schaffte, und Friede machte, und dass er beide versöhnte mit Gott in Einem Leibe durch das Kreuz, und hat die Feindschaft getötet durch sich selbst, und ist kommen, hat verkündiget im Evangelio den Frieden, euch, die ihr ferne waret, und denen, die nahe waren; denn durch ihn haben wir den Zugang alle beide in Einem Geist zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen, und Gottes Hausgenossen, erbauet auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinander gefüget, wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn; auf welchem auch ihr mit erbauet werdet zu einer Behausung Gottes im Geist.

 

1 Petr. 2,9: Ihr seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Tugenden deß, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht. 

 

49. WOZU VERBINDET SOLCHER BUND DIEJENIGEN, WELCHEN SICH DER HERR VOR ANDERN ZUM GOTT GEGEBEN UND GEOFFENBARET HAT?

 

Dass sie solchen ihren Gott um so viel fleißiger erkennen, und ihm um so viel ernstlicher dienen: weil sonst ihre Sünde um so viel schwerer ist, und härter gestraft wird. 

 

Röm. 2,9: Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses tun, vornehmlich der Juden, und auch der Griechen. 

Matth. 11,22: Es wird Tyro und Sydon erträglicher ergehen am jüngsten Gericht, denn euch. S. auch V. 24 von dem Sodomerlande. Auch Hebr. 6,7.8. Luk. 22,47 und oben Fr. 30. 

 

50. VERBINDET ABER DIESES ERSTE GEBOT AUCH ALLE ANDEREN MENSCHEN, DENEN SICH GOTT NICHT ABSONDERLICH GEOFFENBARET HAT?

 

Ja freilich, indem er sowohl aller Menschen Gott ist, als sich durch das Licht der Natur und die Werke der Schöpfung, auch in dem Zeugnis des Gewissens, so genugsam geoffenbaret hat, dass sie ohne Entschuldigung sind, indem sie Gott mit mehrerem Licht würde begnadet haben, wenn sie das mitgeteilte geringe Lichtlein recht gebraucht hätten. 

 

Röm. 2,12: Welche ohne Gesetz gesündiget haben, die werden auch ohne Gesetz verloren werden, und welche am Gesetz gesündiget haben, die werden durchs Gesetz verurteilt werden. 

 

51. WARUM SOLLEN WIR DEN HERRN ALLEIN ZUM GOTT HABEN?

 

Deswegen, weil Er allein wahrhaftig Gott ist, und also, wo wir andere Götter neben Ihm haben wollten, würden sie Ihm fälschlich an die Seite gesetzt, indem sie nur dem Namen nach, oder wegen einer von Ihm empfangenen Gewalt Götter genennet werden (A). So bedürfen wir auch keiner andern Götter, weil der Herr unser Gott sein will mit allem, was Er ist, hat und vermag, und ist Er allein durch sich selbst alles Gute, und haben wir demnach in Ihm alles, was wir verlangen mögen (B). Dass also diese Worte: Ich bin der Herr dein Gott, das Fundament und Hauptquelle des ganzen ersten und der übrigen Gebote sind. 

 

(A)

1 Kor. 8,4.5.6: So wissen wir nun von der Speise des Götzenopfers, dass ein Götze nichts in der Welt sei, und dass kein andrer Gott sei, ohne der Einige. Und wiewohl es sind, die Götter genennet werden, es sei im Himmel oder auf Erden, (sintemal es sind viel Götter und viel Herren,) so haben wir doch nur Einen Gott, den Vater, von welchem alle Dinge sind, und wir in ihm, und Einen Herrn Jesum Christ, durch welchen alle Dinge sind, und wir durch ihn. 

 

(B)

Ps. 23,1: Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln. 

 

52. WAS HEISST EINEN ZUM GOTT HABEN?

 

Sein höchstes Vertrauen auf ihn setzen, ihn über alles fürchten und lieben, und also aus solchem innerlichen Vertrauen, Furcht und Liebe ihm in dem ganzen Leben äußerlich dienen und gehorsamen. 

 

53. WELCHES SIND DIE HAUPTTUGENDEN, DIE IN DEM ERSTEN GEBOT VON UNS ERFORDERT WERDEN?

 

Die Furcht Gottes, seine Liebe, und das Vertrauen auf ihn. 

 

54. WAS STEHET ABER ZUM GRUND DERSELBIGEN?

 

Die wahre Erkenntnis Gottes, als ohne welche wir ihn weder fürchten noch lieben, noch vertrauen können. 

 

55. WAS ERFORDERT DENN SOLCHE ERKENNTNIS?

 

Dass wir vor allen Dingen trachten, unsern Gott und seinen Willen, so viel er uns davon geoffenbaret hat, nach Vermögen gründlich und wahrhaftig aus seinem Worte mehr und mehr zu erkennen, und darinnen unsere größte Freude und Seligkeit zu suchen. 

 

Jer. 9,23.24: So spricht der Herr: ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums; sondern wer sich rühmen will, der rühme sich deß, dass er mich wisse und kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übet auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr. Joh. 17,3: Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, dass du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen. 

 

56. WIE SOLL DIE ERKENNTNIS BESCHAFFEN SEIN?

 

Es soll eine lebendige Erkenntnis sein, das ist, ich soll nicht allein den äußerlichen buchstäblichen Verstand der Heil. Schrift haben, sondern vornehmlich trachten, auch derselben innerliche Kraft, lieblichen, holdseligen Trost und Süßigkeit im Herzen zu schmecken und zu verstehen. 

 

Ps. 34,9: Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist; wohl dem, der auf ihn trauet. 

Joh. 7,17: So jemand will deß Willen tun, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede. 

1 Petr. 2,3: So ihr anders geschmecket habt, dass der Herr freundlich ist. 

Hebr. 6,4.5: Die so geschmecket haben die himmlischen Gaben, und teilhaftig worden sind des heiligen Geistes, und geschmecket haben das gütige Wort Gottes, und die Kräfte der zukünftigen Welt. 

 

57. WIE GELANGT MAN ZU SOLCHER ERKENNTNIS?

 

Nicht durch Weltweisheit oder vieles Wissen (A), sondern wann man Christi Wort höret und tut (B), und daraus in solcher Ordnung von dem Heiligen Geist erleuchtet wird (C).

 

(A)

1 Kor. 1,20.21: Wo sind die Klugen? wo sind die Schriftgelehrten? wo sind die Weltweisen? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? Denn dieweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben. 

1 Kor. 3,18.19: Niemand betrüge sich selbst. Welcher sich unter euch dünket weise zu sein, der werde ein Narr in dieser Welt, dass er möge weise sein: denn dieser Welt Weisheit ist Torheit bei Gott. 

Joh. 14,17: Den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfahen, denn sie siehet ihn nicht, und kennet ihn nicht. 

Joh. 8,54.55: sagt Christus zu den gelehrten Juden, die viel von Gott lehreten: Es ist aber mein Vater, der mich ehret, von welchem ihr sprecht: Er sei euer Gott, und kennet ihn nicht; ich aber kenne ihn. 

Matth. 16,17: Selig bist du Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbaret, sondern mein Vater im Himmel. 

 

(B)

Matth. 11,27: Niemand kennet den Sohn, denn nur der Vater; und niemand den Vater, denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. 

Joh. 1,18: Niemand hat Gott je gesehen, der eingeborne Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündiget. 

Kol. 2,2.3: Auf dass ihre Herzen ermahnet und zusammengefasset werden in der Liebe, zu allem Reichtum des gewissen Verstandes, zu erkennen das Geheimnis Gottes, und des Vaters, und Christi, in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Joh. 14,21. S. oben Fr. 10. 

 

(C)

1 Kor. 2,10.11.12: Uns aber hat es Gott geoffenbaret durch seinen Geist. Denn der Geist erforschet alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit: denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, ohne der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also auch weiß niemand, was in Gott ist, ohne der Geist Gottes. Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist. 

Eph. 1,17.18: Dass der Gott unsers Herrn Jesu Christi, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung zu seiner selbst Erkenntnis, und erleuchtete Augen eures Verständnisses, dass ihr erkennen möget, welche da sei die Hoffnung eures Berufs, und welcher sei der Reichtum seines herrlichen Erbes an seinen Heiligen, u.s.w. 

 

58. WIE WEIT SOLL SICH GOTTES ERKENNTNIS ERSTRECKEN?

 

So weit, als dessen Offenbarung gehet, und so viel jeglichem zu solcher Erkenntnis Gnade und Gaben verliehen sind (A): daher man stetig trachten soll, darinnen weiter zu wachsen (B). 

 

(A)

Matth. 12,13: Wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, das er hat. 

1 Kor. 12,11: Dies aber wirket derselbige einige Geist, und teilt einem jeglichen seines zu, nachdem er will. 

 

(B)

2 Petr. 3,18: Wachset in der Gnade und Erkenntnis unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi. 

Eph. 1,15-19: Nachdem ich gehöret habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesum, und von eurer Liebe zu allen Heiligen, höre ich nicht auf zu danken für euch, und gedenke eurer in meinem Gebet, dass der Gott unsers Herrn Jesu Christi, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung zu seiner selbst Erkenntnis, und erleuchtete Augen eures Verständnisses, dass ihr erkennen möget, welche da sei die Hoffnung eures Berufs, und welcher sei der Reichtum seines herrlichen Erbes an seinen Heiligen, und welche da sei die überschwängliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben, nach der Wirkung seiner mächtigen Stärke. 

Kol. 1,9-12: Wir hören nicht auf für euch zu beten, und bitten, dass ihr erfüllet werdet mit Erkenntnis seines Willens, in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand, dass ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem Gefallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken, und wachset in der Erkenntnis Gottes, und gestärket werdet mit aller Kraft, nach seiner herrlichen Macht, in aller Geduld und Langmütigkeit mit Freuden: und danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht. 

Kol. 3,16: Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen, und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in euren Herzen. 

Röm. 15,14: Ich weiß fast wohl von euch, lieben Brüder, dass ihr selber voll Gütigkeit seid, erfüllet mit aller Erkenntnis, dass ihr euch unter einander könnet ermahnen. 

 

59. GEHET SOLCHE SCHULDIGKEIT DER GÖTTLICHEN ERKENNTNIS ETWA ALLEIN DIE PREDIGER AN?

 

Nein, sondern neben ihnen auch alle, die da gläubig sein und heißen wollen: da ist jeglicher nach dem Maß seiner Gnade auch in der Erkenntnis zu wachsen schuldig. 

 

Joh. 6,45: Sie werden alle von Gott gelehret sein. 

Kol. 1,28: Wir verkündigen und vermahnen alle Menschen, und lehren alle Menschen mit aller Weisheit, auf dass wir darstellen einen jeglichen Menschen vollkommen in Christo Jesu. 

Kol. 3,16: Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen, in aller Weisheit. 

 

60. SOLLTE ES ABER NICHT BESSER SEIN, ES BLIEBEN DIEJENIGEN, WELCHE NICHT PREDIGER SIND, ALLEIN BEI DER EINFALT?

 

Wo das Einfalt heißt, dass wir dasjenige nicht zu forschen begehren, was Gott nicht geoffenbaret hat, sodann unsere Vernunft nicht Meister sein lassen in Glaubenssachen, so ist solche Einfalt rühmlich und nötig: wo aber für Einfalt gehalten wird, dass der Mensch sich nicht befleiße, immer in der Erkenntnis zu wachsen, welches eine Unwissenheit, Faulheit und Undankbarkeit gegen göttliche Offenbarung ist, so sollen wir trachten nicht einfältig, sondern weise und verständig zu sein, und durch Gewohnheit zu haben geübte Sinne zum Unterschied des Guten und Bösen, Hebr. 5,14. 

 

Röm. 16,19: Ich will aber, dass ihr weise seid aufs Gute, aber einfältig aufs Böse. 

1 Kor. 14,20: Lieben Brüder, werdet nicht Kinder an dem Verständnis, sondern an der Bosheit seid Kinder; an dem Verständnis aber seid vollkommen. 

Eph. 4,14: Auf dass wir nicht mehr Kinder seien, und uns wägen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre, durch Schalkheit der Menschen und Täuscherei, damit sie uns erschleichen zu verführen. 

 

61. WAS SOLL AUS SOLCHER ERKENNTNIS FLIESSEN?

 

Dass wir Gott, den wir erkennen, auch fürchten und lieben und Ihm vertrauen.

 

62. WARUM HABEN WIR GOTT ZU FÜRCHTEN?

 

Wegen seiner hohen Majestät, Allmacht, Gerechtigkeit, Heiligkeit, Allwissenheit, Allgegenwart, Herrschaft, und Vaterrechts. 

 

Mal. 1,6: Ein Sohn soll seinen Vater ehren, und ein Knecht seinen Herrn: bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich Herr, wo fürchtet man mich?

1 Mos. 17,1: Ich bin der allmächtige Gott, wandle vor mir, und sei fromm. 

Jes. 8,13: Heiliget den Herrn Zebaoth; den lasse eure Furcht und Schrecken sein, so wird er eine Heiligung sein. 

Jer. 10,6.7: Aber dir, Herr, ist niemand gleich; du bist groß, und dein Name ist groß, und kannst es mit der Tat beweisen. Wer sollte dich nicht fürchten, du König der Heiden? Dir sollte man ja gehorchen. 

Matth. 10,28: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, und die Seele nicht mögen töten; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben mag in die Hölle. 

Jer. 5,22: Wollt ihr mich nicht fürchten, spricht der Herr, und vor mir nicht erschrecken? Der ich dem Meer den Sand zum Ufer setze, darinnen es allezeit bleiben muss, darüber es nicht gehen muss; und obs schon wallet, so vermags doch nichts, und ob seine Wellen schon toben, so müssen sie doch nicht darüber fahren. 

Pred. 12,13.14: Lasset uns die Hauptsumma aller Lehre hören: Fürchte Gott, und halte seine Gebote, denn das gehöret allen Menschen zu. Denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, das verborgen ist, es sei gut oder böse. 

Phil. 2,12: Schaffet, dass ihr selig werdet mit Furcht und Zittern. 

Ps. 2,11: Dienet dem Herrn mit Furcht, und freuet euch mit Zittern. 

 

63. WIE VIELERLEI IST DIE FURCHT GOTTES?

 

Zweierlei: eine knechtische und eine kindliche Furcht. 

 

Röm. 8,15: Ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermal fürchten müsstet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater. 

 

64. WAS IST DIE KNECHTISCHE FURCHT?

 

Wo man Gott fürchtet allein um der Strafe willen, die man von ihm besorget, ohne Liebe (A) und Vertrauen, welche Furcht uns von Gott vielmehr abweiset, und das Herz beunruhiget (A). 

 

(A)

1 Joh. 4,18: Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibet die Furcht aus: denn die Furcht hat Pein; wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. 

 

(B)

Hiob 15,20: Der Gottlose bebet sein Leben lang. 

Weish. 17,10-13: Dass einer so verzagt ist, das macht seine eigene Bosheit, die ihn überzeugt und verdammt, und ein erschrocken Gewissen versiehet sich immerdar des Ärgsten. Denn Furcht kommt daher, dass einer sich nicht trauet zu verantworten, und keine Hilfe weiß. Wo aber wenig Trost im Herzen ist, da macht dasselbige Verzagen bänger, denn die Plage selbst. 

 

65. WAS IST DIE KINDLICHE FURCHT?

 

Wo man Gott als einen liebreichen Vater fürchtet, und aus Liebe ihn nicht erzürnen wollte, ob man schon keine Strafe zu erwarten hätte. 

 

1 Mos. 39,9: Wie sollte ich ein solch groß Übel tun, und wider Gott sündigen?

 

66. WELCHES IST DIE RECHTE FURCHT, SO ALLHIER ERFORDERT WIRD?

 

Nicht die knechtische, so sich bei den Gottlosen, wo sie göttliche Gerichte sehen, oder ihr Gewissen erwachet, befindet, sondern die kindliche Furcht, welche bei der Liebe stehet, ja von Liebe, Gehorsam, Demut, Zuversicht auf des Vaters Gnade zusammengeflochten ist. 

 

67. WOBEI KANN MAN MERKEN, OB DER MENSCH IN WAHRER GOTTESFURCHT STEHE?

 

Dabei, wenn er sich mit allem Fleiß vor allem hütet, von dem er weiß, dass es Gott zuwider sei (A), seine Gegenwart ihm stets vor Augen stellet, und so er ihn etwa beleidiget hat, darüber herzlich betrübt wird, nicht sowohl wegen der verdienten Strafe, als wegen der Sünde (B): hingegen vor den Kreaturen, wo er Gott für sich hat, sich nicht fürchtet (C). 

 

(A)

Spr. 8,13: Die Furcht des Herrn hasset das Arge, die Hoffart, den Hochmut und bösen Weg. Kap. 16,6: Durch die Furcht des Herrn meidet man das Böse. 

(B)

Ps. 130,4: Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte. 

 

(C)

1 Petr. 3,14.15: Fürchtet euch vor ihrem Trotzen nicht, und erschrecket nicht; heiliget aber Gott den Herrn in euren Herzen. 

Matth. 10. 28. S. Fr. 62. 

 

68. WARUM HABEN WIR GOTT ZU LIEBEN?

 

Wegen seiner höchsten wesentlichen Gütigkeit, da er das einige wahre Gut ist (A): sodann wegen seiner gegen uns sich beweisenden Vaterliebe, und unermesslichen vielen Wohltaten (B). 

 

(A)

Matth. 19,17: Niemand ist gut, denn der einige Gott. 

 

(B)

1 Joh. 4,19: Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns erst geliebet. 

V. 10: Darinnen stehet die Liebe, nicht dass wir Gott geliebet haben, sondern dass er uns geliebet hat, und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünde. 

1 Kor. 2,9: Das kein Auge gesehen hat, und kein Ohr gehöret hat, und in keines Menschen Herz kommen ist, das Gott bereitet hat denen, die ihn lieben. 

 

69. WORINNEN BESTEHET DIE LIEBE GOTTES?

 

Dass wir hoch von ihm halten, unsere Freude und einig Vergnügen an ihm haben, ihm zu gefallen und immer näher mit ihm vereiniget zu werden trachten, und daher uns allezeit seinen Willen gefallen lassen. 

 

Ps. 18,2.3: Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke, Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils, und mein Schutz.

Ps. 73,25.26: Herr, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erden. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. V. 28: Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte, und meine Zuversicht setze auf den Herrn Herrn, dass ich verkündige alle dein Tun. 

Ps. 34,9: Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist: wohl dem, der auf ihn trauet. 

Ps. 5,12: Laß sich freuen alle, die auf dich trauen; ewiglich laß sie rühmen, denn du beschirmest sie; fröhlich laß sein in dir, die deinen Namen lieben. 

S. auch Ps. 70,5. 

1 Kor. 6,17: Wer dem Herrn anhänget, der ist Ein Geist mit ihm. 

 

70. WORAN WIRD DIE LIEBE GOTTES ERKANNT?

 

Wo wir gern mit Gott, seinem Wort, Lob, Dienst und göttlichen Dingen umgehen, und darnach Verlangen tragen (A): wo wir seine Gebote zu halten uns befleißen (B); sonderlich aber, wo wir um Seinetwillen unsern Nächsten auch lieben (C). 

 

(A)

Ps. 42,2.3: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir; meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?

Ps. 63,2-8: Gott, du bist mein Gott, frühe wache ich zu dir, es dürstet meine Seele nach dir, mein Fleisch verlanget nach dir, in einem trockenen und dürren Lande, da kein Wasser ist. Daselbst sehe ich nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne schauen deine Macht und Ehre; denn deine Güte ist besser denn Leben: meine Lippen preisen dich. Daselbst wollte ich dich gerne loben mein Leben lang, und meine Hände in deinem Namen aufheben. Das wäre meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben sollte. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir. 

Jes. 26,8.9.: Wir warten auf dich, Herr, im Wege deines Rechten; des Herzens Lust stehet zu deinem Namen, und deinem Gedächtnis. Von Herzen begehre ich dein des Nachts, dazu mit meinem Geist in mir wache ich frühe zu dir. 

Ps. 84,2.3: Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn, mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. 

 

(B)

1 Joh. 5,3: Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer. 

Joh. 14,23.24: Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen; wer aber mich nicht liebet, der hält mein Wort nicht. 

 

(C)

1 Joh. 4,20: So jemand spricht: ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann der Gott lieben, den er nicht siehet?

 

71. WELCHES IST DENN NICHT DIE RECHTE LIEBE?

 

Wo man zwar meinet, oder angesehen sein will, man liebe Gott, liebt ihn aber nur um des Nutzens willen, den man von ihm hat oder erwartet: oder liebt ihn nur, wo ers uns nach unserem Willen ergehen lässt: begehret auch nicht nach seinem Willen anders zu tun, als sonsten wir selbst auch dazu Lust haben. Denn solches heißt nur seine Gaben, nicht aber ihn, ja vielmehr uns selbst geliebet. 

 

72. WARUM SOLLEN WIR GOTT VERTRAUEN?

 

Weil er allmächtig, allgütig und wahrhaftig ist, und also allezeit helfen kann und will, auch in der Hilfe seine Verheißung erfüllen wird. 

 

Jes. 26,3.4: Du erhältst stets Frieden nach gewisser Zusage; denn man verlässet sich auf dich: darum verlasset euch auf den Herrn ewiglich; denn Gott der Herr ist ein Fels ewiglich. 

Ps. 36,8: Wie teuer ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. 

 

73. WORINNEN BESTEHET SOLCHES VERTRAUEN?

 

Wo wir uns von Gott allezeit in Geistlichem und Leiblichem alles Guten von Herzen unzweifentlich versehen, und all unser Heil und unsere Seligkeit von ihm und seiner Güte ohne unser Verdienst erwarten. 

 

Ps. 84,12.13: Gott der Herr ist Sonn und Schild, der Herr gibt Gnad und Ehre, er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt. 

Spr. 3,5: Verlaß dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlaß dich nicht auf deinen Verstand. 

 

74. WELCHES IST NICHT DAS RECHTE VERTRAUEN?

 

Wo man meinet oder angesehen sein will, man vertraue Gott, aber allein alsdann, wo wir die Mittel vor Augen sehen, hingegen das Vertrauen sinken lässt, wo die Not über menschliches Vermögen gehet, und keine Mittel zu sehen sind: oder vertrauet ihm aus Einbildung eigner Würdigkeit oder eignen Verdienstes. Denn solches heißt vielmehr auf die Mittel und sein Verdienst vertrauen. 

 

75. WANN SOLL MAN GOTT VERTRAUEN?

 

Ein Christ soll allezeit mit gleichem Herzen an Gott hangen, im Glück und Unglück, in Gesundheit und Krankheit, in Ehre und Schmach, in Überfluss und Mangel. 

 

Phil. 4,12: Ich kann niedrig sein, und kann hoch sein; ich bin in allen Dingen und bei allen geschickt; beides satt sein und hungern, beides übrig haben und Mangel leiden. 

Ps. 71,5.6: Du bist meine Zuversicht, Herr, Herr, meine Hoffnung von meiner Jugend an. Auf dich hab ich mich verlassen von Mutterleib an: du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; mein Ruhm ist immer vor dir. 

Ps. 57,2: Auf dich trauet meine Seele, und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis dass das Unglück vorübergehe. 

 

76. WIE SOLLEN WIR GOTT FÜRCHTEN, LIEBEN UND VERTRAUEN?

 

Über Alles, auch über uns selbst. 

 

77. HABE ICH ABER ETWA GOTT ALLEIN ZU FÜRCHTEN, ZU LIEBEN UND IHM ZU VERTRAUEN?

 

Ob wir wohl auch anderes in göttlicher Ordnung fürchten, lieben und ihm vertrauen mögen, so darf doch nichts von uns also geliebt, gefürchtet, oder auf dasselbe das Vertrauen gesetzt werden, dass unsere Liebe, Furcht und Vertrauen darauf beruhete, sondern durch solches weiter und auf Gott gehe. 

 

78. WIE KANN SOLCHES IN DER FURCHT GESCHEHEN?

 

Dass ich nichts anderes fürchte, als was, und in was Ordnung es Gott haben will, dass ichs fürchten solle, also, dass ich Gott vornehmlich in solcher Sache fürchte. 

 

79. DARF ICH ABER AUCH ETWAS LIEBEN AUSSER GOTT?

 

Ich habe alle gute Geschöpfe Gottes auch zu lieben, aber nicht, dass die Liebe darauf beruhe, sondern dass ich sie liebe als Gottes Werke, Zeugnisse seiner Güte und solche Dinge, in denen Gott geliebt werden will, auf welchen also endlich auch solche Liebe durch die Kreaturen gehen muss. 

 

80. HAB ICH AUF ETWAS ANDERES AUCH ZU VERTRAUEN?

 

Nicht anders, als sofern ich solches ansehe als das Mittel, welches Gott zu meinem Besten gebrauchen wolle, damit also das Vertrauen endlich nicht auf dem Mittel stehen bleibe, sondern auf Gott beruhe, dem wir auch ohne solches Mittel vertrauen wollen. 

 

81. WAS FLIESSEN FERNER FÜR TUGENDEN DES ERSTEN GEBOTS AUS DIESER FURCHT, LIEBE UND VERTRAUEN?

 

Demut, Geduld, Gelassenheit und Hoffnung. 

 

82. WAS IST DIE DEMUT?

 

Wann ein Mensch, in Betrachtung der hohen Majestät Gottes, und hingegen seines eigenen menschlichen Unvermögens und elenden Zustandes, sich von Herzensgrund erniedriget, alles Vermögen, Gaben und an Seel und Leib verliehene Güter Gott dem Herrn zuschreibet, und sich derselben ganz unwürdig schätzet, dabei auch herzlich gesinnet ist, solche verliehene Gaben, Geschicklichkeit, Güter und dergleichen zu Seinen Ehren und des Nächsten Erbauung zur Seligkeit in aller Einfalt anzuwenden. 

 

1 Kor. 4,7: Was hast du, Mensch, das du nicht empfangen hast? So aber du es empfangen hast, was rühmest du dich denn, als der es nicht empfangen hätte?

1 Mos. 32,10: Ich bin zu gering aller Barmherzigkeit, die du an deinem Knecht getan hast. 

1 Petr. 5,5.6: Haltet fest an der Demut; denn Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade: so demütiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, dass er euch erhöhe zu seiner Zeit. 

 

83. WAS IST DIE GEDULD?

 

Wo man um seines Gottes willen alles Leiden, welches sonsten Fleisch und Blut zuwider ist, willig annimmt, siehet es an, wie es von seiner Hand herkommt, und sich seiner Gnade darinnen getröstet, mit dem Entschluss, so lang es Ihm gefällig ist, solches ohne Murren zu tragen, in dem Leiden selbst Ihn zu preisen, und zu seiner Zeit die Hilfe von seiner weisen und gütigen Hand zu erwarten. 

 

Jak. 1,2-4: Meine lieben Brüder, achtet es eitel Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallet, und wisset, dass euer Glaube, so er rechtschaffen ist, Geduld wirket; die Geduld aber soll fest bleiben bis ans Ende, auf dass ihr seid vollkommen und ganz, und keinen Mangel habt. 

Hiob 1,21: Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen; der Name des Herrn sei gelobet. 

2 Sam. 16,10: Lasset ihn fluchen, denn der Herr hats ihm geheißen: fluche David! Wer kann nun sagen: warum tust du also?

 

84. WAS IST DIE GELASSENHEIT?

 

Wann ein Mensch mit Verleugnung, Verachtung und Hintansetzung seiner selbst und alles dessen, was er sonst Liebes hat in dieser Welt, sich ledig und blos dem heiligen Willen Gottes ergibt, dass selbiger nach seinem Wort in und mit ihm schaffe, wirke und tue, was vor ihm gefällig ist. 

 

Luk. 14,26.27: So jemand zu mir kommt, und hasset nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein; und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolget, der kann nicht mein Jünger sein. 

2 Sam. 15,25.26: Werde ich Gnade finden vor dem Herrn, so wird er mich wieder holen etc. Spricht er aber also: Ich habe nicht Lust zu dir; siehe, hie bin ich, Er mache es mit mir, wie es ihm wohlgefällt. 

 

85. WAS IST DIE HOFFNUNG?

 

Dass wir Gott dem Herrn zutrauen, Er werde auch ins künftige unser lieber Vater bleiben, uns aus aller Not zu rechter Zeit erretten, und endlich des versprochenen ewigen Heils teilhaftig machen.

 

2 Kor. 1,10: Weil uns Gott vom Tode erlöset hat, und noch täglich erlöset, so hoffen wir auf ihn, er werde uns auch hinfort erlösen. 

Ps. 130,7.8: Israel hoffe auf den Herrn; denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei Ihm: und Er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden. 

Ps. 27,14: Harre des Herrn; sei getrost und unverzagt, und harre des Herrn. 

 

86. WAS LIEGET FERNER AN SOLCHER LIEBE, FURCHT UND VERTRAUEN GOTTES?

 

Der Gehorsam aller übrigen Gebote, weswegen in unserm Katechismo bei allen Geboten wiederholt wird: Wir sollen Gott fürchten und lieben. 

 

87. WARUM WERDEN ABER SOLCHE WORTE ALLEZEIT WIEDERHOLET?

 

Weil kein einiges Gebot auf recht Gott gefällige Weise gehalten wird mit bloßer äußerlicher Leistung desjenigen, was das Gebot selbst erfordert, es geschehe denn solches aus ernstlicher Furcht und Liebe Gottes nach dem ersten Gebot. Und also, wer das erste Gebot nicht hält, der kann nimmermehr das andere oder die folgenden halten: auch ists unmöglich die andere Tafel zu erfüllen, oder mit Herzenslust zu vollbringen, ehe man die erste Tafel und dies Gebot gehalten hat: muss also das Herz zuerst von seinem Abfall und seiner Abgötterei zu Gott bekehrt werden, sonst ist aller anderer Gottesdienst, und was man Gutes zu tun meinet, vor Gott lauter Heuchelei, Sünde, Greuel, falsch und verkehrt. 

 

88. WAS IST IN DEM ERSTEN GEBOT VERBOTEN?

 

Sowohl der Mangel und Versäumung dessen, was geboten ist, wo man nämlich Gott nicht recht erkennet, fürchtet, liebet und vertrauet, als vornehmlich die Abgötterei oder andere Götter haben: welche Sünde, wie sie den Menschen von Gott, seinem höchsten Gut, abkehret, dass er damit ohne Gott, und also ohn alles Gute ist, also ist sie des Menschen ewiger Schade, Verderb und Untergang. 

 

89. WAS HEISSEN ANDERE GÖTTER?

 

Alles, worauf der Mensch außer Gott seine Liebe, Furcht und Vertrauen beruhen lässt. 

 

90. WIE VIELERLEI IST DIE ABGÖTTEREI?

 

Zweierlei: eine grobe und eine subtile. 

 

91. WAS IST DIE GROBE ABGÖTTEREI?

 

Wo der Mensch etwas außer Gott in seinen Gedanken für Gott hält, und in solcher Absicht ihm göttliche Ehre erweise, oder auch sonsten etwas, das nicht Gott ist, dergleichen Ehre, die Gott allein gebühret, antut; als von den Heiden geschehen ist, wo sie allerhand Kreaturen für Götter geachtet und denselben gedienet haben (A): oder wo man den Engeln oder Heiligen und deren Bildern die Ehre des Anbetens, Anrufens, Gelübde und dergleichen erweiset (B). 

 

(A)

Röm. 1,23: Sie haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bild gleich dem vergänglichen Menschen, und der Vögel und der vierfüßigen und kriechenden Tiere. 

 

(B)

Matth. 4,10 aus 5 Mos. 6,13: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen. 

 

92. WAS IST DIE SUBTILE ABGÖTTEREI?

 

Wo man einige Kreatur liebet, fürchtet oder vertrauet mehr als Gott, oder nicht in der rechten Ordnung unter Gott. 

 

93. WORAN KANN DIESELBIGE BEGANGEN WERDEN?

 

An allen Kreaturen. 

 

94. WIE KANN MAN SIE AN ANDERN MENSCHEN BEGEHEN?

 

Wo man jemanden mehr fürchtet als Gott, und daher aus solcher Menschenfurcht Böses tut wider Gott, oder tut aus solcher Ursache Gutes, was man aus Gottesfurcht nicht würde getan haben: wo man Menschen mehr liebet, und ihnen zu gefallen wider Gott tut, oder das Gute, so man um Gottes willen tun sollte, allein aus Ansehen derselben tut: also auch, wo man sich auf Menschenhilfe und Gunst anders verlässt, als sofern sie nur Gottes Werkzeuge seien, sondern beruhet auf ihnen. 

 

Jer. 17,5: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt, und hält Fleisch für seinen Arm, und mit seinem Herzen vom Herrn weichet. 

Ps. 118,8.9: Es ist gut, auf den Herrn vertrauen, und sich nicht verlassen auf Menschen; es ist gut auf den Herrn vertrauen, und sich nicht verlassen auf Fürsten. 

Ps. 146,3.4: Verlasset euch nicht auf Fürsten, sie sind Menschen, die können ja nicht helfen; denn des Menschen Geist muss davon, und er muss zur Erde werden: alsdann sind verloren alle seine Anschläge. 

 

95. WIE KANN MAN AN ANDERN KREATUREN ABGÖTTEREI BEGEHEN?

 

Durch Geiz, wo man sein Herz auf Geld und Gut setzet, dafür, solches zu erlangen oder zu bewahren, ängstlich sorget, sich desselben erfreuet, um dessen willen kein Bedenken hat, Unrecht zu tun, darauf vertrauet, und es für seinen Schatz achtet (A). Durch Ehrgeiz, wo man seine Ehre sucht, um derselben willen Unrecht tut, dafür ängstlich sorget, darüber eifert, und sich damit kitzelt (B). Durch Wollüstigkeit, wo man die Wollüste des Fleisches und Pflege des Leibes für sein Gut achtet, solchem nachtrachtet und sein Vergnügen darinnen suchet (C).

 

(A)

Matth. 6,24: Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon. Kol. 3,5: Der Geiz ist Abgötterei. Eph. 5,5: Ein Geiziger ist ein Götzendiener. 

1 Tim. 6,17: Den Reichen von dieser Welt gebeut, dass sie nicht stolz seien, auch nicht hoffen auf den ungewissen Reichtum, sondern auf den lebendigen Gott. 

 

(B)

Sir. 10,14-16: Da kommt alle Hoffart her, wenn ein Mensch von Gott abfällt, und sein Herz von seinem Schöpfer weicht; und Hoffart treibt zu allen Sünden; und wer darinnen steckt, der richtet viel Greuel an. Darum hat der Herr allezeit den Hochmut geschändet, und endlich gestürzt. 

 

(C)

Phil. 3,19: Welchen der Bauch ihr Gott ist. 

 

96. KANN MAN AUCH AN DEM TEUFEL ABGÖTTEREI BEGEHEN?

 

Ja: solches geschiehet nicht nur auf grobe Weise von den Heiden, so den Teufeln in ihren Götzen (1 Kor. 10,20) dienen, und von den Zauberern, wann sie den bösen Geist in sichtbarer Gestalt verehren, oder wo man den Teufel zu Rat und Hilfe nimmt in Zauberern, Wahrsagern und dergleichen, sondern auch auf verborgene Art von allen denen, die freventlich und mutwillig sündigen, als womit sie demselben in der Tat dienen. 

 

Röm. 6,16: Wisset ihr nicht, welchem ihr euch begebet zu Knechten in Gehorsam, deß Knechte seid ihr?

 

97. WELCHES IST ABER DIE GEMEINESTE ABGÖTTEREI, WORAUS DIE ANDERE ALLE ENTSPRINGT?

 

Die der Mensch an sich selbst begehet, da er sich ihm selbst zu Gott machet. 

 

98. WIE GESCHIEHET SOLCHES?

 

Wann der Mensch sich selbst über alles zum vördersten und also liebet, dass er mit seiner Liebe auf ihm selbst beruhet. 

 

99. WORAN ERKENNET MAN SOLCHE UNZIEMLICHE SELBSTLIEBE?

 

Daran, wann der Mensch, der in allen Dingen die Ehre seines Gottes und Vollbringung des göttlichen Willens sich zum letzten Ziel und äußersten Zweck setzen sollte, an dessen Statt sich selbst, das ist seine eigene Ehre, Nutzen, Lust und Willen sucht, und aus solchem Antrieb alles sein Tun oder einiges verrichtet. Also auch, wo er auf sich selbst, das ist auf seine eigene Kraft, Macht und Weisheit vertraut, ist es eine Anzeige solcher unordentlichen Selbstliebe: oder, wo man sich die Ehre dessen zumisst, was man getan hat. 

 

S. 5 Mos. 8,17. Dan. 4,27. 

 

100. WIE BESTEHET ABER DARINNEN ABGÖTTEREI?

 

Weil eben hierinnen Gottes höchste Ehre bestehet, dass Er allein die bewegende Ursache sei alles dessen, was von uns geschiehet, so setzt sich damit derjenige auf Gottes Thron, der sich selbst und etwas des Seinigen lässt seine letzte Absicht sein, dass er nicht ferner in derselben auf Gott zwecke. Von solchen mags heißen Röm. 2,22: Dir greuelt vor den Götzen, und raubest Gott, was sein ist. 

 

101. KANN SOLCHES AUCH IN DEM GEISTLICHEN GESCHEHEN?

 

Ja: nicht nur wo der Mensch auf sein Verdienst sich verlässt, und meinet, dass ihm Gott etwas aus Pflicht schuldig sei, sondern auch wo er Gott allein dienet, um sein (des Menschen) selbst und seines eigenen Nutzens willen: dem er doch vornehmlich dienen sollte um dessen willen, dass Er, der große Gott, dessen wert, und er, der Mensch, dazu verpflichtet ist. 

 

102. WO KOMMT SOLCHE ABGÖTTISCHE SELBSTLIEBE HER?

 

Aus unserer natürlichen Verderbnis, und dem Fall der ersten Eltern, da dieselben haben Gott gleich sein wollen. 

 

103. WAS ZIEHET SIE NACH SICH?

 

Alle andere Sünden. Denn weil der Mensch sich selbst vor allen am meisten liebet, so brauchet er sich auch der Kreaturen nachmals nicht mehr nach dem Willen und der Ordnung Gottes, sondern wie es seinem verkehrten Willen bequem ist: daher in allen andern Sünden eigene Ehre, eigener Nutzen und eigene Lust, und also eigener Wille und eigene Liebe sich finden lässt, und diese der anderen Quelle ist. 

 

104. WAS WIRD DENN ERFORDERT, WO WIR NACH DEM ERSTEN GEBOT UNSER LEBEN WOLLEN ANSTELLEN?

 

Die Verleugnung unsrer selbst, daher sie unser Heiland zur ersten Regel seiner Jünger setzet, Matth. 16,24: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir. 

 

105. WAS IST SOLCHE SELBSTVERLEUGNUNG?

 

Wo der Mensch durch göttliche Gnade seine Nichtigkeit, und hingegen die göttliche Majestät und Gütigkeit erkannt hat, den Entschluss fasst, sich selbst in keinem Ding mehr zu suchen, und also seine unordentliche Liebe in die rechte Ordnung unter Gott zu bringen, damit er sich hinfürter nicht anders liebe, als unter Gott, und wie derselbe in ihm geliebet werden will. 

 

106. WAS FOLGT AUF SOLCHE SELBSTVERLEUGNUNG?

 

Wie viel der Mensch sich selbst verleugnet hat, so viel tritt er in den Stand, worinnen er nunmehr rechtschaffen Gott liebet, fürchtet und vertraut: woran ihn nichts mehr gehindert hatte, als allein die unordentliche Selbstliebe, die da ist ein Hauptfeind des ersten Gebots, und wie die erste, also auch die geheimeste Abgötterei. 

 

107. WORAN KANN ICH ERKENNEN, OB ICH ALLEIN GOTT ZUM GOTT HABE, ODER IN ABGÖTTEREI STEHE?

 

Wo ich mich prüfe, warum mirs am meisten in meinem ganzen Leben zu tun sei, was ich am meisten verlange, wofür ich meistens sorge, wem ich am meisten gehorche, vertraue, liebe und anhange, entweder Gott, oder mir selbst, oder einer andern Kreatur. 

 

108. WIE HABEN WIR FERNER DAS ERSTE GEBOT ANZUSEHEN?

 

Als diejenige Regel, in welcher Gott uns zeigen will, wie wir nicht nur ihm gefallen, sondern auch selbst für uns das glückseligste Leben haben mögen. 

 

109. WIE GESCHIEHT SOLCHES?

 

Weil all unser Elend dieses Lebens herkommt von der Liebe der Kreaturen, der daraus entstehenden Furcht, Sorge, Betrübnis, Zorn, Reue, eigenem Willen und andern dergleichen Gemütsleiden, so uns beunruhigen müssen: so ist hingegen dieses das glückseligste Leben, wo wir nichts anderes mehr lieben, fürchten und vertrauen, als Gott, damit die Seele wiederum zur Ruhe gesetzet wird: denn in Ihm finden wir alles vollkommen was wir verlangen mögen. 

 

110. WAS IST DIE ENDLICHE ABSICHT GOTTES IN DIESEM ERSTEN GEBOT?

 

Dass er dasjenige, das er in sich selbst ist, nämlich das höchste Gut, auch in unserem Herzen sein, dafür erkannt, gehalten und verehrt, hingegen ihm alles unterworfen werden möge: worinnen selbst unsere größte Seligkeit bestehet. 

 

111. WAS STEHT FÜR EIN ANHANG BEI DEM ERSTEN GEBOT?

 

Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder deß, das oben im Himmel, noch deß, das unten auf Erden, oder deß, das im Wasser unter der Erden ist. Bete sie nicht an, und diene ihnen nicht, 2 Mos. 20,4.5. 

 

112. MÜSSEN DIESE WORTE AUCH NOTWENDIG ERZÄHLT WERDEN?

 

Dem Verstand nach verbinden sie uns freilich, als ein Exempel des ersten Gebots; aber eben deswegen, weil die Sache schon in den Worten des ersten Gebots verboten ist, bedarf es nicht, dass die Worte selbst allemal wiederholet werden: denn wer alle Abgötterei verbietet, zeiget damit schon, dass auch die Bilderabgötterei verboten sei; jedoch wehren wir es nicht, dass man sie auch dem Buchstaben nach beibehalte. 

 

113. WAS IST IN SOLCHEN WORTEN VERBOTEN?

 

Nicht ist verboten, Bilder zu machen, oder zu haben, sondern Götzen zu machen, zu haben und zu verehren. 

 

114. WAS IST DENN DER UNTERSCHIED UNTER BILDER UND GÖTZEN?

 

So lang ein Bild allein als ein Gedächtnis, Erinnerung oder Zierde bleibt, so ists ein bloßes Bild, und solches zu haben nicht verboten: wo man aber solches macht oder behält, es anzubeten, oder ihm einigen Dienst und Verehrung anzutun, so wird es zum Götzen.

 

115. DARF MAN DENN BILDER AUCH IN KIRCHEN HABEN?

 

Ja, indem solches nirgend verboten ist, und Gott selbst in dem alten Testament, da aller Schein des Götzendienstes eifrig verboten gewesen, in der Hütte des Stifts und dem Tempel einige Bilder, als die Cherubim, zu setzen befohlen hat. 

 

116. WOZU MÖGEN DIE BILDER DIENEN?

 

Zu nichts anderm, als teils zur äußerlichen Zierde, teils zur Erinnerung der Historien. 

 

117. WOMIT ABER MÖGEN SIE UNRECHT WERDEN?

 

Wo man sie verehrt, davor niederfällt, sie anbetet, ihnen einige Heiligkeit zuschreibt, oder sich einbildet, dass der Gottesdienst und das Gebet, so vor denselben geschieht, Gott deshalb gefälliger sei, da doch Gott will im Geist und Wahrheit angebetet werden. Daher wo auch solche Sorge ist, dass die Leute sich mehr dadurch hindern als fördern, ists besser, dass man solche nicht behalte, als habe. 

 

118. WIE LAUTET DAS ANDERE GEBOT?

 

Du sollst den Namen des Herrn deines Gottes nicht unnützlich führen. 

 

119. WAS IST DAS?

 

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir bei seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern denselben in allen Nöten anrufen, beten, loben und danken. 

 

120. WAS HEISST GOTTES NAME?

 

Gott selbst, seine Eigenschaften, Majestät, Wille und Werke, sonderlich aber sein Wort, darinnen er sich uns offenbaret, und zu erkennen gibt, wie alles pflegt an seinem Namen erkannt zu werden. Daher, was für Ehre oder Schimpf solchem Namen Gottes widerfähret, wird von Gott also angenommen, als widerführe es ihm selbst. 

 

121. WAS WIRD IN SOLCHEM GEBOTE GEBOTEN?

 

Die Heiligung oder rechter Gebrauch göttliches Namens. 

 

122. WORINNEN BESTEHT DERSELBE?

 

Darinnen, dass wir in allen Nöten ihn anrufen, beten, loben und danken. 

 

123. WAS HEISST, IHN IN ALLEN NÖTEN ANRUFEN?

 

Es heißt, in aller unserer und unsers Nächsten Not unsere Zuflucht allein zu Gott nehmen, als von dem allein uns könne und werde geholfen werden: daher auch solche Hilfe von ihm zuversichtlich bitten.

 

Ps. 50,15: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen. 

Jes. 26,16: Herr, wenn Trübsal da ist, so sucht man dich; wenn du sie züchtigest, so rufen sie ängstlich. 

 

124. WAS HEISST BETEN?

 

Es heißt, auch außer besonderer Not von Gott bitten, was zu seinen Ehren, unserer und des Nächsten Wohlfahrt nötig ist. 

Eph. 6,18: Betet stets in allem Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist, und wachet dazu mit allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen. 

 

125. WARUM SOLLEN WIR BETEN?

 

Nicht nur, damit wir von der Hilfe Nutzen haben, sondern auch vornehmlich, dass wir mit dem Gebet Gottes Majestät und reiche Güte erkennen und bekennen, sodann, dass er durch unser Gebet und dessen gnädige Erhörung gerühmet und geehret werde. 

 

126. WAS HEISST GOTT LOBEN?

 

Es heißt, sich selber und alles das Seinige verachten und vernichten, hingegen in allen Dingen die herausleuchtende Herrlichkeit, Macht, Weisheit, Gerechtigkeit und Güte Gottes erkennen, ihn deswegen in seinem Herzen hoch halten, und mit Worten, mit Lobsprüchen und Gesängen ihn rühmen (A); sodann sein Leben zu Gottes Preis anstellen (B). 

 

(A)

Ps. 69,31.32: Ich will den Namen Gottes loben mit einem Liede, und will ihn hoch ehren mit Dank, das wird dem Herrn besser gefallen denn ein Farr, der Hörner und Klauen hat. 

Tob. 12,8: Der Könige und Fürsten Rat und Heimlichkeit soll man verschweigen; aber Gottes Werk soll man herrlich preisen und offenbaren. 

 

(B)

Matth. 5,16: Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen, und euren Vater im Himmel preisen. 

Phil. 1,10.11: Auf dass ihr seid lauter und unanstößig bis auf den Tag Christi, erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen (in euch) zur Ehre und Lobe Gottes. 

 

127. WAS HEISST DANKEN?

 

Es heißt, mit Herz und Mund erkennen und bekennen die vielfältigen Wohltaten, die Gott an uns und andern getan hat, und noch tut, dabei sich Gott dafür verpflichtet darstellen, und ihn darum preisen. 

 

Ps. 50,23: Wer Dank opfert, der preiset mich, und das ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes. 

Ps. 92,1.2: Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken, und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade, und des Nachts deine Wahrheit verkündigen. 

Phil. 4,6: Sorget nicht, sondern in allen Dingen lasset eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. 

Eph. 5,18-20: Werdet voll Geistes, und redet unter einander von Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern; singet und spielet dem Herrn in euren Herzen, und saget Dank allezeit für alles Gott und dem Vater, in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi. 

1 Thess. 5,17.18: Betet ohne Unterlass; seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christo Jesu an euch. 

 

128. WAS FLIESSEN FERNER FÜR TUGENDEN AUS DIESEM GEBOTE?

 

1. Das fleißige Lesen, Hören und Betrachten der Heil. Schrift, als die vornehmste Heiligung des göttlichen Namens, indem aus dem göttlichen Worte alles übrige, wie wir den göttlichen Namen recht führen sollen, zu lernen ist (A). 2. Fleißige Beobachtung alles dessen, worinnen Gott entweder in der Natur sich und seine Güte zu erkennen gibet, oder uns und andern Menschen wohl getan hat, oder noch wohl tut: damit wir in solchem allen die Zeugnisse seiner Weisheit, Macht, Gerechtigkeit, Gütigkeit und dergleichen erkennen, und ihn darüber loben und preisen (B). 3. Die reine Lehre selbst von aller Verführung frei behalten und erhalten, indem nicht allein Amts wegen allen Predigern obliegt, ihren Zuhörern nichts als das wahre Wort Gottes vorzutragen (C), sondern auch allen Christen, dass sie, kraft des Priestertums, neben sich auch ihren Nächsten in der Wahrheit erbauen (D). 4. Das ungescheute Bekenntnis der Wahrheit, auch in der größten Gefahr (E). 

 

(A)

Joh. 5,39: Suchet in der Schrift; denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darinnen; und sie ists, die von mir zeuget. 

Ps. 1,1.2: Wohl dem, der nicht wandelt im Rate der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzet, da die Spötter sitzen, sondern hat Lust zum Gesetz des Herrn, und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht. 

 

(B)

Röm. 1,20: Gottes unsichtbares Wesen, das ist, seine ewige Kraft und Gottheit wird ersehen, so man deß wahrnimmt an den Werken, nämlich an der Schöpfung der Welt. 

Ps. 111,2.3: Groß sind die Werke des Herrn; wer ihrer achtet, der hat eitel Lust daran. Was er ordnet, das ist löblich und herrlich, und seine Gerechtigkeit bleibet ewiglich. 

Ps. 92,5-7: Denn, Herr, du lässest mich fröhlich singen von deinen Werken, und ich rühme die Geschäfte deiner Hände. Herr, wie sind deine Werke so groß; deine Gedanken sind so sehr tief. Ein Törichter glaubt das nicht, und ein Narr achtet solches nicht. – Von denen heißets auch Jes. 5,12: Sie sehen nicht auf das Werk des Herrn, und schauen nicht auf das Geschäft seiner Hände. 

Ps. 105,1.2: Danket dem Herrn, und prediget seinen Namen; verkündiget sein Tun unter den Völkern; singet von ihm, und lobet ihn; redet von allen seinen Wundern. 

Ps. 145,3ff.: Der Herr ist groß und sehr löblich, und seine Größe ist unaussprechlich. Kindeskinder werden deine Werke preisen und von deiner Macht sagen. Ich will reden von deiner schönen herrlichen Pracht, und von deinen Wundern, dass man soll reden von deinen herrlichen Taten, und dass man erzähle deine Herrlichkeit; dass man preise deine große Güte; und deine Gerechtigkeit rühme. 

 

(C)

2 Tim. 1,13.14: Halte an dem Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, vom Glauben und von der Liebe in Christo Jesu: diese gute Beilage bewahre durch den Heil. Geist, der in uns wohnet. 

1 Petr. 4,11: So jemand redet, dass ers rede als Gottes Wort. 

Röm. 12,7: Hat jemand Weissagung, so sei sie dem Glauben ähnlich. 

2 Kor. 2,17: Wir sind nicht wie etlicher viele, die das Wort Gottes verfälschen, sondern als aus Lauterkeit, und als aus Gott, vor Gott reden wir in Christo. 

 

(D)

1 Petr. 2,9: Ihr seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, das ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht. 

 

(E)

Ps. 119,46.47: Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen, und schäme mich nicht, und habe Lust an deinen Geboten, und sind mir lieb. 

Röm. 10,9.10: Denn so du mit deinem Munde bekennest Jesum, dass er der Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferwecket hat, so wirst du selig. Denn so man von Herzen glaubet, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig. 

2 Kor. 4,13: Dieweil wir denselbigen Geist des Glaubens haben, nachdem geschrieben stehet: Ich glaube, darum rede ich; so glauben wir auch, darum so reden wir auch. 

1 Petr. 3,15: Seid allezeit bereit zur Verantwortung jedermann, der Grund fordert der Hoffnung, die in euch ist. 

Matth. 10,32.33: Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater; wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater. 

 

129. WAS WIRD IN DEM ZWEITEN GEBOTE VERBOTEN?

 

Teils die Unterlassung des Gebotenen, wo man nämlich Gottes Namen gar nicht, oder doch nicht herzlich, und wie es sich gebühret anrufet, betet, lobet und danket: wo man Gottes Wort nicht liebet, noch auf seine Werke achtet, ist säumig in dem Treiben der reinen Lehre und Bekenntnis der Wahrheit: teils wo man in der Tat den Namen Gottes unnützlich führet. 

 

130. WIE GESCHIEHT SOLCHES UNNÜTZLICHE FÜHREN?

 

Sowohl damit, wo man Gottes Namen, den Namen Jesu, göttliches Wort ohne Andacht und Ehrerbietung gebrauchet, redet, lieset, höret, als auch auf gröbere Weise mit Fluchen, Schwören, Zaubern, Lügen und Trügen. 

 

131. WAS HEISST FLUCHEN?

 

Es heißt nicht nur, auf allerlei Weise Gott selbst lästern, sondern auch von Gott und bei Gottes Namen dem Nebenmenschen Böses anwünschen. 

 

Jak. 3,8-10: Die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel voll tödlichen Gifts: durch sie loben wir Gott den Vater, und durch sie fluchen wir den Menschen, nach dem Bilde Gottes gemacht. Aus Einem Munde gehet loben und fluchen. Es soll nicht, lieben Brüder, also sein. 

 

132. IST DENN KEIN FLUCHEN ERLAUBT?

 

Uns Christen für uns selbst ist das Fluchen nicht erlaubet, sondern heißet Röm. 12,14: Segnet und fluchet nicht. Wie aber zu einigen malen in dem alten Testament von Gott erleuchtete Propheten, Elisa 2 Kön. 2,24., David Ps. 59 und anderswo, in dem Namen des Herrn geflucht haben (da sie denn nichts anderes getan, als dass sie aus Gottes Befehl solchen boshaftigen Leuten Gottes Strafe angekündiget, und weil sie gewiss erfolgen würde, angewünscht haben): also ist auch nicht verboten, wo wir nicht für uns selbst oder aus Rachgier, sondern in heiligem Eifer für göttliche Ehre den Feinden Gottes, dafern sie sich nicht bekehren lassen wollen, Gottes Gerichte anwünschen, und also Gottes Fluch auf sie legen. 

 

1 Kor. 16,22: So jemand den Herrn Jesum Christ nicht lieb hat, der ist Anathema, Maharam Motha. 

Gal. 1,8: So auch wir oder ein Engel vom Himmel euch würde ein Evangelium predigen anders, denn das wir euch geprediget haben, der sei verflucht. 

 

133. WAS HEISST SCHWÖREN?

 

Gott zum Zeugen der Wahrheit anrufen, der alle Falschheit strafen werde. 

 

134. IST ALLES SCHWÖREN BLOSSERDINGS IN DEM NEUEN TESTAMENT VERBOTEN?

 

Nein: denn das rechtmäßige Schwören ist an sich selbst ein heiliger Gottesdienst, damit ich in wichtigen Dingen, die Gottes Ehre und des Nächsten Wohlfahrt erfordern, Gottes Majestät, Gerechtigkeit und Wahrheit preise. So hat Paulus, der die Regel seines Meisters wohl verstanden, Gott zum Zeugen auf seine Seele angerufen, 2 Kor. 1,(2.)23, welches in der Tat ein eigentliches Schwören ist. 

 

135. WELCHES SCHWÖREN IST DENN VERBOTEN?

 

1. Alles liderliche Schwören, wo Gottes Name, der nicht anders als mit Ehrerbietung und in wichtigen Dingen geführet werden soll, zu geringen Dingen gebraucht wird, die dessen nicht wert sind, noch not haben: davon Christus zu verstehen ist, wo er sagt, wie ein Christ insgemein leben solle, Matth. 5,34.37: Ich sage euch, dass ihr allerdings nicht schwören sollt. Eure Rede sei: ja ja, nein nein; was darüber ist, das ist vom Übel (A). 2. Falsches Schwören, oder Meineid (B). 3. Abergläubisches Schwören bei einem andern, als bei Gott (C). 

 

(A)

Sir. 23,9-15: Gewöhne deinen Mund nicht zum Schwören und Gottes Namen zu führen. Denn gleichwie ein Knecht, der oft gestäupt wird, nicht ohne Striemen ist: also kann der auch nicht rein von Sünden sein, der oft schwört, und Gottes Namen führt. Wer oft schwört, der sündiget oft, und die Plage wird von seinem Hause nicht bleiben. Schwört er, und verstehts nicht, so sündiget er gleichwohl; versteht ers, und verachtets, so sündigt er zwiefältig; schwört er aber vergeblich, so ist er dennoch nicht ohne Sünde: sein Haus wird hart gestraft werden. 

 

(B)

4 Mos. 30,3: Wenn jemand dem Herrn ein Gelübde tut, oder einen Eid schwört, dass er seine Seele verbindet, der soll sein Wort nicht schwächen, sondern alles tun, wie es zu seinem Munde ist ausgegangen. 

 

(C)

5 Mos. 6,13: Du sollst den Herrn deinen Gott fürchten, und ihm dienen, und bei seinem Namen schwören. 

 

136. WAS HEISSET ZAUBERN?

 

Es wird nicht nur damit verstanden die abscheuliche Sünde derjenigen, welche sich gar dem leidigen Teufel ergeben, Gott und seiner Gnade und deren Mitteln abschwören, und durch den Teufel und seine Hilfe Böses tun, sondern auch die subtile Zauberei, das ist, aller Aberglauben, wo man göttliches Wort, Sprüche, Namen, Gebet und dergleichen zu unnatürlichem Gebrauch, Krankheiten zu vertreiben, Feuer zu löschen, Gespenster zu vertreiben, verborgene Dinge zu erkundigen, das Verlorne zu erfahren oder wieder zu bekommen, sich fest zu machen, die Büchsen zuzutun, missbrauchet, oder auf einigerlei Weise mit Gebrauch göttliches Namens dasjenige ausrichten will, wozu er nicht gegeben ist. Dahin gehöret alles Segensprechen, Beschwören, Wahrsagen und dergleichen. 

 

5 Mos. 18,10-12: Unter dir soll nicht gefunden werden ein Weissager, oder ein Tagewähler, oder der auf Vogelgeschrei achte, oder ein Zauberer, oder Beschwörer, oder Wahrsager, oder ein Zeichendeuter, oder der die Toten frage: denn wer solches tut, der ist dem Herrn ein Greuel. 

 

137. WAS HEISST LÜGEN UND TRÜGEN?

 

Hier wird nicht verstanden das Lügen und Trügen, da man in dem gemeinen Leben fälschlich mit seinem Nächsten umgehet, welches in das achte Gebot gehöret, sondern wo man in Gottes Namen oder in geistlichen Dingen lügt oder trügt. 

 

138. WIE GESCHIEHT DASSELBIGE?

 

1. Durch falsche Lehre und unrechte Auslegung der Schrift, wider den Sinn des Heil. Geistes, wo man entweder solche selbst auf die Bahn bringet und ausbreitet, oder derselben beipflichtet. Dahin gehören alle Ketzereien und falscher Gottesdienst (A). 2. Durch Heuchelei, wo man in seiner Bosheit sich dennoch Gottes rühmen will, und mit dem äußerlichen Gottesdienst, da das Herz nicht dabei ist, seine Gottlosigkeit bedecken und schmücken (B). 

 

(A)

Ez. 13,6-8: Ihr Gesicht ist nichts, und ihr Weissagen ist eitel Lügen. Sie sprechen: der Herr hats gesagt, so sie doch der Herr nicht gesandt hat, und mühen sich, dass sie ihr Ding erhalten. Ists nicht also, dass euer Gesicht ist nichts, und euer Weissagen ist eitel Lügen? Und sprecht doch: Der Herr hats geredet; so ichs doch nicht geredet habe. Darum spricht der Herr Herr also: Weil ihr das prediget, da nichts aus wird, und Lügen weissagt, so will ich an euch, spricht der Herr Herr. 

Gal. 1,8: So auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen anders, denn das wir euch geprediget haben, der sei verflucht. 

2 Tim. 3,13: Mit den bösen und verführerischen Menschen wird es je länger je ärger, verführen und werden verführet. 

1 Tim. 6,3.4. S. oben Fr. 7. 

 

(B)

2 Tim. 3,5: Die da haben den Schein eines gottseligen Wesens aber seine Kraft verleugnen sie; und solche meide. 

Matth. 7,21-23: Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viel zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissaget? haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Übeltäter?

Ps. 50,16.17: Was verkündigest du meine Rechte, und nimmst meinen Bund in deinen Mund? so du doch Zucht hassest, und wirfst meine Worte hinter dich. 

 

139. WAS IST DIE GANZE ABSICHT DIESES ZWEITEN GEBOTS?

 

Dass wir gegen den Namen Gottes oder seine Offenbarung uns gebührlich verhalten, und mit Worten und Werken dieselbe heilig halten. 

 

140. WAS HAT GOTT FÜR EINE SONDERBARE DROHUNG AN DAS ZWEITE GEBOT GEHÄNGET?

 

2 Mos. 20,7: Der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht. 

 

141. WARUM STEHET DIESE SONDERBARE DROHUNG DABEI?

 

Weil insgemein die Sünde wider dieses Gebot für gering geachtet wird, die gleichwohl so erschrecklich groß ist, als einer Kreatur nicht gebühret, ohne die höchste Ehrerbietung des hochheiligen Namens Gottes zu gedenken: weil denn dergleichen Sünden mit vielfältigem Frevel begangen zu werden pflegen, so sollte durch solche Drohung deren Schwere vorgestellet werden. 

 

142. WIE LAUTET DAS DRITTE GEBOT?

 

Du sollst den Feiertag heiligen. 

 

143. WAS IST DAS?

 

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbige heilig halten, gerne hören und lernen. 

 

144. WAS FÜR EINEN FEIERTAG HAT GOTT ZUERST EINGESETZT?

 

Als Gott, nachdem er in sechs Tagen Himmel und Erde erschaffen hatte, an dem siebenten Tage geruhet, hat er solchen Sabbat oder Samstag zum Ruhe- oder Feiertag verordnet von Anfang der Welt, 1 Mos. 2. Nachmals wurde auch solcher Sabbat den Juden anbefohlen, und die Ruhe desselben mit ernstlicher Verbietung aller Arbeit verordnet, 2 Mos. 35,2.3, also gar, dass auch die Übertretung desselben mit dem Leben gestraft werden sollte, 2 Mos. 31,14.15. 

 

145. WARUM IST DENN SOLCHE RUHE AUF DEN SONNTAG VERLEGT WORDEN?

 

Die lieben Apostel, so den Willen des Herrn gewusst, und in allem von dem Heil. Geiste regieret worden, haben in der ersten Kirche solche Feier von dem siebenten auf den ersten Tag der Woche, an welchem unser lieber Heiland von den Toten auferstanden, auch der Heilige Geist über sie ausgegossen worden, verlegt: so daher des Herrn Tag genennet, und zu den öffentlichen Kirchenversammlungen geordnet worden, Offenb. 1,10. 1 Kor. 16,2. Apg. 20,7. 

 

146. HABEN WIR ABER SONSTEN MEHRERE FEIERTAGE?

 

Es ist uns von Gott nicht mehr als einer, der siebente Tag, anbefohlen: von der Kirche aber sind folgends noch mehrere Feiertage zu Gedächtnis und öffentlicher Betrachtung gewisser vornehmsten Guttaten Gottes, aus guter Meinung verordnet, als Weihnachten, Ostern, Auffahrtstag, Pfingsten und dergleichen. Welchen sich ein jeder willig zu bequemen hat, welcher den Frieden in der Kirche liebet. 

 

147. HAT MAN AUCH DER APOSTEL UND ANDERER HEILIGEN TAGE ZU FEIERN?

 

Den Aposteln oder einigen Heiligen selbst hat man keine Tage zu heiligen, denn solches ein Art des Gottesdienstes ist: wo aber die christliche Kirche die Feier jährlichen Gedächtnisses derselben aus christlicher Freiheit eingeführet, mögen sie wohl gefeiert werden, nicht ihnen, sondern Gott, dem man danket für die Gnade, welche er solchen seinen teuren Rüstzeugen, und durch sie seiner Kirche erwiesen habe, sodann ihre Arbeit, die sie in dem Herrn getan, ihre Tugenden und Leiden zum Exempel und Nachfolge rühmet. 

 

Hebr. 13,7: Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben: welcher Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach. 

1 Kor. 11,1: Seid meine Nachfolger, gleichwie ich Christi. 

 

148. WAS IST UNS DENN IN DEM DRITTEN GEBOT BEFOHLEN?

 

Die Heiligung des Feiertags. 

 

149. WORINNEN BESTEHET SOLCHE HEILIGUNG?

 

Dass man solchen Tag von den übrigen absondere, und ihn Gott allein und seinem Dienst widme: Du sollst von deinem Tun lassen ab, dass Gott sein Werk in dir hab. 

 

150. WAS IST DIE URSACH SOLCHER HEILIGUNG?

 

Weil wir Menschen, nachdem uns die Arbeit auferlegt ist, mit solchen Geschäften und auch nötigen anbefohlenen Sorgen gehindert werden, dass wir nicht fort und fort vermögen mit derjenigen Ruhe unserm Gott zu dienen, als solcher Sache Wichtigkeit erfordert, also will uns Gott unter sieben Tagen einen dazu absondern, dass wir an solchem an die Arbeit, mit der wir sonsten nach seinem Willen unser Leben zubringen sollen, aber zufälliger Weise dadurch an seinem unmittelbaren Dienst gehindert werden, nicht sollen gebunden, sondern frei sein, auf dass wir solchen Tag mit nichts anderm als mit Gott zu tun haben, ihm, von allem Zeitlichen ganz abgezogen, unmittelbar dienen, und ihn in uns dasjenige wirken lassen, worinnen er von uns und an uns geheiliget werden will. Also dass, wo wirs recht erwägen, mehr eine angenehme Wohltat, als verdrüßliche Beschwerde in diesem Gebot enthalten, und dem Menschen das Mittel gezeiget wird, zu göttlichen Wirkungen und geistlichem Wachstum geschickt und tüchtig zu werden. 

 

151. WODURCH WIRD SOLCHE HEILIGUNG VERRICHTET?

 

Durch das göttliche Wort, und den Dienst Gottes in demselbigen. 

 

152. WIE VIELERLEI IST DER DIENST GOTTES?

 

Zweierlei: der öffentliche Kirchen- und der absonderliche Hausgottesdienst. 

 

153. WELCHER IST DENN IN DEM DRITTEN GEBOT GEBOTEN?

 

Beiderlei. 

 

154, WAS WIRD DENN WEGEN DES ÖFFENTLICHEN GOTTESDIENSTES VON UNS ERFORDERT?

 

Dass ein jeder, so es zu tun vermag, mit herzlicher Vorbereitung, Vorsatz und Anrufung Gottes (A) um seine Gnade für sich, seine Mitzuhörer und Prediger, sich in der christlichen Versammlung einfinde (B), daselbst sich unärgerlich halte, das Wort Gottes aus dem Mund des Predigers, aber nicht als Menschenwort, sondern, wie es wahrhaftig ist, als Gottes Wort anhöre (C), auf alles Vorgetragene, sonderlich aber dasjenige, was er findet zu seiner eigenen Auferbauung, Unterricht, Vermahnung, Warnung und Trost dienlich zu sein, fleißig Acht gebe, in dem Gebet für alle gemeine und eigene Not (D), Gesang (E) und Almosensteuer (F) sich mit der christlichen Gemeinde vereinige, der Heil. Sakramente sich andächtig mitgebrauche, oder denselben beiwohne, den Herrn mit Glauben empfange, und alles mit andächtigem Gebet beschließe. 

 

(A)

Pred. 4,17: Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehest, und komme, dass du hörest: das ist besser, denn der Narren Opfer; denn sie wissen nicht, was sie Böses tun. 

Ps. 119,17.18: Tue wohl deinem Knecht, dass ich lebe und dein Wort halte. Öffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetze. 

Eph. 6,18.19: Betet stets in allem Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist, und wachet dazu mit allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen, und für mich, auf dass mir gegeben werde das Wort mit freudigem Auftun meines Mundes, dass ich möge kund machen das Geheimnis des Evangelii. 

Eph. 3,16-19: Dass er euch Kraft gebe, nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch den Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen, und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden, auf dass ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sei die Breite, und die Länge, und die Tiefe, und die Höhe; auch erkennen, dass Christum lieb haben viel besser ist denn alles Wissen, auf dass ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle. 

 

(B)

Hebr. 10,24.25: Lasset uns unter einander unserer selbst wahrnehmen, mit Reizen zur Liebe und guten Werken, und nicht verlassen unsere Versammlung, wie etliche pflegen, sondern uns unter einander ermahnen, und das so viel mehr, so viel ihr sehet, dass sich der Tag nahet. 

Ps. 26,6-8: Ich halte mich, Herr, zu deinem Altar, da man höret die Stimme des Dankens, da man prediget alle deine Wunder. Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses, und den Ort, da deine Ehre wohnet. 

 

(C)

Luk. 10,16: Wer euch höret, der höret mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.

1 Thess. 2,13: Darum auch wir ohne Unterlass Gott danken, dass ihr, da ihr empfinget von uns das Wort göttlicher Predigt, nahmet ihrs auf, nicht als Menschenwort, sondern (wie es denn wahrhaftig ist) als Gotteswort, welcher auch wirket in euch, die ihr glaubet.

 

(D)

Apg. 1,14: Diese alle (die Jünger des Herrn) waren stets bei einander einmütig mit Beten und Flehen, samt den Weibern und Maria, der Mutter Jesu und seinen Brüdern. Also auch Kap. 2,42. 4,24. 5,12. 13,2.3. 20,36. 

 

(E)

Kol. 3,16: Lasset das Wort Christi reichlich unter euch wohnen in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in euren Herzen. 

 

(F)

1 Kor. 16,2: Auf einen jeglichen Sabbather lege bei sich selbst ein jeglicher unter euch, und sammle was ihm gut dünkt. 

 

155. IST ES MIT SOLCHEM ÖFFENTLICHEN GOTTESDIENST ALLES AUSGEMACHT?

 

Nein, sondern es wird erfordert, dass wir auch zu Hause dem angehörten Wort Gottes fleißig nachdenken, was wir angehöret haben und wie wir solches in die wirkliche Übung bringen wollen: sodann fernere Lesung der Schrift, Gebet, Gesang, Betrachtung, Prüfung seiner selbsten, wie man die vergangene Woche zugebracht, was man von Gott empfangen, und wie man ihm widerum begegnet, neuer Vorsatz, wie man sich die nächste Zeit in göttlichem Gehorsam üben wolle, und wo man solches haben kann, gottselige Gespräche mit andern Mitchristen. Damit also die ersten Früchte des göttlichen Worts sich alsobald solchen Tag zeigen, und wir in den Stand gesetzet werden, in dem Gott seine fernere heilige Wirkung in uns habe.

 

Jak. 1,22-25: Seid aber Täter des Worts, und nicht Hörer allein damit ihr euch selbst betrüget. Denn so jemand ist ein Hörer des Worts, und nicht ein Täter, der ist gleich einem Mann, der sein leiblich Angesicht im Spiegel beschauet; denn nachdem er sich beschauet hat, gehet er von Stund an davon, und vergisst wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene Gesetz der Freiheit, und darinnen beharret, und ist nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter, derselbe wird selig sein in seiner Tat. 

Apg. 17,11 von denen zu Beroen: Die nahmen das Wort auf ganz williglich, und forschten täglich in der Schrift, ob sichs also hielte. 

 

156. GEHÖRT NOCH MEHRERES ZU DER SABBATSHEILIGUNG?

 

Ja, sonderlich die Liebeswerke, dass man nach Vermögen sowohl seinen Nächsten neben sich in dem Geistlichen trachte zu erbauen, als auch in dem Leiblichen seiner Not zu statten komme, und mit solcher Liebe den gesegneten Tag des Herrn heilige. 

 

Luk. 6,9: Jesus sprach zu ihnen: Ich frage euch, was ziemet sich zu tun auf die Sabbather, Gutes oder Böses, das Leben erhalten oder verderben? Also hat der Herr oftmals den Notleidenden an dem Sabbat geholfen, Matth. 12,10.11. Mark. 3,3-5. Luk. 6,7. 13,15. 14,1ff. Joh. 5,16. 7,23. 

 

157. WAS WIRD VERBOTEN IN DEM DRITTEN GEBOT?

 

Die Entheiligung des Feiertages. 

 

158. WOMIT WIRD DERSELBE ENTHEILIGET?

 

Mit allem dem, wodurch der Mensch von dem Dienst Gottes und Ruhe in demselbigen abgezogen wird. 

 

159. WODURCH GESCHIEHT SOLCHES?

 

1. Mit allerhand sündlichen Werken, welche auch zu anderer Zeit verboten sind, aber an dem Sabbat doppelte Sünde sind: als Fressen, Saufen, faulem Geschwätze, faulenzendem Müßiggang, Spielen und dergleichen. 2. Mit den Werken unsers zeitlichen Berufs, die wir die sechs Tage zu verrichten, aber zum Unterschied den siebenten Tag davon zu heiligen haben, 2 Mos. 20,9. Wohin gehören Nahrungssorgen, Handarbeit, Handlungsgeschäfte, Studieren in weltlichen Dingen, und dergleichen. 3. Mit dergleichen Ergötzlichkeit, damit der öffentliche oder absonderliche Gottesdienst gehindert, und der Mensch dazu ungeschickter gemacht wird: als da sind solche Mahlzeiten, Spaziergänge und Fahrten, so allein zu leiblicher Erlustierung, und mit weltlichen Gesprächen angestellet und zugebracht werden, welche das Gemüt sowohl oder mehr an seiner Ruhe in Gott hindern, als die äußerliche Handarbeit tun möchte. 

 

160. IST DENN ALLE HANDARBEIT BLOSS DAHIN VERBOTEN?

 

Nein: indem nicht allein die Arbeiten, so zu dem Gottesdienst gehören, sodann, damit die Werke der Liebe verrichtet werden, auch welche zu notwendiger Pflege des Leibes gehören oder einer unumgänglichen Not sind, jene auf den Sabbat gar nicht verboten, diese aber erlaubt sind: sondern es sind allein diejenigen verboten, welche die Ruhe der Seele in Gott verstören, und also dem Zweck des Gebots entgegen sind, oder als solche den Nächsten ärgern würden. 

 

Matth. 12,1-9: Zu der Zeit ging Jesus durch die Saat am Sabbat und seine Jünger waren hungerig, und fingen an Ähren auszuraufen, und aßen. Da das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu ihm: Siehe deine Jünger tun, das sich nicht ziemet am Sabbat zu tun. Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, da ihn und die mit ihm waren hungerte? Wie er in das Gotteshaus ging, und aß die Schaubrote, die ihm doch nicht ziemeten zu essen, noch denen, die mit ihm waren, sondern allein den Priestern? Oder habt ihr nicht gelesen im Gesetz, wie die Priester am Sabbat im Tempel den Sabbat brechen, und sind doch ohne Schuld? Ich sage aber euch, dass hie der ist, der auch größer ist, denn der Tempel. Wenn ihr aber wüsstet, was das sei: Ich habe Wohlgefallen an der Barmherzigkeit, und nicht am Opfer; hättet ihr die Unschuldigen nicht verdammet. Des Menschen Sohn ist ein Herr auch über den Sabbat. 

 

161. VERBINDET UNS DENN DER SABBAT NICHT EBEN SO STRENG, ALS IN DEM ALTEN TESTAMENT?

 

Was die Kraft des Gebots anlanget, in Gott zu ruhen, und ihm in unseren Seelen seine Ruhe zu lassen, sind wir so wenig von solchem Gebot frei, als von den andern, sondern dazu so viel mehr verbunden, als kräftigere Gnade wir in dem neuen Testament empfangen haben, und sollten wir also uns befleißen, einen steten Sabbat ohne Unterlass können zu halten. Was aber die äußerliche Enthaltung der Arbeit anlangt, da den Juden auch solche Arbeiten verboten waren, welche die Ruhe der Seele eben nicht also verstöreten, als 2 Mos. 35,3, dass auch nicht ein Feuer angezündet werden durfte: weil solches, als ein Stück des alten Schattenwerks, mit der christlichen Freiheit und Art des neuen Testaments nicht allerdings übereinkommet, so bleibet die leibliche Ruhe geboten, und die Arbeit verboten nicht anders, als sofern jene ein Förderungsmittel der innerlichen Heiligung, diese aber eine Hinderung daran ist. Darum wenn und wann sie daran nicht hinderte, würde sie auch nicht verboten sein. 

 

162. WAS WIRD AUCH FERNER IN DEM DRITTEN GEBOT VERBOTEN?

 

Alle Verachtung göttlichen Worts, von Seiten der Prediger und Zuhörer: indem solches dasjenige ist, dadurch der Feiertag geheiliget werden sollte. 

 

163, WAS IST DENN DIE ENDLICHE ABSICHT DES DRITTEN GEBOTS?

 

Dass wir, um zu der Liebe, Furcht und Vertrauen Gottes, sodann seinen Namen zu heiligen, tüchtig zu werden, seinen Gnadenwirkungen uns nicht entziehen, sondern der Mittel uns sorgfältig gebrauchen sollen, dadurch er solches Gute in uns zu wirken pfleget, sonderlich der Sabbatsruhe, die er zu solchem Zweck gegeben hat. 

 

164. WAS FOLGET AUF DIE ERSTE TAFEL?

 

Die andere Tafel. 

 

165. WAS BEGREIFT DIESELBE?

 

Die Liebe unser selbst und des Nächsten.

 

166. WORIN WIRD SOLCHE ENTHALTEN?

 

In dieser Summa Matth. 22,39: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. So aus 3 Mos. 19,18 genommen ist, und Röm. 13,9. Gal. 5,14 wiederholet wird. 

 

167. SOLLEN WIR UNS DENN AUCH SELBST LIEBEN?

 

Ja: denn solches ist nicht nur an sich natürlich, sondern so ich meinen Nächsten lieben soll als mich selbst, so wird damit die Liebe seiner selbst schon vorausgesetzt. Auch gründen sich alle göttlichen Drohungen und Verheißungen auf die Liebe seiner selbst. 

 

168. IST DENN NICHT DIE LIEBE UNSER SELBST IN DEM ERSTEN GEBOT VERBOTEN WORDEN?

 

Diejenige Selbstliebe ist darinnen verboten, die unordentlich ist, worinnen ich mich mehr als Gott, oder diesem gleich liebe: als wo ich mich liebe und meinem Willen folge in Dingen, welche Gott zuwider sind, oder auch ihm nicht anders als um meines Nutzens willen, so ich von ihm verlange, und also in Tat meinen Nutzen über ihn liebe. Welches alles Abgötterei ist. 

 

169. IST ABER AUCH NOCH WEITERE SELBSTLIEBE VERBOTEN?

 

Ja, alle diejenige, wo wir uns mehr als unsern Nächsten, oder zu dessen Nachteil lieben, und uns ihm vorziehen: oder wo wir törlich unser sündliches Fleisch und dasjenige, davon wir nicht Nutzen sondern Schaden haben, lieben, oder doch das Geringere und Leibliche, woran uns weniger gelegen ist, dem Größeren, Geistlichen und Ewigen vorziehen: so auch, worinnen wir uns Einbildung von uns selbst machen, uns vieles zuschreiben, an uns selbst Wohlgefallen haben, unser Tun beschönen, auf uns selbst vertrauen, auf eigenem Sinn beruhen, und dergleichen. 

 

170. WARUM IST ABER SOLCHE UNORDENTLICHE SELBSTLIEBE VERBOTEN?

 

Weil sie der Liebe Gottes und des Nächsten zuwider ist, und mit derselben nicht stehen kann. 

 

171. WAS IST DAS MITTEL WIDER SOLCHE SELBSTLIEBE?

 

Die Verleugnung sein selbst, das Kreuzigen und Töten unseres eigenen Fleisches, und die rechte Erkenntnis, worinnen uns wohl sein möge, und was an uns recht zu lieben sei. 

 

172. WELCHE SELBSTLIEBE ABER IST GOTT GEFÄLLIG UND GEBOTEN?

 

Dass ich mich selbst liebe als eine gute Kreatur Gottes, der Gott viel Gutes getan, und ferner zu tun versprochen hat; als ein Werkzeug seiner Ehre, und Gefäß seiner Gnade, und suche an mir in göttlicher Ordnung dasjenige zu befördern, worinnen mir wohl sein und ich ferner und ewig Gottes genießen mag. 

 

173. WIE HOCH HAB ICH MICH DENN ZU LIEBEN?

 

Unter Gott, und meinem Nächsten gleich. 

 

174. WAS HAB ICH AN MIR ZU LIEBEN?

 

Leib und Seel, und alles was Gottes an mir ist. 

 

175. WIE HABE ICH MEINE SEELE ZU LIEBEN?

 

Dass ich trachte mit meinem Verstand Gott, als die höchste Weisheit, mehr und mehr zu erkennen, mit meinem Willen ihn, als das höchste Gut, zu ergreifen, und alle meine Begierde allerdings auf denselben zu richten, mit meinem Gedächtnis dasjenige, was Gottes ist, zu fassen, und also solche Kräfte der Seele ihm zu heiligen, dass sie nachmal auch andere Dinge, wie es ihm gefällig ist, verstehen, ergreifen und fassen mögen: sodann in meiner Seele selbst seine Wohnung zu sein, mit ihm mehr und mehr vereiniget zu werden: Denn darinnen stehet der Seelen höchste Seligkeit. 

 

176. WIE HAB ICH MEINEN LEIB ZU LIEBEN?

 

Also, dass ich ihn trachte geschickt zu machen, dass er der Seele in den Dingen, worinnen sie seiner zu dem Dienst Gottes und Verrichtung seines Willens bedarf, möge gehorsam sein. Daher ihm aus Liebe auch seine notwendige Pflege geleistet werden muss. 

 

Röm. 13,14: Wartet des Leibes, doch also, dass er nicht geil werde. 

Kol. 2,23 werden gestrafet: die des Leibes nicht verschonen, und dem Fleisch nicht seine Ehre tun zu seiner Notdurft. 

 

177. SOLL DENN NICHT DAS FLEISCH GEKREUZIGET WERDEN?

 

Ja freilich soll das Fleisch gekreuziget und gar getötet werden (A), aber solches Fleisch ist nicht der Leib selbst, sondern der alte Adam, die sündliche Unart sowohl an unserm Leib, als auch an unserer Seele: und bestehet solches Kreuzigen und Töten darinnen, dass wir solcher Unart nicht nachhängen, derselben Lüsten nicht folgen, uns ihnen widersetzen, und das Gegenteil derselben tun, welches alsdann dem Fleisch wehe tut, und es mehr und mehr schwächet. Wollen sich auch solche Lüste durch den Leib herauslassen, muss denselben mit Fasten, Arbeit und anderer Zucht gewehret werden, dass er nicht ein Werkzeug der Sünde, sondern Gefäß der Gnade werde (B). 

 

(A)

Gal. 5,24: Welche Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch, samt den Lüsten und Begierden. 

Röm. 8,13: Wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen, wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. 

Kol. 3,5: So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Hurerei, Unreinigkeit, schändliche Brunst, böse Lust, und den Geiz, welcher ist Abgötterei.

 

(B)

1 Kor. 9,27: Ich betäube meinen Leib, und zähme ihn, dass ich nicht den andern predige, und selbst verwerflich werde. 

Röm. 6,12.13: So lasset nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in ihren Lüsten; auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die da aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit. 

 

178. WOHIN FÜHRET MICH DIE ZWEITE TAFEL FERNER?

 

Auf die Liebe des Nächsten. 

 

179. WER HEISST DER NÄCHSTE?

 

Alle Menschen, welche meiner Hilfe bedürftig sind, oder bedürftig werden mögen, oder deren ich bedürftig bin, oder werden kann: nach dem Gleichnis Christi Luk. 18,30ff. 

 

1S0. WIE SIND ALLE MEINE NÄCHSTEN?

 

Ob sie mir nicht alle zugetan sind von Land, Geschlecht, Religion, Freundschaft: so sind sie darinnen nahe genug, dass sie alle mit mir in der Welt, als Gottes großem Haus, Hausgenossen, von einem Geblüt aus Adam her (Apg. 17,26.) entsprossen, zu einer Seligkeit (wo sie göttlicher Ordnung folgen wollen) und Gemeinschaft aller geistlichen Gnade berufen, und zu gleicher Liebe gegen mich verbunden sind: sonderlich aber weil sie Gott alle ohne Unterschied liebet (A), und uns auf sein Exempel weiset (B). 

 

(A)

Joh. 3,16: Also hat Gott die Welt geliebet. 

 

(B)

S. Fr. 182. 

 

181. SOLL ICH DENN AUCH UNGLÄUBIGE, FALSCHGLÄUBIGE UND LASTERHAFTE PERSONEN ALS MEINEN NÄCHSTEN LIEBEN?

 

Ich soll zwar ihre Bosheit, Sünde und Unglauben, und sie selbst, sofern sie darinnen bleiben, hassen, daher ihrer Bosheit nicht zu Willen werden, sondern widerstehen (A): aber die Person an sich muss ich lieben, und in so viel mehr erbarmender Liebe sie suchen mit Gebet, Erinnern, Wohltun und auf was Weise ich es zu tun vermag, zu bessern, als größer ihre Seelengefahr ist (B). 

 

(A)

Ps. 119,113: Ich hasse die Flattergeister. 

Ps. 139,21.22: Ich hasse, Herr, die dich hassen, und verdreußt mich auf sie, dass sie sich wider dich setzen. Ich hasse sie mit rechtem Ernst; darum sind sie mir feind. 

 

(B)

Röm. 10,1.2: Liebe Brüder, meines Herzens Wunsch ist, und flehe auch Gott für Israel, dass sie selig werden. Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie eifern um Gott, aber mit Unverstand. 

2 Thess. 3,14.15: So jemand nicht gehorsam ist unserem Wort, den zeiget an durch einen Brief, und habt nichts mit ihm zu schaffen, auf dass er schamrot werde. Doch haltet ihn nicht als einen Feind, sondern vermahnet ihn als einen Bruder. 

 

182. SO ABER JEMAND MIR LEIDS TUT, UND SICH AN MIR FEINDSELIG VERSÜNDIGET, SOLL ICH DENNOCH SOLCHEN MENSCHEN LIEBEN?

 

In allewege, nach unsers himmlischen Vaters (A) und Christi (B) Exempel. 

 

(A)

Matth. 5,44ff: Ich sage euch: Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässet seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten, und lässet regnen über die Gerechten und Ungerechten. Denn so ihr liebet, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Und so ihr euch nur zu euren Brüdern freundlich tut, was tut ihr sonderliches? Tun nicht die Zöllner auch also? Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist. 

 

(B)

Röm. 5,6: Christus, da wir noch schwach waren, nach der Zeit, ist für uns Gottlose gestorben. V. 8: Darum preiset Gott seine Liebe gegen uns, dass Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder (und Feinde V. 10.) waren. 

 

183. IST DENN IN DER LIEBE DES NÄCHSTEN KEIN UNTERSCHIED, GRAD ODER STAFFEL?

 

Ja: denn je näher und mehr mir der Nebenmensch im Leiblichen mit Geblüt, Schwägerschaft, Freund- oder Nachbarschaft, im Geistlichen mit Glaube und Liebe verwandt ist, je größere und absonderliche Liebe ich zu ihm tragen soll. 

 

Gal. 6,10: Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. 

 

184. WORINNEN BESTEHET ABER SOLCHER UNTERSCHIED?

 

Nicht sowohl in der Liebe selbst, welche gegen alle herzlich, brünstig und wahrhaftig sein soll, als in den Früchten und Werken der Liebe, die gegen einen mehr und anders als gegen die andern zu üben sind; jedoch, dass der gemeinen und tätigen Liebe nichts abgehe: denn in der brüderlichen Liebe müssen wir noch ferner darreichen gemeine Liebe, 2 Petr. 1,7. 

 

185. WAS SIND WIR ABER DEM NÄCHSTEN SCHULDIG?

 

Nicht nur ein und ander Gutes zu tun, sondern zum allervördersten die Liebe. 

 

186. WIE SOLL SICH ABER DIE LIEBE ERZEIGEN?

 

Wo dieselbe in dem Herzen ist, so muss sie sich ferner mit Worten und Werken, mit Guttätigkeit, Ehrerbietung und Sanftmut auf alle mögliche Weise hervortun, und die Eigenschaften haben, die 1 Kor. 13 beschrieben werden. 

 

1 Joh. 3,18: Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. 

1 Petr. 1,22: Machet keusch eure Seelen im Gehorsam der Wahrheit durch den Geist, zu ungefärbter Bruderliebe, und habt euch unter einander brünstig lieb aus reinem Herzen. 

Phil. 2,1ff: Ist nun bei euch Ermahnung in Christo, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so erfüllet meine Freude, dass ihr Eines Sinnes seid, gleiche Liebe habet, einmütig und einhellig seid, nichts tut durch Zank oder eitle Ehre, sondern durch Demut achtet euch unter einander einer den andern höher, denn sich selbst; und ein jeglicher sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, das des Andern ist. 

Jak. 3,17: Die Weisheit von oben her ist aufs erste keusch, darnach friedsam, gelinde, lässet ihr sagen, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ohne Heuchelei. 

 

187. WARUM SOLLEN WIR DEN NÄCHSTEN LIEBEN?

 

Um Gottes willen, der solches erfordert, und uns und ihn geschaffen und geliebt hat, ja noch erhält und fort liebet, daher haben will, dass wir seiner Liebe und Wohltaten Werkzeuge gegen den Nächsten seien, ihm zu tun, wie Gott uns auch getan hat. 

 

1 Joh. 4,11: Ihr Lieben, hat uns Gott also geliebet, so sollen wir uns auch unter einander lieben. V. 20.21: So jemand spricht, ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, dass wer Gott liebet, dass der auch seinen Bruder liebe. 

 

188. WIE HOCH SOLLEN WIR DEN NÄCHSTEN LIEBEN?

 

Nicht über Gott, sondern wie uns selbst, und also so herzlich, so brünstig, so aufrichtig, so beständig, so freiwillig, zum vördersten nach dem Geistlichen, und folglich nach dem Leiblichen, wie wir uns auf solche Weise lieben und lieben sollen. Daher wir in unserem Gewissen solcher Liebe Maß leicht finden können. 

 

Matth. 7,12: Alles, was ihr wollet, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen, das ist das Gesetz und die Propheten. 

 

189. SIND WIR ABER NICHT DEN BRUDER MEHR ALS UNS SELBST ZU LIEBEN SCHULDIG?

 

Nein: obs wohl Fälle geben kann, da wir um Gottes willen auch für den Bruder das Leben lassen müssen. 

 

1 Joh. 3,16: Daran haben wir erkannt die Liebe, dass Er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. 

 

190. IN WAS WERKEN SOLL SICH DIE LIEBE DES NÄCHSTEN HERVORTUN?

 

In denjenigen, welche in den Geboten der zweiten Tafel beschrieben sind und angedeutet werden. Worinnen Gott uns unsers Nächsten Ehre, Leib, Leben, Ehestand, Habe und Gut, und guten Namen, ja alles, was er von ihm empfangen hat, also anbefiehlet, und jegliches gleichsam mit einem eignen Gebot dermaßen verwahret, dass wir es als unser Eigenes ihm erhalten, beschützen, befördern und vermehren helfen sollen, wie wirs von ihm gegen uns zu geschehen verlangen: damit also die Liebe, das Band des Friedens und gemeinen Dienstes, unter allen Menschen bleibe. 

 

191. WIE LAUTET DAS VIERTE GEBOT?

 

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, dass dirs wohlgehe und du lange lebest auf Erden. 

 

192. WAS IST DAS?

 

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsere Eltern und Herren nicht verachten noch erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert haben. 

 

193. WER WIRD DURCH DIE ELTERN VERSTANDEN?

 

Nicht nur die natürlichen Eltern, von denen wir gezeuget sind, samt Groß- und Voreltern, sondern auch alle, welche uns von Gott in einigem Stand vorgesetzet sind, als in dem Hausstand Stief- und Schwiegereltern, wegen der Treue, die sie unsern Eltern oder Ehegatten erwiesen, oder zu erweisen schuldig sind; Vettern, Vormünder, welche zu unserer Auferziehung mitarbeiten; Herren, Frauen und Meisterschaften, denen das Gesinde zu väterlicher Fürsorge anbefohlen ist; alle alte Personen, und unsere Wohltäter: in dem weltlichen Stand die Obrigkeit, und wer uns von derselben vorgesetzet wird: in dem geistlichen aber Lehrer und Prediger, auch Präzeptores und Schulmeister, die zu unserer geistlichen Wiedergeburt und täglichen Erneuerung väterlich mitwirken. Alle diese werden unter dem Namen: Vater und Mutter, gemeinet, denen auch die Schrift hin und wieder den Vaternamen geben lässet, und wir von allen einen Teil der Treue zu erwarten haben, die uns die leiblichen Eltern erweisen. 

 

194. WOHER HABEN ABER SOLCHE ALLE DAS VATERRECHT?

 

Daher, dass Gott, der der rechte Vater ist über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden, Eph. 3,15, solche Ordnung auf Erden gemacht hat, und wie er durch diese Leute einen Teil seiner Guttaten auf uns ausgießet, also auch denselben einen Teil seiner Ehre, und gleichsam sein Vaterbild angehänget hat. 

 

195. WAS IST DENN IN DEM VIERTEN GEBOT GEBOTEN?

 

Dass wir sollen die Eltern 1. in Ehren halten, 2. ihnen dienen 3. gehorchen, 4. sie lieb und wert haben. 

 

196. WIE UND WARUM SOLLEN WIR SIE IN EHREN HALTEN?

 

Dass wir erkennen, was Gott durch dieselben uns erweise oder erwiesen habe, dass also gar eine große Liebe Gottes in solcher Verordnung zum Besten des menschlichen Geschlechts stecke, und dass sie diejenigen seien, in denen Gott von uns wolle geehrt sein: daher sollen wir sie im Herzen hoch achten, und äußerlich ihnen in Wort und Werken demütig und ehrerbietig begegnen, wissend, was wir ihnen für Ehre oder Verachtung antun, solches geschehe Gott selbsten in ihnen. 

 

197. WIE SOLL MAN IHNEN DIENEN?

 

Dass man in allen Dingen ihren Nutzen befördere, und wie man Gutes von ihnen empfangen, ihnen gleiches wiederum vergelte. 

 

198. WIE SOLL MAN IHNEN GEHORCHEN?

 

Dass man in allen Dingen, welche nicht wider Gott sind, ihrem Befehl willig nachkomme, ihrem Rat folge, und so viel man vermag, ihren Willen erfülle. 

 

199. WIE SOLL MAN SIE LIEB UND WERT HABEN?

 

Dass man sie um Gottes und des Guten willen, so derselbe uns durch sie erweiset, herzlich liebe, auch daher solche Ehre, Dienst und Gehorsam aus Liebe ihnen erweise: deswegen auch mit ihren Gebrechen Geduld trage, und Gott täglich für ihre geistliche und leibliche Wohlfahrt anrufe. 

 

200. WAS IST ABER IN DIESEM GEBOT VERBOTEN?

 

Dass man seine Eltern nicht verachte noch erzürne. 

 

201. WIE WERDEN SIE VERACHTET?

 

Wo man ihnen die obbeschriebene Pflicht nicht leistet, und also das göttliche Bild in ihnen nicht geziemlich ehret. 

 

202. WIE WERDEN SIE ERZÜRNET?

 

Wo man gar das Gegenteil tut, und damit sie zu Zorn beweget. 

 

203. WAS ERFORDERT DIESES GEBOT VON DEN ELTERN?

 

Weil sie Gottes Bild tragen, und um desselben willen von ihren Kindern und Untergebenen die Ehre erfordern, so liegt ihnen ob, nicht nur allein dass sie sich nicht in der ersten Tafel über Gott selbst erheben, sondern auch, dass sie nach Gottes Willen und Exempel liebreich gegen die Untergebenen gesinnet seien, von Gottes wegen ihnen alles mögliche Gute tun, sie weislich regieren, beschützen, versorgen, tragen und züchtigen, durch Furcht der Menschen sich nicht in Gottes Sache zu tief erniedrigen, und sich nicht selbst verächtlich machen: indem sie sonsten das göttliche Bild an sich verunehren, und soviel an ihnen ist, sich dessen unwürdig machen. 

 

(Ein mehreres soll unten folgen in der Haustafel.) 

 

204. WAS HAT GOTT FÜR EINE VERHEISSUNG GEHÄNGET AN DAS VIERTE GEBOT?

 

Auf dass dirs wohl gehe, und du lange lebest auf Erden. 

 

205. WIE IST SOLCHE VERHEISSUNG ZU VERSTEHEN?

 

Dass neben dem geistlichen Segen, welchen Gott allen, die seiner Gebote sich befleißen, versprochen hat, absonderlich auch das zeitliche Wohlergehen den gehorsamen Kindern zugesaget wird. Welches dann auch in allen erfüllet wird, wo Gott nicht etwa siehet, dass solchen gehorsamen Kindern zeitliches Kreuz und kurzes Leben nützlicher sei, und also diese Verheißung mit besseren geistlichen Gütern und früherer Aufnehmung in die Seligkeit ersetzet. So werden etwa fromme Kinder zeitlich weggenommen, damit sie nicht verführet werden, böse aber werden alt, dass ihnen Gott Frist zur Buße gibet. 

 

Weish. 4,10-12: Er gefällt Gott wohl, und ist ihm lieb, und wird weggenommen aus dem Leben unter den Sündern, und wird hingerückt, dass die Bosheit seinen Verstand nicht verkehre, noch falsche Lehre seine Seele betrüge; denn die bösen Exempel verführen und verderben einem das Gute, und die reizende Lust verkehret unschuldige Herzen. 

 

206. GEHET ABER SOLCHE VERHEISSUNG ORDENTLICHER WEISE UNS AUCH NOCH IN DEM NEUEN TESTAMENT AN?

 

Ja: als die deswegen von Paulo Eph. 6,2.3 wiederholet wird. 

 

207. WAS IST ENDLICH DIE GANZE ABSICHT GOTTES IN DEM VIERTEN GEBOT?

 

Dass der Herr seine Ordnung, die er unter den Menschen aus weisem Rat gemacht, erhalten haben will, zu Ehren seiner Gewalt, die er den Eltern mitgeteilet, und zur Erhaltung des menschlichen Geschlechts, welches ohne dergleichen Ordnung nicht bestehen mag. 

 

208. WIE LAUTET DAS FÜNFTE GEBOT?

 

Du sollst nicht töten. 

 

209. WAS IST DAS?

 

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid tun, sondern ihm helfen und fördern in allen Leibesnöten. 

 

210. WEM IST ZU TÖTEN VERBOTEN?

 

Allen Menschen, was ihre eigene Gewalt anlanget. Denn dass die Obrigkeit die Übeltäter töten, und in rechtmäßigen Kriegen das Schwert durch die Ihrigen führen mag, hat sie nicht aus eigener Gewalt, sondern Gott, welcher allein Herr über Tod und Leben ist, tötet durch sie in seiner Ordnung diejenigen, die ihrer Misshandlung halben den Tod verwirket. 

 

Röm. 13,4: Sie (die Obrigkeit) ist Gottes Dienerin, dir zu gut; tust du aber Böses, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst: sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses tut. 

 

211. WAS IST VERBOTEN IN DEM FÜNFTEN GEBOT?

 

Der Totschlag. 

 

212. WAS SOLL NICHT TOTSCHLAGEN?

 

Weder mein Herz, noch meine Augen, noch meine Zunge, noch meine Faust. 

 

213. WIE VIELERLEI IST DENN DER TOTSCHLAG?

 

Vornehmlich viererlei: 1. mit der Faust, 2. mit der Zunge, 3. mit dem Gesicht und Geberden, 4. mit dem Herzen. 

 

214. ERKENNET CHRISTUS AUCH FÜR TOTSCHLAG, WAS NICHT EBEN MIT DER ÄUSSERLICHEN TAT GESCHIEHT?

 

Ja freilich, Matth. 5,21.22: Ihr habt gehöret, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha, der ist des Rats schuldig; wer aber sagt: du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig. Da denn unser Heiland erkennet, dass auch eben sowohl mit Zorn, grimmigen und verächtlichen Geberden, und schmählichen oder ehrenrührigen Worten wider das fünfte Gebot gesündiget werde. 

 

215. WAS NENNEN WIR DENN DEN TOTSCHLAG MIT DER FAUST?

 

Wo man, es sei nun selbst mit der Faust, Gewehr, Geschoß, mit Gift, starkem Zutrinken, oder wie es geschehen mag, den Menschen wirklich ums Leben bringet, oder verwundet, oder schläget: oder auch, wo man dergleichen durch andere tun oder geschehen lässet, dadurch der andere um sein Leben oder Gesundheit kommen mag: oder sich von denjenigen entzieht, die man in Gefahr retten, oder, dass sie nicht verhungern und verderben, erhalten kann. 

 

1 Joh. 3,17: Wenn jemand dieser Welt Güter hat, und siehet seinen Bruder darben, und schleußt sein Herz vor ihm zu, wie bleibet die Liebe Gottes bei ihm?

 

216. WIE WIRD DER MENSCH MIT DER ZUNGE GETÖTET?

 

Wo man entweder mit Verräterei, Lügen oder falsch Zeugnis den Nächsten in Gefahr des Lebens bringet (A), oder ihm aus Hass den Tod oder anders Böses anwünschet (B), oder mit Zank und Scheltworten ihn angreift (C), oder mit Lästern und tückischen Worten ihn ins Verderben bringen will (D). 

 

(A)

Als das Exempel der Jesabel an Naboth ist zu sehen, 1 Kön. 21. 

 

(B)

Jak. 5,9: Seufzet nicht wider einander, lieben Brüder, auf dass ihr nicht verdammet werdet. 

 

(C)

Matth. 5,22: Wer zu seinem Bruder sagt: du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig. 

 

(D)

Ps. 57,5: Die Menschenkinder sind Flammen, ihre Zähne sind Spieße und Pfeile, und ihre Zungen scharfe Schwerter. 

Ps. 64,3-5: Verbirg mich vor der Versammlung der Bösen, vor dem Haufen der Übeltäter, welche ihre Zungen schärfen wie ein Schwert, die mit ihren giftigen Worten zielen, wie mit Pfeilen; dass sie heimlich schießen den Frommen, plötzlich schießen sie auf ihn ohne alle Scheu. 

Spr. 26,18.19: Wie einer heimlich mit Geschoß und Pfeilen schießt und tötet, also tut ein falscher Mensch mit seinem Nächsten, und spricht darnach: Ich habe gescherzet. 

Jer. 9,8: Ihre falsche Zungen sind mörderische Pfeile; mit ihrem Munde reden sie freundlich gegen den Nächsten, aber im Herzen lauren sie auf denselben. 

 

217. WIE KANN MAN DEN NÄCHSTEN TÖTEN MIT GEBERDEN ODER DEM GESICHT?

 

Wo man entweder sein Angesicht im Zorn verstellet gegen den Nächsten, dass Feindseligkeit und Grimm aus den Augen und Geberden hervorleuchtet (A), oder hingegen seine Bosheit des Herzens zum Schaden des Nächsten mit falscher Freundlichkeit verbirgt (B). 

 

(A)

1 Mos. 4,5.6: Da ergrimmete Kain sehr, und seine Geberde verstellete sich. Da sprach der Herr zu Kain: Warum ergrimmest du, und warum verstellet sich deine Geberde?

Hiob 16,8.9: Mein Widersprecher lehnet sich wider mich auf, und antwortet wider mich; sein Grimm reißet, und der mir gram ist, beißet die Zähne über mich zusammen; mein Widersacher funkelt mit seinen Augen auf mich. 

Ps. 37,12: Der Gottlose dräuet dem Gerechten, und beißet seine Zähne zusammen über ihn. 

1 Kor. 13,5: Die Liebe stellet sich nicht ungeberdig. 

 

(B)

Das Exempel Joabs 2 Sam. 3,27. Kap. 20,10., der den Abner und Amasa unter dem Schein der Freundschaft erwürget; und Judä, der seinen Herrn mit einem Kuss zum Tod verriet. 

 

218. KANN MAN AUCH DEN NÄCHSTEN MIT DEM HERZEN TÖTEN?

 

Ja: durch Zorn, Hass, Neid, Unbarmherzigkeit, Rache: welche zwar gemeiniglich nachmal auch in der Tat oder Wort ausbrechen, aber bereits in dem Herzen ein verdammlicher Totschlag sind. 

 

1 Joh. 3,15: Wer seinen Bruder hasset; der ist ein Totschläger; und ihr wisset, dass ein Totschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend. 

 

219. IST ALLER ZORN VERBOTEN?

 

Wo der Mensch aus Bitterkeit des Herzens und eigener Rachgier zürnet, so ist aller Zorn verboten (A): aber wo er aus Eifer für Gott und dessen Willen, mit Liebe gegen den Nächsten, zürnet über das Unrecht und diejenigen, welche unrecht tun, sonderlich die ihm untergeben sind, so ist es ein Amts- oder sonsten rechtmäßiger Zorn, und zürnet Gott durch solchen Menschen, oder er zürnet in Gottes Namen (B). 

 

(A)

Jak. 1,19.10: Ein jeglicher Mensch sei schnell zu hören, langsam aber zu reden, und langsam zum Zorn: denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist. 

 

(B)

Ps. 119,139: Ich habe mich schier zu Tod geeifert, dass meine Widersacher deiner Worte vergessen. 

Eph. 4,26: Zürnet und sündiget nicht; lasset die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. 

 

220. KANN MAN SICH ABER AUCH IN DEM AMTSZORN, ODER DA MAN SONSTEN RECHTMÄSSIGE URSACH HAT, VERSÜNDIGEN?

 

Ja: wo der Eifer nicht von dem Geist, sondern dem Fleisch und dessen Affekten herrühret, wo man der Sache zu viel tut, damit zu lange anhält, und den Zorn zum Hass gegen die Personen werden lässt. 

 

221. IST EINIGER HASS ERLAUBT?

 

Wie der Hass, der Liebe gerad entgegen stehet, so ist aller Hass, der auf einige Person selbst gehet, unrecht: aber doch habe ich die Laster böser Leute, und sie, sofern sie solche an sich haben, nach Gottes Exempel zu hassen, jedoch, dass ich dabei solchen Personen selbst alles Gute zu tun, und sie von solchem Bösen abzubringen willig und geflissen sei. 

 

222. IST DER NEID AUCH VERBOTEN?

 

Freilich ist sowohl Neid und Missgunst, als welches Laster mit demselben nahe übereinkommt, über anderer Schaden sich freuen, eine schwere Sünde und teuflisches Laster wider dieses fünfte Gebot. 

 

Jak. 3,13-16: Wer ist weise und klug unter euch? Der erzeige mit seinem guten Wandel seine Werke in der Sanftmut und Weisheit. Habt ihr aber bittern Neid und Zank in euren Herzen, so rühmet euch nicht, und lüget nicht wider die Wahrheit; denn das ist nicht die Weisheit, die von oben herab kommt, sondern irdisch, menschlich und teuflisch; denn wo Neid und Zank ist, da ist Unordnung und eitel böses Ding.

 

Spr. 24,17.18: Freue dich des Falles deines Feindes nicht; und dein Herz sei nicht froh über seinem Unglück; es möchts der Herr sehen, und ihm übel gefallen, und seinen Zorn von ihm wenden. 

 

223. WAS IST DIE UNBARMHERZIGKEIT?

 

Wo man mit eines andern Not kein Mitleiden hat, sondern ihm seinen Unfall gönnet, oder es doch nicht achtet. 

 

Jak. 2,13: Es wird ein unbarmherziges Gericht ergehen über den, der keine Barmherzigkeit getan hat. 

Luk. 10,31: Es begab sich ungefähr, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog, und da er ihn sahe, ging er vorüber, u.s.w. 

 

224. IST EINIGE RACHE ERLAUBT?

 

Nein: weil Gott alle Rache ihm allein vorbehalten hat. 

 

Röm. 12,19: Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn Gottes; denn es stehet geschrieben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr. 5 Mos. 32,35. 

 

225. KANN MAN AUCH DEN NÄCHSTEN AN DER SEELE TÖTEN?

 

Ja freilich, wo man ihn verführet, oder mit bösem Exempel, Missbrauch seiner Freiheit und bösem Schein ärgert, wo man ihn in dem Geistlichen versäumet, und ihn nicht so viel man vermag zu erbauen suchet (A): welcher Totschlag so viel böser, als mehr an der Seele denn dem Leibe gelegen ist (B). 

 

(A)

Matth. 18,6.7: Wer ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehänget würde, und er ersäufet würde im Meer, da es am tiefsten ist. Wehe der Welt, der Ärgernis halben! Es muss ja Ärgernis kommen; doch wehe dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt. 

Röm. 14,14.15: Ich weiß und bin gewiss in dem Herrn Jesu, dass nichts gemein ist an ihm selbst, ohne der es rechnet für gemein, demselben ist es gemein. So aber dein Bruder über deiner Speise betrübet wird, so wandelst du schon nicht nach der Liebe. Lieber, verderbe den nicht mit deiner Speise, um welches willen Christus gestorben ist. 

1 Kor. 8,9ff: Sehet zu, dass diese eure Freiheit nicht gerate zu einem Anstoß der Schwachen. Denn so dich, der du die Erkenntnis hast, jemand sähe zu Tische sitzen im Götzenhause: wird nicht sein Gewissen, dieweil er schwach ist, verursacht, das Götzenopfer zu essen? und wird also über deine Erkenntnis der schwache Bruder umkommen, um welches willen, doch Christus gestorben ist? Wenn ihr aber also sündiget an den Brüdern, und schlaget ihr schwaches Gewissen, so sündiget ihr an Christo. 

1 Thess. 5,22: Meidet allen bösen Schein. 

Matth. 23,15: Ihr Heuchler, die ihr Land und Wasser umziehet, dass ihr einen Judengenossen machet; und wenn ers worden ist, machet ihr aus ihm ein Kind der Hölle, zwiefältig mehr, denn ihr seid. 

Matth. 15,14: Wenn ein Blinder den andern leitet, so fallen sie beide in die Grube. 

 

(B)

Ezech. 33,8: Wenn ich dem Gottlosen sage, du musst des Todes sterben, und du warnest ihn nicht, und sagest es ihm nicht, damit sich der Gottlose vor dem gottlosen Wesen hüte, auf dass er lebendig bleibe; so wird der Gottlose um seiner Sünde willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern.

 

226. WAS SOLL ICH NICHT TÖTEN?

 

Weder meinen Nächsten, noch mich selbst. 

 

227. HABE ICH DENN NICHT MACHT, MICH SELBST ZU TÖTEN?

 

Nein: weil mein Leben nicht mein eigen, sondern Gottes ist. 

 

228. WIE GESCHIEHET ABER DER SELBSTMORD?

 

Nicht nur auf grobe äußerliche Weise von denjenigen, die sich mit Eisen, Geschoß, Strick, Messer, Gift oder dergleichen umbringen, sondern auch von denen, so mit Unmäßigkeit, Fressen, Saufen, Leichtfertigkeit, heftigem Zorn, allzugroßer Traurigkeit, Versäumnis der Arzenei, übermäßiger Arbeit und dergleichen ihr Leben abkürzen, oder die Gesundheit verderben (A): desgleichen von denen, so sich vermessentlich oder unvorsichtig in unnötige Gefahr begeben (B). 

 

(A)

2 Kor. 7,10: Die Traurigkeit der Welt wirket den Tod. 

Sir. 30,22ff: Mache dich selbst nicht traurig, und plage dich nicht selbst mit deinen eigenen Gedanken; denn ein fröhlich Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude ist sein langes Leben. Tue dir Gutes, und tröste dein Herz, und treibe die Traurigkeit ferne von dir; denn Traurigkeit tötet viele Leute, und dienet doch nirgend zu. Eifer und Zorn verkürzen das Leben, und Sorge macht alt vor der Zeit. 

Sir. 31(32),30: Sei nicht ein Weinsäufer; denn der Wein bringet viel Leute um. 

 

(B)

Sir. 3,27.28: Wer sich gerne in Gefahr gibt, der verdirbt darinnen; und einem vermessenen Menschen gehets endlich übel aus. 

 

229. KANN SICH DER MENSCH AUCH AN DER SEELE UND DEM GEMÜT TÖTEN?

 

Ja, und solches ist eben sowohl verboten. Es geschiehet aber, wo der Mensch die ihm von Gott mitgeteilten Gaben nicht gebraucht, noch sie ausübet (A): oder wo er sich um die Seelengüter bringet, die ihm Gott gegeben hatte, oder in seiner Ordnung hätte geben wollen (B): oder wo er aus törichter Liebe des Zeitlichen und Geringern sich um das Ewige und Wichtigste bringet, und ihm also unwiederbringlichen Schaden selbst zufüget (C). 

 

(A)

Röm. 1,18: Die die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten. 

 

(B)

Matth. 25,29: Wer da hat, dem wird gegeben werden und wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, das er hat, genommen werden. 

2 Joh. V. 8: Sehet euch vor, dass wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangen. 

 

(C)

Matth. 16,25.26: Wer sein Leben erhalten will, der wirds verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wirds finden. Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne, und nähme doch Schaden an seiner Seele; oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?

Joh. 12,25: Wer sein Leben lieb hat, der wirds verlieren, und wer sein Leben auf dieser Welt hasset, der wirds erhalten zum ewigen Leben. 

 

230. WAS WIRD IN DEM FÜNFTEN GEBOT GEBOTEN?

 

Dass ich meinem Nächsten helfen und fördern soll in allen Leibesnöten. 

 

231. WAS BIN ICH ABER MIR SELBST IN SOLCHEM GEBOT SCHULDIG?

 

Dass ich um Gottes willen, und auch meinem Nächsten zu gut, mein eigen Heil nach bestem Vermögen in allen Dingen befördere. 

 

232. WIE VERMAG ICH SOLCHES ZU TUN?

 

Also, dass ich die Gaben des Gemüts, so mir Gott gegeben, etwas Rechtschaffenes und Nützliches zu lernen, anwende, der geistlichen Gaben mich gebrauche, und sie erwecke (A), auch darinnen immer zuzunehmen trachte (B): dem Leib seinen notwendigen Unterhalt, als Speise, Trank, Ruhe, in Krankheit aber Pflege und Arznei widerfahren lasse, auch mich aller göttlichen Mittel zur Erhaltung des Lebens und Wiedererlangung der Gesundheit, so lange es Gottes Wille sei, gebrauche (C). 

 

(A)

2 Tim. 1,6: Ich erinnere dich, dass du erweckest die Gabe Gottes, die in dir ist, durch die Auflegung meiner Hände. 

 

(B)

1 Thess. 4,1: Weiter, lieben Brüder, bitten wir euch, und ermahnen in dem Herrn Jesu, nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollt wandeln und Gott gefallen, dass ihr immer völliger werdet. 

1 Kor. 12,31: Strebet nach den besten Gaben.

 

(C)

Röm. 13,14: Wartet des Leibes, doch also, dass er nicht geil werde. 

Eph. 5,29: Niemand hat jemals sein eigen Fleisch gehasset, sondern er nähret es und pfleget sein. 

1 Tim. 5,23: Trinke nicht mehr Wasser, sondern brauche ein wenig Weins, um deines Magens willen, und dass du oft krank bist. 

Jak. 5,14: Ist jemand krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeine, und lasse sie über sich beten, und salben mit Öl in dem Namen des Herrn. 

 

233. WAS BIN ICH ABER MEINEM NÄCHSTEN KRAFT DIESES GEBOTES SCHULDIG?

 

Erstlich, dass ich in wirklicher Not ihm mit Rat und Tat beistehe, und in Gefahr und Mangel ihn erhalten helfe (A): dass ich mitleidig, barmherzig und freundlich gegen ihn sei, dass ich sein Gutes und Böses ansehe, als wäre es mir begegnet (B): 3. dass ich mit Sanftmut, Versöhnlichkeit und Geduld seine Schwachheit oder mir angetanes Unrecht trage (C): und 4. in allem Geistlichen und Leiblichen sein Bestes befördere (D). 

 

(A)

Jes. 58,7ff: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die, so in Elend sind, führe ins Haus. So du einen Nackenden siehest, so kleide ihn, und entzeuch dich nicht von deinem Fleisch. Alsdann wird dein Licht hervor brechen wie die Morgenröte, und deine Besserung wird schnell wachsen, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird dich zu sich nehmen. Dann wirst du rufen, so wird dir der Herr antworten; wenn du wirst schreien, wird er sagen: Siehe, hie bin ich. 

Hebr. 13,16: Wohlzutun und mitzuteilen vergesset nicht, denn solche Opfer gefallen Gott wohl. 

Jak. 2,15.16: So ein Bruder oder Schwester bloß wäre, und Mangel hätte der täglichen Nahrung, und jemand unter euch spräche zu ihnen: Gott berate dich, wärmet euch, und sättiget euch; gebet ihnen aber nichts, was des Leibes Notdurft ist, was hülfe sie das?

1 Joh. 3,16: Daran haben wir erkannt die Liebe, dass Er (Christus) sein Leben für uns gelassen hat: und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. 

 

(B)

Matth. 5,7: Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. 

Luk. 6,36: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 

Röm. 12,15.16: Freuet euch mit den Fröhlichen, weinet mit den Weinenden; habet einerlei Sinn unter einander: 

1 Kor. 12,26.27: So ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und so ein Glied wird herrlich gehalten, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr seid aber der Leib Christi, und Alle Glieder, ein jeglicher nach seinem Teil. 

 

(C)

Matth. 5,5: Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. 

Matth. 5,25: Sei willfärtig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist. 

Matth. 5,39-41: Ich sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar; und so jemand mit dir rechten will, und deinen Rock nehmen, dem lasse auch den Mantel; und so dich jemand nötiget Eine Meile, so gehe mit ihm zwo. 

Kol. 3,12-16; So ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, und vertrage einer den andern, und vergebet euch unter einander, so jemand Klage hat wider den andern: gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Über alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit; und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in Einem Leibe, und seid dankbar. 

Eph. 4,1-3: So ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, dass ihr wandelt, wie sichs gebühret eurem Beruf, darinnen ihr berufen seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Geduld, und vertraget einer den andern in der Liebe; und seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. 

1 Petr. 3,8.9: Endlich aber seid allesamt gleich gesinnet, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern dagegen segnet und wisset, dass ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen beerbet. 

Eph. 4,32: Seid aber unter einander freundlich, herzlich, und vergebet einer dem andern, gleichwie Gott euch vergeben hat in Christo.

 

(D)

1 Kor. 10,24: Niemand suche was sein ist, sondern ein jeglicher, was des andern ist. 

1 Petr. 4,10: Dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnaden Gottes. 

 

234. HABE ICH DENN AUCH FÜR MEINES NÄCHSTEN SEELE UND GEISTLICHES ZU SORGEN?

 

In allewege, und das aus Schuldigkeit der Liebe um so viel angelegentlicher, als mehr dem Nächsten an Erhaltung seiner Seele, denn des Leibes gelegen ist. 

 

235. WIE GESCHIEHET ABER SOLCHES?

 

Wo man demselben nicht nur mit gutem Exempel und Vorsichtigkeit vorgehet (A), sondern für denselben betet (B), ihn unterrichtet, ermahnet, warnet, strafet, tröstet (C): sonderlich aber, wo er in Irrtum oder Sünden stecket, ihn mit Sanftmut zurecht zu bringen suchet (D). 

 

(A)

1 Kor. 10,32.33. 11,1: Seid nicht ärgerlich weder den Juden noch den Griechen, noch der Gemeine Gottes; gleichwie ich auch jedem in allerlei mich gefällig mache, und suche nicht, was mir, sondern was vielen frommet, dass sie selig werden. Seid meine Nachfolger, gleichwie ich Christi. 

Röm. 14,19: Lasset uns dem nachstreben, das zum Frieden dienet, und was zur Besserung unter einander dienet. 

Matth. 5,16: Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen, und euren Vater im Himmel preisen. 

Phil. 2,15: Auf dass ihr seid ohne Tadel und lauter, und Gottes Kinder, unsträflich mitten unter dem unschlachtigen und verkehrten Geschlecht, unter welchem ihr scheinet als die Lichter in der Welt. 

1 Petr. 2,12: Führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf dass die, so von euch afterreden als von Übeltätern, eure guten Werke sehen, und Gott preisen, wenns nun an den Tag kommen wird. V. 15: Denn das ist der Wille Gottes, dass ihr mit Wohltun verstopfet die Unwissenheit der törichten Menschen. 

 

(B)

1 Tim. 2,1: So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen. 

 

(C)

1 Thess. 5,11: Ermahnet euch unter einander, und bauet einer den andern, wie ihr denn tut. V. 14: Wir ermahnen aber euch, lieben Brüder, vermahnet die Ungezogenen, tröstet die Kleinmütigen, traget die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. 

 

(D)

Gal. 6,1.2: Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehler übereilet würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, die ihr geistlich seid; und siehe auf dich selbst, dass du nicht auch versuchet werdest: einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. 

Jak. 5,19.20: Lieben Brüder, so jemand unter euch irren würde von der Wahrheit, und jemand bekehrete ihn, der soll wissen, dass wer den Sünder bekehret hat von dem Irrtum seines Weges, der hat einer Seele vom Tode geholfen, und wird bedecken die Menge der Sünden. 

 

236. GEHÖRET ABER ALLES DIESES NICHT DEN PREDIGERN ALLEIN ZU?

 

Nein: sondern obwohl die öffentliche Verrichtung aller dieser Pflichten, sodann die Obsicht, wie die Christen solches unter einander wahrnehmen, dem ordentlichen Predigtamt anbefohlen ist, und ihm in solchem allem kein Eintrag geschehen soll, so haben doch auch alle Christen nach dem Maß der Gnaden, so ihnen gegeben ist, absonderlich bei jeglicher Gelegenheit, mit Vermeidung aller Unordnung, aus allgemeiner und brüderlicher Liebe jeglicher an seinem Bruder alles solches zu tun, Recht und Befehl.

 

237. WAS IST DENN ENDLICH DIE GANZE ABSICHT GOTTES IN DIESEM GEBOT?

 

Dass, gleichwie er mit herzlicher Liebe alles, was er gemacht, erhält, wir uns auch befleißigen, alles was Gott Gutes an unserem Nebenmenschen, an uns selbst, ja auch in gewisser Maß an anderen Kreaturen geschaffen und denen gegeben hat, nach allem Vermögen suchen zu erhalten und zu befördern. 

 

238. GEHET DENN DIESES GEBOT AUCH ANDERE KREATUREN AN?

 

Es gehet eigentlich allein nur die Menschen an, aber in gewisser Maß erstrecket sichs auch auf andere Kreaturen, nämlich wie wir sollen gütig und barmherzig sein gegen die Menschen, und hingegen verboten ist alle Grausamkeit gegen dieselben: also ist es auch nicht recht, gegen unvernünftige Tiere, die ja auch unsers Gottes Geschöpfe sind, Grausamkeit zu üben, sie aus Mutwillen zu verderben, oder dieselben anders, als zu dem nötigen Gebrauche, wozu sie uns gegeben sind, zu gebrauchen. 

 

Spr. 12,10: Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes, aber das Herz des Gottlosen ist unbarmherzig. 

Röm. 8,29: Sintemal die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit, ohne ihren Willen, sondern um deßwillen, der sie unterworfen hat auf Hoffnung. V. 22: Denn wir wissen, dass alle Kreatur sehnet sich mit uns, und ängstet sich noch immerdar. 

 

239. WIE LAUTET DAS SECHSTE GEBOT?

 

Du sollst nicht ehebrechen. 

 

240. WAS IST DAS?

 

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir keusch und züchtig leben in Worten und Werken, und ein jeglicher sein Gemahl liebe und ehre. 

 

241. WAS IST IN DIESEM GEBOTE VERBOTEN?

 

Der Ehebruch, oder insgemein alle Unreinigkeit und Unkeuschheit. 

 

242. AUF WIE VIELERLEI WEISE WIRD DIESELBE BEGANGEN?

 

Auf viererlei Art: 1. in dem Herzen, 2. mit Gebärden und den Augen, 3. mit Worten, 4. mit der Tat. 

 

243. WELCHES IST DER EHEBRUCH IN DEM HERZEN?

 

Alle leichtfertige und unzüchtige Gedanken und Begierden, welche vor dem Herzenskündiger schon ein Ehebruch heißen. 

 

Matth. 5,28: Ich sage euch, wer ein Weib ansiehet, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. 

 

244. WELCHES IST DER EHEBRUCH IN GEBÄRDEN?

 

Wo man nach der Schönheit siehet, dadurch die böse Lust zu erwecken: ebenso mit leichtfertigem Winken, reizenden Gebärden, Entblößen oder solchen Trachten, welche viel des Leibes bloß lassen, leichtfertigem Tanzen, und dabei ungeziemendem, unzüchtigem Küssen, und dergleichen. 

 

Matth. 5,28: Ich sage euch, wer ein Weib ansiehet, ihrer zu begehren, u.s.w. 

Sir. 9,7-13: Gaffe nicht in der Stadt hin und wieder, und laufe nicht in alle Winkel; wende dein Angesicht von schönen Frauen, und siehe nicht nach der Gestalt anderer Weiber. Denn schöne Weiber haben manchen betöret, und böse Lust entbrennet davon wie ein Feuer. Sitze nicht bei eines andern Weib, und herze dich nicht mit ihr; und prasse nicht mit ihr, dass dein Herz nicht an sie gerate, und deine Sinne nicht betöret werden. 

Sir. 26,12-14: Ein hurerisches Weib kennet man bei ihrem unzüchtigen Gesichte, und an ihren Augen. Ist deine Tochter nicht schamhaftig, so halte sie hart, auf dass sie nicht ihren Mutwillen treibe, wenn sie so frei ist. Wenn du merkest, dass sie frech um sich siehet, so siehe wohl darauf: wo nicht, und sie tut darüber wider dich, so laß dichs auch nicht wundern. 

 

245. WELCHES IST DER EHEBRUCH IN DEN WORTEN?

 

Alle garstige Reden, leichtfertige Zoten und Possen, unzüchtige und zur Unzucht reizende Lieder. 

 

Eph. 4,29.30: Lasset kein faul Geschwätz aus eurem Munde gehen, sondern was nützlich zur Besserung ist, da es not tut, dass es holdselig sei zu hören; und betrübet nicht den Heil. Geist Gottes, damit ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung. 

Eph. 5,3-5: Hurerei aber und alle Unreinigkeit oder Geiz lasset nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zustehet; auch schandbare Worte und Narrentheidunge oder Scherz, welche euch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, dass kein Hurer, oder Unreiner, oder Geiziger (welcher ist ein Götzendiener), Erbe hat an dem Reich Christi und Gottes. 

 

246. WARUM SOLLEN DENN DERGLEICHEN GEBÄRDEN UND WORTE FÜR SÜNDE GEHALTEN WERDEN?

 

Weil sie Anzeigungen sind der unkeuschen Begierden, so in dem Herzen sind, die sich damit verraten, und dadurch weiter entzündet werden, aus welchen auch endlich leicht andere Schandtaten entstehen mögen. 

 

Matth. 12,34.35: Weß das Herz voll ist, deß geht der Mund über. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus seinem guten Schatz des Herzens, und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz. 

Jak. 1,14.15: Ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust gereizet und gelocket wird; darnach wenn die Lust empfangen hat, gebieret sie die Sünde, die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebieret sie den Tod. 

 

247. WELCHES IST DENN DER EHEBRUCH IN DER TAT?

 

Alle wirkliche Unzucht, nicht nur mit verheirateten Personen: so eigentlich Ehebruch genennet zu werden pflegt, sondern auch alle Hurerei unter Ledigen, Blutschande, Sodomiterei und andere stumme Sünden, damit der Mensch seinen eigenen Leib beflecket: welche auch vor Gottes heiligen Augen abscheulicher sind, als sichere Leute gedenken mögen. 

 

248. WAS HAT DIESE FLEISCHLICHE SÜNDE VOR ANDERN NOCH FÜR GREUEL AN SICH?

 

Dass sie des Menschen Leib befleckt, und den Tempel des Heil. Geistes, welchen zu erlösen es Christo so sauer worden ist, verderbet: daher sie Gott auch so viel härter straft. 

 

1 Kor. 9,16-20: Wisset ihr nicht, dass wer an der Hure hanget, der ist Ein Leib mit ihr? Denn sie werden (spricht er) zwei in Einem Fleisch sein. Wer aber dem Herrn anhanget, der ist Ein Geist mit ihm. Fliehet die Hurerei. Alle Sünden, die der Mensch tut, sind außer seinem Leibe: wer aber huret, der sündiget an seinem Leibe. Oder wisset ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist, welchen ihr habt von Gott, und seid nicht euer selbst? Denn ihr seid teuer erkauft; darum so preiset Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes. 

1 Kor. 3,17: So jemand den Tempel Gottes verderbet, den wird Gott verderben. 

 

249. GEHET DENN DIESES GEBOT NICHT ALLEIN DIE VEREHELICHTEN AN?

 

Nein: denn Hurerei wird sowohl als ein Greuel vor Gott angezogen, als eigentlich also genannter Ehebruch. 

 

Hebr. 13,4: Die Ehe soll ehrlich gehalten werden bei allen, und das Ehebett unbefleckt. Die Hurer aber und Ehebrecher wird Gott richten. 

 

250. WAS BETRIFFT ABER DIE EHELICHEN ABSONDERLICH IN DEMSELBEN?

 

Dass sie einander die schuldige Pflicht nicht brechen, nicht von einander laufen, nicht unfreundlich und uneinig mit einander leben, sich einander nicht entziehen: als welches lauter Arten des hier verbotenen Ehebruchs sind. 

 

251. WAS IST FERNER UND UM DES EHEBRUCHS WILLEN VERBOTEN?

 

Alles was Gelegenheit dazu gibet, und die böse Lust reizen kann: als Müßiggang, unzüchtige Gemälde, leichtfertige Kleider und dergleichen, sonderlich aber Fressen und Saufen, allzu niedliche Pflege, und alle Überfüllung des Leibes, welche denselben zur Leichtfertigkeit entzündet.

 

Spr. 23,31-33. 

S. Fr. 252. 

Röm. 13,13.14: Lasset uns ehrbarlich wandeln, als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid: sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ; und wartet des Leibes, doch also, dass er nicht geil werde. 

 

252. IST DENN DIE TRUNKENHEIT EIN SO SCHWERES LASTER, WEIL SIE GLEICHWOHL SO GEMEIN IST?

 

Ja freilich: wie gemein sie sein mag, und von den Menschen gering geachtet wird, so ist sie vor Gottes Gericht nichts desto weniger verdammlich, schließt den Menschen eben sowohl gar aus dem Reich Gottes, als Ehebruch, Diebstahl und dergleichen (A), gehöret unter die Werke des Fleisches, dabei man die Seligkeit nicht ererben kann (B), machet, dass der Mensch vor Gottes Gericht nicht bestehen mag (C), machet ihn untüchtig, den Heil. Geist zu empfangen, sein Gebet erhörlich zu tun, und seinen Beruf treulich abzuwarten, missbrauchet der Gaben Gottes zu Unehren des Schöpfers, bringet den Menschen um Leben und Gesundheit, um Ehr und Glimpf, um Hab und Nahrung wider das fünfte und siebente Gebot, und öffnet ihm Tür und Tor zu allerhand fernern Sünden, Schanden und Lastern (D). 

 

(A)

1 Kor. 6,9.10: Lasset euch nicht verführen; weder die Hurer, noch die Abgöttischen, noch die Ehebrecher, noch die Weichlinge, noch die Knabenschänder, noch die Diebe, noch die Geizigen, noch die Trunkenbolde, noch die Lästerer, noch die Räuber werden das Reich Gottes ererben. 

 

(B)

Gal. 5,19-21: Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, als da sind Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Hass, Mord, Saufen, Fressen, und dergleichen: von welchen ich euch habe zuvor gesagt, und sage noch zuvor, dass die solches tun, werden das Reich Gottes nicht ererben. 

 

(C)

Luk. 21,34-36: Hütet euch, dass eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch: denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, dass ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allem, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. 

1 Petr. 4,3-5: Es ist genug, dass wir die vergangene Zeit des Lebens zugebracht haben nach heidnischem Willen, da wir wandelten in Unzucht, Lüsten, Trunkenheit, Fresserei, Sauferei, und greulichen Abgöttereien. Das befremdet sie, dass ihr nicht mit ihnen laufet in dasselbige wüste unordentliche Wesen, und lästern; welche werden Rechenschaft geben dem, der bereit ist zu richten die Lebendigen und die Toten. 

 

(D)

Eph. 5,18: Saufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern werdet voll Geistes. 

 

Spr. 20,1: Der Wein macht lose Leute, und stark Getränk macht wild: wer dazu Lust hat, wird nimmer weise. 

Spr. 23,29ff: Wo ist Weh? wo ist Leid? wo ist Zank? wo ist Klagen? wo sind Wunden ohne Ursach? wo sind rote Augen? Nämlich wo man beim Wein liegt, und kommt auszusaufen, was eingeschenkt ist. Siehe den Wein nicht an, dass er so rot ist, und im Glase so schön stehet; er gehet glatt ein, aber darnach beißt er, wie eine Schlange, und sticht, wie eine Otter. So werden deine Augen nach andern Weibern sehen, und dein Herz wird verkehrte Dinge reden; und wirst sein, wie einer der mitten im Meere schläft, und wie einer schläft oben auf dem Mastbaum. 

 

253. IST ABER VIELLEICHT ALLEIN DIEJENIGE TRUNKENHEIT VERDAMMLICH, WO DER MENSCH DERSELBEN TÄGLICH NACHHÄNGET, ODER DARINNEN UMS LEBEN KOMMT?

 

Obwohl die Schuld der Trunkenheit, gleichwie alle Sünden, so viel schwerer wird, wo der Mensch sich öfters damit vergreifet, so ist doch auch diejenige vor Gott verdammlich, wo man, ob zwar selten, gleichwohl einigemal sich überfüllet. Und wie derjenige als ein Dieb, Ehebrecher, Räuber angesehen und von dem Reich Gottes ausgeschlossen wird, nicht nur der täglich, sondern auch zuweilen mit solchen Sünden sich beflecket, also ist auch ein Trunkenbold vor Gott, und mag sich keiner der Seligkeit getrösten, welcher nicht sowohl der Trunkenheit, als allen andern Sünden ganz absterben und sie ablegen will. So lang also der Mensch nicht solchen Vorsatz gefasst, sondern annoch gewilliget ist, einigemal sich trunken zu trinken, so stehet er noch in Unbußfertigkeit, und ist vor Gott ein Trunkenbold, daher des ewigen Lebens unfähig, er sei wirklich nüchtern oder trunken. 

 

1 Kor. 6,9.10. Gal. 5,19-21. S. vorige Fr. 

 

254. WAS IST HINGEGEN GEBOTEN IN DEM SECHSTEN GEBOT?

 

Die Keuschheit oder Reinigkeit des Leibes und Geistes, die sich in Worten, Gebärden und Werken zeiget, und in dem Herzen sein muss. 

 

1 Thess. 4,3-5: Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Hurerei, und ein jeglicher unter euch wisse sein Fass zu behalten in Heiligung und Ehre, nicht in der Lustseuche, wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. 

 

255. WIE VIELERLEI IST DIE KEUSCHHEIT?

 

Zweierlei, die eheliche und jungfräuliche. 

 

256. IST DENN DER EHESTAND AUCH HEILIG, UND MAG EIN KEUSCHES LEBEN DARINNEN GEFÜHRET WERDEN?

 

Freilich: denn er ist von Gott noch im Stande der Unschuld eingesetzt (A), daher kann und soll derselbe auch keusch und züchtig geführet werden (B). 

 

(A)

1 Mos. 2,18ff. 

 

(B)

Hebr. 13,4: Die Ehe soll ehrlich gehalten werden bei allen, und das Ehebett unbefleckt. 

 

257. WAS LIEGET DEN JUNGFRAUEN UND LEDIGEN PERSONEN OB?

 

Dass sie allein sorgen, was dem Herrn angehöret, dass sie heilig seien, beides am Leib und auch am Geist: 1 Kor. 7,34. 

 

258. WAS IST DIE PFLICHT ODER SCHULDIGKEIT DER EHELICHEN?

 

Dass ein jeglicher sein Gemahl liebe und ehre. Auch dass Eheleute ihr Ehebett unbefleckt halten, auf den ersten und vornehmsten Zweck ihres Standes, die Erbauung des Reichs Gottes und Vermehrung des menschlichen Geschlechts sehen, ferner gedenken, dass diejenigen, die Christo angehören, auch in dem Ehestand ihr Fleisch samt dessen Lüsten und Begierden kreuzigen müssen, dabei ihrer Gesundheit schonen, auch der Buß-, Betens- und Fastenszeit wahrnehmen. 

 

Hebr. 13,4. S. Fr. 256. 

1 Kor. 7,3-5: Der Mann leiste dem Weibe die schuldige Freundschaft, desselbigen gleichen das Weib dem Mann. Das Weib ist ihres Leibes nicht mächtig, sondern der Mann; desselbigen gleichen der Mann ist seines Leibes nicht mächtig, sondern das Weib. Entziehe sich nicht eines dem andern, es sei denn aus beider Bewilligung, eine Zeit lang, dass ihr zum Fasten und Beten Muße habt, und kommet wieder zusammen, auf dass euch der Satan nicht versuche um eurer Unkeuschheit willen. 

 

259. WAS HABEN WIR ABER FÜR HILFSMITTEL, SOLCHE KEUSCHHEIT ZU ERLANGEN UND ZU ERHALTEN?

 

Andächtiges Gebet um den Geist der Reinigkeit (A), Mäßigkeit und zuweilen Fasten, Arbeit, Meidung aller ärgerlichen Gelegenheit (B), Betrachtung göttlicher Gegenwart, Reinigkeit und Gerechtigkeit (C). 

 

(A)

Sir. 23,5.6: Herr Gott, Vater und Herr meines Lebens, behüte mich vor unzüchtigem Gesichte, und wende von mir alle bösen Lüste. Laß mich nicht in Schlemmen und Unkeuschheit geraten, und behüte mich vor unverschämten Herzen. 

 

(B)

Matth; 5,29.30: Ärgert dich dein rechtes Auge, so reiß es aus, und wirfs von dir; es ist dir besser, dass eines deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Ärgert dich deine rechte Hand, so haue sie ab, und wirf sie von dir; es ist dir besser, dass eines deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.

Sir. 9,7-11. S. Fr. 244. 

 

(C)

1 Mos. 39,9: Wie sollte ich ein solch groß Übel tun, und wider Gott sündigen?

Sir. 23,28.29: Die Augen des Herrn sind viel heller denn die Sonne, und sehen alles, was die Menschen tun, und schauen auch in die heimlichen Winkel. 

 

260. WAS IST DENN DIE GANZE ABSICHT GOTTES IN DIESEM GEBOT?

 

Dass wir Menschen unsere Seel und Leib in der Reinigkeit behalten, in welcher wir stets Gott zu dienen, und dasjenige, wozu wir von ihm gesetzt sind, zu verrichten tüchtig seien: an welchem alle Befleckung hinderlich ist, und uns zu allen göttlichen Dingen mehr und mehr ungeschickt macht. 

 

261. WIE LAUTET DAS SIEBENTE GEBOT?

 

Du sollst nicht stehlen. 

 

262. WAS IST DAS?

 

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen, noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten. 

 

263. WAS IST IN DIESEM GEBOT VERBOTEN?

 

Das Stehlen oder der Diebstahl. 

 

264. WAS HEISST STEHLEN ODER DIEBSTAHL?

 

Wo man mit den zeitlichen Gütern, sie seien unser eigen oder des Nächsten, nicht recht umgehet. 

 

265. KANN MAN DENN AN SICH SELBST AUCH EINEN DIEBSTAHL BEGEHEN?

 

Ja freilich, mit Faulheit, da man durch seine Arbeit dasjenige nicht erwerben will, was uns Gott bescheren wollen (A), oder dasjenige, so er uns bescheret hat, und wir zu unserer und der Unseren Notdurft, auch des Nächsten Besten anwenden sollen, liderlicherweise verschwendet und durchbringet (B), oder aus Geiz ihm selbst seine Notdurft nicht tut (C). 

 

(A)

1 Thess. 4,11.12: Ringet darnach, dass ihr stille seid, und das Eure schaffet, und arbeitet mit euren eigenen Händen, wie wir euch geboten haben, auf dass ihr ehrbarlich wandelt gegen die, die draußen sind, und ihrer keines bedürfet. 

2 Thess. 3,10-12: Da wir bei euch waren, geboten wir euch solches, dass so jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen. Denn wir hören, dass etliche unter euch wandeln unordentlich, und arbeiten nichts, sondern treiben Fürwitz. Solchen aber gebieten wir, und ermahnen sie durch unsern Herrn Jesum Christ, dass sie mit stillem Wesen arbeiten, und ihr eigen Brot essen. 

Eph. 4,28: Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite, und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf dass er habe zu geben dem Dürftigen. 

 

(B)

Spr. 18,9: Wer laß ist in seiner Arbeit, der ist ein Bruder deß, der das Seine umbringet. 

Spr. 23,20: Seid nicht unter den Säufern und Schlemmern. Denn die Säufer und Schlemmer verarmen, und ein Schläfer muss zerrissene Kleider tragen. 

 

(C)

Spr. 11,17: Ein barmherziger Mann tut seinem Leib Gutes; aber ein Unbarmherziger betrübet auch sein Fleisch und Blut. 

Sir. 14,5.6: Wer ihm selber nichts Gutes tut: was soll der andern Gutes tun? Er wird seines Guts nimmer froh. Es ist kein schändlicher Ding, denn dass einer ihm selbst nichts Gutes gönnet, und das ist die rechte Plage für seine Bosheit. 

 

266. STEHET DENN EINEM MENSCHEN NICHT FREI, MIT DEM SEINIGEN ZU TUN, WAS ER WILL?

 

Nein: alldieweil was wir haben, nicht sowohl unser, als Gottes Eigentum ist, und wir demselben deshalb Rechenschaft darüber zu geben haben, wie wirs als treue Haushalter zu demjenigen Nutzen angewendet, wozu ers gegeben hat, nämlich seine Ehre damit zu befördern, unserm Nächsten zu helfen, und unsere Notdurft zu genießen. 

 

267. WIE KANN ICH ABER AN MEINEM NÄCHSTEN EINEN DIEBSTAHL BEGEHEN?

 

Wo ich auf einigerlei Art und Weise demselben hinterhalte, was ich ihm geben sollte, oder bringe ihn mit Fleiß aus Bosheit, oder durch meine Ungeschicklichkeit oder Nachlässigkeit um dasjenige was ihm gehöret. 

 

268. WIE VIELERLEI IST SOLCHER DIEBSTAHL?

 

Zweierlei: ein öffentlicher Diebstahl, so mit Raub oder sonsten auch in der Welt bekanntlichem Entwenden geschiehet; sodann ein subtiler Diebstahl, der in einer Ungerechtigkeit bestehet, die nicht kenntlich ist oder in der Welt für Diebstahl nicht geachtet wird. 

 

269. AN WEM KANN MAN DIEBSTAHL BEGEHEN?

 

An seinen Obern, an den Untern, und an seines Gleichen. 

 

270. WIE AN DEN OBERN?

 

Wo man der Obrigkeit nicht ihr Gebühr abstattet, sondern ihr dieselbe öffentlich vorenthält oder heimlich abzwacket (A): wo das Gesinde untreu ist gegen seine Herrschaften, und seine Arbeit nicht fleißig verrichtet, aus Liderlichkeit oder Bosheit Schaden tut und geschehen lässt (B): wo sich die Armen der Almosen missbrauchen, solche ohne Not suchen, mit Pochen abzwingen wollen, und liderlich verzehren. 

 

(A)

Röm. 13,7: So gebet nun jedermann, was ihr schuldig seid: Schoß dem der Schoß gebühret, Zoll, dem der Zoll gebühret. 

 

(B)

Tit. 2,9,10: Den Knechten gebeut, dass sie ihren Herren untertänig seien, in allen Dingen zu Gefallen tun, nicht widerbellen, nicht veruntreuen, sondern alle gute Treue erzeigen, auf dass sie die Lehre Gottes unsers Heilands zieren in allen Stücken. 

 

271. WIE BEGEHEN DIE OBERN AN DEN UNTERN EINEN DIEBSTAHL?

 

Wo die Obrigkeit die Untertanen mit allzuschwerer unnötiger Last und Auflage drücket (A), die Gerechtigkeit verkauft um Geschenk und Gaben (B), unnötige Kriege und Landverderben anrichtet (C), die Geringen und Gerechten unterdrücket (D): wo ein Hausvater dem Gesind und Arbeitern nicht den verdienten Lohn gibt, oder zu Liebe werden lässt (E): wo man den Armen nicht nach Vermögen gibet (F), oder sie mit Zinsen oder Wucher aussauget (G). 

 

(A)

Mich. 3,1-4: Höret doch, ihr Häupter im Hause Jakob, und ihr Fürsten im Hause Israel: ihr solltets billig sein, die das Recht wüssten; aber ihr hasset das Gute, und liebet das Arge; ihr schindet ihnen das Haupt ab und das Fleisch von ihren Beinen, und fresset das Fleisch meines Volks. Und wenn ihr ihnen die Haut abgezogen habt, zerbrecht ihr ihnen auch die Beine, und zerlegets wie in einen Topf, und wie Fleisch in einen Kessel. Darum wenn ihr nun zum Herrn schreien werdet, wird er euch nicht erhören, sondern wird sein Angesicht vor euch verbergen zur selbigen Zeit, wie ihr mit eurem bösen Wesen verdienet habt. 

 

(B)

Jes. 1,23: Deine Fürsten sind Abtrünnige und Diebsgesellen; sie nehmen alle gern Geschenke, und trachten nach Gaben; den Waisen schaffen sie nicht Recht, und der Witwen Sache kommt nicht vor sie. 

2 Mos. 23,8: Du sollst nicht Geschenke nehmen: denn Geschenke machen die Sehenden blind, und verkehren die Sachen der Gerechten. 

5 Mos. 16,19: Du sollst das Recht nicht beugen, und sollst auch keine Person ansehen, noch Geschenke nehmen: denn die Geschenke machen die Weisen blind, und verkehren die Sachen der Gerechten. 

Spr. 17,23: Der Gottlose nimmt heimlich gern Geschenke, zu beugen den Weg des Rechts. 

 

(C)

Jes. 33,1: Wehe aber dir, du Verstörer, meinest du, du werdest nicht verstöret werden? Und du Verächter, meinest du, man werde dich nicht verachten? Wo du das Verstören vollendet hast, so wirst du auch verstöret werden; wann du des Verachtens ein Ende gemacht hast, so wird man dich wieder verachten. 

 

(D)

Sach. 7,10: Tut nicht Unrecht den Witwen, Waisen, Fremdlingen und Armen.

Jer. 5,28.29: Sie gehen mit bösen Stücken um, sie halten kein Recht, dem Waisen fördern sie seine Sache nicht, und gelinget ihnen, und helfen den Armen nicht zum Recht. Sollt ich denn solches nicht heimsuchen, spricht der Herr, und meine Seele sollte sich nicht rächen an solchem Volk, wie dies ist?

Amos 5,11.12: Darum, weil ihr die Armen unterdrückt, und nehmet das Korn mit großen Lasten von ihnen, so sollt ihr in den Häusern nicht wohnen, die ihr von Werkstücken gebauet habt, und vom Wein nicht trinken, den ihr in den feinen Weinbergen gepflanzet habt; denn ich weiß euer Übertreten, das viel ist, und eure Sünden, die stark sind; wie ihr die Gerechten dränget, und Blutgeld nehmet, und die Armen im Tor unterdrücket. 

Weish. 6,1: Ungerechtigkeit verwüstet alle Lande, und böses Leben stürzet die Stühle der Gewaltigen. 

 

(E)

3 Mos. 19,13: Es soll des Taglöhners Lohn bei dir nicht bleiben bis an den Morgen. 

5 Mos. 24,14.15: Du sollst dem Dürftigen und Armen seinen Lohn nicht vorbehalten, er sei von deinen Brüdern oder Fremdlingen, der in deinem Lande und in deinem Tor ist; sondern du sollst ihm seinen Lohn des Tags geben, dass die Sonne nicht darüber untergehe: denn er ist dürftig, und erhält seine Seele damit, auf dass er nicht wider dich den Herrn anrufe, und sei dir Sünde. 

Jer. 22,13: Wehe dem, der sein Haus mit Sünden bauet, seine Gemächer mit Unrecht; der seinen Nächsten umsonst arbeiten lässet, und gibt ihm seinen Lohn nicht. 

Jak. 5,4: Siehe, der Arbeiter Lohn, die euer Land eingeerntet haben, und von euch abgebrochen ist, das schreiet, und das Rufen der Ernter ist kommen vor die Ohren des Herrn Zebaoth. 

 

(F)

Jak. 2,14-16: Was hilfts, lieben Brüder, so jemand sagt, er habe den Glauben, und hat doch die Werke nicht? Kann auch der Glaube ihn selig machen? So aber ein Bruder oder Schwester bloß wäre, und Mangel hätte der täglichen Nahrung, und jemand unter euch spräche zu ihnen: Gott berate euch, wärmet euch und sättiget euch; gäbe ihnen aber nichts, was des Leibes Notdurft ist: was hülfe sie das?

1 Joh. 3,17: Wenn jemand dieser Welt Güter hat, und siehet seinen Bruder darben, und schleußt sein Herz vor ihm zu, wie bleibet die Liebe Gottes bei ihm?

Spr. 28,27: Wer dem Armen gibt, dem wird nicht mangeln, wer aber seine Augen abwendet, der wird sehr verderben. 

 

(G)

2 Mos. 22,25: Wenn du Geld leihest meinem Volk, das arm ist bei dir, sollst du ihn nicht zu Schaden bringen, und keinen Wucher auf ihn treiben. 

3 Mos. 25,35-38: Wenn dein Bruder verarmet, und neben dir abnimmt, so sollst du ihn aufnehmen als einen Fremdling oder Gast, dass er lebe neben dir; und sollst nicht Wucher von ihm nehmen, noch Übersatz, sondern sollst dich vor deinem Gott fürchten, auf dass dein Bruder neben dir leben könne; denn, du sollst ihm dein Geld nicht auf Wucher tun, noch deine Speise auf Übersatz austun. 

Ezech. 18,13: Wer auf Wucher gibt und übersetzet, sollte der leben? Er soll nicht leben, sondern weil er solche Greuel getan hat, soll er des Todes sterben; sein Blut soll auf ihm sein. 

 

272. WIE KANN MAN ABER MIT DIEBSTAHL SICH AN SEINES GLEICHEN VERSÜNDIGEN?

 

Erstlich mit Ungerechtigkeit, wo man im Handel und Wandel den Nächsten übervorteilet und mit jenes Schaden seinen Nutzen suchet, mit falscher Ware, liderlicher Arbeit, falschem Geld, falschem Maß oder Gewicht, übersetztem und unbilligem Preis, Zurückhaltung dessen, was der Nächste bedarf, und ihn mit Verteurung zu Schaden bringet, und worinnen ich in dem Handel gegen ihn also verfahre, dass ich nicht gern wollte, dass mirs widerführe (A). Ferner 2. mit Hinterhaltung desjenigen, was dem Nächsten gehöret: so man, was man schuldig ist, nicht zahlet, oder es doch mit jenes Nachteil tut, das Anvertrauete nicht wieder gibet, das Verlorne und Gefundene nicht erstattet, mit mutwilligen Banquerotten denselben betrüget (B). Sodann 3. wo man mit unziemlichen Mitteln und fürwitzigen Künsten seine Nahrung suchen will: als da sind Gaukler, Seiltänzer, Gewinnspieler (welche sich oder andern abstehlen, was sie gewinnen oder verspielen), Müßiggänger und dergleichen (C). Also auch, wer um seine Besoldung nicht reichlich und treulich arbeitet. 

 

(A)

3 Mos. 19,35.36: Ihr sollt nicht ungleich handeln am Gericht, mit der Elle, mit Gewicht, mit Maß. Rechte Wage, rechte Pfunde, rechte Scheffel, rechte Kannen sollen bei euch sein. 

5 Mos: 25,13-17: Du sollst nicht zweierlei Gewicht in deinem Sacke, groß und klein, haben; und in deinem Hause soll nicht zweierlei Scheffel, groß und klein, sein. Du sollst ein völliges und rechtes Gewicht, und einen völligen und rechten Scheffel haben, auf dass dein Leben lang währe in dem Lande, das dir der Herr dein Gott geben wird: denn wer solches tut, der ist dem Herrn, deinem Gott, ein Greuel, wie alle, die übel tun. 

Spr. 20,10: Mancherlei Gewicht und Maß ist beides Greuel dem Herrn. V. 23: Mancherlei Gewicht ist ein Greuel dem Herrn, und eine falsche Wage ist nicht gut. 

3 Mos. 25,14: Wenn du etwas deinem Nächsten verkaufest, oder ihm etwas abkaufest, soll keiner seinen Bruder vervorteilen. 

Amos 8,4-6: Höret dies, die ihr den Armen unterdrücket, und die Elenden im Lande verderbet, und sprecht: Wann will der Neumond ein Ende haben, dass wir Getreide verkaufen, und der Sabbat, dass wir Korn feil haben mögen, und den Epha ringern, und den Seckel steigern, und die Wage fälschen, auf dass wir die Armen ums Geld, und die Dürftigen um ein Paar Schuh unter uns bringen, und Spreu für Korn verkaufen?

1 Thess. 4,6: Dass niemand zu weit greife, noch vervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist der Rächer über das alles. 

Spr. 11,26: Wer Korn innehält, dem fluchen die Leute; aber Segen kommt über den, der es verkauft. 

Sir. 26,28. 27,1-4: Ein Kaufmann kann sich schwerlich hüten vor Unrecht, und ein Krämer vor Sünden; denn um Guts willen tun viele unrecht, und die reich werden wollen, wenden die Augen ab. Wie ein Nagel in der Mauer zwischen zweien Steinen steckt, also steckt auch die Sünde zwischen Käufer und Verkäufer. Hält er sich nicht mit Fleiß in der Furcht des Herrn, so wird sein Haus bald zerstöret werden. 

 

(B)

Ps. 37,21: Der Gottlose borget und bezahlet nicht; der Gerechte aber ist barmherzig und milde. 

3 Mos. 6,2-4: Wenn eine Seele sündigen würde, und sich an dem Herrn vergreifen, dass er seinem Nebenmenschen verleugnet, was er ihm befohlen hat, oder das ihm zu treuer Hand getan ist, oder das er mit Gewalt genommen, oder mit Unrecht zu sich gebracht, oder das verloren ist, gefunden hat, und leugnet solches mit einem falschen Eid; wie es der eines ist, darinnen ein Mensch wider seinen Nächsten Sünde tut; wenn es nun geschiehet, dass er also sündiget, und sich verschuldet, so soll er wiedergeben, was er mit Gewalt genommen, oder mit Unrecht zu sich gebracht hat, was ihm befohlen ist, oder was er gefunden hat, u.s.w. 

5 Mos. 22,1-3: Wenn du deines Bruders Ochsen oder Schaf siehest irre gehen sollst du dich nicht entziehen von ihnen, sondern sollst sie wieder zu deinem Bruder führen. Wenn aber dein Bruder dir nicht nahe ist, und kennest ihn nicht, so sollst du sie in dein Haus nehmen, dass sie bei dir seien, bis sie dein Bruder suche, und dann ihm wieder gebest. Also sollst du tun mit seinem Esel, mit seinem Kleid, und mit allem Verlornen, das dein Bruder verlieret, und du es findest; du kannst dichs nicht entziehen. 

 

(C)

2 Thess. 3,11.12: Wir hören, dass etliche unter euch wandeln unordentlich, und arbeiten nichts, sondern treiben Fürwitz; solches aber gebieten wir, und ermahnen sie durch unsern Herrn Jesum Christ, dass sie mit stillem Wesen arbeiten, und ihr eigen Brot essen. 

 

273. IST ABER ALLEIN DERGLEICHEN DIEBSTAHL IN DER TAT VERBOTEN?

 

Nein, sondern auch das geizige Herz, aus welchem solches herkommt, ist mit verboten (A): sodann, wo man sich seiner Zunge dazu gebraucht, auf einige der obgedachten oder andere Weisen den Nächsten zu übervorteilen, oder ihm dazu zu raten (B): also auch, wo man sich anderer Leute Dieberei und Diebstahls teilhaftig machet, und solchen, zum Exempel von Soldaten, Räubern und dergleichen, wissentlich kaufet, und an sich bringet (C); das von dem Schiffbruch Gerettete den Betrübten entziehet, u.s.f. 

 

(A)

Davon bei dem neunten Gebot (Fr. 300ff.). 

 

(B)

Jer. 9,4-6: Ein jeglicher hüte sich vor seinem Freunde, und traue auch seinem Bruder nicht: denn ein Bruder unterdrückt den andern, und ein Freund verrät den andern; ein Freund täuscht den andern, und reden kein wahres Wort; sie befleißen sich darauf, wie einer den andern betrüge, und ist ihnen leid, dass sie es nicht ärger machen können. Es ist allenthalben eitel Trügerei unter ihnen, und vor Trügerei wollen sie mich nicht kennen, spricht der Herr. 

 

(C)

Spr. 29,24: Wer mit Dieben Teil hat, höret fluchen und sagets nicht an, der hasset sein Leben. 

Tob. 2,21: Sehet zu, dass nichts gestohlen sei; gebets dem rechten Herrn wieder; denn uns gebühret nicht zu essen vom gestohlenen Gut, oder dasselbe anzurühren. 

Ps. 50,18: Wenn du einen Dieb siehest, so laufest du mit ihm. 

 

274. WAS IST ABER GEBOTEN IN DEM SIEBENTEN GEBOT?

 

Dass wir sowohl mit dem Unserigen recht umgehen, fleißig und sparsam in der Haushaltung seien, als auch dem Nächsten sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.

 

Joh. 6,12: Sammlet die übrigen Brocken, dass nichts umkomme. 

 

275. WIE SOLLEN WIR DEM NÄCHSTEN DAS SEINIGE HELFEN BESSERN UND BEHÜTEN?

 

So, dass wir einem jeglichen das Seine, was ihm Gott gönnet, gern lassen (A): ihm zur Erhaltung des Seinigen mit Rat und Tat, wie wir wollten, dass uns von ihm geschehe, Vorschub tun (B): in allem, wo wirs mit ihm zu tun haben, der Gerechtigkeit und Liebe uns befleißen: sodann jeglichem willig geben, was wir ihm schuldig sind, und was die Liebe, die Dankbarkeit (C), und seine Not von uns erfordert. 

 

(A)

3 Mos. 19,13: Du sollst deinem Nächsten nicht Unrecht tun, noch ihn berauben. 

 

(B)

Matth. 7,12: Alles nun, was ihr wollet, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen; das ist das Gesetz und die Propheten. 

Ps. 37,26: Der Gerechte ist allezeit barmherzig, und leihet gern; und sein Name wird gesegnet sein. 

Matth. 5,42: Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht von dem, der dir abborgen will. 

1 Kor. 10,24: Niemand suche was sein ist, sondern ein jeglicher, was des andern ist. 

 

(C)

Sir. 12,3: Den bösen Buben, die nicht danken für die Wohltat, wirds nicht wohl gehen. 

 

276. WAS SIND WIR ABSONDERLICH DEN ARMEN SCHULDIG?

 

Dass wir derselben Not uns herzlich annehmen, von dem Unserigen mitgeben, umsonst leihen, und ihnen also unter die Arme greifen, wann und wie es ihre Not und Beschaffenheit erfordert. 

 

Ps. 112,5-9: Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leihet, und richtet seine Sachen aus, dass er niemand Unrecht tue; denn er wird ewiglich bleiben. Des Gerechten wird nimmermehr vergessen; wenn eine Plage kommen will, so fürchtet er sich nicht, sein Herz hoffet unverzagt auf den Herrn; sein Herz ist getrost, und fürchtet sich nicht, bis er seine Lust an seinen Feinden siehet. Er streuet aus und gibt den Armen; seine Gerechtigkeit bleibet ewiglich, und sein Horn wird erhöhet mit Ehren. 

Ps. 41,2-4: Wohl dem, der sich des Dürftigen annimmt: den wird der Herr erretten zur bösen Zeit. Der Herr wird ihn bewahren und beim Leben erhalten, und es ihm lassen wohl gehen auf Erden, und nicht geben in seiner Feinde Willen. Der Herr wird ihn erquicken auf seinem Siechbette; du hilfest ihm von aller seiner Krankheit. 

Spr. 19,17: Wer sich des Armen erbarmet, der leihet dem Herrn; der wird ihm wieder Gutes vergelten. 

Luk. 6,35: Leihet, dass ihr nichts dafür hoffet, so wird euer Lohn groß sein, und werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig über die Undankbaren und Boshaftigen. 

Hebr. 13,16: Wohlzutun und mitzuteilen vergesset nicht; denn solche Opfer gefallen Gott wohl. 

 

277. WER IST SCHULDIG ALMOSEN ZU GEBEN?

 

Alle Christen, nicht nur welche Überfluss haben, sondern auch andere, die nur etwas zu solchem Gebrauch über ihre Notdurft mit Arbeiten erwerben können (A). Welche Gott aber reichlich gesegnet hat, die sollen so viel reichlicher geben (B). 

 

(A)

Eph. 4,28: Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite, und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf dass er habe zu geben dem Dürftigen.

2 Kor. 8,2.3: Wiewohl sie sehr arm waren, haben sie doch reichlich gegeben in aller Einfältigkeit; denn nach allem Vermögen, das zeuge ich, und über Vermögen waren sie selbst willig. 

Mark. 12,43.44: Und er rief seine Jünger zu sich, und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt, denn alle, die eingelegt haben; denn sie haben alle von ihrem Übrigen eingelegt, diese aber hat von ihrer Armut alles, was sie hat, ihre ganze Nahrung, eingelegt. 

 

(B)

2 Kor. 8,12-15: So einer willig ist, so ist er angenehm, nach dem er hat, nicht nach dem er nicht hat. Nicht geschieht das der Meinung, dass die anderen Ruhe haben, und ihr Trübsal, sondern dass es gleich sei: so diene euer Überfluss ihrem Mangel diese (teure) Zeit lang, auf dass auch ihr Überfluss hernach diene eurem Mangel, und geschehe, das gleich ist, wie geschrieben stehet: Der viel sammlete, hatte nicht Überfluss, und der wenig sammlete, hatte nicht Mangel. 

2 Kor. 9,5-8: Also, dass es sei ein Segen, und nicht ein Geiz. Ich meine aber das, wer da kärglich säet, der wird auch kärglich ernten; und wer da säet im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeglicher nach seiner Willkür, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kann machen, dass allerlei Gnade unter euch sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt, und reich seid zu allerlei guten Werken. 

1 Tim. 6,17-19: Den Reichen dieser Welt gebeut, dass sie nicht stolz seien, auch nicht hoffen auf den ungewissen Reichtum, sondern auf den lebendigen Gott, der uns dargibt reichlich allerlei zu genießen; dass sie Gutes tun, reich werden an guten Werken, gerne geben, behilflich seien, Schätze sammeln, ihnen selbst legen einen guten Grund aufs zukünftige, dass sie ergreifen das ewige Leben. 

 

278. WIE SOLL ABER SOLCHE GUTTÄTIGKEIT GEGEN DIE ARMEN GEÜBET WERDEN?

 

Aus wahrer Liebe, mit Einfalt des Herzens, und ohne Gesuch eigener Ehre oder Nutzen. 

 

Röm. 12,8: Gibt jemand, so gebe er einfältiglich. 

Matth. 6,1-4: Habt Acht auf euer Almosen, dass ihr die nicht gebet vor den Leuten, dass ihr von ihnen gesehen werdet: ihr habt anders keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht lassen vor dir posaunen, wie die Heuchler tun in den Schulen und auf den Gassen, auf dass sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, auf dass dein Almosen verborgen sei; und dein Vater, der in das Verborgene siehet, wird dirs vergelten öffentlich. 

 

279. WAS IST ABER DERJENIGE SCHULDIG, DER ANDERE BESTOHLEN, BETROGEN ODER UNRECHT GUT AN SICH GEBRACHT HAT?

 

Dass ers nicht nur seinem Gott herzlich abbitte, sondern auch solches mit Unrecht an sich Gebrachte erstatte. Sonsten bleibt er so lang in seinem Herzen und Gewissen vor Gott ein Dieb, ob er wohl weiter nicht stiehlet; auch bleibet mit dem ungerechten Gut Gottes Zorn und Fluch auf ihm (A): indem ja ohnedas auch der Diebstahl eine verdammliche Sünde ist (B). Hingegen ist keine wahre Buße bei dem, welcher den ernsten Vorsatz nicht hat, das Gestohlene bei füglicher Gelegenheit selbst, oder, um Vermeidung anderer Ungelegenheit, durch andere treue Leute wieder zu erstatten (C), oder so die Erstattung nicht möglich wäre, in herzlicher Reue Gott um die Erstattung anzurufen. 

 

(A)

Ezech. 33,15.16: Wenn der Gottlose das Pfand wiedergibet, und bezahlet, was er geraubet hat, und nach dem Wort des Lebens wandelt, dass er kein Böses tut, so soll er leben, und nicht sterben, und aller seiner Sünde soll nicht gedacht werden; denn er tut nun, was recht und gut ist: darum soll er leben. 

Habak. 2,6: Wehe dem, der sein Gut mehret mit fremdem Gut! Wie lange wirds währen? Und ladet nur viel Schlamms auf sich. 

 

(B)

1 Kor. 6,10: Noch die Diebe, noch die Geizigen, noch die Trunkenbolde, noch die Lästerer, noch die Räuber werden das Reich Gottes ererben. 

 

(C)

Jes. 58,6: Das ist ein Fasten, das ich erwähle: Laß los, welche du mit Unrecht verbunden hast; laß ledig, welche du beschwerest; gib frei, welche du drängest; reiß weg allerlei Laster. 

 

280. WAS IST DENN DIE GANZE ABSICHT GOTTES IN DIESEM SIEBENTEN GEBOT?

 

Dass wir die zeitlichen Güter, die er uns zur Probe unserer Treue zu verwalten anvertrauet hat, alle Zeit also verwalten (A), dass sie uns an dem Besten und Ewigen nicht schädlich seien, dahero neben Gebrauch unserer Notdurft, Gottes, als des Eigentumsherrn, Ehre damit zu befördern, und unseren Mitknechten, um derer willen sie uns eben sowohl gegeben sind, davon Gutes zu tun beflissen seien: allerdings aber unser Herz, Liebe oder Vertrauen nicht darauf setzen (B). 

 

(A)

Luk. 16,10-12: Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht. So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch das Wahrhaftige vertrauen? und so ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer will euch geben dasjenige, das euer ist?

 

(B)

Ps. 62,11: Fällt euch Reichtum zu, so hänget das Herz nicht daran. 

1 Kor. 7,29-31: Die da Weiber haben, dass sie seien, als hätten sie keine; und die da weinen, als weineten sie nicht; und die sich freuen, als freueten sie sich nicht; und die da kaufen, als besäßen sie es nicht; und die dieser Welt brauchen, dass sie derselbigen nicht missbrauchen; denn das Wesen dieser Welt vergehet. 

Mark. 10,24: Wie schwerlich ists, dass die, so ihr Vertrauen auf Reichtum setzen, ins Reich Gottes kommen! 

 

281. WIE LAUTET DAS ACHTE GEBOT?

 

Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. 

 

282. WAS IST DAS?

 

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsern Nächsten nicht fälschlich belügen, verraten, afterreden, oder bösen Leumund machen; sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden, und alles zum Besten kehren. 

 

283. WAS HEISST FALSCHES ZEUGNIS?

 

Aller Gebrauch der Zunge wider die Wahrheit und wider die Liebe des Nächsten. 

 

284. WIDER WEN DARF ICH KEIN FALSCHES ZEUGNIS REDEN?

 

Wider meinen Nächsten, ohne Unterschied, wer er sei, dem mit meinem falschen Zeugnis möchte Schaden geschehen. Also ist auch nicht erlaubt, den Feinden oder Falschgläubigen etwas Falsches aufzudichten, sie verhasst zu machen. 

 

285. GESCHIEHET DAS FALSCHE ZEUGNIS BLOSS ALLEIN MIT WORTEN?

 

Nein, sondern auch mit Gebärden und Werken, wo ich mich, den Nächsten zu betrügen, freundlich gegen denselben stelle, da es nicht von Herzen gehet (A): sodann mit dem Herzen, wo ich in demselben ungegründeten Verdacht auf ihn fasse (B). 

 

(A)

Ps. 5,7: Du bringest die Lügner um; der Herr hat Greuel an den Blutgierigen und Falschen. 

Spr. 29,5: Wer mit seinem Nächsten heuchelt, der breitet ein Netz zu seinen Fußstapfen. 

Sir. 27,25-27: Wer mit den Augen winket, der hat Böses im Sinn, und lässt sich nicht davon abwenden. Vor dir kann er süße reden, und lobet sehr, was du redest; aber hinterwärts redet er anders, und verkehret dir deine Worte. Ich bin keinem Dinge so feind als dem, und der Herr ist ihm auch feind. 

 

(B)

Sach. 7,10: Denke keiner wider seinen Bruder etwas Arges in seinem Herzen. Kap. 8,16.17: Das ists, das ihr tun sollet: rede einer mit dem andern Wahrheit, und richtet recht, und schaffet Frieden in euren Toren; und denke keiner Arges in seinem Herzen wider seinen Nächsten, und liebet nicht falsche Eide: denn solches alles hasse ich, spricht der Herr. 

1. Kor. 13,7: Die Liebe verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. 

 

286. WELCHES SIND DIE VORNEHMSTEN ARTEN DES FALSCHEN ZEUGNISSES?

 

Den Nächsten fälschlich belügen, verraten, afterreden, oder bösen Leumund machen.

 

287. WIE GESCHIEHET DAS FÄLSCHLICH BELÜGEN?

 

Entweder in oder außer Gericht. 

 

288. WIE GESCHIEHETS IM GERICHT?

 

Wo der Richter wissentlich oder aus Leidenschaft und Unverstand ein falsches, ungerechtes Urteil spricht (A): wo der Kläger einen unschuldiger Weise verklagt, und ihm Falsches auflegt (B): wo der Beklagte wider sein Gewissen der Obrigkeit leugnet, und die Sache aufziehet (C): wo die Zeugen wider ihr Gewissen zeugen (D): wo die Advokaten und Juristen ungerechte Praktiken zu Unterdrückung oder Hemmung einer guten Sache gebrauchen (E). 

 

((A)

 

2 Mos. 23,6-8: Du sollst das Recht deines Armen nicht beugen in seiner Sache; sei ferne von falschen Sachen. Den Unschuldigen und Gerechten sollst du nicht erwürgen; denn ich lasse den Gottlosen nicht Recht haben. Du sollst nicht Geschenke nehmen, denn Geschenke machen die Sehenden blind, und verkehren die Sachen der Gerechten. 

5 Mos. 1,16.17: Verhöret eure Brüder, und richtet recht zwischen jedermann und seinem Bruder und dem Fremdlinge. Keine Person sollt ihr im Gericht ansehen, sondern sollt den Kleinen hören wie den Großen, und vor niemands Person euch scheuen: denn das Gerichtsamt ist Gottes. 

5 Mos. 16,18.19: Richter und Amtleute sollst du dir setzen in allen deinen Toren, die dir der Herr dein Gott geben wird unter deinen Stämmen, dass sie das Volk richten mit rechtem Gericht. Du sollst das Recht nicht beugen, und sollst auch keine Person ansehen, noch Geschenke nehmen; denn die Geschenke machen die Weisen blind, und verkehren die Sachen der Gerechten. 

2 Chr. 19,6.7: Sehet zu, was ihr tut; denn ihr haltet das Gericht nicht den Menschen, sondern dem Herrn; und er ist mit euch im Gericht. Darum lasset die Furcht des Herrn bei euch sein, und hütet euch, und tuts; denn bei dem Herrn, unserm Gott, ist kein Unrecht, noch Ansehen der Person, noch Annehmen des Geschenks. 

Spr. 17,15: Wer dem Gottlosen Recht spricht, und den Gerechten verdammet, die sind beide dem Herrn ein Greuel. 

 

(B)

Mich. 7,2.3: Die frommen Leute sind weg im Lande, und die Gerechten sind nicht mehr unter den Leuten; sie lauren alle auf Blut, ein jeglicher jagt den andern, dass er ihn verderbe, und meinen, sie tun wohl daran, wenn sie Böses tun. Was der Fürst will, das spricht der Richter, dass er ihm wieder einen Dienst tun soll. Die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen, Schaden zu tun, und drehens, wie sie wollen. 

 

(C)

Jos. 7,19: Und Josua sprach zu Achan: Mein Sohn, gib dem Herrn, dem Gott Israel, die Ehre, und gib ihm das Lob, und sage mir an: was hast du getan? und leugne mir nichts. 

 

(D)

2 Mos. 23,1: Du sollst falscher Anklage nicht glauben, dass du einem Gottlosen Beistand tust, und ein falscher Zeuge seiest. 

Spr. 19,5: Ein falscher Zeuge bleibet nicht ungestraft; und wer Lügen frech redet, wird nicht entrinnen. 

Spr. 21,28: Ein lügenhafter Zeuge wird umkommen; aber wer gehorchet, den lässet man auch allezeit wiederum reden. 

 

(E)

Jes. 10,1.2: Wehe den Schriftgelehrten, die unrechte Gesetze machen, und die unrechtes Urteil schreiben, auf dass sie die Sachen der Armen beugen, und Gewalt üben im Rechte der Elenden unter meinem Volk; dass die Witwen ihr Raub, und die Waisen ihre Beute sein müssen. 

Sir. 4,32.33: Diene einem Narren in seiner Sache nicht, und siehe seine Gewalt nicht an, sondern verteidige die Wahrheit bis in den Tod, so wird Gott der Herr für dich streiten. 

 

289. ISTS AUCH SÜNDE, ALSO VOR GERICHT FALSCH ZEUGNIS HANDELN?

 

Ja freilich ists noch schwerere Sünde als außer Gericht, alldieweil das Gericht des Herrn ist, und nicht der Menschen: daher, was in demselben fälschlich geklaget, geleugnet, gezeuget, gesprochen wird, geschiehet gegen Gott und nicht nur gegen Menschen. 

 

290. WIE GESCHIEHETS AUSSER DEM GERICHT?

 

Wo wir von dem Nächsten solche Dinge reden, die wir wissen, dass sie nicht wahr seien, oder doch da wir, dass sie wahr seien nicht gewiss versichert sind (A): oder wo wir dazu schweigen und Wohlgefallen daran haben, wo dergleichen Nachrede von andern geschiehet (B): überdas, wo wir andern zu Schaden, oder schmeichlerischer Weise an einem dasjenige loben, was dessen nicht wert ist, schelten was nicht zu schelten ist (C): oder auch wo wir von dem Nächsten vermessentlich urteilen, das uns nicht befohlen ist, und nicht aus Liebe gehet, indem das Richten allein durch Gottes Befehl oder die Liebe erlaubet werden kann (D). 

 

(A)

3 Mos. 19,11: Ihr sollt nicht lügen, noch fälschlich handeln einer mit dem andern. 

Eph. 4,25: Leget die Lügen ab, und redet die Wahrheit, ein jeglicher mit seinem Nächsten, sintemal wir unter einander Glieder sind. 

 

(B)

Spr. 4,24: Tue von dir den verkehrten Mund, und laß das Lästermaul ferne von dir sein. 

 

(C)

Jes. 5,20: Wehe denen, die Böses gut, und Gutes bös heißen, die aus Finsternis Licht, und aus Licht Finsternis machen; die aus Sauer süß und aus Süß sauer machen. 

Sir. 11,2: Du sollst niemand rühmen um seines großen Ansehens willen. 

 

(D)

Matth. 7,1-5: Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet; denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden. Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge? Oder wie darfst du sagen: halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge? Du Heuchler, zeuch am ersten den Balken aus deinem Auge, darnach besiehe, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. 

Röm. 14,4: Wer bist du, dass du einen fremden Knecht richtest? Er stehet oder fället seinem Herrn. 

Jak. 4,11.12: Afterredet nicht untereinander, lieben Brüder: wer seinem Bruder afterredet, und urteilet seinen Bruder, der afterredet dem Gesetz, und urteilet das Gesetz. Urteilest du aber das Gesetz, so bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern ein Richter. Es ist ein einiger Gesetzgeber, der kann selig machen und verdammen: wer bist du, der du einen andern urteilest?

 

291. WAS HEISST VERRATEN?

 

Dasjenige, was insgeheim anvertraut ist, gefährlicher Weise ausschwätzen (A), oder auch des Nächsten Fehler ohne Not, und anderen, als denen es gehöret, sonderlich da man ihn nicht deswegen vorher allein erinnert und gestrafet, offenbaren (B). 

 

(A)

Spr. 20,19: Sei unverworren mit dem, der Heimlichkeit offenbaret, und mit dem Verleumder, und mit dem falschen Maul. 

Spr. 25,9.10: Handle deine Sache mit deinem Nächsten, und offenbare nicht eines andern Heimlichkeit, auf dass dirs nicht übel spreche, der es höret, und dein böses Gerücht nimmer ablasse. 

 

(B)

Spr. 11,13: Ein Verleumder verrät, was er heimlich weiß; aber wer eines getreuen Herzens ist, verbirget dasselbe. 

Sir. 19,6-13: Hörest du was Böses, das sage nicht nach; denn Schweigen schadet dir nichts: du sollst es weder Freunden noch Feinden sagen; und offenbare es nicht, wo du es ohne böses Gewissen tun kannst; denn man höret dir wohl zu, und merket darauf, aber man hasset dich gleichwohl. Hast du etwas gehöret, so laß es mit dir sterben; so hast du ein ruhig Gewissen; denn du wirst ja nicht davon bersten. Aber ein Narr bricht heraus, wie ein zeitig Kind, das heraus will. Wenn ein Wort im Narren steckt, so ists eben, als wenn ein Pfeil in der Hüfte steckt. 

Matth. 18,15: Sündiget dein Bruder an dir, so gehe hin und strafe ihn zwischen dir und ihm allein, u.s.w. 

 

292. DÜRFEN WIR DENN DASJENIGE, SO WIR BÖSES VON ANDEREN SEHEN, NIEMAND SAGEN?

 

Was der Obrigkeit und andern Vorgesetzten zu wissen nötig ist, soll ich denselben aus der Treue, die ich ihnen schuldig bin, anzeigen, wie auch allen denen, welche den Nächsten, der da sündiget, bessern mögen, aus Liebe zu Gott und zu des Nächsten Heil (A): aber alles andere Austragen des Nächsten Fehler, aus Hass gegen ihn, damit ihm wehe geschehe und man sich an seinen Fehlern kitzele, ist unrecht und ein verbotenes Afterreden (B). 

 

(A)

3 Mos. 5,1: Wenn eine Seele sündigen würde, dass er einen Fluch höret, und er deß Zeuge ist, oder gesehen oder erfahren hat, und nicht angesagt, der ist einer Missetat schuldig.

1 Mos. 37,2: Joseph brachte vor ihren Vater, wo ein böses Geschrei wider seine Brüder war. 

 

(B)

Ps. 41,7: Sie kommen, dass sie schauen, und meinens doch nicht von Herzen, sondern suchen etwas, dass sie lästern mögen, gehen hin und tragens aus. 

Ps. 50,19.20: Dein Maul lässest du Böses reden, und deine Zunge treibet Falschheit; du sitzest und redest wider deinen Bruder, deiner Mutter Sohn verleumdest du. 

 

293. WAS IST DENN NUN AFTERREDEN UND BÖSEN LEUMUND MACHEN?

 

Alles, womit ich, es sei die Sache wahr oder nicht wahr, dem Menschen bei andern hinterrücks einen bösen Namen mache, ihn verkleinere, und durch böses Nachreden seine Ehre verletze. 

 

Spr. 18,8: Die Worte des Verleumders sind Schläge, und gehen einem durchs Herz. Sir. 5,16: Sei nicht ein Ohrenbläser, und verleumde nicht mit der Zunge. Ein Dieb ist ein schändlich Ding, aber ein Verleumder ist viel schändlicher.

Sir. 28,15-22: Die Ohrenbläser und falschen Mäuler sind verflucht; denn sie verwirren viele, die guten Frieden haben. Ein böses Maul macht viele Leute uneins, und treibet sie aus einem Land ins andere. Es zerbricht feste Städte und zerstöret Fürstentümer. Ein böses Maul verstößt redliche Weiber, und beraubet sie alles, das ihnen sauer worden ist; wer ihm gehorchet, der hat nimmer Ruhe, und kann nirgends mit Frieden bleiben. Die Geißel machet Striemen, aber ein böses Maul zerschmettert Beine und alles. Viele sind gefallen durch die Schärfe des Schwerts, aber nirgends so viel, als durch böse Mäuler. 

Ps. 15,1-3: Herr, wer wird wohnen in deiner Hütte? wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge? Wer ohne Wandel einhergehet, und recht tut, und redet die Wahrheit von Herzen; wer mit seiner Zunge nicht verleumdet, und seinem Nächsten kein Arges tut, und seinen Nächsten nicht schmähet. 

 

294. IST DENN NICHT DAMIT GENUG, DASS, WAS ICH DEM NÄCHSTEN BÖSES NACHGEREDET, WAHR SEI?

 

Nein: denn man muss sich hüten, nicht allein dass man die Wahrheit, sondern auch dass man die Liebe, welche die Summa der ganzen zweiten Tafel ist, weder in Worten noch Werken verletze. 

 

295. KANN MAN AUCH NOCH FERNER SICH MIT REDEN VERSÜNDIGEN?

 

Ja, mit allen unnützen Reden, wo man Dinge redet damit weder Gottes Ehre noch des Nebenmenschen oder unser Nutzen im geringsten nicht befördert wird.

 

Matth. 12,36: Ich sage euch, dass die Menschen müssen Rechenschaft geben am jüngsten Gericht von einem jeglichen unnützen Wort, das sie geredet haben.

Eph. 4,29: Lasset kein faul Geschwätz aus eurem Munde gehen, sondern was nützlich zur Besserung ist, da es not tut, dass es holdselig sei zu hören. 

Spr. 10,19: Wo viel Worte sind, da gehets ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen hält, ist klug. 

Sir. 28,28.29: Du verzäunest deine Güter mit Dornen: warum machest du nicht vielmehr deinem Mund Tür und Riegel? Du wägest dein Gold und Silber ein: warum wägest du nicht auch deine Worte auf der Goldwage?

 

296. WAS IST DENN GEBOTEN IN DIESEM GEBOT?

 

Den Nächsten verteidigen, oder da er gefehlet hat, so viel es geschehen kann, entschuldigen, und zu seiner Besserung ihn strafen, im übrigen Gutes von ihm gedenken, reden und sein Lob gern ausbreiten, und alles, so übel gedeutet werden möchte, zum Besten kehren. Insgemein aber der Wahrheit, Freundlichkeit und erbaulichen Reden sich befleißen. 

Spr. 10,12: Hass erreget Hader, aber Liebe decket zu alle Übertretung. 

1 Petr. 4,8: Vor allen Dingen habt untereinander eine brünstige Liebe; denn die Liebe decket auch der Sünden Menge. 

Sir. 6,5: Wer alles zum Besten ausleget, der macht ihm viel Freunde; und wer das Beste zur Sache redet, von dem redet man wieder das Beste. 

Kol. 4,6: Eure Rede sei allezeit lieblich und mit Salz gewürzet, dass ihr wisset, wie ihr einem jeglichen antworten sollet.

 

297. SOLLEN WIR DENN, WAS VON DEM NÄCHSTEN BÖSES GESCHIEHET, GUT HEISSEN?

 

Nein, wir haben ihn deswegen aus Liebe zu seiner Besserung zu strafen: wo aber bei andern davon zu reden ist, aus Betrachtung der allgemeinen Gebrechlichkeit, Hoffnung der Besserung, und dass es nicht aus Bosheit geschehen sein werde, nach Vermögen zu entschuldigen. 

 

3 Mos. 19,17: Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten strafen, auf dass du nicht seinethalben Schuld tragen müssest. 

Matth. 18,15: Sündiget dein Bruder an dir, so gehe hin und strafe ihn zwischen dir und ihm alleine, u.s.w. 

Gal. 6,1.2: Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehl übereilet würde, so helft ihm zurecht mit sanftmütigem Geist, die ihr geistlich seid; und siehe auf dich selbst, dass du nicht auch versuchet werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. 

1 Thess. 5,14: Wir ermahnen euch, lieben Brüder, vermahnet die Ungezogenen, tröstet die Kleinmütigen, traget die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Eph. 5,11: Habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, strafet sie aber vielmehr. 

Spr. 24,24.25: Wer zum Gottlosen spricht: Du bist fromm, dem fluchen die Leute, und hasset das Volk; welche aber strafen, die gefallen wohl, und kommet ein reicher Segen auf sie. 

Sir. 18,21: Strafe dich zuvor selber, ehe du andere urteilest, so wirst du Gnade finden, wenn andere gestrafet werden. 

 

298. IST AUCH VIEL AN DIESEM GEBOT GELEGEN?

 

Ja freilich: denn durch die Lügen werden diejenigen, welche sich derselben befleißen, Kinder des Teufels, der ein Verleumder und Vater der Lügen von Anfang ist, Joh. 8,44, der ihnen deswegen auf der Zunge sitzet und derjenige ist, welcher sie nach seinem Mutwillen reget. Weswegen auch die Lügner und Verleumder, und die die da lieb haben und tun die Lügen, mit ihm ihren Teil in der Verdammnis haben werden, Offenb. 21,8. Kap. 22,15., und die Lästerer nicht ins Reich Gottes kommen werden (A). Hingegen in der Wahrheit sind und bleiben wir Gottes Kinder, der die Wahrheit selbst ist, und finden gutes Leben (B). 

 

(A)

1 Kor. 6,10. 

 

(B)

Ps. 34,13.14: Wer ist, der gutes Leben begehret, und gerne gute Tage hätte? Behüte deine Zunge vor Bösem, und deine Lippen, dass sie nicht falsch reden. 

 

299. WAS IST DIE GANZE ABSICHT GOTTES IN DIESEM GEBOT?

 

Dass, weil Gott die Wahrheit selbst ist, wir auch der Wahrheit uns befleißen, um ihm gleichförmig zu werden, und unsere Zunge nicht anders gebrauchen, als wie es Gottes Ehre und unsers Nebenmenschen Bestes erfordert. 

 

300. WIE LAUTET DAS NEUNTE GEBOT?

 

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. 

 

301. WAS IST DAS?

 

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause stehen, noch mit einem Schein des Rechten an uns bringen, sondern ihm dasselbige zu behalten, förderlich und dienstlich seien. 

 

302. WIE LAUTET DAS ZEHNTE GEBOT?

 

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist. 

 

303. WAS IST DAS?

 

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten sein Weib, Gesinde oder Vieh nicht abspannen, abdringen oder abwendig machen, sondern dieselben anhalten, dass sie bleiben und tun, was sie schuldig sind. 

 

304. WAS WIRD IN DIESEN BEIDEN GEBOTEN VERBOTEN?

 

Die böse Lust. 

 

305. WIE VIELERLEI IST DIE BÖSE LUST?

 

Zweierlei: die erbliche und die wirkliche. 

 

306. WAS IST DIE ERBLUST ODER ERBLICHE BÖSE LUST?

 

Das ist unsere böse verderbliche Natur für sich selbst, wie sie zu dem Bösen allein geneiget ist, und uns dazu reizet. 

 

307. WAS IST DIE WIRKLICHE BÖSE LUST?

 

Die bösen Früchte der bösen Lust, da dieselbige in dem Menschen böse Begierden erwecket, und der Mensch anfängt, solche zu hegen, und darauf bedacht zu sein, sie in das Werk zu setzen. 

 

308. GEDENKET DIE SCHRIFT EINES UNTERSCHIEDS?

 

Ja, Jak. 1,14.15: Ein jeglicher wird versuchet, wenn er von seiner eignen Lust gereizet und gelocket wird; darnach wenn die Lust empfangen hat, gebieret sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebieret sie den Tod. 

 

309. WO FINDEN WIR SOLCHEN UNTERSCHIED?

 

Jakobus tut Meldung 1. der Lust selbsten, welche allezeit ist, und bei jeglicher Gelegenheit den Menschen reizet: 2. der Reizung, wie solche Lust den Menschen reizet und locket. Wo dann der Mensch solchem Reizen bei sich Platz lässet, so folgt 3. die Empfangung der Lust, dass der Mensch Belieben an solcher Lust träget, und anfänget nachzudenken, wie er sie möge vollbringen. Das erste ist die Erblust selbst, das andere die ersten Reizungen oder das Aufsteigen der Gelüste derselben ohne unsern Willen, das dritte die wirkliche Beliebung. 

 

310. HABEN WIR EINIGE ANZEIGUNG DIESES UNTERSCHIEDS IN DEN ZEHN GEBOTEN SELBST?

 

Ja, im 5 Mos. 5,21. wird das neunte Gebot also ausgesprochen: Laß dich nicht gelüsten, dass die Meinung sei: habe keine Lust an den in dir wohnenden bösen Begierden, dass du dieselbe hegest. Das zehnte aber: Du sollst nicht begehren, das ist: es soll keine Begierde in deinem Herzen sein, viel weniger in die Gedanken kommen. 

 

311. WAS WIRD DENN EIGENTLICH IN DEM NEUNTEN GEBOT VERBOTEN?

 

Diejenige wirkliche böse Lust, da der Mensch an seinen aufsteigenden bösen Begierden Belieben träget, und denselben nachhänget; daher dieses Gebot auch wieder durch alle Gebote gehet, und alle Lust zu sündigen verbietet, sonderlich gegen den Nächsten, in Rachgierigkeit, Hass, Neid, Leichtfertigkeit und Lust etwas derjenigen Dinge zu begehen, die in den andern Geboten verboten sind, vornehmlich aber die Begierde, des Nächsten Gut mit List oder Schein des Rechten an uns zu bringen (A), auch Missgunst (B) und insgesamt Geiz, der sich nicht begnüget mit demjenigen, was uns Gott bescheret (C). 

 

(A)

Micha 2,1.2: Wehe denen, die Schaden zu tun trachten, und gehen mit bösen Tücken um auf ihrem Lager, dass sie es früh, wenns Licht wird, vollbringen, weil sie die Macht haben. Sie reißen zu sich Äcker, und nehmen Häuser, welche sie gelüstet; also treiben sie Gewalt mit eines jeden Hause, und mit eines jeden Erbe. 

 

(B)

Spr. 21,10: Die Seele des Gottlosen wünschet Arges, und gönnet seinem Nächsten nichts. 

 

(C)

Luk. 12,25: Christus spricht: Sehet zu, und hütet euch vor dem Geiz; denn niemand lebet davon, dass er viele Güter hat. 

 

312. WIRD DENN DER GEIZ ALLHIE VERBOTEN?

 

Gleichwie er wider das erste Gebot eine Abgötterei ist, und ein Geiziger die Liebe und das Vertrauen, die er Gott schuldig ist, dem Mammon gibet; in dem siebenten Gebot auch als ein Diebstahl verboten wird, da er dem Nächsten das Seinige gern nehmen will, auch aus solchem Geiz aller übrige Diebstahl entspringet: also ist hie in diesem Gebot auch der Geiz verboten, da der Mensch sich nicht begnügen will mit der weisen Austeilung Gottes, und aus derselben mit demjenigen, was ihm bestimmet ist, sondern verlanget auch dasjenige, welches Gott seinem Nächsten zugeteilet hat, alles aus einer unziemlichen Liebe des Reichtums. 

 

Pred. 5,9: Wer Geld liebet, wird Geldes nimmer satt; und wer Reichtum liebet, wird keinen Nutzen davon haben: das ist auch eitel. 

Sir. 31,5-7: Wer Geld lieb hat, der bleibet nicht ohne Sünden; und wer Vergängliches suchet, der wird untergehen. Viele kommen zu Unfall um Geldes willen, und verderben darüber vor ihren Augen. Die ihm opfern, die stürzet es, und die Unvorsichtigen fähet es. 

 

313. ISTS DENN VERBOTEN, REICHTUM ZU HABEN?

 

Nein, es ist nicht verboten, Reichtum, den Gott selbst bescheret, in seiner Ordnung zu haben und zu behalten: aber nach Reichtum vornehmlich zu trachten, ist ein Geiz, und verboten. 

 

1 Tim. 6,9.10: Die da reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Stricke, und viele törichte und schändliche Lüste, welche versenken den Menschen ins Verderben und Verdammnis: denn Geiz ist eine Wurzel alles Übels; welches hat etliche gelüstet, und sind vom Glauben irre gegangen, und machen ihnen selbst viel Schmerzen. 

 

314. WIE SOLLEN DIE REICHEN IHREN REICHTUM ANSEHEN UND RECHT GEBRAUCHEN?

 

Dass sie ihren Reichtum als eine Gabe Gottes, aber auch als eine gefährliche Gelegenheit zu sündigen ansehen (A), und daher sich fleißig hüten, dass sie nicht ihr Herz und Vertrauen darauf setzen (B), sich nicht zur Übermaß, sondern zur Notdurft dessen gebrauchen (C), und also dabei geistlich arm (D) und immer geflissen seien, als getreue Haushalter Gottes allezeit ihre Güter dahin anzuwenden, womit sie göttliche Ehre und des Nebenmenschen Bestes befördern können, damit sie dergestalt aller Dinge reich werden in guten Werken (E). 

 

(A)

Matth. 19,23-27: Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich ich sage euch, ein Reicher wird schwerlich in das Himmelreich kommen. Und weiter sage ich euch: es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. Da das seine Jünger hörten, entsetzten sie sich sehr, und sprachen: Je, wer kann denn selig werden? Jesus aber sah sie an, und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ists unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich. 

Jak. 5,1-3: Wohlan nun ihr Reichen, weinet und heulet über euer Elend, das über euch kommen wird: euer Reichtum ist verfaulet, eure Kleider sind mottenfräßig geworden, euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird euch zum Zeugnis sein, und wird euer Fleisch fressen, wie ein Feuer. Ihr habt euch Schätze gesammelt an den letzten Tagen. 

Spr. 30,8.9: Armut und Reichtum gib mir nicht, laß mich aber mein bescheiden Teil Speise dahin nehmen; ich möchte sonst, wo ich zu satt würde, dich verleugnen und sagen: wer ist der Herr? oder wo ich zu arm würde, möchte ich stehlen, und mich an dem Namen meines Gottes vergreifen. 

Sir. 31,8-11: Wohl dem Reichen, der unsträflich funden wird, und nicht das Geld suchet. Wo ist er? so wollen wir ihn loben, denn er tut große Dinge unter seinem Volk. Der bewähret hierinnen und rechtschaffen erfunden ist, der wird billig gelobt; er konnte wohl Übels tun, und tats doch nicht, Schaden tun, und tats auch nicht: darum bleiben seine Güter, und die Heiligen preisen seine Almosen. 

 

(B)

Ps. 62,11: Verlasset euch nicht auf Unrecht und Frevel; haltet euch nicht zu dem, das nichts ist. Fället euch Reichtum zu, so hänget das Herz nicht daran. 

 

(C)

Jak. 5,5: Ihr habt wohlgelebt auf Erden, und eure Wollust gehabt, und euer Herz geweidet, als auf einen Schlachttag. 

Luk. 16,19: Es war ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und köstlicher Leinwand, und lebete alle Tage herrlich und in Freuden. 

Jak. 2,6: Sind nicht die Reichen die, die Gewalt an euch üben, und ziehen euch vor Gericht?

 

(D)

Matth. 5,3: Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr. 

1 Kor. 7,29-31: Weiter ist das die Meinung: die da Weiber haben, dass sie seien, als hätten sie keine; und die da weinen als weineten sie nicht; und die sich freuen, als freueten sie sich nicht; und die da kaufen, als besäßen sie es nicht; und die dieser Welt brauchen, dass sie derselben nicht missbrauchen: denn das Wesen dieser Welt vergehet. 

 

(E)

Luk. 16,19: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf dass, wann ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. 

1 Tim. 6,17-19: Den Reichen von dieser Welt gebeut, dass sie nicht stolz seien, auch nicht hoffen auf den ungewissen Reichtum, sondern auf den lebendigen Gott, der uns dargibt reichlich allerlei zu genießen; dass sie Gutes tun, reich werden an guten Werken, gerne geben, behilflich seien, Schätze sammeln, ihnen selbst legen einen guten Grund aufs zukünftige, dass sie ergreifen das ewige Leben. 

 

315. IST DENN AUCH NOCH ETWAS MEHRERES IN SOLCHEM GEBOT VERBOTEN?

 

Ja, aller Hochmut und Begierde nach Ehre, die uns von Gott nicht gegeben ist, und die Lust nach weltlichen Wollüsten, über das Maß der menschlichen Notdurft und Erquickung des Leibes. 

 

316. DÜRFEN WIR DENN NICHT NACH EHRE TRACHTEN?

 

Wir haben desjenigen uns zu befleißen, was auch ohngesucht, in göttlicher Ordnung Ehre bringt (A), aber die Ehre selbst, als ein Gott eigenes Gut, haben wir nicht Macht zu suchen (B), vielmehr wo uns von Gott selbst Ehre gegeben oder von Menschen beigelegt wird, dieselbe allein auf Gott zurück zu weisen (C), auch unsrer Ehre dem Nächsten zum Besten uns zu begeben, nach Christi Exempel. 

 

(A)

Phil. 4,8: Weiter, lieben Brüder, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich ist, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denket nach. 

 

(B)

Phil. 2,3: Nichts tut durch Zank oder eitele Ehre, sondern durch Demut achtet euch unter einander einer den andern höher, denn sich selbst. 

Gal. 5,26: Lasset uns nicht eiteler Ehre geizig sein, uns unter einander zu entrüsten und zu hassen. 

Matth. 23,12. Luk. 14,11: Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden, und wer sich selbst erniedriget, der soll erhöhet werden. 

 

(C)

Ps. 115,1: Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib die Ehre, um deine Gnade und Wahrheit. 

1 Kor. 15,10: Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin; und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die in mir ist. 

Apg. 42,21-23: Auf einen bestimmten Tag tat Herodes das königliche Kleid an, setzte sich auf den Richtstuhl, und tat eine Rede zu ihnen. Das Volk aber rief zu: Das ist Gottes Stimme, und nicht eines Menschen! Alsobald schlug ihn der Engel des Herrn darum, dass er die Ehre nicht Gott gab, und ward gefressen von den Würmern, und gab den Geist auf. 

 

317. DÜRFEN WIR ABER NACH WOLLUST TRACHTEN?

 

Alles Trachten nach Wollust ohne die nötige Unterhaltung und Erquickung des Leibes, auch Ermunterung des Gemüts, ist eine Art der bösen verbotenen Lust. 

 

1 Joh. 2,16: Alles was in der Welt ist, nämlich des Fleisches Lust, und der Augen Lust, und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. 

1 Petr. 2,11: Lieben Brüder, ich ermahne euch, als die Fremdlinge und Pilgrimme, enthaltet euch von den fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten.

Luk. 8,14: Das unter die Dornen fiel, sind die, so es (das göttliche Wort) hören, und gehen hin unter den Sorgen, dem Reichtum und der Wollust dieses Lebens, und ersticken es, und bringen keine Frucht. 

Tit. 3,3: Dienend den Lüsten und mancherlei Wollüsten. 

 

318. WAS IST ABER GEBOTEN?

 

1. Dass wir allen bösen Lüsten und Gedanken, welche bei uns aufsteigen, Widerstand tun, und sie durch des Geistes Kraft bei uns suchen zu dämpfen, ja aber nicht darein willigen (A): 2. dass wir mit allem zufrieden seien, was uns Gott gibet, wie wenig es sei (B): 3. dass wir in allem, so zu diesem Leben gehöret, in Essen, Trinken, Freude und dergleichen Maß halten, und niemal in solchem zu viel tun (C): 4. dass wir in Demut nach keiner Ehre trachten (D): 5. dass wir nach göttlichen und himmlischen Dingen unser Verlangen und Lust haben (E): 6. unserem Nächsten das Seinige gern gönnen, und zu dessen Erhaltung förderlich und dienstlich seien (F). 

 

(A)

Röm. 8,12.13: So sind wir nun, lieben Brüder, Schuldner, nicht dem Fleisch, dass wir nach dem Fleisch leben; denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben, wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. 

Gal. 5,24: Welche aber Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden. 

1 Mos. 4,7: Bist du nicht fromm, so ruhet die Sünde vor der Tür; aber laß ihr nicht ihren Willen, sondern herrsche über sie. 

Tob. 4,6: Hüte dich, dass du in keine Sünde willigest, und tust wider Gottes Gebot. 

Sir. 18,30: Folge nicht deinen bösen Lüsten, sondern brich deinen Willen. 

 

(B)

1 Tim. 6,6-8: Es ist aber ein großer Gewinn, wer gottselig ist, und lässet ihm genügen; denn wir haben nichts in die Welt gebracht, darum offenbar ist, wir werden auch nichts hinaus bringen. Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so lasset uns begnügen. 

Hebr. 13,5: Der Wandel sei ohne Geiz, und lasset euch begnügen an dem, was da ist; denn er hat gesagt: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. 

 

(C)

Phil. 4,12: Ich kann niedrig sein, ich kann hoch sein, ich bin in allen Dingen und bei allen geschickt, beides satt sein und hungern, beides übrig haben und Mangel leiden. 

2 Petr. 1,5.6: Reichet dar in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit. 

 

(D)

Röm. 12,3: Dass niemand weiter von halte, denn sichs gebühret zu halten, sondern dass er von ihm mäßig halte. 

1 Petr. 5,5: Haltet fest an der Demut; denn Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. 

 

(E)

Kol. 3,1.2: Seid ihr mit Christo auferstanden, so suchet, was droben ist, da Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist. 

 

(F)

Phil. 2,4: Ein jeglicher sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, das des Andern ist. 

 

319. DURCH WAS HILFSMITTEL VERMÖGEN WIR DEN BÖSEN LÜSTEN UND GEDANKEN ZU WIDERSTEHEN?

 

Durch andächtiges Gebet, fleißiges Lesen, Hören und Betrachten göttliches Worts und darinnen geoffenbarten göttlichen Willens, sorgfältige Achtgebung auf sich und Prüfung sein selbst, öftere Wiederholung des guten Vorsatzes, Vermeidung allerhand reizender Gelegenheiten und dergleichen.

 

320. WAS SIND DIE ÄUSSERLICHEN ZEICHEN DER WAHREN HIER GEBOTENEN HERZLICHEN DEMUT?

 

1. Wo man niedrige Leute liebet, und der Geringen keinen verachtet: 2. wo man eigene Ehre fleucht: 3. wo man die Verachtung der Welt nichts achtet: 4, wo man geringe Werke gern tut aus Liebe des Nächsten, Joh. 13,5-14. (Christi Fußwaschen): 5. wo man sich nicht klüger dünket sein, als andere: 6. wo man sich gern strafen lässet. An diesen Zeichen erkennet man die wahre Herzensdemut. 

 

321. WAS IST ALSO GOTTES ABSICHT IN DIESEM GEBOT?

 

Dass er unsers Herzens Gelüste in die rechte Ordnung bringen will, in allen Dingen dasjenige Maß zu halten, das göttlicher Wille und des Nächsten Liebe erfordert. 

 

322. WAS IST ABER IN DEM ZEHNTEN GEBOT VERBOTEN?

 

Nicht nur allein, welches aus dem beigesetzten Exempel fleußt, dass wir unserm Nächsten sein Weib, Gesind oder Vieh nicht abspannen, abdringen, oder abwendig machen: sondern vornehmlich ist verboten die erbliche Lust, und dero erste zu dem Bösen reizende Gelüste, dass nämlich bei uns dieselben gar nicht aufsteigen sollten. Und also sind da verboten diejenigen Bewegungen, welche die natürliche Vernunft nicht verstehet, dass sie Sünde seien (A): das böse Herz selbst, daraus alles Böse entspringet (B). 

 

(A)

Röm. 7,7: Ich wusste nichts von der Lust, wo das Gesetz nicht hätte gesagt: Laß dich nicht gelüsten. 

 

(B)

Matth. 15,19: Aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerung.

1 Mos. 8,21: Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.

 

323. WAS WIRD DENN IN DIESEM GEBOTE GEBOTEN?

 

Dass wir sollen ganz heilig und ohne einige böse Gelüste oder Zuneigung zu dem Bösen geboren werden, gleichwie wir in vollkommener Gerechtigkeit und Heiligkeit erstlich zu Gottes Bild erschaffen waren. 

 

Eph. 4,24: Ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist, in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit.

 

324. IST ABER SOLCHES MÖGLICH?

 

So wenig unsere eigene Geburt selbst in unserer Macht stehet, so wenig stehet auch in unserer Kraft, wie wir geboren werden wollen, sondern in dem ersten Augenblick unserer Empfängnis hänget uns schon diese Verderbnis an. Sie wird aber nachmal von Gott selbst gebessert in der Wiedergeburt, dadurch wir, wie wir vorhin Fleisch von Fleisch geboren waren, hinwiederum Geist von Geist geboren werden, Joh. 3,6. Durch welche und die folgende Erneuerung es dahin gebracht werden soll, dass wir nicht nur Gutes äußerlich wirken, sondern auch die Tugenden, aus welchen solche Werke kommen, tätlich und wahrhaftig in uns seien, und also Seel und Leib allgemach mehr und mehr von solcher Verderbnis gebessert werde.

 

1 Thess. 5,23.24: Er, der Gott des Friedens, heilige uns durch und durch, und euer Geist ganz samt der Seele und Leib müsse behalten werden unsträflich auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi. Getreu ist er, der euch rufet, welcher wirds auch tun. 

 

325. KOMMTS ABER DAHIN, DASS SOLCHE NATÜRLICHE VERDERBNIS GANZ GEHOBEN WERDE?

 

Ach nein, in diesem Leben bringen wirs so weit nicht, sondern obwohl wahrhaftig bei den Wiedergebornen sowohl eine zu dem Guten begierige göttliche Art gewirket ist (A), als die Erblust sie zu dem Bösen reizet; auch deswegen dieser Erblust die Herrschaft genommen wird (B): so bleibet doch noch immer vieles von solcher Verderbnis übrig, welches das Gute in den Wiedergebornen hindert, und sie zu dem Bösen reizet (C). Daher auch bei rechtschaffenen Christen der Streit des Geistes und des Fleisches bleibet (D), und sie immer an ihrem alten Menschen zu kreuzigen und zu töten, und den neuen weiter anzuziehen haben (E): ohne welchen Fleiß sie aber in der Wiedergeburt nicht stehen bleiben können. 

 

((A)

 

2 Petr. 1,3.4: Nachdem allerlei seiner göttlichen Kraft (was zum Leben und göttlichen Wandel dienet) uns geschenket ist durch die Erkenntnis deß, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend, durch welche uns die teueren und allergrößten Verheißungen geschenket sind, nämlich dass ihr durch dasselbige teilhaftig werdet der göttlichen Natur, so ihr fliehet die vergängliche Lust der Welt. 

Röm. 7,22: Ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem in wendigen Menschen. 

 

(B)

Röm. 6,6: Wir wissen, dass unser alter Mensch samt ihm gekreuziget ist, auf dass der sündliche Leib aufhöre, dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. V. 10ff: Das Christus gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einem mal, das er aber lebet, das lebet er Gott. Also auch ihr, haltet euch dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid, und lebet Gott in Christo Jesu unserem Herrn. So lasset nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüsten; auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die da aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit. Denn die Sünde wird nicht herrschen über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade. 

 

(C)

Röm. 7,14. bis Ende: Wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist: ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiß nicht, was ich tue; denn ich tue nicht, das ich will, sondern das ich hasse, das tue ich. So ich aber das tue, das ich nicht will, so willige ich, dass das Gesetz gut sei. So tue nun ich dasselbige nicht, sondern die Sünde, die in mir wohnet. Denn ich weiß, dass in mir, das ist, in meinem Fleische wohnet nichts Gutes. Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. So ich aber tue, das ich nicht will, so tue ich dasselbe nicht, sondern die Sünde, die in mir wohnet. So finde ich in mir nun ein Gesetz, der ich will das Gute tun, dass mir das Böse anhanget. Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen; ich sehe aber ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte, und nimmt mich gefangen in der Sünden Gesetz, welches ist in meinen Gliedern. Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes? Ich danke Gott, durch Jesum Christum unsern Herrn. So diene ich nun mit dem Gemüte dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleische dem Gesetz der Sünden.

Röm. 8,10: So aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot, um der Sünde willen, der Geist aber ist das Leben, um der Gerechtigkeit willen. 

Hebr. 12,1: Lasset uns ablegen die Sünde, so uns immer anklebet und träge macht. 

 

(D)

Gal. 5,16.17: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch; dieselbigen sind wider einander, dass ihr nicht tut, was ihr wollet. 

 

(E)

Eph. 4,22-24: So leget nun von euch ab nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der durch Lüste in Irrtum sich verderbet; erneuert euch aber im Geist eures Gemüts, und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist, in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. 

Kol. 3,5: So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind. V. 9,10: Ziehet den alten Menschen mit seinen Werken aus, und ziehet den neuen an, der da verneuert wird zu der Erkenntnis, nach dem Ebenbilde deß der ihn geschaffen hat.

 

326. SOLLTE ABER NICHT AUS ANGEZOGENEM ORT RÖM. 7,14 U. F. ZU SCHLIESSEN SEIN, DASS DANN AUCH DIE WIEDERGEBORNEN SICH DES SÜNDENDIENSTES NICHT ENTHALTEN, UND NICHTS GUTES VOLLBRINGEN KÖNNTEN, SONDERN DASS ES BEI DEM BLOSSEN WILLEN BLEIBE?

 

Nein, als welches dem allen entgegen wäre, was die Schrift und selbst St. Paulus anderwärts, sonderlich Kap. 6. und 8. der Epistel an die Römer lehret: sondern, wann er sagt: das Gute, das er wolle, das tue er nicht, ist dieses die Meinung: er vermöge es nicht in der Vollkommenheit zu vollbringen, wie es sein sollte, und wie er auch wollte, daher, wie hoch er es bringt, ists doch dasjenige vollkommenste Gute noch nicht, wie ers verlangete. Also tut er zwar Gutes, und viel Gutes (denn sonsten wäre das Wollen nicht ernstlich und kräftig, wie es gleichwohl sein muss), aber er kanns nicht ganz vollbringen, dass es ohne einigen Mangel und anklebende Schwachheit wäre: hingegen tut er das Böse, das er nicht will, abermal nicht, dass ers in böse Werke ausbrechen, und die Sünde herrschen ließe, sondern dass er das innerliche Aufsteigen der bösen Gelüste, das Tun in dem Herzen und einige ausbrechende Schwachheitsfehler nicht gänzlich, wie er wollte und sich bestrebet, verhindern kann. Wie auch der sel. Lutherus in der Randglosse es erkläret: Das Böse tun daselbst heißt nicht, das Werk vollbringen, sondern die Lüste fühlen, dass sie sich regen. Und wiederum, das Vollbringen des Guten, welches Paulus nicht findet, erkläret er: ohne Lust leben, ganz rein, das nicht in diesem Leben geschiehet. Welche Glosse der Lehre der Gottseligkeit und Meinung des Heil. Geistes ganz gemäß ist. 

 

327. IST ABER SOLCHE ÜBRIGE BÖSE LUST IN DEN WIEDERGEBORNEN ANNOCH WAHRHAFTIG SÜNDE?

 

Ja freilich ist sie Sünde, daher sie sich darüber betrüben, und wider dieselbe streiten, wie sie auch öfters in der Schrift Sünde genennet wird in angezogenen Sprüchen. Ob sie aber wohl, als Sünde, auch in ihrer Natur verdammlich ist, so ist sie doch bei den Gläubigen nicht mehr verdammlich, weil sie um Christi willen ihnen vergeben und nicht zugerechnet wird; weil sie sie zwar wider ihren Willen haben, und mit Betrübnis leiden müssen, aber nach derselben nicht wandeln, sondern nach Vermögen dawider kämpfen. 

 

Röm. 8,1: So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. 

 

328. WAS HAT ALSO DIESES GEBOT VOR DEN ANDERN?

 

Gleichwie das erste Gebot die Liebe Gottes, als den Brunnquell alles Guten, gebeut, und daher mit solcher Liebe alle Gebote durchgehet, deren Gehorsam aus solcher Liebe fließen soll: also verbeut dieses Gebot alle böse Lust, die der Brunnquell aller Sünden, und gehet demnach gleichfalls durch alle Gebote, als der Grund alles dessen, was in jedem Gebot verboten wird. 

 

329. WAS IST ALSO DIE ABSICHT DIESES GEBOTS?

 

Dass der Mensch in der ersten Reinigkeit, worinnen er erschaffen, vor Gott und in seiner Natur stehen möge. 

 

330. WIE LAUTET DER BESCHLUSS DER ZEHN GEBOTE?

 

Wenn Gott von diesen Geboten sagt: Ich der Herr dein Gott, bin ein starker eiferiger Gott, der über die, so mich hassen, die Sünde der Väter heimsuchet an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied; aber denen, so mich lieben, und meine Gebote halten, tue ich wohl bis in tausend Glied. 

 

331. WAS IST DAS?

 

Gott dräuet zu strafen alle, die diese Gebote übertreten; darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn, und nicht wider solche Gebote tun: er verheißet aber Gnade, und alles Gutes allen denen, die solche Gebote halten; darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen und gern tun nach seinen Geboten. 

 

332. WAS LERNEN WIR AUS SOLCHEM BESCHLUSS?

 

Wie Gott das Böse zu strafen drohet, und das Gute zu belohnen verheißet, auf dass wir ihn fürchten und lieben. 

 

333. WIE SOLL UNS SOLCHES ZUR FURCHT BEWEGEN?

 

Weil der Herr unser Gott ist, da wir also als seine Knechte von rechtswegen ihn zu fürchten haben (A): weil er ein starker Gott ist, der seine Drohungen auch ins Werk setzen und die Übertreter strafen kann (B): weil er ein eiferiger Gott ist, und kraft seiner Gerechtigkeit nicht anders könne, als seinen Zorn über die Sünde ausgießen (C), und auch wirklich, die ihn hassen, in Grimm heimsuchen wird (D). 

 

(A)

Mal. 1,6: Ein Sohn soll seinen Vater ehren, und ein Knecht seinen Herrn: bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich Herr, wo fürchtet man mich?

 

(B)

Jer. 32,27: Siehe, ich der Herr bin ein Gott alles Fleisches; sollte mir etwas unmöglich sein? Darum so spricht der Herr also: Siehe, ich gebe diese Stadt in der Chaldäer Hände, u.s.w. 

 

(C)

Nah. 1,2: Der Herr ist ein eiferiger Gott, und ein Rächer; ja, ein Rächer ist der Herr, und zornig; der Herr ist ein Rächer wider seine Widersacher, und der es seinen Feinden nicht vergessen wird. 

5 Mos. 4,24: Der Herr, dein Gott, ist ein verzehrend Feuer und ein eiferiger Gott. 

 

(D)

2 Mos. 32,34: Ich werde ihre Sünde wohl heimsuchen, wenn meine Zeit kommt heimzusuchen. 

Jes. 14,27: Der Herr Zebaoth hats beschlossen; wer wills wehren? und seine Hand ist ausgereckt; wer will sie wenden?

Ezech. 12,28: So spricht der Herr Herr: Was ich rede, soll nicht länger verzogen werden, sondern soll geschehen, spricht der Herr Herr. 

 

334. WIE SOLL UNS ABER EBEN SOLCHES ZUR LIEBE UND VERTRAUEN BEWEGEN?

 

Weil er auch der Herr unser Gott ist, der uns, als den Seinigen, Gutes tut (A): weil er stark und mächtig ist, uns zu schützen, uns zu stärken, und seine Verheißungen zu erfüllen (B): auch gütig und wahrhaftig, die ihn lieben und seine Gebote halten, mit allem Guten zu beseligen (C). 

 

(A)

Ps. 144,15: Wohl dem Volk, deß der Herr ein Gott ist. 

Jes. 41,10: Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. V. 13: Denn ich bin der Herr dein Gott, der deine rechte Hand stärket, und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir. So fürchte dich nicht, du Würmlein Jakob, ihr armer Haufe Israel; ich helfe dir, spricht der Herr, und dein Erlöser, der Heilige in Israel. 

 

(B)

Jes. 50,2: Ist meine Hand nun so kurz worden, dass sie nicht erlösen kann? oder ist bei mir keine Kraft zu erretten?

Sach. 8,6: So spricht der Herr Zebaoth: Dünket sie solches unmöglich zu sein vor den Augen dieses übrigen Volks zu dieser Zeit? Sollts darum auch unmöglich sein vor meinen Augen? spricht der Herr Zebaoth. 

 

(C)

Jes. 3,10: Prediget von den Gerechten, dass sie es gut haben; denn sie werden die Frucht ihrer Werke essen. 

Mal. 3,16-18: Die Gottesfürchtigen trösten sich unter einander also: Der Herr merkets, und hörets, und ist vor ihm ein Denkzettel geschrieben für die, so den Herrn fürchten, und an seinen Namen gedenken. Sie sollen (spricht der Herr Zebaoth) des Tages, den ich machen will, mein Eigentum sein, und ich will ihrer schonen, wie ein Mann seines Sohnes schonet, der ihm dienet. Und ihr sollt dagegen wiederum sehen, was für ein Unterschied sei zwischen dem Gerechten und Gottlosen, und zwischen dem, der Gott dienet, und dem, der ihm nicht dienet. 

 

335. SIND UNS DIE ZEHN GEBOTE NÜTZ, DASS WIR DARAUS SELIG WERDEN MÖGEN?

 

Nein. 

 

336. WARUM NICHT?

 

Weil aus den zehn Geboten niemand selig werden kann, er halte sie denn vollkommen (A). Nun vermögen wir dieses nicht, das Gesetz gibt uns auch die Kraft nicht dazu, sondern fordert allein von uns, dass wirs halten sollen (B): deswegen vermag das Gesetz uns weder die Seligkeit zu geben, noch rechtschaffene gute Werke zu wirken, sondern da muss aus dem Evangelio der Mensch den Glauben empfangen zur Gerechtigkeit, und des heiligen Geistes Kraft zur Verrichtung guter Werke. 

 

(A)

Jak. 2,10: So jemand das ganze Gesetz hält, und sündiget an Einem, der ists ganz schuldig. 

 

(B)

Gal. 3,21: Wenn ein Gesetz gegeben wäre, das da könnte lebendig machen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesetz. 

Röm. 8,3: Das dem Gesetz unmöglich war, sintemal es durch das Fleisch geschwächet ward, u.s.w. 

 

337. KÖNNEN WIR DENN DIE ZEHN GEBOTE NICHT VOLLKOMMEN HALTEN?

 

Nein, wir können sie nicht vollkommen halten. 

 

338. KÖNNEN WIR DENN VON DENSELBEN GAR NICHTS HALTEN?

 

Es vermag zwar der Mensch auch aus natürlichen Kräften etlichermaßen sich der äußerlichen Tugenden zu befleißen, und äußerliche Schande und Laster, die in dem Gesetz verboten werden, zu meiden. Daher man auch viele tugendhafte Heiden gehabt hat, die es in solchen äußerlichen Tugenden, in Keuschheit, Gerechtigkeit, Sanftmut und dergleichen weit gebracht. So vielmehr kann ein wiedergeborner Christ aus göttlicher Gnade nicht nur in solchem Äußerlichen einen ganz frommen und unsträflichen Wandel führen (A), sondern auch in dem Innerlichen und Gehorsam des Herzens es weit bringen (B), und so weit, als ihrer viel es unmöglich achten möchten: aber die vollkommene Erfüllung des Gesetzes, auch eines einigen Gebotes in seiner Vollkommenheit, ist hier in dieser Unvollkommenheit unmöglich, und je weiter der Christ in solcher Übung kommet, und von andern für vollkommen geachtet wird, je mehr erkennet er seine Unvollkommenheit, und was ihm noch mangele. 

 

(A)

Phil. 2,15: Auf dass ihr seid ohne Tadel und lauter, und Gottes Kinder, unsträflich mitten unter dem unschlachtigen und verkehrten Geschlecht, unter welchem ihr scheinet als die Lichter in der Welt. 

1 Petr. 3,16: Habt ein gut Gewissen, auf dass die so von euch afterreden, als von Übeltätern, zu Schanden werden, dass sie geschmähet haben euren guten Wandel in Christo. 

 

(B)

1 Thess. 1,2-8: Wir danken Gott allezeit für euch alle, und gedenken eurer in unserm Gebet ohne Unterlass, und gedenken an euer Werk im Glauben, und an eure Arbeit in der Liebe, und an eure Geduld in der Hoffnung, welche ist unser Herr Jesus Christus, vor Gott und unserm Vater. Denn, lieben Brüder, von Gott geliebet, wir wissen, wie ihr auserwählet seid, dass unser Evangelium ist bei euch gewesen, nicht allein in Wort, sondern beides in der Kraft und in dem Heil. Geist, und in großer Gewissheit, wie ihr wisset, welcherlei wir gewesen sind unter euch, um euretwillen. Und ihr seid unsere Nachfolger worden und des Herrn, und habt das Wort aufgenommen unter vielen Trübsalen mit Freuden im Heil. Geist, also dass ihr worden seid ein Vorbild allen Gläubigen in Macedonia und Achaja; denn von euch ist auserschollen das Wort des Herrn, nicht allein in Macedonia und Achaja, sondern an allen Orten ist auch euer Glaube an Gott ausgebrochen, also, dass nicht not ist euch etwas zu sagen. 

Eph. 2,4-11: Gott, der da reich ist von Barmherzigkeit durch seine große Liebe, damit er uns geliebet hat, da wir tot waren in Sünden, hat er uns samt Christo lebendig gemacht (denn aus Gnaden seid ihr selig worden), und hat uns samt ihm auferwecket, und samt ihm in das himmlische Wesen gesetzet, in Christo Jesu; auf dass er erzeigete in den künftigen Zeiten den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte über uns in Christo Jesu. Denn aus Gnaden seid ihr selig worden durch den Glauben, und dasselbige nicht aus euch; Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, dass wir darinnen wandeln sollen. 

 

339. KÖNNEN WIR DENN NICHT DIE VOLLKOMMENHEIT IN DIESER WELT ERREICHEN?

 

Wie die Schrift vollkommen heißt diejenigen, die nicht erst Anfänger oder Kinder in dem Glauben sind, sondern bereits im Glauben und Liebe sehr gewachsen und weit gekommen (A), so sollen wir nicht nur nach der Vollkommenheit streben, sondern mögen und müssen auch dieselbe in einigem Grad erreichen (B). Aber wie hoch wirs bringen, so ists noch die höchste und rechte Vollkommenheit nicht, dero wir erst erwarten (C), und deswegen auch die Heiligen allezeit in dem Guten wachsen, völliger werden, und niemal still stehen sollen (D). 

 

(A)

Hebr. 5,13.14: Wem man noch Milch geben muss, der ist unerfahren in dem Wort der Gerechtigkeit, denn er ist ein junges Kind. Den Vollkommenen aber gehöret starke Speise, die durch Gewohnheit haben geübte Sinne, zum Unterschied des Guten und Bösen. 

Eph. 4,13.14: Bis wir alle hinankommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes, und ein vollkommener Mann werden, der da sei in dem Maße des vollkommenen Alters Christi; auf dass wir nicht mehr Kinder seien, und uns wägen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre, durch Schalkheit der Menschen und Täuscherei, damit sie uns erschleichen zu verführen. 

1 Kor. 2,6: Da wir aber von reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen. 

 

(B)

Kol. 1,28: Wir verkündigen und vermahnen alle Menschen, und lehren alle Menschen mit aller Weisheit, auf dass wir darstellen einen jeglichen Menschen vollkommen in Christo Jesu. 

2 Tim. 3,17: Dass ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt. 

Phil. 3,15: Wie viel nun unser vollkommen sind, die lasset uns also gesinnet sein.

Jak. 1,4: Die Geduld aber soll fest bleiben bis ans Ende, auf dass ihr seid vollkommen und ganz, und keinen Mangel habt. 

 

(C)

Phil. 3,12: Nicht dass ichs schon ergriffen habe, oder schon vollkommen sei: ich jage ihm aber nach, ob ichs auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin.

1 Kor. 13,9.10: Unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk; wann aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. 

Phil. 1,6: Ich bin desselbigen in guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wirds auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi. 

 

(D)

Eph. 4,15: Lasset uns aber rechtschaffen sein in der Liebe, und wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus. 

Phil. 3,13.14: Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht, dass ichs ergriffen habe; eins aber sage ich: ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, das da vornen ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu. 

1 Thess. 4,1: Weiter, lieben Brüder, bitten wir euch, und ermahnen in dem Herrn Jesu, nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollt wandeln und Gott gefallen, dass ihr immer völliger werdet. 

Kol. 1,10: Dass ihr wandelt würdiglich, dem Herrn zu allem Gefallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken, und wachset in der Erkenntnis Gottes. 

2 Petr. 3,18: Wachset aber in der Gnade und Erkenntnis unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi. 

 

340. WENN WIR ABER SO WEIT KOMMEN ALS MÖGLICH IST, IST DENN DAMIT DAS GÖTTLICHE GESETZ NICHT VOLLKOMMEN GEHALTEN?

 

Nein, denn dasselbe fordert nicht nur, was wir vermögen, sondern dass wir Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte, und von allen Kräften, wie wir aus Matth. 22,37. Luk. 10,27. in dem ersten Gebot gesehen; und verbietet, dass auch die wenigste böse Lust bei uns sei, wie das zehnte Gebot erfordert. So lang also etwas Fleischliches, und fleischliche Lust, welche alle der vollkommenen Liebe Gottes entgegen stehet, bei uns übrig bleibet (die bleibet aber unser ganzes Leben durch), so lang ist solchen Geboten nicht ein Genügen geschehen, und daher das Gesetz nicht vollkommen gehalten: denn wer an Einem Gebote sündiget, der hat das ganze Gesetz übertreten, Jak. 2,10. 

 

341. WARUM IST UNS ABER DAS GESETZ VOLLKOMMEN ZU HALTEN UNMÖGLICH?

 

Wegen seiner hohen Vollkommenheit, welche von uns die Kräfte fordert, die wir in dem Stand der Unschuld gehabt, aber nunmehr verloren haben: und hingegen wegen der Verderbnis unserer Natur, als die wir in Sünden empfangen und geboren sind, und also eine mit Sünden verderbte Natur haben. Wie will denn, was unvollkommen ist, etwas Vollkommenes wirken? Die Anforderung ist zu groß, und wir zu arm. 

 

Röm. 7,14: Wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. 

 

342. LEHRET DIE SCHRIFT AUCH, DASS WIR DAS GESETZ GOTTES NICHT VOLLKOMMEN HALTEN KÖNNEN?

 

Ja: denn von allem Gesetz heißets Apg. 15,10: Dass das Joch des Gesetzes weder wir noch die Väter tragen mögen. So sagt David Ps. 130,3: So du willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Und Ps. 143,2: Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte, denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Nun wer das Gesetz halten könnte, möchte dadurch gerecht werden. Jakobus aber sagt 3,2: Wir fehlen alle mannigfaltig. Paulus 1 Kor. 4,4. sagt von seinem besten Leben, da er ihm nichts bewusst war, damit sei er noch nicht gerechtfertiget. Nun wo unser gutes Leben das Gesetz völlig erfüllete, so würden wir dadurch gerechtfertiget. Und sonderlich sagt er Röm. 8,3: Das dem Gesetz unmöglich war, nämlich uns zur wahren Gerechtigkeit zu bringen, sintemal es durch das Fleisch geschwächet ward (weil das Fleisch uns das Vermögen nimmt, ihm genug zu tun), das tat Gott, und sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches, und verdammete die Sünde im Fleisch durch Sünde, auf dass die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert (welche von uns nicht erfüllet werden mochte), in uns erfüllet würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. 

 

343. IST ABER VIELLEICHT ALLES SOLCHES ALSO ZU VERSTEHEN, DASS DER MENSCH ZWAR AUS EIGENEN KRÄFTEN DAS GESETZ NICHT VÖLLIG HALTEN KÖNNE, DOCH ABER DURCH DIE KRÄFTE DES HEIL. GEISTES SOLCHES VERMÖGE?

 

Nein: denn kurz vorher angezogene Sprüche handeln auch von Wiedergebornen und denen, die den Heil. Geist empfangen haben, und sagen, dass auch solche dem Gesetz allhier noch kein völlig Genügen leisten mögen; nicht, dass der Heil. Geist nicht stark genug wäre, sondern weil die sündliche Verderbnis desselben Kraft in dem Menschen hindert. 

 

344. ISTS ABER NICHT WIDER DIE GERECHTIGKEIT GOTTES, DASS ER SO GROSSES VON UNS BEDROHLICH FORDERT, SO WIR DOCH NICHT ZU LEISTEN VERMÖGEN?

 

Nein: denn Gott fordert dasjenige von uns, dazu er uns in der Schöpfung die Kräfte gegeben hatte, wie denn das Gesetz der noch reinen Natur gegeben ist. Dass aber der Mensch solche Kräfte durch den Fall verloren hat, damit gehet ja göttlichem Rechte nichts ab, so wenig als in der Welt ein Schuldener der Schuld ledig werden kann, weil er das Anvertrauete mutwilliger Weise vertan hat. 

 

345. STREITETS ABER NICHT WIDER GOTTES GÜTIGKEIT?

 

Auch dieses nicht, weil Gott dasjenige, was wir nicht vermögen, durch Christum selbst geleistet hat, und uns dessen Gehorsam in dem Glauben zu eigen schenket, wo wir ihn durch Glauben annehmen: tun wir aber solches nicht, so ist die Schuld unsers Verderbens unser eigen. 

 

346. WEIL WIR ABER DAS GESETZ NICHT VOLLKOMMEN ZU LEISTEN VERMÖGEN, SOLLEN WIR DENN UNS GAR NICHT DARNACH BESTREBEN?

 

Je weniger wir es zu erfüllen vermögen, so viel mehr Fleiß sollen wir anwenden, so viel darinnen zu tun, als wir aus göttlicher Gnade können, sonderlich weil Gott auch unsern unvollkommenen Gehorsam in Gnaden um Christi willen ansehen und annehmen will. 

 

347. SO WERDEN UNS DENN DIE ZEHN GEBOTE GAR NICHT NÜTZ SEIN?

 

Das sei ferne, denn sie haben nebst der äußerlichen Zucht in dem gemeinen Leben, noch diesen doppelten Nutzen, dass einesteils dieselbigen uns die Sünde und Gottes Zorn gegen die Sünde erkennen lehren, andernteils, dass sie uns die Regel seien der guten Werke, in welchen wir vor Gott wandeln sollen. Wie wir singen: Die Gebot all uns gegeben sind, dass du dein Sünd, o Menschenkind, erkennen sollst, und lernen wohl, wie man vor Gott leben soll. 

 

348. WAS IST DENN DER ERSTE NUTZEN DER ZEHN GEBOTE?

 

Dass dieselben uns alle Sünden, nicht nur die äußerlichen, groben und handgreiflichen, sondern auch ebensowohl die innerlichen und der Vernunft unbekannten (A) Sünden, samt ihrer Schwere und Greuel offenbaren (B), das Gewissen derselben überzeugen, strafen, und machen, dass wir göttlichen Zorn darüber fühlen (C): auf dass der Sünder, durch den Fluch des Gesetzes erschrecket, alle Hoffnung auf sein eigen Tun fallen lasse, und allein bei Christo Gnade und Seligkeit suche. Auf welche Weise sie unser Zuchtmeister auf Christum sind (D). 

 

(A)

Röm. 7,7: Die Sünde erkannte ich nicht, ohne durchs Gesetz; denn ich wusste nichts von der Lust, wo das Gesetz nicht hätte gesagt: Laß dich nicht gelüsten. 

 

(B)

Röm. 3,20: Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. 

 

(C)

Röm. 4,15: Das Gesetz richtet nur Zorn an; denn wo das Gesetz nicht ist, da ist auch keine Übertretung. 

 

(D)

Gal. 3,24: Das Gesetz ist unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, dass wir durch den Glauben gerecht würden. 

 

349. WEM OFFENBARET ABER DAS GESETZ DIE SÜNDE?

 

Zum allervördersten zwar den Unwiedergebornen, die eigentlich unter dem Gesetz sind (A): weil aber auch die Wiedergebornen, so unter der Gnade und nicht unter dem Gesetze sind (B), Fleisch an sich haben, so bedürfen sie auch wegen desselben Fleisches solches Gebrauchs des Gesetzes, und dieses Zuchtmeisters (C), damit sie nicht sicher werden, sondern in der täglichen Bußübung fortfahren. 

 

(A)

1 Tim. 1,9.10: Ich weiß solches, dass dem Gerechten kein Gesetz gegeben ist, sondern den Ungerechten und Ungehorsamen, den Gottlosen und Sündern, den Unheiligen und Ungeistlichen, den Vatermördern und Muttermördern, den Totschlägern, den Hurern, den Knabenschändern, den Menschendieben, den Lügnern, den Meineidigen, und so etwas mehr der heilsamen Lehre zuwider ist. 

 

(B)

Röm. 6,14: Die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade. 

 

(C)

Röm. 7,23: Ich sehe ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte, und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern. (So widerstrebet denn auch hinwiederum solches Gesetz in dem Gemüt dem Gesetz der Sünden in den Gliedern, und strafet es.) 

 

350. WAS IST DENN DER ANDERE NUTZEN DES GESETZES?

 

Dass das Gesetz uns zeiget, welche Werke Gott in allen Stücken unsers Lebens (wie wir uns gegen ihn, gegen den Nächsten und gegen uns selbst zu halten haben) von uns erfordere. 

 

Ps. 119,9: Wie wird ein Jüngling seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält nach deinem Wort. V. 105: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte, und ein Licht auf meinem Wege. 

Ps. 19,8-13: Das Gesetz des Herrn ist ohne Wandel, und erquicket die Seele; das Zeugnis des Herrn ist gewiss, und macht die Albernen weise; die Befehle des Herrn sind richtig, und erfreuen das Herz; die Gebote des Herrn sind lauter und erleuchten die Augen; die Furcht des Herrn ist rein, und bleibet ewiglich; die Rechte des Herrn sind wahrhaftig, allesamt gerecht; sie sind köstlicher denn Gold, und viel feines Goldes; sie sind süßer denn Honig und Honigseim. Auch wird dein Knecht durch sie erinnert; und wer sie hält, der hat großen Lohn. 

 

351. VERSTEHEN WIR DENN NICHT VON NATUR, WAS RECHT UND GUT IST?

 

Auch was wir von Natur wissen, gehört mit zu dem Gesetz, aber solche Erkenntnis in unserer verderbten Natur ist zu wenig, daher es weiterer Offenbarung bedürftig war, die wir in den zehn Geboten, und dero hin und wieder in der Schrift befindlichen Auslegungen antreffen. 

 

352. WARUM WAR SOLCHES NÖTIG?

 

Weil Gott nicht haben will, dass wir nach unserm Gutdünken, sondern allein nach seinem Wort ihm dienen sollen: dahero Gott nichts als gut und ihm gefällig annimmet, es mag auch noch so gut ersonnen und gemeinet sein, es sei denn seinem Gebot gemäß. 

 

5 Mos. 12,8: Ihr sollet der keines tun, das wir heute allhier tun, ein jeglicher, was ihn recht dünket. V. 32: Alles was ich euch gebiete, das sollt ihr halten, dass ihr darnach tut. Ihr sollt nichts dazu tun noch davon tun. 

Matth. 15,9: Vergeblich dienen sie mir, dieweil sie lehren solche Lehre, die nichts denn Menschengebote sind. 

 

353. WORINNEN ABER HABEN SICH DIE MENSCHEN NACH GÖTTLICHEN GEBOTEN ZU HALTEN?

 

In ihrem ganzen Leben, Tun und Lassen: indem nichts in dem ganzen Leben ist, so nicht nach der Regel göttlicher Gebote eingerichtet werden müsste. 

 

354. WEM ZEIGT DENN DAS GESETZ DIE GUTEN WERKE?

 

Allen Menschen; aber die Wiedergebornen verstehen allein solche recht, wie sich gehöret: da hingegen die Unwiedergebornen vieles von der Vollkommenheit des Gesetzes nicht fassen. 

 

Röm. 12,2: Verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gottes Wille. 

 

355. ZEIGET ABER DAS GESETZ DEN WIEDERGEBORNEN ALLEIN DIE GUTEN WERKE AN?

 

Nein, sondern es zeiget ihnen auch ihre Schuldigkeit dazu, und treibet sie an, derselben nachzukommen, mit angehängten Drohungen wegen ihres noch übrigen anklebenden trägen Fleisches. 

 

356. TUN ABER DIE WIEDERGEBORNEN, WAS SIE GUTES TUN, ALLEIN AUS ZWANG DES GESETZES?

 

Nein, sondern wie sie zwar aus dem Gesetz ihrer Schuldigkeit erinnert, und nicht träg zu werden angetrieben werden, so gehorchen sie ihm gleichwohl nicht aus Zwang, sondern aus der Liebe, die eine Frucht der in dem Evangelio durch den Glauben empfangenen Gnade ist, mit freiwilligem Geist; daher ihnen solcher Gehorsam auch nicht schwer ist (A). Woraus folget: wer gute Werke tun soll, muss erst aus dem Evangelio zu dem Glauben und der Wiedergeburt gebracht werden, dass er den Heil. Geist empfange, der ihm mit lebendigen Buchstaben das Gesetz in das Herz schreibe, sonst wird er nimmermehr ein einiges recht gutes Werk tun (B). 

 

(A)

Ps. 110,3: Nach deinem Sieg wird dir dein Volk williglich opfern in heiligem Schmuck. 

1 Joh. 5,3: Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. 

 

(B)

Jer. 31,33: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben, und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein, u.s.w. S. auch Hebr. 8,10.

Ezech. 36,26.27: Ich will euch ein neu Herz, und einen neuen Geist in euch geben, und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen, und euch ein fleischern Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben, und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun. 

 

357. KÖNNEN DIE UNWIEDERGEBORNEN AUCH GUTE WERKE TUN?

 

Ob sie wohl mögen ein und anderes tun, das in dem Äußerlichen mit dem Gesetz übereinkommt, und soferne gut ist, so können sie doch keine eigentlich guten, Gott wohlgefälligen Werke tun (A), als welche aus dem Geist und Glauben geschehen müssen, und demnach allein von Gott in uns gewirket werden (B). 

 

(A)

2 Kor. 3,5: Nicht, dass wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken, als von uns selber, sondern dass wir tüchtig sind, ist von Gott. 

Matth. 12,33.34: Setzet entweder einen guten Baum, so wird die Frucht gut, oder setzet einen faulen Baum, so wird die Frucht faul; denn an der Frucht erkennet man den Baum. Ihr Otterngezüchte, wie könnet ihr Gutes reden, dieweil ihr böse seid? Weß das Herz voll ist, deß gehet der Mund über. 

 

(B)

Röm. 14,23: Was nicht aus dem Glauben gehet, das ist Sünde. 

 

358. HABEN ABER DIE HEIDEN NICHT AUCH GUTE WERKE GETAN?

 

Sie haben zwar oft viel äußerliche ansehnliche Tugenden an sich gehabt und geübet: weil aber das Herz derselben nicht durch den Glauben gereiniget, und mit reiner Liebe Gottes erfüllet, daher ihre Person selbst Gott missfällig gewesen, so sind solche Tugenden keine wahren guten Werke gewesen, sondern geschahen allein aus eigener Liebe, eigener Ehre und dergleichen fleischlichen Absichten. Ob sie wohl aus der überschwänglichen göttlichen Gütigkeit ihre zeitliche Belohnung von Gott erlangt haben.

 

359. VERMÖGEN ABER DIE WIEDERGEBORNEN WAHRE GUTE WERKE ZU TUN?

 

Ja, aus Gnade des Heil. Geistes und ihrer Wiedergeburt vermögen sie rechtschaffene gute Werke zu tun. 

 

Eph. 2,10: Wir sind Gottes Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, dass wir darinnen wandeln sollen. 

Phil. 2,13: Gott ists, der in euch wirket beides das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen. 

Tit. 3,14: Laß die Unseren lernen, dass sie im Stande guter Werke sich finden lassen, wenn man ihrer bedarf, auf dass sie nicht unfruchtbar seien. 

 

360. WAS HEISSEN ABER GUTE WERKE?

 

Nicht nur die äußerlichen Werke, welche göttlichem Gesetz gemäß sind, sondern auch die innerlichen Tugenden, welche dasselbe von uns erfordert: daferne auch die äußerlichen Werke, sie kommen denn aus solchen innerlichen Tugenden, mehr heuchlerisch als gut sind. 

 

361. WAS WIRD DENN ZU EINEM GUTEN WERKE ERFORDERT?

 

Dass es geschehe aus göttlicher Wirkung, in allen Umständen nach der Regel des Gesetzes, aus dem Glauben und redlicher aufrichtiger Meinung. 

 

Röm. 14,23: Was nicht aus dem Glauben gehet, das ist Sünde. 

Gal. 5,6: In Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist. 

 

362. WOZU SOLLEN WIR GUTE WERKE TUN?

 

Nicht dass wir unsern Ruhm darinnen suchen (A), noch damit etwas zu verdienen gedenken (B), sondern zu der Ehre Gottes (C), und in schuldiger Dankbarkeit gegen Gott für seine großen Wohltaten, die er uns erwiesen, dafür wir ihm wiederum gern im Gehorsam dienen wollten (D). 

 

(A)

Matth. 6,1-6: Habet Acht auf eure Almosen, dass ihr die nicht gebet vor den Leuten, dass ihr von ihnen gesehen werdet; ihr habt anders keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibest, sollst du nicht lassen vor dir posaunen, wie die Heuchler tun in den Schulen und auf den Gassen, auf dass sie von den Leuten gepriesen werden: wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, auf dass deine Almosen verborgen seien, und dein Vater, der in das Verborgene siehet, wird dirs vergelten öffentlich. So auch V. 16ff.: Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer sehen, wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Angesicht; auf dass sie vor den Leuten scheinen mit ihrem Fasten: wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, auf dass du nicht scheinest vor den Leuten mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, welcher verborgen ist; und dein Vater, der in das Verborgene siehet, wird dirs vergelten öffentlich. 

 

(B)

Luk. 17,10: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprechet: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, das wir zu tun schuldig waren. 

 

(C)

Matth. 5,16: Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen, und euren Vater im Himmel preisen. 

1 Petr. 2,12: Führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf dass die, so von euch afterreden, als von Übeltätern, eure guten Werke sehen, und Gott preisen, wanns nun an den Tag kommen wird. 

 

(D)

1 Thess. 5,18: Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christo Jesu an euch. 

 

363. VERDIENEN WIR ABER MIT SOLCHEN WERKEN VON GOTT DIE SELIGKEIT ODER EINIGE VERGELTUNG?

 

Nein, denn wir sind sie zu tun schuldig (A): so sind sie auch nicht unsere eigene, sondern vielmehr Gottes Werke in uns; sie sind auch ganz unvollkommen: dahero sie auf einigerlei Weise nicht mögen verdienstlich sein, viel weniger gar die Seligkeit, die allein aus Gnaden kommt, erwerben (B). Dass sie aber die Verheißung der Vergeltung haben (C), ist aus Gnaden, nicht aus Schuldigkeit, und solches um Christi willen, durch den sie angenehm sind (D). 

 

(A)

Luk. 17,10. S. die vorige Fr. 

 

(B)

Röm. 11,6: Ists aus Gnaden, so ists nicht aus Verdienst der Werke, sonst würde Gnade nicht Gnade sein, ists aber aus Verdienst der Werke, so ist die Gnade nichts, sonst wäre Verdienst nicht Verdienst. V. 35: Wer hat ihm etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten?

 

(C)

S. unten Fr. 399ff. 

 

(D)

1 Petr. 2,5: Ihr, als lebendige Steine, bauet euch zum geistlichen Hause und zum heiligen Priestertum, zu opfern geistliche Opfer, die Gott angenehm sind durch Jesum Christum. 

 

364. SIND UNSERE GUTEN WERKE VOLLKOMMEN?

 

Nein, denn wegen der uns anklebenden Verderbnis (A) haben sie allezeit einige Mängel, geschehen nicht mit solchem Eifer für Gottes Ehre, fleißiger Vorsichtigkeit aller Umstände, und einiger Absicht lauterlich auf dasjenige, was Gottes ist, dass nicht in einigem derselben jegliches Werk sollte reiner sein, als es ist. Jedoch gefallen die Werke der Gläubigen Gott dem Herrn wohl, um Christi und des Glaubens willen, sodann weil sie seine eigene und seines Geistes Werke sind. 

 

(A)

Röm. 7,21: So finde ich in mir nun ein Gesetz, der ich will das Gute tun, dass mir das Böse anhanget. 

 

365. SIND ABER DIE GUTEN WERKE NOTWENDIG, ODER STEHEN SIE UNS FREI ZU TUN ODER ZU LASSEN?

 

Zwar zu Erlangung und Erhaltung unserer Seligkeit selbsten sind sie uns nicht nötig, indem diese allein eine Frucht der Gnade und des Glaubens ist (A), aber dabei stehet uns nicht frei, gute Werke zu tun, sondern sie sind allerdings notwendig (B), nicht nur wegen göttlichen Befehls und unsers Berufs (C), sondern auch weil kein wahrer Glaube, aus dem wir allein selig werden müssen, ohne die guten Werke sein kann: also dass der Glaube, so sich nicht in den Werken zeiget, nicht rechtschaffen, sondern tot und nichtig zu sein erkannt wird (D). Daher sie notwendig sind, auch zu Versicherung oder Prüfung, ob wir in dem Glauben stehen (E). 

 

(A)

Röm. 3,28: So halten wir es nun, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. 

Eph. 2,8.9: Aus Gnaden seid ihr selig worden durch den Glauben, und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, und nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme. 

 

(B)

Hebr. 12,14: Ohne die Heiligung wird niemand den Herrn sehen. 

 

(C)

Eph. 1,4: Gott hat uns erwählet durch Christum, ehe der Welt Grund geleget war, dass wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe. 

Eph. 2,10: Wir sind Gottes Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, dass wir darinnen wandeln sollen. 

Eph. 4,1: So ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, dass ihr wandelt, wie sichs gebühret eurem Beruf, darinnen ihr berufen seid. 

Kol. 1,10: Dass ihr wandelt würdiglich, dem Herrn zu allem Gefallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken, und wachset in der Erkenntnis Gottes. 

 

(D)

Jak. 2,17ff: Der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot an ihm selber. Aber es möchte jemand sagen: Du hast den Glauben, und ich habe die Werke; zeige mir deinen Glauben mit deinen Werken, so will ich auch meinen Glauben dir zeigen mit meinen Werken. Du glaubest, dass ein einiger Gott ist; du tust wohl daran: die Teufel glaubens auch, und zittern. Willst du aber wissen, du eitler Mensch, dass der Glaube ohne Werke tot sei?

 

(E)

2 Petr. 1,10.11: Darum, lieben Brüder, tut desto mehr Fleiß, euren Beruf und Erwählung fest zu machen; denn wenn ihr solches tut, werdet ihr nicht straucheln; und also wird euch reichlich dargereichet werden der Eingang zu dem ewigen Reich unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi. 

 

366. SO WIR NUN DIE ZEHN GEBOTE ENTWEDER MIT UNTERLASSUNG DES GUTEN, ODER VOLLBRINGUNG DES BÖSEN ÜBERTRETEN, WAS TUN WIR?

 

Sünde. 

 

367. WAS IST DENN DIE SÜNDE?

 

Alles, was einigerlei Weise wider Gottes Gebot streitet: die Sünde ist das Unrecht, oder das wider das Gesetz ist, 1 Joh. 3,4. 

 

368. KANN MAN DENN KEINE SÜNDE BEGEHEN, ALS WIDER GOTTES GEBOT?

 

Nein, alle Sünden streiten wider Gottes Gebot, mittelbar oder unmittelbar. Denn wo ich der Eltern oder anderer Oberen und Vorgesetzten Befehl überschreite, so ists zwar Sünde, aber nicht sowohl um der Menschen willen, als deswegen, weil eben damit Gottes Gebot überschritten wird, welcher uns geboten hat, jener Befehl zu gehorchen. 

 

369. IST ABER NUR ALLEIN DASJENIGE SÜNDE, WAS AN UND FÜR SICH SELBST BÖSE IST?

 

Nein, sondern auch dasjenige ist Sünde, wo ein Werk zwar wohl an sich selbst gut wäre, mangelt aber gleichwohl an einem oder andern Umstand, dass es nicht so ernstlich, aus solcher Liebe zu Gott und dem Nächsten, mit einiger unrechter Absicht, nicht so vorsichtig, wie es sein sollen, geschiehet: da ist alsdann solcher Mangel Sünde, und beflecket das ganze Werk. Und also findet sich auch Sünde an den guten Werken. 

 

370. WOHER KOMMT SOLCHES?

 

Daher, weil Gott nicht nur befohlen hat, was wir für äußerliche Werke tun, sondern wie sie und unser Herz in denselben beschaffen sein sollen: daher wird jeglicher Mangel dagegen zur Sünde. 

 

371. WER IST DER SÜNDEN URSACHE?

 

Nicht Gott (A), denn was dieser macht, ist alles sehr gut (B), und er hasset das Böse (C), sondern der Teufel, der zuerst gesündiget, die Menschen zur Sünde verführet hat, und noch jetzo zur Sünde antreibet (D). Sodann des Menschen eigener Wille, der sich in Adam von Gott abgewandt, und nunmehr so böse worden ist, dass er ihn zur Sünde reizet (E). 

 

(A)

Jak. 1,13: Niemand sage, wenn er versuchet wird, dass er von Gott versuchet werde; denn Gott ist nicht ein Versucher zum Bösen, er versuchet niemand. 

 

(B)

1 Mos. 1,31: Gott sahe an alles, was er gemacht hatte, und siehe da, es war sehr gut. 

 

(C)

Ps. 5,5: Du bist nicht ein Gott, dem gottloses Wesen gefällt: wer böse ist, bleibet nicht vor dir. 

 

(D)

Joh. 8,44: Der Teufel ist ein Mörder vom Anfang und ist nicht bestanden in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm; wenn er die Lügen redet, so redet er von seinem Eigenen; denn er ist ein Lügner und ein Vater derselbigen. 

2 Kor. 11,3: Die Schlange hat Evam verführet mit ihrer Schalkheit. S. 1 Mos. 3.

Weish. 2,24: Durch des Teufels Neid ist der Tod in die Welt gekommen. 

2 Tim. 2,25.26: Ob ihnen Gott dermaleins Buße gäbe, die Wahrheit zu erkennen, und wieder nüchtern würden aus des Teufels Strick, von dem sie gefangen sind zu seinem Willen.

2 Kor. 4,4: Bei welchen der Gott dieser Welt der Ungläubigen Sinne verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangelii von der Klarheit Christi. 

 

(E)

Röm. 5,12: Durch Einen Menschen ist die Sünde kommen in die Welt, und der Tod durch die Sünde, und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie alle gesündigt haben. 

Jak. 1,14.15: Sondern ein jeglicher wird versuchet, wenn er von seiner eignen Lust gereizet und gelocket wird; darnach wenn die Lust empfangen hat, gebieret sie die Sünde, die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebieret sie den Tod. 

 

372. IST ABER GOTT NICHT DIE URSACH DER SÜNDE, WEIL SIE JA OHNE SEINEN WILLEN NICHT GESCHEHEN KÖNNTE?

 

Nein, er ist auf keinerlei Weise Ursache daran, will und wirket dieselbe auch nicht, aber aus gerechtem Gericht lässet er die Sünde dem Teufel und den Menschen zu, und regieret sie auch darinnen so weislich, dass aus dem Bösen etwas Gutes folgen muss: da dann das Böse des Teufels und des Menschen, das Gute aber allein sein, Gottes, Werk ist. 

 

373. WIE VIELERLEI IST DENN DIE SÜNDE?

 

Zweierlei: die erbliche und die wirkliche Sünde. 

 

374. WAS HEISST DIE ERBLICHE ODER ERBSÜNDE?

 

Sie ist diejenige schreckliche Verderbnis unserer Natur, dass anstatt des vorhergehabten Ebenbildes Gottes, wir in die Welt geboren werden ganz untüchtig für uns selbst zu allem Guten, ohne Glauben, Furcht und Erkenntnis Gottes, und in natürlicher Blindheit; hingegen mit steter Begierde zu allerhand Bösem, und allem dem, was Gott entgegen ist. Aus dieser vergifteten Wurzel entstehet nachmals alles übrige Böse, ja stecket schon in derselben. 

 

375. WIE STECKEN ALLE SÜNDEN IN DER ERBSÜNDE?

 

Also, gleichwie die Früchte eines Baums in seiner Wurzel stecken, und daraus entstehen. Daher, was je in der ganzen Welt von den gottlosen Menschen begangen ist worden, Kains Brudermord, Lots Blutschande, der Sodomiter Unzucht, Davids Ehebruch, Manasse Zauberei, und andere dergleichen Greuel, sind bei solchen Leuten Früchte gewesen der, ihnen und uns allen angebornen Erbsünde: weswegen denn zu allen Lastern in einem jeglichen Menschen der Same stecket, auch, wo sich die Gelegenheit und Versuchung dazu finden würde, in eben dergleichen Früchten ausbrechen könnte, wann nicht göttliche Gnade ihn davon zurückzöge und abhielte. 

 

376. WOZU SOLL UNS ABER DIE ERKENNTNIS SOLCHER VERDERBNIS ANTREIBEN?

 

Bei uns selbst zu gründlicher Reue über unsere Sünden, die alle, wie geringe sie scheinen, aus einem so grundbösen Herzen entstehen, zu wahrer Demut vor Gott und zur Vorsichtigkeit, dass wir solchen gefährlichen Samen nicht aufgehen lassen: gegen andere aber zu herzlichem Mitleiden, wo wir jemand sündigen sehen, dass wir gedenken, wir seien von Natur nicht besser als er, und tragen eben solchen Samen in unseren Herzen; daher wir es Gott allein zu danken haben, der solchen Ausbruch durch seine Gnade bei uns gehindert. 

 

377. WOHER HEISST SIE DIE ERBSÜNDE?

 

Weil wir sie von unsern Eltern erben, und sie durch die natürliche Geburt fortgepflanzet wird. 

 

Ps. 51,7: Siehe, ich bin aus sündlichem Samen gezeuget, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen. 

 

378. BEI WEM IST DIE ERBSÜNDE?

 

Bei allen Menschen, die nach dem Fall natürlicher Weise geboren werden (A): daher allein Christus ausgenommen ist, welcher nicht bloß natürlicher Weise, sondern über die Natur geboren worden (B). 

 

(A)

Joh. 3,6: Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch. 

Röm. 5,12: Durch Einen Menschen ist die Sünde kommen in die Welt, und der Tod durch die Sünde, und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie alle gesündigt haben. V. 19: Durch Eines Menschen Ungehorsam sind viel Sünder worden. 

 

(B)

Hebr. 7,26: Einen solchen Hohenpriester sollten wir haben, der da wäre heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert, und höher, denn der Himmel ist. 

 

379. IST SIE ABER AUCH NOCH IN DEN WIEDERGEBORNEN ÜBRIG?

 

Ja, sie fühlen sie noch stetig bei sich, aber sie widerstreben ihr und dämpfen ihre Lüste. 

 

Röm. 7,18: Ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch wohnet nichts Gutes. Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht. 

Gal. 5,17: Das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch; dieselbigen sind wider einander, dass ihr nicht tut, was ihr wollet. 

 

380. WORINNEN IST DENN DIE ERBSÜNDE BEI DEM MENSCHEN?

 

In seiner ganzen Natur (A), in dem Leib, der zu dem Guten träg und ungeschickt ist (B), und in der Seele, darinnen der Verstand von Natur in geistlichen Dingen unwissend und verfinstert (C), der Wille widerspenstig und alles Bösen begierig (D), alle Begierden ganz ungehalten sind (E). 

 

(A)

Röm. 7,18: Ich weiß, dass in mir, das ist, in meinem Fleische wohnet nichts Gutes. 

Hebr. 12,1: Lasset uns ablegen die Sünde, so uns immerdar anklebet, und träge macht. 

 

(B)

Röm. 7,23: Ich sehe ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt, und nimmt mich gefangen in der Sünden Gesetz, welches ist in meinen Gliedern. 

 

(C)

Eph. 4,17.18: So sage ich nun, und zeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr wandelt, wie die anderen Heiden wandeln, in der Eitelkeit ihres Sinnes, welcher Verstand verfinstert ist, und sind entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist, durch die Blindheit ihres Herzens. 

1 Kor. 2,14: Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geiste Gottes; es ist ihm eine Torheit, und kann es nicht erkennen. 

 

(D)

Röm. 8,7: Fleischlich gesinnet sein ist eine Feindschaft wider Gott; sintemal es dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag es auch nicht. 

Mark. 7,21-23: Von innen, aus dem Herzen der Menschen, gehen heraus böse Gedanken, Ehebruch, Hurerei, Mord, Dieberei, Geiz, Schalkheit, List, Unzucht, Schalksauge, Gotteslästerung, Hoffart, Unvernunft: alle diese Stücke gehen von innen heraus, und machen den Menschen gemein. 

 

(E)

1 Mos. 8,21: Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. 

 

381. WAS HEISST ABER DIE WIRKLICHE SÜNDE?

 

Alles, was aus solcher Verderbnis bei uns herausquillt: wo mit Gedanken, Begierden, Worten oder Werken Böses getan, oder das Gute unterlassen wird. 

 

382. IST DENN DAS GUTE UNTERLASSEN AUCH SÜNDE?

 

Freilich ists Sünde, weil Gott nicht nur von uns fordert, dass wir das Böse lassen, sondern auch das Gute tun sollen: daher wer dieses unterlässet, hat den Willen seines Vaters nicht getan (A), welches ihn eben sowohl verdammen kann (B).

 

(A)

Jak. 4,17: Welcher weiß Gutes zu tun, und tuts nicht, dem ists Sünde.

Luk. 12,47: Der Knecht, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen getan, der wird viele Streiche leiden. 

 

(B)

Matth. 7,19: Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen, und ins Feuer geworfen. 

Matth. 25,30: Den unnützen Knecht werfet in die Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen. V. 41ff: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset, u.s.w. 

 

383. WIE VIELERLEI IST DIE WIRKLICHE SÜNDE?

 

Zweierlei: die Sünde der Schwachheit, oder welche nicht herrschet in dem Menschen, und die Sünde der Bosheit oder herrschende Sünde (A). Das erste nennet Johannes Sünde haben (B), das andere Sünde tun und sündigen (C). 

 

(A)

4 Mos. 15,27: Wenn aber eine Seele durch Unwissenheit sündigen wird. V. 30: Wenn aber eine Seele aus Frevel etwas tut. 

 

(B)

1 Joh. 1,8: So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 

 

(C)

1 Joh. 3,8.9: Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündiget von Anfang. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. Wer aus Gott geboren ist, der tut nicht Sünde; denn sein Same bleibet bei ihm, und kann nicht sündigen, denn er ist von Gott geboren. 

 

384. WAS HEISST DENN SCHWACHHEITSSÜNDE?

 

Wo ein frommer Christ, so sonsten einen herzlichen Vorsatz hat, seinem Gott rechtschaffen zu dienen, aus Unwissenheit oder Übereilung etwas Unrechtes tut, aber weder Wohlgefallen daran hat, noch darinnen fortfähret, sondern sobald ers gewahr wird, bereuet und davon ablässet (A). Weil nun bei solchem Fehler der Glaube und gut Gewissen noch bleibet, so verdammt sie den Gläubigen nicht, und heißet daher eine lässige Sünde; nicht gleich, als verdiente sie nicht die Verdammnis, sondern dass sie Gott um Christi willen durch den Glauben gleich nachlässet und vergibt (B). 

 

(A)

Röm. 7,15-17: Ich weiß nicht, was ich tue; denn ich tue nicht, das ich will, sondern das ich hasse, das tue ich. So ich aber das tue, das ich nicht will, so willige ich, dass das Gesetz gut sei. So tue nun ich dasselbige nicht, sondern die Sünde, die in mir wohnet. 

 

(B)

Röm. 8,1: So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. 

 

385. WAS IST DENN DIE BOSHEITSSÜNDE?

 

Wo der Mensch wissentlich und mit Willen Böses tut, daran seinen Gefallen hat, und darinnen fortfähret, also die Sünde über sich herrschen lässet (A). Solche Sünde, weil sie bei denjenigen, die den Heil. Geist vorhin gehabt, denselbigen sobald austreibet, und den Menschen wirklich in Gottes Zorn und Verdammnis stürzet, wird die Todsünde genennet (B). 

 

(A)

Joh. 8,34: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. 

Röm. 6,12-14: So lasset nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüsten; auch begebet nicht der Sünde euere Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch Gott, als die da aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit. Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade. V. 16: Wisset ihr nicht, welchem ihr euch begebet zu Knechten in Gehorsam, deß Knechte seid ihr, dem ihr gehorsam seid, es sei der Sünde zum Tode, oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit. 

Luk. 12,47: S. Fr. 382. 

 

(B)

Röm. 8,13: Wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. 

 

386. WELCHES IST DER ÄUSSERSTE GRAD DER BOSHEIT?

 

Die Sünde in den Heil. Geist, oder wissentliche, mutwillige Verleugnung der göttlichen, in sonderbarer Erleuchtung erkannten Wahrheit und Lehre der Gottseligkeit, mit folgender deroselben freventlicher Lästerung (dass dasjenige, was göttlich ist, dem Teufel zugeschrieben wird), auch Verfolgung und endlich Beharrung in solcher Unbußfertigkeit. 

 

Matth. 12,31: Ich sage euch: alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung wider den Geist wird den Menschen nicht vergeben.

Hebr. 6,4-6: Es ist unmöglich, dass die, so einmal erleuchtet sind, und geschmecket haben die himmlischen Gaben, und teilhaftig worden sind des Heil. Geistes, und geschmecket haben das gütige Wort Gottes, und die Kräfte der zukünftigen Welt, wo sie abfallen, (und wiederum ihnen selbst den Sohn Gottes kreuzigen, und für Spott halten), dass sie sollten wiederum erneuert werden zur Buße. 

 

387. IST DENN GÖTTLICHE BARMHERZIGKEIT UND CHRISTI VERDIENST NICHT GROSS GENUG, AUCH SOLCHE SÜNDE ZU VERGEBEN?

 

Der Mangel ist nicht an denselben, als welche an sich groß genug sind, und über alle Sünden gehen, sondern weil der Mensch in Unbußfertigkeit verharret, nachdem er den Heil. Geist verstoßen hat, ohne welchen er sich nicht bekehren kann. 

 

388. WAS VERDIENEN WIR DENN MIT DER SÜNDE?

 

Gottes Zorn und Ungnade, zeitliche und ewige Strafe.

 

389. WER STRAFET DIE SÜNDE?

 

Gott selbst nach seiner Gerechtigkeit, weil er ist ein Rächer zur Strafe über alle, die Böses tun (A). Er brauchet sich aber oft der Kreaturen, die die Werkzeuge seiner rechtmäßigen Strafgerichte sind (B). 

 

((A)

 

2 Mos. 20,5: Ich der Herr dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsuchet der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen. 

 

(B)

Röm. 13,4. von der Obrigkeit: Sie ist Gottes Dienerin, dir zu gut; tust du aber Böses, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses tut. 

Sir. 39(40),32-37: Solches alles kommt den Frommen zu gut, und den Gottlosen zu Schaden; und wenn die Strafe kommen soll, so toben sie, und richten den Zorn aus deß, der sie geschaffen hat. Feuer, Hagel, Hunger, Tod, solches alles ist zur Rache geschaffen; die wilden Tiere, Skorpionen, Schlangen und Schwert sind auch zur Rache geschaffen, zu verderben die Gottlosen; mit Freuden tun sie seinen Befehl, und sind bereit, wo er ihrer bedarf auf Erden; und wenn das Stündlein kommt, lassen sie nicht ab. 

 

390. WELCHE SÜNDEN STRAFET GOTT?

 

Alle, wie gering sie auch vor Menschenaugen sind. Und zwar sind alle des Fluches und der Verdammnis würdig (A), also, dass wir auch der Erbsünde wegen bereits Kinder des Zorns sind (B). 

 

(A)

5 Mos. 27,26: Verfluchet sei, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllet, dass er darnach tue; und das Volk soll sagen: Amen. 

 

(B)

Eph. 2,3: Wir waren auch Kinder des Zorns von Natur, gleichwie auch die andern. 

 

391. WELCHES IST DIE EIGENTLICHE STRAFE DER SÜNDEN?

 

Der Tod. 

 

1 Mos. 2,17: Welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben. 

Röm. 6,23: Der Tod ist der Sünden Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu unserm Herrn. 

 

392. WIE VIELERLEI IST DER TOD?

 

Dreierlei: der geistliche, leibliche und ewige. 

 

393. WAS HEISST DER GEISTLICHE TOD?

 

Da der Mensch in Sünden tot ist, hat das Leben aus Gott nicht, und also kein Vermögen Gutes zu tun, mangelt demnach göttlicher Gnade (A), und wird deswegen immer weiter verstocket. Welches letztere aus Gottes Gericht eine schreckliche Strafe ist der vorigen boshaftigen Sünden (B). 

 

(A)

Eph. 4,18: Entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist, durch die Blindheit (Härtigkeit und Verstockung) ihres Herzens; welche ruchlos (fühllos) sind, u.s.w. 

Eph. 2,1: Da ihr tot waret durch Übertretung und Sünden. 

1 Tim. 5,6: Welche Witwe in Wollüsten lebet, die ist lebendig tot. 

 

(B)

Das Exempel Pharao, 2 Mos. Kap. 7-11 und 14. Der Juden, Jes. 6,9.10. Matth. 13,14. Mark. 4,12. Luk. 8,10. Joh. 12,40. Apg. 28,26. Röm. 11,8. Der Heiden, Röm. 1,28: Gleichwie sie nicht geachtet haben, dass sie Gott erkenneten, hat sie Gott auch dahin gegeben in verkehrten Sinn, zu tun, das nicht taugt. Unter den Antichrist, 2 Thess. 2,10.11: Dafür, dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, dass sie selig würden, darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, dass sie glauben der Lüge. 

 

394. WAS IST DENN DER ZEITLICHE TOD?

 

Nicht nur die letzte Trennung des Leibes und der Seele, sondern auch allerhand Unglück und Leiden in der Welt. 

 

2 Mos. 10,17. 

 

395. WAS IST DER EWIGE TOD?

 

Die ewige Verdammnis, so auch der andere Tod genannt wird, Offenb. 50,6.14, in welchem die Verdammten von Gottes Zorn mit unaussprechlicher Marter ewiglich sollen gequälet werden. 

 

Matth. 10,28: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, und die Seele nicht mögen töten; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben mag in die Hölle. 

2 Petr. 2,9: Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu erlösen, die Ungerechten aber zu behalten zum Tage des Gerichts, zu peinigen. 

2 Thess. 1,7-9: Der Herr Jesus wird offenbaret werden von dem Himmel samt den Engeln seiner Kraft und mit Feuerflammen, Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelio unsers Herrn Jesu Christi; welche werden Pein leiden, das ewige Verderben von dem Angesicht des Herrn, und von seiner herrlichen Macht. 

Offenb. 21,8: Den Verzagten, und Ungläubigen, und Greulichen, und Totschlägern, und Hurern, und Zauberern, und Abgöttischen, und allen Lügnern, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennet: welches ist der andere Tod. 

 

396. WELCHER TOD ABER IST DER SÜNDEN STRAFE?

 

Alle diese drei Arten, indem die Sünde den Menschen außer göttlicher Gnade setzt, und wo derselbe darinnen fortfähret, Gott aus gerechtem Gericht zulässt, dass der Teufel ihn je länger je mehr verstockt, und er sich aus eigener Bosheit verhärtet: so ist auch der Mensch, so von Natur, wie er erschaffen, unsterblich gewesen, durch die Sünde sterblich und allerlei Jammer unterworfen worden, bis der ewige Tod folge, wo keine Versöhnung darzwischen kommt.

 

397. WEN STRAFT ABER GOTT WEGEN DER SÜNDEN?

 

Diejenigen selbst, die gesündiget haben (A), wofern sie sich nicht bekehren, und also die verdiente Strafe abgewendet wird (B). 

 

(A)

Ezech. 18,4: Siehe, alle Seelen sind mein, des Vaters Seele ist sowohl mein, als des Sohnes Seele. Welche Seele sündiget, die soll sterben. 

 

(B)

Ezech. 18,21.22: Wo sich der Gottlose bekehret von allen seinen Sünden, die er getan hat, und hält alle meine Rechte, und tut recht und wohl, so soll er leben, und nicht sterben. Es soll aller seiner Übertretung, so er begangen hat, nicht gedacht werden, sondern soll leben um der Gerechtigkeit willen, die er tut. 

 

398. DROHET DENN NICHT GOTT AUCH DIE MISSETAT ZU STRAFEN IN DAS DRITTE UND VIERTE GLIED?

 

Ja: nämlich an denen, welche ihrer Eltern Bosheit nachfolgen, rächet Gott der Eltern und der K